Zweites Matt
Nr. 78
Sonnabend, 1. April
Ostermond
1922
M-ei-MM
Der Erfüllungslanzler als Ahlehuungskanzler. — Komrnunistische Umtriebe und Hoffnungen. — Polen Mud die Genfer Verhandlungen. — Die Revision deS Friedensvertrages von SevreS.
r i.
- Die Erklärung, dir Reichskanzler Dr. Wirth am Dienstag im Reichstag w der neusten Diktatnote ab’ gegeben bat. Ist von einer großen, von Sirefemann bis Scheidemann reichenden, Medrheit gebwigt worden. Die Deutsche Volkspartet (mit Ausnahme des Abg. Dr. Quaatz) hat geglaubt, für den Verlranensantrag stimmen ;u müssen, weil es notwendig sei, das Rein des Reichskanzlers burrf» eine möglichst breite Front des Reichstages zu unterstreichen, und für den Antrag trotz ihrer ablehnenden Hainmg gegenüber der ErfüllungSpolitik des Kabinetts Wirth Rathenau auch stimmen zu könne n, weil tu dem Antrag von dieser ebenso wenig die Rede sei wie von den Ausführungen Dr. Wirths im zweiten Teil seiner Rede, in dem er erneut auf die Verhandlungsbereitschaft dfr Gegner hoffte und ein gewisses Entgegenkommen Deutschlands für möglich hielt. Die Deutsche Volkspartei hat fich dabei von der Ueberzengung leiten taffen, daß nach der zum Teil ungewohnt scharfe« Rede des Kanzlers kein Zweifel mehr daran bestehen könne, das; den Worten jetzt auch die T a i folgen und die Forderung des Entschädigungsausschusses entsprechend beantwortet werde. Es wäre attch erstannlich, wenn die deutsche Antwortnote auf einen anderen Ton gestimmt fein würde, als er aus der Kanzlerrede herausNang. Freilich heißt es jetzt auch durchbalteli, weil eben doch einmal endlich dnrchaebalten werden m u 6. Und hier traut man der Erfürlungsregierung nicht gar so viel zu. Man kann verschiedener Ansicht darüber sein, ob gerade Dr. Wirtb der geeignete Mann ist, das Rein auszusprechen, daS schon längst hätte gesprochen werden sollen. Aber vielleicht ist es gerade richtig, das; der Kanzler, der bisher in der ganzen Welt alS der ausgesprochene ErfüllungSkanzler galt, nunmehr gezwungen ist, den treibenden Kräften der Gegner znzurufen: BiS hierher und nicht weiter! Man ist in Paris offensichtlich stutzig geworden über die Rede T^r. Wiribs, die zu vier Fünfteln den Beweis lieferte, das; seine Erfüllnngs- politik Schiffbruch erlitten bat (wenn Dr. Wirch auch eigentlich ihre Richtigkeit nachweisen wollte). Was da die französische Presse, einst sehr zufrieden mit dem Kanzler, schreibt, könnte teilweise auch einem Reichskanzler gelten, der Stresemann oder Helsferich hieße.
Es ist nicht zu bezweifeln, das, das Rein, das Regierung und Reichstag ausgesprochen haben, schwerwiegende Folgen basen wird. Da die Gegenseite über" alle Machtmittel verfügt, so wird der Abwehr- kamvf nicht leicht sein. Es gilt aber nicht nur den Kamps um die Ablehnung unerfüllbarer und unerträglicher Forderungen, sondern es geht auch darum, ob die Konferenz von Genua überhaupt «och die Mühe und die Kosten einer großen deutschen Vertretung wert fein soll. Hat der Emschädigungsattsschus; das Recht, mit der deutschen Regierung und dem deutschen Reichstag wie mit Befehlsempsängern umznspringen. so werden auch an dem Konferenztisch von Genua als Vertreter Deutschlands nur die Strohmänner eines
fremden Willens fihett. Der Reichstag bat der Regierung die Waffe in die Hand gegeben, mit der sie den Kampf um das Selbstbestimmungsrecht ansfechten soll. Möge die Regierung setzt ihren Mann sieben und das Vertrauen, das man in ihre unnachgiebige Haltung fetzt, nicht cittiänfcbeit.
IT.
Obwohl die kommunistische Welle in Deutschland stark im Abflauen begriffen ist und die Zahl der Kommunisten stetig abnimmt, machen sich doch Zeichen be- Nterkbar, das; die kommunistische» Führer auf die Erregung neuer ttn ruhen hinarbeiten. Es wäre «in verhängnisvoller Irrtum, wenn man die kommunistische Bewegung in ihrer Wirkung unterschätzte, da der Zeitpunkt unlcnabar günstig gewählt ist. Die mit großer Schnelligkeit ansteigende Teuerung und dir da mit Hand in Hand gebende Verlendnng deS deutschen Volkes, das langsame Absterben des Mittelstandes, haben einen Boden geschaffen, der dem Gedeihen kom- mnnistischen Wühlens durchaus zuträglich ist. ES schwirren in der Luft Gerüchte umher, daß die Kommunisten, mit Unterstützung russischen Geldes, für einen bestimmten, nicht allzu fern liegenden Zeitpunkt nette Putschversuche Planen. Dahin gehört das immer wieder auftauchende Gerücht von einem neuen
(Nachdruck verboten.)
Verkannt.
Roman von Hedda von Schmid. z^MmMMMortsetzung.
Er war wie fit tirteffi Rausch. Im Frühlingsraiisch. Neberall spürte man hier draußen den Frühling; laus den frisch beackerten Feldern — aus den Kehlen bet jubilierenden Vögel klang er einem entgegen — Sonne, wohin sich der Blick wandte.
Harald hatte mit Absicht Schwartau als Ziel der Fahr: gewählt, den Ort, wo er Henrika zum allererstenmal begegnet war. Sie empfand, ohwe daß er ihr eine Andeutung gemacht hatte, daß er mit dieser । Fahrt heute einen bestimmten Ziveck verband.
Angesichts der Hellen Frühlingslandschast kam eine weiche, träumerische Stimmung über sie.
Unter den entlaubten Baumkronen des RlesebufcheS, des malerischen Waldes, wo die Buchen im Sommer ihre Zweige so dicht zueinander neigen, daß man im grünen Dämmer über den weichen, rotbraunen Wald- Loden dahinschreitet gingen Henrika und HaraL Arm in Arm.
Auch hier überall Frühlingsdasein. Das Rauschen her Au drunten aus der Wiese, das Murmeln der Quelle, wo sich die kleine Brücke über den Weg spannte.
Sie fanden einen Platz auf bei Waldhöhe, von wo aus man den Blick bis zum sogenannten „Hexenbvfch" hatte. Harald hatte Henrika gelegentlich von diesem Busch erzählt: man war tote verzaubert, wenn man
> feine Schritte hort hinein gelenkt hatte, es war immer, . als ginge jemand hinter einem drein, und wenn man i fich umwandte, so war — niemand da.
Träumerisch schaute Henrika in das.liefe Tal ' hinab.
I War sie denn nicht auch rote verzaubert? Immer i hatte sie die Empfindung, als schreite ein schicksals- ^hweres Verhängnis auf sie zu — und wenn sie es
Ausstand bei Eisenbahner, der sich harre, wenn es nach den Wünschen der Kommunisten geht, mit Hilfe der Transportarbeiter zu einem allgemeinen verkehrLcms- stand.auswachsen soll. Die Angriffe, die gerade ani lenen Kreisen, auch mit Unterstützung mt8 mehrheitS-- jozialtstischem Lager, gegen die Technische Rothilfe gerichtet werden, sollen gleichzeitig alS Vorbereitung für Putschversuche dienen, indem dar Vertrauen auf die Wirkfamkett der Technischen Rothilfe erschüttert wirb. In der städtischen Arbeiterfchatt Berlins gärt es abermals, mtd eS ist nicht unmöglich, datz auch dort der unter der Asche glimmende Funke wieder einmal zur Flamme augesacht wird. Die Anwesenheit», großer Scharen von Russen ist gleichfalls ein Symptom, dessen Bedeutung nicht übersehen werden darf. Wachsamkeit ist also geboten.
in.
Der frühere Minister Schiffer, der als ReichS- komniissar De-itsManb bei den Genfer Verhandlungen über Ob-rfchlesien vertreten hat. ist nach Berlin zurück- a-ke->rt. ES liegt darin zweifellos, wie auch Mts den Genfer Meldungen schon bertiormng, ein Protest gegen die Art und Weife, wie Polen im letzten Augenblick die Vcrbandlnitgen zu einer Krisis getrieben bat indem es die Fraae der Liauidatiott, als sie für Polen eine ungünstige Wendung zu nehmen drohte, bec Kompetenz des Schiedsrichters entzog. ES handelt sich hierbei um die Frage, ob es den Polen gestattet fein toll, deutsches Eigentum in Oberschlesien nach Belieben anzutasten. Rach dem Wortlaut der früheren Genfer Entscheidungsnote, sind ave wobl erworbenen Reckte während der Ucbergangszeit unantastbar. Die Polen »üben sich ah'-t darauf, vast nur gewisse EigentumS- reckte. tote z. B. die der industriellen Anlaaen. von her Liauidation m-saenommen find. V”h fie beansprucken voShalb für alles Andere unbeschränktes LioutdattonS- reckt. Dabei kommt eS ihnen vor allen Dingen darauf an, auf den deutschen Grundbesitz die Hand zn keaest. Reickskommissar SchMer bat mit Reckt unbedingt darauf bestanden, daß alles deutsche Eigentum vertragsmäßig neuen polnische Zuarffse geschützt werden so«. Der Schutz der Minderheiten hat, mag er sonst verbrieft und versiegelt lein, keinen Zweck, wenn man ben Deutschen den Besih weanehmen kann. Da wohl die Meittuua des SckledsrickterS auck nack dieser Rfchttnr« etng, baden die Baken die ganzen ®treif,Ta- nen brr flomtoeteiu des Schiedsrichters entzoaen. Die Lage tft baMirrfr kritisch geworden. Erklärt sich Ealnn- ^er f>'t zuständig, so ist damit zn rechnen, daß die Polen den ganzen Vertrag nickt unterzeick- n e n. Gibt (Tntnnhcr den Polen nack, so ist zu erwarten. dass Dencfcklcnch fick nickt zur Ratisizfemna h»8 Vertrage? herlleiläfzt, eines Vertrages, den die bfe Polen vermutlich, auch wenn sie unterzeichnet hätte«, nicht Halten würden. Zunächst W die rrntccheidnna kür einige Wacken vertagt. Dentsckland? Wartung kann nickt zweifelhaft sein. ES bandest fick hamm. nnbestreithare deutsche Reckte zu verteidigen it«b nickt zn gestatten, daß die Gewalttat der cl .'rsckle- sifcken Entscheidung auch noch durch polnische Willkür- lichkeiten verschärft wird.
TV.
Wie schon ,aus den ersten Mitteilungen über die Orientkonferenz ht Pari? ersichtlich war, find die SRaftonortörfon at« Sieger ans hem Streit her- vorgeaenaen. Sie eich alten agn» Kkefnafien wieher z« rück mit Ausnahme her Stabt Smvrna, bie. wie eS scheint, eine Art Selbstverwaltunasreckt erhalten soll, indessen unter türkischer Oberhoheit bleibt. Konstantinopel wird bie Hanptstabt bet nationalen türNfcken RegierlMg, unb von ber ehemals enrobäifchen Türkei so« ein großer Teil von Thrazien toi eher an Me Türkei znrückkallen. Dicker ist bas nock nickt alle«. waS sick bie Ratlonaltnrken al? Ziel ihre? Kampfe« gesteckt haben. Der Verlust von Abrianvpel, Svrien, Arabien und Mefoporanlien, die Regelung der Meerenaenfraae lEntmilitarisierung, b. H. Offenhglfnng fsir England, eh. durch Belebung unb Stallonienma von KrieaS- fchttken) unb die Beibehaltung ber Finanzkontrolle flnb für bie Türken sehr schwer zu tragen. Aber ber Friede von S.'-tere«, der die Türkei vollkommen zer- fchlng. ist dock gründlich revidiert und der Nelnasia- tiscke Boden, da? eigentliche Nrland der nationalen Türkei, völlig für bie türkische Herrschaft ,»rückgewonnen. Die Ke mallsten wollen trotz btefer zweifello« günstigen Ergebnisse nock Schwierigkeiten macken. Sie wissen, daß man viel fordern nntll, um etwas zu erhalten, und sie haben nicht umsonst den Kampf geführt, nm nicht zn wissen, was man zähem Widerstand verdankt.
mit nüchternen Blicken betrachtete, so waren alles bloß Ausgeburten ihrer lebhaften Phantasie.
Leife. ganz leise und melodisch läuteten die Herdenglocken drunten in den Koppeln — dann plötzlich durchschnitt ein lauter Pfiff die Stille. Drüben auf der Eutiner Straße jagte ein Eisenbahnzug dahin.
Da packte Henrika wiederum die unbezwingliche Sehnsucht wie gestern im Bergenschen Zimmer: „Wer doch hinausfahren könnte ins Leben — ohne rechtes Ziel, nur dem Wunsch des Augenblicks gehorchend," sprach sie unwillkürlich leise, wie zu sich selber redend, vor sich hin..
Da ergriff Harald faust ihre Hände, führte sie zu einer Bank dicht *m Rande des Abhanges, der von kahlem Strauchwerk, an dem die Knospen aber bereits schwollen, bestanden war.
...Komm, Henrika, ich muß mit dir «den."
Und dann, ihre Hände fest in den seinen halterck, sagte er ihr alles- ♦ ♦
Fred Dekarue war ohne seine Mutter zu dem Löhn» städt'schen Familienfest ginget raffen.
Die Baronin litt an den Folge« eheer heftigen Erkältung, konnte nicht einmal ihr Zimmer teertaffm, g-schweiqe denn eine Reise antreten und ein große- Fest mitmachen.
Fred hatte mit Absicht seinem Bruder den Zeitpunkt seines Eintreffens in Lübeck nicht mitgeteilt.
Er toofite Harald überraschen — überrumpeln.
Vielleicht würde dies dazu beitragen, daß es ihm gelang, endlich dahinter zu kommen, welcher Gestalt Haralds B-ziehungen zu Henriette Santen waren. !fr hatte Erkundigungen über die Sängerin einziehen lassen. Sehr behutsam, um keinerlei Mißdnittmgen zu erregen. Das Urteil über Henri-tte Santen hatte außerordentlich günstig gelautet — doch war ihr Name kn Verbindung mit dem des Barons Strodtman» genannt worden.
Fred wußte, M? jegliche strengere Maßnahme
Zm Srtfnlra SisBiartfs m 1. Mil.
6tit Bismarck hat bas Deutsche Reich erbaut. Ein Meister grob tm Tun unb SSagen.
•' Drum, Deutsche, auf!, bekennen wir e» kaut: O kehrt zurück »u «nseres Bismarck» Tagen!
Diese Dichterworte schneiden jedem Denis»««, der es wahr und Irr« mit seinem schwer geprüften «ttb Niedergebra»ene« Batertanbe mehrt, schmerzhaft in bie Seele. Ja, zurück zu BiSmarckl Da« wäre bie Rettung, aber die Zett ist verpaßt worden, «nd da? dentfcke «oft wurde seinem gröbten Sobne «n- treu. Andererseits kann man von ber Gegenseite her heute oft genug die Meinung hören: .Ach was! BiS- rnarckS Werk Heat wie Ihr seht, gedrochen «nd zerschlagen am »obe«. Daher war es et« falscher Weg. ben unS DiSmaeck geführt bat." Stein, so ist es ttickt! Bismarcks Bahnen waren bi« rechten, reibet aber fand er Weber bie Männer, um bas Erb« ht seinem Geiste weiter zu führen, noch ein Volk, da« ihn m verstehen und auf ben von ihm eetoiefentn Wegen unbeirrt und zielsicher werter z« wandeln wußte. Ein Geschleckt bet Nachahmer unb Nachbeter kam in der nack- lliSrnarcktschen Zeit herauf unb veraaß, waS BiSmarck feinem b«ntf»«tt Volk bat» Me Taten gekehrt batte nämlich die Einheit, da« Krastbewußtsein. die Zuverfickt. Da dem beniigen Dettttchkanb biefe brei Eigenschaften mangeln, darum stehen wtr in bet Tiefe unb wissen nickt, tote Wit an« ben Röten btefer dunkele« Zeit hermiSkomme« foffen.
BiSmarck war ei«e Kampf- imb Lötoennatitt von Aulleafn« hi« anS Enhe. Wie er fcko« al« Student mit Meisterschaft und VotNebe Me Waise führte, fo bat er zeittellenS gekämpft. Al« Bertreter be« alwrenßi Wen Köniawrn« stritt er tu den Sturms ahron 1848/49 mr Me FeMakeit P-cußen« unb für bte Reckte be« König«. Er hatte erkannt, haß n» bte künftige Größe unb Einheit Denifchignb«. die thm Ober affe« gingen mir aitf ber Mackt PteitßenS aufbanen konnten. Al? Bnnbe«staat?aefa"bter Preußens z« Frankfurt bekämpfte er Me Vorherrschaft be» «i’beuffdhen Oester- resck«. Ar? (Sfefmtbfer z« St. Petersburg unb zn Pari« wirkte er votansschanend im Geiste der künftige« Erhebung Vrenßen« unb DeniWlanb? zur führen- he« Macke. ES tft da« unsterllftcke Verdienst he? KSnla« Wilhelm !., baß er mit tonnberbatem Mick in BiSmarck ben reckten Mann zur reckten Zett an hie reckte Stell« berief unb. befckethen unb habet hock tottrheboff. vor bett überlegenen Gaben be« großen Staatsmannes zurücktret end. mit Ihm 26 Jahre lang cetten gearbeitet hat. Richt immer war e? TeW, fick mit ihm z« ber#*ttMwn. Bf«marck stcwb bi« an« Lel'enSemve fri Stand be« Kampfe« tmb hat nickt nachgelassen zu ringen. Der Kambs aber schafft be- '•e»fiate« Geanerintn u«h tmgereckte Verfennuna. ehr ricke Feindschaft unb bNicken Haß. Nachdem sich mtt der Zett her Stcnrb her Rwallahn verzogen bat, gilt ber Satz in unbestrittener Wahrheit: „Ter Laß Ht nur btm kurzer Dauer, unvergänglich aber ist her Rnbrn." So tritt un« heute ber Schöpfer her heutfcken Einheit in boller Größe tmb reiner Verkkärnng vor ba» getftiae Attae. Wir seh«n ben Hsinen unb Reck-n beutscher Straft vor nuferer Seele stellen: tm KöniaSWkoß zu Verfaiffe« atn 18. Januar 1871 bet her AuSrnknua be? »enticken Reiche«, beim Vofftna ber Frankfurter Fr!eben« am 10. Mat 1871. endlich atn 6. Februar 1RRR tm Reichstage, wo BiSmarck bte Worte ptttaie:
Wir Deutsch« fürchten Gott, aber sonst nichts In her Welt.'"
Leiber bat ba« Volk, ba« In einem mehr al« toter« iällrsaen Hekdenrinaen sonder Gleichen einer Welt von 5?etnben gettatzt bat, dennoch ben Vwb Verlar en. ha ihm her llockgernttte Führer vom Sckkgae Pillmgrch? fehlte. Ader trotzdem: BiSmarck« Geist kann nickt berkölcken, sonder« er schläft nnr, ebenso wie Kaffer Rotbart tm Sttoffhänfer wieher einae- fchsnmmert tff bl« et eWt wieberiommen toirtt. um bte Rallen mitsamt dem Scklanaen- «tth Otternaezückt zn bersckencke«. ba« sich nm bie hentscke Kraft tt«b deutsche Einheit windet. Aller nickt von selbst, nickt bon ungefähr wird ber Geist Bi«marck« hon Rettern in fetn Volk hemieberftefaen. Wir müssen gn gell-engt bnr» hi- Tat mit zähem tmb beharrlichem Mähen baran arbeiten, di« wir tm Geiste be« großen Meister? un8 selbst an? ben Wirren nnb RieheraanaSerscktetnttn- geit dieser Gegenwart wieher aefttnhen haben.
Drei Lehren gibt un« BiSmarck auf blefen Weg her Erlösung unb Rettung mit: jhr’We Arbeit an her Wieherßersteffnng be« baterkänbiscken Denken« und L>anbeln« auf hem Baben ber Selbstzucht und ber Streng« gegen un« fefbft Erstarkung tm Gefühl ber
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retnerfeif? bet feinem Bruder auf einen erbittertett Wkberstcmb stoßen würde. Es hieß für ihn also. tonTTte er Harald aus den Banden der verfübrrtischen Person löfen, außeroidentssK borsicbtig unb diplvma- t>'sck zu Werke gehen. Er, Fred, hatte feinen ersten Li-bestraum feiner Stellung unb feinem Namen ge ovfert, obwohl biefe« Opfer gar nickt unbedingt notwen- big gewesen wäre. Harald durfte «s nicht fo weit kommen laffeit, daß eine richtige Theaterprinzessin- sich in die Familie eindrängte.
F»d war mit dem Borniittaassckneklzuqe in Lübeck eingetrofsen unb saß mm, nachdem er feine Kfe-dung getoochs-lt hatte, hinter einer Zeitnng unten im Speise- zimmer tm Hotel Hamburg Er wartete auf ein bestelltes warme« Frühstück.
A» einem bet nächsten Tische nebenanHilla zwischen cimgen jungen Leuten — a«ge»ksiheinlich Lübecker Ba- Irizierföhnen — die Unterhaltung lebhaft h'n unb ber.
Anfang« achtete Fped nicht herauf, toc« hort gesprochen wurde — e« war vom Turf die 8tei>e — von Segel- unb Flugsport. Dann fiel plötzlich ei« Name, ber öm jäh aufhorchen ließ.
.Leute früh ist die Kanten abgereist," sagte einer der jungen Leute.
„Na. Sie brauchen doch wahrlich deswegen keinen Traurrkrepp anznlegen, BörSdorf. Ke hat die junge Dame ja ihrer Zeit eklig absallen lasten, al« Sie zum Souper i« die „Rose" im Ratskeller einluden," rief jemand «eckend.
„®e war eben schon in festen Händen."
,.E« heißt, daß sie verlobt sind."
„Ach wes, verlobt . . . Leere« Gerede. Strobl- mann wird sich schön hüte« . . . Dazu sind Operetten- Prinzessinnen doch da. daß man ihnen dewHos macht."
„Strodtman« war heut« früh natürlich auf der Bahn>"
,^awohl — selbstredend. Mt ’nen Rosenbusch vom Umfang eines soliben Autorades. Sehr korrefter Abschich. Die scheußliche, ä la Papagei cmigedannerte
eigenen Straft unb in ber enbkichen Abwehr främenbet nnb Vernichtenber Zumutungen unserer Feinde, vertrauen auf hie Zukunft burch bte Tat. bie un« erlösen muß. Wenn wir umkehren $e ben großen praktischen Gedanken Bismarcks, dem Einheit und daher Kraft der Judegrtss deutschen Wesen» war. „An bet vaterländischen Grenze muß der Partethader schweigen' — ba» war etn« der letzten Lehre«, Me der scheibend« Herold dentschen Stolze- und deutscher IRann» Hastigkeit feinem Volke «wrtef. «eil tote diese Mahnung vergessen Haden, darum find wir k» tief gesunken. Aber der Weg zum Licht« wtrd und mutz erkämpft werden, wenn fich «llbeutfchland zu seinem DiSntarck »nrücksindet und besol«. wa§ er nn» gekehrt hat: Slndelt. »tast. Tat, Selbst- vertrauen. An diesem Sinne soll da« deutsche Volk unter Ueberbrfi<fung bet sonstigen hmeren Gegensätze ben Geburtstag seine« arötzten Sobne« begehen. Dit Marburger aber wollen dem Anbenken BISmarckO am Sonntag, ben 2. AprU uachmittags vor hept G»> bächtniSturm droben eine Stunde weihevollen Gedenken«, Heißer Dankbarkett. deutscher Treue, starken Gelöbnisse« batbrtnaen. Kommet alle und nehmet einen Hauck BiSmarckischen Setste« mtt von batmen!
A I.
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5or!alHkmkrMe5 flrfeii Mer Ute Ww Mtif.
Der bekannte Sozialdemokrat P arteuS-HelpHänb hat kürzlich in seiner Wochenschrift „Die Glocke" be* Außenminister Dr. Rathenan auf Grund seiner Rede« einen ,cholk tischen Gesundbeter genannt Er etzt jefct seine Kritik an ber ErfüllungSpolttik fort unb dehnt sie auch auf Dr. Mrth aus. AnknÜpfenb an bie Konferenz von Cannes, diesen „großen Erfolg" Rathenau«, schreibt er: '
Wenn jetzt auf ben Zahlungsaufschub al« Erfolg teer» wiesen ttntb, so ist ba« eine jener Selbsttänschun- aen, bk un« immer tiefer in ben Monittd führen. Wir hatten für ba« Jahr 1921 etwa 3»/, Milliarden Goldwert zu zahlen. Wir sind aber dabei zahlungsunfähig geworden Im Iahte 1922 würden wir, wenn kein Wandel geschaffen wird, diese Summe nicht mehr aiifibringen !!8nnen. Wir würden, wen« eS bei den Goldzabltmgen bleiben würde, nicht einmal zwei Milliarde« aufbringe«. Sollte man nn« keinen ZahlongSatifschub gewähre«, so hätte man ba« Gest» dock nickt gekriegt — einsack, west nnt e« nickt habe«. Darum bat man dann auck die Verpsllckt«t»g bet Zahlung in Sachleistungen erweitert: man glaubt, auf biefe Weile mehr erlangen zu können. Da? ist alle«. Wo ist da der Erfolg? «it tagten einem Phantom nack. ergaben un« Illusionen, folgten unserer Sehnsucht bie nach Gerechtigkeit dürstete, und fielen immer wieder unversehens in die Grube.... Bald hieß eS in der ganzen Wett von Rathenau: „Welcher Mann! Llovd George ist entzückt, Bri-nd ist perplex, alle voll Erstanne«. Richt bloß ein Staatsmann — dn Welterlöser, ein Philosoph, ein Dichter, ein Kunstkenner. ein Sprachkenner, ein Mann von tadeklokm Schnitt!" Und dir Pläne von Rathenau wurden immer großartiger, immer schöner — in Gedanken, In Redensarten. Wir ober folgten dem verrückten Träumer, west da« Volk sich nur zu sehr au« dem biiftern Elend betau?» sehnte. Indessen machte«.die Siegerstaaten ihre, Geschäfte untereinander ab. Die Umschmeichelung Wirth«, di« jener Rathenan« vorauSging. schloß mit dem endgültige« Verlust von Obetschlessen. Die Um» schmeichlung von Rathenau schließt mit der gegenwärtige« Katastrophe. Es uruß Wandel geschaffen werden, oder es kommt bfe Zeit — sie ist nickt fente —, wo man über bie deutsche Industrie unb da- ganze wirtschaftliche Leben Deutschland« hinweg, schreiten wird, «sie man schon über bie deutsche Arme unb den deutschen Staat zur Tagesottnmng übergo gönnen ist
So urteilt ein einsichtsvoller, bie Dinge nicht nur vom Parteiftcmdpunkt betrachtender Sozialdemokrat über bie Wirth Rathenausche Ersullungspolitik. Könnte ei nicht Helsferich geschrieben haben?__________________
X Dr. «red. h. r. Der bekannte Vorkämpfer gegen ben Mfßbranck bei AkkoboNrrnnS Prof. Immanuel Gonfer (Berlin) ist von her Tübinger mebfztntfchen Fakultät zum Ehrendoktor ernannt worden.
Duenna bekam auch beinah einen Handkuß von ihm." „Also, Schluß jetzt. Abfahrt. Konsul Löhnstadt wird zufrieden sein, daß er von nun an voraussichtlich seinen Volontär doch dann und wann in ben Kontor» stunden zu Gesicht bekommen wird. Kann dem Strödt» mann übrigen« seine Passion nicht verdenke«. Ber« tfltfett schöne Person. Die Auge«! Na — ««d überhaupt Rasse. Also, weihen wir dem Zerflossene« Stern" ei« stille« Gla«."
„Alle« was recht ist," griff ein anderer den Fade« be« Gesprächs auf, „weder die Santen noch Strödt^ mann haben sich, genau genommen, irgend etwas, toa« der öffentlichen Meinung Grund zu einem Ver- bammungSurteil gibt, zuschulden kommen lassen. Es kommt bei manche« Dinge« ja bloß daraus an. ob sie durck eine bösartig« Brille betrachtet oder nicht."
„Für die Santen wäre ich jederart bereit em« $utreten." „um so mehr, ba sie meine recht dreiste Soupereinladung in« Chambre stparöe ansgescklageu bat — und das in einer durchaus damenhaften Weise. Also kein Wort weiter über Fräulein Santen, wenn ich bitten darf. Unser Theater verliert viel an ihr. Si- ist eine gottbegnadete Künstlerin — anch bie Operette braucht — „vom Genius Geküßte."
,Mravo» Wrsdorf, nachtragend sind Sir nicht, ba» ist hübsch von Ihnen," hieß e«.
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