Freitag, toi 11. Selbe. 1925
«ft ^Vberbessifch« 3<itung* «** fettet sechsmal wöchentlich. «f jegeprei# menatlich 2 GM. aus- schließt. Zustellunqsgebübr. durch di«Pvst2.25 «M.ftür etwa tnfolg« Streik«. Maschmendefekt» »der elementarer «retgnllse «-»fallend« Nummern wird kein Srsa» am Kister. Derlaa v. Dr. 5 -Weroth, «tuet der Unib.-Buchdruckeret b. geb. Aua- Koch, Markt 21/23. Keensvrecher: Rr. 55.».Nr. 666. Postscheckkonto: Am« Krankfurt «, Ak. Nr. 5015. - Sprechzeit bei Redaktion von 10—11 und
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zur StgitrungSbfoung
Nachdem die Reichstagsfraktionen von »er Deutsche« volkspartei bis zu de« Sozialdemokraten gestern dem Reichspräfi- deaten die erbetenen schriftlichen Erklärungen übergeben habe«, dürfte, wie die Blätter annehme«, Reichspräsident v. Hindenburg heute eine Persönlichkeit ,«d zwar voraussichtlich Dr. Luther Mit der Kabinettsbildung beauftrage« Der „Lokalanz." will allerdings wissen, dah der Erteilung des Auftrages noch eine Besprechung sämtlicher Führer beim Reichspräsidenten vor»u«,ehen soll.
Die Bedingung«» der Sozialdemokraten.
Berlin, 1». Dez. Die svzialdemo- tzratisch« Fraktion des Reichstages ist heute nachmittag, nachdem sie nachmals mehrer« Stunden der Erörterung über die Regie» runasbildung gewidmet hatte, zu dem E n t - schluh gekommen, sich en der Fortsetzung der Verhandlungen über die Bildung der großen Koalition ju beteiligen, jedoch zunächst dem Reichspräsidenten eine Reihe von Voraussetzungen zu unterbreiten, die sie an die Beteiligung der sozial- demokratischen Partei an der Regierung knüpfen müßte. Die Entschließung, die noch am Abend mit einem Begleitbrief dem Reichspräsidenten übermittelt Wurde, hat folgenden Wortlaut:
„Die sozialdemokratische Ueichstagssradtion macht ihre endgliltige Entscheidung von der weiteren Klärung der politischen Situ«» Hm abhängig und erm ächt igt ihre Ber» tret er, durch Verhandlungen mit den in Betracht kämmenden Parteien die nätigen Grundlagen für die Entscheidung der Fraktion zu schassen. In diesen Verhandlungen legen wir Wirt auf hie Erörterung felgender Punkte: -
Offenes Eintreten für die republikanische Abwehr aller monarchistischen Re» Stauratiansversuche, Ratifizierung des nternatienalen Abkommens een Wa- s h i n g t» n, Berabschieduna eines Arbeits- »eitgefetzes unter Wieberherstelung des acht- stündtgen Rormalarbeitstages, schleunige Verabschiedung des Gesetzes über Erwerbslosenoersicherung, Verbesserung der Erwerbslcsenfursorge nach den sozialdemokratischen Anträgen, Handelspolitik NM dem Ziel der Förderung des industriellen Exports, Verschiebung der Mieten- erhöhung, Erhöhung des Beitrages sör gemeinnützigen Wohnungsbau, keine Senkung der Bezirks st euer«, Zurückziehung des Reichsschulgesetzent- »urfs, reichsgesetzliche Regelung der Fürstenabfindungen mit rückwirkender Kraft, baldiger Eintritt Deutschlands in den Völkerbund.
lieber die persönlichen Garantien ist nach Einigung über das sachliche Programm zu verhandeln.
Die Stellung der Deutsche« Bolkspartei.
Die Reichstagsfraktion der Deutschen Bolksvartei trat am Donnerstag um 11 Uhr unter dem Vorsitz des Abg. Dr. Scholz zu einer Fraktionssitzung zusammen, um »ut Frage der Großen Koalition Stellung zu nehmen. Reichsaußenminister Dr. Strefemann wohnte den Verhandlungen bei. Als Ergeb- nie der Sitzung wird mitgeteilt: „Rach einem Bericht ihres Vorsitzenden billigt die Reichs- tagssraktion der Deutschen Dolksvartei die von ihren Derhandlungsführern dem Herrn Reichs- vräsidenten gegenüber eingenommene Stellung." — Das bedeutet die Billigung der grundsätzlichen Zustimmung zur Großen Koalition, zugleich aber der ihr gegenüber gewohnten Zurückhaltung, die besonders bedingt ist durch die Stellungnahme der Sozialdemokraten.
Um 1 Uhr nachmittags versammelt sich die Fraktion der Wirtschaftlichen Verbi n i e u n 0. — Die Reichstagsfraktionen der Sozialdemokraten, der Deutsch- « o t i e n o 1 e n und der Bayerischen Bolkspartei treten nach dem Plenum zusammen.
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Die „Vossische Zeitung" nennt es beachtenswert, daß es sich bei dem sozialdemokratischen Fraktionsbeschlust nicht etwa um ultimative Forderungen handelt, sondern um Punkte eines gemeinschaftlichen Arbeitsprogramms, die von der Sozialdemokratie zur Erörterung gestellt werden.
Wful vor dem Völkerbund
Abzug bn tfitiitotn Megafon
London, 10. Dez. Der Sonderberichterstatter der „Westminster Gazette" in Genf berichtet, ein dortiger türkischer Vertreter habe ihm mitgeteilt, daß T e w f i k Ben seine Vorbereitungen getroffen habe, Genf heute oder am Freitag zu verlassen. Daher werde, wenn der Bölkerbuudsrat beschließe, wie er es anscheinend schon getan habe, eine Entscheidung zu fällen, die türkische Delegation in Genf nicht mehr vorhanden sei«. Andererseits sei, wenn der Bölkerbundsrat eine neue Anstrengung unternehmen wolle, um als Vermittler zu handeln, der türkische Gesandte in Bern angewiesen, Angora zu vertreten. Diese Taktik sei typisch für die Türkei. Die türkische Delegation werde anwesend sein, wenn sie ihren Willen bekomme, aber sie werde nicht da sein, wenn sie ihn nicht bekomme. Sollte die Türkei sich der Entscheidung des Bölkerbundsrates nicht fügen, so würde eine andere Sitzung des Bölkerbundsrates stattfinden, die, nachdem die Türkei als Angreifer erklärt worden sei, die Unter st ützung Groß- 6ritanniens durch andere Dölker- bundsmitglieber erörtern würde.
Genf, 10. Dez. Auf der Tagesordnung der öffentlichen Vormittagssitzung des Völkerbundsrates sieben an erster Stelle die Beschwerden wegen der Grenzverletzung der Türkei gegen den Irak. General L a i d o n - ner berichtete dem Rat über die Ergebnisse seiner in den letzten Monaten gemachten Untersuchungen an der sogenannten Brüsseler Linie. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Dolmetscher einen von dem türkischen Außenminister Tewfik Ruckdi Bey unterzeichneten Brief, worin dieser, unter Aufrechterhaltung der türkischen Auffassung, daß der Rat keine endgültige Entscheidung fällen könne und unter Anfechtung der Abstimmung des Dölkerbundsrates bei der Annahme des Haager Gutachtens, das entsprechend Art. 5 des Völkerbundspaktes einstimmig hätte angenommen werden müssen, sein Bedauern ausspricht, der gestern abend an die türkische Delegation ergangenen Einladung zur Teilnahme an der heutigen Vormittagssitzung nicht folgen zu können. Der Vorsitzende S c i a l o i a erklärte darauf, daß der Völkerbundsrat trotzdem den Bericht des General Laidonners entgegennehmen könne, worauf General Laidonner sofort mit der Verlesung seines Berichtes der im wesentlichen die Beschwerden der englischen Regierung wegen Grenzverletzung durch die Türkei und wegen Vertreibung der dortigen Bewohner bestätigt.
Der Rat nahm debattelos von dem Berichte Kenntnis und trat bann in den Rest der Tagesordnung der heutigen Vormittagssitzung ein.
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SranlrMS Sieg In Senf
„Abrüstung" nach fanzö fisch em Muster
ff. Genf, 11. Dez. I« der private« Besprechung der Ratsmitglieder am Donnerstag über die Frage der Aufstellung eines Arbeitsplanes des vorbereitenden
Ausschusies für die A'brLstungs- frage ist von Dr. B e n e f ch eine Formel ausgearbeitet worden, die die bestehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und England vorläufig überbrückt und die in später Abendstunde die Zustimmung der englischen Delegation gefunden hat. Diese Formel, die am Freitag nachmittag in öffentlicher Sitzung vom Rat angenommen werden dürfte, kommt den französischen Wünschen in sofern entgegen, als in ihr empfohlen wird, die OTöglidjfeit einer raschen in - duftriellen Mobilisierung in soweit zu untersuchen, als darin die Zahl der Bewohner und die wirtschaftliche« Q u e l le n der verschiedenen Länder, ferner die Eisenbahnen, die Schiffahrts st ratze« und autzerdem etwa bestehende Bündnisverträge zwischen den verschiedenen Staaten berücksichtigt werden sollen Dagegen soll die Festsetzung der aus Artikel 16 sich ergebenden Hilfeleistung der einzelnen Staaten Bei Exekutiv m atz n ah m en entgegen den ursprünglichen französischen Wünsche« unterbleiben.
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Deutsch französische Lustschiffahrtsverhandlungen.
fk. Paris, 11. Dez. 3u den Verhandlungen deutscher und französischer Luftschistahrts-Sachverständigen in Paris teilt ,,öl a t i n“ mit, daß die deutschen Sachverständige« «ach zwei Sitzungen mit ihren französischen Kollegen «ach Berlin zurückgelehrt seien, um ihrer Regierung Bericht zu erstatten. Ma« nimmt an, daß sie in einigen Tagen wiederum nach Paris kommen werden und daß die Frage des Ueberfliegens deutschen Gebiets durch französische Flugzeuge einerseits und das lieber» fliegen des Rheinlandes von deutschen Flugzeugen andererseits noch vor Ablauf dieses Jahres geregelt werde.
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Man sieht auch an d-eser Meldung des „Ma- tin" wieder, daß man in Frankreich „deutsches Gebiet" dem Rheinland gegenüber st eilt, also das Rheinland ohne weiteres als französisches Gebiet betrachtet. Es scheint doch eine selbstverständliche Pflicht des amtlichen Deutschland, einmal auf diese französische Anmaßung hinzuweisen, ehe die Frage des Ueberfliegens deutschen Gebietes wieder ausgenommen wird. Eine Gegenseitigkeit und Gleichberechtigung, wie sie der Vertrag von Locarno vorsieht, ist nur dann gegeben, wenn für das lleberfliegen des deutschen Rbeinlandes durch französische Flieger den deutschen Flugzeugen das lleberfliegen wirklich französischen Territoriums zugestanden wird.
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Die Beschlüsse des Reichstagsausschufles
Berlin, 10. Dez. Der Reichstagsau s sch u ß für soziale Angelegenheiten beschloß in später Abendstunde nach ausgedehnter Debatte, daß die Unterstützungssätze in der Erwerbslosensürsorge ab 15. Dezember d. 3- für die Hauptunterstützungsempsänger um 30 Prozent erhöht werden sollen. Der Ausschuß ersuchte alsdann die Reichsregierung, in einer von der Mehrheit angenommenen Entschließung. sofort die nötigen Mittel bereitzustellen, um
1. an die am 1 5. Dezember d. F. bereits feit sechs Monaten ausgesteuerten Erwerbslosen eine einmalige B ei hi lse von 100
Reichsmark zuzüglich 25 Rmk. für jeden unterhaltsberechtigten Angehörigen,
2. an die infolge Ueberfchreitung der Kran- kenoersicherungspflichtgrenze von der Erwerbs- lofenfürsorge nicht erfaßten, länger als sechs Monate stellenlosen Angestellten eine einmalige Beihilfe von 150 Reichsmark zuzüglich 25 Reichsmark für jeden unterhaltsberechtigten Angehörigen am 15. Dezember d. 3s. zur Auszahlung bringen zu können.
Zunehmende Spannung in Mulden.
Tokio, 10. Dez. Rach einer Depesche ans Mulden hat das Konsularkorp» den japanische« Generalkonsul ersucht, im Notfälle die Ausländer mit japanischen Truppen zu schützen. Der japanische Generalkonsul hat dies zugesagt.
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61 lote, 5 Schwerverletzte
Birmingham (Alabama), 10. De». (WB.) Aus der Overton-Zeche ereignete sich eine schwere Schlagwetter, Explosion. Man befürchtet, datz etwa 70 Bergleute verschüttet worden sind.
Nach einer späteren Meldung wird die Zahl der bei dem Unglück ums Leben gekommenen Bergleute auf 40 geschätzt. Die Bergungsarbeiten find im Gange.
fk. B i r m i« g h a m, 11. Dez. Die Zahl der bei der Schlagwetterexplosion ums Le, be« gekommenen Bergleute hat sich aus 61 erhöht. Die Zahl der Schwerverletzte« beträgt 5. 15 Bergleute kamen mit dem Leben davon.
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Berlin, 11. Dez. Anläßlich des Parteitages der Deutschen DolkSpartei für den Wahlkreisverband Groß-Berlin sprach der Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Stre- f enian n, in einer von der Partei einberufenen öffentlichen Versammlung. -In seiner Rede führte Dr. Strefemann u. a. Folgendes aus:
Es sei 6ine Verkennung des parlamentarischen Systems, wenn einer Partei Vorwürfe darüber gemacht würden, daß sie im Laufe der politischen Entwicklung mit verschiedenen Parteien zusammenarbeite. Eine andere Kombination als die Zusammenarbeit verschiedener Fraktionen sei bei den heutigen Parteiverhältnissen unmöglich. Wenn wir zu gesunden Verhältnissen kommen wollten ,so müßten alle Parteien Gelegenheit haben, im Laufe der Entwickelung m der Regierung mitzuarbeiten. Es sei deshalb völlig verfehlt, wenn der Deutschen Volkspartei Borwürfe darüber gemacht würden, daß sie darauf bestanden hätte, die Deutschnationale Partei an der Regierung zu beteiligen. Ebenso verfehlt sei e§ aber auch, ihr vorzuwerfen, wenn sie die Konsequenzen aus der heutigen Lage zöge, nachdem die Deutschnationalen nicht nur durch Ablehnung der Loearnoverträge, sondern darüber hinaus noch durch ihre Anzweiflung der Rechtsgültigkeit dieser Verträge sich selbst von der weiteren Mitarbeit ausgeschlossen hätten.
Anlaß zu der Aenderung der politischen Sage habe die Außenpolitik gegeben. Der Minister gab ein Bild der Außenpolitik der letzten Jahre, indem er von dem Grundgedanken dieser Politik a -'ging. Diese Politik habe zum Ziele gehabt die Wiedererringung der deutschen Souveränität. Sie habe ihrerseits wirtschaftliche Leistungen in der Stellung von Pfändern für die Reparationen geboten.
Land»« war die Lösung der «eparations- frage, Loearno soll die Lösung der politische« Frage« bringe«, die zwischen der frühere« Entente und uns stehen.
Die gegen unS in der Nachkriegszeit geführte Politik war eine Politik der Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Die Verträge von Loearno sollen dieser Politik ein Ende machen. Eine Politik des Rechtes »nd des wirklichen Friedens und darüber hinaus die Politik der Verständigung und des gegenseitigen Zusammenwirkens sichern. Der ReickSminister ging. ausführlich auf die Grundgedanken dieser Politik ein und erklärte, daß die Deutsche VollSpartei in ihrem Eintreten für diese Politik vom ersten bis zum letzten Schritt vollkommen einmütig gewesen sei und sich in der künftigen Regierung nur mit Parteien beteiligen werde und beteiligen könne, die gewillt seien, auf der Grundlage dieser Politik weiter zu bauen. Tas Wort „Rückwirkungen^ inbezug auf das Rheinlandsregime sei vielleicht falsch gewählt, wenn eS so verstanden würde, als wenn die Folgerung der Verträge von Loearno sich in ihr erschöpfe. Die auS Loearno auf gebaute Politik habe selbstverständlich die Herstellung der völligen Freiheit und Souveränität Deutschlands zum Ziele, sie bedeute aber darüber hinaus auch die aktive Betätigung Deutschlands, namentlich in den großen europäischen Fragen und soll den Ausdruck unbedingt friedlicher, aber ebenso unbedingt aktiver Politik bedeuten.