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Arnttiche» DeMndigungsblatt des Kreises Marbmg.

Anzeiger st-r (das früher kurhessische) Oberhessen

Die£)b«rbelRtoe Zettu« ' erilbeint ledwmal wöchentlich. S«|iigeoreis menatlich ohne Zustellung 850 Mk, durch die Poft 9.50 Mk. Für «uofallrnde fleemetn iuiolge Streik, ooer elementarer Treignilie kein Eriatz. Verlag von Dr. T. Hifterotd. Druck der Unto^Buchdruckerei von Jod. Hua. 1toch, SDtoeft 212$ FernZprecher 55, Pofticheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankkurt a. Mat».

Marburg

Ma«, dm 27.Samt Härtung.

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57. Nm.

«n 23

Die

Bit GrHOiwilitiL

f 1 60. Sitzung bei Reichstags »out 26. Januar.

" «FffS £xnt$ ist vollzählig oeieizt. Die Tribünen jgb bis out »en leyr-n Platz gefülft, ebenso sind beide irgiernngsbänke von Behördenv--rtretern übtrfüllt. Reben em Rnchskaniler und dem Rnchsminifter sind auch sblnnche Vertreter der einzelnen Staaten, auch der reuhiiche Ministerpräsident Braun, anwesend. Präsr- ytf Loebe eröffnet die Sitzung kurz nach 6V« Uhr.

Bon dem dritten Rachtragsbaushalt von 1221 stehen ech zwei Titel aus, über die der Reichsrat anders kschtosfen hatte als der Reichstag, und über die daher ttimali abgestimmt werden muß. Mit der erforber« tzhm Zweidnittelmehrheit werden die Beschlüsse deS Wichstages aufrecht erhalten, wonach zur Förderung «s Nachrichtenwesens im Inland weitere 6 Millionen jUrt nnd für Ucbergangsmasinahmen z» Nn to-ndlnngen jttiflTieter ehemaliger militärischer BildungSonstalten 100 000 Mark, die der Reichsrat abgelehnt hatte, be- pdligt. Taraus nimmt das Wort zu einer Erklärung er Reichsregierung Reichskanzler Dr. Wirth. Er ftzrt auS: J MS die Reichsregierung in ihrer jetzigen Zu­sammensetzung «m 26. Oktober mit ein-r vrogrammati- Hen vor den Reichstag trat, vertrat ich

hn Namen bei Kabinetts die Meinung, daß die innere nd auswärtig Politik, bie wir seit März 1921 einge- htlagen hatten, in ihren Grundlagen auch in der nten Lage fort geführt werden müsse, welche durch ie ungünstige Entscheidung des Obersten Rates über iberichlesie« geschaffen worden lvar. Diese Politik S, wenn ich sie auf kurze Formeln bringen darf, im mnnern: Erhaltung und Wiederaufbau des Reiches, llffv-r» Windung der wirtschaftlichen, sozialen und moralischen Sriegsschäden durch innere Konsolidierung der Nation, Et der auswärtigen Politik aber Mitarbeit Deutschlands |yt der Herstellung eines wahren Friedens in der Welt timd als Mittel hierzu die Bereitwilligkeit, bie Lasten Deutschlands aus dem Friedensvettrag bis zur Grenze Her Leistungsfähigkeit zu erfüllen, in der Neber - «uaung, daß nur durch praktische Leistung die feistilngsgrenze wirklich festgestellt werden kann, und daß Btt die weltwirtschaftlichen Folgen der deutschen Leistung ie Welt über die wirkliche Natur der deutschen R'vara- ionsvervstichtungen aufklären können! denn iin Mittel- smkt aller Probleme steht die Revaration- die eine gfrage sowohl der äußeren tote der inneren Polit.k ist. Die cS überhaupt ein Charakteristikum der dentlchen Segenwartspolittk ist. daß innere und äußere GesichtS- tztnkie ineinander überfließen und nicht voneinander jetrennt werden können, ein Umstano, bet die höchste Konzentration aller Regierungsarbeit erfvrbert und eine Sachlage, die, wie ich dankbar und anerkennend hervor­heben will, in zunehmendem Maße im gesamten deutschen Bette Verständnis zu finden beginnt. Gerade bieW Kardinalfrage der Reparation hat in den letzten Wochen ie hauptsächlichste Arbeit der Regierung gegolten.

Der Reichskanzler erinnert an das Ersuchen an die Sank von England, eine Anleihe von 500 Millionen Holdmark zu bekommen. Dieses Ersuchen ist von der BanE von England mit der Begründung abgeie6nt tovrden, daß unter "ben Bedingungen, bie zurzeit die Zahlungsverpflichtungen Deutschlands beherrschen, ein Kredit in England nicht erhältlich sei. Damit wat zum wften Male von autoritativer Seite aus den Reihen Meter ehemaligen Gegner sestgestellt worden, daß bie Lasten, bie Deutschland auserlegt wurden, seine Kredit- teürbigtrit vernichten, solange diese Zablungsver- hslichtungen eine Aenderung nicht erfahren haben. Die tzvlgerung, welche unter ben gegebenen Verhältnissen die tzeutsche Regierung aus dieser Sachlage ziehen konnte, Aar, daß in dem bekannten Gesuch an bie Reparation-- kmmission um Stundung der im Januar und Februar fälligen Barzahlungen ersucht wurde. Dieses Gesuch von der Reparationskommission in Cannes dahin beantwortet worden, daß die Zahlungen unter einer gewissen provisorischen Regelung gestundet wurden, und M die endgültige Beschlußfassung über eine Aenderung k§ Zahlungsplans für 1922 aufgrund eines von der deutschen Regierung innerhalb 14 Tagen vorzulegendeu Programms erfolgen soll. Dieses Programm wird Liier gen in Gestalt einer kurzen Denkschrift der Re- tzarationSkommision übergeben werden. Sie willen. ria6 diese Schtttte der deutschen Regierung begleitet teuren von ben aufklärenden Besprechungen, die von privater deutscher Sette und auf Ersuchen der deutschen Regierung zuerst in London und dann in Paris geführt tearben sind. Herr Dr. R a t h e n a n hat sich in tanknSwert.-r Weise mit Einsetzung seines großen Wissens tech Können» ber Aufgabe unterzogen, bie deutsche Re- Oernng ihren großen Zielen entgegenzuführen. Ich teSchte auch diese Gelegenhett benutzen, um Herrn Dr. Aathenau vor der deutschen Bolksvettretung zu danken kür xe Aufopferung, mit der er sich diesem Dienste m Volke unterzogen hat. Mr können mitten im Fluß kt Reparationsfrage nicht von einem abschließenden und Meren Ergebnis unserer Bemühungen sprechen; aber kl eine können xit st gen, baß esns in Cannes zum eßen Male gelungen ist, in freier Weise und anders als I in einem Verhör die wahre Lage Deutschlands vor einer ni.^wn,>n^rt':~-y<n. UN' welche bie AllgeN

de des Reichst

ber ganzen Welt gerichtet waren. Diese Konferenz hat Veranlassung genommen, Deutschland zu einer nächsten Konferenz als Teilnehmer einzulaben, aus der die Lage ber gesamten Weltwirtschaft unb bie Probleme der Er­innerung friedlicher intematianaler Wirtschaftsbeziehun­gen, insbesondere die Fruge ber Errettung Rußlands unb Mitteleuropas ans ihrer wirtschaftlichen Isolierung beraten werden sollen.

ÜBlwrt M Mari.

Wenn sch von ber Konferenz in Genua spreche, die Mifomg März ftettfinben soll, so hoffen wir, daß durch die Vertiefung weltwirtschrftlicher Probleme und Zusammeubünge a u ch die Frage bet Reparationen immer mehr in ihrer wahren BedeutUNg anerkannt wirb unb daß dcchnrch auch die st» total und aufrichtig erstrebte vernünftig« und »»gliche Lösung der Reparotiongsrage gefördert werden wtge, nicht allein zu unserem Ratzen, sondern auch zum Vorteil der Länoer. bie aus der Re­paration berechtigt sind. Mr werden nach Genna gehen und kommen nicht mtt dem Dolch i« Gewände und mit hinterlistige Absicht, sondern mit offenem Bister und mit btt Devise, bie auch daS Konfevenzprogramm ist: jPerfiänbigung alter Nationen, bet armen unb ber reichen, bet Sieger und ber Besiegten zu dem gemein- amen Ziel ber Wiederherstellung der internationalen wirtschaftlichen Beziehungen. Nur in liefern Sinne .bnbe ich posprochen, als ich kürzlich auf der Tagung der Zentrumspart« davon sprach, daß wir mit der Konferenz von Genua «inen Erfolg erzielt hätten. Worte, die der französische Ministerpräsident in der Kammer irrtümlich so auigelegt habe, als ob ich die Konferenz von Genna als «in Mittel ausgesoßt habe, um dort in erster Li nie das Reparation rufzurollen. Ick möchte im Anschluß an diese Worte, von denen ich wünsche, baß sie in Frankreich so aufrichtig ausgenommen werden, wie sie gemeint sind, noch einiges sagen über daS. wos wir in der letzten Zeit aus unseren weltlichen Nach­barländern gebärt haben. Der französische- KabinettS- wechfel, bet öerm Poinrare an btt Spitze der Re -weruna führte. Ist in Deutschland aber nicht nur in WutfcHanb, sondern saft in ber ganzen Welt, -als ein Sdrnvivm dafür angesehen worben, daß der Wieder- Herstellung riwi Hirrnbf« uns wittschastlikben

Friedens in Europa noch Rückschläge droben könnten. Ich bin bet Meinung, daß die deutsche Politik «eher französischen Regierung gegenüber, ob fie von Herrn Biniand ober von Jxrrn Poinearö geführt wich, d' e « selbe Haftung einr «nehmen bat, nämlich die. ans dem Ehrlichen FriedenSwiklen einerseits und ber nüchternen und klaren Erkenntnis real-r volitischer Machtverhält- niste anbeuerseits sich ergebeichen Bereittoilligkeit. den Interessen Frankreichs soweit Befried'W«« zu verschaffen, alS dies nur in regend unserer Macht liegt. Ab-r btr Beurteilung unseres guten unb aufrichtigen Wstleuk ist natürlich abhängig von ben Anschaaangen. bet Mai- ining und ber Sinnesart der ausländischen Politiker und Staatsmänner, mit denen wir uns auStinanberzusetzen hoben. Deswegen kann ich eS nicht uuzerlasteu, mich mit den AuSführunaen zu beschäftigen, die bet französische Ministerpräsident nach Heben* tote ber Regierung von ber französischen Kammer gemacht bat und in b*nen wir ein Programm seiner politischen Einstellung zu Deutsch­land zu erbüzftn haben. Ick werde ihm aber auf das Gebiet rüakschauentzen historischen Utteils nicht felgen, weil ich dies für unfruchtbar unb für die Ltzfung aktueller lebenswichttger *wbtemc erf-bw-rend batte. Sberr Poinears hat zu Eingang seiner ersten Ritze im Senat und in der Kammer erfifirt, Deutschland müsse endlich au sangen, seine Verpfüchtungen, bie eS kin- gegangen habe, zu erfülle« und die Schäden wieder gut zu machen, die es anget-chtei habe, damft Frankreich die vielen Milliarden, die es für diese deutsche Schuld bereits im Voraus verausgabte, zurücketstattct würden. Wenn durch bitfe SSarte in Frankreich und in ber Welt der Eindruck erweckt werden sollte, baß Deutschland noch nicht begonnen habe seine Reparationsvervstich- tungen, bie ihm ber Friedensoarttag auserlegt habe, zu erfüllen, so muß ich dem laut widersprechen. Deutsch­land hat allein feit Annahme des Londoner Ultimatums an die alliierten Möchte Barleistungen im Petree von 1 Milliarde 108 Millionen GoLmork unb Sachleistungen im Betrage von 420 Millionen Gold mark abger'Ühtt. hierzu treten bie im Clearingverfahren 'eil dem Friedens- fchlnß abgesührttn Bettäge von 500 Millionen Gochrnark- Aber schon in der Zeit bis zur Annahme des Londoner Ultimatums hatte Deutschland bereits Leistungen ge­tätigt. die man nicht einfach unberücksichtigt lassen barf, wie dies Herr Poincare getan hat. Ich nenne nur die Ablieferung der Handelsflotte, der Lokomotiven und Eisenbahnwagen, der Seekabel und anderes mehr. Wenn also Herr Poincare erttärt, Deutschland habe nicht? geleistet, so ist das nicht richtig. Er ist aber Wetter- gegangen, indem er sagte, Deutschland habe auch uichts leisten wollen, soubern es habe absichtlich ein« Politik verfolgt, bie zu seiner eigenen Bereicherung unb zur Schädigung ber französischen Finanzen und ber französischen Interessen geführt habe. Mr begegnen in der Rede bei Herrn Poincare gegenüber der deutschen Finanzgebahrung unb ber deutschen Wirtschaftsführung allen den Vorwürfen, die auf einer völlig unzutreffenden Auffassung der ökonomischen Grundlage der deutschen Entwickelung in der letzten Zett beruhen, und bie wir feit Wochen und Monaten durch ernste unb wahrhaftige

Lrrzlers im Rei

Tkufklärung M! zerstreuen bemüht finb. Die Behaup­tung, Deutschland verhindere svstematifch seine Staats­einkünfte, erhebe weniger Steuern als Frankreich nnd treibe diese Steuern nicht ein, begünstige durch eine Wnstlich« Inflation seine Ervorttndustrie, suche einen Staat-bankerott herlxizuführen. Kurz, alle jene Anschuldigungen, die unS seit Monaten in der gegnerischen Presse begegnen, kehren in bet Siebe bei französischen Ministerpräsidenten wieder.

Biel wird davon abdSngen, ob die französisch« 9te= gterung überhaupt bereit ist, unsere Darlegung gen auf sich wirten zu lasten. (Sehr lebdaftes: Sehr" richtig!) In dieser Richtung rannte die Versicherung deS Herrn Poincare verwirrend fein, daß Frankreich nicht vom Geist der Rachsucht und des Hasse- und auch nicht von Etngebungen deS Egoismus sich leiten lasten werde. So sehr td> geneigt wäre, die- zu glauben, so schwer wird «S lein, in Deutschland für einen solchen Optimismus werbend einzutreteu, wenn man die SteAuna in Betracht riebt, die der ttanzöstfche Mi­nisterpräsident in der Frage der sogenannte»

«rtegtzbrschuldtguugen

einnimntt. Soweit In dem Beschluß dem Reichsgericht der Vorwurf der Partetttchkett gemacht wird, mutz et mit aller Schärfe «urlickgewiefen werden. DaS von den «filterten ziilammengekragene Belastungsmaterial Ist 1« den verschiedenen Hauptverbandtungen ohne letze Einschrünkung verwertet worden. Datz die Beweisaufnahme selbst und die sonstige Führung der Hauptvervandlungen in vollster Unparteilichkeit erfolgt ist. ist nicht nur von Angehörigen neutraler Staaten, die den Verbandsungen beigewohnt hoben, hervorg«- 6»ben worden, sonder« auch von Mitgliedern der eng­lischen Delegatton. die bei den Verhandlungen der englischen Fälle hinzugezogen worden wareu. Fch darf der Hoffnung Ausdruck geben, dotz der Oberste Rat da- Guiachien der Kommission nicht als genügende Grundlage aitfehrn wird, um das Verlausen nach An-ttefernng Deutscher zu wiederholen. Wie die deutsche Regierung seinerzeit nach Emvlang der Ans- fieferungsliste der Physischen NnmSglichkeit geaensiber- stand, die verlangte Ausführung durchzuführen, so wird auch heute Im vierten Jahre nach Beendigung des Krieges keine deutsche Regierung sich hal­ten können, die den Versuch machen würde, die Auslieferung zwangsweise durchzuführen. (Lebhafter Betfgll bet ber Mehrheit Zuruf des Abg. Avolf 5>offmanu: Da freuen sich die Verbrecher! Prä­sident Löhe ertrt't »em Abgeordneten einen Ord- nunaSruf.) Fch fann bie Befürchwng nicht unter­drücken, und die Reden des französischen Ministerpräsi­denten geben genug Anhaltspunkte dafür, dasi bie fran­zösische Regierung diese Fraae her fo<ier,amtten KrteaS- be'chuldiglen und noch gnbere fSrngen, so z. B. bie ber anaeblich noch nickst bnrrhgeffibrten Eutwasfnnngs- offtgn. bazu benutzen wi», um von neuem daS Sv'tem der @orontten unb Sanktionen anzuwen­den. mit dem man fett Abschlag d«4 Kriege? eeaen uns vorgeganaen ist. nnb da- in so verbnnanisvaUer Weise bie endaCttoe Reaeliing ber zwischen Deutschlanb und Frankreich zu bereinigenden Fragen verhindert hat. Wit werben biefem neagtiven nnfruchlbaren Programm ber franlösischen Regierung, trenn es ein solches sein foAte, ein positives Proaramm ep'neoerfeüen. von dem ich hoffe, baft es bie SflentldUe Meinung auch in Frankreich langsam auMören wird, Wichtigste in biefem Programm ist ein baldiger Wieberauf- b g w der zerstörten Gebiete Rordfraukreichs und Bel­giens. Ich stelle fest, daft schon mein Herr Amtsvor- Sänger in der am 23. 4. vottaen Jahre? der französi- f*en Realerung übergebenen Rote sich ouf3 bestimm­teste bereit erklärt hat. am Wiederaufbau mit allen verfügbaren SRittefn und Kräften mitznwirken unb bei der Durchführung Im einze'nen feden Wunfch b-r be­teiligten M-übte soweit irgend in berücknchti-

gen. Fm Verfolg biefer Erklärung ist bann nach lang- wieriaen Verbanbltingen zwischen bett Ministern Rtttbenau unb Lonck>mlr bas foaenannte Wiesba­dener Abkommen vom 6. Oktober 1921 zustande gekommen, »gs vor aüem dazu bestimmt war, den französischen Wunsch, die Wieberan^au'lefernngen trotz ber ungünstigen Laae ber frantäsischen Staats- fluonzen während ber allernächsten Fahre durchführen z« können zu berücksichtigen. Meines Erachtens wirb eS vor allem Aufgabe ber künftigen Reiwrativnsver- haudfungen fein, anf die eine oder andere Weife es Fronkrelch zu ermSafichen. feine zerstörten Gebiete a,if- zubgiien. Deutschland ist lebenfgUs bereit, das SS einige dazu »eiiittrnaen.ttnb es Tarnt sich auch für bas Fahr 1922 eine befrlebiaenbe Regelung der Revara- tlousfraoe nicht denke«, ohne datz die Fraae des Wie- dergufbaiiS NordsrankreichS habet in den Vordergrund gerückt ist.

Dm 6'ntrlomirimili.

Ue6et bie innere Lage Dentsck.lanbs

sagte der Reichskanzler: Wie weit die allzemeinesi BerHäftniffe der Nachkriegszeit es verhinderten, Ordnung in den deutschen Staatshaushalt zu brin­gen, will ich hier nicht erörtern, aber ich stelle fest, daß in diesem Punkt die Forderungen der Alliier­ten nach Abstellung dieses Mangels und das Jnfer- effe Deutschlands selbst absolut identisch find. Die Regierung hat sich daher bemüht, einerseits durch neue Steuern die Einkünfte des Reiches zu ver­mehren, andererseits die Ausgaben zu verringern, und die schwersten Defizits des Etats zu beseitigen. Die neuen Steuern, wie fie nun zustande kommen sollen, darf ich folgendermätzea skizzieren:

. r . r/

Das Gesamtaufkommen unserer Steuern nach Annahme der 14 Steuergesetze, die jetzt zur Derab. schiedüng kommen sollen, wird auf rd. 100 Milliar­den Mark gesetzt. Gegenüber den im Haushalt für 1921 eingestellten rund öb Milliarden Mark^bedeu­tet dies ein« Verdoppelung. Um dieses Ziel zu er­reichen, -war ein Kompromih notwendig,, der heut« 'Zustande gekommen. (Lochen ätff der äußerste» Linken.) An diesem Kompromitz haben fich dl« Parteien ' von der, Mehrheitssozialdemokrätie bis t.jur Deutschen Dolkspgrtei beteiligte Die gesamten Parteien haben,sich, im wesentlichen auf die Regie- runIsvörlagen geeinigt, jebodj mit folgenden Aen- b« t ungev

T Bei tzer P e rm ögenssteue r und der Der, mögevszttwachssteuer find die von der Regierung' vorgeschlagenen mittleren Tarife vorzufehen. Der Zuschlag zur Vermögenssteuer soll 200 Prozent be­tragen. Dazu soll durch Gesetz eine Z-w a n g s a tt< leihe in Höhe des Gegenwertes von 1 Milliarde Goldmark auferlsgt we-rden, die 'in den ersten drei Jahren unverzinslich bleiben soll. Dadurch sollen die Mittel 'für hie Kredite flüssig gemacht werden, die durch ^has Reichshaushaltsgesetz de, Rechnungsjahres isß bereitgestellt und nicht für die Verkehrsanstalten bestimmt find.

2. Die Rachrriegsgewinnsteuer foC fallen gelassen werden, da ihre Erhebung den Finanzämtern eine nicht im Verhältnis zum Auf­kommen stehende Arbeit verursachen und die Flüs- figmachung der übrigen Steuern erheblich verzögern würde.

3. Bei der Umsatzsteuer soll ausnahmslo, ein Satz von 2 P r o z e n t zur Anwendung kom­men. Die vielfach umstrittene Frage der Umsatz­steuer der Genossenschaften soll aus der Diskufiion ausscheiden. Insoweit soll es bei der Regierungs­vorlage sein Bewenden erhalten. (Hört,' hört! links.)

4. Die Kohlen st euer soll grundsätzlich 40 Prozent betragen mit der Möglichkeit der Anpas­sung an die Wirtschaftslage.

5. Die Zucker st euer wird mit Rücksicht auf hie starke Vorbelastung des Verbrauchs durch die Umsatz- und Kohlensteuer und auf die Bedeutung des Zuckers für die Säuglingsernährung auf 50 X für den Doppelzentner festgesetzt.

6. Die Zölle auf Kaffee, Tee und Kakao sollen nach den Vorschlägen des Reichswirtschafts- rates bemesien werden.

7. Bei der Biersteuer sollen bezüglich bet Steuersätze die Beschlüsse erster Lesung aufrecht er­halten werden. Die Regelung der Gemeindebier, besteuerung soll den Landessteuergesetzen überlasten bleiben.

8. Die Einheit der geplanten Steuervorlage soll durch ein Mantelgesetz gewährleistet werden. In dieses sollen die Vorschriften über die Zwangs- anleihe Aufnahme finden.

Im Anschluß an dies'.s große Gesetzgebungswerk wird bei den sonstigen Steuern geprüft werden, ob und inwieweit fie der Eeldwertentwicklung anzu- pasten sind. Ich nehme das Wort des englischen Premierministers vom internationalen Lertrauen auf als ein großes politisches Be­kenntnis, indem ich darauf hinweifr, daß auch das deutsch« Volk, die deutsche Demcckratie die Forde­rung n«ch Vertrauen erhebt mit Rücksicht auf das, was es bisher geleistet hat. Die Welt will den Frieden. Die Völker wollen den Weg frei haben für neue Aufbauarbeit. Der Weg kann nur führen durch das Tor eines wahren, dauernden Friedens. Dieser wird nur erzielt auf dem Woge der Ver­ständigung, auf dem der wirtschaftlichen Vernunft. Nun müssen die Männer der Wirtschaft, nachdem die politische Atmosphäre fich geklärt und gereinigt hat, beraten in Verfolgung des einen Zieles, zu einem wahrhaften Aufbau und demokratischen Völkerfortschritt zu kommen. Der Wiederaufbau Rußlands, dem auf der Konferenz in Genua be­sonderes Interesse zugewendet wird, kann nur im Einvernehmen mit Rußland ausgeführt werben. Wir würben bie größten Bedenken haben gegen eine Politik, die Rußland als eine Kolonie betrach­tet und behandelt. Der Reichskanzler gedenkt dann der Verdienste d«s verstorbenen Papstes, in dem Deutschland und die ganze Welt einen großen Völ­ker- und Menschenfreund und den arößt-n Förderer des Friedens verloren haben. Auch beute gelte b*i Ruf: Gebt der Wett den wahren Fried-n. Wir haben den guten Willen gezeigt, wir haben iHv dauernd bewiesen i» Vertrauen darauf, daß dir