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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg
Anzeiger für (das früher kurhesfifche) Oberhessen
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Dev neue Reichshaushalt
Auch
Eta« Wege
befer Aufforderung zu folgen. Die Reichs regterung wirb mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln nachdrücklich diesem entgegentreten. (Grobe Unruhe auf der Süßer- ften Linken.)
Der Minister erwähnt dann im einzelnen die Summen, die für Pensionen, Renten, Wochenhilfe, Erwerbslosenfüv- sorge usw .vom Reiche anfgebracht werden. Ein großer Teil dieser Beträge wird dadurch erspart werden, daß im Laufe diese« Jahre« die Arbeitslosenversicherung Gesetz wird. Wesentliches Erfordernis für eine endgültige Ordnung der Reichsfinanzen ist eine scharfe Abgrenzungder Ausgaben zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. Da« Vorschußwefen muß ball» eingestellt werden. Freie Vereinbarungen zwischen Reich, Ländern und Gemeinden werben notwendig sein. Vorau«- setzung hierfür ist aber auch, daß in den Ländern und Gemeinden die Verwaltung mit der gleichen Sparsamkeit geführt wird. Ein Eingriff in die Finanzhoheit der Länder und Gemeinden und ihre Selbstverwaltung beabsichtigt do« Reich nicht. Allergrößte Svarsamkeü ffl auch bei den Krieg«gesellsch aften erforderlich, btt
künden, fall« die in dem Ultimatum gestellten Forderungen abgelehnt werde». Der Hauptvorstand hat daraufhin seine Mitglieder zu einer dringlichen Sitzung |ur heute Nachmittag einberufen.
Wie der „Lok«lan>" hört, hat der Deutsche Beamtenbund, beet die NrtchSzewitffchift als Unterver- do.nd angehört, gestern einen Vorstandsbeschlaß veröffentlicht, in dem der Deutsche Beinntenbund die Gründe würdigt, die dir Reichsgemerkschaft zu ihrem Ultimatum geführt ha, Der De»tsche Bramtenbunv erwartet, daß die Reichsregierung den drohende» Kon. flikt mit der Rcichsgemerkschast »och abwendet und im Sinne der gestellten Forsecuu-e» eie Verhandlungen sofort mit ihm aufnnnmr.
Die „Dberheifiifbe Zeitun' ' ertoeint lechsmal wöchentlich. —Bezugspreis monatlich ebne Zustellung 8.50 Mk, durch die Poft 9.50 Ml. Für ausfallende «tunimtcx infolge Streik, ooer elementarer Ereigniüe kein Ermtz. — Bering von IX T. Hitzeroth. — Druck der llntv^Buchdruckerei von Jod. Aua. Koch, Markt 21 58 — Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt o. Mein.
Asquith für „sehr große Herabsetzung der Kriegsentschädigung.
London, 30. Jan. Asquith erklärte in einer Hebe von Bolton, seiner Ansicht nach mtisie im gemeinsamen Interesse der von einander abhängigen Ncitio- «n der Welt eine sehr große Herabsetzung des Betrage« der Forderungen erfolgen, die an die früheren Feinde gestellt werden, desgleichen eine völlige Streichung der Schulden zwischen den europäischen Verbündeten und die Wiederherstellung der offenen Märkte und freien Beziehungen zwischen Alen Ländern der Welt.
bie Reichsregierung weiter abzubauen bestrebt ist. die Frage der
Aushebung der Ministerien soll weiter geprüft werden. Die Bilanzierung Heber Berkehrsverwaltuug darf nicht nur ans dem
„Herzogtum Schlesien."
Warschau, 30. Jan. Mehrere Zeitungen teilen mit, Rvmar werde zum Herzog von Schlesien ernannt. Das schlesische Herzogtum werde tn sieben Bezirke ein« geteilt.
Verlegung der Eisenbalmdirektion Kattowitz nach Oppeln.
BreSlau, 31. Jan. (58 siebt nunmehr fest, dah die Eisenbabndirektion Kattowitz nicht, wie vorgesehen, nach Gletwitz, sondern nach Oppeln verlegt wird.
Räte-RUmland.
Lenin geht nach Genua.
London, 30. Jan. Der Sonderberichterstatter des .Observer" in Moskau meldet: Der Vollzugsausschuß der Sowsetrepublik stimmte der von den Volkskommissaren vorgeschlagenen Zusammensetzung der russischen Abordnung für die Konferenz von Genua zu. Die Abordnung besteht aus 15 Mitgliedern, darunter Lenin, Tschitscherin, Krassin und Litwinow. Die Abordnung besitzt Vollmachten, Abkommen und Verträge abzuschließen. Tschitscherin gab einen Ueberblick über die diplomatischen Beziehungen Rußlands.
Moskau, 28. Jan. Das Volkskommissariat für Postwesen gibt besondere Hunger-Hilfs-Marken heraus, deren Ertrag zur Milderung der Not tn den Hungergebieten verwendet wird. — Da militärische Fronten nicht mehr bestehen und die Cbolera erloscben ist. bat der allrussische Vollzugsausschuß alle Reisebe- scdränknngen aufgedoben und pellte di« volle Frei-
5er IrHeBk MMlimmM.
Warnung der Reichsregierung.
Berlin, 30. Jan. Das Reichskabinett beschäftigte sich abends eingehend mit d-m angedroh'en Busstand eines Teiles der Reichsbahnbcamten. Man war sich darin einig, daß die unvermeidliche politische Wirkung dieses Ausstandes die Zerstörung der V»t- «chte des deutschen Beamtentums sein müßte. Es ist bk geschlossene Auffassung der Reichsregi-rung. daß her Ausstand mit den Bestimmungen und dem Wefen des Beamtentums völlig unverei nbar ist Die Reichsregierung richtet deshalb an alle in Betracht fcmmenben Kreise bie dringende Warnung, sich nickt zu Handlungen verleiten zu lassen, die für die Gestaltung ihrer Zukunft verhängnisvoll sein würden. Die inne« und äußere Lage unseres Landes dulde es nicht, baß von verantwortungsloser Seite burch Lahm- tegung des Eisenbahnverkehrs „die Hand au die Gurgel des Staates" gelegt wirb, wie dieser von radikaler ISeite beliebte Ausdruck laute. Die Regierung wird peshalb im gegebenen Falle mit äußerster Energie gegen solche Bestrebungen vorgehen.
j Die Blätter melden, daß die Eisenbahnverwaltunz alle Maßnahmen getroffen Hai, um den Eifenbahn- tzerkehr so weit Wie möglich aufrecht zu erhalten, jmsbesondere um bie Lebensrnittel- und Kohlenversorgung zu sichern. Alle zur Lokomotivsührung be» jaffigtcn Eisenbahnangestellten, auch bie leitenden Beamten, solle», ohne Rücksicht auf ih« sonstige Ber- Wendung einspringen und auch, die technisch« Not- Hilfe zum raschen Einsetzen bereiigehalten werden. Zum ,Schutze der Arbeitswilligen soll Schutzpolizei ans- szebotm und zur verschärften Bahnbewachung noch besonders geeignetes arbeitswilliges Personal heran- gezogen werben.
I Widerstand gegen die Ausstandsbewegung.
- Berlin, 30. Jan. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Gegen die AuSstandsdrohung der Reichs- tzewerkfchast erhebt sich nunmehr auch in ihren eigenen Reihen heftiger Widerspruch. Die Gruppe der Ober» beamten ist schon vor einiger Zeit auS der Gewerkschaft Ausgetreten, toeti sie bie unverkennbare Stabt« üalisierung nicht mttmachen wollte. Auch ber Bayerische Berkehrsbeamtenveretn vollzog bett Austritt. Nunmehr toenbet sich auch bie Fachgewerkschaft 6. hvelche bie Beamtengruppen 7 bis 10 (gehobene unb mittlere Beamte) umfaßt. In einem Rundschreiben geben daS Vorgehen der Reichsgewerkschaft.
| Berlin, 30. Jom. Der erweiterte Vorstand der ,Fachgewerkschaft der deutschen Eisenbahnverkehrbe- Amten ht gehobener Stellung nahm zu ber Frage des Ausstandes ber Reichsgewerkschaft Stellung und prklärt^ daß der Verlauf ber Sitzung bei Reichs- Aewerkschaft nicht geeignet sei, Vertrauen ztt ber Entschließung zu erwecken, baß ferner der Ausstands- Kefchluß eine Verletzung der Satzung ber Reichsgewerkschaft bcheute, da mindestens eine Urabstimmung dem Nusstandsbeschluß hätte vorausgehen müssen. Die Fachgewerkschaft erwartet deshalb von ihren Kollegen, daß sie sich an dem Ausstand nicht beteiligen werden.
Me du sielMurüiIMm.
16 3. Sitzung des Reichstags vom 30. Januar.
Mnanzmimster Dr. tzermeS leitete bie erst« Lcfung des Haushalts für 1922 ent mit dem Hinweise, daß die rechtzeitige Verabschiedung be« Haushalts ein Grund- eriorbermS für eine sparsame und zweckmäßige Finanzwirtschaft des Reiches sei nttb bat. bie Arbeiten möglichst zu beschleunigen und aller Welt zur Kenntnis zu bringen, daß das deutsche Volk gew'llt ist, mit aller Kraft einer grorbneten Finanzwirlschaft zuzustrcben. Der Haushalt für 1922 steht ganz unter dem Zeichen ber zur Erfüllung be« Feiedensvertrages auferftgten ungeheuren Lasten. Während der Haushalt ber inneren Verwaltung 5»ear einen Ueberschuß von 16,5 Milliarden Mark ergibt und bk Betriebsverwaltungen in Einnahme und Ausgabe ausgeglichen sind, erfordert der Haushalt für die Ausführung deS Friedensvertrages einen Bnleihe- bdbarf txnt 171 Milliarden Mark. Der Berfuch. bk ungeheuren Lasten des FriebenSvertrages zu erfüllen, bat zur Zerrüttung des Markkurfes beigetraoen und völlige Unsicherheit geschaffen. Bevor nicht das Revarations- vneblem in einer unserer LcistitngSfähiateft angepaßten Weise geregelt ist. kamt von einer Gesundung deS Etats ui ch t gesprochen werden. Der Haushaltsplan ist zum erstenmal gegliedert in eine allgemeine ReichSverwaltuna, in die Betriebsverwaltung unb in einen befonbere« Akt, der btt Ausführung bei Frieden SvertraeS behandell.
800 Milliarden Mark
sollen im RechnungSfahre 1922 auS der deutschen Bolks- ttHrti'cbnft heransgeholt werden.
Der Fi xxxzministet streift dann da« Ste*erkomvrotms und spricht bie Hoffnung aus, daß sich auch bk Verbündeten nicht ber Hoffnung verschließen werden, daß Dutschland alle denkbaren Anstrengungen macht, nm bc« Hrchstmoß an Skiern aus seiner Wirtschaft betau«» ’.nbiinjen. Die Beharivtting, daß bie Engländer und TÄeanzosen mehr Steuern zu zahlen hätten als die Deutschen, beruht auf einer falschen VergteichSmctbode. Mft den Berbrauchssteuern sind wir bi« an die Grenze ber äußersten Belastunßsmöglichteit gegangen. Von den itoei wichtigsten lausenden Stenern ist bk Umsatzsteixr auch bisher schon fast durchweg fertig veranlagt und die- kwige für 1921 soll unmittelbar folgen. Damit wird auch bie Klage verstummen, daß bk Besitzenden wegen Mangels der Veranlagung im Besitze ihres Geldes bleiben. Eine wichtige Auiaabe ist, der Steuerhinterziehung nnb dem Steuerbetrug entgegenzittrrten. Ein im Ausbau hesinblicher Buck- und BetriebsPtüfungSdkxst soll namentlich diejenigen erfassen, bk sich ihrer staatSbürger- >«fen Pflicht »u entzkhen verfuchen Eine wirksame Abhilfe gegen bie Kavital«slucht können nut internationale Vereinbarungen bringen, bie bereit« mit den verschiedenen Reaierungen im Gang sind. Dk p,toangiahleibe von einer Milliarde Goldmark wird «ruf mindestens drei Sabre unverzinslich fein, ba ef aber auch damit nicht möglich ist, den Ausfall zu bahn« itkten, wird die Steokrung auch bas Mittel einer inneren freiwilligen Anleihe verfuchen. Dk Möglichkeit dagu ist aber erst gegeben, wenn fest steht, haß bie Be fümmungm be« Friede ne Vertrages den Dienst einer fun Vierten Reichsanleibe nicht beeinträchtigen können. Der iranzösische Finanzminister rügte unsere Politik auf dem Gebiete bet Lebensmittelzufchüsse. Schon lange vor Eannes ist bk Regierung an den Abbau biefer Zu 'cküise gegangen, weil eine solche Zufchußwirtschaft mit '■"ner orbnunasmäßigen EtatSwirtschast unvereinbar ist. Wir haben bie bestimmt« Absicht einen v-lligen Adbon bis Ende 1922 burÄjufübren. Dk tooifer von dem fttmzösischen Finanzministet gerügte
Bermebrung ber Beamtenzahl um mehr als 40°/0 beruht tm Weftutlichen auf der Uefer» nähme ber Beamten ber Betrieb«-, Finanz- unb Zollverwaltungen auf bas Reich, sowie auf den Uebetgeng ber baveriliheu unb württembergischen Postxerwaltungex auf bas Reich, auf der Uebernahme ber Siknbabnen auf das Reich unb auf bet neuen ReickSstruervertoaltung. Dk Reichsrerierung ist bestrebt, bie Zahl ber B amten nach unb nach auf 75<Vo »u verminberrt. E« muß betont werfen, baß der Bau von SSTaarfetterroobnun» een notwendig war, UM bk Lasten be« FriebensvertrageS «uf bem Gebiete bet Kohlenförderung zu erfüllen. Die Allgemeinbeit mag boraus etkfen, daß erne Berfchwen düng von Reichsmitteln keineswegs strttftndet. Ti: wittschaftliche Lage ber Beamten, Angestellten unb Ar heiter bes Reiches wirb fortbauernb mit größter Auf- merffamkeit berfofat unb gevtü't, inroi’ttreit eine tonkre Erhöhung ihrer Bezüge notroenbig ist. Ein großer Teil bkfer Beamten unb Arbeiter befindet sich in frfmnerigrc 'wirtschaftlicher Lage. Andererseits afcet nnb bie Kosten fit die Lebenshaltung in ben verschiedenen Teilen be« Reiches sehr verschieben. E« wird bafer eingehend geprüft, tote den berechtigten Forderungen in Orten mit besonders schwierigen Wirtschaftsverhältnissen Rechnung getragen werden kann. Unverantwortlich ist es. wenn gewisse Kreise der Beamtenschaft in einem Zeitpunkt, wo alle diese grunblegenben Fragen von allen berufenen Faktoren erörtert werden, wo Aussicht auf befrtebigenbe Lösung besteht, zum Streik auffvrd-rn unb bamit namenlosen Schaben für unter Wittt'chafts» । leben beraufbeschwören. (Unruhe links.) Ich kann nawn« 1 bet Reichs ocgietung alle Beamren nur bringend to a t nut,
W dtt M««r ms iem
Wiriis.
Erfurt, 30. Jan. Der aus Erfurt stammende Oberleutnant Ludwig D i 11 ma r, ber B'p Ktegs- veribvrchen vom Reichsgericht zu vier Iahten Ge- fänaniz verurteilt und ixt LandgerichtsgefänaniS zu Na,imb'lvg untergebracht war, ist Sonntag Rächt ent- wtcken.
»Naumburg, 30. Jan. Udfer bie Flncht des Obetleutnm.ts Dittmar au« bem Gefängnis Naumfeirg wird dem „Naumburger Tageblatt" von zuverlässiger Seite mitgeteilt:
Ge^e» 1 Uhr nach«, als eiett die Streife ber Ncherhi-itspolizei bk Anstalt pa'serte, verchasfien sich die Helfershelfer unter Benutzung einer Leitet unb einer Matte, die sie auf bie durch Glasscherben ge» sichert« hohe UmfaffunqSmaner legten, Eintritt in den Etefängnishof, indem sie cm einem an bet Leiter befestigte» Knoten tau von der Maxet auf den inner-n Hof hineinkletterten. Bvn hier au« müßen sie dem in einer Zelle b«5 zweiten Stockwerfe« untergebrrnstten Gefang-nen eine seht scharfe Stahlsäge in det Weife zilgeteicht baden ,daß Dittmar biese an einer au5 seinem zerschnittenen Betttotz-n gefertigten Lrne tn seine Zelle zieten lounte. Mit dieser S'g - g-lang es ihm in kurzer Zeit einige EifenstLoe des Zellensensters durchztisstgen, sodaß eine Oeffnuvg «ntstmid, wodurch er ins Freie gelangen konnte, bei ber außerordentlich kleinen Oeffnung ein« erfkmnliche Leistung. Ditt» mar ließ sich an der erwckhnien Seine 12 Met-r tief in ben Gefängndchof hinab. Die Seine, bi« sehr schwach war, ijk etwa in halber Höhe gerissen. Es ist zu »«”- muten, 7>aß Dittmar einige Meter abgestürzt ist. Er muß dann a» bem ernvähnten Knotentau über die Mauer geklettert sein. Die Nachtpatrouille im Innern des Gefängnisse« befand sich an einer anderen Stelle bet Anstcckt. Sie wurde aufmerksam durch das Spreche» der Gefangenen in der Zelle unter DiftmarS Zelle. Sie begab sich dorthin, um Ruhe zu gebeten und hörte, es müsse fematnb entwichen sei». Vom Sägen haben die Gesange»en nichts gehört. Man vermutet, daß Dittmar das Geräusch durch Beschmieren der Eisenstäb« mit Seife dämpfte. Die Schnittstellen zeigen, daß bie Durcksägutog nicht vorbereitet war. Säe find vollkommen frisch. Die Beftceiet Hatton offenbar die Polizei-Patrouille' fich erst entfernen lassen. Die Nacht war dunkel u* die Straßen hinter dem Gefängnis Ware» nicht beleuchtet. Die Polizei ist der Ansicht, daß ht dem Kraftwagen, in dem Dittmar entführt wurde, sich 3 ober 4 Männer befanden.
Ae iratlfit Sott.
* Uedenntttlung an die verbündeten Regierungen.
Paris, 30. Jan. Der EntschSdignngsausschtiß hat gestern die Note der deutschen Regierung zur Sentit- genommen und gemäß der Entschließung vom 13. Januar befchlosien, die deutschen Gegenvorschläge sofort fett verbündeten Regierungen zu übermitteln, die so I» ber Lage sein werden, entweder die Frage selbst zu bearbeiten oder sie zur Beschlußfassung an den Ausschuß zutückzuweisen.
HavaS meldet: Ter Entschadigungsausschuß hat Deutle bett Verbündeten Regierungen die Denkschrift fcti Reichskanzlers Wirth übermittelt. In dem Be- Dfeitschreiben de« Ausschusses wird den Regierungen anheim gestellt, ob sie sich direkt übet Sie deutschen Lorschläge äußern ober den Ausschuß mit deren Ptü- ftmg betrauen wollen. In dem Sch eilen wird ke nellei Urteil über den Wert der deutsche» Vorschläge ge» äußert.
' Berlin, 81. Jan. Wie daS ,M. T." hört, hat
•er geschäftssührend« Vorstand ber Reichsgewerkschaft deutscher Eistnbahnbeamter den Hauptvorstand der Ge-
Der Bxzeigexorel« beträgt für dl« 9 gefp. Zell« »vor beten Raum 00 Pfg. für beit Millimeter, amtliche unb auswärttae 80 Pfg. Ändere Spattendreitex »ach entfprechender Berechnung. Spät einlaufende oder den Raum übet Seite einnehmende Anzeigen Rnt> wir berechtigt, nach »er Tertlvaltenbreite ch fetzen und za berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Sol.-Zetle mit 6.00 Mk. Feder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Auskunft durch die köeichSftsftelle unb Vermittlung bet Angebote 1 Mk. Sonbergebübt.
Marburg
Ditüstsg, Den 31.3ann6!
-art«««.
einer schematischen Tariferhöhung erreicht werden, fottbertt vor allem durch innere Sanierung der Betriebe. E« ist gelungen, eine Grundlage für die Wegräumung der insbesondere durch § 12 der Demobilmachungsvorschrifte« gegebenen Hindernisse zur Durchführung ber ausgestellten Reformplän« zu-erzielen. Zur Ausführung des Frieden«- vertrage« erfordert der Haushalt für laufende Ausgabe» rund 148 Milliarden und für außerordentliche Ausaaben rund 40 Milliarden. Der Minister ging bann auf die Einzelheiten der bekannten Antwortnote Deutschlands ein und erklärte, daß die Reichsregierung zum Wicderausba» der zerstörten Gebiete alles, was in ihrer Macht steht, tun wird. Die Revarationskommission ist gebeten worden, zu prüfen, ob nicht die Summe von 720Millionen Goldmat? tM bar herabgesetzt werden kann, was einen Aufwand von 97'/? Milliarden Papiergeld erforderlich machte. Da« kann Deutschland unmöglich au« laufeitben Einnahme» oder Anleihen decken. Die Bestreitung unseres ernten Ersüllungswillens zwingt uns dazu, laut vor aller Welt auf unsere gewaltigen Leistungen zur Durchführung bei Friedensvertrages hinzuweisen. Die Welt muß nicht mir Born deutschen Ersüllunzswitten, sondern auch von unterer Ersüllungs tätigtest hören. Angesicht« unterer Rot sollten wir unseren häuslichen Streit begraben und wünschen, daß unser Volk tn großen national«» Fragen einig zusammenteht. (Beifall.)
Abg. Scheidern ann (Soz.): Während wir Frankreich und Belgien toiebet ausbauen, werden wir zu einem Volk von Sklaven. Wit müssen wenigstens totfielt, warum wir hungern und frieren. Wir müssen ein Ziel haben, bie Ausgestaltung unserer Republik zu dem Ideal einer solchen. Jetzt fehlt noch vieles daran. Dk Jusiiz ser Republik kamt kein Vertrauen genießen. Der Redner führt eine Reihe von Urteilen an, die Beifviele für bie V»rhöhnung bet Republik durch richterliche Beamte feien. Verführte Arbeiter erleiden aber die härteten Strafen. Ditt Reichsiuftizminister follte seine Absicht bet allgemeinen fS m ne fite schleunigst im Kabinett durch- sitzen. Das Bvamtenrecht bedarf einer Revision. Die Reichswehr muß endlich zu einer zuverlässigen republikanischen Truppe gemacht werden. Der Hetzrede des deutsch- nationalen Prosessor« Rothe gestern gegen W'tth und (Ebert muß man sich schämen. (Unruhe rechts.) Baperisch« T-uttonationale haben sich dafür erklärt, daß Bauern unter dem Protektorat Frankreichs fich vom Reiche trenne. (Abg. Helfferich ruft: Unverfchömtheftl) H-rr Helfserich, ich habe Sie von dieser Stellung au« als intellektuellen Mörder Erzbergets gebranbmorft. Ich nehme Ihnen also diesen Zurus nicht übel. Ein Lichtblick ist es, daß ber demokratischen Republik von link« her ans den Reihen der Arbeitet keine ®rfabt mehr droht. Vizepräsident Meßet ertlärt die Bezeichnung eine« Abgeordneten als intellektuellen Mörder als der parla- mentatisckcn Ordnung widersprechend.
Abg. Dt. Reichert (D-natl.): Von einem früheren Michslanzler hätte man eine andere Etatrede erwarten können. Die früheren sozialdemokratischen Minister können an ber Preisgabe der Ostmark doch nicht so cnn; unschuldig sein. Der große Fehlbetrag des neuen Etats muß Befremden erregen, nachdem un§. vorher gesagt worden war, daß alles in Ordnung sei. Wit Kimmen dem Vorschlag des Reichsrats auf Streichung des Reichsschatzministetiums zu. Auch bet Demoknlmachungskoinmifsat muß schleunigst vetsckwinden. Tie Produktion ber beutschen Volkswirtschaft ist heute 30 bi« 40 Prozennt hinter bem FliedenSstand zurückgeblieben. Wit wollen ben Arbeitern und Angestellten volle Beschäftigung geben, rufen aber ben Bergarbeitern tu' Schafft lioble! unb den Eisenbahnern: Befördert Sph(c! Nut die freie Wirtschaft kann bk Ptobukttot» förbern.
Abg. Ouaatz (D Ppt.): Dem Gedanken der große» Koalition bat die Rede deS Abg. Scheidemann nicht gedient. Der Redner dankt bem Reicksnnanzminitel für bie geleistet? Acb-it unb hofft, baß es ihm halb gelinge» wirb, bie Bilanz wieder aktiv zu macken. Erzhetger« Versuch einet zentralisierten Lösung be« Steuersystems ist gescheitert. Ten Lundem und Gemernden müßto»