Einzelbild herunterladen
 

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

-

»/

**A

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

N. 83

TieOderheifiiche Zeit»«- ' ettoebti fe&smal wöchentlich. ®ej«gsptei» monatlich 17 Mk. Für ausfallend« Nummer» infolge Streiks oder elementar« Ereignisse kein Ersatz. Berlaq von Dr. T.Hitzeroti>. Druck der llniv.-Buchdruckerei von Joh. Aug. Koch, Markt 21/23. Kernfpre»« 55, Postlcheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Mat«.

Marburg Mm. 6t« 7. AB Ostermond.

Der Auzeigenvreis beträgt für di« S gefo. Zeil« oder dere« Raum AO Pfg. für den Milli­meter, amtliche und auswärtig« 1.20 Mk. Ander« Spaltenbreite« nach entfprechender Berechnung. Spät einlaufend« oder de« Raum über */, Seite etnnebmenbe An­zeige« ft«6 wir berechtigt, nach der Te;t!valtendreite zu fegen und zu berechnen. Sogen. ReNamen berechnen wir die Cosi-Zetle mit 9.00 Mk. Jeder Rabatt gilt als Larrabatt. Bei Auslunft durch die Geichäftsftelle und Vermittlung der Ange­bote 1 Mk. Sondergebübr.

57. m

1922

aas

M MtMkt Bül d!k MIIMtk.

Der Instand von 1913 anerkannt.

F Berlin, 6. April. Der Reichsminister des Auswärtigen hat am 5. April an General Rollet lein Schreiben in der Polizeifrage übermittelt, in wem es u. a. heißt:

< Schon vor Eingang seiner Rote vom 23. 3. habe wie deutsche Regierung sich veranlaßt gesehen, die , Frage der Ordnungspolizei den verbündeten Hauptmächten zu unterbreiten und dabei ersucht, die schweren inneren Gefahren zu berück­sichtigen, die für Deutschland aus einer Schwächung der Schutzpolizei entstehen müßten. Inzwischen habe die Kontrollkommission die Rückkehr zur Or­ganisation der Polizei von 1913 verlangt. Die deutsche Regierung hofft nach rbie vor, daß sich die ^Verbündeten bereitsinden werden, eine Verständi­gung in der Frage der Ortspolizei zu suchen. Die deutsche Regierung geht davon aus, daß die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ord­nung und damit auch die für das Wirtschaftsleben unentbehrliche polizeiliche Grundlage garantiert werden müßte. Unter dieser Voraussetzung erekenne die deutsche Regierung für sämtliche deut­schen Länder den Zustand von 1913 als Grundlage für die Organisation der Polizei an.

Das Vorgehen der Kontrollkommission gegen die Ortspolizei der deutschen Länder kaufe darauf hin­aus, die Ortspolizei zu atomisieren und ihr den Charakter rein kommunaler Schuhmannschaften aufzuzwingen. Würden die festen Verbände völlig aufgelöst, so bedeute die Polizei im Falle großer Unruhen nicht eine Stutze, sondern eine Gefahr für den Staat, weil ihre Waffen in kürzester Frist in den Besitz der Aufrührer übergehen würden. Andererseits sei auch die Reichswehr nicht ent« feint stark genug, um für sich allein den Schutz von Ruhe und Ordnung gewahrlisten zu können.

Die Rote erinnert zum Schluß an die Solidari­tät aller Kulturvölker gegen staats- und autoritäts- eerneinenbe Elements und weist auf die ernste !Gefahr für die Sicherheit hin, die in Deutschland einen Zustand innerer Wirren entfachen würden.

Die Antwort aus die Entschiidigungsnote.

Berlin, 6. April. Von zuständiger Seite wird gegenüber anderslautenden Meldungen mit« |geteirt, daß keine Rote eingcgangen sei, die die Beantwortung der EntschädlgungssÄe bis zum ^Sonnabend verlangt hätte.

DerB. Z." zufolge erscheint die Absendung der deutschen Antwort auf die Entschädigungsnote, die noch vor der Abreise der deutschen Abordnung nach Genua erfolgen sollte, eine Verzögerung er- Ktteii zu haben, so daß mit ihrer Veröffentlichung vor Beginn der Konferenz nicht zu rechnen fei.

Wie dieDeutsche Allg. Zig." mitteilt, hat das Reichskabinett den Wortlaut der Antwort fest- gelegt. Wie masere Blätter erfahren, hat der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages, Dr. Strefemann, den Ausschuß auf Freitag Vormittag einberufen, um ihm Gelegen­heit zu geben, zu der Antwortnote Stellung zu nehmen. Infolge der verzögerten Fertigstellung der Note hat Reichskanzler Dr. Wirth, der gestern jbie Reise nach Genua antreten wollte, die Abfahrt litt letzter Stunde verschoben. Er wird in der sSitzung des Auswärtigen Ausschusses das Wort 'ergreifen.

MdsebuMk für Mr Karl in Wien.

Wien, 6. April. Heute Nachmittag fand im StcphanSdom eine von Kardinal Pisst zelebrierte Trau ermesse für Kaiser Karl statt, der Bundeskanzler Schober unb einige Minifter, sowie Präsident Weiß- Nrchner und die christlichfoziale Bereinigung bei­wohnten. Nach dem Reqiem veranstaltete eine kleine monarchistische Gruppe vor dem Stephansdom eine Kundgebung für den verstorbenen Kaiser und das Haus Habsburg durch Hochrufe und Absingen des HabSburg- ürbfS, das von einem Teil des sich ansammelnden Sr.biifuntS mit entblößtem Haupt angehört wurde. Die Monarchisten zogen dann, begleitet von einer Volksmenge vor das Parlament, wo sie die Kund­gebung iriederbolten und dadurch mehrere Gegen- Lußerungen von sohzialdrmokratischer Seite hervor- tiefen. Da die Lage vorübergehend bedrohlich zu werden schien, griff die Polizei ein und zerstreute schließlich die Demonstranten. Inzwischen hatte sich eine Abordnung der Monarchisten zum Präsidenten des Rationalräts, Weißkirchncr begeben, um die Hiisuna der Fahne auf halbmast und eine letzte ojfi-

zielle Ehrung für Kaiser Karl durch da» Parlament zu verlangen. Weißkirchner antwortete, er könne dieser Forderung nicht entsprechen, da sich die Mehrheit de» Nationalrates gegen j«d« Trauersiindgebung ausge­sprochen habe. > ,

Wutz fier intemMmlm SozllMsMAi.

Vorbereitung weiterer Konferenzen. --- Massenkund­gebungen.

Berlin, 6. April. In der heutigen Sitzung der Sozialistenkonfevenz verlas der Vertreter der Inter­nationalen Arbeitsgemeinschaft Adler-Wien einen von den drei Jnternationccke« anerkannte» Beschlust worin es heißt:

Tie Konferenz ist einig, 5ast so sehr eine Ber- einheitlichung der Klassenorganisation des Proletariats wünschenswert ist es im gegenwärtigen Moment sich nur um gemeinsame Beratungen zum Zwecke gemein- samer Aktionen mit konkreten in der Konferenz ver­tretenen Richtungen handeln kann. Die Konferenz schlägt daher vor, daß die Exekutiven ihre Zustimmung zur Einsetzung eines neungliedrigen OrganisationS- ansschusses einholen, dem es obliegt, die Vorbereitungen sür tödtere Konferenzen in eriveitrrtem Maßstabe unter Heranziehung von Parteien, die keiner der drei internationalen Organisationen angeschloffen sind, zu organisieren. Die Konferenz nimmt Kenntnis von der Erklärung der Vertreter der kommunistischen Internationale, daß in dem Prozeß gegen 47 Sozial­revolutionäre alle von diesen gewünschten Verteidiger zugelassen werden und in diesem Prozeß die Ver­hängung von Todesstrafen ausgeschlossen sein wird.

Die Konferenz fordert die Achciter aller Länder Länder auf, in einer kraftvollen, möglichst geeinten Massenkundgebung während der Kmferenz in Genua und zwar am 20. April, und wen« dies nicht möglich, am 1. Mai, zu demonstrieren für den Acht­stundentag, für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die durch die Entschädigungspolitik kapitakiMscher Mächte ins Maßlose gesteigert wird, für eine ein* heitlicbc Aktion des Proletariats gegen dir kapita­listische Offensive, für die russische Offensive, für die russische Revolution.

Adler schloß mit einem Hoch auf die Internationale. Darauf wurde die Versammlung mit Absuden der Internationale geschlossen.

--*.

logmifi des MUMindes.

Um das Streikrccht der Beamten.

Berlin, 6. April. Im LehrervereinShrÄs ibcaar-n honte dar 3. Bundestag des Deutschen MamtenbuM?. Zu der Tagung waren nrnb 600 Delegierte an? dem Reich erschienen. Als Gäste waren tcWTvfc Moeordnet-' M Reichs- und Landtags anwesend. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt der erste Vorsidende des Beamten- t'undes Lebrer Flügel eint Begrüßungsansprache, in her er die Notwendigkeit einer kraftvollen Politik des B-srnterckirnde» betonte. Nach der Bürowabk hielt Flügd eine programmatische Rede über die künstise Eniw'ck- lung des Beamteechnndes. Anseebend von Artikel 130 Str Reichsverfassung, wonach die Beamten Diener der Gesamtheit, nicht einer Partei sind, betonte der Vortragende die Notwendigkeit der parteipolitisch neu­tralen Grundlage ber Beomicnrcrb8o.de. Zur Frage des Beamtenstreiks erklärte ber Redner, daß diese furcht* bare Waffe nur im Zu stand äußerster Notw-hr ange­wandt werden kann. Feder Beamtenstreik berge die Gefahr des Aufhörens der Beamtengrnnd* rechte in sich. Nur bei ernsthafter Bedrohung der ver* saffuna.smäßigen Grundrechte der Beamten und bei ernster Gefährdung ihrer Eristenzmöglichkeit fei der Streik als letztes Mittel anzuwenden. Der sogenannte Brrfassung?- streik sei als Streik nicht anzusprechen. Zur Frage des Verhältnisses des Beamterckund-S zu den Gewerkschaften sagte Flügel, daß als unbedingte Voraussetzung für die Zusammenarbeit die Wahrung der partePoliikschen N e it« tral ität des Beamtenbundes und seiner organischen Selbständigkeit nötig sei. ES wurde beschlossen, die programmatischen Ausführungen Flügels drucken zn lassen und dem Bundestag noch vor seinem Eiste zu unter» 6retten. An die Rede Flügels schloß sich eine Aus­sprache, an der die Vertreter deS Bntstes der technischen und industriellen Angestellten, der Vertreter der Geworl- schaft deutscher EisenSahnkeamten und Waldemann vom bayerischen Beamtenbund teilnabmen.

Die Aussprache, die den programmatischen Erklärun­gen Flügels folgte, drehte sich um die Frage deS Be­amtenstreiks. Der Vertreter des Reichsbundes btt Kom- munalbeamten, Ehrmann, erklärte, die Beamten woll­ten nicht in einen Klassenkamps hin.eingezogen werden. Der Streik sei in der Hand der Beamten eine Waffe, die unter Umständen sich auch gegen sie werbt toenbtn können. Daraus hielt Warstein von der ReichSgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamter eine BerteidigungSredt sür bie Haltung seiner Organisation während de» Streiks der Eisenbahnbeamten. Der zwdte Vorsitzende der Reichs­gewerkschaft, Scharfschwerdt, führte au»: Wir haben das Programm de» Vorsitzenden nicht verstanden unb können es auch nicht unterschreiben. Wir werden nicht eher den Saal verlassen, bis Klarheit über die Frage des Streik rechts der Beamte« geschaffen ist. Wenn

man daS BerusLeanitentmn heute erhallen wolle, dann hätte man die Beamten nicht unter die Arbeiter sink-n lassen dürfen. Mr haben den ehrlichen Willen, für die Gesamtheit der Beamten weiterzuarbeiten, aber nicht in einer Politik der Kompromisse und der Unterordnung, andern in einer Poütik des Handelns. (Stürm. Beifall.) BundeSditektor Remmer» rechtfertigte da­rauf die Haltung der BundeSlcitung des Beamtenbundes während de» Eisenbahnbeamtenstreiks und wies besonders daraus hin, daß die ReichSgewerkschaft die vom Beamten­bund angebotene Vermittlertätigkeit abgelehnt habe. RemmerS stellte weiter fest, daß da» Einkommen der Beamten abhängig gemacht weroe von den Löhnen der Arbeiterschaft, doch sei ein Zusammengehen zwischen Beamten- und Arbeitergewerkfchasten nicht möglich; die Wesensart des Beamten und A'.beiters seien zu ver­mieden, al» daß eine gemeinsame Zusammenfassung möglich würde. Um die geplanten Maßregelungen zu ver­ringern, sei eine geschlossene Aktion der gesamten Be­amtenschaft notwendig.

Nach einer längeren Geschastsordnungsanssvrache wurde flegtn eine starke Minderheit beschlossen, daß außer den Ausführungen de» Vorfitzenden auch die Rede Scharf- chwerdts gedruckt werden solle

.-'Sti'-.; Kampfansage MrnneS.

Berlin^ ö. Aprtl. Rach den Neuwahlen zmn Vorstand der Reichsgewetklchaft deutscher Eisenbahn­beamter unb -Anwärter hielt auf der Hauptversamm­lung der Neichsgewerkschast der wiedergewcihlte Erste Vorsitzende Menne eine Rede, in der et der Regie­rung und dem Deutschen Beamtenbund den schärf- sten Kamps anfagle. Et erklärte, daß, solange er daS Steuer der ReichSgewerkschaft tn Händen habe, nicht ein einziger Gematzregekter ans der Strecke blei­ben werde. Die ReichSgewerkschaft werde durch Kampf das erreichen, waL ihr auf dem Verhandlungswege verweigert worden sei. Et werde Dafür sorgen, das; auch der Deutsche VeamtenSnnd seine bisherige Neu­tralität aufgebe und sich auf den Kamps ein­stelle. Tue der Beamtenbund das nicht, dann solle er zum Teufel gehen. Die Tagung wurde nach der Rede MenneS geschlossen. Die Wiederwahl Mennes wird, einer Korrefpondenzmeldung zufolge, zu einer Spaltung führen. Eine Anzahl von Fachgewerk- schaften hat bereits erklärt, daß sie unter der Leitung MenneS derNetchSgcwetkfchast nicht mehr angehören wolle.

--*-

WMM S?5 NWm fies 3nncm.

Der Preußische Minister des Innern betont in einem neuen Erlaß die wachsenden Ausgaben der Polizei bei der Wuchetbekömhsung. Wenn auch Umstände der verschieden­sten Art, insbesondere die unübersehbaren Schwankungen der Valuta, einer gesunden stetigen Preisbildung ent* grgensteben, so baß Preissteigerungen vielfach unver- meidlich frjen, so ergeben doch Feststellungen fast täglich, daß unlautere Elemente diese durch die GesamwrrhSlt- ttiffe der sichten Zeit grsch-rfftne Notlage in gewissenloser Weise auSbcuten, die Versorgung deS Volke? mit den lebensnotwendigen Gegenständen aufs äußerste gefährden und dadurch die öffentliche N"he, Sicherheit und Ord­nung untergraben. Die ministeriellen Erlasse vefi.n 14. September 1921 und vom 6 Januar 1922 enthalten eingehende Auochnungen über eine wirksame Bekämpfung kber wucherischen ?N-.chenschaft. Der Minister weist er­neut darauf hin, daß es sich dabei in besonderem Maße um den Schutz ber reellen Erzeuger- und Handelskreise bandelt, die zur Mitwirkung bei Bekämpfung des Schie­ber- und Wuchertums in weitgehendem Umfange heran* ruziehen sind.Ich hege um so mehr die Erwartung, daß sie die Policzibehörden und die anderen berufenen Organne tatkräftig unterstützen, weil sie selbst das größte Interesse an der Beseitigung und Bestrafung der Schäd­linge Hobe», die das Ansehen der Industrie, des Handels und Gewerbes tote der Landwirtschaft zugrunde richten." Der Minister macht es allen Behörden und Dienststellen, «'nsbesondere den OrtS- und Landesvolizeibehörden, zur Pflicht, sich eingehend und ständig über die vielfach einem Wechsel unterworfenen Mißstände zu unter­richten, seine Anordnungen unbedingt durchzu­führen und eS nicht etwa bei vereinzellem Eingreifen b-wenden zu lassen. Alle Polizeibehörden werden ersucht, ihre besondere Aufmerksamkeit diestr zur Zeit vielleicht wichtigsten polizeilichen Aufgabe zuzuwenden.

---*---

Rate-Rußland.

Neuordnung beS roten Heeres.

Kopenhagen, 5. Avril. Der SriegSrat bet Rätetegtetung stimmte, wie bieSSerlingfte Zlbeubc aus HelsingsotS metbet, einer Neuordnung deS Heeres zu. Das gesamte rote Heer soll in zwölf Armeen eingcteilt werben. Die wichtigsten militärischen Mit­telpunkte sollen Kijew, Jekaterinoslaw unb Rostow am Don sein. Das Jntenbanturwesen soll bem Ober­befehl Brussilows unterstellt werben. Nach Mit­teilungen auS Rutzlanb sind in letzter Zeit zahlreiche OfsizierSzöglinge aus bett Militärfchulen in Moskau über bie Grenze gelaufen. Die Grenzwachen würben aus biesem Anlaß verstärkt.

Einziehung bet Kirchenlostbarkeiten.

MoSkau, 6. April. Am 30. März würbe mit bet Einziehung bet Kostbarkeiten in ben Synagogen unb am 31. März in ben Kirchen begonnen. Am ersten Tage würben etwa 60 Pub Gold unb SUber veschlag- nahmt. Auch in ben Synagogen ber Provinzen wer­den die Kostbarkeiten eingezogen.

Umsturz in Wladiwostok.

Moskau, 6. April. Au» Tschita wird gemeldet: Der Umsturz in Wladiwostok ist vollzogen. Merkulow lüchtete zu den Japanern. An der Spitz« bet neue» Regierung steht Bolbgtej.

---

Sie MtreHi ton Sem.

Der französische Sabotagepkan.

Paris, 6. April.Petit Parifien" schreibt: Soviel er erfahren habe, habe bei der gestrigen Zusammenkunft der französischen Abordnung und Sachverständigen für die Genueser Konferenz Mi, nisterprästdent Poincar6 die Grenzen bezeichnet, die zu überschreiten die französische Abordnung nicht das Recht habe. Die Abgesandten Frankreichs seien verpflichtet, sich jeder Beratung zu entziehen, die sich nicht auf die Gegenstände bezöge, die auf der Tagesordnung der Konferenz ständen. Die Ab­gesandten Frankreichs hätten in keiner Weife de« Charakter von Bevollmächtigten. Sie hätten nicht das Recht, Frankreich in irgend einer Weife zu verpflichten. DerPetit Parisien" fügt hinzu: Es ist nicht unmöglich, daß diese Bestimmung zu gewissen Schmierigkeiten führen wird. Die fran­zösische Abordnung werde jedenfalls in Genua die, einzige sein, die nicht mit Vollmacht versehen sek.

MI$t und ftuuiMe Rchmg.

Der Abgeordnete v. K a r d o r f f hat in seiner Reichs« tügsrede dankenswerterweise auf den gewaltigen Unter« schied, hin gewiesen zwischen dem Verhalten der deutschen Besatzungstruppen in Frankreich nach dem Kriege 1807/71 und der verbündeten, namentlich französischen, Besatzungs« truppen im Rheinland seit 1919. Er verwies aus einen Aufsatz des Herzogs von Trachenberg in derDeutschen Nation" darüber und führte aus (was in dem Parla- mentsbericht leider nicht ausgenommen wat):

Lesen Sie dort nach, welche Anerkennung der Miick- ster ThierS uno der französische Bevollmächtigte beim deutschen BesatzungShrtr, Graf St. Ballier, dem Führer der deutschen BesatzungSormec, v.Manteuf­fel, zollen. St. Vallier schreibt an ThierS:Fortgesetzt tut Manteuffel alles, um di« Last der Besatzung zn erleichtern und die Beziehungen der Truppen zu der Bevölkerung zu bessern." Im Jahre 1872 wollten bie deutschen Truppen den Geburtstag des Deutschen Kaiser» feiern. Illuminationen und Feuenverk wurden jedoch dab« vermieden und di« Truppen in den Kasernen grhal* ten. Bei dem Geburtstag Thiers überbracht« Man­teuffel seinen Glückwunsch und verglich ihn mit Epami« iiondas. Manteuffel lehnte eS ab, an der Einweihung der Universität Straßburg teilzunehmen, weil er bie GefühlederFranzosennichtverletzen wollte. Der französische Vertreter wurde bei allen wichtigen Maßnahmen erst um seine Meinung gefrtgL Am 14. Februar machte Manteuffel dem Grafen St. Ballier die Mitteilung, daß BiSmarck ihm geschrieben habe, er freue sich, daß das Ende der schweren Zeit Frank­reichs herannahe. St. Ballier sagte, die gute Gesinnung Manteuffels mache bie Besetzung für Frankreich erträg­lich. Obgleich er Deutscher sei, verdiene er ben Dank Frankreichs. So hat das kaiserliche Deutsch­land gehandelt. Da wurden feine Kasernen gebaut, keine Bordelle eingerichtet; da wurden die Bewohner nicht aus ihren Wohnungen vertrieben. Warum hat die deutsche Regierung nicht einmal in diese Archive ge­griffen und dem Ausland gesagt: Sv sind wir damarS verfahren, unb wie macht Ihr es jetzt?"

Ja warum? Nur nicht ansioßen, sondern immer guten Willen" zeigen, in der Hoffnung, durchWohl- verhalten" etwas zu rrrcicheni

Paris, 6. April. Nach einer Meldung au» Mainz kündigt die mnrr'kanifcheHeereslcitnng an, daß in den Monaten Mai und Juni je vier Truppen- Transporte mit s ä m t l ich e n amerikanischen Truppen den Rhein verlassen würden. Nur wenige Mann würden Zurückbleiben, um die endgültige Liquidierung vorzunehmen. Man studiere bereits die Frage des Verkaufs der Heeres lägen

---*---

Die Not der Prelle.

Der Reichstag erwartet einen Gesetzentwurf.

Berlin, 8. April. Ein Antrag sämtlicher Parteien des Reichstages, ausgenommen die Kom­munisten, der vom Reichstagspräsidenten Löbe ae der Spitze unterzeichnet ist, ersucht die Reichsregke» rung, mit möglichster Beschleunigung einen Gesetz­entwurf vorzulegen, wodurch der wirtschaftlichen Not der Zeitungen gesteuert wird. Der Reichstag erwartet diesen Gesetzentwurf so rechtzeitig, daß sein? Prüfung unmittelbar nach dem Wiederzusam­mentritt des Reichstags begonnen werden kann.

Gesandter Rauscher. Wie bie .Voss. Zig." erfährt, erteilte bie polnifche Regierung für ben bisherigen Vertreter Deutschlands in Georgien, Ulrich Siaufdiet, als deutschen Gesandten im Warschau ihre Zusttm- BUUtfc