Ärmliches Veckundigungsblatt des Kreises Marburg
Anzeiger sür (das früher kurhessische) Oberhessen
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Di« jDbetbeffiidx Zett»» erscheint sechsmal wöchentlich. — Beptgsvrei« numatüdi ohne Zustellung 8.50 91 f, durch die Post 9.50 Dtt. Rüt ausfallende Nummern infolge Streik» oder elementarer Ereignisse kein Tria?. — Verlag von De. E. Hiuerotd. — Druck der Untv^Buchdruikerei von Jod. Aua. Koch, Mar't 21 28 — Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Mai».
Berlin, 16. Fckr. In der Kammer wurden heute di« Ausgaben, die Deutschland zur Last fallen, beraten. Der Berichterstatter erklärte, daß Deutschland an Frankreich die Summe von 80 Milliarden schulde, und zwar 45 Milliarden für Entschädigungen, 25 Milliarden für Entschädigungssummen an Personen und 10 Milliarden als Zinsen für Anleihen. Deutschland habe aber nicht nur nichts bezahlt, sondern der deutsche Steuerzahler sei immer noch weniger belastet als der französische. Die deutsch« Regierung habe di« Kapitalflucht geduldet und den finanziellen Bankrott Deutschlands vorbereitet. Der Redner spricht sich gegen jede Verlängerung der Zahlungsfristen en Deutschland aus, da dadurch nur Frankreich geschädigt werde. Morgen wird die Interpellation über Oberschlesien erledigt werden.
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Deutsch-Oesterreich.
Die Kredithilfe.
London, 16. Fckr. Reuter meldet, daß
Die Sinkreni lon 8km«.
Verschiebung oder nicht?
Poris, 16. Febr., Der „Matin" meldet aus London: Der italienische Botschafter in London de Martino, bat Lord Curzon im Namen der italienischen Regierung die Versicherung g'g-b'n, daß das Kabinett Bonomi nicht nur nicht beabsichtig«, einen Aufschub der Konferenz von Genua vorzuschlagen, sondern oaß sie im Gegenteil die Absicht babe, ihr Möglichstes za tun, damit die Konferenz an dem vorgesehenen Datum, dem 8 März, eröffnet werde.
London, 16. Febr. Der Pariser Berichterstatter der „Morning Posch" schreibt, mit jedem Tag verstärke sich in Pari? die Ansicht, daß Lloyd George schr bald unter dem Druck der Umstände zugeb«, daß die französischen Argumente zugunsten einer Ver'ch rb irn der Konferenz von Genua unwiderlegbar seien und daß er sich bereit erllären werde, ihnen stattzu- geben. So werde erwartet, daß Lloyd G'orgr als eisten Schritt Vorschlägen werde, daß dir Konferenz nur um zwei Wochen verschoben werde. Wenn «brr einmal die Verschiebung grundsätzlich zugegeben sei. so bestehe kein Grund zu der Annahme, daß dieses Zugeständnis buchstäblich gchalten würde.
Der Ausschluß der Türket.
London, 16. Febr. Die „Times" meldet aus Konstantinopel: Infolge d«S Ausschlusses der Türkei von der Konferenz von Genua hat Mustapha Kemal Pascha mitgeteilt, daß dir Angororeg'rrung 'ich weigern würde, irgendwelchen Bricklüsien, die auf dieser Konferenz bezüglich der Türkei gefaßt werden sollten, zuzustimmen, wenn die türkische Abordnung nicht zur Konferenz zugelassen werde.
Einzelheiten bezüglich der Anleihe von zwei Millionen Pfund Sterling, die von Großbritannien an Oesterreich gewährt wird, geregelt sind. Ta? Geld wird der österreichischen Regierung in einigen Tagen übergebe» werden.
Wien, 16. Febr. Die „Politische Korrespondenz" meldet: Der italienische Gesandte brachte dem Bundeskanzler Schober «in Telegramm seiner Regierung zur Kenntnis, demgemäß sich die italienische Regierung im Prinzip bereiterklart, bet österreichischen Regiuun; sofort mit Ärcbit zu Hilfe zu kommen.
Die Festletm bet EMödlmV- ZMmn.
Der EntschüdtgungöauSschutz soll entscheide«.
London, 16. Febr. „Daily Telegraph" berichtet, daß die im Obersten Rat vettretenen Regierungen ein vorläufiges Uebereinkommen be'üalich der Methode d r Behandlung der deutschen Entschädigungen im lausenden Jahre erzielt zu haben scheinen. Die Festsetzung des Umfanges und des Zeitpunktes bet Bar- joMungen und Lieferungen in Waren, die Deutschland leisten mufc soll dem Entschädig nngsaus- schuß überlassen werden. Die Annahme dieses Vorschlages PoincaröS sei jedoch Bedingungen unterworfen, deren Ergebnis die Aufrechterhaltung der Grundsätze des in Cannes ausaearbeiteten versuchsweisen Abkommens sein werde. Wenn daher der Ent- schädigungsausschuß zugunsten einer Teilstundung für Deutschland Beschluß fassen sollte, io würde die Verteilung der damit für die versch'edenen Verbündeten entstehenden Opfer auf der in Cannes festgesetzten Grundlage erfolgen. Außerdem sei man der Ansicht, daß es Sacke der verbünd ten R'gi-rrnigen und nicht des Entschädigungsansschusses sei, die Einzelheiten der Zuweisung der Beträge an die Verbündeten zu regeln.
London, 16. Febr. Die britische Regierung hat mit gewissen Vorbehalten ihre Zustimmung zu dem Vorschlag der französischen Negierung ausgesprochen, daß die Frage der deutschen Entschädigungen für das Jahr 1922 von dem Entschädigungsausschuß geprüft werde.
Verweis: verhängt, Geldstrafen jedoch nur in besonderen Fällen. Keinerlei disziplinarische Maßnahmen ollen ergriffen werden gegen die sogenannten Mitläufer Sie verlieren jedoch wie alle am Ausstand Beteiligten, selbstverständl ch die auf die Ausstandtage entfallenden Einkommenbezüg«. Mit besonderer Strenge soll gegen Bckienst"t-> Vorlegungen werden, d e etwa Beamte wegen ihrer P lichterfüllung angegriffen haben. Bekanntlich hat bereits vor dem Au-stand d r Reicksverk hrsminister die Scur aubungm von Beamten zurückgenommen. Gegen diejenigen von diesen Beamten, die der Aufforderung zum Dienstantritt keine Folge leisteten, wird in allen Fällen das förmliche Disziplinarverfahren eingeleitet.
WiiDfl der Mmbeu btt Reichsbahn.
Geplante Ersparnisse.
Berlin, 16. Febr. Die Ausgaben der Reichsbahn haben sich in letzter Zeit bedeutend erhöht. Die Rewill'gung von Teuerungsznschlägen an die Af ei er und Beamten erfordert die Summe von rund drei Milliarden Mark. Durch die gleichzeitige Steigerung der Materialpreise erhöht sich dies,- Ausgabe auf 6 Mil- liarden. Weitere Ueberteuerungszuschusfe an die Beamten stchen bevor. Z>m Ausgl'ich w rd?n di' ©il er- und Expreßtarife erhöht und zwar am 1. Mörz um 20 Prozent. ES ist eine Verringerung des Personals um über 50000 Köpfe vor?«leben. Weitere Ersparnisse sollen an Material, hauptsächlich Kohlen und Schmieröl, gemacht werden.
flittWefiM.
DaS Ergebnis bet Untersuchung Ober den Vorfall In Peterödorf.
Berlin, 16. Febr. Der von seiner Reist nach Schlesien zurückgekehrte Staatssekretär z. D. Tr Peters hat der Reichsregierung über die Ergebnisse seiner örtlichen Feststellungen über den Vorfall in Petersdorf berichtet. Es wurde zweifelsfrei festgestellt, daß keine leitende zivfle oder militärische Stelle irgendwie direkt oder indirekt an den Vorgängen in Petersdorf beteiligt gewesen ist oder auch nur von irgendeiner geplanten Unternehmung im besetzten Gebiet Kenntnis gehabt hat. Keine militärische oder zivil« Bchörde hat das Geringste unternommen, was den Befehle» der Reichs regrrmng oder der preußischen Staatsregierung zuwidergelaufen wäre. In seiner mehttägigen Reife durch die Landkreise Bri g, Nam» lan. Oels, Strehlen und Neiße konnte Dr. Peters keinerlei Anzeichen feststellen, daß irgendwelche Waffentranspirte nach dem fc'fe-ten Geb et stattsin^ei. Besonders eingehend ging er der Frag: nach, ob d'e seinerzeit in Oberschlesien adtransp^r irtt n und im unbesetzten Gebiet unlergebrachten Selbstschutzsorma- tionen noch in irgendeiner Form b'st hen und mit den fraglichen Vorfällen in Verbindung gebracht werden könnte. Das Ergebnis war durchaus negativ. Alle btefe Formationen usw. sind verschwunden. T'e Ermittelungen wurden dadurch erschwert, daß die Interalliierte Kommission in Oppeln der Bitte bet deutschen Reg erung um Mtttsi'ung der Untersuchung?- ergebniffe der Interalliierten Behörden bisher nicht entsprochen hat.
KitWtiieig über die DenWu Werke.
Berlin, 16. Febr. Als Antwott auf die Note der deutschen Regierung vom 12. Febr. 1921 über die Frage der Deutschen Werke im Anschluß an den Beschluß der Botschafterkonferenz vom 28. Dezember 1921 hat der Vorsitzende der Interalliierten Milttärkontroll- Immission, General Rollet, eine Note an da- Auswärtige Amt gerichtet: Die deutsche Regierung wird darin aufgefordert, der Kommission bi- zum 15. Mai das zukünftige Fabrikationsprogramm für die Werke i i in Erfurt, Spandau-Haselhorst und Hanau nick» einen - , Uebers-ichtsplan, auS dem die Nutzbarmachung der sür jeden der zukünftigen Fabrikationszweige in Betracht kommenden Werkstätten und Maschinen ersichtlich ist zu überreichen. In der Note wird wettet bestimmt, daß die Fabrikattonszweige, die endgültig verboten sind, provisorisch weiter bet rieben werden können, ober nur unter den Verhältnissen, unter denen sie sich jetzt abwickeln.
Für jede- der in Betracht kommenden Werke stellt die Note Richtlinien auf. In den Werken Erfurt und Spandau-Haselhorst darf die Herstellung von Schutz' troffen, Jagd- und Sportmunition nicht weitergeführt toerben. Im Werk Wolfgang-Hanau wird die Hep- stelluno von Nitrozellulose verboten. Die Werke dürfen jedoch die Fabrikation provisorisch wetterführen Endgültig wird genehmigt die Herstellung von Kollodium für Filmzwecke zur Ferttgung von künstlichem Leder, die Herstellung von Schmirgelpapier, die Re- : .paratur von Eisenbahnwagen und Lokomotiven, sowie efle der Friedensfabrikation dienende Nebenarbeiten. ;8He Fabrikationszweige müssen innerhalb einer Zone .von 12 Hektar vereinigt werden. Ferner muß die Herstellung von Nitrozellulose auf 50 Tonnen monatlich herabgesetzt werden. Alle Gebäude und Anlagen, welche außerhalb der Zwölfhektarzone liegen, sind unverzüglich zu entfernen mit Ausnahme der für die [ - Beleuchtung und Heizung der Büros und Wohnräume erforderlichen Leitungen. In bezug auf die Entschei- ‘fcnngen der Kommission über die Zerstörung von x Maschinen n Erfurt und Spandau ist keine Aenderung eingetreten. Die von der deutschen Re- Etng beantragte Fristverlängerung für die gering der Maschinen der Werke Spandau-Haselhorst zilgeftandeu und der Termin auf den 1. März verschoben.
Berlin, 16. Febr. Heute ist der erweiterte Vorstand der Retcbsgewerkschaft deutscher Eisenbabnbe- amten und -anwärter in Berlin zusammengetreten, um zu der Frage der Disziplinierungen Stellung zu nehmen. Der Rcichsverkehrsminister hatte zwar den Mitgliedern des erweiterten Vorstandes im Reiche zu einer Reise nach Berlin keinen Urlaub erteilt; die in Frage kommenden Vertreter sind jedoch sämtlich erschienen.
Polizei und Ausstand.
Berlin. 16. Febr. Der Polizeipräsident Richter erörterte vor den Polizeiosfizteren der Berliner Schutzpolizei und den Vertreiern der Beam'enausschüffe seinen Standpunkt zum Streikrecht der Schutzpolizei. Er stellte erneut nachdrücklich feit, datz ein solches Streikrecht überhaupt nicht in Frage käme.
Die Mkdn M«gm in MM.
Berlin. 17. Febr. lieber den Aufenthalt der Mörder ErzbergerS in Ungarn meldet der Budapester Kor- reftWibent des „Berk. Tagebl." folgend« Einzelheiten: Der Müncheinr Kaufmann Heinrich Schulz und der frü- here Oberleutnant Heinrich Tillesfen sind bereits im Oktober ans München in Budapest eingetroffen. De verkehrten dort in den prunkvollsten Vereinslokalen der beiden irregulären Organisationen deS Vereins der „er- irochenden Ungarn", dessen militärischer Leiter der bekannte Bandenführer Oberleutnant HeiaS ist und deS Lan- beswehrmachtvereins „Nove", der unter Führung de? StadthauptmannS Gombös steht. Im Dezember 1921 wurden Schulz und Tillessen durch einen Zufall erkannt. Die deutiche Gesandtschaft wandte sich sofort an die Budapester Polizei. Etwa vierzehn Tage lang geschah in der Sache nichts, obwohl die deutsche Gesandtschaft wickerbolt um Erledigung bat. Mittlerwette hatte die deuttch« Staatsanwaltschaft, die verständigt worden war, xwei deutsche Detektive nach Budapest gesandt. Die Nachforschungen der beiden Detektive wurden von bet unga» rillten Polizei stark verzögert. Den beiben Detektiven gelang cS, die Identität der Mörder Erzb-rger» sestzu- stellen. Sie stellten fest, daß teibe mittels Chiffre» triefe eine lebhafte Korrespondenz führten. Es gelang auch, ihre Wohnungen zu ermitteln. Zuletzt wohnt#» sie int Hotel Astoria, dem besten Hotel von Budapest. Nach dem Besuch einer gewissen Persönlichkeit verließen sie da« Hotel mit ihrem ganzen umfangreichen Gepäck. Die deutschen Detektive verfolgten ihre Spur. Alr sie versuchten, sich nach einer bestimmten Stadt in Westungarn zu begeben, wurden sie von den ungarischen Behörden mit der Begründung daran verhindert, die Deut- schen hätten sich seiner Zett geweigert, den Kommunisten Cterhak auszuliefern, der bet Teilnahme an ber Ermordung TiszaS beschuldigt worden war. Erst nach längerem Bemühungen wurde ba8 Verbot aufgehoben. Jn- p^schen waren kostbare Tage vergangen, und He Deutschen mußten unverrichteter Sache wieder abreisen.
Marburg grtitai, btn 17. Februar
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Ter N»z«tge»»rels beträgt für bte 9 gefp. Zette ober deren Raum 60 X5fg. für be« Millimeter, amtllibe unb ausmärtiae 80 Pfg. Ändere Spaltenbreite» »ach entiprechender Berechnung. Spät einlaufenhe ober ben Raum über */, Seite einnehmende Anzeigen nnb wir berechtigt, nach ber Tertbaltenbreite zu fegen und zu berechnen. Sogen. Rettamen berechnen wir bte Tol.-Zeile mit 6.00 Mk. Jeder Rabatt ailt als Barradatt. Lei Auskunft durch die ttieichäftsitelle und Vermittlung der Angebote 1 Mk. Sondergebüdr.
9lt wrlOmilt« nofnatutn.
Berlin, 16. Febr. In der Beamtenschaft herrscht ebenso wie im Privatpublikum vielfach noch Unklarheit über bte disziplinarischen Maßnahmen, bie nach den Richtlinien deS Reichskabinetts anläßlich deS Beamten- ausstands zn treffen sind. Nach diesen Richtlinien dürfen nur solche Beamte aus Anlaß deS Ausstands entlassen wecken, die Urheber des Ausstands waren, Sabotage oder gewalstame Eingriffe verübt oder andere Beamt« durch Gewalt ober Drohung mit Gewa't in der Erfüllung ihrer Dienstpflicht behindetten. G'g n unkündbare Beamte, die fotöer HaMungen besihuld gt sind, ist im Wege des förmlichen Disz'plinarversahrenS vorzWchen. Mit der Einlettung diese? Verfahrens wecken die in Frage kommenden Beamten vom Dienste enthoben. Stellt sich bei der Unter'uchung heran? daß der obenerwähnte Tatbestand nicht zuttifst,, L? Wick das Verfahren eingestellt. Bei kündbaren amten tritt an Stelle der Einleitung des Disziplinarverfahrens di« sofortige Entlassung. Sfellt sich die Entlassung als nach den Grundsätzen nickt gercchtsettigl heraus, so wird sie durch die Stelle, di« sie aussprach, zurückgenommen. Gegen Bkamte, die durch Wort oder Tat zum Ausbruch oder zur Fort- setzung des Ausstands aussockerten und gegen solche Beamte von denen infolge ihrer Stellung ein Eefon« ber"3 Verantwortlichkeitsgesühl erwartet toerben müßte, toerbr.; Ordnungsstrafen und zwar Warnungen oder
NMer Stlfclao.
Rede Dr. Ratbenaus.
Annahme des ReickSmietengefehrS in 2. Lesung.
171. Sitzung vom 16. Februar.
Erste Beratung deS Gesetzentwurfs über den deutsch« ckweizerischen Schiedsgerichts- und Bet» gleichsvertrag.
Minister deS Aeustere» Dr. Ratbenan benutzte MA ^stleaenbett sich dem Hause vorzustellen, bedauerte abet fick noch nickt ausführlich über fein Programm <ws- svrecken zu können: dafür sei der Zeitpunkt noch nicht gekommen. Der Entwurs scheine ihm ein gitteä Omen fßr die deutsche Zukunft zu sein. Er sei ei» Vertrag des "us-tt-ichenden Rechtes und eine neue Stellungnahme Deutschland? zu dem Gedanken deS Sckiedsgerickte«. and-rS al? die Stellungnahme Deutschland« zinn Sckickr- genchtsgedanken im Haag. ES gelte hier dem Reckt S- nedanken des Schiedsgerichtes zu kräftigen. Kaum einen Vertrag werde man finden, ber zwischen Völkern zur Vermeidung von Streitigkeiten abgeschlossen sei und der mit so vollkommener Nestlosigkeit alle möglichen Dik- koreuzei! voraussieht und beizulegen sucht. Für einen etwaigen Rechtsstreit sei ein Schiedsgericht vorgeseb-n, sür einen politischen Konflikt Sckiedsiustanzen. Er bofft, baß bald tocitrrc solcher Sckiedsaerickisverträge mit anderen Staaten abgeschlossen werden könnten. Solange nickt geeignete Sckiedsinstanzen bestehen, bei denen Volk sein Recht finden kann, werde eS Aufgabe ber SckickSverlrägc fein müssen, die Rechtsordnung der Welt zu sickern.
Aba Dr. Sckäckinq kDem l begrüßt das Gefetz als Vorsitzender der deutschen Gruppe der lnterv.rrlamen- torischen Union Während fick das alte Deutschland. (W* stützt auf die SckuO-n», "'r-nßens. Sckiedsaerichtsver- träp.-n gegenüber ablehnend verhielt, sehe das nrwf i'-uHtfiTnnb ein, daß die Macktsvrache zu keinem autni Ende führe. Dieser Geist beherrsch- de» vorliegenden, Vertrag und wolle gleichzeitig ein Bindemittel zwischen dem deutschen und dem schweizerischen Volke sein. TXt Redner tritt drin für die Ausbreitung dieses Geistes auf den beutfd>rn Universitäten ein und für »ie Verbrenn ung aller KriegSschriflen. (Beifall linkS, Ruft rechts: „Sagen Sie das den Franzosen!") Ter Friede von Versailles muß wieder aufze- boben werden. Das wollen wir aber nicht erreichen, indem wir in unserer Jugend den Revanchegedankerr großzicbc». sondern in der Ueberzeugung, daß da« Rech« au? die Dauer dock über das Unredit siegt. Dieser Vertrag eröffnet eine neue Aera der internationalen Beziechu»- gen. Der Reichstag sollte ihm einmütig zustimmen.
Abg. Dr. Kahl (D. Vpt.) spricht ebenfalls seine Genugtuung über den Vertrag an«, der als etter dazu bestimmt sei, die internationalen Beziehungen in freunlx fchaftlicke Bahnen zu bringen. Der Redner polemtt'erk tzgnn gegen den Abg Sckücking. der die geistigen Grund- kräfte verkenne, ans denen die Entwicklung be« alben Deutschland aufgebaut war. Auch wir wollen Streitig» keiten durch Verträge au8 der Welt schaffen, können aber nicht glauben, daß bas erreicht werden kann. Da« sind
Illusionen der Pazifisten.
die gegenüber ben Realitäten der Weltgeschichte in ea NicktS zerfallen. Inzwischen ist Oberschlesien «• schehen mit tausend Rechtsverdrehungen. Teilen ®e (zu dem Abg. Schücking gewendet) Ihr« Ideen ben# ienigen mit, bei denen sie besser angebracht fink,
Abg. Dr. Schreiber (Z.): Wir betrachten Vertrag al» einen anßewtdentlichen Gewinn. In de« Gedanken des Völkerbundes liegt etwa» Große« tu# Christliches.
Abg. Breit scheid (Unabh.) stimmt dem Vertrag «<, bebt aber hervor, daß unter Umständen solche Verträge weiter nickt« als Papirrsetzen seien.
Abg. Frölich (Komm.) hätt den Vertrag für eim Satyre auf die ganze romantische FriedenSid«, nur darauf berechnet, den Massen vorzutäufchen. daß wir dm Regierung hätten, die ben Weltfrieden tatsächlich wette*
Darauf wird der Vertrag in allen drri Lesungen «in- stimmig angenommen.
Nack Annahme de« Vertrage» zwischen Deutschlmck und Oesterreich hinsichtlich der Kriegsbeschädigten mG Kriegshinterbliebenen wird bte
Beratung de» Reichsmietengesetze» fortgesetzt. Auf rine nochmalige Anfrage de» Abg, Bazille (Dentschn.) erttärt Ministerialrat Dr. Ritter: Der Rrichsrat war nicht ber Auffassung, daß bte Vorlage grundsätzlich der Berfaffung widerspreche.
Damit schließt bte Beratung, und e» kommt zur Abstimmung über die einzelnen Paragraphen, die zunichj im Wege de» Hammelsprung» angenommen werden.
Zu §2 wird ein Aterag Winnefeld (D. Vpt.)angenommen, bei auch ben Wünschen der KoalitionSvav- teien entspricht und besagt, daß eint Erhöhung der Mirie nicht gerechtfertigt ist. wenn da» Angebot von Räumen am 1. Juli 1914 die Nachfrage Überstieg.
Der Rest deS Gesetzentwurf» Wick in der AnSschuß- faffung mit dingen mdst redaktionellen Aenderungru i a- genommen. Da» Gesetz tritt am 1.Juli 1922 u
In einer Entschkteßung Wick gefordert, daß die Rrich». regterung bi» 1. April 1923 einen Gesetzentwurf Über Aenderung ober Aufhebung be» Rachsmid-gricre» votzulegen bat
Damit ist die zweite Lesung beendet Morgen tmckm. 2 Uhr: Abgabe zur Förderung be» Wohnungsbaues cr>; Interpellation betreffend Paßerlrichterungen im mit Oesterreich.
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