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Ärmliches Vertundigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhesiischej Oberhessen

Kr. 28

TteDbttbelhKbe Zrltun etldieint fed>smol mötbentUdu $e<<gsoteie monatlich ebne Zustellung 8.50 ii't, bat* die !<oft 9.50 Ml. Kit auifeUenbe Rummern infolge Streits oder elementarer Treignille lein Erwy. Verleg von Ti. L. Hltzerotd. Druck der Untv^Buchdrniterei von Jod. lun. Koch, War'* 21 2S Fernsprecher 55, Vnftit-erflento: Nr. 5015 »mt Frankfurt a. Mai».

Marburg

Sonnerstao, den 2. FeSrnm

Hornung.

Ter «u-eigenvret, beträgt für die S ae|p. Zeile ober deren Vaum 80 Psg. für den Milli­meter, amtliche and ausroärtiae 80 Psg. Ändere Spaltenbreite« nach eetfpre*enber Berechnung. Spät einlaufenbe ober den Raum über */, Sette etnnebmenbe fln» »eigen sind mir berechtigt nach bet Tertspaltenbreite ,u legen unb zn berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Lol.-Zeile mit 6.00 Ml. Jeher Rabatt gilt al, Varrabatt. Bet Auskunft bar* die Cnei*äftsneQe and Vermittlung der Ange­bote 1 Mk. Sonbergebübt.

57. W 1922

MlWkN cdn Steil?

Die englische Regierung läßt von London aus bi? Nachricht verbreiten, sie werd« dem Parlament Vorschlägen, bas Protektorat über Aegvvten aufzuheben und dessen Unabhängigkeit anzuerkennen. wenn einige Bor- Aussetzungen erfüllt seien. Diele Meldung ift echt englisch. Damit wich überall der Eindruck erweckt, dass. England das SelbslbesLmmungsrecht der Völker acht? und dem vielbedrückten Land Aegypten die geraubte Selb- stöndigkeit selbstlos zurückgäbe. Diese Maßregel ist aus die europäischen Völker sowohl wie aus die Aegypter berechnet und zeigt abermals, mit wie großem p'vcbo- logischem Verständnis di« Engländer vorzuqeheu wissen. Diel« Anerkennung der Unabhängigkeit Aegyptens hat Nämlich einen großen Stofen, und der liegt in den gleichzeitig bekannt gegebenen Bedinoungen oder Voraussetzungen.

Der Suezkanal ist der kürzeste Weg nach Indien, nnd er gehört zn Aegypten. Dadurch ist daS Land mit seiner Wasserstraße von gewalligei BedeuN'ng für Has britische Weltreich geworden. Früher, seit den Tagen Napoleons, hatten dort die Frnnzoft» die Ober­hand, und ihr Lesseps hat den Suezkanal erbaut; die feierlich« Einweihung durch Mchemet Ali Paicka und Kaiserin Eugenie von Frankreich im Jahre 1868 war seinerzeit «in epochemachendes Ereigni«. Als den Eng­ländern die Wichtigkeit Aegyptens klar wurde, begannen sie sofort, die Franzosen zu verdrängen, und das ist ihnen dank ihrer kaufmännischen, politischen und diplo- watikchen Geschicklichkeit Schritt für Schritt gelungen. Die Krönung brachte der Weltkrieg durch die formelle Verkündung des Protektorats, das bis dahin zwar schon lange als Tatsache, nicht aber der Form nach kn-stand. Wenn jetzt die englische Regierung dfes'-n l-tzt?ren Schritt, lediglich der Form nach, zurücktut, so sind allrrding? gute Gründe dafür vorbanden. Tie nationalisti­sche Bewegung in Aegnpten ist wie in Indien so stark geworden, daß die Engländer für den Besten- ihrer Herrschaft fürchten und bestrebt sein müssen, die erregten Gemüter etwas zu beruhigen. Sie erhofi-n tvobl auch zugleich eine günstige Rückwirkung ans die Mvhamedaner Indiens selbst. Daß im Wesentücher an bet Herrschaft Englands über Aegypten nichts geändert wird und daß tatsächlich das britische Protek­torat über Aegypten bleibt, geht au« den Bedingungen hervor, die England für die Anerkennung der Lgnptiscken llnabhängigkeit stellt. Es müssen i^m, wie sich die Meldung aus London ausdrückt, die Reichsverbindungs­wege gesichert sein; b. h. also, die volle Beherrschung des Suezkanals, zu dessen Schutz dauernd eine britische Trnpvenmacht ausgestellt sein wird. Zweiten- bemal' sich England daS Recht und die Truppenmacht zum Schutz der Ausländer in Aegypten vor. namentlich aller aus­ländischen Organisationen und Geschäftsinteressen, b -h. allo vornehmlich ber englischen. Drittens übernimmt England den Schutz Aegyptens gegen jede Einmilchvn« von außen und gegen jeden Angriff- Bestenfalls erhält Aegypten damit eine Art von Autonomie für bit innere Benvaltung, btt aber eben durch den britischen Schutz ausländischer Interessen, worunter auch die Leitung des Gerichtswesens für Europäer zu verstehen ist, jtben Augenblick erheblich eingeschränkt werden kann. Di« Frag«, ob Wirklichkeit ober Schein, ist also bahin zu beantworten, daß Aegyptens Unabhängigkeit lchrinbir anerkannt, das britische Protektorat aber in Wirklich­keit aufrecht erhalten bleibt.

vkM« SeilM

1 18 8. Sitzung vom 1. Februar.

EisenbabnerauSstand reaktionäre Bestrebungen vor und greift insbesondere den Postminister ®ielbertS wegen icineS Verbotes von AuSstandStelegrammen an. Ebenso richtet der Redner schwere Borwürfe gegen den Rricbs- iustizminister und erllärt »um Schluß, der Haushalt ver- ichlneve die Tatsache, daß daS Reich vor beet Ban­krott stehe.

Ahg. Fröhlich (Komm.) gibt reiner Empörung darüber Ausdruck, daß bei kommunistischen Reden kein Regierungsvertreter im Saale fei und beklagt sich über ne Teilnabmlosigkeit der Abgeordneten. (ES sind nur 22 Abgeordnete im Saal.) DaS Großkapital wolle mit Hilfe der Denwkratie die absolute Mein Herrschaft im Staate an sich reißen.

Damit schließt die Aussprache. DaS HauS vertagt üch auf Dienstag, den 7. Februar, nachmittags 2 Uhr: Aitsragen, kleine Vorlagen-

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Die deutsche Note.

Poincar6 au die verbündeten Slegtetungen.

Paris, 1. Febr. (Havas.) Ministerpräsident Poincars hat gestern an die verbündeten Regie­rungen eine Note gerichtet, um sie um ihre Mei­nung übet das bezüglich der deutschen EntschSdi- gungsvorschläge zu befolgende Verfahren zu befra­gen. Er hat erklärt, daß die französische Regierung dafür fei, daß die Frage der Zahlungen und der von Frankreich zu fordernden Garantien von dem Srt schad'gungsausschuß geregelt werde. Bis jetzt ist in Paris noch keine Antwort eingetroffen.

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Die Konferenz von Genua.

Die Ahnet «ung Frankreichs.

London, 1. Febr. Reuter erfährt zu den ver­schiedenen Gerüchten über die Konfernz von Genna, daß, fowelt ble britischen und Italienischen Kreise un­terrichtet sind, eine Verschiebung nicht erwogen werde. Man erwarte zuversto "ick, d«tz die Konfernz von Genua tote ursprünglich teretafcart, am 8. März be­ginne.' Die Konferenz dauere crtter Wadrschetnllchkctt nach zwei ober drei Wochen. Man schätze, bah bte Zavl der Teilnehmer etwa 2000 beträgt. Die Länder wurden osftzlell elnaeladen, Missionen zu entsenden, nämlich alle europäischen Staaten (ausgenommen die Türkei) außerdem die Vereiniglen Staaten, Japan und die britischen Dominions. Von diesen Ländern haben alle endgültig angenommen, ausgenommen bte Vereinigten Staaten, beten Antwort erwartet werbe.

,Dally Ebronicle" berichtet, bah ble Antwort der Vereiniglen Staaten bestimmt ablehnend lauten werde. ES hänge jedoch sehr viel davon ab. In welcher Form die Weigerung erfolge. Wenn, tote wahrschein­lich, bas Staatsdepartement in feiner Antwort eine Darlegung seiner Haltung gegenüber den allgemeinen Problemen deS europäischen Wlederauf- bauS gebe, so rinne dal eine ebenso tiefe wie nützlich« Wirkung haben. Frankreich bilde eine Schivieriglett. PariS verheimliche seine Abneigung gegen die Konferenz von Genua nicht. ES fet in der Ebnung ber Wege bisher kein Fortschritt gemacht worden. Tie Franzosen seien allein auf einen Vertrag mit England auS und hegten die Ansicht, in allen anderen Fragen könnten sie eS sich leisten, unnachgledig zu fein, ba ihre Stellung unerschütterlich stark sei.

Paris, 1. Febr. Bis jetzt ist die V riagung ber Konferenz von Genua offiziell iwch nicht ins Auge gefaßt worben. Di« frgnzrs sche Regierung ist bmnit beschäftigt die Sachversiänb'gen zusammenzuberufen, die mit einer vorläuf-gen Prüfung M Programm! beauftragt werden sollen.

Auf der Tagesorbnung steht die 2. Beratung des Gesetzentwurfes über bie Entsendung von Bcrri-bsrats- Mitgliedern in den AusiichtSrat. Der korialpolblltoc Ausschuß bat der Regierungsvorlage mit unwesentlichen Aenderungen zugestimmt.

Abg. Lambach (D>natl.) tritt für btt Beteiligune ber Angestellten burch Slsnaktien bei den Aktiengriell- schäften ein.

Abg. Aufhäuser (U.S.) verwirft ba« System ber Kleinaktien, ba man hierdurch die Gegensätze zu den Kapitalisten nicht ansgleichen könne. Er beantragt, den Betriebsräten auch in den Vorstände» der Bergwerk- gesellschaften eine Vertretung zu verschaffen.

Ministerialdirektor Dr. Ritter betont, bie Vorlage solle ein Ausführungsgesetz zum Betriebsrätegrietz sein. Darum könne man in biefent Rahmen nicht bie Frage ber Kleinaktien regeln. Den Absicherungen an dem Gesetzentwürfe könne bie Regierung zusammen. Der Antrag Aufhäuser gehe aber toeit über de» Rahmen des BetriebSrätegesetzes hinaus.

Die Anträge Lambach und Aufhäuser werden a b g e - lehnt, dagegen ein Zentrnmsantrag angenommen, der die Regierungsvorlage in dem Punkte wiederherstelli. baß bie Wählbarkeit an eine minbesttns einjährige Be­schäftigung im Betriebe geknüpft wirb.

Auch in brittei Lesung totrb bte Vorlage in bieser Fällung angenommen.

Die allgemeine Aussprache über ben Haushall wird bann fortgesetzt.

Abg. Dr. Geyer (Komm. Arbeitsgem.) erllärt, ber Haushalt sei ber beste Beweis für das Vorherrsche des kapitalistischen Elementes in der Finanzverwcltuna Düs Schicksal des Steuerkompromisses ist noch un- gewiß: wir sind längst zu östrrreichifthen Zuständen gelangt. Statt ben Besitz zu belasten, legt man den breiten Massen wieder neue Steuern aus. Der Redner

Räte-Ruhland.

Deutsch-russischer Flugverkehr.

Die russische Regierung hat mit der Aero-Union A.-G. in Berlin die deutsch russische Luftverkehrsgesellschaft gegründet. Die Gesellschaft beabsichtigt, vom Früh­jahr d. IS. ab einen regelmStziaen Luftverkehr zwischen Deutschland und Rußlandein zurichten, zunächst auf der Strecke KönigsbergMoskau im Anschluß an den Ber­liner Nachlschnellzug und umgekehrt. Mitbearsinderin der Gesellschaft ist die Hambnrg-Amerika-Linie.

Dem Verdienste feine Krone.

Moskau. 1. Febr. (Fnnkfvruch.) Bela Kun nnd der deutfche Kommunist B r a n d l e r sind zu Ehrenmitgliedern der Moskauer Sowjets gewählt worden.

Raubüberkall.

B e u 16 e n, 1. Febr. Gestern wurde ein Beamter mit 325 000 M Lohngeldern auf dem Wege vom Zechen­haus nach bei Werkstatt Hohenzollernaruve von vier bewaffneten Banditen angefallen, die ihm das Geld raubten. Mehrere hundert Arbeiter eilten auf bie Kunde von dem Raube mit ihren Werkzeugen bewaff­net herbei und verfolgten die Räuber, die sich der Ver­folger durch Nevolverschüffe und Handgranaten zu er- webren suchten. Zwei Banditen wurden feftoenoptmen.

Generaldirektor Lob ist zum Reichskommistar zur AnSsnhrung von Wlederausbauarbciten in den zer­störten Gebieten und zum Präsidenten der ReichSrück- lleferungskomuiission ernannt worden.

Ter neue vcu Ische Gesandte in Kopenhagen v « n i r :i b e r a ist dort einaetroffen.

Der Eifenbahnbeamten-Ausstand.

Wonisoniot für Setntt.

Berlin, L Febr. Folgende Verordnung ist In Kraft getreten:

Aufgrund des Art. 48 Abs. 2 der Reichsverfafsung verordne ich zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit tat Reichsgebiet folgendes:

z L Den Beamten der Re chöbahn ebenso wie allen übrigen Beamten ist nach dem geltenden Beamtenrecht die Einstellung oder Verweigerung der ihnen obliegen, den Arbeit verboten. Wer die Beamten der Reichs- bafm zu der hiernach verbotenen Einstellung oder Ber- we.geruug der Arbeit auffordert oder anreizt, wird mit Gefängnis und Geldstrafe BIS 50 000 M, oder einer dieser Strafe bestraft. Ebenso wird bestraft, wer zur Durchführung der verbotenen Arbeitsniederlegung oder Verweigerung der Arbeit an Zugkräften. Fahr­zeugen, Maschinen, Vorräten oder fonftigen Anlagen oder Einrichtungen Handlungen vornimmt, durch die die ordnungsgemäße Fortsetzung des Betriebes de» Reichsbahn unmöglich erfchwert wird.

8 2. Wird durch unzulässige Einstellung oder Ver­weigerung der Arbeit der Betrieb der Reichsbahn ganz oder teilweise «illgelegt oder erschwert, so ift ber Neichsverkchrsminlfter berechtigt, ble Rolstands - arbeiten und die NoMandsveriorgung sichern, ebenso alle Maßnahmen, die zur Weiierwhrung deS Betriebe» geeignet sind.

8 3. Beamte. Angestellte oder Arbeiter, die im Be­triebe der Reichsbahn die Arbeit weiiersübren oder RotftgndSarbeiten oder Arbeiten zur Sithrrunfl der RotftandSversvrgung leisten, dürfen blef erhol» in keiner Weise wirtschaftlich benachteiligt werden. Wer zu einer solchen BennthtcUlininn nnfforbert oder an- »eizt. wird mit Gefängnis und Geldstrafe biS 50 000 M ober mit einer dieser Strafen bestraft.

(ge?.) Reickisvräsident Ebert. Rrlckskanzler Wirth. ReicksverkedrSminister Grüner.

In Ausführung ber Verordnung ordnete der Pollwipräsidcnt von Berlin folgende Maßnahmen an: Alle zur Durchführung der Ausstände bestimmten Gelder sind zu beschlagnahmen. Tle Druck- legung von Aufrufen, die Aufforderungen zum Aus­stand enthalten, ist zu Verbindern. Aufrufe zum Aus­stand sind zu beschlagnahmen. Personen, bte znm AuSstand ausfordern, ober sich nach 8 316 beS Strafge­setzbuches strafbar machen, sind festzunebmen. Der 8 316 bedroht mit fchtoerer «efängnis- und Geldstrafe die zur Leitung von @ficnbahnfabrten unb zur Aussicht k>ber die Bahnen und ben BesörbeningSbetrieb ange- ftellien Personen, wenn sie durch Vernachlässigung der ihnen obliegenden Pflichten bett Transport In Gefahr fetzen.

Ausruf« unb Warnungen

Frankfurt a. TU 1. Febr. Der Präsident der Rlfenbcbnblrcrtion Sronffurt a. M. erläßt an alle Eifenbahnbediensteten feines Veftrfs einen Aufruf, in dem er diese vor einem voreiligen Ausstand warnt, der für bas deutsche Volk den schwersten Schaden bringe. Er erkennt bte bedrängte Lage ber Angestell­ten an unb verspricht, baß ihnen geholfen werden fort. Größer fet jedoch bie Not des deutscken Volkes, unb eS muffe alles geschehen, solche nicht noch mehr durch unüberlegte Handlungen zu verstärken.

München, 1. Febr. Der Präsident ber Elsenbahn- btreffton München v. Dölcke erläßt an die Eisenbahner folgender Aufruf:

Elfenbahneri Gewisienlose Elemente suchen Euch, ungeachtet der etndrinoitchen Warnungen deS Reicks- verkebrsniintsterS, In ben Streik tu treiben. Labt Euck nicht verführen: Itzt würbet Euch und Eure Familien in namenloses Unglück stürzen! Tw Verwal- tanq irt entschlossen, geaen feben, der streikt, u n n a dj - sichtlich streng vortugeben. Wer arbeitet, wird mit allen Mitteln geschützt!

Berlin, 1. F-br. Der Hai vtvo»stai'b bet Ge­werkschaft deirtsckvr Eisenbahner u d S oats e.:inftrter lot eine Entschließung angenommen, der sich auch b:e Den i sch« V «rkehrsbeam 1 en - Gee -^rkschair »nd der Ver­band deutsch'« E'ftns abnwe sber ange^chtossen Haben, in der das Borg Hen der Reib getwr^aft als eine Narrenpolitik bizrichnet und gegen den allen gewerkschaftlichen Grund fönen wi'er prerfierb n A s standsbeschluß Protest-ert wird. Ti? Gewerkschaft Hab« infofgt des unbefriedigenden Ergebnisses ber letzten JanuarverHandlungm und der Notlage der Beamten und Ackeiter gemeinsam mit ihrer Spitzenorgan sa ion erneute Verhandlungen mit der Regi rung anqetnüpft, und diese seien heute zu einem vor äusigen Abschluß gekommen. Di« Ergebnisse seien die schnellste Aus­zahlung der Ueberteuerungszulagen an die B.-amtrn und Ar'«t r. die s for g Gewähr-ng etn~r Rangierzulage, die sosortige A Szahlung tefl- ficher diätarischer Bezüge usw. Angesichts der sehr ernsten Sage des deutschen Volkes und der b-vrr- stehenden Konferenz von Genua,' van der Deutschland eine wesentlich« Erleichterung seiner Sage erho'fr. lehne der große Vorstand der G.-wertschast den Ausstand der Reichsgewerkfchaft ab urb fordere jedes Mi g ied aus, noch wie vor feinen Dienst aus:uüben. Wer dabei seinen misstäudigen Kollcgm nicht in den Rücken sollen wolle, möge bedenken, daß das Fahren von lebensnotwendigen Zügen feine ShrifarLeit sei.

Stuttgart, 1. Febr. Der Vorstand des Landes­verbandes Württemberg der Reichsgewcrffchaft beut» eher Eisenbahnbeamter hat einstimmig beschlossen, die etz'ge Durchführung des Ausstandsbeschlusse« der Reichsgewerksthaft abzulehnen, weil das Ab­stimmungsergebnis Mts gewerkschaftlichen Gründen die Ablehnung des Ausstandes bedeute. Nach Mitteilung der (Et enbahrgerera'b r tian Stutt­gart sei bei der Besonnenheit und Pflichttreue des württembergischen Personals zn hoffen, daß der Ausstand in Württemberg vermieden wird.

München, 1. F.br. Wie dieMürch-ner N N." mitteilen, mißbilligt das bayerische Veokehrsperso- nal das Vorgehen der Reichlgewerkschast entschieden und denkt seiverseits nicht an einen Ausstand. Weiter erfahrt das Blatt, daß der bayer fche Verkehrsbeamtm- verein den Ausstand mit der gleichen Entschiedenheit Mehnt, die er gelegentlich des Ausbruchs des letzten wilden Ausstandes in Westdeutschland an den Tag (egte. Auch der Staatst chnikerverband weist jeden Ausstandsgedanken von sich. Ter Deutsche Eisea- bahnerverba^, will erst Weisungen von Berlin ab­warten.

Gewährung von WirtschaftSbelhtlfe« unb Zulagen.

Berlin, 1. Fcbr. Im B«amt«nausschuh des Reichstags gab Ministerialdirektor v. Schlieben die in Aussicht gestellte Erstärung ab. es werde dem Reichs- tag eine G s.tzesvotlage z g h n, wonach in »en Orten mit besonders schwierigen wirtschastlichen Ber- hältnissen den Beamten to b rt.fl dj: Wirtschafts- beihilsen gewährt werden sollen, bie sich in ge­wissem Umfange an die Bewilligung von Uebertene- rungszuschüssen an die Arbeiter anlehnen, aber and rer- «its den Be'onderheilen des B amtenverhä tnisses ülech- nung tragen. Die Vorteile, die den Arbeitern der «nderen Reichsressorts aus dem Sylvesterabkommen erwachsen sind, sollen entsprechend auch auf die Arbeiter in ben übrigen Reichsre'sorts durch mit den Arbeiter- Organisationen noch zu treffende Bereinbacungen über­tragen werden.

$it SEnW.

$ e r I i n , 2. Febr. Die Sage ist noch ungeklärt. Der.Ausstand Hal sich bisher auf einzelne Teile Deutschlands ausgedehnt. Wie die Berlmer Blät­ter melden, ist mit einer vorläufien Einstellung des Fern- und Borortverkehrs zu rechnen. Der eigentliche Herd der Ausstandsbewegung dürste in der Haupifache in Nord- und Westdeutschland zu juchen fein.

Hannover, 2. Juli. Die Eifenbahndirektton teilt mit: Jrn hiesigen Ttrektionsbezirk sind zur Zeit einige Teikansstände zu verzeichnen.

Leipzig, 2. Febr. Jrn Eifenbahndirektions- bezirk Leipzig laben das Zi gjü rer- und Lokorno- tivperfonal ben Dienst dcildc gelt. Es werden keine Züge abfletüflen. Zn den ersten Morgenstunden wurde der Hauptbahnhof von der Polizei be­setzt.

Halle, 2. Febr. Die von hier abgehenden Nacht- und Jrützüge verkehren ausnahmslos. Die Stimmung ist ruhig. Aus Wittenberg laufen Mel­dungen über den Ausfall von Zügen ein.

Tassel, 2. Febr. Die Lokomotivführer auf bem Perschiebebabnhos stellten um M tternacht die Arbeit ein. Infolgedesien konnten ferne Zöge vor, kehren. Hebet das Verhalten des übrigen P-rfo- nals waren keine sicheren Nackr'chten zu er'ang-n.

Frankfurt, 2. Febr. Zm hiesigen Bezirk ist der gesamte Eijenbaynbetrieb lahmgelegt, abgrfehen von einzelnen Zügen nach Ma nz. Auch der Verkehr auf der Strecke FrankfurtGießen und Eieß-n Koblenz konnte aufrecht erhalten werden. Dagrgm ist der überaus w^cht'ge Verkehr^ von und nach dem Ruhrgebtet vollkommen unters brock'en. lieber 8o0 9-ercnbe liegen in Fuld - fest.

Karlsruhe, 2. Febr. W^e von zu länd ger Stelle mügeteilt wird, ist in den badischen Ver- kehrsverhältnisien nichts verändert.

München, 2. Febr. Nach Meldungen, bie bis jetzt bei ben amtl chen Stellen eingelaufen sind, soll sich der Ausstand eines Teiles der Eisenbahner auf verfchi bene Gebiete Württembergs unb Sach» fens erstrecken. Auch in der hiesig n Eisenbahn, werkftart ist das Lokomotivpersonal in den Aus­stand getreten.

Maßnahmen zur A«fr cht rfaltung des Berkeh«

Berlin, 1. Febr. Der Ausftandsbeschluh bet Eifenbalnbeamten bewiikie heute Mittag einer sehr großen Andrang zu den abgehenden Zügen, doch traf die Eifenbahndireklion weitgehende Bor« feyiungen, um dem Andrang gewachjen zu fei».