Akvritches Vertündigungsbkatt des Kreises Maromg. >
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
Die „Cberhemithe Seitum" erickeint sechsmal wöcheEch. — B«M,svrels ewiatitdi ohne Zustellung 8.50 Mk„ burtb die Post 9.50 Mk. Mr aussallen»« Rum morn infolge EtreHs oder elementarer TreigniNe kein Eüa?. — Teetog von Dr. C. Hitzeroth. — Druck der Univ^Bmbdruckerei von Job. Aua. Ko». Markt 2123 — Fernsprecher 55, Pokts»eckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. M-in.
Marburg
Mittlvsch. heu 15. Februar Horm««.
57.3M 1922
Der An,etgenvrei, beträgt für die 9gesp. Zeile oder deren Raum 80 Pfg. für den Milli- meter amtliche und auamärtiae 80 Pfg. Andere Svaltenbreiteu nach entsprechender Berechnung Svät einlaufende oder den Raum übet */? Sette einnehmende Anzeigen und wir berechtigt, nach der Tertsvaltenbreite ,u setzen und zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Lol.-Zetle mit 6.00 Mk. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Auskunft durch die GeichSftsstelle und Vermittlung der Angebote 1 Mk. Eondergebübr.
Die
Sie Sollt!« -er Setflüei Mnelel
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je 10 Pfg. Ueberteuerungszufchuß für die Stunde i einen jährlichen Beihilfeubetraz von 2L0 Mark, g
«oSkan, 14. Fedr. Im (Gouvernement Saratow) ist die
Derdatsck>ewer Kreitz t>ungerrataftiopt)e be* Strohdächer, Hund«,
MrtschafLsbeihilfen für Beamte.
Berlin, 14. Febr. Im Reichsfinanzministerium trmibc unter dem Vorsitze des Ministerialdirekiors b.. Schlichen eine Besprechung mit den Spihenorganisa- tionen der Beamten Wer die Einsirhrung von Wirt-
gültige Haltung von dem Ausgang der 2. Lesung ab« hängig.
-Darauf wird die Weiterberatung auf morgen nachm. 2Uhr vertagt. Außechem Abstimmung über das Vertraue nsdotnm brzw. die Mißtrauensvoten für die Regierung.
regierung Wert auf eine möglichst' rasche Durch« ühnmg der Auszahlung der Wirtschaftsbeihilfen lege und ihrerseits alles Erforderliche dazu tun werde. Für die Angestellten wird eine entsprechende Regelung getroffen werden. ' i \
PllnMtt Soohtfll.
9 7. Sitzung vom 14. Februar. x* -
Präsident Seinert eröffnet die Sitzung mit der Mitteilung, daß der Aeltestenrat beschlossen hat, die aus den Eisenbahnerausstand bezüglichen kvmmunisiischeu Anträge von der Tagesordnung abzusetzen. Gegen den Widerspruch des Abg. Dr. Meyer (Komm.) beschließt das Haus nach dem Vorschlag des Aeltestenrats.
Abg. Schul» -Neukölln (Komm. )verliest eine kleine Anfrage, die sich gegen die Auslieferung der angeblichen Mörder des spanischen Ministerpräsidenten Dato richtet.
An Negierungsvertreter erklärt, eine abschließende Antwort auf die Anfrage sei noch nicht möglich, weil noch weitere Ermittelungen notwendig seien. (Die Kommrch nisten rufen laut: Ist das alles?)
Der Gesetzentwurf über die Bereinigung von Phr* ment mit Preußen wird hierauf in zweiter Beratung angenommen.
Es folgt die gemeinsame Beraiuu« von Anträgen und und großen Anfragen, die sich mit der
Finanznot der Gemeinden
und der Erschließung neuer kommunaler Steuerquellen beschäftigen.
Abg. Hirsch (Soz.) begründet dir große Anfrage der Äzialdemokraten, die dafür eintritt, daß dir Gemeinden den ihnen zustehenden Anteil aus der Reichs- «nkommensteuer sofort erhalten, und daß durch eine Aeuderung des Kommunalabgabengefetzez den Gemeinden b«e Erschließung neuer SteuerqueLen ermöglicht wird.
Abg. Sprenger (Ztr.) begründet einen Zentrnms- ankag. der eine Einwirkung auf die Reichsregiernng itt > dem Sinne verlangt, daß bei der Beratung der Reichst» steuergesetze den finanziellen Lebensnotwendigkeiteil der Gemeinden Rechnung getragen werde. Die Hauptlast der Kriegswirtschaft hätten die Gemeinden tragen müssen. Wenn den Gemeirchen nicht neue Einnahmequellen erschlossen würden, dann sei eine Katastrophe der Gemeindefinanzen unvermeidlich.
Abg. Martell (Deutschn.) führt die Finanznot der Gemeinden ans die Erzbergersche Finanz- re form iurürf. Die heutige Reichseinkommensteuer ist bereits ein Eingriff in die Vermögenssubstauz. Es genügt aber nicht, daß alle Parteien jetzt die Not der Gemeinden erkennen. Wir müssen den Mut haben, sie gemeinsam abzuwenden. Die neue Städteordmmg müsse schleunigst vvrgelegt werden. Die Steuer aus dem Grundvermögen müsse den Gemeinden zugute kommen Tann müsse aber dem Grundbesitz volle Freiheit gewährt werden *
Die Weiterberatung wird um V-6 Uhr aus morgen 12 Uhr vertagt.
(gesetzlichen Charakter der Wohnungsmieie festlegen, gegebenenfalls mit Hilfe des Mieteinigungsamte?
Miete soll bestehen aus Grnndmiete (Friedensmiete vom _1_ Juli 1914) sowie Zuschlägen für Betriebs- und Verwaltungskosten sowie für laufende Jnstandsetzungs- ur&eiten. Außerdem sollen Zuschläge erhoben werden für die sogenannten großen Jnstandsehungsarbeiten. Die Bestimmungen im einzelnen hat die oberste Landesbehörde »u treffen, die auch anordnen kann, daß die Vermieter Beträge der Zuschläge für große Justandsetzungsarbeiteu Übernehmern Bei der Festsetzung der Zuschläge sind auch die Organisationen der Mieter und Vermieter zu hören. Der Entwurf legalisiert auch die Mieter vertre-
sonders groß. Alle Vorräte,
Katz« und Ratten stnd längst autarzeyn. 6» «n^rnU
währt werden sollen. Nachdem noch eine Reihe weiterer technischer Einzelsragen besprochen worden war, hat der Vorsitzende namens des Reichsministers der Finanzen die Versicherung abGcgelen, daß die LIrichs-
SkMkk
; 2. Lesung des ReichsmietentzesetzeS.
f 169. Sitzung vom 14. Februar.
l Präsident Löbe widmet dem verstorbenen Abge- tzeordneten Konrad Haußmann (Dem.) einen herz- Lchen Nachruf, gedenkt der Tätige» des Verstorbenen tzlS Vizepräsidenten der verfassunggebenden Nationalversammlung und seiner 30jährigen Tätigkeit als Mitglied des Reichstags. Vizepräsident Dr. Rießer habe es Wbernommen, einen Kranz an seiner Bahre niederzulegen. < Das Haus tritt in die TageSorduung ein und erled'gt eine Reihe kleiner Anfragen. Abg. Wulle stellte das Einreiseverbot für die notleidenden Wolgadeutich-n der ikatsache gegenüber, daß Ostjuden und lästige Ausländer <n Tausenden in Deutschland Zutritt und Wohnung erhalten hätten. Abg. Dr. S t r a t h m a n n regte ein Verbot des Verkaufes deutscher Eier an Sikörsabriken an. INbg. Budjuhn erzielte Klarstellung darüber, daß bie früheren Reichsbekleidungsämter in Form von Aktiengesellschaften wieder aufleben sollen. Das Schatzmim- Jtetium ließ indessen die Möglichkeit einer Konkurrenz Hegen das Kleingewerbe in Abrede stellen. Abg. L a»er- renz nagelte das Reichswirtschastsministrrium daraus fest, daß dort ein erst seit Juli 1919 tätiger Dr. Adolf Löwe zum Regierungsrat ernannt fei. Unter Gelächter her rechten Seite des Hauses wurde von der Regierung erwidert, diese Arbeitskraft hätte dem Amte erhalten werben müssen. Bemerkenswert ist weiter eine Erklärung der Regierung, daß eine Festlandverbindung mit her Jniel Sylt sich int Stadium der Vorarbeiten befindet.
Es folgt die zweite Beratung des
i Reichsmietengesetzes.
Dje Deutschnationalen beantragen, den ganzen Gesetzentwurf abzt tehnen.
Ministerialdirektor Ritter: Das Gesetz will den
---♦-
Die Kornkammer Cursm.
Einen sehr interessanten Aufsatz über dieses enthielt kürzlich die „Nowoie Wremja" (Belgrad). ES heißt darin:
Die Karte zeigt uns, daß es gerade die fruchtbarsten Gegerchen Rußlands si-cd, die der Hunger besonders erfaßt hat: die WolgaÜezirke. Die anliegenden hatten eine unbefriedigende, die westlichen eine mittlere Ernte. Diese geographische Lage der Hungervcrbreitung ist von ungeheurem Einfluß, denn wenn die Hungergebiete im Westen ■ liegen würden, so wäre die Lebensmittelzusuhc noch zu ' ermöglichen. Aber an die Wolga bei der heutigen Lage i Rußlands Brot zu schaffen, ist eine nicht zu bewältigende ; Aufgabe. Wenn früher der Staat als Bekämpfet des Hangers auftrat mit seinem ganzen administrativen Apparat, mit feinen großen Geld- und Lebensrnittel- । reserven, mit feinen funktionierenden Eisenbahnen, wenn!, ihn die Landschastsorganisationen dabei unterstützten, was geht dann heute vor sich, wenn die „Regierung" selbst < zvnisch erklärt, der Tod sei die Rettung vor dem Hunger? ; Die Sowjetregierung kann aus den westlichen Bezirken > kein Brot nach dem Osten schaffen, allein schon auS dem ■ Grunde, weil die Reserven minimal sind und weil eS \ an Lokomotiven fehlt, eventuell verfügbare Lebensrnittel * zu transportieren. Und wo sind die flüssigen Gelder, um ! Brat, wenn nicht im eigenen Lande, so doch im AuSlande; anzukaufen? In der Staatskaüe beftuhen sich 75 bis, 100 Millionen Goldrubel und über zwei Billionen verschiedener Tarkehusscheine. Es ist nicht schwer, die Kaufkraft dieses Papierrubels festzustelleu, tvenn man weiß, daß z. B. in der Krim ein Pfund Brot 18 000 Rubel wstet. An der Wolga hiingern rund 30 Millionen Men- . scheu. Um diesen Unglücklichen täglich auch nur ein Pfund Brot zu geben, muß der Staat täglich 510 Milliarden oder monatlich 16 Billionen Rubel drucken! Versteht man nun, warum Herr Mazim Gorki Sowjetrußland den Rücken kehrte und die Moskauer Regierung sich mit der Zosung beruhigte, daß der Tod der Erretter vom Hunger sei? Werden die Herren auf der Konferenz in Genua sich auch mit dieser Frage befassen oder nur über die Art und Weise verbandeln, wie Naphto, Wa8> und Gold anS Rußland «uSzuführen seien? -
bftt, daß sie entweder für einen etwas abgeänderten Vertranensantrag zu haben sein oder sich der Abstimmung enthalten werden. So sagt die „Boss. Ztg." eine Mehrheit von 50—60 Stimmen für das Kabinett Wirth voraus, während das „Berl. Tageblatt eine Entscheidung gegen das Kabinett Wirth in den Bereich der Mög- '-'chkeit ziebt und der „Vorwärts" den „härtesten Ab- st-'mmnngskamvf" voraussieht. Die „Voss. Ztg." glaubt, M die Deutsche Volksvartei es sich werbe überlegen müssen, ob sie ihren Mißtrauensantrag gegen Dr. Wicth rufrechterhalten wolle, do sie nach wie vor die „große Koalition" erstrebe und sich einen Einfluß auf die Ausführung des Steuerhompromisies werde sichern wollen Die Haltung der Deutschen Volkspartei wird aber, der parteiamtlichen „Nationallib. Korresp." und der Partei- vresse zuiolge, keine Aendernng erfahren, was ja nach der Festlegung durch den ausgesprochenen Mißtrauens- antrag kaum denkbar wäre. Die „Nationallib. Korresp." kennzeichnet die Haltung der Deutschen Bolkspartei wie wlgt:
„Nach der ersten Rede des Reichskanzlers über den Be- -»mtenstreik hätte sich die Fraktion an einem aktiven •Ergeben gegen ihn nicht beteiligt. Nach der zweit -n Rede jedoch, die die erste völlig aus den Kopf gestellt Mtte. konnte es gar keine andere Wahl, geben, als ein Misstrauensvotum, nicht gegen die Regierung, \onb“rn vgen die Persou des Reichskanzlers eintnbringen. Dieter Beschluß ist mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Mehrheit gefaßt worden (nach der „Zeit" gegen 2 Stimmen), woraus erhellt, daß von einer Spaltung ober von inem Kampf zweier Flügel gezeneinander sicherlich mcht gesprochen werden kann. Die Fraktion wird bei ihrem Antrag beharren und am Mittwoch geschlossen gegen das Vertrauensvotum und für ihr eigenes Mißtrauens- rstunt stimmen. Was nun die Frage der großen Koalition anbetrisst, so kann mit aller Deutlichkeit und Besti'nmthei't gesagt werden, daß die Deutsche Volks- kvrtei das Zustandetoinmen der Koalition gewünscht und befürwortet hat. Sie ist bercü gewesen, in die Re- -rieritng einziitreten und war in jeder Beziehung dafür ---rüstet. Mcht die Deutsche Volkspartri bat dir große Koalition zertrümmert, sondern der Herr Reichskanzler durch sein, gelinde gesagt, unaufrichtiges Verba lten. Er hat den Vertretern der Deutschen Volks- ’><rtei von seiner Absicht. Herrn Dr. Rathenau zum Minister des Auswärtigen zu ernennen, Kenntnis ge- vben und ist von ihnen dreimal ersucht worden, mit der Ernennung wenige Tage bis zur Umbildung des Kibi- netts zu warten. Der Herr R-ichskanzler hot den Vertretern der Deutschen Volkspartei an dem entscheidenden Nachmittage erklärt, Herr Dr. Walter Raikwnau bestände auf seiner sofortigen Ernennung, die bis tum andern Tage mittags 12 Uhr vollzogen sein müsse, wenn man überhaupt ans ihn rechnen wolle: er — bet Reichskanzler — sei also in eine Zwangslage verseht und müsie die Erkennung sofort vollziehen. Zu derselben Stunde, da die Erklärung abgegeben wurde, bat Dr. Rathenau einem vertrauten Freunde und Amisgenossen in der Industrie mitgeteilt, er habe große Bedenken gegen die Aussicht, Minister des Auswärtigen zu werden und müsse es sich noch reichlich Überlegen, ob er imstande fein werde, das Amt anzunehmen. Eine halbe Stunde darauf erhielt er zu seinem grenzenlosen Erstaunen die voll» ivgeue Ernennung mit der Mitteilung, daß sie bereits der Oessentlichkeit bekannt gegeben fei und Bedenken nicht mehr geltend gemacht werden könnten Herr Dr. Rathenau bat feiner eigenen Angabe nach den Reichskanzler vier Tage vor seiner Ernennung nicht gesehen und gesprochen. Ferner wußte der Herr Reichskanzler, als er noch mit den Führern bet Deutschen Bolksvart« über die große Koalition verbandelte, daß die Mehrheitssozialisten nicht dazu bereit waten. Aus diesem ganzen Verhalten des Reichskanzlers geht mit »ollster Deutlichkeit hervor, daß er selbst durch allerlei Winkelzüge sein Möglichstes getan hat, die Vertreter Der Deutschen Bolkspartei direkt vor den Kops zu stoßen and das Zustandekommen bet Koalition zu verbin- : tiern. Wenn er offen bekannt hätte, daß er ein Gegner ' der großen Koalition sei, hätte man ihn als politischen
(Senner achten und bekämpfen können. Wer sich solcher Mittel bedient tote bet Herr Reichskanzler und wer an ■tnem Tage in öffentlicher Rede ungefähr das Gegenteil von dem sagt, waS et am Tage vorher ebenfalls in ösfentlichet Rede erklärt hat, ist nich t der Mann, mit , dem man zusammen fine Regierung bildet. Daher der Beschluß der Deutschen Volkspartei, ein Mißtrauensvotum gegen ihn persönlich einjubringen und gegen
sch astsbcihilfen für bie Beamten in Anlehnung an die den Arbeitern zu gewichtenden Ueberteuerungs- zuschüsse fortg setzt. Unter den Spitzeroroanisation n herrschte Uebereinstimmung bann, daß in den Orten, in denen die Arbeiter Ueberteuerunzszuschüsse erhnlten werden, den Beamten in engster Anlehnung an biee Zuschüsse Wirtschastsbeihilfen unter Umrechnung von
Willing ö?s MmmnnlnM?
Berlin, 15. Febr. Das Ergebnis der gestrige» Reichstagsfrakiionssitzungen kann dechin zu'ammenge- fußt werden, daß die Bemühungen um die Herstellung der aroßen Koalition gescheitert sind. Der „Zeit" zufolge kam die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei nach kurzer Beratung zu dem Ergebnis, daß vorläufig für die Deutsche Volkstzattei noch keine Möglichkeit b steht, zu den Fragen Stellung zu nehmen, die in den interfraktionellen Besprechungen aufgeworfen wurden. (Eintritt der Deutschen Bolkspartei in die Regienkr-gskoalition.) Sie war der Ansicht, daß es zunächst Sache der sozialdemokratischen Par'ff fein werde, sich über die Frage der großen Koalition zu entscheiden.
Die sozialdemokratische ReichSt-Usfrakeio« hat gistern folgen^n Beschluß gefaßt: 1. Die stizialdewo- kratische Reichstagssraktion wird bei der morginen Abstimmung alle ihre Stimmen für bie vom Reichskanzler angenommene Erklärung ch«ben. 9. Sie ist nicht in der Lage, zu dem Zwecke das Ergebnis dieser Abstimmung zu beeinslussen, irgendwelche Zu'agen 5"* züglick ihrer Beteiligung an der ^genannten geoß.n Koalition zu machen.
Der „Freiheit" zufolge hat die Fraktion der U. e. P. beschlossen, gegen bin Antrag zu stimmen: „Der Reichstag billigt bie Erklärunzen der Regierung". Sollte dem Reichstag von den RegierungSparwien ein anderer Antrag vorgelegt werden, dann wirs die Fioltion der U. S. P. erneut Swtlnng nehmen, und eS wird dabei Mr die Entsthrdung der Fraktion von Bedeutung sein, ob Garantien und Sch-rungeu gegen Maßregelungen der Beamten und Arbeiter «os Anlaß des Eiscnbahnercmsstands ,-gchen wechen. Um eS den Unabhängigen zu ermöglichen, stir ein Vertrauensvotum zu stimmen oder sich wenigstens der Stimme zu enthalten und so eine ausreichende Mehrheit sür die Regierung Wirth zu erzielen, wird den Wättern zufolge innerhalb der Regierungsparieien etwe vn, Heu Vertrauensantrag so abzuöudern, daß er sich nicht lediglich aus die RegieMngserklärung über den Eisen- bahnrrnusstand bezieht, sondern auf die gesamte, insbesondere aus bie äußere Politik der Regierung, die auch von den Unabhängigen gebilligt wird. Ein solches Vertrauensvotum wird solgendernraßen lauten: „Ter Reichstag spricht der Reichsregierung dar Vertrauen aus, drss-n sie nach Artikel 51 der «eichsversassung zu ihrer Amtsführung bedarf." Di- endgültige Fvrmu- lierung des Vertrauensantcages s»A heute Vormittag nach Verhandlungen mit den Rrgi«rungstzar«ien er- solgne.
Die Blätter fassen ihre Ausfühmna über bie inner- politische Lage dahin zusammen, daß sie eine ausreichende Mehrheit für das Kabinett Wirth für gesichert halten.
Laut „Boss. Ztg." wich man sich in der heutigen ReichStagssitzung nicht länglich auf die AdsRmmung bes^änken, sondern der Reichskauzier wich vor der Akstimmung das Wort ergreifen nnd dadnrch eine Aussprache ermAglichen. Das soll den ReUiecungs- parteier. die Möglichkeit geben, ihren ursprünglichen Antrag zurückzuziehen uwd durch einen neusormu- lierten zu ersetzen.
tun gen der einzelnen Häuser und sieht Mieteraus- schüsse vor. Das Gesetz soll am 1. April 1922 irr Kraft treten und zunächst 4 Jahre gelten. Ritter erklärt, eS handele sich bei dem Gesetz um eine Sicherstellung des Hausbesitzers,, ohne den Mieter unmäßig zu belasten, vnd wolle eine Mitte darstcllen zwischen Ztvangsbe- wirtfchaftuug des Hausbesitzes und der völlig freien Wirtschaft. Eine freie Mietzspreisbildung, die die Miete ins ttngemessene steigern würde, lehne die Regierung e b. Andererseits müßten aber auch die Vermieter mehr als bisher geschützt werden und in die Lage kommen, notwenlsige Reparaturen ausführen zu können.
•- Abg. Silberschmidt (Soz.) betont, daß dieses Gesetz keineswegs eine Sozialisierung des Hausbesitzes bedeute .vielmehr ein Schutz der Hausbesitzer fei. Wir stch-n dem Entwurf im allgemeinen jedoch shmpathisch gegenüber, jedoch müssen Kautelen geschaffen werden, damit dem Hausbesitzer auch nicht in verkappter Form Zuwendungen gegeben werden und eine Spekulation entfesselt wird.
Abg-. (Deutschn.) lehnt daS Gesetz ab,
weil es ein Ausnahmegesetz sei und derartige Kosten verursachen wurde, daß es an sich selber zerschellen müßte. Der Zweck des Gesetzes sei die Sozialisierung des Woh- dungsmarktes, zudem bedeute der Entwurf eine Ber- sasiungsändernng. Nur die freie Wirtschaft könne die Wohuungsnot steuern. Ter Gedanke des Gesetzes sei tzwar gut. die Durchführung aber unmöglich.
Abg. Schleck (Ztr.): Das Gesetz beruht auf wirtschaftlichem Zwang. Dem Verfall der Häuser müsse vor- gebengt werden, sonst würde ein großer Teil des Nationalvermögens gefährdet. Weite Kreise der Hausbesitzer sind schon verarmt und können große Jnstandsedungsarbetten überhaupt nicht ausführen lafsrn. Einen neuen großen keamtensiaud lehnen auch wir ab. Eine höhere Grund- etiik für newerbliche Betriebe erscheint durchaus gervcht- fertint ?aS Gesetz ist durchaus mittelsiaudsfreundlüh ' enb bat auch den Nebenzweck, daS Handwerk mehr als bisher zu beschästigeu. f
Nachdem Ministerialdirektor Dr. Ritter den Vor- teurr der Verfassungswidrigkeit mit dem Satz: „Eigentum verpflichtet!" zurückgewiesen hat, bemerkt Dr. Beyt hien j(D. V.), der Grund für dir Wohnungsnot sei darin tu suchen, daß während des Krieges und in der Nachkriegszeit rine Anlehnung der Mieten an die Geldentwertung künstlich verhindert worden sei. Mit einem allmählichen An- Passen der Mietsprcise wäre allen Seiten mehr gedient gewesen. Tie Grundmicte Müsse eine angemessene Verzinsung des im Hause angelegten Kapitals sowie eine an- sOemesfene Abschreibung enthalten. Werde diese Bestimmung nicht in das Gesetz ausgenommen, fo sei der Entwurf liir seine Partei unannehmbar.
• Abg. Kuhnt (U.): Nur die Sozialisierung des Haus- Desitzes kann die Wohnungsnot beheben. Der Redner begründet eine große Anzahl von Anträgen, wonach bei fitllen Instandsetzungen ein Einvernehmen zwischen Ver- fetetem und Mietern her gestellt werden muß und verengt weitere Maßnahmen zum Schutz der Mieter. Bisher Alben die Hausbesitzer alles in die Tasche gesteckt. Dem Müsse begegnet werdew Seine Partei mache ihre eud-
£eute Nachmittag wird sich das Schicksal deS SH6inett4 Wirth entscheiden. Der Reichskanzler hat vor einäger Zeit erklärt, wenn er falle, so fole das „in offener Feldschlacht" geschehen, d. h. in öffentlicher Reichstagssitzung. Alle Parteien werden gezwungen fein, Garbe zu bekennen, was auch durch Stimmenthaltung oder Fernleihen der Fall fein würde. Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten können, wenn sie vollzählig anwesend sind ,nur 220 Stimmen für ihren VcrtrauenSantrag aufbringen, würden also in der Minderheit bleiben. Man hofft nun stark auf die Mehrzahl her Stimmen der Bayerischen „ _ .
Bolkspartei und eine Umstimmung der Unabhäugigen da- em Vertrauensvotum zu fhmmtn.