Zweites Matt
Nr. 60
Sonnabend, 11. März
Lenzing
1922
Gebrauchs
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schweigend fügten.
(Fortsetzung kolg^ »
borge» hatten
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sich keine besonderen letztwilligen Verfügungen funden. Seine Mutter und seine Schwester» eine Kleinigkeit von ihm geerbt.
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Am Frühling desselben Jahres würbe Frau Hannchen zu früh von einer Tochter entbunden.
Das Kindchen war tot und seine Mutter lange Wochen hindurch schwer krank. Sine Lungenentzündung trat hinzu und brachte die junge Frau an de» Rand des Ätobet. , . ___>
Der Doktor verteidigte Fred na chwie vor, sobald seine Frau ihn angriff. Er nahm di« Episode mit Theas Neigung für den Freund ihres Bruders überhaupt nicht ernst.
„Delarue iH ein durchaus korrekter und groß»
Löhn« und aller Unkosten »icht »ehr au», um den Betrieb im bisherigen Umfang aufrecht zu erhalten Man hilft sich entweder zunächst durch weitere Äc pitalerhichnngen oder durch Inanspruchnahme von Bankkredit. Die letztere zwingt aber wiederum die Banken, ihr Kapital zu vermehren.
Stadt, hatte er sich sagen lassen, und Löhnstädts waren prächtige Leitte. Der Konsul würde seinen Volontär wohl nicht allzufest an der Strippe halten. Travemünde war auch nicht so ohne während der Badesaison — kurz, Harald s gnetr jetzt schon seinen ^Durchfall" im Examen, küßte seiner Mutter die Hand und sagte: „Ich tue alles Dir zu Liebe, Mntted, ich werde mit Wonne auf den Löhnstädt'schen Kontor» schemel steigen und hoffe, du erk'nnst meine Willfährigkeit und Opfersreudigkeit durch die milde Stiftung einer Segeljacht gÄührrnd an. Irmgard Löhnstädt sagt, daß er sich auf der Trave famoS segeln ließe, ckens, in der Lübecker Bucht."
„Bescheiden bist Du gerade nicht," nickte Fred seinem Bruder lachend zu. Er war froh, daß die Mutter über Haralds Mißgeschick leichter hinwegkam, als er angenommen hatte, und daß es mit dem Studium des Bruders nun überhaupt nichts wurde.
Konsul Löhnstädt, so gemütlich er zu Haufe bei den Seinen und in Gesellschaft guter Freunde war, hlnnte im Geschäft keinen Spaß. Bei ihm würbe Hara8> jedenfalls in eine vortreffliche Schule kommen.
Außerdem betrachtete Fred Löhnstädts schon halb und halb als Verwandte. Sein Entschluß, um Irmgard Löhnstädt zu werben, war fast auSgereist. Eine pafstnderr Frau konnte er kaum finden. An Thea versuchte er überhaupt nicht mehr zu denken. Allerdings war er von Zeit zu Zeit an sie erinnert worden, als es zwischen Haendler und ihm Besprechungen wegen Hans' Hinterlassenschaft in Kanada gegeben hatte. Der Tod hatte Hans Gröning überrascht, es hatten
laß ein Zahntechniker von außerhalb, der beschuldigt varde, beim Verlauf seines Geschäfts seinen Nachivlger äbervortestt unb unrichtige Angaben in den Büchern bezüglich der monatlichen (Einnahmen gemacht zu haben. Die Berhandlang eirfngtt damit, daß das erste Urtttt, das wegen Betrugs auf 4 Wochen Gefängnis gelautet tatte, aufgehoben und auf Freisprechung erkannt wurde. — Im vergangenen Herbst tourben einer Familie in Midenhausen einige Zentner Aepfel polizeilich befchlag- mhmt, weil diese angeblich an den Landstraßen ge- tohlen worden seien. Bom SchSsfengericht wurde der Pater zu 3 Wochen und der Sohn zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. In der gestrigen Berufungsinstan, (an« tcfen sämtliche Zeugenaussagen dahin, daß die beiden An» rKagten, die geschäftlich in Moischt, HeSkem usw. da» niols zu tun hatten, nrit Erlaubnis der Besitzer nach tznem Sturm die Aepfel aufgelesen hatten. Ein Land«
herigen Koalition treten und deren beide innere Flügel verschmelzen soll. Daß aber innerpolitifche Schwierigkeiten die Tatkraft Lloyd George» nach außen lähmen mutz, liegt auf der Hemd. Die Franzosen wissen das ganz genau und mache« von dieser unerwarteten Gunst des Schicksals rücksichtslos
* Hundesteuer. Bom 1. April d. Js. ab ist di- Hundesteuer für den ersten Hund auf 120 Mark und ’flr jeden weiteren Hund mtf 300 Mark erhöbt worden Hierbei wird auf die Anmeldunasvorschrifteu binqewielen wonach berienige, der einen Hund anschafft ober mü «inem Hund neu anziebt, ihn binnen 14 Tagen nach Str Ansi^ossung ober nach dem Anz"ae anzumelden bat Unterlassung der Anmeldung oder nicht rechtzeitige Anmeldung zieht Strafe nach sich.
<*» Frauen und Technische Nothilfe. Der Volkswirt vom Landesbezirk her Technischen Notbilf- ht Cassel 0. Rein bart hielt am Donnerstag einen Vortrag über das Tbema: „Warum wendet ft* die Technische Nothilfe an* an die Frau?" Der Redner wigt »unächst, wie der Frau durch den Krieg Ausgaben im Dienste des Allgemeinwohls zugefalLn sind, an die man früher nicht gedacht hatte und die sie beute als Bollbürger deS Staates gleichwertig an die Seite de^ Mannes stellt. Daneben stehen der Fran aber besondere Tätigkeitsgebiete zu, z. B. Kranken. und Kindervflege und bergt, außerdem ist die Frau noch durch ihren Einfluß auf Mann, Kinder und Hausgenossen besonder^ incher L«»e, soziale Gedanken weitenutraaen und zu vertiefen. Daher wandte sich die Techn. Nothilfe an bk großen Organisationen der Frauen und durch diese wieder an die örtlichen Vereinignugen, um ein Zusammen- erbeitri dieser mit der Organisation oec Teck)nischen Not- bilse zu erreichen. Der Redner zeigte dann, toie cs im 5rbre 1919 durch die immer zUnehmenden Arbeitsniederlegungen. wobei die Arbeiterschaft vielfach nicht einmal die Notstandsarbeiten in lebenswichtigen Betrieben aus- sührte, zur Gründung der Technischen Nothilse kam und year als freiwillige Arbeitsgemeinschaft aus allen Stänken' und Parteien, unterstellt dem Reichsministerirun deS Innern. Der Redner führte weiter aus, wie sich hie Technische Nothilfe in den 2 Jahren ihres Bestehens« praktilch betätigt Hst, wie sie in Gas-, Wasser- und Elettn'zitätstverken, in der Landwirllchast, Transpvrt- rr-esen, endlich auch in Notständen durch höhe« Gewalt, Hochwasser, Großfeuer und bergt, wo früher daS Militär bemngezogen wurde, bereits über lOOOwtitt eingegriffen bat: er zeigte auch, welche Riesenwerte dadurch der d-n licken Bolkswirtschaft erbitten werden. Endlich führte der Redner noch auS, in welcher Weise sich Frauen bei dieser praktischen Tätigkeit beteiligt haben, besonders in Krankenhäusern zur Pflege und Bedienung der Kranken, in der Landwirtschaft vor allem beim Melken, bei großen Einsätzen der Technischen Nothilfe durch Kochen für die Nothelfer, durch Schreibdienste' anfc bergt Vor allem aber kann die Frau Helsen, indem sie den Wiederausbau- gedanken, den bie Technische Noth'lfe zu verwirklichen sucht, verbreitet und für diese neue Mitglieder wirbt, domit auch die Zahl bet Frauen in der Technischen No'hilke, die z. Zt. 11 Prozent beträgt, wesentlich vermehrt wird. Je mehr Bekenner die Technische Notbilse zählt, um so leichter kann sie ihrer Aufgabe gerecht werben.
* Strafkammer. Der erste Fall der gestrigen Sitzung zog sich sehr lange hin. Auf der Anklagebank
zügiger Eharakter," sagte er. „Ihr saht in ihm einen Freier für Thea, weil er durchblicken ließ, daß er sie hübsch fand. Er hat sicherlich nie daran gedacht, Thea zu heiraten.
Fran Hannchen ließ sich nach und nach durch die Argumente ibres Mannes zn seiner Ansicht bekehren nur Tante Siete behauptete nach wie vor, Delarue war einer der größten Geldprotzen unter Gottes Sonne und außerdem ein hart gesottener Egoist. Henrika habe daS auch gesagt.
Aber von Henrikas Meinung hielt Frau Hannchen nichts.
Durch Dt. Haendler erfuhr Fred, daß- Henrika sich heimlich aus dem Gröning'schen Hause "'entfernt habe. Er verschwendete keinen sorgenvott-n Gedanken an diese Tatsache. „Nicht spanisches Grandenblut, sondern spanisches Zigeunerblut steckt in ihr," meinte er, als er beiläufig seiner Mutter das Remst: von der Brant aus Sanaba erzählte.
„Man müßte boch nach dem Mädchen forschen," meinte die Baronin, bereit Interesse plötzlich für Henrika by Santo- erwachte. „Ziehe Erkundigungen ein, Fred".
Aber chr Sohn zuckte mft den Achseln.
„Ich bitte dich Mutter, warum soll en wir uns damit befassen, wenn schon die Grönings es für überslüsi'g halten, etwas zu tun. Deinem guten Herzen macht dein Mitleid mft Henrika ja alle Ehre, aber Hans Grönings Verwandte sind bei der Angelegenheit doch näher interessiert als wir. Die rühren, wie gesagt, keinen Finger dazu, um Henrika dh Santos' Ausent- Haltsort zn entdecken."
Marburg und Umgegend.
Marburg, 11. März (LenzinÄ.
* Das Arbeitsamt schreibt: Die Erwerbslosm fcti ist in den letzten Tagen durch den Beginn der Bun arbeiten erfreulicherweise etwa- zurückgegangen. In br-, Stadt Marburg fiel bie Zahl der Erwerbslosen von 13? ans 99; von den börfltcben Ortschaften b-s Kreise- Marburg waren bei der letzten Zählung 117 Arbeitslose gc- meldet. Die NotstandZarbeften konnten teilweise wieder ausgenommen werben: ans den Dörfern wurden 81, in der Stadt Marburg 17 Erwerbslose mit Notstanbsarbei '-n beschäftigt. Stark ist die Nachftage nach Maurern für auswärts: ebenso nack- Dienstboten unb weiblichem Hotelpersonal, bie nicht befriedigt werden kann. Auch an Lehrlingen fehlt eS.
Als sic soweit genesen war, baß sie ihr Krankenzimmer verlassen konnte, schickten die Aerztr sie nach Davos.
Ihr Gatte brachte sie dorthin.
Nach sorgfältiger Untersuchung stellte es sich heraus, daß völlige Genesung seht unzweifelhaft war. Jeden- falls mußte mit einem langen Aufenthalt in Davos gerechnet werden. Man verheimlichte der Leidenden diese Diagnose, und Frau Hannchen hasste fest darauf, bald wieder vollkommen gesund zu werden. Sie machte allerhand Pläne für ihre Rückkehr nach Berlin. Als junges Mädchen war sie stark bleichsüchtig gewesen, und ihre zarten Lungen hatten ihr damals wiederholt zu schaffen gemacht, doch da es sich immer bald wieder gebessert hatte, so war man bei Grönings kcineswe^ ängstlich gewesen. Hannchens übergroß: Zartheit tt’b Schlankheit hatte triebet sie selber noch die Ihrigen de- unnchigt, nun aber nach den beiden jüngst über- standencn Krankheiten hatte bet niemals sehr gesund gewesene Körper kaum noch etwas1 an Lebenskraft zuzusetzen.
Dr. Haendler trug entsetzlich schwer an diesem Schicksalsschlag, der sein Familkenglück zersplitterte. Merkwürdigerweise war die Kranke sehr gefaßt st*' hatte angesichts der veränderten Lage selbständig Maßnahmen ergriffen, denen ihre Angehörigen sich still
einbrachte.
—r. K i r ch h a i n, 7. März. Der Männetgelangver- ein „Concordia" gab am vorigen Sonntag im Saale deS Bahnhofshotcls ein Konzert, daS der zahlreichen Zuhörer, schäft noch lange im Gedächtnis bleiben wird. In den gesanglichen Leistungen kann man merlliche Fortschritte seit der Wiebcraufnahme deS Singens nach dem Kriege verzeichnen. Acht Chorlieber, darunter einige schwierigerer Natur, wurden sicher und rein vorgetragen, sodaß jedcS folgende Sieb stärkeren Beifall brachte. Die Wahl der Sieber, bie Durchbildung der Sängerschar im Vor- trag und die Handhabung deS Taktstockes zeugen von einem feinen künstlerischen Betständnis und einem unermüdlichen Fleiß« deS Dirigenten, Herrn Jauernick aus Marbach, der sich außerdem durch das Einüben dreier weiterer Chöre, bei denen die Damen des Vereins mtt- wirkten, ein besonderes Verdienst erworben hat. Von den Männerchören gefielen besonders: „Sonntagsmorgen von Wcstendotp, „Ter letzte Ritt" von Wengers und „Beim Holberstrauch" von Kirchner. Der letzte gemischte Chor: „Am Wörther See" von Koschat, wurde mit Musikbegleitung borgetragen und erntete solchen Beifall, daß er wiederholt werden mußte. Wir hoffen, oah bie Pflege bes gemischten Gesanges nicht nur ein Versuch war: es wäre schabe um die guten Stimmen, die bot- banden sind. Zu dem reichhaltigen Programm bcrdienen Fräulein Elsa Schade aus Cassel, eine jugendliche Sopra- nistin. mit gntgcschulter, angenehmer und auch in der Höhe ausreichender Stimme, und ihre feinsinnige Begleite- rin, Ftl. Sack, besonder« Anerkennung. Frl. S-bade singt Liebet älterer und neueret" Komponisten unb gibt sie mit besonderer Innigkeit wieder. Skt sich in Lieder wn Schubert und daneben in „Schwestetlem" boti Brahms und „Marie Wiegenlied" bon Reger in solch beneideter Weise vertiefen kann, ist eine gute Künstlerin,
(:) Frankenberg, 8.März. In bet Stadlver- ordnetensitzung vom 6. März stand nochmals der Antrag des Maistrats auf Erhebung einet Abgabe zur Förderung des Wohnungsbaues in Form eines 37bptoz. Zuschlags zur Gebäubestener zur Abstimmung. So seht auch die Notwendigkeit zur Linderung der Wohnungsnot anerkannt wurde, so erblickte die Mehrheit der Stabiberordneten 'n dem Antrag eine nicht zu verantwortende Belastung der
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Speise-Schokolade! »
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ritt hatte ihnen sogar dazu noch «inen Sack geliehen. Der Staatsanwalt schloß sich dem Antrag des Berteidi- cherS, daS erste Urteil aufznhebcn, an. ES wurde auf Freisprechung erkannt. Die Leute werden nun auch ihre Neckte auf die damals beschlagnahmten Aepsel gellend machen. — Recht gefährlich hörte sich die folgend« Anklage an — Meuterei. ES handelte sich um iw« ZnchtHausinsassen anS Ziegenhain, die sich an einem vcrsnchten Ausbruch anderer Sträflinge beteiligt unb wegen Sachbeschädigung bestraft worden waten. Bei der gestrigen Betusungsvethandlung kam auch nichts andere- imc Sachbeschädigung heran- und so blieb e- bei der deshalb erkannten Strafe. — Ein anderer Angeklagter, her gegen ein wegen Entwendung von Weiden erkannte- Urteil Einspruch erhoben hatte, kam, nachdem er den ganzen Vormittag gewartet, bei Beginn der nachmittag- sortgesetzten Verhandlung einige Minuten zu spät. Die Berufung war bereits verworfen. — Zum Schluß kam eine BeleidigungSsache zwischen zwei Amtsgenossen, bie in einem Orte der Trehsaer Gegend viel Staub aus. gewirbelt hat, zur Verhandlung. Sie endete damit, daß die üble Nachrede, die sich als unwahr herausstellle« dem Beklagten, bet beim Sühneversuch die Hälfte bet Kosten zu tragen verweigert hatte, 200 Mark Geldbuße
III.
Regierungskrisen werden außer in England abermals aus Spanien, Polen und Italien gemeldet. Dis spanische hängt innerlich noch immer mit den Wirre» in Marokko zusammen, die bie Parteien zu leidenschaftlichen Kämpfen aufgerüttelt haben. Die polnische Krisi» hat zur Ursache den Kampf zwischen bet chauvinistisch-nationalistischen Richtung unb beten Gegnern. Gleichzeitig damit kam der neue Handstreich der italienischen Fasziften auf Fiume, ganz im Geist« DÄnnnnzios. Das hat wieder südslawische Empfindlichkeiten geweckt, unb bas soeben erst gebildete neue Kabinett steht vor einer Loge, der es auch nur schwer Herr werben wird. Daß dies« Vorgänge ebenfalls einen neuen Schatte« auf bie Konferenz von Genua wer- en muffen, ist einleuchtenb. Wenn man ferner erfährt, daß Griechen und Türken vor der Wiederaufnahme ihrer Kämpfe in Kleinasten stehen, so ist auch das ein Zeichen, wie sich im alten Europa, in Asien und anderwärts alles in wilder Gärung befindet. Es wirb noch lange Zeit bauern, bis Ruhe eintritt unb bie Folgen bes Weltkrieges überwunden ftnb/
IV —
Die Leipziger Messe hat auch biesmal bet deutschen Industrie und dem deutschen Handel einen vollen Erfolg gebracht. Zu diesem hat es ohne Zweifel nicht unwesentlich beiße tragen, daß sie wiederum in eine Zeit regster Kauflust bes Inlands stel. Dis allgemeine Teuerungswelle, in bet wir 'iehen unb die noch nicht ihren Höhepunkt erreicht zu haben scheint, regt zu Dorratskäufen an. Den ausländischen Messebefuchern kam wiederum die gegenwärtige Deviscnhauss« zustatten. Während Optimisten bereits eine Befestigung des Dollars auf einem Kurse von 200 für sicher hielten und andererseits die Befürchtung laut wurde, daß bei diesem Devisenkurs« die verteuerten deutschen Waren sehr b»ld de» Weltmarktspreis erreichen oder gar überschreiten würden, hat sich inzwischen der Dollar auf den wesentlich höheren Kursstand von 250—260 JL bereits ziemlich fest eingestellt. Tiefe 30prozentige Verbilligung der Mark hat natürlich auch die Kauflust der Ausländer wesentlich verstärkt. So ist heute der Mesiebcfuch in Leipzig dreimal so zahlreich wie er in Friedenszriten war, obwohl inzwischen neben der Leipziger noch eine ganz« Reihe anderer deutscher Messevetanstaltun- gen entstanden find. Unter den Besuchern aber spielt das Auc«la»d Nieder die Hauptrolle, und die Nachfrage nach Wasen ist so groß, daß sie bei weitem nicht befriedigt werden kann. Das gilt besonders für alle Erze^nistr der Textilinbustrie, bie einerseits mitten in einer Hochkonjunktur steht, andererseits aber durch die Knappheit und gewaltige Teuerung der Rohstoffe heut« bei Preisen angelangt ist, di« für den deutschen Jnlandsverbrcmch fast unerschwinglich erscheinen müssen . In bet deutschen Textilindustrie macht sich denn auch am meisten eine Erscheinung geltend, die in Deutschland neu erscheint, obwohl sie von Wirtschaftskennern lange erwartet wurde, nämlich eine fühlbare Kapitalsknappheit. Die Kapitalien, mit denen bie Produzenten arbeiten, reichen trotz der vorgenommcnen großen Kapitalerhöhungen infolge der ungeheuren SBerteuening der Rohstoffe,
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(Nachdruck verboten.)
Verkannt.
-iÄvman von Hedda vsn Schmid.
29. Fortsetzung.
„Verzeih, liebe Mutter, es ist nun einmal meine Ansicht. Englisch unb Französisch plappere ich ja wie ein Wasserfall, wenn du es wünschen solltest so lerne ich gern auch Spanisch und Italienisch dazu."
„Aber was willst du denn werden, mein Kind, ein Mensch muß doch, selbst wenn er sehr reich ist, einen Beruf ergreifen."
„Harald wird Kaufmann wie ich, oder er macht sein Abitur. Es gibt ja Pressen," sagte Fred ernst. JEt war unbemerkt von Mutter und Bruder, «ingctrcten mid sah und hörte, daß seine Mutter bereits auf dem besten Wege dazu war, ihrem Jüngsten in allen Dingen seinen Willen zn lassen.
„Erst dient Harald sein Jahr ab und dann kommt « als Volontär zu Stonfid Löhnstcdt nach Lübeck," verkündete Fred in sehr entschiedenem Ton.
Seit einiger Zeit lag etwas in seinem Wesen, das an die knappe Art seines Vaters erinnerte. Ter hatte sich auch seiner Mutter jeder Zeit uiitergrorbntt. Den Sieg, bett Fred über sich selbst errungen Helle, rechnete sie ihm außerdem hoch an. Di« Stimme her Vernuunft hatte die Stimme des Herzens übertönt. Auch Harald mußte es lernen, sich, wo es not tat, gleich seinem Bruder zn fügen.
Sv sagte die Bronin mit einet bei ihr ungewohnten Strenge gegen ihren Jüngsten: „Fred hat recht, mein Kind, übers Jahr kommst du zu Löhnstädts."
,Zn Gottes Namen denn," erwiderte Herald, und der Schalk sah ihm aus den Augen.
In seiner sanguinischen Art gewann er den Din- Den sofort die beste Seite ab. Erst kam ja noch das Jahr in einem Garderegiment. Das würde einfach 'Großartig sein und dann war Lübeck eine wundervolle
i MW-MilM
'Amerikas Abichnung für Genua. — Lloyd föejtge.
— Kabine tskrisen überall. — Fiume. — Die h- Leipziger Messe.
| I.
Die Vereinigten Staaten von Amerika haben, zoie man vornherein erwarten konnte, auf bie Einlabung zur Konferenz von Genua abermals adle h n s n b geantwortet. Diese Haltung erklärt sich nicht etwa t-utch Mangel an Vetst?nbnis für bie wirtschaftlich; Notlage Europas unb bet ganzen Welt. Sie ist vielmehr ein Protest gegen bie ftan- »öfifche Politik, bie von wirtschaftlicher Vernunft aichts wisse» will, sonbern alle Sanierungsplän«, wie zuletzt mtf bet Konferenz von Cannes, burch Rückfälle in ihre Gewaltpolitik über ben Haufen vitst. Frankreich hat burch fein verblendetes Verhalten schon auf bet Konferenz von Washington bie Sympathien bet öffentlichen amerikanischen Meinungen vollstänbig eingebüßt. Es hat seitbem nichts getan, um sich in bet amerikanische» Oefsentlichkeit zu rehabilitieren, sonbern nur weitere Beweise seiner Unvernunft gegeben. Innerlich steht Amerika an bet Seite Englands, mit bem es bas Bestreben teilt, bas zerstörte wirtschaftliche Gleichgewicht bet Welt wieber herzustellen. Es hält aber jeben Versuch für vergebens, solange Frankreich seinen gewohnten Weg geht, unb beshalb lautet bie amerikanische Antwort abermals Nein. Es versteht sich von selbst, daß bas Fehlen bet Vereinigten Staaten in Genua bet Konferenz einen wesentlichen Teil ihrer Vebeutung nimmt. Denn ohne bie wirtschaftliche Mitarbeit bet Vereinigten Staaten ist die Weltwirtschaft nicht wieber herzustellen. Die .Konferenz von Genua wird eigentlich immer wesenloser. Wenn bas deutsche Entsch-äbigungs- problern bort nicht besprochen werben darf unb wenn die Vereinigten Staaten sich dem Beratungen tisch fernhalten, so weiß man eigentlich nicht» was man sich vcn der Konferenz noch versprechen kann.
II.
Daß Lloyd George vorläufig in bezug auf das Programm für Genua den französischen Forderungen so ziemlich auf der ganzen Linie »achgegeben hat, ist unverkennbar. Für ihn wird der Zeitpunkt zu abermaligem Hervortreten gegen Frankreich bann gekommen sein, wenn sich die Behandlung der russischen Dinge auf Deutschland und Mitteleuropa erstreckt. Wenn er zunächst ftachgegeben hat und sich Zurückhaltung auferlegt, so darf mam-daraus nicht schließen, daß der tiefe Gegensatz zwischen Frankrcich und England völlig ausgeglichen sei. Im Gegenteil, er ist mehr denn je vorhanden. Aber der englische Premierminister hatte Schwierigkeiten der inneren Politik zu überwinden, die ihn um so mehr zwangen, Fragen der auswärtigen Politik zurückzustellen, als sie verhältnismäßig plötzlich und unerwartet auftraten. Der konservative Flügel der britischen Regierung.'koalUion wollte sich von der Herrschaft befreien, bie bie überragende Persönlichkeit des Liberalen Lloyd George über ihn ausübt. Das führte zu einer plötzlichen Negie- rungckrisis und ;u der Drohung Lloyd Georges, zurückzutretcn. Bis zur Auflösung und Neuwahl des Parlaments im Herbst, also jedenfalls über Genna hinaus, sitzt aber Lloyd George wieder fest im Sattel, unb er hat freie Hand für Genua. Die von ihm bort befolgte Politik wirb erkennen lassen, ob bie englische Krisis enbgültig beigelegt ober nur vertagt ist. Jedenfalls wirb et mit erneutem Eifer baran gehen, an bet Gründung einer neuen Partei zu arbeiten, die an bie Stelle bet bis-