Zweites Blatt
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die köstliche Speise-Schokolade!
* Verlieh en wurde die Erlaubnis zum Trage« der Landwebr-Armee-Uniform dem Leutnant d. L. a. D. Müller (Schloß).
* Der „Herr Rechtsanwalt". Es ist ein« altbekannte Tatsache, daß viele Leute, wenn sie im Gerichtsglbäude erscheinen müssen, recht ängstlich tun. Manchmal ist! die- fo auch begründet, besondrrs wen« der Betreffende etwa- auf dem Kerbholz dagegen di« Nächstenliebe verstößt. Im übrigen ist die große Aengstlichfeit unberechtigt, denn die H rren dort sind die Freundlichkeit selbst, solang« man sich anständ-g benimmt Brr einiger Zeit fand sich nun im Land-
einen starken politischen Einschlag erhalten hat. Tie Kommunisten sind offensichtlich bemüht, die Elfen- bahnbeamten unter dem Vorwand, daß die Regierung ibre Versprechungen inbezug auf die diSzipltnarischen Maßnahmen nicht gehalten habe, von neuem aufzu- putschen und den Kampf zu einem Allgemeinausstand zu erweitern, bei dem das Ringen um die politische Macht und die Diktatur der Arbeiterklasie gehen soll.
die Lage jedenfalls nach tote vor recht Pessimistisch hat nicht das Gefühl, datz wirkliche Beruhigung getreten ist.
III.
Vhnt. „Erzähl' aber nun Genaueres von deinen Theaterplänen."
Friedlich trank man Kaffee.
Thea fühlte sich getröstet und empfand nun auch kein Bangen mehr vor einer Aussprache mit ihrer I Mutter, nun, wo sie den Schwager auf ihrer Seite hatte. I
„Nächstens debütier« ich dann in geschlossenem Kreise", erzählt« sie; „Tante Litte ist ja, wie ihr wißt, Mitglied eines dramatischen Vereins — Thaliaverein I heißt er —. Dort spielen sie alle vier Wochen Theater. Nachher wird getanzt. Ich bin mal mit Tante Litte derr gewesen im vergangenen Winter. Es war sehr nttt und lustig dott. Sie spielen Suber- mau« und Hauptmann, ich glaube sogar .Ibsen. Charakterrollen sind gerade mein Fach. Die Magda in der „Heimat" z. B-, die habe ich studtttt."
„Liegen dir denn wirklich diese Rollen? Du hast ja noch nichts Schweres erlebt mit dttnen neunzehn Jahren", meinte der Doktor sinnend.
„Muß denn das fein, bevor man zur Bühne geht?" fragte Thea lachend.
„Es kann jedenfalls nie schaden. Schwere Erlebnisse läutern und vettiefen bekannllich, wenn auch nicht alle Naturen. Und wenn du Ibsen und Haupt mann spielen willfch Kind, das ist eben ttwas anderes, als in Moserschen Lustspielen austrtten, wo di« jngend- liche Liebhaberin zum Schluß immer ihren Herzallerliebsten bekommt."
„Wer weiß, vielleicht erlebe ich doch noch irgend etwas Schweres", meinte Thea leichthin. i
Aber ihr Herz pochte btt ihren Worten.
„Nichts berufen", mahnte Frau Hannchen, und begann, das Kaffeegeschirr abzuräumen.
Nun kamen die Kinder^ um ihre Rechte an Tante Thea geltend zu machen. Sie saß mit ihnen in der Kinderstube und baute mit Hingebung eine Festung und stellte lange Kolonnen von Bleisoldaten auf und kommandierte mit heller Stimme ttne ganze Schlacht, so daß Frau Hannchen erschrocken hereinguckte und
gettcht ttne Frau aus einem Nachbarotte mit ihrem Kinde rin, «m in einer Familienangelegmbeit einmal mit dem Richter zu sprechen., Erwartungsvoll hat'« sie auf einer Bank im Borraum Platz genommen und harrte der kommenden Dinge. Da gesellte sich eil Mann zn ihr und erkundigt« sich teilnahmsvoll nach ihren Wünschen. Die Frau war froh und schüttete ihr Herz aus. „Machen Sie sich nur gar keine Ge- dankctt, ich komme morgen und das andere wird sich finden", sagte der Mann, der sich als „Rechtsanwalt Schmidt zu erkennen gab. Am anderen Tage fand ,ich der „Herr Rechtsanwalt" auch Pünktlich im Torfe rin. Er steckte nicht nur das Protokoll in «ttne Taschen, sondern auch noch Eier, Speck, Wurst, '-Sauer und zwei Gänse. Alles mußte die Frau im Dorfe aus ihr Risiko heranholen, denn selbst war sie nicht int Besitze solcher Glücksgütcr. „Sie bekommen bald Nachricht, tote der Prozeß läuft", sagte der „Herr Rechtsanwalt" und empfahl sich. Die Frau toartrte setzt'Tag für Tag und Woche für Woche, ohne daß sie Nachricht erhielt- Sie ging auch nach Marburg und mußte die unangenehme Erfahrung machen, daß es vor langen Jahren wohl einmal einen Rechtsanwalt dieses Namens gegeben hat aber jetzt nicht mehr. Aber > „ti ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch endlich an die Sonne" heißt ein Sprichwott. Der „Herr Rechtsanwalt" der gar fein Rechtsanwalt, sondert ein wegen Krankheit aus der Strafanstalt beurlaubter Gefangener war, weilte doch in Marburg. Ms ihn die Frau am Bahnhof, nachdem sie schon wußte, mit wem sie es zn tun hatte, zufällig traf, besaß er noch die Dreistigkeit zu behaupten, bet Prozeß sei im Gange und die Lebensmittel, die er geholt, seien für „seine
I Schreiber" bestimmt gewesen. Er mußte sich zu einem Umzug in rin ihm von früher her nicht ganz unbekanntes ,^ogis" in bet Wilhelmstraße bequemen, i« I dem, damit ihn feiner stiehlt, an den Fenstern eisern«
Gitter angebracht finb. — Gestern wegen Platzmangel | zurückgelassen.
—o. Kirchhain, 14. Febr. Bei der im Dezember ftattciefundenen Geflügelschau in Grotzseelhrim wurde a(8 nächster Ausstellungsort der WanderverbandSauZstellung
I Kirchbain gewählt. Mit diesem Beschluß beschäftigte sich die Versammlung der Züchter des Vereins Kirchhain und fand der Vorschlag Annahme, mit der Erweiterung, daß auch zugleich eine besondere Abteilung für eine allgemeine Ausstellung geschaffen wird. Man wird jcden'allS in Züchterkreisen diese Neuerung begrüßen und diese in vielerlei Hinsicht Beachtung finden. Um nicht von Wind und Wetter abhängig zu sein, wurde der Garten und die Säle des Bahnhofshotels dafür in Aussicht genommen.
| Der Ausstellungsvorstand besteht aus den Herren Wilhelm Römer, C Dowe, Heinrich Wunderlich, Franz Lang
I und Otto Salomo. Als Ausstellungslttter wurde Herr Bildhauer .Heinrich Stück gewählt. Das nähere Pw-
I gramm wird noch im Anzeigenteil veröffentlicht.
| # Schlaganfall Marroni«. Wie die »B. Z-" au8
I London erfährt, hat Marconi einen Schlaganfall er« | litten. Sein Zustand ist vedenklich.
erfahren hat, können wir aus den Effektenmärkten als eine der Folgen der gesunkenen inneren Kaufkraft bet Mark bereits wieder die Anfänge ttner neuen Haussebewegung beobachten. Ihren Ausgang nimmt sie diesmal von den obetfchlesifchen Jndustriewerten. Es ist bekannt, daß daS englische und französische Ravt« | tal ungeheure Anstrengungen macht, um die in dem polnisch werdenden Teil ObetschlesienS gelegenen großen Jndusttteunternehmungen in seine Hlwde zu bekommen. Für das valutastatke Auslandskapitai sind natürlich auch Kurse, die uns unerschwinglich hoch erscheinen, lächerlich billig, und eS fällt den Ausländern daher nickt schwer, die Kurse der Wette, die sie erwerben wollen, gewaltig in die Höhe zu treiben. Unter dem Einfluß dieses Kampfes für und gegen die Ueberfremdung der großen oberscklesischen Montanwette sind z. B. Lanrabütien-Aktten. daS führende oberscklesische Indufttiepavier, auf ttnen KurS von über 2000 emvorgtttteven worden, nachdem sie kurz nach dem Bekanntwerden der Deutschland ungünstigen Entscheidung der oberschlesischen Frage bis auf 700 heruntergegangen waren. Eine ähnliche Entwicklung haben auch die andern großen obettcklesischen Jn- dusttiewette genommen. Der Ausgana dieses Kampfes deS Entente-Kapitals um den Besitz der deutschen Fndnstriewerke in Oberschlesien kann leider nicht zweifelhaft sein.
„Danke bestens", warf der Doktor humorvoll ein.
„Äch nein, vergib, ich wollte ja sagen, praktische Leute", verbesserte sich Thea verwirrt. „Und nun, stvo ich mich entscheiden muß, ob ich wirklich zur Bühne gehen und noch weiter baraufhin Stunden »ehmeu soll — mein Lehrer hat nämlich einen Ruf mach Dramaturg nach Süddeutschland erhalten und
Don unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.
Im Jnlandsverkebr steigt die Teuerungswelle wieder in beunruhigender Wttse. Es gibt kaum mehr einen Bedarfsgegenstand, der nicht in den lebten Monaten wieder wesentlich teurer geworden wäre. Am empsindlichsten wird sich die Brotprtts» erhöhung fühlbar macken. Man mutz sich klar dattiber sein, daß unter solchen Verhältnissen, die immer meßt an die Entwicklung der Dinge in Oesterreich erinnern, ein sozialer Friedenszustand kaum dauernd heraestellt und aufreckt erhalten werden rann. Die sozialen Stdiiipfe würden iioiiJ zahlreicher und beftiaer i> - wenn nickt ein erheblicher Teil der Arbeiter, Angestellten und Beamten längst eingesehen hätte, daß durch Lohn- und Gehaltserhöhungen. die doch immer wieder auf die Warenpreise geschlagen werden müssen, niemanden mehr dauernd geholfen werden kann. Wohl kann ein Stand oder Beruf sich eine Weile Velsen, indem er die Last der Teuerung auf die Gesamtheit ob wälzt. Aber wenn das alle tun. bleibt für den Einzelnen die Last doch schließlich die gleicke. Eine ge- wisse Besserung könnte durch shstematiscke Stttgerung der Produkttous'eistungen auf allen Gebieten erzielt werden. Aber gerade gegen die hierzu notwendige Durchbrechung und vernünftige Umgestoltting des AcktstundentagaesetzeS sträuben sich die Lohnempfänoer fast aller Kategorien unter dem alles beherrschenden Einstuß der volitiscken Phrase nock immer aufs heftigste. So bleibt nur die Hoffnung, daß allmählich ein Umschwung in der Mentalität deS Auslandes sich vollzieht und die unferm Volke aufetteoten unerträglichen Lasten erleichtert werden. Aber weiter Blickende haben längst darauf vingewiesen, daß auch hierzu der Entschluß des deutschen Volke? in allen seinen Kreisen, durch höchste Ansvannung der Arbeitskraft sich selbst zu helfen, eine unumgängliche Voraussetzung ist.
Während der Kurs der Mark trotz aller inner« politischen Wirren uttd aller wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten eine etttaunliche Befestigung
Marburg und Umaeaend.
Marburg. 18. Februar (Hornung).
* Wo bnungs steuer. Alle Hansrigentümer und Wobnungsinbaber werben auf bi« im Anzeigenteil ver-1 ösfentlichte Verordnung über die Erhebung ttner Abgabe zur Förderung des Wobnunasbaues aufmerksam gemacht. Die Zablungsfordernngen gehen tn den näck-1 den Tagen den Hausttgentümmern zu. Die Abgabe >st für die Zeit vom 1. Oktober 1921 bis 31. Mär, 1922 lhätestens 14 Tage nach Empfang der Zahlungsaufforde-1 ditmi durch den Hauseigentümer an die Stadtkass« z>t I mblen. Ist ein abgabepflichtiges Gebäude vermietet. I iv kann der Gebäudeeigentümer auf Grund des § 9 Abs 2 | des ReichsgesetzeS von bett Mietern bie Erstattung der Abgabe nach dem Verhältnisse verlangen, in dem dec Nntzungswert der von den Mietern benutzten Räume zu I Srm Nuhungswett der gesamten Gebäude steht. Als I N-ntzungswert für diese Untertierteiluna gilt bet Ffe- densmietwert am 1. Juli 1914. Die Verteilung rrfolzi I durch den Gebäudeeigentümer, der hierbei zweckmäß'.g die etwa bestehende Mietervettretung zuziehen und den der Zahlungsaufforderung angefügten Vordruck benutzen tottb Der Gebäudeeigentümer gibt den Mietern vor der erstmaligen Einziehung der Abgabe die von ihm borgenom- mene Verteilung bekannt und laßt durch Namensmtter- (christ (an der im Vordrucke hierfür vorgesehenen Stelle' Se Richtigkeit der Verteilung anerkennen Erkennen alle Mittet die Verteilung an. so zieht der Gebäudeeigentinner tv.n fäniatn Abgohrbetrag rin unb liefert ihn sofort an die Scavttape äv Goittu trotz Anerkennung der Verteilung | «n Mieter aus irgendwelchen Gründen nicht zahlt, so vermerkt der Gebäudeeigentümer dies in der BertailungF- lisfe und stellt sie der Stadtkasse zu. Diese treibt die nock nicht gezahlten Btträge von den Mietern im Zwangsvec- fahren bei. Verweigert ein Mieter die Anerkennung, so unterläßt der Gebäuderigentümer vorläufig die Ein- ziehung und übergibt die Verteilungsliste dem Kataster- amte mit dem Antrag auf Stundung und auf Feststellung bet Verteilung Dem Anträge sind bie zur Verteilung der Mgabe nötigen Unterlagen (Fttedensmietverträge, Entscheidungen des Mieteinigungsamtes und berg!.) to» zufügen Am Schlüsse der Verteilungsliste hat der Ge- Muherigentümer bann pflichtgemäß zu versichern, daß Pie Vertttlung allen Mietern bekannt gemacht worden ist. Anträge auf Stundung bet Abgabe oder des Abgabeteiles sind an das Katasteramt I hier zu richten.
* Ein Postknriosnm wird am 22. Februar zu- tage treten, da an diesem Tage auf b-m Poststempel, wie bereits am 2 Februar, die Zahl 2 sich mehrfach aurinanderreiht. Postsachen, die am 22. Februar in bet Seit von 2 bis 3 Uhr abgestemvelt werden, tragen die Zahl 2 sechsmal bintereinanbet, z. B. 22.2.22 2—3. ; Mrd die Postsache auf rinem Postamt 2 aufgeliefert, so । wird die Zahl sogar siebenmal auf dem Stempel er- l scheinen.
Nr. 42
Sonnabend, 18. Februar
Hornung
1922
Im englischen Unterhaus« kamen gelegentNch Aussprache über die Antwottadresse ans die Thronrede auch die außerordentlich verfahrenen Zustände in I n - dien zur Rede. Dabei erfuhr die aufhorchende Welt gar mancherlei, was englische Vorsicht bisher zu verschleiern wußte. Es will doch immerhin einiges besagen, wenn sogar Montagne selbst als Minister für Indien erklären mußte, die Lage in Indien erfülle ihn mit großer Besorgnis. Aus dem ministeriellen Englisch ins Deutsche übertragen heißt daS: das ganze tndiscke Volk ist zur Zeit von einer gewaltig empor- lodernden Aufruhrbewegung ergriffen worden, deren die Engländer einstweilen nur dadurch Herr werden konnten, daß sie nach der bei ihnen üblichen grausamen Methode zu furchtbaren Blutbädern ihre Zuflucht nafrtnen. Daß der Aufruhrbewegung auS der Rückwirkung reichliche Nahrung zusloß, datz namentlich auch die bolschewistische Propaganda hier, wie überall in der Welt, maßlos verhetzend gewirkt hat, wie Montagne gleichsam zur Entlastung Englands geltend machte, soll keineswegs in Frage gezogen werden. Ebensowenig, daß bet den gespannten Beziehungen Englands zur Türkei der mohamedanische Fanatismus in Indien hoch emporflammen mußte. Aber das tritt doch erheblich zurück hinter der Hanptnrsache des Aufruhrs, die eben in dem von lebet geübten unmenschlichen Verhalten der britischen Regierrmg der rücksichtslos geknechteten indischen Bevölkerung gegenüber liegt. Wie bedenklich es um die Sage tn Indien steht, erhellt schon aus der bezeichnenden Tatsache, daß sogar Lloyd George «S für notwendig befand, dem, wie er selbst sagte, im Ausland weit verbreiteten Gedanken entgegenzutreten, als ob England beabsichtig«, Indien
drohte- „Aber Kinder — um Gottes willen, nicht jo laut, Thea, so hör' doch — Franz arbeitet — Franz wird gestört..."
Da schaute der Doftor lächelnd zur gegenüber- liegenden Tür herein. Die drei aus dem großen Spielteppich waren so sehr vertieft, daß sie ihn gar nicht bemerkten. „Und das will zur Bühne gehen", backte ex, „Thea, ist ja eine Kindermutter, wie man sie sich nicht lieber denken kann." — .Laßt euch nicht stören", sagte er, als sich daS Dreiblatt bestürzt nach chm umschaute, und ging an seinen Schreibtisch zurück.
„Was macht die Staut von Kanada?" fragte Frau Hannchen Thea beim Abschied.
„Ach" erwiderte diese zerstreut, „man wird ja nicht klug aus chr. Tante Litte hat sie heute unter ihr« Flügel genommen, geht mit ihr ins Theater."
„Hoffentlich werden der Henrika nicht auch noch solche Raupen in den Kopf gesetzt. Httno — der ist fa eine Art von Mephisto."
„Aber Hannchen, der gute, liebe Heino, der und ein Mephisto..." .
| „Er hat dir die Theaterideen beigebracht."
I „Ach nein, die stecken mir im Blut", sagte Thea und band sich vor dem großen Spiegel auf der $ide
I ihren Schleier um den Hut. .
(Fortsetzung folgt.)
I
In weiten Kreisen deS deutschen Volkes beurteilt man
■ ■ - . . — ------ und
(Nachdruck verboten.)
Verkannt.
Roman von Hedda von Schmid.
11. Fortsetzung.
■ „Das habe ich alles", rief Thea entschlossen. „Vor totfan Talent. Ich nehme doch schon seit länger als jtittem Jahr« heimlich Unterricht bei einer Bühnen- tzröße"
„Aber Thea", sagte Frau Hannchen ganz fassunzs- koS vc Schrecken, „und das Geld...?"
„Tante Siete hat mir das Nötige geborgt. Ich Lekomme doch mein klttnes Erbtttl von Großmama misbezahlt, sobald ich mündig geworden bin, bann geb’ ich ihr alles auf Heller unb Pfennig wieder. Das Kapital habe ich gut angelegt, glaubt es mir", ex» toikrte Thea eifrig. „Ihr hättet ja doch alle Zeter xesch lien, wenn ich es euch glttch gesagt hätte. Noch stin paar Monats dann bin ich für-bie Bühne aus- tzeb-ldet."
Frau Hannchen schlug ihre Hande zusammen.
t „Siehst du, Franz, so ist Thea nun einmal, ich Hätte das niemals fertig gebracht. Ja, wozu wills. fcu denn überhaupt noch unseren Rat, wenn du dir
doch endlich Mamas Einwilligung zu meinem Lebensplan holen."
„Wenn du meinen Rat hören willst Thea, so mache in diesem Winter recht viel mit und verlobe dich" sagte Frau Hannchen mit Nachdruck.
Thea wandte sich mit bittenden Augen ihrem Schwager zu: „Nun — und deine Ansicht, Franz?"
„Die ist nicht so leicht gesagt. Wenn du selber noch im Zweifel bist — dann stehr bei^ Entschluß auf nicht ganz sicheren Füßen."
„Doch — doch!" rief Thea eifrig. * WM?*
Die Tränen saßen ihr in der Kehle.
Warum war sie hierhevgekommen ....? Die beiden Menschen hier auf dieser stillen, schönen Insel des Behagens und des Glückes verstanden sie doch nicht... Bisher halte sie ja noch kttnen einzigen Augenblick lang einen Zweifel in ihre Zukunft als Schauspielerin gesetzt. Diese Bedenken waren ihr jetzt plötzlich gekommen.
Sie warf ihren Kopf zurück. ‘
„Ich will", sagte sie.
„Nun, wenn du so fest entschlossen bist, dann können wir ja wttter über die Sache reden", mttnte Dr. Haendler gelassen. „Wenn jemand bie Berufung zu etwas in sich spürt, so soll man ihn, bas ist mrinc Ansicht, ruhig seinen Weg gehen lassen, sofern mau darin feinen direkten Schaden für ihn erblicft. Was nützt es, auch in der allerbesten Absicht abzureden? Es wären verschwendtte Werte. Genau das antworte ich stets 5ti- Ettern meiner Schüler, wenn sie zu mir kommen, sich über ttne chrer Meinung nach verfehlte Berufswahl ihrer Söhne beklagen, und von mir einen Rat hören wollen. Des Akenschen Wille ist sein Himmelreich, meine liebe Thea."
„Ich wußte es ja, Franz, daß du die Sach« von einer sehr verständigen Seite aussassen würdest", sagte Thea, sichtlich erleichtert. „Ich danke bir."
„Tas konntest du von Franz auch gar nicht anders erwarten, liebe Thea", bemerkte Frau Hannchen ver-
__aromatisch trei ausgiehig.binighn Veraraireh Niederlagen in allen Stadtteile»
। MW-MtM
Ote vertagte Wirth-Krise. — Die auswärtig« Politik. I^Poftttfcher Einschlag der Eisenbahnerbewegung? —
Die Lage tn Indien.
r I.
Eft« Wirth-Krise ist wieder einmal beendet Dies «tznve trägt aber mehr als einen Keim neuer Krisen in chck ES ist also gar kein Ende, sondern nur eine V er- tagung. Niemand, der in dieser Zeit hinter die politischen Kulissen geblickt hat, wird die Dinge anders mlfehen. Klarheit ist nicht geschaffen. Zwar ist es dem Reichskanzler gelungen, eine Vettrauensmehrhett von 35 Stimmen für sich und seine Politik zu erlangen, «her diese, nicht überwältigend große, Mehrheit ist pur durch Stimmenthaltung der Baveriscken Volks- partei und eines Teiles der Unabhängigen bezw. deren «ernbleiben erzielt worden, und das au«aesvrockene Vertrauen auszusprechen. Es ist ein Angstprodukt Fassung der Vertrauenserklärung, die deutlich erkennen «ßt daß die Angst vor der außenpolitischen Lage für die Mehrheit der Hauptgrund war, Dr. Wirth ihr Vertrauen auszufprechen. Sie ist ein Angstvrodukt wie die ganze deutsche Politik seit 1918, die lebe von wiederkehrender ober noch vorhanbener Straft unb Selbstbesinnung zeugende Auswirkung der Gewalt- volittk der Westmächte ängstlich vermeidet und unterdrückt, um |a den Unwillen der .Sieger- nickt zu erregen Die aber lacken fick ins Fänsicken, daß ihre Rechnung — Lob der deutschen Erfüllunasregierungen, Ablehnung jeder anderen Politik durch die Regierungs- jnebrbelt als „Katastrophenpolitik" — so genau stimmt Und lassen es sich weiter angelegen sein, die Politik Dr. Wirths dem deutschen Bürger als die „einzig mögliche" für Deutschland schmackhaft zu macken.
Das Kabinett bat äußerlich bei der Abstimmung des Reichstags seine Haut gerettet, aber bie „Re- iterungsmehrheit" fühlt sich in bicser Saut kein-swegs ,vobl Voraussichtlich wirb bas Wirtbscke Kabinett -as Bedürfnis fühlen, sich fchott in den nächsten Taaen «in neues Vertrauensvotum für feine auswärtiae Politik ausstellen zu lassen. In diesem Augenblick kommt die Meldung von dem srattzösifch-russiscken Ver- trag wie ein Blitz- und Donnerscklag. Rock siebt man nicht ganz klar, was eigentlich zwischen Frankreich unb Rußland vereinbart worden ist. Aber soviel läßt sich jetzt schon tagen, datz eine plötzliche Schwenkung der -russischen Polittk zn einem Einvernehmen mit Frankreich nur gegen Deutschland gelickte! fein kann unb die verhängnisvollsteit Folgen für uns haben muß. Das wäre tn der Tat ein sehr üble? Vorspiel für Genna, von dem ohnehin alle ernsthaften Bofltiker heute nickt mehr allzuviel erwarten. Man müßte auck hierin einen schweren Mißerfolg der auswärtigen PoNttk der Reicksregierung erblicken. Da aber die Unabhängigen mit der auswärtigen Politik der .Herren Wirth unb Ratbenau vollkommen einverstanden sind, werden sie voraussichtlich für das zweite Vertrauensvotum geschloffen stimmen u''b damit eine erheblich größere Mehrheit Herstellen. Und dadurch müßte tote« dernm eine Stärkung des radiale" ^tewer»*? inner Wb der Regierung unb chr tze^-fpoffihr».
werden was sicherlich nicht zur Besckwickflmnm der mannigfachen Sorgen unb Bedenken tn den Reißen her beiden bürgerlichen Koalitiousparieien beitragen wird Es wird abermals deutlich sichtbar, daß der waenannte Stea des Wirthscden Kabinetts nur zeittick begrenzt sein kann, da er die Unabhängigen als Geburtshelfer hat.
Schon alles zurecht gefegt hast?"
Thea sprang aus und umhalste ihre Schwester.
„Sei doch nicht so, Hannchen", bat sie, „ich mußte tritt jemand, der unparteiisch ist, darüber reden. Tante Litt: und Heino sind Partei — mein Lehrer eben. srlllS. Ihr seid doch solch nüchterne Leute . .
II.
Die deutsche Wirtschaft hat begonnen, sich von den Kolaen des Eisenbalmerausstandes langsam zu et» holen. Aber leider fehlt es noch immer an der Sicker- tjcit, daß dieser höchst gefahrvolle AuSstand nun auck endgültig überwunden ist. Man hat tm Gegenteil das Gefühl, daß bie Flamme noch nickt erlofcken ist, sondern zunächst unter der Oberfläche weiter brennt. Die Gärung unter den (Sifenbabnbeamten ist leben« falls noch keineswegs beseitigt. Man könnte hoffen, daß die außerorbentlicken Ueberieuerunasbeihilfen für Beamte, bie sich in besonders ungünstiger wirtschaff- Itcber Lage befinden, einige Beruhigung schaffen werden. Das Finanzministerium hat für tiefen Zweck ■ der Eisenbahn 500 Millionen Mark unb ber Vost 250 Millionen Mark zur Verfügung gestellt unb will burch schleunige Beenbigung ber mit den Spitzenverbänden der Beamten gepflogenen Verhandlungen bahin wirken, daß die Beamten so bald als möglich in den Besitz dieser Sonderzulagen gelangen. Aber es hat den Anschein, als ob die Eisenbahnerbewegung bereits