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Rt. 278

M StO6lulien«trung in Miko

Don Dr. ph.il., Dr. rer. pol. Franz Thierfelder.

Die Bedeutung der französisch-spanischen Kämpfe in Marokko ist erst dann voll zu er­kennen, wenn man den heroischen Ausstand Abd ei Krims in den großen Zusammenhang der allafrikanischen Bewegung stellt Der Rif- krieg ist kein gewöhnlicher Kolonialkrieg mehr, hinter ihm reckt sich als drohendes <5e|penft I der Unabbängigkeitskampf der farbigen Rasse auf in dem der Kabtzlenfürst, durch die Le­genden zügelloser orientalischer Phantasie ms Uebermenschliche vergrößert, zu einem schwar­ze Andreas Safer wird, an dem sich der Frei- heitsdrang der eingeborenen Völker Afrikas bei gegebener Zeit entzünden wird.

Die LosungAfrika den Afrikanern" ist längst mehr als das verzückte Gestammel einer Sandvvll abendländisch gebildeter Reger Ame­rikas geworden, die Idee der afrikanischen Rasseeinheit wird von mächtigen Millionen- . Organisationen getragen, deren Sendboten ihr politisches Bekenntnis bis in den dunkelsten i Dinkel dieses rätselhaften Erdteils tragen, die über geschulte Kräfte, über Schiffe, Zeitungen und nicht zuletzt über sehr viel Geld verfügen. Roch marschiert man in drei Hauptrichtungen getrennt: In Südafrika herrscht die sogenannte äthiopische vor, die England bisher mit meisterlichem Geschick gegen die Buren auszu- $ svielen verstand, in Amerika die Bewegung desRegerpräsidenten" Garvey aus Jamaika, die in ihrem Fanatismus und ihrer Energie an den jüdischen Zionismus erinnert, und schließlich eine von Frankreich vorsichtig geför­derte, aber dabei auch gleichzeitig unerbittlich gezügelte Richtung, die auf den Regerkongres- sen von 1921 ein sehr gemäßigtes Programm aufstellte. Es ist nur eine Frage der Zeit, daß die gemeinsame Idee der Befreiung Afrikas von den Weißen auch zu einer gemeinsamen Kampffront führt, und dann stehen die euro- äpsichen Kolonialmächte vor einer Katastrophe, die so leicht nicht überschätzt werden kann. Ihr kann, wenn überhaupt, nur dadurch begegnet werden,'daß der Emanzipation der Kolonien Schritt für Schritt stattgegeben, gleichzeitig aber die kulturelle Entwicklung mit der des Mutterlandes aufs innigste verknüpft wird. Sn dieser Beziehung ist ein Blick auf das be­ginnende Korruptions- und Parteiwesen des verhältnismäßig hochentwickelten französischen nordafrikanischen Kolonialbesitzes sehr lehr­reich. Es ist erstaunlich, mit welcher reißenlen Schnelligkeit die europäischen Ideen demo­kratischer Gleichheit, der Minderheitenrechte, der nationalen Selbstbestimmung usw. bei der farbigen Bevölkerung Eingang gefunden haben. So haben wir in Tunesien drei po­litische Eingeborenenparteien, die ganz nach europäischem Vorbilde organisiert sind und für ihre Verhältnisse beachtliche Mitglieder­rahlen aufzuweisen haben. Die Desturpartei hat etwa 70 000 Anhänger, verfügt über eine arabische Tageszeitung (es Zobra), neun Wo­chenblätter und ein französisch geschriebenes, »der franro-tunesischen Zusammenarbeit die­nendes OrganLe Liberal". Der extremisti­schen Desturpartei steht die gemäßigte Reform- vartei mit einer eigenen arabischen Tages- reitung gegenüber. Außerdem ift im Vorjahre eine Arbeiterpartei gegründet worden.

Weder die Destur- noch die Reformpartei Hoden im Grunde genommen revolutionäre Forderungen aufgestellt. Sie wollen nichts weiter, als daß mit den zum Ueberdruß ver­nommenen franzi -en Vdralen der allgemei­nen Gleichheit und Brüderlichkeit Ernst ge­wicht wird. Die Vorrechte der kleinen franzö­sischen Minderheit sollen zugunsten einer wahr­haft demokratischen stattlichen Organisation beseitigt werden, Tunesien soll nach Art der englischen Dominions Selbstverwaltung und der Farbige mit dem Europäer vollständige Gleichberechtigung erhalten. An eine gänzliche Trennung von Frankreich denkt man zunächst nicht, aber daß man in französischen Regie­rungskreisen gegen die geheimsten Ziele der intelligenten arabischen Parteiführer Miß­trauen hegt, ist schließlich begreiflich. Versuche, die Zusammenarbeit der Eingeborenen-Par- tcien zu verhindern, haben nicht gefehlt,' so bat man namentlich die tunesische Arbeiter­schaft von Paris aus lebhaft umworben, um sie zum Eintritt in die französische Eewerk- schaftsorganisation zu bewegen. Aber der Rassegedanke war stärker als der Klassengegen­satz und schon heute marschiert das tunesische Proletariat mit den beiden bürgerlichen Par­teien in einer Front. Daran haben auch die bolschewistischen" Tendenzen in Nordafrika, von denen die französische Presse allemal dann großes Aufhebens macht, wenn sie zum Deck- Mantel eines unrechtmäßigen Eingreifens die- «en sollen, nichts geändert. Der ehemalige Svahi-Rittmeister Emir Cbaled ist der Führer der nordafrikanischen Syndikalisten, er ist Mit­glied der französischen Kommunistischen Partei :und nichts dürfte den Machthabern in Paris 'willkommener sein, als wenn dieser ganz jm Sinne des französischen Imperialismus einen Landsleuten zuruft:Gründet keine Massenorganisationen, sondern tretet mit euren französischen Brüdern in die Gewerkschaften Und Parteien ein, die eure Cache verteidigen." Sn Wirklichkeit ist der Bolschewismus in Rordafrika bedeutungslos. Aussicht auf Erfolg Verden in Afrika künftig nur die Parteien haben,, die auf dem Boden der allafrikanischen Rasse-Idee stehen.

Da? Beispiel Tunesiens zeigt, daß man rieben der Methode lokaler Ausstände, die einen wirklichen nachhaltigen Erfolg nie haben werden, entschieden zu einer dauer­hafteren Untermauerung der Revolutioni-- rung Afrikas Lbergegangen ist. Langsam aber unaufhaltsam entgleiten dem weiß-n Manne die Zügel der Führung: das Unheil ver europäischen Selbstzerfleischung beginnt '"rch^bnre Frucht au tragen.

Oberhrssische Zeitung, Marburg a. L. Freitag, de« 27. November 1925

Marburg und Umgegend

Scheffer-Bohadel.

Einer der ruhmreichsten Oberbefehls­haber im Kampf gegen Rußland war wohl der jetzt verstorbene General der Infanterie Freiherr von Scheffer-Bohadel, dessen Name vor allem mit dem glänzenden Durchbruch von Brzezinh verknüpft ist. Gelang es ihm nicht nur, den um sein Korps geschlossenen Ring zu durchbrechen und so seine tapfe­ren Divisionen vor der Gefangenschaft zu bewahren, er konnte diese auch noch unter Mitnahme von zehntausend Gefangenen und vielen Geschützen an die Armee Mackensen heranführen. Baron Scheffer, der aus einer alten hessischen Gutsbesitzerfamilie stammt, erhielt 1890 den preußischen Erbadel, 1906 unter dem Namen Scheffer-Boydel die frei­herrliche Würde nach dem Rechte der Erst­geburt, geknüpft an die vierzehntausend Morgen große Fideikommißherrichaft Boh- adel in Schlesien. Da er damals Kom­mandeur der zweiten Garde-Jnfanterie- Division war, taufte ihn ein witziger Garde­leutnantScheffer-Neuadel", ein Spitzname, der dann dem General in der Berliner Ge­sellschaft blieb. Durch seine beiden Ehen und die Heirat seiner ältesten Tochter stand Freiherr v. Scheffer-Boyadel in verwandt- fchaftlichen Beziehungen zu den führenden Familien der deutschen Industrie. Seine erste 1904 verstorbene Gattin war eine Tochter des Kommerzienrats Riebeck in Halle a. S., Begründers der großen Rie- beckschen Montanwerke dort, die während der Inflationszeit eine Zeitlang zum Stin- neskonzern gehörten, nach dessen Auflösung aber wieder selbständig geworden sind. Auch seine zweite Gattin war die Tochter eines der bekanntesten sächsischen Industriellen, nämlich des Geheimen Kommerzienrats Hartmann, des großen Chemnitzer Maschi­nen- und Lokomotivkönigs, dessen andere Tochter den in München lebenden Land­schaftsmaler Freiherr Felix von Ende, Bruder der verwitweten Exz. Margarete Krupp, geheiratet hat. Auch Fräulein Hil- gard v. Scheffer, die älteste Tochter des verstorbenen Generals aus seiner ersten Ehe, hat in die deutsche Lokomotivindustrie geheiratet. Ihr Gatte war bekanntlich der am Anfang dieses Jahres verstorbene Alleinbesitzer der großen Lokomotivfabrik Henschel und Sohn, Geh. Kommerzienrat Karl Henschel. (Kassl. Neueste Nachr.).

* Die Dienstflagge des Ober­präsidenten. Dem Oberprästdenten der Provinz Hessen-Nassau sowie den Regierungs­präsidenten von Wiesbaden und Kassel ist in­folge Beschlusses der preußischen Regierung zum Gebrauch bei ihren Dienstautos eine Dienstflagge verliehen worden, die auf weißem Feioe den fliegende,, preußischen Adler zwi­schen zwei schwarzen Streifen zeigt. Diese Flagge ist auch bei Fahrten auf Gewässern zu führen.

* Sängertreue. Der Lahntalsänger­bund benutzte den Totensonntag, um in Dank­barkeit seines langjährigen verdienten Bun­despräsidenten, Rektor August Storch, der im letzten Sommer verstorben ist, zu gedenken. Abordnungen der zum Bunde gehörigen Ver­eine waren zu einer schlichten Gedenkfeier in Butzbach erschienen. Am Grabe August Storchs hielt der jetzige Bundesvorsitzende, Reallehrer Hch. Stroh (Butzbach) eine von Herzen kom­mende Gedächtnisrede, und die vereinigten Sänger trugen das LiedStumm schläft der Sänger" feierlich Vor.

* Der Straßenverkehr als Ge­genstand des Schulunterrichts. Heber das Verhalten im Straßenverkehr sollen die Schüler jetzt häufig belehrt werden. Der Dolksbildungsminister erklärt in einer Verfügung, daß er wegen der starken Zu­nahme der Straßenunfälle, bei denen Per­sonen getötet oder verletzt worden sind, den größten Wert darauf lege. Manches junge Leben werde gerettet werden, wenn die Schüler auch auf Schulspaziergängen darüber unterrichtet werden, welche GefÄiren ihnen auf der Straße drohen und wie sie sich im Straßenverkehr zu benehmen haben. Wo es möglich ist, sollen Derkehrsfilme oder bild­liche Darstellungen benutzt werden.

* Aeb ergan zurneuen Reifeprü­fung. Die geplante neue Reifeprüfungsord­nung wird erst Ostern 27 voll in Kraft treten. Zum Uebergang sind neue Bestimmungen er­gangen. Die Turnreifeprüfung wird bei- behalten. Zur schriftlichen Prüfung gehören überall ein deutscher Aufsatz und eine mathe­matische Arbeit, ferner beim Gymnasium eine Hebersetzung aus dem Lateinischen und Grie­chischen, beim Real- und Aeformrealghmna- siurn mit Latein von Untertertia an eine französische und englische Arbeit, eine auf Wunsch durch eine Tlebersetzung aus dem Lateinischen ersetzt, beim Reformrealghmna- sium der Regelfvrm eine französische und englische Arbeit, bei der Oberrealschule und Deutschen Oberschule eine Arbeit aus einer der neueren Sprachen und eine naturwisfen- schastliche, ebenso bei den entsprechenden Ober­lyzeen und Studienanftalten. Mündlich kommt an allen Schularten die Erdkunde hinzu. 3m Deutschen ist die mündliche Prüfung nicht mehr Ausnahme.

* Prüfungserleichterungen für Mittelschüler. Prüflinge der Mittel­schule, die die Reife für Obersekunda nachzu­weisen wünschen, können nach einer Verfügung des preußischen Unterrichtsministers sich an jenen höheren Lehranstalten einer entsprechen­den Prüfung unterziehen, zu denen die von ihnen besuchten Mittelschulen gemäß Erlaß vom 7. Februar 1922 in näherer Beziehung stehen.

Wehrshaufen. Zu dem Bericht über die Weihe der Gedenktafel für die Kriegs» gefallenen am 22. November 1925 muh es heißen, daß Ludwig Michel (nicht mehr

Johannes Müller) Vorsitzender des Krieger­vereins Wehrshausen ist.

g Wetter, 27. Nov. Auf der Straße MellnauWetter geriet das Brennabor-Auto eines Fabnkanten aus Schleswig-Holstein aus unbekannter Ursache in Flammen und ver­brannte bis auf 2 Hintere Sitze. Die Insassen konnten sich nur mit großer Mühe re tx Die Reste des Wagens wurden bei Kurz u. Dippel untergestellt. Ter Besitzer und feine Begleiter traten die Rückfahrt nach Schles­wig-Holstein per Bahn an. Das Auto ist versichert.

Kirchhain. Nächsten Dienstag, den 1. Dezember, ist hier wieder Rindvieh- und Schweinemarkt vorgesehen. Es ist dies der letzte diesjährige Rindvieh- und Schweinemarkt am hiesigen Platze.

Anzefahr. Arn Mittwoch begingen hier die Eheleute Johannes Weitzel und Frau Elisabeth, geb. Jüngst, das Fest der goldenen Hochzeit.

Herzhausen. Das Wasserbauamt plant eine kleine Erhöhung Les Edersees, um eine zweite Turbinenanlage auf der rechten Seite der Sperrmauer einzubauen und so sämtliche abgelassenen Wassermengen aL Kraft- und ßiuftquette auszunutzen. Bisher lief zeitweise ein beträchtlicher Teil Wasser ungenützt durch die Sperrmauer. Durch die Erhöhung des Edersees werden jedoch die Kelleranlagen einiger Häuser des Dorfes Herzhausen in geringer Höhe unter Wasser gesetzt. Es haben darum Besichtigungen der betroffenen Häuser und Besprechungen mit den Besitzern zwecks Erhöhung und Abdichtung der Keller statt­gefunden. Zu einer Einigung ist man bisher noch nicht gel-not. Das Waller des Sees wird nach Anlage der geplanten Bauten alljährlich einen längeren Hoa'tand behalten. Bisher fand der Rückgang des Edersees und das Aus­trocknen der vom Wasser entblößten Stellen gewöhnlich in den heißen Monaten des Jahres statt. Das Austrvcknen der Wasserlachen und Seegewächse verursachte Gerüche, die einer Sommerfrischler - Nase" recht unangenehm waren. Im letzten Sommer hatten sich an rubißcn Stellen des Edersees gewaltige Algen­massen entwickelt. Bei dem Zurückgehen des Sees trockneten sie zu einer packpapierartigen Masse zusammen und entsandten dabei mit den verdunstenden Wasserresten die widerlichen Gerüche. Durch den längeren hohen Wasser­stand des Sees werden allerdings auch die Nutzflächen im Ederseegebiet in der Herz- hauser Gemarkung in Wegfall kommen.

Neuastenberg. Einen schrecklichen Tod haben die von hier gebürtigten Kaufleute Joh. Wilb. Trippen und Lorenz Blügel durch einen Automobilunsall gefunden. Von Meschede kommend, ist das Auto in der Nähe von Stimmstamm in einer vereisten Kurve von der Straße abgewichen (wahrscheinlich infolge Ver­sagens der Steuerung) und umgestürzt, beide Insassen unter sich begrabend. Blügel kam mit dem Halse unter die Windschutzscheibe zu liegen, Trippen unter den Sitz des Wagens, sodaß beide erstickten. Erst geraume Zeit später wurde das Unglück aus einem vorbei- sabrenden Auto bemerkt und Hilfe geleistet und herbeigeholt. Leider waren die beiden Herren schon tot.

Neustadt, 26. Nov. Infolge der Be­lieferung mit elektrischem Strom seitens der Kreisverwaltung hat sich hier und auch in den übrigen Städten und Dörfern des Krei­ses mancher technische Fortschritt bemerkbar gemacht. Unter den Handwerkern haben be­sonders die Schreiner, Wagner, Schmiede und Metzger durch maschinelle Einrichtungen große Erleichterungen m ihren Berufen erfahren. Was ftuher mit der Hand in vielen Tagen und Wochen fertig gestellt wurde, wird heute ver­mittelst der eleftrischen Kratt in wenigen Stun­den erreicht, ohne daß die Qualität der Gegen­stände hierunter leidet. Auch die Handweberei hat sich den Fortschritt nutzbar gemacht. Welche mühsame Arbeit kostet es dem Hand- wcber, bis er eine Steige Tuch auf seinem Webstuhle fertig gestellt hat. Heut: ist der Handwebstuhl durch den mechanischen Web- stuhl verdrängt. Hier wuiden seitens des Herrn August Ebel zwei mechanische Webstuhle mit elektrischen Spülmaschinen in Betrieb gesetzt, auf welchen Putz- und Handtücher und Hem­dentuche hergestellt werden. Den Landwirten ist dadurch Gelegenheit geboten, ihren selbst- gesvonnenen Flachs in kürzester Zeit zu Web­stosfen, Leinen usw. verarbeiten zu lassen. Das Alte stürzt, es ändern sich die Zeiten.

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SaMbttocgung

Oesfentliche Versammlung.

_Auch die am Mittwoch abend in den Stadt­sälen abgehaltene Wahlversammlung aller auch nicht organisierter Mieter, Kriegsbeschä­digten, Kriegshinterbliebenen, Arbeitsinva- liden, Witwen, Kleinrentner, Wohnungs­suchenden und Bodenresormer stand unter dem Zeichen der Versammlungsmüdigkeit, ob von einet Wahlmüdigkeit die Rede sein kann, läßt sich vorher nicht sagen. Trotzdem bekam die Versammlung nach und nach einen leb­haften Charakter. Der Versammlungsleiter, Herr Postdirektor Langenberg, betonte bei Er- önnung, den neutralen Charakter der obigen Gemeinschaft, die nur den Zweck habe alle Hilfsbedürftigen zu schützen. Leider sei der Spitzenkandidat, Herr Kreisausschußsekretär Schneider, für heute abend anderweitig in Anspruch genommen. Er gedachte auch des 60. Geburtstages des Führers der Bodenreform­bewegung, Adolf Damaschke, und bezeichnete die letztere als das Zukunftsideal. Stadtv. Hoffmann sprach dann zunächst im Namen der Kriegsbeschädigten und schilderte das Arbeits­gebiet dieser Verbände. Stadtv. Eerneitis schlog sich im Namen der Mieter an. Den Be­strebungen des Hausbesitzervetbandes, die Mieten zu steigern und die Mieterschutzgesetze zu beseitigen, müsse so lange entgegen geinten werden, bis genügend Wohnungen da seien. Die Macht der Mieter sei größer, wie die der

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H ihti $vr: Oberstabsarzt a. D. Dr. Hellwig sprach lange über die Rentnernot. Die Fürsorge genüge noch lange nicht. Die Woh- nungszwangswirtschaft müsse bleiben. Als er darauf hinwies, daß man die Houszinssteuer nur zum Wohnungsbau und nicht allein dazu benutzen solle, Erwerbslose zu unterstützen, die dafür nichts arbeiteten, kams zu Zwischen­rufen. Schließlich meinte er, daß durch die vom Hausbesitzerverein mitgeteilten Ziffern über die Verteilung der Wohnungen nichts be­wiesen würde. Er sowohl wie die Vorredner, ermahnten, die Liste Schneider zu wählen. Bei der Aussprache wies Stadtv. Weber darauf hin, daß die sozialdemokratische Partei die Interessen der kleinen Leute in Stadt und Land vertrete. Die Mieterfrakiion in der Stadtverordnetenversammlung habe ihre Wähler sehr enttäuscht, die 6ätie überhaupt noch nichts geleistet und sei noch niemals be- müblt gewesen die Wohnungsfrage zu regeln. Mas die nun auch noch im Kreistag wolle, sei ihm unerklärlich. Stadtv. Althaus nahm die Mieterfraktion in Schutz, wenn diese erst ein­mal auf eine so lange parlamentarische Tätig­keit zurückbsicke, wie 4ne Sozialdemokratie, bann dürfte sie auch mehr leisten können. Es sprachen dann noch weitere Redner, die wir wegen vorgeschrittener Zeit nicht mehr an« hören konnten.

Amönau. Die Wählerversammlung der Hess.-Nass. Arbeitsgemeinschaft, die am Dienstag abend hier stattfand, erfreute sich eines guten Besuches. Versammlungslei­ter war Herr Gutspächter Pentzel. An Stelle des verhinderten Redners sprach Herr Stadtsekretär Albert aus Wetter. Er beleuchtete zunächst die innere und äußere Politik und den Vertrag von Loearno, um dann zu den Kommunallandtags- und Kreistagswahlen überzugehen. Der Red­ner schilderte die Bedeutung und Tätig­keit dieser Körperschaften im öffentlichen Leben und würdigte zum Schlüsse die ein* gereichten Wahlvorschläge einer kurzen Be­sprechung. Mit der Aufforderung, für die Liste der Hess.-Rass. Arbeitsgemeinschaft einzutreten, schloß er seine Ausführungen.

Schweinsberg. Die Gemeinde Schweins­berg hatte den Plan bei der Aufstellung der Kandidaten für den Kreistag eine Einheits­liste aufzustellen, da die Gemeinde im letzten Kreistag nicht vertreten war, auch glaubt sie bei 900 Einwohnern und 540 Wahlberechtigten nicht ganz zu ihrem Rechte gekommen zu sein. Da keine Aussicht bestand, dieses Mal einen Schweinsberger Bürger an aussichtsreicher Stelle auf irgend eine Liste zu bekommen, wurde von dem hiesigen Arbeiter- und Bauern­verein eine Vürgerversammlung einberufen mit dem Ziel, sich auf eine gemeinsame Liste zu einigen. In dieser Versammlung wurde Herr Lehrer Flor ausgestellt. Damit waren andere Bürger nicht einverstanden und stellten Herrn Bürgermeister Dauzenrotb auf, weil dieser durch seine frühere Tätigkeit in der Kreisoerwaltung und durch seine jetzige Stellung als Leiter der Gemeinde am ersten geeignet sei, Schweinsberg zu vertreten. Weiter wird gesagt, daß im Kreistag nur wirtschaft­liche Fragen zur Verhandlung kommen, und daß derselbe mit Politik und Konfession nicht» zu tun hat. Zudem hätte doch ein Bürger­meister das größte Interesse an der Fortent­wicklung der durch ihn vertretenen Gemeinde. Eine Hauptaufgabe des hiesigen Kreis­vertreters sei, für die Verbesserung des Stra­ßenbaues einzutreten, und daß der dauernden Ueberschwemmungsgefabr durch die unbedingt erforderliche Ohmregulierung 'Einhalt geboten wird, auch daraus hinzuwirken, daß nur die unabweisbaren Ausgaben gemacht und die Kreissteuern auf ein Mindestmaß herabgedrückt werden.

Die Provinziallandtagswahlen am 29. November.

Um möglichst schnell eine Zusammenstellung der Wahlergebnisse für die einzelnen Provin­zen der Oefsentlichkeit bekannt zu geben, ist vom Preußischen Innenminister angeordnet, daß die Provtnzialwahlleiter die für die ein­zelnen Parieren abgegebenen gültigen Stimm­zahlen sofort an das Innenministerium tele­graphisch melden. Der Amtliche Preußische Pressedienst wird dadurch in der Sage sein, im Laufe des Montag, 30. November, eine Uebersicht über die Wahlen auszugeben.

Verlag von Dr. C. Hiheroth.

Verantwortlich für die Schriftleitung und den politischen Teil: Dr. Ernst Scheller: für den lokalen und provinziellen Teil: Wilhelm CB i 6 n er; sämtlich in Marburg.

> «EWMWOU kSnSSfdem süiwafienkop? 1**° unübertroffen.

'fifrdie Mcp#3«ä(che

Verlangen Sie die neue Deppdpedtung. Präs 35 Pf.

Geschäftliche Mitteilung.

Ihr Weihnachtswunsch,Frohe und ge­sunde Festtage zu verleben", ist gleichzei­tig der Wunsch vieler Tausender. Die eigentliche Grundlage einer frohen und ge­hobenen Feststimmung ist ohne Zweifel eine gute Gesundheit. Deshalb wird der Magenfrage von der Hausfrau nicht mit Unrecht besonderes Gewicht beigelegt, bc erhebliche Trübungen der Festfreude durck Ernährungsfehler gerade in diesen Tage: entstehen können. Recht gern wird sic die erfahrene Hausfrau zur Bereicherun ihrer Festtafel der nahrhaften, abe; leicht verdaulichen Puddings aus Dr. Oetkers Puddingpulver bedienen und zum Kaffe, Tee oder Wein, Kuchen, Tor­ten Weihnachtsgebäck aus Dr. Oetkers be­liebtem Rezeptbuch wählen, weil in diesen Rezepten auf die Wohlbekömmlichkeit in erster Linie Wert gelegt ist.