Amtliches Derkündigungsblatt des Kreises Marbmg.«
Anzeiger für (das früher kurheMche) Oberhessen
Die .Oberhessische Zeit»« 7- erscheint sechsmal wöchentlich. — »e,u,sprei» monatütfi ohne Zustellung 10.50 3RL. durch die «ost 13 Ml. Fiir ausfalle»be Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verla, von De. T. Sitzerath. — Druck der llniv^Buchdruckeret von Jod. Sug. «0». Markt 21» — ^ernsurecher 55, VoitiLeckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Kat«.
MavVurg
Dimtm. des 7. Marr
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Nch leine Klömg der englischen Krise.
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Forderung freien Geleit» und Verschonung von der Untersuchungshaft.
! Berlin, 6. März. Wie der QberrelchSanwalt itnt Wolfbüur, drahtlich mitteilt, ist «in Antrag Kapps auf Gewährung des freien Geleit? heute Nachmittag beim Reichsgericht eingegangen. Er erklärt sich bereit, sich' unter Leitung einer Sicherheit von 100000. Marl gegen Gewährung freien Geleits und Verschonung von der Untersuchungshaft zu skellen. Weiter heißt eS in dem aus Schwöen vom 1. März 'datierten Schreiben:
Grundsätzlich stehe ich nach wie vor auf dem Stand- Jrtinft, daß eine Regierung, die de« Besitz der Macht lediglich einem tatsächlich begangenen Hoch -und Landesverrat verdunst, weder das Recht hat, über Hochverrat zu Gericht zu sitzen, noch irgendwelchen Anspruch darauf erheben darf, daß ein durch sie des Hochverrats ^Bezichtigter Recht bei ihr sucht. ObwoV mir eine Ausfertigung der gegen Regierungspräsident v. Jagow er- jtzangenen Reichsgerichts-Entscheidung vom 21. Dezember il921 noch nicht Vorgelegen hat, entnehme ich doch dem mir darüber inzwischen bekannt gewordenen Inhalt, daß ein Fehlspruch des Gerichts vorliegt. Herr v. Jagow 'ifl nach meiner Ueberzeugung mit Unrecht zu langjähriger ^Freiheitsstrafe verurteilt. Die gegen ihn ergangene knt- jscheidung ist endgültig. Da mir aber auS derselben iUeranlassung dir gleiche Handlung zur Last gelegt wird, jtote die, derentwegen Herr v. Jagow verurteilt worden ist, so übt ein neues gegen mich durchgeführte; Verfahren ^tatsächlich dieselbe Rechtswirkung aus, als fände eine jReVision deS Jagow-Prozesses statt. Ehre und Ge- !tvissen gebieten mir daher, für den Verurteilten ein',«- ^treten. Demgegenüber haben alle grmtdsäklichen Erwägungen, die mich bisher von einer Selbststellang abge- halten haben, zu schweigen. General Freiherr v. Lütt- witz und die anderen im Auslande befindlichen Herren, die am März-Unternehmen beteiligt gewesen sind, werden, dem natürlichen Antrieb ihrer vornehmen Gesinnung entsprechend, den Wunsch hegen, meinem Beispiel zu folgen und gleichzeitig mit mir in Leipzig zu erscheinen. Sie alle bitte ich dringend, hiervon Abstand zu nehmen Und mir als politischem Haupt des März-Unter- nehmens in diesem Fall den Vortritt zu lassen. Aus ähnlichen Gründen, wie sie jetzt für mein Vorgehen nmß- gebend sind, können sie sich später immer noch stellen, falls sie dies dann noch für geboten erachten. Ihre Interessen werden von mir in Leipzig, ohne ihrer etwaigen Massigen Stellungnahme irgendwie vorzugreifen, als wären sie meine eigenen, wahrgenommen werben.
Sogleich nach Eingang der Mitteilung von dem Gesuche Kapps beim Reichsgericht wurde dem Reichsjustizminister Dr. Radbruch über diese Angelegenheit Vortrag gehalten. Die Entscheidung, ob daS Gesuch 'abgelehnt ober angenommen wird, liegt jedoch nicht beini Reichsjustizminister, sondern bei dem Unter- fuchungsrichter in Leipzig, der di« Untersuchung über den Märzputsch führt. In unterrichteten Parlamentskreisen bestehen gewisse Bedenken gegen die Annahme des Angebots von Kapp. Es wird darauf hingewiesen, baß, nachdem die Untersuchung gegen die Beteiligten |an dem Märzputsch bereits l1/, Jahre gedauert hat, »sowieso nur eine ganz kurze Untersuchungshaft in Prag« komme.
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Wenn das Rryebot unmittelbar oder kurz nach idem Leipziger Prozeß gekommen wäre, hätte eS einen gewissen Eindruck nicht verfehlt; da Kapp sich reichlich ,lange Zeit gelassen hat, verpufft mindestens die po- slitische Wirkung, wenn eine solche beabsichtigt war. jWenn eS tatsächlich in Herrn Kapps Absicht liegt, sturch seine Prozessierung eine Art von Mederanf- nähmeverfahren für Jagow herSeizuführen, wenn also wirklich die übrigen Genosien des Unternehmens von dessen politischem Haupt entlastet Inerben sollen, dann Müßt« er sich auch bedingungslos zur Prozessierung «nd zur Uebernahme einer etwaigen Strafe bereit* finden. Die deutsche Oeffentlichkeit hat wenig Interesse daran, daß nun nochmals die ganze Geschichte des Kapp-PutscheS ausgerollt und breit getreten wird. Wer noch bartoer im Zweifel war, wird f«us den Verhandlungen in Leipzig vom Dezember wie Gewißheit entnommen haben, daß das Ganze von jnngectgneten Männern unternommen, ungenügend oder ^garnicht vorbereitet, in vollster Kops- und Planlosigkeit begonnen worden ist und infolgedessen von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Sämtliche Personen dieses Putsches haben bisher keine allzu helden- chaste Rolle gespielt. I« früher darüber der Schleier der Vergessenheit gebreitet wird, desto besser.
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Gotenbura, 6. März. „Göteborgs Handels- ifcningeit" meldet aus London, daß der frühere Kaiser 6ad die Erlaubnis der englischen Regierung erhalten hab«^ nach der Insel Wight überzusicdeln. . .... .
Stell) Sfitge nM ui li UriMi.
London, 6. Mä^. Wie Reuter erfährt, wird Balfour in sein« morgigen mit Hwnnung erwarteten R^e Lloyd Georges Beschlüsse hinsichfficH her Kabinettskrise bekannt gebe». Bisher ist Llotztz George noch nicht zu ttnec endgM^gen Entscheidung gekommen. ES bestcht daher noch die Möglichkeit, daß er in Kürze zurücstreten wird. Thamberlain und ander» Führer der Konservativen haben bisher kein« befriedigende Formel zu firtwtt vermocht, die eine loyale Haltung d«S rechte» Flügels der Konservativen gegenüber Llovd Georg« gewährleistet. Wie Reuter weiter ersähet, ist ei möglich daß sich Lloyd George dazu bestimmen ' äßt, noch «inen oder pvei Monate i« Amte zu bleiben und auf diese Weise de» Bedürfnissen der Stunde für bett Wiederaufbau Europas de» Vorrang vor feinen rersönliche» Wünschen gibt.
London, S.März. Ehamvkrbckb irtite Heute im Unterhaus« mit, daß Äotzd George wegen einer starken ErkAtuug ott feine Wohnung gefesselt sei. Die Blätter melden, Lloyd George tefoe an einem Bronchialkatarrh und sei daher nicht in der Lage gewesen, an der beutigeu Setzung teilzunrhmen. Er habe auf ärztliches Anraten hin beschlossen, «neu läng»«» Erholungsurlaub anztttrete».
„Pall Makl and Gteüe" schreibt, man brauche dem Entschluß Lloyd Georges, sich nach seinem Heim, in Wales zu begeben, keine allzu große Bedeutung beiru- messeu. Di« Tatsache scheine jedoch nicht ganz offne Bedeutung. Das Ender»chniS der politischen Lag« fei noch äußerst zweifelhaft. Llovd Georg« erwarte vor morgen Abend gewiss« Mitteilnnsen von Thamberlain. Von dem Charakter dieser Mitteilun^n hänge e» ab. ob er i« Amte bleiben werde. Der Premierminister habe um die Zusicherung loyaler Unterstützung der konservativen Minister sowie auch der konservativen Partei Im Lande ersucht. In gut unterrichteten politischen Kreisen seien die Ansichten angenblicklich stark geteilt. Ma» wisse, daß Llovd Geor», sehr adgefpanut. «tbettdeiti aber bestrebt sei, nach Genua zu gehen. ES könne daher sein, daß er beschließen werde, seinen Aufenthalt in WaleS zu verlängern und die Din^ treiben zu lasien. bis die politisch« Atmosphäre sich geklärt habe. Andererseits besteh« die Möglichkeit, daß Lloyd George und seine liberale» Kollege« in der Regierung sich darauf vorbe-
Die Steuerwoche.
In dieser Noch« müssen folgenschwere Entscheidungen getroffen werden. Der Reichsknzler selbst hat am Sonnabend in einer GeschäftSorbnungSauSsprach« im Reichstag auf die Dringlichkeit der Verabschiedung aller aus die Steuerreform bezüglichen Vorlagen hingewiesen, und infolgedessen arbeiten die Steuerausschüsse mit Hochdruck, um den Beginn der zweiten Lesung im Reichstag am Donnerstag zu ermöglichen. Das ungestüme Drängen des Reichskan^ers ist von seinem Standpunkt aus ver- ffändksich. Er hofft, damit eilte» Druck nach allen Richtungen ausüben zu können, weil er beute noch, unmittelbar vor der Entscheidung, einer zuverlässigen Mehrheit für die Steuergesetzgebung noch teineswegs sicher Ist
Der Ernst der Stunde ist groß. Die Regierung hat sich bereit» abermals genötigt gesehen, die Aufmerksamkeit der Verbündeten darauf zu leuktu. daß sie sehr bald nicht mehr imstande sein wird, alle »eh« Sage,31 Millionen Goldmark zu leisten. Da» unaufhörliche Steigen des Dollars ist daS beste Barometer dafür, wie man in der übrigen Welt die verhängnisvollen Wirkungen dieser Zahlungen einschätzt. Di« stetig fortschreitend« Geldentwertung macht alle Aufstellungen und Voranschläge für Herbeischaffung eine» Ausgleich» im Reichs- hausbalt illusorisch, und dabei nehmen die Ausgaben in unmittelbarer Ausführung des Vertrages von Versailles 70.7 Prozent der Gefamteinnahme de» Deutsche« Reiches in Anspruch. Diese Ziffern sprechen eine so berebte brache, daß kein Staatsmann und kein Finauzpolitiker der Wett seine Augen davor verschließen sollte.
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Di« Schwierigkeit der Dekadenzahlun-it.
B e r l t n, 6. März. Zu der Meldung des .Pariser Journal" daß der Retchsfinanzmtntster dem Berliner Vertreter des EntschädigungSausschutz Huguenin erklärt habe, die Reichsregierung werde sich bald außerstande sehen, die Dekadenzahlungen weiter fortzusetzen, wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß von der Regierung wiederholt daraus hingewiesen worden ist, daß die Dekadenzahiungen immer schwieriger würden und daß die endgiltige Entscheidung über die Entschädigung dringend erwünscht sei.
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MMR Srogtmm.
Berlin, 6. März. Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, wich der ReichsminiMr des Aeußeren, Dr. Rathen au, morgen im Horcht- ausschuß des ReichstiWs sein außenpolitische. Programm entwickeln. , -4. A1W ' ■ *
Ministerbesprechung.
LöndS« 6. März. Lloyd George ist gestern von ChequerS zurückgekehrt. Kurz nach feiner Ankunft sprachen Lord Birkenhead und Churchill bei ihm vor und hatten ein« etwa zweistündige Besprechung mit ihm. Gestern sprach der Premierminister eine Anzahl feiner Kollegen in der Regierung auf einem Esten bei Loch Birkenhead. Hierbei fand eine wichtige Er- Srterung über die Frage des Bleibens Lloyd Georges an der Spitze der Regierung statt. Anwesend waren Chamberlain, Curzon, Balfour, Horne und Sv an».
Rach dem parlamentarischen Berichterstatter des .Daily Telegraph" kann angenommen werden, daß der Zweck der gestrigen Zusammenkunft der britischen Mi- uister war, die Mittel zu erörtern, die die Koalition aufrecht erhalten könnten, und um die Absichten deS Premiermtnisters und die von den konservativen Ministern bezüglich der Unterstützung der Regierung von den Konservativen gegebenen Versicherungen entgegrn- zunehmen. Der Berichterstatter sagt, die Lage habe sich gebessert. Siner der engsten persönlichen Freunde Llovd Georges sei vor einigen Tagen der Ansicht gewesen, datz der Rücktritt d«S Premierministers utwer- meidltch sei, gestern habe jedoch in unterrichteten Kreisen der Eindruck geherrscht, datz die Spannung etwas nachgelassen habe. Man sei augenblicklich der Ansicht, datz Llovd George nicht zurücktreten werde, wetm nicht in den nächsten 24 Stunden ein Rückschlag erfolge. So lei eS möglich, datz morgen die Mitteilung erfolgen werde, datz eine Regelung erzielt sei.
Süßte der Parlamentsberichterstatter deS Blattes schreit, bat Lloyd George die Absicht, unverzüglich einen Urlaub anzutreten, wenn er im Amte bleiben sollte, um die Zwischenzeit biS zum Zusammentritt bet internationalen Konferenz von Genua auSzunützen. Er bofte nach einem 2- bis Swöcksigen Urlaub gestürtt zurliSzukehren. um daS Programm, das in Genua erörtert werden soll, in Angriff zu nehmen.
Thoma« gegen d«u Klaffenkampf.
London, 6. März. Der Arbeiterführer Tho- mar srach gestern in Birkenhead über die innere Lage. Er erklärte, er hoffe, datz die politische KrtstS unmittelbar zu allgemeinen Wahlen führen werde. Das Land bedürfe mehr den« je einet Regierung, die den Willen deS Volkes widerspiegele. Thomas wandte sich ge- een den K lassenkamPf, indem er ausführte, nichts könne der Arbeiterpartei oder irgendeiner and- ■ ren Partei, die die Rcgternng bilden wolle, schädlicher sein als zu erklären, datz ihre Politik zu Gunsten einer besonderen BevölkerungsNasie Gerichtet sei.
Sema md die Wäbioimisw.
Paris, 6 März. Der Abgeordnete Leon Blum wendet sich gegen den Vorwurf des Verrats, weil bte internationale sozialistische Konserenz in Frankfurt erklärte, das EntschädazungSproblem würde notwendigerweise mif der Konserenz von Genua angeschnitten werden muffen. Er schreibt: „Seit zwei Monaten stellt dte französische Regierung dte gegenteilige These auf. Sie behauptet, datz daS Entschädigungsproblem nicht zur Kompetenz b« Konferenz gehöre. Diese Behauptung, bte tum großen Teil von bett Radikalen unterstützt wird, scheint Poinearä sich in Boulogne haben bestätigen lassen. Ist da» mm Verrat, wenn man das Gegenteil behauptet? Menn es sich um die wirkliche Zahltags- fSlügkeit handelt und wenn Pvincarä sagen will, die Zah- lungssätzigkeit könne ausgeschlossen werden von der Gc- kmtbeit ber Probleme der Kottferenz von Genua, nun dann verstößt seine These gegen den gesunden Menschenverstand. Von was hängt denn die Zahlungsfähi,kett Deutschlands ab? Von der Entwicklung seiner Ausfuhr, d. h. von der Mederaufrichtuug deS wirtschaftlichen Lebens der Völker, die augenblicklich unfähig sind, zu kaufen. Man wird Europa nicht wieder aufrichten, wenn man Frankreich nicht wieder aufrichtet. Das gebe ich zr, aber man wird auch Deutschland nicht in den Staad setzen, Frankreich Entschädigungen zu leisten, wenn man Deutschland nicht durch gemeinsame Anstrengung wieder aufbaut. DaS Problem der Wiederausrichtung Europas schließt also notwendigerweise die Frage ber Entschädigungen in sich.
Verschieb»»« der Konferenz von Genua biS nach Ostern.
Paris, 6. März. Der Londoner Korrespondent der .Chicago Zributte* behauptet, in englischen amtlichen Kreisen werde erklärt, datz der italienische Außen- minifter Schanzer England und Frankreich lnofftztell nottfizieri habe, datz die Abhaltttng der Konferenz von Genua in der Karwoche unerwünscht sei. Es sei deshalb wahrscheinlich, datz die Konferenz bis zum 18. 4. aufgeschoben werde.
Die Konferenz der Finanzminister.
Paris, 6. März. Havas meldet offiziell, datz die Konserenz der Finanzmtnister aut 8. Mär; eröffnet und zwei Tage dauern werde. Tie Konferenz werde sich nicht mit der eigentlichen Entschädlgungsftage beschäftigen. für bte in vollem Umfange der Entschädigungs- ausschutz zuständig bleibe, sondern 1. mit dem Finanzabkommen vom 13. August lKohlenfrage im allgemeinen. Kohlenvreise, Saargruben und Verteilung der ersten Milliarde), 2. mit der Frage ber Besatzungs- kosten uttb 3. mit dem Abkommen von Wiesbaden.
®te gestrigen AuSschutzberichte sind versehentlich unter dte UederschM ,An» hem Reichsrat' geraten.
MMMm MtiW io MnM
Am Freitag, bett 10. März b. I. wirb General a. D. Alfred Krautz, einer ber hervorragendsten Führer im österreichisch-ungarischen Hexre während deS Weltkrieges, in Marburg einen Vortrag über die Lage in Oesterreich halten und den reichSdeulschrn Zuhörern eine Fülle belehrenden und anregenden GroffeS bieten. (Näheres im Anzeigenteil der .Oberbetsischen Zeitung".)' General Krantz war vor dem Weltkriege alS Truppensührer einer der tüchtigsten Offiziere deS österreich-ungattschen Heeres, ein Mann, ber, getragen von kerndeutschem Geiste, bett engen Zusammenschlutz ber beiden Reiche für eine Daseinsfrage der Zukunft ansah und die höchste militärische Anspannung deS dabsbnrgtfchen Doppelreiches verlangte, damit es beut Kampf um Sein oder Nichtsein gewachsen sein werde. Die Ereignisse haben leider gezeigt, wie ntangeshaft die kriegerischen Vorbereitungen Oesterreich-Ungarns auf den Krieg gewesen stnd. Dte gegenfätzlichen! Ströuiungen in den beiden Reichshälsten, die Feindseligkeit der verschiedenen Nationalitäten gegeneinander, der tiefllgt Mangel an Einheit und daher an Kraft haben eS bewirkt, datz trotz wirklich heldenhafter Leistungen mancher Bestandteile des Heeres bet Zerfall nicht aufgehalten werben konnte, nnb batz zum Schlutz Zustände ehttraten, bte den Untergang beS Heeres nnb mit ihm bes Reiches verschulbet haben. An Oesterreich-Ungarn aber waren totr Reichsdeutsche auf Leben uttb Tob gekettet. Schulter an Schulter stürzten wir in bte Tiefe. Die Gehetmpolittk tmb btt FttebenSbestrebungen des Kaisers Karl und be« Gra- fett Czernin haben einen wesentlichen Anteil am gemeinsamen Unglück getragen.
Bet KriegsauSbntch stellte Oesterreich-Ungarn seine Sireitkräste so auf, batz sie fast in zwei gleich« Teile > zerlegt wurden: eine Hälfte zum Angriff gegen Ser- bien, dte andere gegen die Russen in Galizien. De« . strategische Fehler machte sich sofon in funfitbaret > Weise geltend. In Galizien wurde baS österreichisch« , ungarische Heer durch bte ungeheuere Uetz erlegenbeit der Russen anfangs September 1914 bei Lemberg gänzlich geschlagen unb hinter bett San unb bte Rat« pathen geworfen. Wären nicht wir Deutsche unter Hindenburgs Führung zu Hilse geeilt und hätten wir nicht unter Einsatz ber höchsten Aufopserung alle« eingesetzt — Oesterreich-Ungarn wäre schon in den ersten Kriegsmonaten rettungslos zusammengebrochen. ba es auch von den Serben geschlagen wurde, als in aller Eile die meisten Truppen au8 Gerbten nach den Karpathen gezogen werden mußten. DaS Gepräge der gemeinsamen Kriegführung blieb daS gleiche bis an» Ende. Das deutsche Reich mutzte seine Truppen immer von Neuem dazu einsetzen, bett am Rande der Widerstandskraft stehenden Bundesgenossen herauszuhauen: in Rußland bei mehreren Gelegetcheiten, in Serbien, in Rumänien, namentlich in Italien. DaS zerbröckelnde österreich-ungarische Heer hielt nur noch dunh deutsche Hilse zusammen. Wo ste fehlte, versagte seine Kampfkraft, gelähmt durch die völkischen Gebrechen des alten, morschen, lebensunfähigen habS- bnrgischen Reiches.
General Krantz, der int Frieden als Letter bet Kriegsakabencke unb alS bedeutender militärischer Schriftsteller sich hohe Verdienste erworben hatte, führt« zu Kriegsbeginn mit'großer Auszeichnung ein« Division in Serbien und wurde dann Generalstabsches deS Erzherzogs Eugen gegen Italien. Zwischendurch war er als berufener Kenner der inneren Verhälwisse Oesterreich-Ungarns von der Regierung des snngen Kaisers dazu berufen, die VervflegungsverhälMtfle deS Reiches zu ordnen, konnte aber beim besten Willen diese Ausgabe nicht lösen, ba ber Wucher unb Neid, ber Gegensatz unb Eigennutz bet einzelnen Reichsteile die schlimmsten Zustände fchus. Die Glanzleistung be» Generals Krauß war ber Durchbruch bei Flitsch am obern Jsonzo Ende Ott. 1917, ber trotz aller GelSnbe- schwierigkciten bte Abschnitte ber italienischen Stellung burchbrach uttb ben Hauvtcmteil an einem Stege hatte, der bei besserer strategischer Auswertung burch bte österreich-ungarischen Heeresleitung bem italienischen Feldzug eine andere Wendung, sa dem Gesamtkrteg sogar einen für die Mittelmächte siegreichen Verlaus hätte geben können. Leider kam es ganz anders: bte matte unb fehlerhafte k. u. k. Strategie ließ bett Schwung bes großen Erfolges versiegen unb kam so zu bem bittersten Enbc.
Unb wie sieht es beute in Oesterreich aus? Traurig unb bebrückenb ist es bet uns, noch ungleich schlechter in Oesterreich. Das alte machwolle Oesterreich ist em kleines Binnenland von 6,4 Millionen Einwohnern geworben, ein kümmerlicher Ueberreft der 28 Millionen der österreichischen Reichshälste. Tadel eine sterbende Wettstadt, Wien, mit mehr als 1t4 Millionen, mit einem .Einterlande. das ganj außer Stande ist. ben Lebensbebars fiir sich selbst, noch weniger für die Groß- stabt zu becken. Eine ungeheuere Schuld unb eine entsetzliche Teuerung, verschärft burch Not und Wucher, lasten auf bem unglücklichen Lanbe, wo bte Krone nur noch ben zwölften Teil unserer bereits fast auf den Nullpunkt geratenen beutfeben Mark gilt! Der Rus Tirols, Salzburgs unb anderer Teile znm Anfchlutz an bas Deutsche Reich ist wirkungslos verhallt: dmn die Entente hat ihn verboten. Die sogenannte .Kleine Entente", b. h. ber aus Südslawten, Rumänien, Tichecho-Slowakei unb Polen unter Ententele'.tung geschloffene neue Vierbund, hält mit ungeheuerer lieber- macht jede politische Regung Oesterreichs meber.
In biefer furchtbaren Not lenken mutvolle unb Über- zeugungstrcue Männer, zu betten Krauß gehört. beW er-nattenben Geist bes Deutschtums in Oesterreich auf die Gemeinsamkeit bet Bedrängnis, aber auch der Hoffnung in Reichsbentfchlanb uttb ht Oeste»- neid) hin Hier wie bort mutz das deutsche Denke« und Handeln auf Kämpfen uttb auf Erstarken eine» wahrhaft beutschcn Gefchlechtes gertcht« sein — dann kann und wirb ein .Grotzbeutscy- l a n b" erstehen, früher ober später, bas lat Stande ist, von Neuem bie jetzt verlorene unv verwirkte Große M der Welt wieher zu erringen, _ I
reiten, int Saufe dieser W»ch« rnrückzittreten.