Ärmliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
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Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen .«
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Tie „Oderheisiiche Zeitun " ericheint sechsmal wöchentlich. — Bez»gs»reis msaatlich ebne Zustellung 8.50 Mk. durch die Post 9.50 Mk. Für «ussallense Rümmer» i»folge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersetz. — Serleg von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ^Buchdruckerei von 3ob. Aug. Koch, Markt 2118 — Fernsprecher 56, DoftsLeckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt o. Main.
Marburg
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h« 25. Sonnt
HartumO»
Der Nu-eiaeuVreis beträgt für die - gefp. Zeile oder deren Kaum 60 Pf-. für den Millt» Meter, amtliche und ausmärtige 80 Pfg. Ändere Spaltenbreiten nach entsprechender Berechaang. Spät einlaufenve oder den Raum über */s Seite einnehmende An- leigee finO wir berechtigt, nach der Textspaltenbreite zu setze» und ,u berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Eol.-Zeile mit 6.00 Mk. Zeder Rabatt gilt all Barrabatt. Sei Änstunft durch die SeschästsfteUe und Vermittlung der Angebote 1 ML Ssndergebüdr.
57. m 1922
Denk daran!
Deutschland förderte vor dem Kriege 36 000 000 * Tonnen Eisenerze. Um den Bedarf unserer hochentwickelten Eisenindustrie zu decken, führten wir in Vorkriegszeit jährlich noch 14 000 000 Tonnen ein. Mit Elsaß-Lothringen verlieren wir 75 % unserer gesamten Eisenförderung. Der Verlust bedeutet für unsere Eisenindustrie den Todesstoh.
20 v. Hundert der Produkte unserer Kammgarnspinnereien, 15 </o der Erzeugnisse deutscher Kleiderstofffabriken kamen aus Elsaß- Lothringen. Man verlangt die Zahlung der Entschädigung, nachdem man Deutschland unserer wich- .tigsten Hilfsquellen beraubt hat.
ümtrili rsd die finimrz in 6m.
Segen Poinrar^s Imperialismus.
London, 24. Jan. Die Sektion der Vere'n'gten Staaten der interamerikanischen Oberkommission, deren Vorsitzender Handelsfekretär Hoover ist, hat einen Bericht veröffentlicht, in dem es heißt, bevor ein end- tzültiger Fortschritt in der Richtung einer dauernden wirtschaftlichen Wiederherstellung Europas oder der Delt erhofft werden kann, müßten zwei Hauptprobleme fgelöst werden: 1. Die Neuregelung der deutschen EntschSdigungszahlungen auf ei-e- Gru d'a e innere halb der praktischen Zahlungsfähigkeit des deutschen Volkes und 2. Ein« Verminderung der von gewissen Nationen auf dem europäischen Kontinent jetzt aufrechterhaltrnen bewaffneten Streitkräfte.
Die „Times" berichtet hierzu, es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß alle Teile de? amerikanischen Volkes mit der Erklärung üb^reinstimmen. Der ameri- kanische Präsident und sein Kab-n»tt. b-n^e Häuser des Kongresses, die Handelskammer, dir Bankiers, die Vertreter des Handels, der Industrie und der Landwirt- schaft, alle seien der Ansicht, daß dies die Bringungen für die Wiederherstellung der Welt find und daß diese Bedingungen d« Teilnahme der Vereinigten Staaten an der Konferenz von Genua ermöglichten. Der Berichterstatter der „Times" weist darauf hin, daß der obenerwähnte Bericht der Presse zur Veröffentlichung übergeben wurde unmittelbar nach der Erklärung Poincares, daß Deutschland die gesamte Summe bezahlen müsse und daß die Teilnahme Frankreichs an der Konferenz von Genua von der Versicherung abhängen werd«, daß di« Konferenz sich nicht mit der Frag« einer Abänderung des Vertrags von Versailles befasse.
Einer Reutermeldung zufolge berichtet die „New York Times", daß die Veröffentlichung des Berichtes im gegenwärtigen Zeitpunkte großes Interesse erregt im Zusammenhang mit den Vermutungen über die -Wahrscheinlichkeit der Teilnahme .der Vcreinig'en Staaten an der internationalen Wirtschaftskonferenz von Genua. Es verlautet, daß die amerikanische Regierung bestrebt sei, zu wissen, bevor sie ihre Entscheidung hierüber trifft, ob eine Neuregelung der deutschen Entschädigungen stattfinden werde und ebenfalls, wo die Frage der Herabsetzung der Landrüstungen -zwecks Verbesserung der finanziellen Lage von gewissen «iroväischen Nationen, insbesondere Frankreich, hi Erwägung gezogen werde.
London, 24. Ian. Einer Exchangemrldung •us Washington zufolge sind Hughes und Hoover gegen die Teilnahme der Vereinigten Staaten •n der Konferenz von Genua oder an irgendeiner anderen Wirtschaftskonferenz, bevor nicht Frankreich dem ursprünglichen Flottsnubereinkommen zugestimmt und eine weniger kriegerische Haltung ein- timmt, bevor nicht Rußland sein Heer abrüste und bevor nicht Europa allgemein seine durch die militärischen Ausgaben aus dem Gleichgewicht gebrachten Voranschläge in Ordnung briiPe.
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■ Die Gehalts- und Lohnbewegung.
' Ultimatum der Eifenvahnbeamten^ewerkfchaft.
? Berlin, 25. Jan. Wie das „Berl. Tagebl." dntteilt, hat der erweiterte Vorstand der Reichsgewerk- Maft deutscher Eisenbahnbeamten und Anwärter zu wem von der Regierung gemachten Zugeständnis in der «rage des Teuerungszuschufies und zu der Arbeitszeit Stellung genommen und beschlossen, ein befristetes Ultimatum an die Reichsregierung zu richten, in Wem sie sofortige Verbcsserimg der Einkommenverhält- Msse, insbesondere die Erhöhung der Gehälter der Mteren Gruppen, verlangt, und in dem das Arbeiks- Witgesetz abgclehnt wird.
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1 Berlin, 24. Jan. Blättermeldungen ans Essen kfolge hat die Lohnkommisfion der drei Spitzenver- Mndr der Metallarbeiter in Hagen und Schwelm zur
Bor einer Kabinettskrise?
finit Wims U btt eitntririit.
Berlin, 25. Jan. Die gestrigen interfraktionellen Besprechungen über das Steuerkompromih haben zu keiner Einigung geführt. Während der Verhandlungen ergriff der Reichskanzler wiederholt das Wort, um die Lage zu beleuchten und die Dringlichkeit des Kompromisses hervorzuheben. Die Siyialdemokratie gab die Erklärung ab, daß sie auf einem sichtbaren Opfer be» Besitzes bestehen müßte, sei es auf dem Wege der Zwangsanleihe oder auf irgend einem anderen Wege, auf dem dieses Ziel erreicht «erden könne. Gegen die Zwangsanleihe wurden auch außenpolitisch« Gründe vorgebracht. Bedauert wurde, daß einzelne Parteien immer so tun, als ob der Besitz in- Deutschland überhaupt nichts zahle und als ob der Arme ganz allein die Steuern aufbringen muß. Damit werde den Verbündeten eine gern benutzte Handhabe gegeben, zu behaupten, daß in Deutschland nicht genug Steuern aufgebracht werden. Es wurde vor- geschlagrn, die Zwangsanleihe einer späteren Zeit zu überlassen, wenn sie durchaus notwendig sei. Die Sozialdemokraten verlangten aber ein besonderes Ermächtigungsgesetz dazu. Die Verhandlungen wurden darauf abgebrochen.
Zentrum, Bayerische Volkspartei, Deutsche V<^ks- partei und Demokraten werden heute in einer gemeinsamen Sitzung zu der Haltung der Sozialdemokratie Stellung nehmen.
Der „Lok.-Bnz." berichtet zu der interfraktii> netten Besprechung: Die Sozialdemickraten verlang- trn, daß durch die Zwangsanleihe 1 Milliarde in Gold durch Gewerbe und Industrie aufgebracht werden sollen. Außerdem solle die Zwangsanleih.'
Durchsetzung ihrer Lohnforderungen den allgemeinen A u s st a n d beschlossen.
Dresden, 24. Ja«. Ten dlbenbb'ä tern --'folge kann der Eisenbahnerausstand in Dresden und Umgebung nunmehr als znsovmen^ebnschen gelten. Tas Personal ist größtenteils wieher zur Arbeit erschienen, obwohl von einer geregelten Durchführung des Betriebes noch nicht gesprochen werden kann. Die Güterbahnhöfe sind zum Teil verstopft- Kohlennot erhöht die Schwierigkeiten, sodaß bereits die Ltllahr der Einstellung des AaStoerksbetrmbs droht. Die Oberpost- dirrftion teilt mit) daß die Annahme von Paketen und WertscndnnAen vorläufig eingestellt ist.
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Die französischen g^rdernngen.
P a r i s, 24. Jan. lieber die gestern dem sran- zösischen Botschafter in London erteilten Weisungen für die Fortsetzung der Verhandlungen mit der englischen Regierung berichtet Havas offiziös, die französischen Vorschlags betreffend des geplant« englisch-französischen Schutzvertrages seien folgende:
Die ursprünglich auf 10 Jahre festgesetzte Dauer des Abkommens fei nach Ansicht der französischen Regierung unzureichend. Sie schlage eine Ausdehnung auf 15 ober 20 Jahre vor. Das Abkommen muffe den Charakter der Gegenseitigkeit haben. Richt nur ein deutscher Angriff auf französische, Gebiet. sondern auch ein solcher gegen die verbündeten Truppen in der neutralisierten Rheinzone müsse als eine feindliche Handlung gelten, durch die ba$ Abkommen wirksam werde. Schließlich müffe die militärische Unterstützung beider Mächte für den gegebenen Fall hinsichtlich des Umfanges und der Dauer durch dauernde Abmachungen zwischen beiden Eeneralstäben, ähnlich denen des Jahres 1912 geregelt werden.
Die Orientfrage wird durch die Konferenz der Minister des Aeußern von England, Italien und Frankreich Anfang Februar in Paris verhandelt. Das Abkommen von Angora steht jetzt nicht mehr auf der Tagesordnung.
lleber die Konferenz von Genua sollen später Unterhandlungen ausgenommen werden. Bis jetzt habe die Sowjetregierung die offizielle Einladung zur Konferenz noch nicht beantwortet. Die ersten Beratungen der Konferenz von Genua sollen sich nach dem Wortlaut der Tagesordnung auf die Möglichkeit beziehen, u. a. folgende Grundsätze in die Praxis umzusetzen: Anerkennung der öffentlichen Schulden, Einführung eines normalen Wäh- rungssystems, Verzicht auf jede Propaganda und jeden Angriff gegen die Nachbarstaaten.
sofort erhoben werden. Für die ersten 5 Jahre sott sie nach den Forderungen der Cqialdemokraten nicht verzinst werden, und für die weiteren 10 Jahre soll sie nur 2% Prozent Zinsen abwerfen. Von volkrparteilicher Seite wurde in der Sitzung darauf hingewiesen, daß eine derartige Summe unmöglich ans unserem Wirtschaftsleben herauszu- zrehen sei. Es heißt, daß Reichskanzler Dr. Wirth unter Umständen geneigt sein dürfte, die sozialdemokratische Zwangsanleihe mitzumachen und daß er auch eine Verständigung mit den Unabhängigen nicht ungern sehen würde. Man glaubt, daß Dr. Wirth, der ursprünglich gestern sprechen wollte, morgen vor dem Plenum des Reichstages seine programmatische Erklärung abgeben wird.
Dem „Vorwärts" zufolge hat der Reichskanzler den Vorstand der Fraktion der Unabhängigen für heute zu einer Besprechung eingeladen.
Der volksparteilichen „3<it" zufolge kann man sagen, daß die Fraktion der Deutschen Volkspartei die sozialdemokratische Forderung einer Zwangs- anleihe ablehnen wird. Im Anschluß an die Beratungen der bürgerlichen Fraktionen soll eine interfraktionelle Besprechung mit den Sozialdemokraten stattfinden. Die Blätter befürchten, daß, wenn es zu keiner Verständigung kommen sollte, die Stellung des Kabinetts Wirth ernstlich gefährdet fei.
Rach dem „Berl. Tageblatt tragt man sich in den bürgerlichen Parteien mit der Idee, als weiteres Zugeständnis neben der sofortigen Erhebung des zweiten Rotopfer-Drfttels auch gleich noch die Einziehung des letzten Drittels vorzuschlagen.
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Englische Bedenken.
Paris, 24. Jan. Nach dem „Temps" gibt es in London eine lebhafte Opposition gegen eine Ausdehnung des englisch-franzefifchen Garantiepaktes über zehn Jahre. Ein besonderes Mißtrauen zeige sich hinsichtlich der Ausdehnung der Garantien auf Polen. Die Engläkürer feien nur aus sentimentalen Gründen für den Abschluß des Ver- trnges. Es gebe jedoch auch Engländer, die die Gefahr nur von französisch nc Seite kommen sähen. Dies sei eine Folge der Besetzung von Frankfurt und Darmstadt im Jahre 1920.
Znstruttivnen für den französischen Botschafter in London.
Paris, 24. Jan. Die Havasagentur veröffentlicht folgende Rote: Der Minister für auswärtige Angelegenheiten hat dem französischen Botschafter in London Instruktionen zugehen laffen, damit er den Standpunkt der französischen Regierung hinsichtl'ch der ztvischen dmr beiden Regierungen in der Schwebe gebliebenen Fragen, namentlich was den tritisch-französischen Schutzvertrag anbe- trifft, auseinandersetze. Die Verhandlungen werden sobald als möglich aufgeiwmmen werden, um auch zu einer Regelnng des Problems von T a n - ger zu gelangen. Von der Konferenz von Genua sei jedoch hierbei vorläufig nicht die Rede.
Sin Gelbbuch Poincarös.
Paris. 24. Jan. Wie das „Echo de Paris" mitteilt, wird Ministerpräsident Poincarö ein Gelbbuch veröffentlichen, das Dokumente über den Balkankrieg und den Ursprung des großen Krieges enthält.
„Das industrielle Herz Europas."
New York, 24. Fan. Senator France erklärte tx einer Rede, ein allgemineS Aufleben deS Handels zwischen den groben Rationen könne nicht erfolgen, bevor tbre geeenfeittaen Verpflichtungen in befriedigender Weife ausgeglichen oder liauidiert worden seien. Richt nur Rußland liege am Boden, sondern auch Deutschland, daS industrielle L>erz Europas, sei lahmgelegt. Die Vereinigten Staaten müfiten eine Wirtschaftskonferen, insbesondere zur Erörterung der Rittet zur Liguidterung der Internationalen Verpflichtungen etnbenifen.
Aegyptischer Aufruf zum Boykott.
Kairo, 24. Fan Hier wurde ein von acht Mitgliedern deS Nationalistischen Komitees unterzeichneter Aufruf veröffentlicht, worin die Aegypter aufgefordert werden, gegen die EnglSnder, die von den radikalen Rationalist« Indiens befolgte Vovkottmetdode anzuwenden. Die einmütige erfindliche Anwendung der Bovkottwaffe werde die EnglSnder zwingen, die Rechte der Aegypter anzuerkennen und ihre Freundschaft zu suchen. Die Verhaftung der acht Unterzeichner wurde verfügt und alle Zeitung««, bte den Aufruf veröffemüchleu, werd«» verboten.
5m fimns im die MsW.
Bon Geh. Reg.-Rat Oberschukrat Dr. Runkels M. d. R. (D. SPD.
Das Hauptinteresse weiter Kreise unseres Sollet wird sich nunmehr den Verhandlungen über daS Reichsschulgesetz zuwenden, da dieses seine vitalste« Interessen berührt. Es beginnt der parlamentarische Kampf um die Kindetteele und damit letzten Ende- um die Volksseele. Zunächst kann dieser Kampf nur auf dem Boden der Serfaffung ausgefochten werden. Zum Verständnis der kommenden Verhandlungen ist es daher noch einmal notwendig, sich die Bestimmungen der Verfassung zu vergegenwärtigen, die für die Ausgestaltung des Gesetzes massgebend sind. In Betracht kommt zunächst Artikel 146, Absatz 1:
.Das öffentliche Schulwesen ist organisch auszugestalten. Aus einer für alle gemeinsamen Grundschule baut sich daS mittlere und höhere Schulwesen auf. Für diesen Aufbau ist die Mannigfaltigkeit der Lebens« berufe, für die Aufnahme eines Kindes In eine bestimmte Schule find seine Anlage und Neigung, nicht die wirtschaftliche Stellung oder das Reltgwnsbekennt- nis feiner Eltern maßgebend/
Absatz 2: .Innerhalb der Gemeinden sind inde- auf Antrag von Erziehungsberechtigten Volksschulen ihres Bekenntnisses oder ihrer Weltanschauung einzu- ttchten, soweit hierdurch ein geordneter Schulbetrteb auch im Sinne des Absatz 1 nicht beeinträchtigt wird. Der Wille der Erziehungsberechtigten ist möglichst zu berücksichtigen. Das Nähere bestimmt die Landesgesetzgebung nach den Grundlagen eines Reichsgesetzes."
Artikel 149, Absatz 1: .Der Religionsunterricht ist ordentliches Lebttach der Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien (weltlichen) Schulen. Seine Erteilung wird im Nahmen der Schulgesetzgebung geregelt. Der Religionsunterricht wird in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen der betreffenden Religionsgesellschast unbeschadet des Aufsichtsrechts des Staates erteilt."
Danach sieht die Verfassung drei Arten von Schulen vor und zwar 2 christliche Schulen: die christliche Gemeinschaftsschule und die Bekenntnisschule, und eine weltliche: die Weltanschauungsschule.
Die Aufgabe des Reichsschulgesetzentwurss war es nun, diese verfassungsmässigen Schulen näher z« charakterisieren und ihre landcsgesctzmäßige Ausgestaltung sestzulegen.
Nach dem Reichsschulgesetzeniwutt gliedern sich nut» die Volksschulen tote folgt:
1. Die Gemeinschaftsschule, daS ist di« für alle gemeinsame Volksschule, die Religionsunterricht im Sinne des Artikels 149, Absatz 1 der Reichs- Verfassung erteilt.
2. Die Bekenntnisschule, die grundsätzlich zur Aufnahme von Schülern eines bestimmten Bekenntnisses dient und in diesem Bekenntnis lehrpian« mässigen Religionsunterricht im Sinne des Artikels 149, Absatz 1, erteilt.
3. Die bekenntnisfreie Schule, die bekennt- nismätzigen Religionsunterricht im Sinne von Artikel 149, Abs. 1 nicht erteilt, und zwar
a) die weltliche Schule, die ohne Einschränkung des Bekenntnisses ober der Weltanschauung zur Aufnahme aller Schüler dient;
d) die W e l t a n s ch a u u n g s s ch u l e. die grundsätzlich zur Ausnahme von Schülern bestimmt ist, die für keine bestimmte Weltanschauung erzogen werden sollen.
Es fällt ohne weiteres auf, daß die Schulen deS Entwurfs nicht die Schulen der Verfassung find. Schon rein äusserlich. Die Berfassung kennt die weltliche Schule des Entwurfs nicht. Die weltliche Schule der Verfassung in Artikel 146 und 149 ist die Weltanschauungsschule. Massgebend für die Beurteilung sind die Verhandlungen bei der dritten Lesung der Verfassung in Weimar, in der der Wortlaut der Verfassung festgelegt wurde. In der britten Lesung wurde das Wort „Weltanschauungsschule" für „weltliche" Schule eingesetzt. Die weltliche Schule des Entwutts ist daher verfassungswidrig und ihre Annahme ist an eine Verfassungsänderung gebunden.
Auch die „Gemeinschaftsschule" ist nicht die in der Verfassung vorgesehene „Gemeinschaftsschule" oder Si- multauschule. Sie soll die Regelsck-ule des Kompromisses von Weimar sein, ist eS aber nicht. Tie Gemeinschaftsschule der Verfassung ist eine christliche Schule, die Gemeinschaftsschule des Entwurfs ist eine weltliche Schule. EL ist ein neuer Schultyp, Der vier eingessihrt w'rd. In der christlichen Gemeinschaftsschule der Verfassung wurde der gesamte Unterricht in christlichem Geiste erteilt, und christlich-nationales Kulturgut vermittelt. In der weltlichen Ge- metnschastsfchule darf von religiöser Weltanschauung keine Rede sein. Der Unterricht ist durchaus bekennt- nislos. Allerdings ist Religion ordentliches Lehrfach. Sie oat aber mit dem übrigen Unterricht keinen Zusammenhang. ist ein Fremdkörper im GesamiorganiS- mus dieser Schule.
Verfassungswidrig ist auch die Behandlung der fcitSerlgett Simultanschulen oder christlichen Gemeinschaftsschulen in § 15 des Entwurfes. Durch Arftkek 174 der Verfassung ist der weitere Bestand dieser Schulen gewährleistet. § 15 des Entwurfs befchr sinkt dem Sircn und Wortlaut der Verfassung et: t gegen die Sinmltanschulcn regional. Indem er sie nur auf Baden, L essen und Rassait beschrsinft und zeitlich, indem er Re auch in diesen Ländern nur „bis auf weiteres" gel'en lässt. Derfassnnaswidria ist dann aurfv dass alle übrigen Simultansckulen umzuwandeln sind.
Die Stellungnahme der Deutschen Volksvartei ergibt sich aus ihrer liberalen Weltanschauung. Danach tritt sie ein für die Erhaltung der beiden christlichen Schulen, für die Bekenntnisschule und für die christliche Gemeinschaftsschule, lehnt sachlich und formell die weltliche Gemeinfchaftsfchule ab als Verfassung s- widrig und kulturfchädigend, lehnt auch auS Weltanschaungsprnnven Vie beiden weltlichen Schul« als dentsche Kuimrschillen ab, {test aber «4