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Nr. 64

Bnttiiches Vertündigungsbiart des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

TieDteibeiftiibe Zettun- etidjelnl letbseal wöLextllch. Eeixgsptei* «exatltcb ohne Zustelluxg 10.50 Ml. bar» dir t!«ft 13 Ml. Rur «usfaUeabe Hummern infolge Streik, ober elementarer Lreigniüe kein (Erlag. Verlag von Dr. L. Htberatb. rruckderllniv^Buckdrackerei von 3ob. Lug. Äo», Markt 2123 5t«xjp«*ee 56, VoktlLeckkonto: Nr. 5015 Link Reanthirt a. Main.

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Marburg

Sonntrsloö. de» 16. Marr

v.<T »nieiatHDrett beträgt für die 9 gelo. Zeile ober beten Haum 60 Psg. für ben Milli« meter, amtliche und ausmärtiae 80 Pjg. Andere Spaltenbreitex na» entipre»en der Beregnung Spät einlaufenbe ober ben Raum übet 11, Seite etnnebmenbe Ln- »etaex Rno n>it berechtigt, na» bet lertioaltenbreite ,n fegen unb ,u beiecknen. Soatn. Setlamen betedinen mir oie Lol..Zeite mit 6.00 Mk. Zeber Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Luskunft but» bie itzeicbäft,stelle unb Vermittlung bet Lxze- bote 1 Mk. Sonbergebüdr.

SI.Wrs.

1922

Kimdgkbmg du dkiiW» 3tilünos- Lkilksn.

Bor dem Zusammenbruch.

Aus der Erkenntnis heraus, dah die Not der deutschen Presse nunmehr ein unerträgliches Aus« matz angenommen hat, die Gefahrenzone i' 'schrit­ten und die Krisis im vollen Tang ist, ja, dah das Sterben der deutschen Zeitungswelt bereits einen erschreckenden Umfang erreicht hat, hatte d-r Verein Deutscher Zeitungs-Verleger zum 13. März nach Weimar eine außerordentliche Generalversamm­lung einberusen, in der insgesamt 1827 deutsche Verleger und Herausgeber der Zeitungen aller Parteien und Richtungen vertreten waren. In ein­gehenden Darlegungen aus allen Kreisen der Der- legerschaft, der kleinen, mittleren und großen Preffe. wurde ein erschütterndes Bild der Loge g 'zeichnet. Die allgemeine Einmütigkeit der Versammlung und der gemeinsame Wille zur Ausbietung aller Käste fanden ihren Ausdruck in der geschloffenen An­nahme einer Kundgebung, dir wir gestern f ercits kurz in ihren Hauptpunkten wiedergegeben haben. Ergänzend tragen wir daraus noch nach:

Das Zusammenbrechen der Z itungen hat erst mit einer Reihe in der großen Oeffentl chkett weniger beachteter Einzelsällc begonnen; es schreitet weiter, und die Beratungen, die zwischen e'rer gro­ßen Anzahl von Vertretern zum Teil sehr bekannter und alter deutscher Zeitungen und ihrer Berufs­organisation notwendig gewesen sind, erbrachten die Gewißheit, daß Zeitungm aller Art, kleine, mittlere und große, in kurzer Zeit zur Stillegung »der mindestens zu weitgehenden Bctr'eL'rtnshren kungcn gezwungen sein werden. Schuld taran ist vor allem eine nur dem Namen nach freie Wirt­schaft, bei der in Wirklichkeit d'e deutsche Preffe der rücksichtslosen Preisdiktatur der Syndi­kate ausgesetzt ist. Die Papiersabrikanten schicken sich an, den Preis, der schon im Januar < f das Fiinfunddreißigsache des Friedenspreises gestiegen war, für die nächste Zeit auf das Fünfzig- bis Sechzigfache zu erhöhen. Das übersteigt alles, was selbst in diesen Zeiten der Teuerifg da- gewescn ist, wenn man bedenkt, um welche Mengen Druckpapier es sich handelt und welche enormen Gewinne aus dem Holzstoff, dem Zellstoff'und dem Papier wcrausgewirtschaftet werden. Die Not­lage der Prcffe ist seit langem von Regierung und Parlament anerkannt. Das hat aber leider nicht verhindert, daß andauernd die Preffe trotz ihrer Notlage als ein Objekt der Luxusbesteuerung ange­sehen worden ist. Zu den ungeheuren, ganz plötz­lich und in noch nie dagewesenem Umfange cintre- lenden, unerschwinglichen Verteuerungen des Pa­piers kommen wieder enorme neue Lasten für alle anderen Materialien, Löhne und Gehälter.

Diese Lasten find nicht mehr zu ertragen.

Auf der Versammlung in Weimar sind über die Zustände in zahlreichen Zeitungen aller Art und über verzweifelte Rettungsversuche erschütternd» Tatsachen bekull-etnvorden. Es steht zu befürchten, daß von heute auf morgen Stillegungen großer Betriebe eintreten. Wir bitten dringend, keine derartigen Schritte zu tun, ohne vorher mit der Be- rnfsvertretung in jedem Falle erwogen zu haben, ob nicht doch noch eine Notstandsoktion möglich rnd praktisch durchführ erscheint. Unumgänglich erscheint allerdings eine scharfe Einschrän­kung der gesamten Betriebe.

In letzter Stunde erheben die Herausgeber der deutschen Tageszeitungen ihre warnende Stimme angesichts einer Gefahr, die nicht nur eine große Gruppe von Privatunternehmungen bedroht, son- bexn eine Einrichtung des öffentlichen Lebens, von deren Unentbehrlichkeit und dringender Notwendig­keit man sich vielleicht leider erst überzeugen wird, wenn cs zu spat ist.

Wir fordern die Reichsregierung, den Reichstag, Hie parlamentarischen Körperschaften in den Län- Idern ans, an die Stelle der Beteuerungen ihrer ihohen Meinung von der Presie und der platonischen «inficht in die Dinge die Tat treten zu lasien. f Die Zeitungsleser machen wir darauf aufmerk- Jnm, daß die Bezugs- und Anzeigen­preise, die für den 1. April angekundigt werden, «isnahmslos nicht einmaldie Kosten des Wapiers decken, und daß daher für sämtliche (Zeitungen nichts übrig bleiben kann, als auf diesem »ihlichrn Wege bis zum Zusammenbruch weiter- dvgehen oder die Stillegung bereits zum 1. April dorzunehmen in den Fällen, in denen die ungeheure Belastungsprobe nicht einmal mehr auf Wochen Huszuhalten ist. Die Verantwortung für die Kolgen der Einschränkung und Stillegung von Be-

Bor der EnWidung öder die deuWen Mmgen

Dit MIiWM einer Bimini!.

Paris, 15. März. Der Entschäd'gung-aus- schuß veröffentlicht folgenden Bericht: Nachdem die verbündeten Regierungen beschlosien h. en, die Frage der Zahlung in bar und der Lieferungen von Maren, die Deutschen im Jahre 1922 zu leisten hat, an den Entschädigungsausschuß zur Lösung zu verweisen, setzt dieser das Studium dieser Frage in vorbereitenden Sitzungen eifrig fort. Er hofft, in der offiziellen Sitzung, die am nächsten Freitag statt finden soll, zu einer Entscheidung kommen zu können.

Berlin, 15. Mär». Der Berichterstatter her , Morning Post" schreibt, er erfahre, biß sehr bald eine Mitteilung erwartet werden könne Ober die Beschlüße bes ^ittfchSdigiingsaurschusses bezüglich der Art drr-Stun Stng, die Deutschland für seine EntschäbigungSzohluu' "irr dieses Jahr erhalten soll und bezüglich der von Deutschland zu leistenden Garantien. Der.. Entschäd' 'nngsaxSschuh w«rde Deutschland wahrscheinlich eine Z'unbunfl gewähren, dir die Gestalt eines Ersähe?

Lasten, die in dem am 5. 5.1921 gefaßt'» B-scklnss' ''sta-setzt wurden, durch eine leichtere Last annehmen werde. ES herrscht aber kein Zweifel darüber, daß d-n EnttibädigungSausschuß darauf bestehen werd', bar. lie Verbündeten durch den Ausschuß eine wirksame Kontrolle über die deutschen Finanzen erhalten. In Paris werde es mehr unb mehr für wahrscheinlich gehalten, daß die Mobilisierung der beut- scheu Schuld durch eint große internationale Anleihe, ?tc durch gewisse HilfSqurllcn des Deutschen Reiches, wie Bergwerke, Eisenbahnen, Zölle usw. sicherg'sielU iverde, früher oder später eine vollendete Tatsache wird. Vas jedoch auch immer geschehe, der EntschSdigungSaus- schuß iverde zweifellos sestsetzen, daß soweit Zahlungen für das laufende Jahr in Betracht kommen, die Gewäh­rung irgend einer Stundung abhängig sei von den Garantien, die Deutschland gibt und den Finanz- re form en, die es durchführt.

Das Nimmersatte Frankreich.

Paris, 15. März. Ter nationale Aktions­ausschuß für Entschädigung der Krirgrschäden ver­langt die Aufschiebung der Vesatzungifristen bis zu dem Toga, an dem Deutschland regelmäßig feine Verpflichtungen erfüllt, Steuererhebung im besetzten Gebiet durch die Besatzungsbehör- d e n, Errichtung einer Komm'ssion für die deutsche Entschädigungrfchuld in Berlin mit Dcrwal- tungsvollmachten, Kontrolle des deutschen Wechfelmarktrs, Abführung eine, Teiles der aus der Ausfuhr stammenden fremden Devisen an die Berliner Schuldenkommission, Reorganisation der Reichsbank, Sanierung der deutschen Finanzen, wirtschaftlicher Wiederaufbau Frankreichs durch internationale Kreditoperationen und Durchfüh­rung des Wiesbadener Abkommen.

trieben muffen die deutschen Zeitungsverleger eben­so ablehnen, wie d'e dadurch entstehende Vermeh­rung der Arbeitslosigkeit. Die Verantwortung da­für tragen allein diejenigen, die diese Zustande über die Preffe verhängen und die es zulaffen, daß Preffe und Pressefreiheit willkürlich zugrunde ge­richtet werden.

Eine Regierungserklärung.

Berlin, 15. März. Zm Hauptausschuß des Reichstages erklärte Staatssekretär Dr. Hirsch zur Frage der Rot der deutschen Zeitungen, die Regierung verfolge mit Sorge die Entwickelung der Preise des Druckpapiers. In der Vorkriegszeit habe das Kilogramm Druckpapier etwa 30 Pfg. gekostet, jetzt koste es 8,30 M, das sei eine 28fache Steigerung. Es sei zu befürchten, dah 'weitere Steigerungen erfolgen und dah daraus katastro­phale Folgen für das deutsche Zeituugs- gewerbe erwachsen sowie auch allgemein kulturelle Schädigungen. Der Staatssekretär glaubt, dah durch eine neue Teuerungswelle die kleine Presse erschlagen und dah dadurch eine all­gemeine Uniformierung der Meinung erfolgen werde. Als mögliches Abhilfsmittel be­zeichnete der Staatssekretär die eventuelle Einfluß­nahme der Reichsregiernng auf die Preisgestaltung, sobald der interfraktionelle Ausschuß und der Reichstag hierzu Stellung genommen haben. Viel­leicht könne dann zum mindesten die sprunghafte Steigerung der Papierpreise hintangehalten wer­den. Ein barer Zuschuß könne bei der Finanzlage des Reiches nicht i« Aussicht gestellt prerden.

Die nächste Dekadenzahlung.

Berlin. 15. März. Wie dieB.Z.a.M." von zuständiger Stelle hört, wird entgegen i dcrs- laut-nden Gerüchten in d-r französischen Prcffe die nächste Tekadenzahlung Deutschlands am Fällig­keitstermin (18. März) beglichen werden.

AuWierhMug her MililörlMM.

Paris, 16. März. Tie Doischasterkonferen, bat ran dein Bericht Kenntnis genommen, ben sie in der rangen Woche von dem interalliierten Mililärkomitee in Versailles eingezogen hatte. Nach ben von dem diplo­matischen Redakteur der Havasag'ntur ringerogenen Er­kundigungen soll der Bericht zu dem Schluß kommen, daß die Kontrolle in Deutschland aufrecht- ,»erhalten sei. Zu bestimmen bleibe nur ihre Dauer. Auf französischer Seite soll man dazu neigen, iie noch auf einen Zeitraum von mindestens a ch t Jahren bestehen zu lassen. Der italienische Botschafter, 3hraf Sforza, der zum ersten Male an der Sitzung der BotsKafttrkonferen; teilnahm. soll einen Vermittelnnas- vvrschlag gemacht haben, der im Prinzip eine Dauer von acht Jahren zuläßt, aber vorsiebt. daß, wenn Deutsch­land in der Ausführung der militärischen Klauseln des Versailler Vertrags guten Willen bewiesen bade, der Völkerbund schon vor biefem Termin mit der lieber« wachung der fraglichen Bestimmungen betraut werden könne. Diese Lösung soll bie Zustimmung der fran­zösischen Delegation gefunden haben. Tie englischen Vertreter hätten erklärt, darüber an ihre Negierung berichten zu müssen.

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Note der Botschafterkonferenz über di« Schutzpolizei.

Berlin, 15. März. Eine seit längerer Zeit inosftziell angekündigte Note der Botschafter der in der interalliierten Militärkonlrollkomm ssion vertretenen Negierungen ist heute bei der deutschen Negierung eingegangen. Die Note enthält eine Beschwerde über angebliche Widerstände in der Eniwassnungsfrage und bringt dabei He Organi­sation der Schutzpolizei zur Sprache, die bereits in einer Note der interalliierten Militärkontrollkom­mission vom 2. Februar d. I. zum Gegenstand einer Vorstellnng gemacht worden ist. Zn dieser letzteren Frage ist heute der Kontrollkommission nach Be­nehmen mit den Landesregierungen eine Erklärung übersandt worden.

Zurückziehung aller amerikanischen Truppen?

Paris, 15. März. Wie dieChicago Tribüne" aus Washington erfahren haben will, wird die Be­handlung der amerikanischen Forderung durch die Konferenz der verbündeten Finanzminister wahr­scheinlich die Zurückziehung der amerikanischen Truppen am Rhein beschleunigen und möglicher­weise sogar die Erstellung jeder am^ ^mischen Besetzung zur Folge haben.

Nach der amtlichen Zeitungsliste haben im letz­ten Monat w'eder 157 Zeitungen und Zeitschriften ihr Erscheinen eingestellt.

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mit der DeMrn KMi»

Wie die Blätter mitteilen, hotte der Reichskanzler an die Parteien des Reichstages. bie das Steu'rkoiupro- miß obgeschlossen haben, bie Bitte ergeh-n lassen, geeig­nete Parteipertreter zu Verhandlungen mit der Reichs- r-giemng über die Forderungen der Deutschen Volks- partei zu benennen. Gestern sanden bereits zwischen dem Rcichskanzler und verfckiebenen Führern der Koqli- ttonsparleieu unb der Deutschen Bo'ksyariei Besprech ungen statt, wobei bie Frage des Sparprogramms, die Frage der Ernennung eines Svarmiuisters sowie eines neuen Ernährung-Ministers erörtert wurden. Ti' Frage der Erweiterung der Regierungskoalition stand nicht zur Debatte. Diese Frage soll, wie in parlamen­tarischen Kreisen verlautet, erst in den kommenden Be­sprechungen von den Regierungsparteien ausgenommen werden.

DerBerl. Lokalanz." schreibt, daß für die Deutsche Vvlkspartei bie Frage des Eintritts in bie Regierung erstdann akut werden würde, «nenn sämtliche Koalitwns- parteien an bie Deutsche Volkspartei das Ersuchen richteten, in die Regierung einzutrcten. DerZeit" zukolge bat die Reickslagssraktion her Deutschen Volks- Partei al- Vertreter der Fraktion bei den Verhandlung«» mit dem Reichskanzler unb den Koalitionsparteien die Abgeordneten Dr. Stresemann, Dr. Becker, Tr. Quaatz und Dr. Scholz ernannt

Der neue Bischof von Trier. DaS Domkapitel hat den Wetvbischos Dr. Bornwasser in Aachen zum Bischof von Trier gewählt Der Papst hat dw Wahl bestättgl.

AiillSkk Msiim.

186. Sitzung vom 15. M ärz.

Der Gesetzentwurf über die Vereinigung von $ Or­ion t mit Preußen wird dem Rechtsausschuß überwieken.

Im Lause der Aussprache verlangt Abg. Koene» iontm), daß enb(id) mit der Kleinstaaterei Schluß ge­macht werbe und fordert eine großzügige Vorlage auf ln^mmenleanng von Landesteilen

Abg. Koch (Dem. lgab dem Wunsche Ausdruck, daß riich der waldecksche Gebietsteil gleich mitübernammen hätte werden sollen, da fa tatsächlich das ganze waldecksche : in preußischer Hand sei.

Abg. Dr. Kahl (D. Vvt.) und Aba. Neu hau» ^Deuttchn.) stimmen der Vortage ebenfalls zu, meinen aber, daß noch einige wichtige Rechtsfragen im Ausschuß ru klären seien, während Abg. Schultz (Denttchn.) namens eines Teiles seiner Fraktion- erklärte, der Vor- 'age auch ohne AnSschußberatung zustimmen zu wollen.

Preußischer Ministerpräsident Braun: Durch eine 'Sngere Ausschußberatung würden b*e gegenseitigen Ver­träge hinfällig werden. Die preußische Regierung steht Zürchaus auf dem Standpunkt, daß die Entwicklung der staatsrechtlichen Dinge sich in der Midi hing aus den deut- '-dm Einheitsstaat bewegen soll. Diesem Ziele würde nicht gedient durch Erhaltung von Kleinstaaten auf Kosten Preußen?, das durch ben Gebietsverlust infolge des Friedensvertrages schon erheblich gelitten hat.

Nach Erledigung einer Reihe kleinerer Vorlagen wird die zweite Lesung beS Reichswehrhaushalts fort« gefegt.

Preußischer Ministerpräsident Brann: Es ist nicht so, als ob Preußen mit einem Federstrich die weite« Verleihung des Eisernen Kreuzes, dieses Täufer- kttszeichenS, abgestvvft hätte. Mit der Verleihung von Kttegsorden muß endlich einmal Schluß gemacht werden. Schon dreimal ist der Endtermin hingus-'eschoben worden.

\,t bleibt er mit dem 31. Dezember 1922 bestehen. Unter 'en unerledigten Gesuchen auf Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse befinden sich solche von sechs Geheimen vosräten, die im Militärkabinett des Großen §>aupt- guartß'rs im warmen Nest gesessen haben. (Härt, hört!) Diese Auszeichnung kommt aber nur Frontkämpfern zu.

Abg. Brüninghaus (D. Vpt.): Hätte der Mini­sterpräsident die Resolution gelesen, so hätte er die Tatze fadjen nicht so verdrehen können. (Hört, härt!) Es handelt sich darum, dah die in Feindesland zuräckgehal- tenen Krieger noch nachträglich zu ihrem Rechte komme» sollen.

Reichswehrminister Dr. Gehler: Die sechs Geh'ime« Holräte haben Mobilmachungsarbeiten geleistet. Vom letzten KrirgSminister ist ihnen das Eiserne Kreuz ver­sprochen worden.

P«ußisch«r Ministerpräsident Braun: Zurückgehal­tenen Kttegsgefangenen soll daS Eiserne Kreuz auch jetzt noch verliehen werden. Es muh aber einmal Schluß gemacht werden.

Abg. v. Ga llwitz (Dentschn.) verwe-st darauf, daß noch 20 000 Gesuche vorliegen. Der Miinsterxtti'ident hätte sich nicht in so animofer Weise über das Eisern« Kreuz aussprechen sollen.

Ministerpräsident Braun bestreitet daS. (Ruie rechts: Sie haben vonPossenspiel" gesprochen. Das wird Ihnen nicht vergessen werden.) Die Massenverleihnng deS Eisernen Kreuzes empfinde ich als bitterstes Un­recht gegen alle, die es wirklich verdient haben. ES bleibt aber beim 31. Dezember 1922, es sei denn, daß Ansprüche von zurückgekchrten Kriegsgcsangenen an un­kommen.

Nach weiterer Aussprache, in deren Verlauf Abg. Külz (Dem.) ebenfalls für die Wahrung beteiligtet finteressen yntrat, als Demokrat und Kriegsteilnchmer aber feiner tiefen Beschämung barüber Ausdruck verlieh, wie das Thema des Eisernen Krtuzes hier behandelt wurde: schließt bie Aussprache.

Beim KapitelMilitärbildungswesen" fordert Abg. Weiß (Dem.) ,daß in den Militärschulen nicht einseitig g«f die Veomtenbildung h'ngearbeitet werde. Die Leute mußten bielfeiliger ausgebildet werden, sodaß sie jeder­zeit in einen gewerblichen ober technischen Beruf zurück« kehren können.

Reick>Swehrmimster Dr. Gehler: Die Bilönngst- vorschläge, wie sie ber Abg. Weiß gemacht k't, werden, iiach Möglichkeit in die Tat umgeseht werden. Die h'utige Ofsiziersausbkldung sei anders als bisher. Die Anwärter hoben zunächst zwei Jahre als Soldat gebient Das H^iralsalter b im Militär würbe aus bas 27. Lebens­jahr festgesetzt Dorn zwingt schon die Wohnangsaot. Nachdem der Minister sich noch für bie energische Be­kämpfung beS Alkoholmißbrauchs ausgelprochen und er­frört hatte, bah bie Solbatenh'ime für diesen Zweck auSgebgut würden, wird bas Kapitel bewilligt und eine Entichliehung angenommen, in ber ein parlanieniarischc: Beirat für ErziehungS- und Mldungswesen beim Reichs« wehrministerinm gefordert wird.

Der Haushalt des Landh-eres w'rd nunmehr bewilligt

Beim Marinehaushalt spricht tzünlich (Soz.f eine Bedenken darüber aus, daß in bei Marine noch kein verfassungstreuer Geist herrsche.

N-ichswehrminister Dr. Geßler entgegnet: Der Dienst in der Marine, bie im Rigaischen Meerbusen Öelbentaten verrichtete, ist heute ein n*nj anbccet als früher. Kohlen- unb Finanznot erlauben es uni kaum, ein Schiff ins Ausland zu sckncken. Daher muß bie Marine vielfach Landdienst tun. .

Abg Kuhnt (Unabh.) l'gt in länaerer Rede bie Gründe dar, aus denen seine Partei das Stiftern bei der Marine bekämpfe, und ben Haushalt ablehge. Der Red­ner verteidigt sich gegen bie Angriffe, He gegen ihn in seiner Eigenschaft als MinistervrSsideilt'n £ Isenburg gerichtet reueben.