Amtliches Veikündigungsblatt des Kreises Marburg.
ilr.69
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
Tie „Oderdeisijche Zeitu» ' ertöehü ietbsmal wöcheutllch. — ?r;»gs»rei, mexatliä ebne Zustellung 1050 Mk, duick die Pest 13 Mk. Für anrfallrnde Kummers infolge Streik» oder elementarer Treignisie kein Triag. — vertag een Dr. L. Htneret». — Druckder llnio^Buckdruckerei een 3ob. Hua. Koch, Markt 210 — -VeminteAet 55, PostfLeckkonte: Nr. 5015 Amt Frankfurt «. Main.
Marburg Kfttroo'fi, bffl 22. ffläti Leuzin».
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57. m 1922
IMS« MchÄllS.
Urmahmr be» Vermögenssteuer-, VcrmögenSzuwachS- struer- tmb KörperfttzaftSsteuergefetze». — Zukamme« stütze zwischen Dr. Hermes und den Unabhängige«.
192. Sitzung dom 21. Mär;.
Auf «ineAnfrage des Abg. ZSrgiebel lSoz.) wegen bet noch immer erfolgenden Verwendung einer Briefmarke mit dem Bilde deS früheren Kaiser? erwidert
Oberpostrat Seb 5 t: Die Verstellung der erfnrber- kichen neuen Wertmarken hätte mit den mehrfachen Ge- bührenerhöhungen nicht gleichen Schritt halten können. Demgemäß war die Verwendung der Bestände von Frei- marken früherer Ausgaben, namentlich für höhere Werte, nicht zu umgehen. Zudem stelle« die alten Freimarken- bcstände einen beträchtlichen Wert dar. »elfen Pernich- dmg angesichts der ungünstigen Finanzlage des Reiches nicht in Frage kommen konnte. Bon den Freimarken zu 6 Mark mit dem Bild de? früheren Kaisers und der Anfschrist: „Ein Reich, ein Volk, ein Gott!" waren Ende 1921 noch etwa 1’/* Millionen Stück vorhanden. An daS Publikum werden diese nicht mehr verkauft, sondern im inneren Betrieb verwendet. Sollten einzelne Stücke doch noch an das Publikum abgesetzt worden sein, so geschah die? gegen die ausdrückliche Anordnung der Reichspostverwaltung. Inzwischen dürften diese Wertzeichen völlig aufgebraucht sein.
Dann wird die zweite Beratung deS
Vermögenssteuergesetz e?
sortgesetzt. §22 handelt von den Zuschlägen au? 15 Jahre, die an die Stelle des Notopjers treten sollen. Tie Unabhängigen und Kommunisten beantragen, bei den Zuschlägen anstatt bis zu 200, bis zu 300 Prozent (n gehen. .
‘ Abg. Dr. Helfserich ^Deutschn.) protestiert gegen biese Anträge, da die Ausschastbeschlüste schon so bock' seien, daß die Zuschläge weit über das Notower hin- ««»gingen. Er beantragt deshalb die Bestimmung «nzusügen, daß dem Zuschlag nicht unterliegen sollen Deutsche Reichs-, Staats- und Komm rnal-Anleihen, Pfandbriefe, Jndustriecbligationen usw., soweit diese Wertpapiere und Hypotheken 'ich seit dem 30.6.1919 Ununterbrochen im Besitz deS Steuerpfl'chtigen besun- ben haben. ,
Nachdem Staatssekretär Zapf dem Anträge wider- sprachen hatte, wird über die ganze» bisherigen Paragraphen abgestimmt. Zu § 16 wird d-r Antrag V k r o l d (Ztr.) angenommen, wonach bei Ermittelung des Ertragswertes insbesondere „auch" der Ertrag der letzten drei Jahre zu berücksichtigen ist Im übrigen werden alle anderen Anträge abgelehnt und die Paragraphen 16 bis 22 in der Ausschußfaisung angenommen, ebenso eine Reihe weiterer Para-r'p Heu.
Rach kurzer weiterer Aussprache wird auch der Rest des Gesetzes genehmigt.
Eine weitere Aussprache ruft die v»m Aba. Dr. Velsferich (Deutschn.) empfohlene Tnlsckließung hervor. welche die Höhe des steuerfreien Vermög.'nZbe- träges der Geldentwertung anpassen will. D'eke Entschließung wird gegen den Protest der sozialist-schen Parteien angenommen, ebenso die übrigen Ausschuß- entfchließungen, die zum Teil etnftimmu, 3nm Teil gegen die sozialistische Linke angenommen werden.
Es solgt die zweite Beratung des
VermögenSzuwachssteuergesctzeS.
Rach den Ausschußbeschlüfscn soll im Zusammenhang mit der Vermögenssteuer alle drei Jahre oer Vermögens- »uwachs veranlagt werden. Steiterpf'ichllg ist der Dec- mögenszuwachs, wenn er 100000 Mark übersteigt und dos Endvermögen mehr als 200 000 Mark beträgt. Die Steuer beträgt für die ersten 200 000 Mark Zuw-rchs 1 Prozent und steigt bis zu 10 Prozent bei einem Zu wachs von über 11/i Millionen. Ein Antrag Helfserich (Deutschn.), den steuerfreien Betrag beim Vorhandensein von mehr als drei unterhaltspflichtigen Personen zu erhöhen, wird abgelehnt, ebenso Anträge der Unabhängigen und Kommunisten, die eine Berschärfang der Tarife verlangen. Das Gesetz selbst wird dl der Fassung des Ausschusses a ngenommen.
Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes über eine ; Abgabe vom Vermögenszuwachs aus oer Nachkriegszeit. Der Ausschuß beantragte die Ablehnung der ganzen Vorlage.
Die Aussprache über diese Gesetzesvorlage führt zu einer lebhaften Auseinandersetzung znvschen den Unabhängigen und Kommunisten auf der einen Seite und den Mehrheitssozialisten auf der anderen Seite. Die Links- hozialis^n machten den MehrheitSsozialisten den Vorwurf, daß fie jetzt auf die Besteuerung der Kriegsfchieber verzichten wollten, um die Arbeiter umsomehr zu belasten. Al» Abg. K a h m a n n (Soz.) in Verbindung mit Betrachtungen über Steuermoral die falsche Eintragung einer Kommunisten in die Anwesenheitsliste aus das schärfste verurteilt, nimmt Abg. Körnen (Komm,) die» zum Anlaß, ganz allgemein die Art oct Liften- Mzeichnung aller Parteien als unmoralisch zu kennzeichnen. Auch ix der Nationalversammlung seien zwei Ähnliche Fälle vorgekommen, an denen auch ein Sen« trumsabgeordneter beteiligt gewesen 'ei. Uebrigens möchten die bürgerlichen Parteien sich ihren Minister Hermes ansehen. Solange so ein Mann Minister sei. hätten such die Kommunisten keinen Grund, ihre Abgeordneten zu verleugnen. (Stürmische Pfuirufe bei der Mehrheit.)
Miniswr Dr. Herme- legt unter lärmenden Zurufen der Kommunisten gegen die persönlichen Verdäch- ügungen Verwahrung ein. Ich lehne es ab, mir mein Anstands- uns metx Ehrgefühl bescheinigen zu lasse«. Im
übrigen sehe ich dem Gerichtsverfahren und der parlamentarischen Untersuchung mit großer Ruh- entgegen. Dir infame Verleumdung scheint allmählich auf der Seite, die ihm (Kvexen) nah-steht, zn einem Werkzeug der Bekämpfung seiner politischen Gegner zu werden. OSeifoU bei der Mehrheit, Lärm «nf der äußersten Linkt«.)
Adg. Dr. Hertz (Unndh.) wendet sich gegen die Erllärung del Minister-. Ms er sagt: „Wir legen Verwahrung ein gegen die Unverschämtheit", bricht bei der Mehrheit «»geheurer Lärm an». Al» der Redner Ärtfährt, die Deutsche Voikspartei tinne mit keinem Minister zusanimenarbeite», an dessen Ehre ein versön- sicher Makel hafte, bricht ein neuer Tumult auf, während dessen Bireträsident Bell den Reoner zur Sache rüst Die weiteren AxSf.-.hrnngex gehen i« Mm erneuten Lärm unter.
Der Ausschußantrag ans Abl-Hnun, de- Gesetzes wird dann gegen die äußerste Linke angenommen. Es folgt die »weite Beratung der Novelle zum
Körperkchaftssteuergesetz.
Die Regierungsvorlage will den Steuersatz fix die Er- werb-gesellschaften von 10 auf 30 Prozent erhöhen, der Ausschuß beoutragt 20 Prozent. Steuerbefreiung will der Ausschuß nur denjenigen Sparkassen -ewätzren, hk ihre Geschäfte auf den eigentlichen Svarkissenverkehr beschränke». Bei den Erwrrbsgesellschafftu erhöht sich bte Steuer anf 15 Prozent der verteilten Gewinnanteile. Das Gesetz wird nach den BeichlLlen des AuS- 'chuis-s angenommen.
Morgen 2llhr: ZrntrumSinterpellation über die Zu- t-ilung der Weichseldörfxr an Polen, Kapitakvorkehrs- nnb Umsatzsteuer.
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Kommunifllfche Sundgebungeu gegen da» Steuer, kompromitz.
Berlin, 21. Mürz. Teu Blätter» jufolg« ver- -a^stalteten bit Kommunisten gestern Abend aas dem Sschloßplatz eine Kunjxwdung das Sterierkompro« miß. Tie Berauftaltung war von rtstm 5COO Per- sonrn besucht. Zu Zwiftheusalleu itz «I nicht ge- kommen. ---*---
W Lsge Ltl HeMsürvhMZks.
ErNSruugen de» ReichSvertehrsminlsterS.
Berlin, 21. März. Im HauptauSfchuß des Reichstages berichtet« Rrichsverkehrsminister Grön er über di« gegenwärtig« Laze her Reichs« stnbahnrn. Ter ordentliche Haushalt für 1922 einschließlich des noch zn erwartenden Nachtragehaushalts schließe mit 97 Milliarden ab. Die Einnahmen aus dem Personenverkehr betrügen 11,6 Milliarden, aus dem Güter- derkeßr 83,3 Milliarden; bi «sonst gen Einnahmen beliefen sich auf 2.1 Milliarden. Die Ausgaben für Gehälter und Löhne stellten sich auf 42 Milliarden, für sachlich» Ausgaben feien 50,7 Milliarden notwendig. Der Schuldrndienst beanspruch» 4,4 Milliarden, der Betriebs!!berschuß betrage 4,5 Milliarden. Damit sei der Fehlbetrag aus dem Jahre 1921 beseitigt. Der Minister begründete dann dir neue Er- Höhung der Gütertarife. Zur Persosalpoli- tik übergehend sagte der Mivist-r, an Disziplinarverfahren feien rund 350 anhängig und bisher 120 eingestellt. Bon den Kündigungen bei den kündbaren Beamten würden insgesamt 233 aufrecht- erhalten. Er sei überzeugt, daß die Reichseisenbahnea für das deuische Volk oen wertvollsten Besitz bar» stellten. Im neuen Jahre würden, nachdem der Haushalt nun balanciere, die Leistungen von Monat zu Monat weiter steigen. Er sei selsensest überzeuzi, daß das Unternehmen der deutschen Reichseisenbahnen in seinem inneren Kern absolut und auch finanziell gesund ist. Natürlich bedürfe es einer gewissen Zeit, um die Schäden wieder gut zu machen, die der Krieg im Eisenbahnwesen verursacht habe. Auch waS der 8 Stundentag ausbrachte, müsse wieder hereingeholt werde».
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3tt dwW BoWltr in WiMton.
Berlin, 21. März. D-r Reichsprässident hat Geheimrat Dr. Wiedseldt zum Botschafter in Washington ernannt. Dir Reichsrogierung trug hierdurch den vickfach geäußerten amerikanischen Wünschen Rechnung, daß für diesen Posten ein hervorragender Vertreter des deutschen Wirtschasislebeits in Aussicht genommen werden möge.
Geheimrat Wiedseldt, der im 51. Lebenswahre steht, trat 1897 in die Direktion der sächsischen LandeZge- nosscnschaftsbank ein, übernahm 1900 die Leitung oes Statistischen Amtes in Essen und 1902 die des gleich.ti Amtes in Dresden, kehrte 1904 als Beigeordneter nach Essen zurück und ging 1908 als Vortragender Rat ins Reichsamt des Inner» nach Berlin, von wo er drei Jahre später für einige Zeit als Berater der japanischen Eisenbahnvcrwaltung nach Tokio beurlaubt wurde. Vach einem erneuten Dienst in der Gemeindeverwaltung Essens wurde er 1919 ins Direktorium der Ktupp- -vcrke berufen.
Ak MkSm dkk kMMMtzkI FinleWstm.
Berlin, 21. März. Zur Entdeckung her kommunistisch«» Funkenstation in der Linienstraße zu Berkin teilen dir Blätter mit, daß sich unter den vorgefundenen Dokumenten Tabellen über die Funkenstationen h-'t ganzen Welt und geheime Aufzeichnungen der Funkenstationen dec Regierung und der Polizei befanden. Da auch dir Wellenlängen und die Rufzeichen vermerkt waren, konnte man von der Linienstraße jede Funkmeldung abfangen. Der verhaftete NeuIAllner Stadtrat Grylewicz versah den Kurierdienst zwischen der Empfangsstation in her Linienstraße und einem geheimen, noch nicht aufgefundenen Orte, wo dir Kommunisten zu streng vertraulichen Sitzungen and Beratungen zusammenkamen. Bei der entdeckten Funkstation soll eS sich um den Rest des großen geheimen Nachrichtendienstes handeln, den die Kommunisten 191k eingerichtet hatten.
Im Laufe des Tages wurde eine Reihe weiteret Hanstüchungen bei Berliner Kommunisten vorge- nommen, u a in den Büros der K. P. D. in der Rofenthalerstraße und in den Räumen der fommit* nipiscken Zweigstellen im Reich. Es ist mit weiteren Verhaftungen zu rechnen. Die Postbehörde wird gleichfalls eine strenge Untersuchung gegen die durch die vor- gefnudenrn Dokumente verdächtigten Postbeamten ein* leiten.
Im Hauptausschuß des preußischen Landtages hat Minister Severing die Frage, ob kommunistische Funkenanlagcn gesunden wurden, bejaht. Mit den Kommunisten würde man jetzt Fraktur reden.
. Hin die SelWnWeit vbnWHm.
Ablehnung durch bie preußische Regierung.
Dcl der Eröffnung der BreSlauer Frühjahrsmefse hat sich der preußische MlnisterprSstdent Braun in einer bemerkenswerten Rede gegen die Bildung eines selbständigen Bundesstaates, bestehend aus dem deutsch gebliebenen Teil OberschlestenS, gewandt. Er jagte u. a.:
.Ich fühle mich ganz frei von kleinlichem preutzt- schcn PartlkularlSmuS, wenn Ich sage: Wie Schlesien Industriell und gewerblich tm Rahmen eines Ihm seine belondere Sorgfalt zuwendenden grasten Staatswesens zu hoher Blüte und zu bestem Gedeihen auf« gestieoen ist, so wird es auch seine wirtschaftliche« Zu- kunslspläne am sichersten als ungeteiltes festes Glied deS prcustiscken Staatsgcfüges erreichen können, mit dem es infolge der glückttchen Ergänzung der beiderlelligen wirtsckmstiichen und geographischen Voraussetzungen so innig verschmolzen ist . . . Es wird auch im schlesischen Volke die ErkennlniS gestärkt werden, dah jede Absi'litterung und Zerreißung nach den schweren Landesverlusten, die Schlesien durch das Tiklat der Sieger bereits erlitten bat. von liebel tmb für die gesunde wirtschaftliche und kulturelle Entfaltung der schlesischen Provinzen von grössten Rach- t e i fen sei« würde. Nichts wäre für das unter der Last dcS Fricdensdikiats seufzende deutsche Volk verderblicher als die von unseren westlichen Nachbarn ersehnte Steigerung der beut leben Kleinstaaterei, die, wie uns die Geschichte gelehrt bat, letzten Endes zur Schwächung unserer Wirtschaftskraft und zur Po liiifchen Machtlosigkeit führen mutz. Tie deutsche Wirtschaft kann bettle kaum noch den umfangreichen Verwaltungsavparat tragen, der durch die föderative Struktur des Reiches bedingt ist; die Errichtung neuer, kaum lebensfähiger Staalsgebilde durch Abtrennung von grötzeren Staaten müßte geradezu verhängnisvoll wirken.-
Im Haupfausschntz deS Landtage- erklärte der Minister des Innern Severing, die prcutzikche Regierung. die dielen Namen verdiene, müsie bestrebt sein, die Bildung von RetchSvrovinzen mit vreustllcben Gebieten zu Verbindern. DaS gelte auch für Ober» schlcsicn. Wenn im Osten mit Slbft>kftterungen begonnen würde, würde es kein Halten mehr gebe». Eftie eigene Provinz Oberschlesten liege auch nicht Im schlesischen Interesse.
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Kein Ersatz der AufruhrschSbcn durch bie Verbündeten.
Tie Botschafterkonferenz (gez. Potncare) hat die deulssie Forderung an die verbündeten Mächte. Ersatz kür die Schäden zu teilten, die im Abstimmungsgebiet wälirend der Besatzungszeit durch die verschiedenen dolnilchen Ausstände entstanden sind, abgelebnt. Der Friedensvertrag sebe vor, vast die von der Kommission für bie Verwaltung deS Abstlmmunasaebiews auszuwendenden Kosten aus örtlichen Einnahmen bestritten werden sollen. Vergütungen für die im Abstimmungsgebiet entstandenen Ausstandsfchäden müßten demnach in diefe Ausgaben einbezogen werden.
Die beutfch.polnifÄen Berhanvlungrn.
Gens, 21. Mär». Heute bat Präsident Calonder feine VcnnittiungSaktton zwffchen den deuifchen und volniswen Bevollmächtigten begonnen, die iedock gleichzeitig noch ihre unmittelbaren Verhandlungen mit einander fortfetzen. Tobet gelang es. in einem der weniger fchwierigen Strciwunkte, der Frage des Verkehrs über Kreuzburg, eine Einigung zu erzielen. Die Vermittlunasbemühungen des Präsidenten sollen am Mittwoch fongefetzt und zwei Tage fvä- ter eventuell der Schiedsspruch über die ungelösten Fragen gefällt werden.
Banbitenüberfall.
Kaltowitz, 21. März. In die Gefchästsrämne der Firma Haustorf dränge« bemannet« Banditen ein
und raubten 200 X deutscher und eine Menge powt» scher Selb. Die Täter find entkommen.
TobeSurteUe.
Benthe«, 21. März. Da hiesige Schwurgericht verurlcikte bett Grubenarbeiter Rietek aus Deutlch- Plekar, Schwarz au» Roßberg unb beu Wärter Cle$ aus Miechewitz wegen Morde» an beut Landlsiger Novl au» JosephSchal wädrenb be» polnischen Augustausstandes von 1920 zum Tode.
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Zm 125. totnflü« litt tourt d« toig$ trab Wrs MWm l.
(1797 - 22. März - 1922.) ,
„Ich habe keine Zeit, müde »u kein" — fo lauten di« Motte de» edlen Herrscher», olS leine treue Hand auf oem Totenbette im 91. LebenSiabre zu finken begann. Fürmabr, er hat Zeitlebens gearbeitet, zuerst an sich, dann am Wohl« und Ausbau des preußischen und dentschen Staat«», ein Vorbild der Gewissenhaftigkeit und der Pflichttreue bi» in» Einezlne, der strengen Selbstzucht und der Zurückstellung der persönlrchen Neigungen hinter die Aufgaben be» hoben Berufes. So ist der 125. Gedenktag der Geburt Wilhelms!, für da? deutsche Volk eine Mabnung tmb eine Lehre von grundsätzlicher Bedeutung. Wir müssen im Drang« und in der Not der trüben Zeit stillstehen, um auf Wilhelm l. zurück,»blicke« und von ihm zu lernen. Wir haben inmitten der heutige« Verflachung und be» scheinbar rettungslose« Niedergänge» sehr viel von ibm zu lernen. Der Ennnerungstag läßt eine Zeit des Glücke» und des Wohlstände» unseres Volke» vor unserem Geiste noch einmal erstehen, ja er ruft da» Gedenken an die vergangene Größe unseres Vaterlands» in ergreifender und wehmutsvoller Weise wach. Allerdings. das amllichr und zur Zeit herrschende Preußen und Deutschland wird stumm und gleichgillig. vielleicht sogar feindlich an diesem Gedenktage dorübergehen. Dafür aber gibt e» in Deutschland doch noch sehr weite Kreise, die in Wilhelm I. keine parteipolitische, auch keine klassen- wirtschaftliche Erscheinung sehen, sondern in ihm eine ges chichtliche Persönlichkeit von erhabener, von überragender Größe erblicken. Bor ihr haben wir un», soweit das Empfinden für vaterländische Ehre und völllsche Dankbarkcit noch nicht erloschen ist, in Bewunderung und Ehrfurcht zn verneigen, sowohl vor der starken und siecken- losen Perfönllchkeit, wie vor den vollendeten Hcrrfcher- tngenden. Die in Wilhelm I. auf eine wunderbare Weise -um Ausdruck gekommen sind. Die Ettnnerungsstunde ist somit eine Weihestunde: denn sie zeigt uns in unserer Zeit der Kleinheit und Erbärmlichkeit daS, was einst groß und herrlich war, zugleich aber auch bie Psade. auf welchen unser niedergetretenes Volk allein wieder zur Höhe, zum Licht emporkommen kann.
Vor allem beweist unS das Leben Wilhelms!, durch die Neberzeugungskraft der Tat. daß im Leben deS Ment» scheu, vornehmlich eine» hochgestellte« Fürsten, nicht Talent, nicht Genie, auch nicht ungewöhnliche Begabung über ben Wert und über di« Leistungen entscheiden, fon« fcent daß der Charakter, dir Seelengröße nnb die Herzensbildung unendlich viel mehr wiegen. So war Wilhelm!, geartet. Sein« hochgemute Mutter, die Königin Luise, hat ihn als 13jähttaen Knaben kur» vor ihrem frühen Tode sehr treffend mit den Worte« beurteilt: „Einfach, bieder, verständig." Er besaß nicht die Alles beherrschende Genialität Friedttchs des Großen, nicht die feine Bildung und den Kunstsinn keine» Bruders, Friedrich Wilhelms IV., hatte für Wissenschaften und Kunst ein nur im Mittelinaß bleibendes Verständnis Was ihm aber in vollendetem Maße eigen war, lag darin, daß er einen scharfen natürlichen Blick tot das Praktische und Richtige im Leben des Staates hatte, daß er hervorragende militärische Eigenschaften besaß. daß er mit nimmermüdem Eifer se'n Leben lang daran gearbeitet hat, sich selbst zu bilden, die Lücken seiner Kenntnisse auszusüllen und sich über jede Frage ein selbständiges Urteil zu bilden. Dabei war ihm eine natürliche, durchaus ungemachte königllche Würde eigen, die ihm die Ucberlegenheit über feine Umgebung verlieh. Durch straffe Selbstzucht hielt er fich bis inS neunte Jahrzehnt seines Lebens körperlich und gcühq ans der Stufe einer nur ganz wenigen gegebene« Frische des Körvcr» und des Geistes. Dabei waren ihm Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit. Herzensbildung und Dankbarkeit in vollendetem Ebenmaß zur Würde seiner Stellung eigen.
Wilhelms!, beste Gabe, die in der Geschichte aller Zeiten vorbildlich dasteht, war seine Menschenkennt- n i S und Menschenbeurteilung. An ihm erfüllte sich die Wahrheit, daß nur ein großer Geist die großn Eigenschaften anderer erkennen unb bewerten kann. Mit untrüglichem Blick sand Wilhelm!, seine Berater heraaS und hielt die nieberen Geister bet Schmeichelei und der Selbstsucht weit von sich ab. So traten Bismarck, M.ltke, Roon, vom König bcrusen, neben ihre» Herren, um unerreicht Großer bi» ans Ende mit ihm z» leisten. Wilhelm I. war die Gabe eigen, daß er, ohne seiner persönlichen Stellung als Herrscher auch nur daS Geringste zu vergeben, die berufenen Männer walten ließ und sie mit dem Ansehen seiner königlichen und spater ?ai>erlichen Macht deckte bis an das von der Natur gesetzte Ende. Nicht leicht machte Wilhelm!, diese Ausgabe sich und seinen Ratgebern. Wir wissen, wie schrrf er mit Bismarck rang in der Kvnfliktftage 1862 63, in der Eür- oerleibungsscage nach dem Kttege 1866, in der Kaiser» frage um die Wende 1870/71, als es galt, die stolze« Erinnerungen der altvreußischen Königswürde durch die
Die Encjch^ivung über die beutjche« Zahlung«» stehe »üchite Seit«. ■»