Amtliches Vertündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhesiischs) Oberhessen
Mr. 4
Tie „OderdeMlwe Zettun e*1*etnt leäeeud roö&weMt*. — Vtptywteis eweatlt» ohne Zustellung 8.50 3J<f, durch die Poft 9.40 Ml. Rir «usfoflnrte Rümmer, infolge Streiks oder elementarer (Ettigetfie kein Er»«?. — Vwleg von De. L. Hiserotd. — Druck der Univ^Buchdruckerei von Jod.Au«. Koch, Weift 21 3 — Xetnh*e*et 56.
PaKIcheckklmt«: Nr. 5015 Amt RtaeOxrt a. W«M_ \
Marburg
Sonnentag, den 5. Samar
-art»»«.
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57.3*
1922
DttWen.
Calouders Pro^amm.
Stützen, 4. Jan. Zn dem auf etwa eine Woche ßcrechneten Aufenthalt der Schweizer Herren in C6er= fHlefien ist von der deutschen und polnischen Ab- prdnung ein Programm vereinbart worden, dem Bundesrat Calonder zugeprmmt hat. Als eine seiner vornehmste« Pflichten betrachtet Calonder, in möglichst en^e Fühlung zu der Bevölkerung zu treten jund die Wünsche alter Stände und Schichten des Volkes ent-eFenzuneß»en. I» Verfolg dieses Pro» grcmrms sind drei Ta-e für die gründliche Besichtigung der nichtigsten Anlagen des Industriegebietes bestimmt. Nm 5. Januar wird Calonder den an P»len abzutxetenden Bezirk, am 7. Januar den deutsch bleibenden Teil des Zentralreviers besichtchen und am 9. Januar wird sich die Reise aus die ixdustriellen Echiete in den Kreisen Pleß xnd Rybnik erstrecken. Nm 6. und 8. Jannar werden di« Schweizer in möglichst weitgehende« Maße Vertreter aller Stände der Bevöltexttng empfangen. ,
var«rtetlu«, polnisch« Aufrührer.
Breslau, 4. Jan. Das Sonder,«richt in Dpneln verurteilte vier polnische Oberschlesier, die im November vori»en Jahres einen italienischen Truppentransport beschossen hatten, wobei ein italienischer Soldat an den Folgen der erlittenen Verletzungen Erstorben ist, zu 22, 18, 12 und 5 Monate» Eestingnis.
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Amerika und Frankreich.
Segen die fra»Msch«r Stnstun»««.
London, 4. Jan. Wie aus Washington berichtet wird, brachte der Republikaner Ready i« Repräsentantenhaus eine Entschließung ein, die gegen Frankreich gerichtet ist und in der die amerikanische Regierung angewiesen wird, die Rückzahlung ihrer Kriegsanleihen an die Verbünbe- [ ten zu fordern. Wenn Frankreich die Absicht habe, tz seine U-Baote in gratzem Matze zu vermehren, so ' sei es für die Amerikaner an der Zeit, die augtn- blickliche 2«ee klar zu erfaßen. Frankreich habe ein | Heer, das größer als das deutsche vor dem Kriege fei, und lichne es nicht nur ab, das Haer zu vermindern, sandern es bestehe auf der vollkommenen Freiheit, es noch zu vermehren. Frankreichs Haltung in der Frage der Vergrötzarung seiner Flotts bedeute eine Ausgabe von 1 Voten von Millionen Dollars. Snber würde keine Ration, die
-i finanzieller Rot befinde, ein solches RM- ungsprogramm ins A»ge fassen. Das amerikanische Volk dürfe mit Recht darauf bestehen, datz das von Frankreich entworfene Programm mit französischem und nicht mit amerikanischem Eelde bezaW werde.
Mit des S-Mts-SMekkrk-tt?
Paris, 4. Jan. Lavas meldet aus Aasbington: Frankreich hat grundsätzlich den amerikanischen B»r- schlag angenommen, der die Verwendung von Unter- secboolen ßeqen Handelsschiffe verbietet. England stimmte beaeits zu, und obwohl die italienischen unb japan-scheu Vertreter keine endgültigen AnweifnnHex erhielten, ließen die vorliegenden Anzeichen die Annahme zu, daß weder Italien noch Iapaa ernstliche RinwendunWen erheben würden, wenn der Vorschlag bie volle Zustimmung Frankreichs erhalle.
Vor Neuwahlen in England.
L o n d o n, 4. Jam. Der politische Berichterstatter r des „Manchester Guachian" schreibt, die in einigen Wochen pattfindenden Neuwahlen würden von der t Arbeitslosenfrage beherrscht werden. Sowohl hegen Frankreich als auch gegen ganz Europa würden Lloyd George und feine Regierung viel stärker dastehen, tvenn Neuwahlen sie bepättgt hätten.
London, 5. Jan. „Pall Mall and Globe" bemühtet, daß die Regierung bei den Neuwahlen als Koalition »or das Land treten werde. Churchill werde die Führung der liberalen Koalitionsmitglieder übernehmen, während Chamberlain die konservativen ^»alitionsmitglieder führen werde. Folgende drei ° Großen Fragen werden der Wählerschaft unterbreitet werden: Die geplante irische Lösung, der Washingtoner Plan der Flottenverminderung und der Sparsamkeits- tfau des unter dem Vorsitze von Geddes stehenden Aus- 1 Kusses.
IlSon bon, 5. Jan. In Belfast wurden gestern ( einer Schießerei drei Personen getötet und sechs
Ins mstlmWe Ergebnis von Cannes.
StrWrhiM in MhIhIm in WIIM.
Zahl»»WM,fsch«b Hur für 1 Jahr?
Paris, 4. Jan. Rach dem „Malin" haben die ursprünglichen Pläne Lloyd Georges eine starke Einschränkung erfahren durch bie Tatsache, daß Amerika von Axfanss an keinerlei Neigung gezeigt habe, an dem Plan der Wiederausrichtung Europas teilz-nehmen. Das sei einer der Hauptgründe gewesen, weshalb Lloyd Cbtetge bei seiner Z remmen« fünft mit Vriand seinen Plan zur Reuregel»ng der TntschSb'gung,frage zurückgebalte» habe: dexx die darin enthalteaen Konzessionen Englands seien und»rchführbar, solange nicht Amerika aus sein Guthaben gegenüber den verbündeten verzichte. Aus diesem Grunde habe man anstelle eines Zahl«»»gsaufsch»bs für mehrere Jahre, das durch eine internationale Anleihe ermöglicht »erden sollte, xnr eine Stund»»- für die Dauer eines Jahres in Axrficht genommen. Frankreich solle dafür 300 Millianen Toktzmark er batten und zwar in der Weise, datz der ihm zu Lasten geschriebene vetr»g für die Saargruben annulliert würde. Belgir« würde anstelle der beträchtlichen Beträge, auf die es im Jahre 1922 Anspruch gehabt hätte, nur 250 Millionen erhalten zu den ihm bereits von der ersten Milliarde zugeteilten 550 Millionen.
Dar Plan der Gründung eines internationalen Konsortiums, das die »irtfchastliche Wiederauf- richtuug Mitteleuropas und Rußlands übernehmen soll, sei aufs «eue gefährdet durch den englischen Egoismus, der darauf beftef-e. daß das Eefellschafts- fc7:ial in englischer Währung aufgebracht werd« müsse, und einer Anzahl Länder, die autzer- ordeu.ficki grt*e Interessen in Rußland hätten, nur ganz geringfügige veteiligung zugestehe. Die in Aussicht genommene Konferenz zur Etobil'strrung der Währungen «erde unter diesen llmständen «ohl kaum mebr als akademischen Tbarakter haben. • Das entschiedenste Ergebnis der Konferenz von Tannes werde «ahrscheinttch eine Verschärfung der Kontrollmatznahmen in Deutschland und die Erweiterung der Vollmachten des Tntschädigvngsausschusses fein. Im Grunde genommen könne diese Konferenz, die die Deutschen zu einer energielosen und abwartenden Haltung verleitet habe, durch eine natürliche Wendung der Dinge ohne weiteres die Wirkung haben, Deutschland einer härteren Politik auszusetzen, als es jemals seit dem Waffenstillstand durchgemacht habe.
Dr. Ra t h e n a u werde nicht nach Tannes gehe«, sandern Ausentdalt in Mentone nehmen.
ConueS, 5 Jan. Die Sachverständigen werden heute ihre erste Sitzung abhalten.
London, 4. Jan. In einem Bericht des „Times"- Berichterstatters in Lanner beißt es, der Oberste A«! habe sich für feine schickfalte stimmenden Titzunoen eine wundervolle Umgebung ausgesucht Tie Delegier:en »er sammelten stch unter den fi fänden der mildesten I»»z-
-Weiit Sach»erständi-e und Staatsmänner in G’olf- e»b Tenmsanjg,en nähmen tbren Tee ein Mb besprächen die Wiederherstell uns Europas.
Unbehagen in Paris.
Londoir, 3. Jan. Die „Times" berichtet aas Parts, es herrsche dort am Vorabend der Abreise von Driaud nach Tannes ausgesprochenes ttntzr- Hagen und Niedergeschlagenheit. Niemand scheine zu wissen, wag eigentlich in Tannes geschehen fall. Jedermann fragt sich, womit Llopd Gesrge auf der Konferenz Briand überraschen werde.
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Qiine Soadetkonferenz 8bet die russische Frage.
London. 4. Jan. Der Berichterstatter der „Timeg“ in Rom meldet, er erfahre von zuverlässiger Seite, datz Italien bei der bmrorstehenben internationalen Konferenz mäglicherweise die Einberufung einer vorläus'gen Zusammenkunft der Großmächte in Italien zur Erörterung der Frage der Beziehungen zu Rußland vorschlagen werde. .Es verlaute, datz Tschitscherin seine Vrreitwilligkeit Ausdrücken werde, einer solchen Konfasenz in Italien beizxwohnen.
Ein neues Buch Mn Keynes.
London, 5. Jan. Der ..Manchester Guardian" berichtet, datz Kennes ein neues Buch geschrieben bat, das sich augenblicklich ’m Druck befindet und das bett Titel führt „Eine Reviston der Verträge". Der „Manchester Guardian" bedauert. datz dieses Buch stch nicht in dem Gepäck der Staatsmänner von Tannes befindet.
Berliner Beratungen.
Berlin, 4. Jan. Das Reichskabinett br- tzstäftt'gte sich in der VvrmittMssihung mit der CFwt- lchäd'gunSfrage und dem Fiuanznrob'e«. Im. An kckllutz an die Sitzawg fand eine Besprechung bei Be'chskantzlers mit den Führern der ReichstaI«. fraktionen des Zentrums, der Demokraten und der Saziollemakraten statt. Die Besprechung galt in der •Sanbtfarbe der ErSrterung der Steuerreform. Laut „Boss. Ztg." banheff -s sich um Bemühungen. en sfomprextiss in biefer Frage nn-cr den d-ei Pattei- fifcrtrn y» erreichen
Poincars — Iswolski.
Die kürzlich im „Berl. Taaebl." Serrffentlichtex (von der Seuejttregierxx« aufgefmbenen) Aktenstücke »er Be lluchtun« der franmssisch-rassischen KrttaStteiberei unter d-r fNfcrxng sHaineares liettrn ttn itewti »e-Welles Vöaterial zur Fre,e btr Kriezsichate. Wir tewmen deshalb uoch ei«mal davauf zurück und gebe» einige Einzttteiten wieder.
I» einem Berichte vom 5. Dezember 1912 teisst es. Poineare habe die en»lsscke Renie-ung bawtxf bin* getotefex, daß die Unterschritt Englaxt»? unter btx Reu- tralitättvettraq »sit Deutschland btx berteitigen eng- lisch-sM,»,ösischen Beziebuimen sofort ein Ende bereiten würde. Unter dem 18. tbejember 1912 berichtet der russische Botschatter in Po«t Iswolfki: „6rx Tele* aram« des russischen GeMerxlstabs. vmnoch birer den 3sterr»ichchchen Rüsixn-en mix befentixen Cbarak^r bei* messe xub wonach Außlaxb selbst in dem unwabttchein- lichen N»llc eines iisterreichischen Uebeckalles aus N»rbien nicht Krieg sühren werde, versetzte Vaineare xxb olle franzäfischen Minister in bie grösste Bestörzung." In bmfetbex Berichte heisst e9: „Ich bemühte mich, die für uns wünschenswerte Stimmung in Rezierxngs- unb pal ick scheu Keesen ausxecht $uit r teilten »ab versuche gichchzeitig auf die Presse einzuwirten. Wie Ihnen bekannt ist, betailche ich mich nicht direkt an bet Ber- teilung von Subsidien. lBOechungsgestnr. D. Schristteitg.). Die Verteilung wird aber unter Mitwirkung ber französi scheu Minister vor genommen und hat bereits die nötige Wirkung gehabt. Von mir an$ versuche ich durch persönliche Beeinflussung die Hamptzeitungen in Paris, wie den „Temps",» „Journal des Debats", „Acho be Paris", zu lenken."
Am 29. Jun»ar 1913, knr» nach der Wahl Baixeares zum Präiidenten der Repxblik, berichtet Jswolkll über eine laxge Unterxabxng mit Fviueare, der geäugack habe, dass er nicht versitemen weide, sich des ihm zuhetenden direkten Einilusiaa «uf die fxrnzösische Ausseupaiirik zu
•xf'vbaute Bolitik sicher,ustellm. Es sei ber französischen Ae,ieniug von äuherster Vichti,tt!t, bie Möelichtett ex haben, die franr-sische össexAiche Mttnxng auf die Be trili , uim Jrankreichs an eine« durch die Laxe auf dem Balkan terveraerxienen Kries vorzu- dereitex. Daher möge Ruhtaxd keinertei kinz-ld««d- lxng iLterx-bmen, die einen 5»l*:n Kriei ohne sorix» zeaangenm Meinungsanstausch mit Jranteeich herxar- rxsrn könnte.
In eiwm Briefe Jswolfkis an Ssafanox» vom 30. Januar 1913 wirb b-merkt, bah Poineare sich bis ixr -^aültiaex Uebem«bwe ber Uräsidentenschaft täglich 'm Minist-ttxm dxs Aeussern «xfhalte, xnb dass fein Bach folger Jannart ohne fein Wissen und teixperständnis teixerlei A»ardnungen treffe. Ans seinen loxg-n Hn^e- r*xnaen «tt beiden StaatsmaNNern habe er folg?nd-n Schluss geboten: „Die französische Regierung ist sich dessen bewusst, dai das Erchergeünis ber augenblicklichen Berwickelungen bie Teilnahme J-rankreichs an einem allgemeinen Kriege notwendig machen wird uxt> sieht dieser Möglichkeit kaltblütig entgegen" Da- xwt aber Frankreich i«be Minute Russland in weitestem Masse seine £>i(fe erwsifen kann, bittet uns die französische Negierung inständigst, keinerlei Einrelhanblxngen ebne iwrait?gegeiieer.m Gedankenaustausch mit den Ber- dSn.deteu Fxankreichs zu unternehmen, bexn nur unter dicher Bringung kann bie Kapierung bie französische »khmtliche Aeinung echolgreich auf die Notwendigkeit der "Teilnahme an einem Krieg vorbereiten."
Paris, 4. Jan. Am Freitag wirb hier Ser Ausschuß für die Kchegsbeschuldigtenfrage zusammen- hrten.. Er soll die Leipziger Urteile begutachten.
Nancy, 4. Jan. Der frühere fränkische Unter» ftaatSjetretir Pilgrain wurde hier verhaftet. Er wird bestbuldigt, sich 1914 durch Sellstoerstümxeelung dem SwTcguienQt entzogen zu haben und dadurch sahnen»
Ber »n lonferenj vsn Sannes.
Die Stantsmänner, die an ber Eiduna des Obersten Rates teilnebmen, sind in Cannes eingetroffen. Morgen wird bie Konferenz ihren Anfang nehmen, unv idr Verlaus wird seifen, ob wir in diesem Jahre auf dem Wege zu rrtreffixeren Verhältnissen um eine wichtige Gtaxxe Wetter tenimen werden. Trotzdem Oer EntschL biguxOsaxsschxj in Paris sich gegen das Ztnnbungsgesuch der deutschen Begiernng immer noch taub stellt, werd bie Jes««' der dextschen Extschädiguxfspflicht in Caunej doeh «xfgervllt »erben. Dafür wird schon Euglanh sorz-x, das allein seiner eigenen ixirtschastlichen Interessen wegen die Nevisinxcksrage in flluss bttugen muss. Dnxaden wird mtn sich in Cannes auch über die U-Boote frage unter batten. Denn Cuglands Berbältnis zu Frankreich wird zur Zeit am meisten durch biete beiden Fragen bestimmt, und wir immer in solchen Fällen stehen die beiden Probl.-n»e, obgleich sie an sich nichts miteinander zu tun haben, in gegenseitiger enger Wechselwirkung. Den Aarderarnnb aber beherrscht die Frage der deutschen ZahixxOsfähigteit. In lAwglano bat man längst einae- ieben. »ass sie nichts n>eiter ist als eint Fraoe der deutschen Wirtschaftskrast und ihrer Eesundxng. Deshalb geht man trtzt in allen engli chen Kressen — bie „Times" ist mit ihaer gegenteiligen Ansicht völlig isoliett — bei der Br Handlung der hhevssionslnage vo» wirtschaftlicher lssesichttzunulten «ns. 9l»eb George ist es auch gewesen, der eine Reihe der herourragendsten englischen Wirte ichafttzMänner znsamme»berufen und um Rat p--fragt hat, der ferner dafür ein-atreten ist. dass diese wirtschafte lichen SachnerHandigen mit französischen Kollegen in Parts Fühlung nahmen. Ader auch von diesen BeratoN« gen «bseseben. ist namenRich von englischer Seite eine recht wertvolle Aararbeit für die Konferenz in Cann«« geleistet worden. So ist deute weit über England hinaus bie Oessentlichldtt reif für die Anssassvng. dass ba« wirtschaftliche Heil nicht dnn einer besinnungslosen Au«- Plünderung Deutschlands temmen kann, sondern von et na wirtschasilich-n Zusammenarbeit mit Deutschland, bie auf bie Grenzen der Lristungssthigkett Deutschland« Rücksicht n'mmt.
S9ämt alle für diese Auffassung reif, so könntt die Aaxsserenz »an CantwS einen «lattm und raichen Verlauf nehm«. In Frankreich aber ist man noch nicht so weit. Alle jene Geräulche, bie man seit Versailles so gut kennt, lassen sich auch jetzt wieder vernehmen: DaS kabtlrasfttn, ber Schrei nach Garantien unb bie mehr «ber nruewer lieblichen Schmähauorte gegen Deutschland. Trotzdem wird Frankreich in EanneS nicht in ber S««e sein, die Aussprache über eine Neuregelung bet deutschen Zahlxxgsvflicht kurzerhand zurückznweisen. Aber es wird unter allen llmständen daraus bestehen, dass i* Stbulbktte, an die wir ans durch bie Annahme des Ultimatums selbst gebunden haben, auch bei einer anderen Einrichtung der Entschädigungsleistung nicht gelockert wird. In England ist man wohl ziemlich allgemein ber Ansicht, dass eS am vernünftiasteck wäre, Deutschland einmal eine Atempause zu gewähren. England sieht Weniger aus genaue Einhaltung der ht dem Aablnngsptan festgettgten Termine, als auf enw wirtfchafrkche Erholung Deutschlands, die es wieder im richtigen Sinne des Wortes vradullionsfähig macht. Fraukiwich aber will Geld sehen. Und deshalb ift in denjenigen französischen Blättern, die sich auf eine ernsthafte Grirtfrung dieses Themas überhaupt ein« gelassen haben, einer Krivttaktion der Vorzug gegeben worden. Erhält DeutfchlMid internasionalen Kredtt, s« kann Frankrttch keine Raten regelmässig weiter beziehen. Aus ber andern Seite würde Deutschland durch bif internationale Schuldverpflichtung, die es übernimmt unh durch die Stellung werixoller Pfänder auch dann noch in den Fesseln engster Schuldverpflichtung ge* halten. Durch die Zurückweisung aller solcher Kredite vläne ford) die Bank von England ist aber llor geworden, daß auf dem internationalen Geldmarkt für Deutschlarck unter ben jetzigen Verhältnissen kein Geld znm Greife« bereit liegt. Deshalb wird sich Frankreich schliesslich auch *ber Erörterung bet Vläne, die En«land vorlegt, nicht entgehen können. Ader für diesen Fall ist sein enlei und letztes Wott. dass England das ganze Opfer bei Nachlasses zu Gunsten Frankreichs tragen müsse unb Frankreich keinen Pfennig verlieren dürfe. Was angesichts ber französischen Haltung der U-Bootfrage au« einem solchen Handel werden kann, ist völlig ungewiss.
Man ist in gewissen deutschen Regieren ^skx-iten nicht abgeneigt, den Vorschlag schon für bare Münze zn nehmen, dass Deutschland mißet der 26ptozentigen Abgabe axs seine Aackfuht und bet in Wiesbaden vereinbatte« Sachleistung im Jahre 1922 „nur" 600 Millionen Goldmark ausbringen soll. Mer wer sich darauf verlasse« sollte, könnte eine schwere Enttäuschung erleben. Sicher ist jGensalls das Eine: Tie Revision ber Zahlungspflicht fällt Deutschland nicht als eine reine Wohltat in bett Schoss, sondern wenn efl wirklich gelingt über bie gegenwärtige Fahlungsunfähiakeit Deutschlands Hinwegzukommen, so werden ihm dafür neueschweteFe fiel« geschmiedet werben, die ihm die letzte Bewegungsfreiheit unb Selbständigkeit im eigenen Lause nehmen. SelbK wenn cs so kommen sollte — unb das wäre immer hi« ein „positives Ergebnis" — so würbe die Politik Dr. Wirths damit ihre schärfste Verurtellung fiiibcn. Offenbar glauben Dr. Wirth und Dr. R a t h e n a u, durch die Kxnferenz von Cannes da? „Erfüllungs"-Spiel doch noch zu gewinnen. Dass sie sich damit einem schwere« Irrtum hintzeben, ist das Einzige, was man vor Cannes schon sicher weiss.