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Vttrüiches VetÄndigungsblatt des Kreises Marburg.

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Anzeiger für (das früher kurheMche) Oberhessen

Jlr. 34

Tie „Dbeibelfüdie Zeitua ■ ' «rjcheint iedismal wöchentlich. — Bezugsvrei, monatlich ohne Zustellung 8.50 Mk, durch die Poll 9.50 Mk. Für ausfallend« Nummern infolge Streik» ooer elementarer Ereignisse teil Erlag. — Verlag von Dr. C. Hillerotd. — Druck der Untv^Buchdruckeret von Jod. »ug. Koch, Markt 2123 — Fernsprecher 55,

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Marburg

Donnerstag, hen 9. Mrm

Hornung.

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57.3M M

Die Lage in Indien.

Der Abbau des Ausstandes.

Hm die etootsontttitöL

Bon einem Berliner politischen Mitarbeiter wird tzgs geschrieben:

Der von der Reichsgewerkschaft deutscher Eifenbahn- jeamten und Anwärter angezettelte 8tu8flanb endete, toi.’ n enden mutzte, mit einem glatten Mißerfolg, weil einerseits der Ausstandsparole der Reichsgewerkschaft nicht einheitlich Folge geleistet wurde und weil andererseits Üt gesamte organisierte Arbeitnehmerschaft ganz abgesehen -on der öffentlichen Meinung dieses Unternehmen allge­mein verurteilte, vor allem aber deshalb, weil nichts geringeres als die Autorität deS Staate« auf hem Spiele stand.

Ein prinzipieller Kampf von allergrötzter Bedeutung War diesmal zu bestehen. So verschieden von den ein* leinen Parteiorganen die grundsätzliche Bedeutung d-s Ausstandes auch beurteilt wurde: In dem einen Punkte War man sich von der äußersten Rechten bis weit in die Linke hinein einig, daß der Staat sich selbst aufaeüen Würde, wenn seine Beamtenschaft das Streikrecht für sich beansprucht. Der „Vorwärts" formulierte diese „grund­sätzliche Frage von ungeheuerer Bedeutung" dahin: „Wenn die Beamten durch Streikdrohung und Streik ihr. Gehälter selber scstfctzen könnten, so wäre dies nichts anderes als das Ende des Staates und auch das Ende aller sozialistischen Bestrebungen." Und dasselbe Blatt stellte die unbedingte Forderung auf. daß aus diesem Konflikt die Reichsrechernng unter gar keinen Umständen al? Besiegte hervorgehen dürfe. Die demokratischen Presse­organe nahmen diese Aeußerung des „Vorwärts" auf vnd betonten, daß an derartiges Vorgehen der Beamten- fchast auch das Ende der demokratischen Republik bedeutm würde. Die „Voss. Zeitg." sagt: „ES handelt sich in Wirklichkeit nm die Frage, ob die Beamten das Streik­recht in der extremen Form ausüben dürfen." Sie erklärt weiter: „Von einer Kapitulation des Staates bcr den streikenden Beamten in irgendeiner Form kann »nd darf feine Rede sein. Denn dann wäre es nicht nur mit der Staatsautorität, sondern auch mit der wirtschaft* kchen und moralischen Lebensmöglichkeit des Staates zu Ende." Der demokratische Abgeordnete Pa ch nicke erklärte in einem Aufsatz, der Staat müßte in Liquidation treten, wenn die Beamten es jederzeit in der Spar.b hätten, durch Streik oder Streikdrobung sich selber die Gehälter sestzusetzen, die die Mtgemeinheit bezahlen solle. Denn auf eine derartige Selbstbestimmung der Gehälter liefe ein Streikrecht der Beamten und zumal in der Form, wie es die der Reichsgewerkschaft angehörenden Eisen­bahner fordern, hinaus. Und der sozialdemokratische Staatssekretär a. D. Dr. August Müller greift noch weiter, indem er ausspricht, daß „die grundsätzliche B> kufung der Angelegenheit im Verhalten der Reicks- xrwerkschast Deutscher Eisenbahnbeamter zu erblicken ist, «nd in ihrem Versuche, die schwere Not der Zeit als Pressionsmittel auszunntzcn."

Dieser Kampf um die. Staatsautorität und ihre Aner­kennung mußte einmal ausgesochten werden. Die Opfer, die jetzt vom Volke in seiner Gesamtheit, wie von jedem Einzelnen gebracht werden mußten, waren gewiß sehr schwer, sie sind aber doch nicht umsonst gewesen. Es stand an Laufe der letzten Tage viel schlimmer, als die meisten ahnen. Die Existenz des Reiches war in Gefahr. Demgegenüber erschienen die Erschütterungen, denen sich Unser innerpolitisches und parlamentarisches Leben gegen­über sah, noch wie ein Kinderspiel. Es handelte sich um «inen grvßangelegten Versuch der radikalen Elemente, durch festes Zupacken an die „Gurgel des Staates" «lles. was im Staatsorganismus irgendwie tätig ist. um* prreißen zu einer großen sozialen Umwälzung, der die politischen Folgen von größtem Ausmaße unmittelbar au1 km Fuße hätten folgen müffen. Die mißleiteten (Fifer* babnbeamten haben gar nicht erkannt, wie die Gäben hinter den Kulissen gesponnen wurden. Di- Basis ffir diese Neurevolution war in ganz raffinierter Berech- enng dadurch nach außen hin harmlos gestaltet worden baß diesmal die Beamtenschaft in den Bann dieser Um­wälzung gezogen werden sollte, um der Bewegung ein falbere« Aussehen geben zu können, als das bei "iner von den Arbeitern ausgehenden Aktion der Fall gewesen wäre. Die Taktik war ganz richtig. Die Reichsregierung selbst ist ja ihr zu einem Teile zum Opfer. gefallen. Sie hat die Bewegung von Anfang an viel optimistischer falb harmloser beurteilt, als sie dann in der Tat vertief.

Dem Gedanken der gewerkschaftlichen Disziplin und Autorität konnte nicht schlimmer Abbruch geschehen, als durch das Vorgehen der Reichsgewerkschaft, das von der Gesamtheit der Efewerkschastsverbände als ein Verbrechm em Volke gebrandmarkt worden ist. Die letzten Vor* tzänge müssen weittragende politische Folgen haben. Die Grage das Streikrechts der Beamten, mit der die Frage des Berufsbeamtentums überhaupt nach der grundsätzi- llchen Seite hin aufgervllt wird, muß entschieden werd:n. Sn den wichtigsten Beamten-Kitegorien wurde mit dem Gedanken eines Sympathie- ober Protest-Streiks und dergleichen gespielt. Daß etwas Derartiges überhaupt Möglich ist, daß überhaupt ein solcher Gedanke erwogen werden kann, ist unvereinbar mit der Stellung der Beamten zum Staate und zum Volksganzen.

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AioMA WdnmsiMe dr; MW;

Hebet 100 Millionen Mark Schäden an Lokomotiven.

Berlin, 8. Febr. Wie vom Reichsverkehrs­ministerium mitgeteilt wird, hat die Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnbeamten und Anwärter ihre Orts­gruppen telegraphisch angewiesen, den Ausstand ab­zubrechen und die Arbeit wieder aufzunehmen. Nach einer späteren Meldung des Reichsv rkehrSministeriumS, kehren die Beamten auf einigen Siesten nurzöger nd zurück, während sie auf anderen so zahlreich zum Dienst erscheinen, daß es große Schwierigkeiten macht, sie alle unterzubringen. Es dürfte bereits in den nächsten Tagen gelingen, den Personenverkehr bedeutend zu verstärken, wahrend die ordnungsmäßige Aufnahme des Gütcrzugverk.hrs noch eine Woche b.an'prucheu wich. Durch das plötzliche Verlassen der Lokomotiven bei Ausbruch des Ausstandes sind durch Frost wesentliche Teile zerstört worden. Der dadurch entstandene Schien wich auf mehr wie 100 Millionen Mark geschätzt.

Frankfurt a. M., 8. Fchr. Nack» dem Abend- bericht der Eisenbahndirektion hat tm Bezirk der Eiscn- 'ahudirekiion Frankfurt die Wicherausnahme des Dien- tzes im Laufe des heutigen Tages bei vielen Dienst, stellen bereits eingesetzt. Bei den Dienststellen in Groß. Frankfurt wich am Donnerstag Vormittag der Dienst im wesentlichen toieber ausgenommen werden.

Die Disziplinarverfahren.

Berlin, 9 Febr. Das „Berk. Tagebl." teftt die von der Reichsregierung gestern festgesetzten Richt, linicn mit, nach denen die Maßregelungen der aus- ständigen Eisenbahnbeamten erfolgen soll. Danach wird dar ordentliche Disziplinär» er fahren eingcleiiet gegen Beamte, die a) Urheber des Aus­standes sind, 6) soweit sie Sabotage vollsührt Huben und andere Beamte durch Drohung oder Gewalt an ihren Dienstpflichten behindert haben. Soweit andere Beamten wegen des Ausstandes zur Verint. mcitunn gezogen werden, soll nur auf eine Ordnungs­strafe erkannt werden, sofern sie baldigst zur Erfüllung ihrer Dienstpflicht zurückkehren. Kündbare Beamten, die unter la oder lb fallen, sind zu e n t l a s s e n. Die nicht unter a und b fallenden kündbaren Beamten werden zur Beschäftigung wieder zugelasien, auch wenn sie entlassen worden sind. Die Ausstandstage toerben

Dritte AMw'ei'Mi»

Paris, 8. Febr. Ter Entschädigi-ngsausschüß teilt mit, daß Deutschland in ausländischen Devisen an die vom Garantioausschuß bezeichneten Banken eine dritte Zahlung von 31 Millionen Goldmark g^maß der Entscheidung,' die am 13. Januar in Ernnes getroffen lvurde, gezahlt hat.

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Die Konferenz von Genua.

Französischer Antrag auf Verschiebung um 3 Monate.

Paris, 8. Febr. Wie der „Petit Parisien" offi­ziös miteilt, hat die französische Regierung in einer Note an die englische Regierung gebeten, die Konferenz von Genna um mindestens 3 Monate zu verschie- ben und diese Zeit dazu zu benutzen, die unerläßlichen Vorarbeiten zu leisten. Schließlich soll in der Note noch gesagt fein, daß die verbündeten Mächte das Recht zum Einschreiten hoben müßten, wenn die Wiederherstellung einer militärischen Monarchie in Deutschland oder Ungarn erfolge.

London, 8. Febr. Der Berichterstatter der „Times" erfährt von gutunterrichteter ©eite, daß Poincare in einer Note an die britische und italienische Regierung über die Konferenz von Genna eine Zn. sammenkunft zwischen britischen, franmüschen und ita­lienischen Vertretern vorschlägt, bevor die Konferenz von Genua stattfinde. Eine solche Präliminarkonse- renz würde das geplante Programm von Genua in* einzelnen prüfen müssen, um die verbündeten Interessen gegen alle Sabotageversuche der russischen und deutschen Abordnung zu schützen und im Voraus eine gemeinsame Aktionslinie festzusetzen.

Abbruch 6ts Miet Wanbes.

Berlin, 8. Febr. Heute Nachmfttag zwischen 3 und 4 Uhr erschienen die AusstandSfeituno mit den Spitzenorganisationen dec statischen Arbeiterschaft bei dem Oberbürgermeister, nm von ihm die Erklärung zu verlangen, daß sämtliche Entlasiene wieder ein­zustellen seien, sobach sie dir Arbeft wieder aufnehmen. Der Oberbürgermeister erklärte jedoch, daß nur solche Kräfte eingestellt werden könnten, deren Arbeitsstellen noch n i ch t b e s e tz t seien. Ter Magistrat werde aber die Wichereingestellten um keine der vor der Entlassung erworbenen Rechte kürzen. Um S Uhr abends wurde bekannt, daß die AusstandSleitung besch ossen hab«, den Ausstand abznbrechen and die Arbeit wieder auf- zunchmen.

Die Folgen des Ausstande» in den Krankenhäusern.

Berlin, 7. Febr. Das deutsch« Rote Kreu^ der Vorstand der Aeritekommer für die Provinz Branden­burg und den Stadtkreis Berlin, der Großberliner Acrztebund und die Zahnärztliche Bereinigung Kroß- Berlin und der Provinz Brandenburg haben einen Auf- rus erlassen, in dem ans die Folgen der Aillegung des Eisenbahnverkehrs unh des Ausstands der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke für die Kranken und Schwachen hingewiesen und die Berliner Bevölkerung ersticht wird, die Organisierung der Technischen Not- Hilfe zn unterstützen.

Profesior Laug st ein, Direktor des Kaiserin Auguste Viktoriakrankenhanses zur Bekämpfung d-r Sänalrnossterblichk-it, richtete in seiner Eigenschaft als Vorsitzende der privat-gemeinnützigen Krankenanstal­ten ein Telegramm an den Berliner Magistrat, worin er auf die schweren Gefahren aufmerksam macht, in der sich die Patienten bet Krankenanstalten durch die Absperrung von Gas, Wasser und Elektrizität be- finden. UeberanS nottvendige Operationen, die wegen ihrer Dringlichkrft an die Minute gebunden sind, können nicht durchgesühet werden. Die Pflege der Cchwctkranken ist undurchführbar, und zahlreiche Patienten sind infolge des Mangel? an HilsSrnftteln gestorben; vor allem in den Entbindungsanstalten. Tie meisten Privatkrankenaustalten haben neun Zehntel ihrer Kranken entlassen müssen, weil es unmöglich 'st, ohne Wasser, GaS und Elektrizität den Dienst zu ver­richten.

ȟrgerabwebrausstaud.

Berlin, 7. Febr. Wie amtlich mltgetettt wird, wuMn in Marienburg und Allenstein Vorbereitungen für euren BürgerabwehrauSstand getroffen.

England.

Die englische Thronrede.

London, 7. Febr. Die Thronrede, mit, bet der König beute daS Parlament eröffnete, begrüßt die großen Ergebnisse der Washingtoner Konferenz, namentlich ba’ Viermächteabkommenn über den Stillen C?,ean, das bas malisch-japanische Bündnis ersetzt und das Abkommen be* treffend die Einschränkung bet Rüstungen. Die Thron­rede besagt weiter, das Problem der Sicherung der Ent- ^chädigungszahlungen durch Deutschland In einer ben all­gemeinen Interessen zuträglichsten We>fe beschäftige noch immer die verbündeten Regierungen. Ferner kündigt die Thronrede an. daß die Vorlage Ober die Ratifikation des Abkommens mit Irland, die den on den Unruhen in Irland beteiligten Personen Amnestie gewährt, dem Parlament zugeht.

Die Thronrede begrüßt die Vorkehrungen für den Zusammentritt einer internationalen Konferenz in 6femm. Tie Thronrede kündigt Vorschläge für die Refewm des Oberhauses und für die Beilegung der Diffe­renzen zwischen beiden Käufen» an. Unter den Gnetzes- norlagen, die eingebracht werden sollen, führt die Thron­rede eine solche betreffend die Schaffung einer internatio­nalen Handelskorvvration an.

«egen den englisch-sranzSstscheu Vertrag.

London, 8. Febr. Sim Unterhaus erfiarte Lord Robert Cecil, er fei durchaus gegen den Vorschlag etneS englisch-französtschen Vertrages gegen Deutsch­land. Man werde in Deutschland niemals eine friedliche Stimmung schaffen, toeim man es mit künf­tigen Kriegen bedrohe. Man werde Deutschland nur zum östlichen Bündnis treiben. Richtig sei, Deutsch­land in den KreiS der Weftmächte aufzunehmen und zwar fo bald wie möglich. Barnes ernärte unter Be­zugnahme auf den Vertrag mit Frankreich, er werde für keine Politik stimmen, die England in eine beson­dere Beziehung irgend welcher Art zu irgend einem europäischen Staat bringe. In dem Völkerbundsver­trag sei bereits die Unterstützung jedes Landes, das ungerechtfertigt angegriffen werde, vorgesehen.

8 o n b » n, 8. Febr. Aus Indien treffen sehr ernte Nachrichten ein. Die Lage beansprucht die größte Sütfr mertfamtett

WlöoWe Wtoten.

Nicht ohne Grund meldete bas stets gut unter­richtete „Berl. Tage bl." kurz vor der Konferenz von Cannes, daß jetzt zwischen Moskau und bem Westen „enger gespielt" würde. Die in diesem Spiel im voraus verteilten Karten sind von Frankreich burtbetnanberae* warfen worden, und die ebenfalls gut unterrichtete „Frank- ürter Zeitg." schrieb in etwas zu aufrichtiger Entrüstung, die Staatsmänner hätten in Cannes die Aufgaben nicht erfüllt, die man ihnen vorgeschrieben habe Ob nun Cannes gelungen wäre oder nicht, ist für Deutschland gleich: denn die Folgen des ZiisammenkrachS dieser Kon­ferenz haben doch wieder wir zn tragen.

Unter der Führung von Poiueare-Foch gibt sich Frank» reich den theoretischen Anschein deS unversöhnlichen Geg­ners der bolschewistischen Gewaltherrschaft Moskaus. Mein praktisch treffen sich beide auf dem Boden einer gemeinsamen Taktik in Deutschland. DaS Ziel Frank­reichs war, ist und bleibt nicht nur die Zertrümmerung, sondern die Entvölkerung Deutschlands. „TS gibt 20 Millionen Deutsche zuvfel auf der Welt", faate Cl6mencean in Versailler, und deren Vernichtung ist daS letzte und einzige Ziel aller französischen Poli­tik. Der Versailler Vertrag, die begünstigte Zerstückelung Deutschlands, die Unterstützung aller separatistischen Strö­mungen im Rheinland, in der Pfalz, in Oberschlesien stnd alfe« nur Etappen auf dem Wege zu diesem Ziele, bal Frankreich durch die Unterstützung der U. ®. D. und der Kommunisten endgültig zu erreichen hofft. Seit Poinear^ ist die französische Politik aktiver geworden. Deutschland fall in einen B ürgerkrieg gestürzt werden, wobei Frankreich üch selber durch künstlich gefchaffene, von Deutschland getrennte Randgebiete zu schützen versucht: bfe Boches sollen aneinander verbluten. Nicht umsonst droht die französische Presse seit den Tagen Poincar^l- Fach wiederum mit bet Besetzung des Ruhrgebiets, wobei gleichzeitig alle Vorbereitungen getroffen werden, um den Nest Oberschlesiens, der bei Deutschland verblieben ist, von den Polen besetzen zu lassen.

Tatsächlich ist auch Frankreich militärisch und pol'ck'fch in der Lage, sein Ziel zu erreichen. Eine längere Besetzung be6 Ruhrgebiets und Oberschlesiens mit der daraus folgenden Sperrung jeglicher Kohlenznsubr bat fraglos ben Zerfall Deutschlands — in Nord und Süd — und die Bolschewisierung des Nordens, von Berlin aus­gehend, zur Folge. Dabei hofft Frankreich seine in Washington erschütterte Stellung erneut, als Vorkämpfer -regen ben von ihm selber gezüchteten Bolschewismus zu verbessern, und die bertorengegongenen Sympathien Ame­rikas. aus Kosten Englands, neu zu erwerben

Tie „Reichseinheit" der heutigen demokratisch-sozial­demokratischen Kreise ist eine innerlich yohie Fassade fnun denke an Rai Henaus Worte, man könne alles erfüllen, c-» handle sich bloß darum, wie tief man das Volk in Not geraten lassen wolle), alle organisch aufbauenben Kräfte haben sich schon innerlich von der heutigen Leitung Deutschlands abgewandt.

Den Moskauer Gewalthabern kann das französische Svicl nur recht sein. Denn es unterliegt keinem Zweifel, daß sie die Führung im Norden, wozu ihnen ja von Deut­schen selbst alle Wege geebnet worden sind, übernehmen werden, ja, sie eigentlich schon jetzt haben. Unter der Losung eine« Kampfes gegen den westlichen Kapitalismus und gleichzeitig eine? nationalen Kampfes gegen den ver­haßten Erbfeind Frankreich wird es den Moskauer Ge­walthabern gelingen, die veuchiedensten Kräfte zu sam­meln und auf den Trümmern Dentichlands ifiten sadisti­schen Blutrmisch zu befriedigen. An den Grenzen wer­den verständnislose Massen Deutscher unter französischer oder bolschetorstiscket Kaufe gegeneinander gefchrl werden, und im Innern werden die Besten und den Betrug Er­kennenden allmählich aus dem Wege geräumt, wie _it Rußland, zu Tode gemartert werden.

Die örtlich begrenzten und stark beschränkten separa­tistischen Bestrebungen in Deutschland werden dabei, trotz möglicher zeitlicher Erfolge, zermürbt, zerrieben und vernichtet werden, was aber kurzsichtige Kirchturmpolitiker nicht einzufehen vermögen: die Bauern auf dem Schach­brett der heutigen Weltoolitik.

Der Untergang Deutschlands wäre aber der Untergang Europas, tu den vor allen Lingen England, daS <chuN fr-nte infolge seiner mnerpolüischen Schwierigkeiten dielen Bestrebungen nur einen äußerst schwachen Widerstand nt« gegen ttifetzen imstande ist, sehr bald mit hineingezogcn nrrsen wird.

Die britische Ostpolitik und die Zulassung der Zer­trümmerung Deutschlands wird auch das beute noch scheinbar so starke britische Weltreich auf fliegen 'affen. Aber wenn Deutschland fällt, wenn cs die Hälfte feiner Bevölkerung einbüßen sollte (dieses Schicksal 'at das russische Volk eben zu durchleben), so ist seine Be­völkerung noch immer kompakt. Löst sich aber der britisch« Weltstaat aus, dann ist der britische Traum eines Welt­reiches endgültig ausgeträumt.

Nack dem „Fnedensichluß" geht das Würfeln nm btt Völkerfchicksale noch energischer — wenn auch verschwfego- ner — vor sich, als während des Krieges. W. P. A.

Heute ZujauMNIrltt der Reichstage;.

’ Berlin, 8. Febr. Die nächste Vollsitzung des Reichstages trurbe aus den 9. Februar nachmittags t Uhr angesetzt. Auf die Tagesordnung wird zunächst eine Erklärung der Regierung über die Aussraiids-

Poincares Politik.

Paris, 8. Febr. Im Heeres- und UnanzauS- schutz der Kammer sagte Poincare: Ich habe weder die Absicht noch den Wunsch zu Zwangsmaßnahmen zu schreiten. Aber man darf nicht vergessen, daß gcwiste Artikel des Vertrages von Versailles Frankreich das flghrn hi^> lyrtftftnnn feiner Nllvte M sichern.

Curzon Segen die militärischen Bündnisse.

London, 8. Febr. Im Obe' hause erklärte Lord Curzon, es sei fein Bestreben, aus dem Stadium der militärischen Bündnisse beranszukommen. durch die Europa in beselligte Lager geteilt würde, was den Stieben der Wett mehr bedroht aj- gefichert tznvck.

Keine MobiltsierungsplSne für einen neuen Putscht Von zuständiger Seile wird mitc.cteUt, daß die V«t> richt, wonach bei dem verhasteien Kommunisten Plä» ner Mobilifationsvtäne für einen mitteldeutsches Ptus^zmigejunven worden jete«, unwahr ist»

nicht bezahlt.