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Nmrliches VerWndigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger jur (das früher kurhesfische) Oberhessen ch
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SMe „Cberbeifiitbe Zeit»» ' erscheint Sechsmal wöchentlich. — Sejugspxeis monatlich ohne Zustellung 850 ffld, durch die Poft 9.50 Ml. Für ausfallende Nummer» infolge Streiks ooer elementarer Ereignis!» kein Eriatz. — Setlag von De. L. Hltzerotd. — Druck der Unitu-Buchdruckerei von Jod. Aua. Koch, Markt 2123 — Fernsprecher 55,
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Marburg
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57. m 1922
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Denk daran!
Der bekannte englische Volkswirtschaftler Keynes in seinem Buche: „Die wirtschaftlichen Folgen bes Friedensvertrages:
„England Hat in diesem Weltkriege wie in jedem Jahrhundert einen wirtschaftlichen Konkurrenten vernichtet."
Ll^meneeau im November 1918 vor der französischen Kammer während der Verhandlungen Lber die Ratifikation der Versailler Friedensbedingungen:
„Der Frieden ist die Fortsetzung des Krieges tiit veränderten Mitteln."
werden. Wenn also eine Steuerfront über die Reihen der alten Koalition hinaus gebildet werden oll, so wird Dr. Wirth zwischen den Unabhängigen und einem bürgerlichen Zuwachs wählen müssen.
Aber nicht die Steuerfragen allein beherrschen heute die parlamentarische Lage, sondern minde- itens ebenso die Fragen, die im Auswärtigen Ausschuß gestern rerhandelt worden sind. Hierbei handelt es sich um die Vorschläge, die die deutsche Regierung bezüglich der deutschen Leistungsfähigkeit den Verbündeten machen soll. Aus diesen Vor- chlägen und aus den Steuerfragen muß ein einheitliches Regierungsprogramm gebildet werden, wie ja auch die Ausstellung, die dem Entschädi- aungsausfchuß überreicht wird, einheitlich sein muß. Und wie bei den Steuerfragen, so muß auch in der
Zm MmniM dn Weitste.
** Berlin, 19. Jan. Durch zwei Ereignisse ist die neue Tagung des Reichstages eingeleitet worden: Durch die Rede des Reichskanzlers auf dem Zentrumsparteitag und durch die Sitzung des Auswärtigen Ausschusses. Die Worte, die Dr. Wirth vor seinen Parteigenosien gesprochen hat, bilden den Auftakt der Steuerberatung, die jetzt in ihr entscheidendes Stadium getreten ist. Man wird wohl damit rechnen können, daß die Verabschiedung der Steuervorlagen selbst dem Reichskanzler jetzt in absehbarer Zeit gelingt. Dr. Wirth hat zwar am Dienstag Ausdrücke gebraucht, die recht bedenftich nach einem Konflikt klangen. Aber damit wurde wohl mehr der taktische Zweck verfolgt, der sozialdemokratischen Re'chstagsfraktion für. ■ ~:,-ung noch eine Art sanften Rippenstoßes zu c Zwischen den Verhandlungsführern des Zen ; _> und der Sozialdemokraten ist schon seit
einiger Zeit die Grundlage für eine Vereinbarung gefunden worden. Man traute aber der sozialdemokratischen Reichstagssraftion nicht ganz. Und deshalb hielt es Dr. Wirth wohl für nötig, ihr noch einmal zu sagen, was gegebenenfalls auf dem Spiele stehen könnte. Die Sozialdemokraten wißen ganz genau: Werfen sie Dr. Wirth das Steuerbukett vor die Füße, so wird damit die ganze Re- gierungsfreundschast aufgekündigt: denn eine Regierungspartei, die sich um die Pflicht der Steuerbewilligung drückt, ist undenkbar. Deshalb werden bis zur Entscheidung über die Steuerfrage im Plenum voraussichtlich auch die letzten sozialdemokratischen Widerstände überwunden sein.
Unklar ist heute nur die Frage, wie di« künftige Regierungskoalition aussehen wird. Sie wird ganz gewiß größer sein, als die gegenwärftge, die zwar für die Verteilung der Regierungsämter einen sehr bequemen Schlüssel hat, die aber viel zu schwach ist, um noch länger allein die Lasten der Regierungsverantwortung zu tragen. Vermutlich wird sich auch mit der Einstellung zu den Steuerfragen schon ungefähr das Gesamtbild der künftigen Koalition ergeben. Denn es ist das Mtürlichste von der Welt, daß keine Partei diese hohen und schweren Stuern bewilligen wird, wenn sie nicht auch weiß, daß sie durch ihre Teilnahme an der Regierung Einfluß auf das ganze Finanzprogramm erhält. Es wird sich also für die Parteien zunächst darum handeln, ob sie sich dem Steuerkompromiß, mit dem man innerhalb der Regierungsparteien rechnen kann, anschließen wollen. Darüber sind heute bestimmte Voraussagen »och nicht möglich. Von der demokratischen Partei wird zweifellos ein großer Teil Dr. Wirth unter allen Umständen treu bleiben. Nachdem auch Dr. Rathenau wieder ein ziemlich fester Bestandteil der Regierung geworden ist, können sich die Demokraten auf die Dauer wohl nicht mehr der Notwendigkeit entziehen, aus dem regierungsoffiziösen Zustand wieder in den regierungsoffiziellen überzutretsn. Die Haltung der Deutschen Volkspartei wird llch aber sicher nicht nach rein taktischen Gesichtspunkten richten, sondern sie wird mit den bisherigen Steuergrundsätzen dieser Partei im Einklang bleiben. Die Sozialdemokraten werden selbst bei einem Eintreten für die gesamten Steuervorlagen doch immer bestrebt sein, soviel Rücksicht auf die Unabhängigen zu nehmen, daß ihnen von dieser Seite aus nicht alle Töpfe zerschlagen werden können. Diesem Agitationsbedürfnis der Sozialdemokraten können indessen verantwortungsbewußte Parteien unter keinen Umständen ein Opfer ihrer Ueber- zeugung bringen. Die Deutsche Volkspartei will sicher keine Schonung des Besitzes, sondern sie tritt für eine Belastung der Besitzenden bis zur höchst- zulässigen Grenze ein. Aber die Grundsätze einer gesunden und vernünftigen Wirtschaftspolitik fordern unter allen Umständen ihr Recht, und sie dürfen auch taktischen Erwägungen nicht geopfert
Frage der Entschädigungsleistung die Gesundung und Erhaltung der deutschen Wirtschaftsftaft der oberste Grundsatz sein. Die bisherige Regierungspolitik seit dem 10. Mai ist diesem Grundsatz immer untreu gewesen. Sie hat Unmögliches versprochen, nur um wieder ein paar Tage vorwärts zu kommen, bis dann schließlich der Zu- dmmenbruch unvermeidlich war. In dieser Weise darf der Kurs nicht fortgesetzt werden, sondern es muß die Regierungspolitik unter Ausnutzung der jetzt gebotenen Gelegenheit darauf gerichtet fein, eine wirklich vernünftige Grundlage für unsere Entschädigungsleistung zu gewinnen. Nur wenn das geschieht, ist die Möglichkeit für eine Verbreiterung der Reichskoalition nach rechts gegeben. Diese Voraussetzung ist mindestens ebenso wichtig, wie die Beachtung der wirtschaftlichen Gesichtspunkte bei den Steuern. Und es hat leider den Anschein, als ob die Regierung diese Voraussetzung nicht erfüllen, sondern in ihrem bisherigen Kurs mit der Abgabe unerfüllbarer Versprechungen und dem Eingehen unerfüllbarer Verpflichtungen fortfahren wollte. Es find nur wenige, aber außerordentlich wichtig« Tage, vor deren Ablauf der Reichstag Klarheit über das alles geschaffen haben muß.
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Der Auswärtige Ausschuß de» Reichstazs ist von seinem Vorsitzenden, Dr. Stresemann, für heute vormittag 10 Uhr zu einer Sitzung einberufen worden.
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Um das Steuerkompromitz.
Berlin, 20. Jan. Die sozialdemokratische Reichstagssraftion hat gestern ihre Beratungen über die Steuerfrage abgeschlossen. Laut „Vorwärts" wurden die Angebote der Reichsregierung in mehreren Puntten als nicht weitgehend genug bezeichnet. Der Plan einer Zwangsanleihe vermag bei weiteren Zugeständnissen der Regierung vielleicht zu einer Verständigung zu führen, wenn er als ein sichtbares Opfer des Besitzes zu betrachten ist. Die „Deutsche Allg. Ztg." und das „V.T." glauben, daß die gestrigen Beschlüße der sozialdemokratischen Reichstagssraftion eine Basis für Verhandlungen mit dem Zentrum darstellen, die zu einem Steuerkompromiß führen könnten.
Im Anschluß an die gestrige Sitzung der sGial- demokratischen Reichstagsfraktion tagte der gemeinsame Steuerausschuß der beiden sozialistischen Parteien und der Freien Gewerkschaften. Beschlüße wurden nicht gefaßt. Man wird jedoch von neuem zusammentreten, wenn ein Ergebnis der heute beginnenden Verhandlungen zwischen dem Zentrum und der Sozialdemokratie vorliegt.
Näte-Rutzland.
S Millianen Opfer des Hungers.
Moskau, 17. Jan. Rach einer neueren Schätzung beträgt die Zahl, der Unverpflegten in Rußland, die dem Hungertod« preisgegeben find, trotz aller Anstrengungen und trotz der ausgiebigen amerikanischen Hilfe immer noch neun Millionen.
Die laufende Woche ist in ganz Rußland der Hilfsaktion für das Wohl der Roten Armee gewidmet. Es handelt sich insbesondere um die Schaffung behaglicher llnterkunftsräume und die allgemeine Verbeßerung der Lebensbedingungen der Rotgardisten.
Kopenhagen, 19. Jan. Wie die bolschewistischen Zeitungen Rußlands mitteilen, befindet sich Kaukasien unter den Gebieten, die am meisten unter dem Hunger zu leiden haben. Im Gouvernement Stawropol herrschten so fürchterliche Ber- hältniße, daß neun Zehntel d-r Bevölkerung vor dem Frühjahr verhungert sein werden, wenn nicht Hilfe kommt.
Porncarv vor
der Kammer.
Dit RMMWttlliirW.
Beschuldigungen Deutschlands.
Paris, 19. Jan. Ja der ministeriellen Erklärung, bte Poincare heute in der Kamaz er und Justizm'Nister B a r t h o u üu Senat abgegeben hat, heißt es:
Wir werden die französisch en Fmanzen nur retten, -vVn Deutschland, für das wir bereits fo viele Milliarden vorgestreckt haben, endlich die Verpflichtungen erfüllt, die tS übernommen hat, und den Schaden wieder gutmacht, den es verursachte. Es wäre die skandalöseste Ungerechtigkeit, wenn ein Land, das einen unentschuldbaren Angriff zu erdulden hatte, und von dem zehn Departements durch die Invasion verwüstet wurden, nach dem Sieg auf eigene Kosten die Ruinen wieder aufbauen müßte, die ein vierjähriger Krieg auf seinem Gebiet verursacht hat, und wenn seine Steuerzahleu die regelmäßigen Zahlungen der Pensionen und Zuwendungen an die Kriegsopfer, die Witwen und Waisen, Pensionäre und Kriegsverwundeten und an die Familien der durch den Feind Witterten Zivilpersonen auf sich nehmen müßten. Ein« sinnlose Propaganda, deren Nrheber unschwer zu finden find, macht sich heute gegen Frankreich geltend und bemüht sich, seine Haltung und seine Absichten zu entstellen. Man stellt uns so dar, als ob wir von einer Art imperialistischem Wahnsinn befallen wären und klagt uns an, daß wir insgeheim verdächtige Absichten hegten, als ob der Krieg u»s nicht genug Opfer auferlegt hätte, als ob wir nicht teurer als alle »udere den Frieden erkauft hätten, den wir konloli- dieren sotten. Wir verlangen nur bte Erfüllung der Verträge, die da« Parlament ratifiziert hat, der Vertrage, die außer der Unterschrift Deutlchlauds die Unterschrift Frankreichs und aller anderen alliierten Länder trage». Wir verlangen nur das, was man unS schuldet. Wie kSnnte Frankreich in dieser lebenswichtigen Frage nachgeben? Deutschland behaupte», daß es zahlungsunfähig sei, während es tatsächlich seine Staatseinnahmen systematisch vergeudet. ES ist weniger mit Steuern belastet als Frankreich und zieht nicht einmal regelmäßig diese Steuern eilt. Es macht übermäßige Ausgaben, und seine Papiergeldausgaben, die seine Währung herabdrücken, begünstigen seinen Er- Port. Es läßt seine Großindustriellen ihre ausländischen Devisen in ausländischen Unternehmungen anlegen. Aber während es dermaßen ein scheinbareSElendorga- nisiert, verteilen seine Gesellschaften ungeheure Dividenden, seine Fabriken sind in vollem Betrieb, seine Wirtschaftskraft steigert sich mit jedem Tage, und während der Staat sich ruiniert, bereich ert s i ch dar Volk. Aber es ist die gesamte Nation, die mit ihrem Vermögen und ihren Einkünften für die Staatsschulden haftet. Die Regierung betrachtet aL wesentliche Bedingung eines allgemeinen wirllchaftlichnt Wiederaufbaus den Wiederaufbau der verwüsteten Gebiete, besonders in den beiden Ländern, die zuerst von Deutschland angegriffen wurden und die unzertrennbar gewesen sind in der Prüfung, und die diese Prüfung auf ewig unzertrennbar gemacht hat: Belgien und Frankreich. Wenn Deutschland in dieser wesentlichen Frage seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, werden wir nach AnhSrnng der Reparatwnskommission die zu treffenden Maßnahmen zu prüfen haben, tmd die erste wird sicher sein, di«
Errichtung einer ernsth aften und wirksamen Kontrolle
über das Reichsbudget, die Papiergeldausgabe und dir Ausfuhr, ohne Präjudiz der Pfänder »nd Garrntten, die sich alS notwendig erweisen sollten. So bedeutend dies auch für die Zukunft Frankreichs sein mag, darf es doch nicht die anderen Klauseln deS Friedensvertrages in Bergeßendeit bringen, wie die Entwasftinng und die
Bestrafung derKriegsbeschuldiaten.
Solange sie nicht ausgeführt sind, haben wir nicht nur das Recht, restlos die Zwangsmaßnahmen auf- -echt zu erhalten, die ergriffen worden find, und n?enn es sich als notwendig erweisen sollte, neue zu ergreifen, sondern wir wären darüber hinaus auch berechtigt zu erklären, daß die Räumungsfristen für das linke Rhetnufer noch nicht zu laufen begonnen haben.
Die Einladungen zur Konferenz von G e n u a wurden von den verbündeten Mächten versandt. Wir werden nachdrücklichst fotbern, daß die im Programm von Cannes sestgelegten Bedingungen von den Delegierten por jeder anderen Debatte angenommen oder abgelehnt werden und daß keine Bestimmung der Verträge, selbst nur •nbirett, auf der Konferenz in die Debatte gezogen wird. Wen» wir in dieser Hinsicht keine genauen Garantien erhalten, würden wtt gezwungen sein, uns Handln ngSfreiheit vor»u behalten. Wir werden unS sehr glücklich schätzen, wenn das Abkommen, Sa? der Festigung des Friedens dienen soll, baldigst von Frankreich und England unterzeichnet werden kann. Wir zweifeln nicht daran, daß eS ohne Einschränkungen die gegenwärtigen und künftigen Garantien bei- behält, die die Friedensverträge anerkennen«
LMßlmmdMk.
Ms Poincare die Kammertribüne bestieg, wurde er unter Protest der Sozialisten bis weit in die bür- gerliche Mitte hinein begrüßt. Die Erklärung wurde aufmerksam angehört. Fast einmütig wurden die Stellen der Erklärung beklatscht, die von der Wiedergutmachung sprechen, ferner die Stelle, daß das gesamte deutsche Volk für die Staatsschuld hafte.
Als erster Interpellant ergriff Abg. Girard das Wort, der nur wenige Minuten sprach.
Als zweiter Interpellant besteigt der Sozialist Alexandre B a r e n n e die Rednertribüne. Er erklärt, Poincare habe mit der Tradition gebrochen, daß ein ehemaliger Präsident der Republik sich ins Privatleben zurückziebc. Er sei zur Schlacht zu- rückgekchrt, aber nach Ansicht der Sozialisten von der falschen Seite, und deshalb seien sie seine entschiosienen Gegner. Die Uebernabme der Regierung habe große Erregung geschaffen. (Man ruft auf der Rechten und in der Mitte: Deutschland!) Abg. Viftenne verwehrt1 sich gegen die Unterbrechung und verlangt den Schutz des Kammerpräsidenten. Er fährt fort, eine Legende '■ umgebe Poincare. Die Bildung seines Ministeriums und seiner Erklärungen seien nicht dazu angetan, in entschiedener Weise zu beruhigen. Anstelle eines Ministeriums der nationalen Union habe er ein Ministerium des nationalen Blocks geschaffen. Er habe da- Ministerium Briand ohne Briand gebildet. Sollten sich die Mitarbeiter Briands zu Poincares Politik b e- ' kehrt haben? Darm Hütte man Unrecht getan, dar Ministerium Briand zu stürze». Der Friedensvertrag von Versailles sei nicht nur zwischen Frantteich und 1 Deutschland abgeschlossen worden, sondern zwischen '■ den Verbündeten und Deutschland. Wenn di« Der»1 bündeken in der Politik des Zwanges Frantteich nicht' folgten, was werde Frankreich tun? Werde es allein* vorgehen? Entweder werde Deutschland sich wider-' setzen, oder es werde sich weigern. Im ersten Fall« werde die französische Regierung die Verbündeten nicht an ihrer Seite haben. Die andere Polittk habe den Vorteil, daß die Verbündeten mit Frankreich gingen, während die Politik Poincares zur Isolierung führe. Varenue fordert schließlich Aufklärung über das Abkommen von Wiesbaden und über das Abkommen von Cannes. Er wünscht zu wisien, ob die Konferenz von Cannes unterbrochen worden sei, weil die Regierung durch eine Depesche gestürzt worden sei Es sei niemand in der Kammer, der die Notwendigkeit in Frage stelle, daß Frantteich die Entschädigungen erlangen müsse, auf die e8 ein Recht habe. Die sozialistische Politik der Entschä- bigungen habe gegenüber der Polittk Poincares den Vorteil, daß sie schon die Zustimmung eines Teiles der öffentlichen Meinung in Deutfchland gesunden habe. Ich teile Ihnen mit daß einige meiner Freunde im Augenblick Deutschland bereifen und von Der Volksmenge freundlichst begrüßt werden. Ich verlange, daß Sie nicht den Teil der öffentlichen Meinung in Deutschland entmutigen, der entschädigen will. Ich habe auch die Ueberzeugung, daß wenn Sie alle anderen Löfun- gen versucht haben, Sie früher oder später, ich glaube z u spät, zu den Lösungen zurückkehren, die praktifche Menschen allein für realisierbar halten, nämlich daß Deutschland bezahlen muß, was es in Geld bezahlen kann und den Rest mit internationalem finanziellen Beistand mittelst einer Wiederaufbaupolitik Europas aufzubringen bat, so wie die Konferenz von Genua beschließen will. Ich glaube, daß Sie gezwungener Weise Seite an Seite mit England und Amerika mar- schieren werden. (Ministerpräsident Poincare nickt zustimmend mit dem Kopf.) Sie werden das Ruhrgebiet nicht besetzen und viel früher nach Genna a!3 nach Berlin gehen. Sie werden dieselbe Politik wie Ihr Vorgänger betreiben, vielleicht mit etwas mehr Steifheit. (Leon Daudet ruft: „Und mit weniger SOgen!* Er wird zur Ordnung gerufen.) Ich habe Ihnen nun, gegen Poincare gewendet, die absolute Opposition unserer Gruppe angekündigt. Die gesamte sozialistische Kammergruppe springt auf und klatscht minutenlang Beifall.
Hierauf ergreift der Kommunist Marcell Cachin das Wort und spricht zuerst von der Konfernz von Genua. Er erklärt, daß man schließlich doch zur Be- schräntting der Rüstungen kommen müsie und daß Frankreich nicht imstande fein werde, lange ein Heer und eine Marine zu unterhalten, die feine Kräfte übersteigen. Man müsie wisien, ob Frantteich setzt eine Polittk der Isolierung betreiben wolle. Poincares Rückkehr zur Regierung habe große Erregung im Lande berhorgerufen. Cachin vollendete feine Rede, indem er erklärte, das Proletariat sei gegen jede Polittk, die wieder zum Kriege führen könne.
Sangnier bemühte sich, in längeren Auseinandersetzungen zu beweisen, daß es in Deuttchland zahlreiche überzeugte Pazifisten gebe. Abg. Bonnei hielt eine Rede, von der Havas behauptet, daß ihr niemand zuhörte.
Mk 9nlmti M'mtk.
Auslieferung der Kriegsbeschuldigten oder »Straf« mafenafmen".
Dann ergriff $ ot n c a ; e nochmals das Wort. Die Rcgierttng habe nur ein Ziel: die Ausführung deS FriedensvertrageZ von Bersailles. Man müsse anerkennen, daß dies das gemeinsame Interesse Frankreichs und Englands sei. Uetzer die Ausführungsmethoden gebe es Meinungsverschiedenheiten. Er habt nichts von dem zurückzuziehen, was er geschrirben habe. Ich weiß sehr gut, daß Deutsch'and behaupte^ daß es für den Krieg nicht veumtwörtlich sei. Etn^