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Sonnabend, den A Novbr. ISA

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zum Besuch Mussolinib in London

London, 20. Nov. (TU.) Die Blätter beschäftigen sich eingehend mit den Vorbereitun­gen zum Besuch Mussolinis in London. So wird unter anderem berichtet, die italienische Botschaft habe bei der Doieloerwaltung bean­tragt, das Stockwerk, auf dem Mussolini Zim­mer beziehen würde, völlig abzusperren und «nderen auswärtigen Personen unzugänglich zu machen. Damit habe sich aber der Hotel­besitzer nicht einverstanden erklärt und es sei daher beschlossen worden, daß Mussolini auf der italleniichcn Botschaft wohnen, werde. In den letzten Tagen seisn zahlreiche italienische Geheimpolizisten in Lon­don eingctrofftn und hätten mit KriminaAe- amten der englischen Polrzc: BesprechuNgeMib- oehalten. Das gesamte Personal des i&tittnt- scheu Botschaftsgebäudes sei einem stre-uiM Ver­hör unterzogen worden. Die emzelnbn Perso- 'nen hätten ausführlich über ihre freundschaft­lichen und verwandtschaftlichen Beziehungen und Verhältnisfe Auskunft geben müssen. Wäh­rend der Anwesenheit Mussolinis werde den Angestellten die Verbindung mit der Umwelt fast völlig untersagt. Das Botschastsgebäudc foll mit einer Kette it.ilienischer Geheimpoli­zisten und britischen Detektiven umgeben wer­den. Der Weg vom Bahnhof zum Botschafts­gebäude wird ebenfalls mit Geheimagenten ein* gesäumt. Das Auto, in dem Mussolini abge­holt wird, ist mit einem Panzer versehen.

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Sie Belsttzung RWWeas

Berlin, 20. Nov. (Wolff.) Der int Welt­kriege gefallene erfolgreiche Fliegerosfizier, Rittmeister Manfred Freiherr von Richt- Hofen, hat beute seine Runestätte in der Heimat gefunden. Der Beisetzung ging eine erhebende Trauerfeier in der Gnadenkirche in Anwesenheit des Reichspräsidenten, des Reichs­kanzlers und des Reichswehrminiftcrs voraus. Inmitten eines Haines von Lorbeerbäumen dicht vor dem Altar stand der schlichte dunkle Earg, über und über bedeckt mit kostbaren Blu­men und geschmückt mit Helm, Degen und Ordenkissen, darunter ein Blumengebinde von englischen und amerikanischen Kameraden. Zu der Feier waren mit den Angehörigen des toten Fliegers die in Berlin anwesende Gene­ralität, viele Hobe Offiziere der alten Armee, Vertreter der staatlichen und städtischen Be­hörden, des Polizeipräsidiums und zahlreichen Organisationen erschienen. Die Trauervarade der Reichswehr, bestehend aus einer In­fanteriekompanie mit Musik nahm vor dem Hauvtvortal Aufstellung. Abordnungen der Reichswehr, des Reichsbanners, der Krieger­vereine und anderer Vereine und Verbände bildeten auf der Scharnborststraße Spalier. Kurz vor Beginn der Feier zogen unter dem Geläute der Glocken Fahnen«bordnungen der Kriegervereine in das Gotteshaus ein und nahmen zu beiden Seiten des Kataialkes Auf­stellung. Der Reichspräsident in Generalfeld­marschalluniform und mit dem Marschallstab in der Hand betrat mit einem zahlreichen Ge­folge von hohen Offizieren aus Heer und Ma­rine das Gotteshaus, von der stehenden Menge schweigend begrüßt.

Als der Reichspräsident Platz genommen batte, spielte die Musik und die Andächtigen sangen gemeinsam „Ich weiß, an wen ich Slaube, denn mein Erlöser lebt!" Nach dem Gebet des Geistlichen spielte die Musik ^,,Ich batt' einen Kameraden '. Dann 6teit Feld- vrobst Dr. Schlegel die Gedächtnisrede. Unter Musikbegleitung sang dann die Menge „Ein Morgen soll noch kommen". Unter den Klän- Sen des Trauermarsches aus dem Oratorium Caul von Sändel leerte sich dann langsam die Kirche. Acht Fliegeroffiziere trugen auf ihren schultern den Sarg nach der vor dem Portal stehenden Lafette. Unter Begleitung einer un- Seheuren Menschenmenge setzte sich dann der Trauerzug in Bewegung. Dicht hinter den An- tzehörigen schritt Reichspräsident v. Hinden­burg. Auf dem Friedhof wurde die irdische Hülle des toten Fliegers zur letzten Ruhe ge­bettet. Drei Salven donnerten über das Grab, die letzten Grüße, seiner Kameraden. Mährend der Gedächtnisfeier in der Kirche und auf dem Friedhof kreisten in den Lüften irnei Flugzeuge des Deutschen Aero-Lloyd, die schwarze Flaggen gesetzt hatt.'v und Licht- lionale gaben.

' Dr. Hermann Weyl f.

fk. Berlin, 21. Nov. Der frühere Ber­liner Stadtverordnetenoorsteher und sozial­demokratische Landtagsabgeordnete Dr. Ser- »ann Weyl ist gestern im Alter non 59 fahren einem Herzleiden erlegen. Sm preußi­schen Landtag wird an seine Stelle die Abge­ordnete Selene Schmitz treten. - , -

Formaler Rücktritt Luthers

DruWaad wird zur AMMr-Kensermz nW zngoWen

Berlin, 20. Nov. lPrivaimeldung.) Der Reichskanzler Dr. Luther hat bei den heutigen Empfängen der Parteiführer im Reichstage, wie ein Berliner Abendblatt berichtet, mitge­teilt, daß nach der Unterzeichnung des Ver­trages von Locarno in London sein Kabinett dem Reichspräsidenten die Demission an­bieten werde.

Wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deut­scher Zeitungsverlegcr dazu aus parlamentari­schen Kreisen hört, dürste diese Absicht des Reichskanzlers bestehen, jedoch würde die ge­samte Demission nur eine formale Be­deutung haben, da Herr Lurber vom Reichspräsidenten wiederum den Auftrag zur Bildung der Regierung erhalten würde. Der Reichskanzler denkt dabei an eine Zusammen­setzung der Regierung aus den Vertretern der­jenige» Parteien, die aus dem Boden der Lo­carnopolitik steben und daher sür die Durch» sührung des Dertragswerkes, die seeigueten Persönlichkeiten stellen könnten. Diese Auf- sassung stimmt mit derjenigen überein, die das Zentrum aus seinem Parteitag zum Ausdruck gebracht hat, daß die Zentrumsvartei in einer Regierung nur mit denjenigen Parteien Zu­sammenarbeiten könnte, die die Locarnopolitik mit lleberzeugung durchzuführen willens seien.

Ein so geartetes Kabinett ließe sich aus der Deutschen Lolkspartei, »er Bayerischen Volks- vartei, dem Zentrum und den Demokraten bil­den. Diese Koalition würde allerdings eint Minderheitsregierung darstellen, die nur über 171 Stimmen im Reichstage verfügt. Aber es wird mit einem neutrale» Verhalten der Sozialdemolraten gerechnet werden können. Diese selbst denkt nicht an den Eintritt in eine solche sogenannte Koalition, obwohl sie die Durchführung des Locarnovertragcs unter­stützen werde, und sie werde dafür sicherlich taktische Gründe haben.

Es wäre erklärlich, wenn die Sozialdemo­kraten für die bei der außerordentliche» Un­gunst der Wirtschaft in dem bevorstehenden Winter möglicherweise zu erwartenden großen wirtschaftlichen Auseinandersetzungen freie Hand gegenüber etwaigen kommunistischen An­stürmen behalten weite, ohne durch Teilnahme an der Regierung in bestimmter Richtung ge­bunden zu sein. Daß bei der Neubildung der Regierung neben dem Poften des Reichskanz­lers auch derjenige des Reichsaußrnministers

in denselben Händen bleibt, wie bisher, ist wohl anzunehmen.

TU. Pwcis, 20. Nov. „Excelsior" meldet auf Grund anscheinend osfiziöser Information, es könne entgegen der von englischen Blättern verbreiteten Absicht keine Rede davon sein, daß der deutsche Botschaster in Paris zu den Sitzungen der Boischaiterkonferenz auf dem Fuße de, Gleichberechtigung h i n z« ge­zogen werde. Die Ausgabe der Botschaster- konferenz bestehe in der Ueberwachung der Ausführung der Verträge und darin, im Ein­verständnis mit den alliierten Mächten die mit der Interpretierung der Bestimmungen des Versailler Vertrages und der andere» Rach- kriegsverträge zusammenhängenden Streitfra­ge» zu regeln. Deutschland könne deshalb in der Botschafterkonferenr aus zwei Gründen nicht vertreten sein:

1. weil es in einer Frage gleichzeitig als Richter und als Partei auftreten würde (Dan­ziger Frage) und

2. es zur Erörterung anderer Fragen nicht hinzugezogen werde» könne, die es nichts an­gehe (Memel!!).

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Hindenburg an de« Londoner Pretz-Club.

Berlin, 20. Nov. Anläßlich «nes Diners, das der Londoner Pretz-Club den Ge­sandten der Mächte, die am Pakt von Locarno beteiligt sind, in London gab, sandten die Ver­anstalter ebenso wie an den König von Eng­land und die anderen Staatsoberhäupter auch an Reichspräsident v. Hindenburg ein Begrützungstelegramm, in dem ste den Wunsch ausdrückten, daß aus den Nöten und Sorgen der Vergangenheit erne neue Epoche gegenseitigen Achtung u. gegenseitigen Verstän- nisses zwischen den verschiedenen Nationen ent­stehen möge. Im Antworttelegramm des Reichspräsidenten wird dem Wunsche Aus­druck gegeben, daß aus den Verhandlungen von Locarno ein neuer Geist gegenseitiger Achtung und Verstehenwottens unter den Nationen ent­stehen möge.

MeuMrr SnnMag

Berlin, 20. Nov. 100. Sitzung, 11.15 Uhr. Der Landtag überwies den Urantrag Riedel (Dem.), die vom Landtag zur Zwecke der Für­sorge für Oberschlesien bereits gefaßten Be­schlüsse beschleunigt durchzuführen, dem Ost- ausschuß.

Abg. Baczewski (Pole) fordert, daß bei der Gewährung von Krediten auch die polni­schen Minderheiten berücksichtigt würden, und d«ß in den Schulen die polnischen Kinder Un­terricht in ihrer Muttersprache erhielten.

Abg. Dr. Hamburger (Soz.s weist da­rauf hin, daß der Schutz der Minderheiten in Deutschland auch von günstigem Einfluß sein werde auf die Behandlung der deutschen Min­derheiten außerhalb der deutschen Grenzen.

Abg. Graf v. G a rn i e r (Dn.) hebt die Ver­gewaltigung der deutschen Minderheiten in Polen hervor.

Abg. Zawadzki (Ztr.): Bei der Gewäh­rung von Krediten denken die polnischen Ban­ken nicht daran, Deutsche zu unterstützen. Die deutschen Schulen in Oberschlesien haben unter den Polen unsäglich gelitten. Es gehört ge­radezu Dreistigkeit dazu, wenn ein An­trag Baczewski vorliegt, die Hinterbliebenen der polnischen Insurgenten, die die Deutschen aufs grausamste terrorisierten, zu unterstützen.

Abg. P i s ch k e (D. Vpt.) hebt gleichfalls hervor, daß die Beschlüsse des Ostausschusses nicht etwa sich gegen die Minderheiten richte­ten. Preußen könne mit der Behandlung der polnischen Minderheiten vor aller Welt be­stehen.

Abg. Jen drosch (Komm.) führt die Not­lage in den Ostgebieten auf die sahrzehnte- ianoe kapitalistische Ausbeutung zurück.

Abg. Hermann (Dem.) hebt die sachliche i-nd verhältnismäßig reibungslose Arbeit des Ostausschusi'es hervor. Die Polen kämpfen mit der Waffe der Gewalt, Preußen und Deutschland mit der Walle der Kultur.

Abg. B a ez e m s k i (Post) ftölt daran fest, daß die Beschlüsse des Ostausschusses sich als Bekämpfungsmaßnahmen der polnischen Min- berfceiten auswirken würden.

Abg. Graf v. Garnier (Dn.) protestiert

erregt gegen diese Ausführungen. Locarno werde von seiner Partei auch gerade deshalb abgelehnt, weil sie es ablehnen, die deutschen Ostgrenzen verschleiert oder unverschleiert an­zuerkennen.

Abg. Zawadzki (Ztr.) spricht dem Abg. Baczewski das Recht ab, als Vertreter des deutschen oder preußischen Volkes zu sprechen.

Nach weiteren Ausführungen des Abg. P i s ch k e (D. Vp.). der auf die große deutsche Kulturarbeit in den Ostgebieten und die pol­nische Gewaltpolitik gegen das Deutschtum verweist, werden die Beschlüsse des Ostaus­schusses zur Hebung der Not auf den Gebieten des Kredits-, Wohn-, Verkehrs- und Schul­wesens in den östlichen Grenzgebieten vom Landtage bestätigt.

Das Haus erledigte hierauf eine Reihe von Ausnahmetitel aus dem Haushalt des Han­delsministeriums, des Ministeriums des In­nern, der landwirtschaftlichen Verwaltung und des Ministeriums für Volkswohlfahrt. Zum landwirtschaftlichen Haushalt spricht der Abg. Dr. Wiemer und sagte, daß der Ausschutz- ontrag, fünf Millionen' Mark zur Förderung londwirtschaftlcher Ansiedlungen für Optanten neu in den Haushalt einzusetzen, die Zustim­mung der Negierung gefunden hat.

Die Abstimmungen werden am 2. Dezember voraenommen werden.

Tie^Beratung des Haushaltes der allgemei­nen Finanzverwaltung wurde auf Dienstag, den 1. Dezember vertagt. Schluß nach 2 Uhr.

Dr. Erwin Steinitzer gestorben.

Franffnrt a. M., 20. Nov. Dec Chef­redakteur des „Frankfurter General-Anzei­gers', Tr. Erwin Sterniher, ist gestern abend nach kurzem, aber schrverem und qual­vollem Leiden im Alter von 41 Jahren ge­lt o r b e n. Der Verstorbene, der in Budapest geboren war, studierte in Wien und München, war während des Krieges in Verantwortlichen Stellungen im Auswärtigen Amt, int Reichs- amt des Innern und in der Reichskanzlei tä- ^llAnd trat bann nach brr Revolution in die gtraaftion ber „Vossischen Zellung" ein. Am 1- April 1923 hat er die Chesrrdaküon des „frankfurter General-Anzeigers" übernommen.

Som ewigen und wahren Srleden

IV.

Die Engländer haben zum 1. Dezember, den sie schon jetzt ali einen Festtag be­zeichnen, ein Programm für die feierliche Unterzeichnung der Locarno-Verträge auf­gestellt, dessen Einzelheiten uns nicht weit« interessieren, wenn wir auch von vornherein den geplanten Festzug durch die Straßen Londons, ber peinlich an die Triumphzuge im alten Rom mit den hinter dem Triumph­wagen einhergeschleppten Vasallen erinnert, als eine Geschmacklosigkeit ablehnen müsse». Ist aber nicht die Sicherheit erstaunlich, mit der man auf das Erscheinen der deutschen Vertreter rechnet, wo doch noch bet u»6 das Für und Wider hin und hergeht und die wich­tige Besprechung im Reichstag noch aussteht?

Für den Engländer ist diese Aussprache nebensächlich geworden. Er ist sicher, daß wir unterzeichnen werden, er weiß, daß sich eine irgendwie geartete Mehrheit für Locarno bei uns finden wird. Engländer und Fran­zosen haben in der Entscheidung des Dot- fchafterrates uns einfach ein Ultimatum ge­stellt, von dessen Beantwortung am 1. De­zember sie die Ersüllung ihrer mageren Zu­geständnisse abhängig machen, solcher Zuge­ständnisse, die nichts weiter sind als die Rück­kehr zu normalen Dertragszuständen, auf die wir auch ohne Locarno feit langem einen rechtlichen Anspruch hatten, Unb nun warten beide in Ruhe die Entwicklung der Krise in Deutschland ab, gegen deren Gefahren sie sich gesichert haben, deren Ende sür sie aber ohne unmittelbares Interesse ist.

*

Wie liegen die Dinge in Deutschland? Am Morgen der Abreise der deutschen Stieg«- tum wurden die sechs Punkte betanntgegeben. die als Rückwirkungen bezeichnet waren. Ser Reichskanzler hat noch in Locarno erklärt, daß er und der Aeichsauhenminifter solange die Verantwortung für die Paraphierung dec Verträge allein tragen müßten, bis dies« deutschen Forderungen erfüllt worden feien. Punkt l lautete: „Räumung der Kölner Zone vor der Unterzeichnung der Verträge". — Punkt 1 und alle anderen fünf Cunfte fixt> nicht erfüllt worden. Was ergibt sich dar­aus? Entweder: Die Regierung hält heute an allen Punkten ihres Programms nicht mehr fest; sie hat in Einzelfragen oder in allen Punkten im Verlauf der Verhandlungen nachgegeben, sie hat sich ein neues Pro­gramm geschaffen und die Koalition gefun­den, die mit diesem Programm einverstanden und es durchzusetzen bereit ist. Oder: Für die Regierung gilt noch das alte Programm, dessen Forderungen bis heute noch nicht er­füllt worden sind, vor deren Erfüllung aber an eine Unterzeichnung der paraphierten Verträge nicht zu denke» ist. Dann aber mühte folgerichtig die Unterzeichnung dec Verträge hinauSgeschoben werde», um die Erfüllung der brutschen Forderungen durch- zufehen, an die die Regierung, jedenfalls die beiden Delegierten, sich gebunden fühlen. 3n beiden Fällen könnte von einer inneren Krise nicht die Rede sein.

*

Aber weder von der einen noch von dec anderen Ausgabe, vor die sich Deutsch­land gestellt sähe, ist etwas zu merken. Bo» einer klaren Entscheidung schon gar nicht. Die Entscheidung des Reichstages wird lau­ten: Annahme oder Ablehnung. Aber von allen Parteien hat nicht eine einzige fest umriffene außenpolitische Forderung«,, hie über den 1. Dez. hinauSgehen, Sterbe- rungen, Ziele, an denen gearbeitet würde, die sachlicher Kritik offenftänben. Locarno ist erst der Anfang — das ist die Formel, auf die sich alle geeinigt habe», die den Verträgen znstimmen. Aus diese Zauber­formel blickt man nun, in einem dampfen Gefühl, daß uns mit diesem Locarno die Er­füllung unserer politischen Wünsche und recht­lichen Ansprüche beschert werden müsse, daß damit zunächst alles gut sei, namentlich die Kredite für die Wirtschaft, dir wir f» not­wendig brauchen, hereinlämen. Und vor allem soll dann die große Ruhe kommen, nach bet Deutschland solche Sehnsucht hat, nach sieben Jahren unruhiger, aufregender, zer­fetzender Friebensjahre endlich die Zeit des guten Friedens, ohne den ein Hoffen und befriedigendes Streben nicht möglich ist.

♦

Solch hohe, an eine gefällige Auslegung der Verträge geknüpfte Erwartungen lassen sich natürlich nur rechtfertigen mit einem Opti­mismus, dem weder durch die trüben Erfah­rungen ber Vergangenheit noch durch Be­obachtung unb Berechnung ber natürlich ge­gebenen Gegensätze eine Grenze gezogen ist. Unb nur baburch allein, ist es möglich -'g^