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Sir. 50

ArMiches BeMndigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

T,e „C-betiieiftidie Zeitun-' erjcfceint ledismal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich ohne Zustellung 8.50 Mk, durch die Poft 9.50 Mk. güt austaürnde Nummern infolge Streik over elementarer Ereignisse lein Lriütz. — Verlag oon Dr. T. Hitzeroth. — Bruck der llniv..Buchdruckerei von Job. Au». Koch, Markt 21 23 — Nerniprecher 55, Poiticheckkonto: Nr. 5015 Amt grankfurt a. Main.

Marburg

MMU. hen 28. FebrNk

Hornung.

ESSKaMi

Der Anreiaenprei« betrögt fflt die 9 gefp. Zeile oder beten Raum 60 Pfg. für denMrM- meter. amtliche und auswärtiae 80 Pfg. Änbete Spaltenbreite» »ach entsprechender Berechnung Spät einlaufende oder den Raum Sber */t Seite einnehmende An, ,eigen ftnd wir berechtigt, nach der Textivaltenbreite zu fetze» und zu berechne». Sogen. Reklame» berechnen wir die Tol.-Zeile mit 6.00 Mi. Zeder Rabatt gilt al, Barrabatt. Bei Auskunft durch die Geschäftsstelle und Vermittlung der Ange­bote 1 Mk. Sondergebühr.

57.3M

1922

Saina-is Sirs in Moone.

Englische Prefieftimmen.

London, 27. Fcbr. Tie „Morning Poft",erklärt kwnisch, Llohd George babe Briand eine Lektion im Gollsviel gegeben und Poincare babe Lloyd George eine Lektion in der Divlomatie gegeben. „Daily News" ist der Ansicht, daß die Zusammenkunft^von Boulogne mit einem entschiedenen divlomatischen Siege Poin- kares geendet habe. Man könne jedoch dankbar dafür sein, daß die Zusammenkunft wenigstens nicht zur Zer- störung der Konferenz von Genua geführt habe. Die „Westminster Gazette" schreibt, cs sei zuviel verlangt, Wenn man das Publikum glauben machen wolle, daß «ne vollständige Uebereinstimmung bezüglich irgend eines der Hauptprobleme zwischen England und Frankreich erzielt worden sei. Es könne sein, daß Lloyd George inm ersten Male seit dem Frieden einem auswärtigen Äaatsmanne gegenüber eine n a ch g i e b i - tzere Haltung gezeigt habe als gewöhnlich. Er habe eines gesichert, nämlich die endgültige Znsicherring, daß Frankreich die Genueser Konferenz nicht zum Schei­tern bringen werde. Was er jedoch für diese Zusicherung bezahlt habe, könne man nur vermuten. Der „Daily Harald" veröffentlicht unter der Uebcrschrist: „Poin- «rre triumphiert in Boulogne! Lloyd George gibt aus der ganzen Linie nach!" Ausführungen seines Pariser Berichterstatters, in denen cs heißt: Die Be­teiligung Lloyd Georges an der Boulogner Unterredung habe in nichts anderem bestanden als in einer erstaun­lichen Reibe von Zugeständnissen, Kompromis­sen und Nachgiebigkeiten. Es sei kein Wunder, daß die Pariser Presse befriedigt sei und kein Wunder, daß Poin- carö erklärt habe, er sei vollkommen zufrieden. Poincarc habe alles gewonnen, was er gewünscht habe. Er babe den Mißerfolg der Konferenz von Genua gesichert. Lloyd George habe alles gegeben, ohne es selbst zu merken. Er habe seine Taschen geleert und sei das noch garnicht gewahr worden.

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■’** j)et englisch-belgische Vertrag.

London, 27. Febr. Der Berichterstatter der .Times" in Brüstet meldet zu den Verhandlungen über den englisch belgischen Vertrag, es werde jetzt festge­setzt, datz der Vertrag in Wirksamkeit treten soll im Falle eines direkten und nicht herauSgesordcrten An­griffes Deutschlands. DaS Wort .direkt" werde ans dem englisch-belgischen Vertrag ausgemerzt werden, wenn es nicht in dem englisch-französischen Vertrag dorkomme. Der Vertrag werde aus 25 oder 30 Jahre Abgeschlossen werden.

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Die SorteWJimo 6er SiamniMer.

r Paris, 27. Febr. Havas teilt mit, die Konferenz Pvischen dem französischen, englischen, italienischen urb belgischen Finanzminister in Paris sei auf den 8. März festgesetzt worden. De loerde sich insbesondere mit der Verteilung der deutschen Zahlungen und mit den vesatzungskosten beschäftigen.

London, 27. Febr. „Daily Sketch" zufolge werden die französischen Sachverständigen einen um­fassenden Plan für die Neugestaltung der inter­nationalen Handelsbeziehungen mit Sowjetrußland unterbreiten. Dieser Plan gründe sich auf den Grund­satz der Freihäfen. Die Franzosen hätten diesen Grundsatz ausgedehnt und sprächen von Frei z o n e n. Damit sei gemeint, daß die Sowjetregierung ersucht werden soll, gewisse Häsen und Gebiete für frei zu erklären. FnnerhaM deren Grenzen sollen sich Aus­länder ebenso wie russische Staatsbürger unter einem stabilen Regime befinden, ähnlich dem, das in den übrigen Teilen Europas herrsche. Verhaftungen drüf- ten nur aus gesetzlicher Grundlage erfolgen. Waren bürsten ein- und ausgeführt werden, ohne einem Zoll- pder einem Requisitionsrecht zu unterliegen.

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SszialiitMe FWönderMsemr.

• Frankfurt a.M., 28. Febr. In der gestrigen letzten Sitzung der Fünfländerlonferenz wurde zunächst ein; Entschließung zur Entschädigungsfrage angenommen, die den offenen Bankerott der Politik de? Zwanges und der Gewalt feststellt, die bisher den Wiederaufbau der KLeltwirischaft verhindert habe. Tie Frage der Lei­stungsfähigkeit Deutschlands stehe in unlösbarem Zu­sammenhang mit der gesamten Weltwirtschaft, insbeson­dere mit dem Wiederaufbau Rußlands. Ihre Erörterung tu Genua sei daher unerläßlich. Die Wiederherstellung der zerstörten Gebiete, insbesondere in Belgien und Frank­reich, müsse von Deutschland im vollen Umfang seiner Leistungsfähigkeit übernommen werden. Das Problem stelle sich folgendermaßen dar: Einerseits gelte es, Frank­reich und Belgien von den Lasten zu befreien, die gegen­wärtig auf ihnen liegen, andererseits gelte es, Deutschland zu ermögliche.:, die Wiedergutmachung durchzuführen, ohne cs zu Maßnahmen zu zwingen, die zur Verelendung des deutschen Proletariats führen, Deutschlands Währung erdrücken und die Ausfuhrprämie steigern, die zum gro­ßen Teil auf Kosten der Arbeiterlöhne erhoben wird. Die Lösung dieses Problems sei nur möglich durch Maß­nahmen von internationalem Charakter, die in ihren Einzelheiten von der Sozialistenkonsercnz von Am- stcrdam vorgesehen sind. Tie sozialistischen Parteien seien entschlossen, alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um Politik des Zwanges und^der Gewalt eine Politik

der gegenseitigen Hilfe und der Völkersolidarität cnt- gegenzustellen.

Nach einer weiteren Entschließung über die Entwaff­nungsfrage soll das Problem der von der Arbeiterklasse aller Länder stets geforderten allgemeinen Abrüstung auf einer allgemeinen Konferenz aller sozialistischen Par­teien der Welt erörtert werden. Die Konferenz erklärt sich im übrigen einverstanden mit den Beschlüssen des Kongresses der Metallarbeiter-, Bergarbeiter- und Trans­portarbeiterverbände, jeden neuen Krieg mit dem Allgc- mcinausstand zu beantworten.

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M M! des Wsstäpte.

Noch keine Einigung der bürgerlichen Parteien.

Berlin, 27. Febr. Wie die „Dentsche Allg Zcllg." erfährt, teilte der Reichskanzler den Partei­führern mit- er werde in kürzester Frist mit ihnen tvegen der Wahl des Reichspräsidenten Fühlung nehmen. In der Kavdidatenfrage sei bisher von einer Einigung der bürgerlichen Parteien auf «ine Persönlichkeit noch nicht die Rede. Unzutreffend sei, daß v. Kahr als Kandidat der Deutschnationalen angebrochen wer­den könne. Tie Deutschnationale Volkspartei sei bisher noch nicht in der Lage gewesen, einen Kandidaten zu präsentieren, der sämtlichen bürgerlichen Parteien genehm wäre, worauf namentlich die Rechtsparteien großen Wert zu legen schienen. In Zentrumskreisen verlaute, daß das Zentrum den früheren Reichskanzler Fehrenbach präsentieren würde. Der Kandidat der Demokraten scheine der württembergische Staats­präsident Dr. Hieb er zu sein.

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Die ZmmnMe.

Berlin, 27. Febr. Das Wolff-Büro teilt mit.* Die Beratungen über die Schaffung und Ausgabe, einer Zwangsanleihe, die im Reichsfinanzministerium in den letzten Wochen stattgefunden haben, sind jetzt soweit vorgeschritten, daß Sachverständige aus Bank» kreisen, der Industrie- der Landwirtschaft, des Handels und der Arbeiterschaft gehört werden können. Zum Teil ist das schon geschehen. Binnen kurzem werden die Vernehmungen der Sachverständigen fortgeführt und abgeschlossen werden. Ueber de« bisher vorliegen­den Plan muß aus näheliegenden Gründen Still­schweigen bewahrt werden, doch steht soviel fest, daß die Zwangsanleihe ein Opfer des Besitzes sein wird.

Nach einer Meldung der „Deutschen Allg. Zcitg." empfing Reichsfinanzminister Dr. Hermes am Sonn­abend einige Vertreter der Deutschen Volkspartei und teilte ihnen mit, daß zwischen Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten nunmehr eine Einigung über das Mairtelgesetz erzielt worden sei. Am Mantelgesetz ft: nichts geändert worden. ,.

WirtlWsWW MeMiiSkamtek- LkMWM.

Berlin, 27. Febr. Nach einer Meldung oes ,Loka!anz." lehnte eine Vertreterversammlung von fünfz.hn Verbänden der Berussbeamten einmütig d-n Ausstand für das Bernfsbeamtentum ab und forderte anstelle des Beamlenrätcgesetzes die umgehende Schaf­fung einer Beamtenkammer mit öffentlich-recht- lichem Charakter. Weiter wurde eine Arbeitsgemein, schäft der vertretenen Verbände gebildet. Um die streikgegnerischen Eifknbahnbeamten zusammenfassen zu können, soll die sosmetige Gründung einer wiri­

sch afts-frie blichen Eisenbahnbeamten-Organi- sation in Angriff genommen werden.

WToaiW MWWne.

Paris, 27. Febr. Nach einer Meldung der .,<khicago Tribüne" aus Washington hat die Handels­kammer der Vereinigten Staaten mitgetcilt, daß eine große Gssellschast für Handrlsluftschisfahrt regelmäßige Linien innerhalb der Vereinigten Staaten errichten soll, bei denen ein abgeändecter Zeppelintyp Ver­wendung finden soll. Es liegen fertige Pläne zum Bau von Fahrzeugen aus Deutschland vor. Tie Gesell­schaft beabsichtigt im Laufe des Sommers 1923 zwischen New Hork und Chicago zwei Schiffe in Dienst zu stellen. Das erste batikt soll 4000 Kubikmeter fassen. Die letzte Fertigstellung soll in den Vereinigte» Staaten erfolgen. - Das Schiff wird 100 Re sende und mehrere 100 Tonnen Post zu befördern im Staude sein. Bon deutscher Seite werden von Herrn Johann Schütt« von der Firma Schütte-Lanz die Verhandlungen ge­führt. Die Firma soll beabsichtigen, den Ban der Zeppelinluftschiffe zum größte» Teil nach de» Ber- einigten Staaten zu verlegen.

Die Dresdener Transportarbeiter habe« naher» einstimmig beschlöffen, die Arbeit cinzustellen, well die Unternehmer es abgelchnt habe«, übe; ihre ASide- tmtgen zu verhandeln.

$os wie eoWrnmosoWommti.

Berlin, 27. Febr. Die Verhandlungen, die in den letzten zwei Wochen zwischen den Vertretern der deutschen Regierung und den Vertretern deS Ent- chädigungsausschusses über die Durchführung dec Sach- liestrungen geführt worden sind, haben heute zu einem vorläufigen Abschluß geführt. Es ist ein Abkommen paraphiert worden, das der deutschen Regierung und dem EntschädigtlNgsausschuß zur Genehmigung vor- gellgt wird.

Ueber den Inhalt des paraphierten Sacbliekerungs- äbkommens teilen die Blätter mit, daß das Abkommen an die Sickle der bisherigen gebundenen Wirtschaft durch die Staatsbehörden die freie Wirtschaft der Interessenten einftihrt. In Zukunft wird der fran- zösische oder sonstige Geschädigte direft bei den deut­schen Lieferanten bestellen, und nur die Zahlung wird durch die Regierung ansgesührt. Bei diesem neuen System wird der deutsche Lieferant in der Regel Welt­marktpreise erzielen können. Die deutsche Regierung wird die Lieferanten in entsprechender Höhe in Papier­mark bezahlen. In der besonders schwierigen Frage der ausländischen Rohstoffe ist eine Vereinbarung zustande gekommen, wonach Sachlieferungen, die zu 25 Prozent aus ausländischen Rohstoffen bestehen, voll bezahlt werden. Um die Einmischung von Schieberfinnen möglichst zu verhüten, ist bestimmt worden, daß von deutscher Seite nur anerkannte Handelsfirmen oder dir Hersteller als Lieferanten zugelassen werden. Die geplante große Organisation der Lieferungsoerbänüe und des Lerftungsverbandes wird nicht durchgeführt. Der grrße Apparat des Wiederaufbauministeciums, des Rckchskommissanats und der Landesaustcagsstellen kann in großem Umfang abgebaut werden. Tie Auf- träge werden aller Bvraussicht nach hauptsächlich Gegenstände betreffen, die keine Konkurrenz für die eigene Industrie darstellen.

Die Vertreter des Entschädigungsausschusfrs haben Berlin verlassen und sich nach Paris begeben, um dort den endgültigen Abschluß des Abkommens oorzu- bereitem

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Ans wirtschaftlichen Kreisen wird bett ,F>kalm:z." über die Neuregelung der Seechli.ferungen mitgeteilt.- Das Abkommen wird für Deutschland unheilvolle Folgen hoben müssen. Wenn früher Mitgl'edec der Ententestaoten in Deutschland Einkäufe machten, muß­ten si« in Devisen zahlen. Jetzt fällt das weg. Tie deutsche Industrie erhält keine Devisen mehr, die das Reich unbedingt zur Bezahlung der Entschädigungen jtöiig hat. Außerdem werden die Angehörigen der beteiligten Feindbundstaaten in die Lage versetzt, Waren, die sie von uns erhallen, wieder anszuführen. Sie haben also die Möglichkeit, uns in Ländern, in die wir bisher auSführten, Konkurrenz zu machen. Wenn man die Goldmilliarden in Papiermittiarden umrrchnet, so ist leicht festzustcllen, daß durch diese Neuregelung *'»—’/* unserer bisherigen Aussuhr aus- gesogen werden. Daß unser Wirtschaftsleben einen derartigen Aderlaß nicht lange wird ertragen können, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Es bleibt ab­zuwarten, wie sich die Linke zu dem Abkommen steilen toitb; beim die erste Voraussetzung basür wäre btt B sc'ligung des Achtstundentages.' — Die be­merkt, daß nach Sachverständigenurteil die deutsche Industrie nicht im entfernteste» in der Lage ist, im Laufe des Jahres für zwei Milliarden Gold- mark an Waren zu liefern.

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Zeichen der Zeit.

Man schreibt uns aus Berlin: '»"

Dieser Tag« hat in Berlin das sogenannte 6 Tage- Rennen stattgefunden. Erne Veranstaltung die wie sich auch jetzt wieder gezeigt hat, mit der Wahrnehmung sportlicher Interessen nicht allzu viel zu tun hat. Der Verlauf dieses Rennens und das Verhalten des um die Plätze sich schlagenden Publikums 6 Tage und 6 Nächte hindurch hat lediglich erkennen lassen, baß es der großen Massen die sich hier zusammensand, um nichts Anderes al» mn rin Auspeftschen ihrer Nerven zu tun war. Die Summen, die während dieser 6 Tage und 6 Nächte in den Berliner Sportpalast getragen und dort verzehrt wurde», beliefe» sich ou: viele Millionen. Als schlimme Auswüchse muß man aber die Prämienspendeu bezeichnen, die gr- wöbnlich' in späte» NachtHinde» zur Anfeuerung der radllnden Paa« eusgeworfen wurdem & gab do Einzelspendeu MS zu 20000 Mk., daneben eine ganze Anzahl ton 10 und 20 Markstücke in Gold, Dollar- noten, Schweizer Franke», außerdem aber eine ganze Batterie von Likören, Weinen, Sekt, ferner von Pelzen, Anzügen, MotorrLern, ja selbst ein Automobil wurde spendiert, eine Badereise nach Swinemünde uxb de» gleiche» mehr. Diese 8acgängt werfen et« überaus bezeichnende» Licht auf träfet« heutigen Verhältnisse. Während Hundeittausende und picht zuletzt die beflpi

unserer Nation, die Kleinrentner, die Festbesoldete«, i t Witwen, die sich in schwerer Sorge durch da» Lebe» mrchzusckstagen haben, heute nicht wissen, wovon si« morgen leben solltn, wurde» hier in einer Nacht Summen verschleudert, die den LebenSunterhaÜ Dutzender Familien für ein ganzes Jahr Wöhrleiste» würden. Wie dieses obrngeschilderte Prä­miensystem aber selbst jung« Bürschchen zur Nach­ahmung ansporntfi, zeigt« eine Nack richt in der „Ä am Mittag", daß bei diesem Nennen „drei junge Herren im Alter von 9—11 Jahren mit elterliche« Bewilligung" eine Prämie von 3000 Mark für eine» Wettkampf ausgesetzt haben. Da muß man doch zu­nächst einmal fragen, was das für Eltern sind, die dies« Herren „Lausbuben" zu einer solchen nächtlichen Ber- a.istnltung mitnehmen und ihnen die Verschleuderung von Geldern in dieser Höhe gestatten, wo ist die Schule und wo sind die Lehrer, die diesen drei „jungen Herren" beibringen, was sich in ihrem Alter geziemt? Den Fall haben die Kommunisten zum Anlaß einer im Reichstag eingebeachten Anfrage genommen. Sie verweisen auf den obengenannten Vorgang- und führen aus: „In Anbetracht der Sagt Deutschland» und zumal ter entfttzlicken Not von Hunderitausende» Kindern kann das nicht anders denn als empörender Skandal bezeichnet werden. Ist die Reichsregierung bereit, solchen Auswüchsen, die mit Sport nichts $u tun haben, entgegenzntreten? Wird sie Veranlassung nehmen, gegenüber solchem Mißbrauch des elterliche« Erziehungsrechts die Fürsorgeerziehung einzuleiten, sowie es Eltern gegenüber, die ihre Kinder zu anderer Lastern, etwa den Bettel, anhalten, auch geschabt?"

Man muß den Fragestellern in der Berurteiluog des Vorganges und in der Fotckerung nach rntfprechen- den Gegenmaßnahmen durchaus Recht gebe». Abci sichen wir nicht gerade hier eine Saat aufspiießr», die von den die Autoritätslosigke-.t predigenden Kom­munisten gesät worden ist? Erinnern wir nns doch an die Demonstdationsnmzüge der Berliner Hosen­mätze, durch die die Kommunisten schon mehrfach Kinder bis zu G und 7 Jahren herab mit roten Fahne« gegen jede Autorität protestieren ließe». Adolf Hoff­mann, der jetzt yi diesen Fragestellern gehört, hatte selber seinerzeit einen derartigen „Kinderseldzug" gegen die Religion und den Religionsunterricht organisiert. Unter seiner Führung zogen Mädels und Bursche» vielfach red; an der Hand oder am Rock der Mutier zum Berliner Lustgarten, angetan mit roten Schärpen und roten Fabnen in der Hand und mit Schilderte misgestattet, auf denen die Worte zu lesen waren: „Wir brauchen keinen Gott, fort mit dem Religion»- untcrricht, fort mit der Volksverdummung, wir wollen Licht und Frcih.it!" Gerade di« Kommunisten dürfe« sich nicht tounbetn, wenn die Jugend von heute in eines Autoritätslosigk.it ohne gleichen dahin lebt. Alle d'.e- jenigen aber, die in der Jugend ein hohes Gut unsere« Nation erblicken, da? sorgsamster Hut und Pflege bedarf, müssen angesichts der heutigen Zustände, von denen der obengcschilderte Fall wieder ein bezeichnendes Beispiel gibt, erst recht alle ihre Kräfte vereinigen, um der Jugend die Achtung vor der Autorität, di« freilich schon im Elternhaus« zu beginnen hat, ein- zupflanzen. : : ;

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Politische Tagesnachrichten.

Reue KohlenprciscrhShimgen. Der ReichSkodlen», verband und der grobe Ausschutz des Reichskohkenvet-! bandes haben gestern laut »Deutscher Allg. Ztg." be­schlossen, sür Ruhrkohle und für niederschleflsche Stein­kohle im Durchschnitt aller Sorten eine Preiserhöhung um 140,60 M ohne Steuer, für sächsische Steinkohle eine solche von 158,50 X tüt Aachener Kohle ein« wiche von 127,40 .« ohne St.-ur die Tenne sestzusetzen. Für rheinische Braunkohle sowie mitteldeutsche und ost-s elbische Braunkohle wurden ebenfalls erhebliche Preis­erhöhungen festgesetzt. Die Preiserhöhungen wurdet^ notwendig infolge einer Lohnerhöhung.

Graf Südner, der bekannte Kommandant de» »See-i adlers", hatte vom Retchswehrministertum die nachge-. suchte Erlaubnis erhallen, eine Vortragsrcise in Schwe«i den zu unternehmen. Tas Auswürttge Amt ver­weigerte jedoch die Ausreise auf Grund eine»' Berichtes des deutschen Gesandten itt Stockholm, Dr., Radolny, der erklätte, datz für die Vorträge Luck-! ners über seine Kriegserlebntsse »keine Stimmung bo»j -anden" sei und datz sie sogar »ungünstig wirken" Uinn-j ten. Die Vorträge find von pttvater schwedischer Seit«', selbst angeregt worden. — Diese Haltung des AuSwä» tigen Amtes kann bet dem neudeuttche» Kurs de» RichtanstotzenwollenS nicht verwundern. Die Taten und Leistungen der .Seeadler"-Leute machen dem deut-- scheu Namen gröhtmögliche Ehre und können gar nichtj genug bekannt werden, gerade im Ausland«.

Hindenburg und Gctzler. Im ReichSwcbrmtntste-^ rtum habe» die Büsten hervorragender Heerführer, bte bisher im Generalstabsgebäude ausgestellt waren, etil neues Hettn gefunden. Jüngst wurde auch eine Bütte Hindenburgs aufgestellt. Bei der Einrethungssete«! lehnte Reichswehrminister Dr. Geßler eine Tellnahme »aus parlamentarischen Gründen" ab.

Die Rot der Prefir. Das »Stolper Tageblatt tat sein Erscheinen eingestellt; das (seit 2 Jahre« MiM- dem.) »Swönebecker Tageblatt" erscheint WB loRtz 3 SKal wöchentlich. . 1