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Die Erfavunqspolittk. — Amerika uud Genua. — Lloyd Georges Lüftvicrigkeiten. — Lichterfelde.
I.
Der Schrill eines unerbittlichen Schicksals hallt In Liesen Tagen besonders vernehmlich im denlschen Land, allevdings zum größten Teil vom deutschen Kolke seit 1918 selbstverschuldet, sei es in verbrecherischem Partei- und KlassensanatiSmus, sei es in doktrinärer Verblendung, sei es in unverzeihlicher Schwäche pnd Gleichgültigkeit. Der Entschädigungsausschus, ist dabei, zu entscheiden, waZ Deutschland in diesem Jahre zahlen und leisten soll und welche ^Garantien", d. h. Strafmastnabmen sinanztelier oder militärischer Art, vorgesehen werden sollen für den Fall, das; das Geforderte nicht oder nicht gan; oder nicht rechtzeitig geleistet wird. Es wird von bstpro- zentiger SteuererftShung gesprochen, von noch 8 Jahre dauernder MMtärkontrolle (gegen die angeblich Ob- strullion getrieben wird), die unzureichend bewaffnete Schutzpolizei soll ferner so umorganisiert werden, dafz sie ein nur noch scbr wenig brauchbarer Machtinstrument der Regierung sein würde, um die bitter notwendige Ordnung im Innern ausrechtzuerhalten. Wie die Regierung da» weitreichende Entgegenkommen gegenüber diesen Forderungen wie sie die Antivori auf die Pottzeiuote enthält, verantworten zu kSnneu glaubt, ist eine Sache, die sie selbst sehr eng bcriihrt! denn ein Versagen der Schutzpolizei bei neuen inneren Wirren würde dos Bestehen der Regierung in erster Linie in Frage stellen. Die Frage der Entschädiyungs- zablungen aber berührt die Existenz des Volkes, uud deshalb must cS jetzt einmal beissen: „Bis hierher und nicht weiter!", wie Dr. Helfserich in seiner Reichstagsrede zu den Steuervorlagen gefordert bat. Steuern und andere Aderlässe nützen nichts mehr. Sie sind nur Tropfen auf einen beißen Stein, richten die deutsche Volkswirtschaft zugrunde, ohne die Forderungen der .Sieger" befriedigen zu können. Das deutsche Volk bezahlt m e b r Steuern als irgend ein anderes, wenn auch von gegnerischer Seite daS Gegenteil behauptet wird. Tatsachen bleiben Tatsachen. Dr. HermeS und Dr. Helfserich haben eS im Reichstag zum Ucberslutz nochmals sestgestellt. Die Revision deS Vertaillcr Vertrages ist die mrabweisliche Vorbedingung der Rückkehr zu normalen Verhältniffen. nickst nur in Deutschland. Im HauZbalt für 1922 sind 155 Milliarden allein für die Erfüllung des Versailler Vertraaes eingestellt, von denen bestenfalls 60 Milliarden durch die ZwaugSanleibe gedeckt werden können. Der Rest von 95 Milliarden? Rotenvresse. Aller gute Wille, wie er sich in der Wirlü Ratbeuau- schen Erfüllnngsvolitik verkörpert, hat nichts geholfen. Das Vertrauensverhältnis, das sie zu den Geanern schaffen sollte, siebt so aus wie dos zwischen Räubci und Ausgeranbtem. 'Rur Illusionisten oder Uebel- wollcndc konnten anderes erwarten.
II.
Die lange Zeit schwankende Haltung der amerikanischen Negierung über die Frage, ob sie dir Einladuna zur amtlichen Beteiligung an der Konferenz zu Genua anLcbmen oder ablchnen solle, ist nunmcbr bekannt geworden. Die Vereinigten Staaten haben Jtasten in einer höflichen, aber darum nicht minder deutlichen Rote mitgcteilt, sie seien nicht in der Lage, sich vertreten zu lassen, da ans der ursprünglich geplanten wirtschaftlichen und finanzpolitischen eine Konferenz geworden sei, von drr ausdrücklich die Brsprechnng aller derjenigen Fragen serngcbaltcn werden soll, deren Lösung allein zu einer Befferung der Gcsamt- laae führen könne: auch in der Beteiligung Sowjet- ölu^'laiids ohne Herstellung eines verfassungsmäßigen Zustandes in Rustland selbst siebt die amerikanische Regicning ein Hindernis. Schon diese Rote verursachte in Parts großes Unbehagen, da der darin enthaltene Wink deutlich war. Es wird den Franzosen wiederholt zu Gemüte geführt, was ihnen schon in Washington gesagt worden ist. dast Frankreich, Polen und Belgien ihre gewaltige Rüstungslast auf ein erträgliches Mast herabsetzen müssen, wenn sie ihre eigenen Finanzen in Ordnung bringen wollen. Dann erst lässt sich übersehen, wieviel Deutschland für Wieder- ausbaukostcn und an Kriegsentschädigung notgedrungen zahlen must, und dann erst lässt sich ermessen, in
welchem Maste und auf welche Weise durch eine internationale Anleihe die Fejitigung der deutschen Währung, die Regelung der Schuldzahlungen und damit eine langsame Gesundung der Weltwirtschaft herbeige- führt werden kann. DaS sind so Narr, logische Ge- dankcngängc, dass sich ihrem Zwang kein Mensch zu entziehen vennag, der seine gesunden fünf Sinne beisammen hat. Auch in Paris weiss man das genau so gut wie in Washington. Frankreich hat ja selbst aus drr Botschafterkonferenz die Flüssigmachung der deutschen Kriegsentschädigung durch eine internationale Anleihe gefordert, zu deren Sicherstellung Deutschland seine Zoll- und sonstigen Einnahmen zu verpfänden hätte. Rur verschließen die Franzose» geslistentlich hi ihrer blinden Wut die Augen vor der Tatsaü)«, daß eine solche internationale Anleihe ohne Amerika nicht durchführbar ist, und dass die amerikanische Ftnanzwelt in einer Verpfändung deutscher Einnahmequellen nicht das geeignete Mittel znr Festigung der Mark erblickt, sondern im Gegenteil davon eine weitere gewaltige Aufblähung der deutschen Währimg mit Bestnnmtbrit erwarten mutz.
III.
Der Ausgang der Konferenz von Genua, die mm endgültig am 10. April beginnen soll, wird wesentlich beeinslustt werden von der Stellung, die Lloyd George einuehme» wird. Die innere KristS der Koalitionspartcien ist zwar vorläustg überbrückt, aber keineswegs im Kern beseitigt worden. Man darf sich nicht verhehlen, dast augenblicklich die Stellung Lloyd Georges stark erschüttert ist. Schwierigkeiten innerhalb des britischen Weltreichs zusammen mit wirtschaftlichen Fragen tragen weiter dazu bei, das Amt deS britischen PreniiermtnisterS reichlich mit Stachel« uud Dornen auszustatten. Reben der allgemeinen ArbrikS- losigkeit droht ein schwerer Lohnkampf in der gesamten Metallindustrie. Kohlenbergbau hat eine sebr ernste Krisis hinter sich, in der Metallindustrie steht ihr bevor. Dazu treten die Wirren in Indien und Südafrika. Der Staatssekretär für Indien, Mon- tague, ist vom Kabinett zum Rücktritt gezwungen worben, weil er sich in einer bisher in der englischen parlamentarischen Geschichte einzig dastehenden Weise gegen das Kabinett selbst vergangen bat, wie sich Lord Eurzon ausdrückte. Es bestehen offenbar sehr ernst« Meinungsverschiedenheiten über die in Indien zu befolgend« Politik, also darüber, ob man dem indischen Führer Gdandt und seinen Anhängern mit Gewalt oder mit Güte entgegentreten soll. In Aegypten bat die mildere Auffassung gesiegt: wie eS mit Indien der Fall sein wird, muss man abwarten. Aber auch die Wirren in Südafrika, die zu blutioen Kämpfe« geführt haben, sind geeignet, der britischen Regierung grosse Sorge zu bereiten. Es spielt da neben reinen Lohnfragen anch die Rassenfrage hinein. Und fchsietz- lick haben sich unabhängig gesinnte Durenrlemente der Bewegung angeschlossen in der Hoffnung, ivren alten Traum von der Unabhängigkeit ganz Südafrikas zu verwirklichen. Aus Putschen und örtlichen Aufständen ist eine vollständige Revolution mit JobanneS- burg im Mittelpunkt geworden. Die südafrikanische Negierung, die mit grosser Tatkraft zugefatzt hat. hat jedoch die Oberhand über die Aufrührer gewonnen. Immerhin liegen auch dort die Dinge fo, dass England der weiteren Entwicklung mit Sorge entgegen« sehen mutz.
TV.
Vorfälle in der staatlichen Bildungsanstalt In Grob-Lichterselde, der ehemaligen Hauvt- kadettenanstalt, wie sie typisch sind für die nachrevo- lulionären unausgeglichenen Zustände, haben die Oeff-mtlichkeit in der abgelaufenen Woche erregt 43 Primaner, z. T. unmittelbar vor der Abgangsprüfung, sind von der Anstalt verwiesen worden wegen ungebührlicher Auftritte und Disziplinlosigkeiten. Die Darstellung der Vorgänge in der Presse stimmen in vielen Punkten nicht überein und sind vielfach diktiert von polittschen Beweggründen, wie überhaupt die ganze Angelegenheit aus dem Bereich der Schul- disziplin in das politische Fahrwasser getrieben tvorden su sein scheint. In der Annahme, dass die Licklerfelder Zög'inge im Allgemeinen Kreisen entstammen, die nach Tradition und Ueberzengung den neuen Verhältnissen ablehnend gegenüberstebe«, wird in der linksgerichteten Presse „ble neue StaatSform" als das hin gestellt, das geschützt werden müsse, während es doch die Schuldisziplin ist, die hier allein in
(Nachdruck veibojrn.)
Verkannt.
Roman von Hedda von Schmid.
34. Fortsetzung.
Harald hatte sich vollkommen in der Gest-alt.
Er saß hinter Irmgard in der Löhnstädtschcn Loge uiÄ> spielte mit ihrem Fächer, den er von der Logenbrüstung genommen hatte.
Tie Santen sang die Sassi im „Zigennertzaron". Die Rolle lag ihr glänzend. Die schmiegsame Wildheit des Zigeunermädchens kam durch ihr Spiel und ihren Gesang großartig zum Ausdruck.
„Die Sängerin erinnert mich an jemand Bekanntes," sagte Fred.
„Mir geht cs ebenso," versetzte Irmgard, „so oft ich die Santen höre und sehe, ist mir's so, als müßte ich ihr irgendwo mal begegnet sein. Halt — nun weiß ich's — sie erinnert mich an Henrika dy Santos ,pie Braut aus Kanada". Haben Sie nichts von her Verschwundenen gehört, greb?"
„Nein."
Er wurde nicht gern an jene Zeit, wo er mit den Grönings in Berührung gekommen war, erinnert.
Fred Delarue hatte sich in den Jahren, die seitdem verstrichen waren, wenig verändert Sein blonder, kleiner Schnurrbart war etwas dichter geworden, die Falte über der Nasenwurzel trat, wenn er angestrengt nachdachte, schärfer hervor als früher.
„Haben Sie denn niemals nach Henrika geforscht?" fragte Irmgard weiter.
„Ich erblickte keine Veranlassung hierzu. Mit dem Tode meines Freundes Hans Gröniug erloschen die kosen Beziehungen, die mich mit seiner Familie verknüpften." Er hätte sagen sollen, mit jenem Abend, der für Thcas und sein Schicifal entscheidend gewesen war.
Beim Souper, das nach der Theatervorstellung die Familie Löhnsiädt und die beiden Brüder vereinte, war Hcrald in einer fast ausgelassenen Stimmung. Doch Fred kannte seinen Bruder zu genau, um nicht zu merken, daß eine gezwungene Note mit klang.
„Was macht dein altes Kopfweh?" fragte er ihn, als sie durch die abendstillen Straßen dem Hotel Hamburg, wo Fred abgestiegen war, zufchritten.
„Es ist nicht der Rede wert, ich habe dazwischen einen Anfall gehabt, erwiderte Harald leichthin und wünschte seinem Bruder gute Nacht.
Der Klingeubcrg lag vertret da. Das Standbild in seiner Mitte ragte gespenstisch in die kalte Winterluft empor.
Harald wanderte noch etwa eine Gunde laug, die Hände in den Taschen seines Ueberziehers versenkt, den Spaz'erstock unter dem Arm eingeklemmt, planlos durch die winkligen Gäßchen uud „Gruben", wie man einen Teil der Lübecker Straßen nennt. Auf einer der Brücken blieb er Heben und schaute in das dunkle Wasser der Trave. Dann ging er mit in der Sft l'- hallenden Schritten zum Wasser hinab, wo aus Schenken Gesang von Matrosen eines fremden Landes erscholl. Allüberall begleitete ihn das Bild des Mäd- chens, das er so häufig auf der Bühne sah, das ihm aber ebellso fern stand wie einer der Sterne, die auS den Wolksfetzen des winterlichen Himmel-, an dem alles auf Schnee deutete, hervorlugten.
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Am Morgen nach der Aufführung de- „Zigeuner- borons" hatte Henrika Santen tiefe Schatten unter den Augen. Ihre feinen Gesichtszüge waren blaß und abgespannt. Sie schickte das Mädchen ihrer Zimmer- Wirtin mit der SOMbung, daß sie krank wäre, in die Theaterkanzlei.
Dann lag sie apathisch auf bet Chaiselongue nnd wies die zahlreiche Hausmittelchen zurück, die ihre mütterliche Freundin und Beschützerin Frau Amalie Sckimmelbeck — von ihr der Kürze halber mit dem Kosenamen „Schimmelchen" genannt — ihr aufzwingen wollte. <
Fron Schimm.elbeck trug heute ein regenbogenfarbenes Seidenkleid. Ter Fond einer bunten Theater- gorderob^ aus dem sie sich ihre Gewänder zurecht- schneiderte, schien unerschöpflich zu sein.
Henrika, Herzchen, was fehlt dir heutet fragte sie und strich liebkosend über da- wellige Haar der regungslos Daliegenden.
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Zweites Blatt
Nr. 66
Sonnabend, 18. März Lenzi«g
1922
Frage steh!. Und da halte die AnsialtSlettung bereit» einbegriffen mit Androhung der Verweisung. Sirreft und Urlaubsentztehung. Da« Kultusministerium glaubte aber selbst cUigretfen und über diese Maßnahmen hinauSgeheu zu ntüffert ein Schritt, über dessen Notwendigkeit die Meinungen auseinander- Sehen. Der Anstaltsleiter bezeichnet in einer Zuschrift an die »Ross. Ztg." den unerquickliche« Zwischenfall «Vorgehen gegen eine HauSdame) alS eine plötzlich« Eruption infolge d«S ZusammentteffenS verschiedener ungünstiger Umstände. Sine Verletzung der Schüler von aussen lasse sich nicht nachweisen. Aehnliche« gelte von der Behauptung, dass die Schülerschaft der Anstalt exttem rechts eingestellt f«t Die Zavl der früheren Kadetten, denen man dies zutrauen könnte, verminderte sich schnell. Der Ersatz an neuen Schülern stamme rnt» den weitesten Kreisen der Bevölkerung und bringe bte Anschauungen de« Elternhauses mit Daß tut übrigen die geaemvSrftge gebildet« deutsche Jugend, tue tn Zeiten höchster nationaler Erregung ausgewachsen fet, ihre Sympathien den vorhandenen poliftschen Parteien nicht gletchmützig zuweube, sei eine Erscheinung, die man Wohl an allen höheren Schulen und UnderfitSten beobachten könne, nicht nur innerhalb der Lichter selb er Anstalt Eine Bestrafung der Schüler wegen tbreS disziplinwidrigen nnd nn- ritftrlichen Verhaltens musste selbstredend etntreten, die vom Ministerium verfügte Entfernung von der Anstatt mit ihren Folgen für die vor der Prüftmg Siedenden erscheint aber eine reichlich harte Massnahme, anch wenn man auf dem Standpunkt sieht, daß die heutig« Jugend besonders zu Zncht und Ordnung angehalten werden muß.
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Wollte MAiMrW.
Von unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.
Der Handelsminister Sic ring hat im Preußischen Abgeordnetenhaus« auf einen Punkt hin- gewlesen, der die gegenwärtige Teuerung den breiten Massen am stärksten fühlbar werden läßt, di« ungeheure Verteuerung der notwendigsten Kleidung. Er führte als Beispiel an, daß Stiefel, die vor kurzem noch für 350 M zu beben r ar n fetzt 750 M. kosten. Er hätte auch die Preise der Anzüge, Kleiber usw. anführen können. Hier haben ruckweise Preissteigerungen stattgefunden, wie wir sie in diesem Ausmaß selbst auf dem Gebiete der Ernährung und der Heizmittel nicht erlebt haben. Am meisten betroffen werden durch die Teuerung der Kleidung die Angestellten und unter ihnen rvicder die mittleren und höheren Schichten, bei denen gute Kleidung noch immer zu den Voraussetzungen für die Ausübung ihres Berufes gehört. Jede Neuanschaffung reißt hier ein gewaltiges Loch in die Kaste. Da die Angestellten auf feste Bezüge angewiesen und größere Ersparnisse heute meist nicht vorhanden sind, so konnte man nicht, wie es andere Bevölkerungskreise tun, Kleidung auf Vorrat kaufen, bevor die ungeheuren Preiserhöhungen in Kraft traten.
Wo aber liegt die Hauptschuld, an dieser Notlage der qualifizierten Angestellten? Die Vereinigung der leitenden Angestellten hat kürzlich in einer anläßlich ihrer Hauptversammlung veranstalteten Kundgebung mit Recht über die Nivellierung der Gehälter geklagt. Ein Vergleich btr Indexziffern beweise, daß die Gehälter für die geistigen Artz e i t e r immer mehr herabgedrückt würden. Während die Arbeitslöhne im allgemeinen auf das Sechzehn. bis Zwanzigfach« des Friedensstandes gestiegen sind, beziehen die geistig tätigen Arbeitnehmer vielfach nur das Vier- bis Siebenfache ihrer Frie- densgehä^ter. Hierdurch muß auf die Dauer das Streben nach besserer Ausbildung und nach Vervollkommnung der Leistungen leiden. Worauf beruht
Der Pudes km schwe-'stoedelno herang-tnpvclt und leckte die herabhängcnde Hand der jungen Sängerin.
Da brach sie Plötzlich in ein heißes Schluchzen ans: „Ihr, ihr beide habt mich lieb, bn, mein altes Schimmelchen, und da- treuem vnvernünstige Tier. Sonst mag mich niemand auf der ganzen Welt", stammelte sie unter ihren Tränen, „In fremde Formen wellten fie mich zwingen, und al- ich meine« eigenen Weg ging, da Hatzen sie mich verdammt — mich undankbar gescholten, am meisten, da- weiß ich, der hoch, wütige, herzlose Mensch den ich geff°rn neben seinem Bruder in der Theatersoge wiedersah."
Der Bruder des Baron- Strodtmann? Aber, Herzchen, was geht er dich jetzt noch an?" beschwichtigte Schimmelchen. „Sei verständig, Henrika, mein Liebling, du bist doch sonst so beispiellos tapfer. Wenn man bedenkt, wa- du in kurzer Zeit erreicht hast. . . Das, wonach andere jahrelang vergeblich streben. Dir fällt in deiner Kunst fast alles mühelos zn. Trink jetzt etwa- Heißes, Ktwuhen, du hast dich gestern abend beim Nachhausekomnren auS dem Theater sich« erkältet, es wehte so scharf an den Straßenecken."
Doch Henrika wehrte atz.
„Ich bin nicht krank. Schimmeschen, nur «send, zum Sterben «lend. Di« Vergangenheit st ht vor mir die ganze schlaflose Naetz hindurch habe ich ft« wie so oft schon wieder durcherlebt, meint schwere Krankheit drüben in Kanada — seit Großmutters Tode kümmerten sich ja nur Fremd« nm mich — du weißt e-, Schimmelchen, bn selber, eine Fremde, hast dich ja meiner angenommen — schon damals auf der liefet- fahrt aus Kanada nach Deutschland."
„3a, Kindchen, was war denn Großes dabei? Du tatest mit leid mit deinen traurigen Augen und deinem armseligen graufchwarzen Fähnchen. Wie ein richtiges, verlassenes Aschenbrödelchen kamst du mir vor."
Frau Amalinee Schimmelbeck hatte sich neben Henrika auf den Rand bei Chaiselongue gefetzt und streichelte sanft die Hände des jungen Mädchens.
„Es war wie ein Fingerzeig des Schicksals", fuhr fis fort, daß ich dir bei der Landung in Hamburg
aber die lleberlegenheit der deutschen Industrie und des deutschen Handels, wenn nicht auf der Tüchtigkeit unb höheren Bildung unserer geistige« Arbeiter! Die Notwendigkeit, der schwer notleiben» den geistigen Arbeit nach Möglichkeit -u Hilfe pi kommen, hat auch der Hauptausschuß bee Reiche tages anerkannt, indem er auf Grund eine« m fast allen Parteien unterschriebenen Antrag» be« Förderungsbeitrag de» Reiches für die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft von 20 auf 40 Millionen Mark erhöht hat. Aber das Entscheidende ist doch, daß die besseren Leistungen der geistigen Arbeiter auch eine entsprechend höhere Entlohnung finden. Die Gleichmacherei, die unter dem Einfluß der radikalen Gewerkschaftsrich- tungen die Lohnpolitik heute beherrscht, muß endlich beseitigt werden, uud es muß hier wieder der alte Grundsatz Anerkennung finden, daß nicht jeder gleich, sondern jeder seinen Leistungen entsprechend bezahlt werden soll.
Die bange Frage, die heute wohl jedermann beschäftigt, ist die, otz wir nun endlich auf dem Höhepunkt der Teuerungswelle angelangt find oder ob wir immer noch mehr österreichischen Zuständen uns nähern. Leider hat das letztere immer nmh die größere Wahrscheinlichkeit für fich. Trotz mehrfacher Schwankungen ist der Dollar in der letzten Woche mit 270 <M. und darüber bewertet worden. Die Effektenkurse find dieser Entwickelung im allgemeinen nicht gefolgt, obwohl die Industrie mit Aufträgen überhäuft ist und fast überall mit Hochdruck gearbeitet wird. Veranlaßt ist die Zurückhaltung wohl in erster Linie durch Bedenken wegen der schnell wachsenden Eeldinslation jm Inland. Neue Gütertarlferhöhungen find angekündigt. Der Ätu pitalbedarf der Industrie macht sich stark geltend. ’Sn zahlreichen Gesellschaften haben bereits Kapi- talerhöhnngen stat tgefunden. in anderen find sie ge- plant. Die Banken sehen sich wegen der hochgespannten Kreditansprüche der Industrie genötigt, ihr Eigenkapital wieder zu verstärken.
Ein erfreuliches Kapitel unserer Volkswirtschaft bilden die Erfolge unserer Seeschiffahrt Nachdem der Norddeutsche Lloyd einen überaus günstigen Jahresbericht veröffentlicht hat, ist nunmehr auch der der Hamburg-Amerika-Linte auf dem Plan erschienen. Der Abschluß weist einen Reingewinn von 29*4 Millionen Mark auf gegenüber 17 Millionen Mark im Vorjahr. Die Hapagflotte hat wieder 30 7° ihres Friedensstandes rreicht, wenn auch die Seeschiffe allein erst 12 % der Zahl des letzten Friedensjahres betragen. Aber 48 Seeschiffe mit 165 707 Br.-Reg.-Tonnen stehen bereits wieder zur Verfügung, und 43 weitere mit fast 200 000 Reg.-Tonnen befinden sich im Bau. Hier ist wirkliche, nicht nur zahlenmäßige Wiedcr- aufbauartzeit geleistet worden, und das trotz des völligen Darniederliegens des Weltfrachtenmarkts und auf einem Gebiete, auf dem uns der Friedens- schlnß wohl die allerschwersten Verluste zugefügt hat.
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Fiume.
Militärdiktatur in Fiume.
Laibach, 17. März. Die Faszisten und die Anhänger d'Annunzios haben in Fiume eine Militärdiktatur ausgerufen. Die frühere Nationalversammlung soll wieder einberufen werden, um eine neue Regierung zu wählen.
meine Adresse gab. Ich hatte bereits damals das Vorgefühl, daß du eines Tages dich um Rat und Hilfe an mich wenden würdest. Ich war ja selber arm — bin's noch — aber es reicht zum Glück doch zu einem bescheidenen Leben. Wir, mein armer Mann und ich, hatten ja in Amerika all unsere Er- sparniffe verloren. Es ging ja zuerst ganz flott mit dem Konfektionsgeschäft, aber mein guter Mann verstand das Rechnen nicht und ließ sich immer wieder übervorteilen. Wenn ich nicht zu schneidern verstanden hätte, wäre es mir als mittellose Witwe übel ergangen, solange der Prozeß um den Nachlaß meines Mannes schwebte. So war ich froh, baß ich Theaterschneiderin werden konnte. Ich hatz's dir ja schon oft erzählt, aber ich rede noch immer jo gern von jenen Zeiten, so schwer sie auch mitunter waren. Die Damen vom Theater schenkten mir so viel abgelegte Sachen, daß ich die wohl bis an mein Lebensende aufttagen werde. Es ist, wie es scheint, mein Los, immerzu mit dem Theater in Verbindung zu bleiben. Du willst noch Großes in deiner Kunst erreichen, Henrika, denk an meine Woete.*
Henrika dy Santos blickte mit einem düsteren, umflorten Blick ins Weite: „Wenn ich Heino Ecl- terns Urteil als für mich maßgebend betrachten kann, dann wohl, ja, es ist mir geglückt, überraschend geglückt, — aber richtiges Glück ist es doch nicht . . "
(Fortsetzung folgt.) -
die köstliche Speise-Schokolade!
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