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Siadenburgtag In Franksmi
Frankfurt a. M., 13. Nov. (WTB.) Schon seit den frühen Morgenstunden ist das Strasienbild der alten Reichsstadt völlig unter dem Einfluß des Besuchs der Reichspräs dentcn, obwohl dessen Eintreffen erst für die Mittagsstunden in Aussicht steht. Der Bahnhofsplatz und die Straßen, durch bte de Rundfahrt führt, sind mit Fahnen reich geschmückt. Bon einer besonderen Ausschmückung ist auf ausdrücklichen Wunsch des Reichspräf deuten Abstand genommen Wochen. Nur der Eingang der breiten Kaiserstraße zeigt zwei mächtige Pylonen, ebenso der Römer, das alte Wahrzeichen der Stadt, von Künstlerhand in reichen Blumenschmuck gehüllt, durch den sich auch Oper und Hauptbahnhof auszeichnen. Bon 11 Uhr ab beginnt der Aufmarsch der spalierbil- dentum Verbände, während sich der weite Platz vor dem Römer mit über 20 000 Schulkindern nach und nach füllt.
Starke Bewegung unter der unübersehbaren Menge, die den Bahnhofsplatz besetzt hält, zeigt gegen 1 Uhr an, daß der Zug der den Reichspräsidenten und seine Begleitung von Darmstadt bringt, soeben eingelaufen ist. Reichspräsident V. Hindenburg entsteigt dem Zuge in Begleitung des Staatssekretärs Meißner Und seines persönlichen Adjutanten Majors v. Hindenburg, wechselt kurze Begrützungs- worte mit Oberbürgermeister Dr, Landmann, General Reinhardt, dem stellvertretenden Poli- rripräsidenten Dr. Hammacher, dem Präsidenten der Reichseiscnbahndirektion Frai k'urt, Geheimrat Roser, und dem Stadtverordnetenvorsteher Hcißwolff, und begibt sich dann auf wenige Minuten in das Fürstenzimmer des Bahnhofs. In Autos wird dann über den Bahn- hossplatz und die breite Kaiserstrahe die Fahrt nach dem Römer angetreten, während Flieger über der Stadt kreisen nnb von sämtlichen Kirchen ein stimmungsvolles Geläut anhebt.
Der Jubel der Menschenmenge beim Anblick der ehrsurchtgebletenden Gestalt des Reichspräsidenten ist pnbeschre blich, Pflmizt sich durch alle Straßen fort und kommt noch einmal besonders stark in Tausenden und Abertausenden Heller Kinderstimmen zum Ausdruck, als das Auto des Reichspräsidenten auf den Römer- berg einblegt. Das achtjährige Töchterchen des Stadtschulrats Meckbach überreicht mit einem sinnigen Begrüßungsspruch einen Blumenstrauß, den der Präsident mit sichtbarer Freude dankend entgegennimmt. Ein Hand.Ichor, den der Motettenchor unter Leitung von Prof. Gambke wirkungsvoll vorträgt, erhöht den feierlichen Eindruck, und der Jubel steigt erneut empor, als der Reichspräsident auf dem Balkon des alten Kaisersaales erscheint und nochmals einige beherzigende Worte an die Jugend richtet, die in Heller Begeisterung das Deutschlandlied anstlmmt.
Nach einer Vorstellung der Vertreter der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden, sowie der Arbeiterschaft im Kaisersaal sand dann im Kursürstenzimmer ein Frühstück statt, bei dem Oberbürgermeister Dr. Landmann den Reichspräsidenten im Namen der Stadt bewillkommnet«, deren Bedeutung der Reichspräsident rn seiner Antwort als geistige und politische Brücke zwischen Nord und Süd unseres Vaterlandes hervorhob.
Die Erwiderung
des Reichspräsidenten
Herr Oberbürgermeister!
Meine Herren! Ich danke Ihnen herzlichst Tür die freundlichen Morte und Wünsche, die Sie meiner Person wie meinem Amte gewidmet haben. Es ist mir eine Freude, im Anschluß an meine Reife zu den süddeutschen Regierungen heute auch in der alten Reichsstadt Frankfurt zu weilen, die als geistige und politische Drücke zwischen Rord und Eüd unseres Vaterlandes für uns Deutsche immer von besonderer Bedeutung gewesen ist. Eine Fülle altehrwürdiger Erinnerung wirkt in Ihrer Stadt aus uns ein, besonders m diesem Saale, der die Bilder aller deutschen Kaiser in sich birgt und so die große Geschichte nicht nur der Krönungsstadt Frankfurt, sondern des Deutschen Reiches verkörpert. Der trotz Zersplitterung und Befehdung tn den besten Deutschen doch immer lebendige Drang nach Einigung und Einheit hat gerade hier in Frankfurt vielfachen Ausdruck gefunden: Mir sehen diesen Wunsch Und Willen nach Zusammenschluß zur Ration verkörpert in der Wahl und der Krönung der Kaiser des alten Reiches: wir erkennen ihn in der Einsetzung des Deutschen Bundestages. und wir finden ihn in der Rationalversammlung dbr Paulskirche. dem ersten gesamtdeutschen Parlament. So ist diese Stadt immer ein Mittelpunkt des politischen Lebens aller Deutschen gewesen, und immer hat bas Sehnen nach Einigung der deutschen
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ff. Paris, 14. Nos Nach einer Meldung des „Newyorker S e r a l b“ aus Kairo sollen die Franzosen aufs neue Damaskus beschossen haben. Die Beschießung soll infolge eines, die ganze Nacht dauernden Kampfes, erfolgt sein, bei dem eine starke Abteilung Aufständiger die Stadt geplündert hat. Die englischen Behörden schicken Berstärkungen an die Grenze, um die Ausständigen an dem Betreten ihres Mandatsgebietes zu verhindern.
ft. London, 14. Nov. „Times" berichtet aus Haifa, daß 1500 Rebellen am Montag H a s b a y a eingenommen hätten. Flüchtlinge, die in Beirut eingetroffen sind, berichten, dah die Ausständigen die arabische Flagge gehiht und die christliche Bevölkerung beruhigt hätten, denen sie erklärten, daß ihre Aktion allein gegen die militärichen Streitkräfte unternommen sei. Zahlreiche Einwohner verlaßen die Stadt. Einem noch nicht bestätigten Gerücht zufolge, seien die AusstLndigen auch in Merdsch Agun eingedrungen. Die meisten Bewegungen der Aufständigen finden nachts statt, um Flugzeugangriffen zu entgehen.
ft London, 14. Nov. Aus Beirut meldet die „Times": Ein offizieller Bericht teilt mit, dah am Morgen des 12. November einige Banditen erfolglos versüßten, in Duma in der Nähe von Damaskus einzudrrngen. Art-Kcrie- verstärkung ist in Damaskus eingetroifen und wurde im Innern weiter befördert. Weitere Verstärkungen werden in Kürze erwartet. Beirut ist letzt von Tausenden von Flüchtlingen gefüllt. Es wird gemeldet, daß bei den Kämpfen zwischen Auf- ständigen und Einwohner von Kawkaba 4 0 Einwohner des Dorfes getötet wurden. Die Verluste der Ausständigen werden auf 100 Mann geschätzt. Die Rebellen brannten die Häuser nieder. Die Mehrzahl der Einwohner von Dskbodeidah, Medasch A y u n und Sidon find nach Beirut geflüchtet. Eine Drusenabteilung «tiff Man- sura im Bezirk Kuneitra an, wo die Mehrzahl der Einwohner geflüchtet ist. Die Ein-
ws.ner erh! lten Verstärkung. Das Ergebnis des Kampfes ist nicht bekannt. Die Behörden treuen Mahncchmen, um zu verhindern, ~a.ii Banden weiter eindringen. „Times" berichtet aus Jerusalem. es werde gemeldet, dah 2000 syrische Flüchtlinge aus Habaya, Dschodeidah und Lledsch Ayun nach dem oberen Galiläa ne, chtet sind. Die Gendarmerie an d:n Grenzorten sind verstärkt worden.
Paris, 13. Nov. Der Sonderherichierstatter des „Petit P a r i s i e n“ in Beirut meldet, dah die Lage in Syrien sehr ernst ist. Als Gründe für die jetzt festznstellense Bewegung gibt er folgende an, die Jslamiten hätten von der Schaffung eines groben arabischen Reiches geträumt und dieses aus den Händen der Franzosen erwartet. Frankreich sei ihnen das aber go.rnicht schuldig, denn es sei den Jslamiten dies niemals versprochen worden. Hier liegt die Ursache des Dramas. Schon unter General Gonrsnd habe es gegärt und weiter auch, allerdings schwächer, unter General Weygand, bet ihnen Achtung eingeflöht habe, weshalb die Wagemutigsten etwas Geduld geübt hätten. Ms er abberufen wurde, seien die Agitatoren ans dem Dunkel getreten. Die Türken, die Agenten von Moskau und die Leute vom Hedfchas. Der Berichterstatter des „Petit rTriften" fügt weiter an: Ich sage Hedsbacleute ans Diplomatie, weil ich nicht Engländer sagen will.
General Sarrail, bet NiEftger Wey- gands, habe notfi nicht seine -jasensvitze in Beirut gezeigt, als bie Musel c.nxn sich auf den Mähen Schlag vorbereiteten, während die Ehr ist en und die, von denen sie geführt war. heu, sie beschworen hätten, den neuen Kommissar zu boykottieren. So sei das Komplott bechlofsen worden. Es habe sich nur darum gehandelt, einen Zwischenfall abzuwarixn.
Der Berichterstatter charakterisiert schließlich die augenblickliche Lage in Mmien wie folgt: „Eine neue Gefahr dr^ht. Die soaenannie Nationalistenvarlei versucht die Drusen v.nb bie Jslamiten des Groh-Libanons zu ge- roinren und übt ihre Tätigkeit seit zwei Tagen auch im Süden nach der Grenze von Palästina hin aus. Dickel Krieg werde im Namen der Unabhängigkeit Arabiens geführt. Man ist soweit, dah man sich die Frage vorlegt, ob zur gegenwärtigen Stunde eine politische Aktion überhaupt noch möglich ist. Soweit sind wir gekommen!
Stämme hierbei den Grundton gegeben. Daß dem auch in Zukunft so sein möge, daß Sammlung der Kräfte in Staat, Gemeinde und Wirtschaft bei Ihnen und überall im Reich stets der Leitgedanke sein möge, ist mein herzlicher Wunsch. — Mit Anerkennung und Befriedigung tarnt ich feftstellen, daß das Frankfurt von heute die Tatkraft und den Unternehmungsgeist der Vorfahren übernommen und mit dielen Waffen die Röte der Nachkriegszeit, die Lasten zeitweiser fremder Besatzung und wirtschaftlicher Schwierigkeiten aller Art überwunden hat. In wissenschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht hat die alle Reichsstadt neue Entwicklungswege eingeschlagen: Universität, wissenschaftliche Institute und Sammlungen, Messen und Ausstellungen geben dem neuen Frankfurt fein Gepräge, Geschichte und alte Ueberlieferung mit den Rotwendigkeiten der Gegenwart verbindend. Möge die Zukunst ' der ehrenvollen, über ICOOjäf)eigen Geschichte j dieser Stadt ebenbürtig, möge ihr eine glückliche Entwicklung und ihren Bürgern Wohlergehen und Gedeihen beschieden sein! Mit diesen Wünschen erhebe ich mein Glas auf das Wohl der Stadt Frankfurt!
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Frankfurt a. M., 13. Rov. (WTB.) Rach dem Frühstück im Römer unternahm der Reichspräsident eine Rundfahrt durch die Stadt, die ihm zunächst nach der U n i v e r f i - tät führte, wo Professoren und Studentenschaft ihn in der stimmungsvoll geschmückten Adickes-Halle erwarteten. Der Rektor der Universität, Prof. Dr. Em b den begrüßte den Präsidenten als Führer und Borbild des deutschen Bolles in Krieg und Frieden. Die Universität, deren Gründungstag der L August 1914 sei, sehe es ab8 ihre besondere Aufgabe an, die alte Tradition der deutschen Universität Straßburg zu Hflegen. Der Rektor danfte schließlich dem Reichspräsidenten für seine Bereitwilligkeit, d;e Gedenktafel für die im Weltkrieg gefallenen Angehörigen der Universität zu weihen. Darauf legte der
Reichspräsident einen Kranz nieder mit den laut durch die Halle dringenden Worten: „Ich weihe diese Tafel in Erinnerung an Deutschlands Helden, der Hoffnung auf unsere Zukunft und in der Mahnung zur deuilck'^n Einigkeit." Unter dein Zusammenklingen der Schläger und dem Gesang des Liedes „Ich hat einen Kameraden" schloß die tiefergreifende Feier.
Auf der Fahrt am Messegelände vorbei betrachtete der Reichspräsident mit sichtlichem Interesse deren ausgedehnte Bauten. Um 4.15 Uhr traf der Reichspräsident auf dem neuen Frankfurter Stadion ein, wo er von einer vieltausendköpfigen Menschenmenge erwartet und mit stürmischem Jubel begrüßt wurde. Zu beiden Seiten des Eingangs des Stadions hatten sich Abordnungen der hiesigen Sport- und Turnvereine mit ihren Standarten und Fahnen aufgestellt. Rachdem dem Reichspräsidenten bie Führer der hiesigen Sportbewegung vorgeftellt worden waren, folgten unter Leitung des Sta- dionlehrers Brechenmacher moderne gymnastische Hebungen, denen der Reichspräsident sichtlich mit großem Interesse folgte. Dem Leiter der Borführungen dankte er Durch Händedruck für das Gebotene. Hierauf gab Stadtrat Schrnude in einer Ansprache seiner Freude über den Besuch des Reichspräsidenten Ausdruck. Er schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Reichspräsidenten. Eine Musikkapelle intonierte das Deutschlandlied, das von allen Anwesenden stehend und entblößten Hauptes mitgesungen wurde.
Auf besonderen Wunsch des Reichspräsidenten wurde auf der Rückfahrt auch noch kurz das Goethehaus besichtigt. Wie bei der Ankunft, so war auch bei der Rundfahrt der Reichspräsident überall Gegenstand lebhaftester Huldigungen der in ungezählten Tausenden die Straßen beseht haltenden Menschenmenge. Kurz vor 7 Uhr begab sich der Reichspräsident in das Opernhaus, wo auf seinen besonderen Wunsch „ZigaroS Hochzeit" gegeben wurde.
Bem ewigen md wchren Frieden
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Gut vierzehn Tage trennen uns noch von der Unterzeichnung jenes Berständigungs« Werkes, das Herr Baldwin als ein „Wunder" bezeichnet hat. Bis heute fehlen zwar noch alle Voraussetzungen für die deutsche Zustimmung, daß diese aber trotzdem erfolgen wird, daran ist nicht mehr zu zweifeln. Wan hat es nicht verstanden, die Opposition der Deutschnationalen wenigstens so auszuwerten, daß sie ihren großen außenpolitischen Zweck erfüllte: die Gegenseite zu größerem Entgegenkommen anzureizen. Man hat sich vielmehr durch die Ablehnung der Deutschnationalen dazu verleiten lassen, die paraphierten Verträge mehr zu verteidigen und zu loben, als der sachlichen Beurteilung der Parteien einschließlich der Demokraten und Sozialdemokraten entsprach. So sind die Forderungen, die auch diese Parteien an die Unterzeichnung der Verträge von allem Anfang an geknüpft halten, so gut wie völlig unter den Tisch gefallen. Sie sind wohl in Fraktionsbe- schlüssen noch einmal formuliert worden, aber die Wirkung solcher Kundgebungen mutzte natürlich verpuffen, wenn die Kommentare dazu aus parteipolitischen Gründen lediglich auf eine Verurteilung der Deutschnationalen, nicht aber auf eine Mahnung an Die Alliierten abzielten. Von der deutschen Regierung aber ist — das muh festgestellt werden — in der Zwischenzeit nicht einmal der Versuch gemacht worden, an den Verträgen auf diplomatischem Wege noch etwas zu ändern.
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Wir werden uns also mit diesen Verträgen abzufinden haben, d. h. zunächst einmal mit ihrem Wortlaut. Aufs engste mit ihnen verknüpft sind die sogenannten Rückwirkungen und das, was man als den Geist .von Locarno bezeichnet hat. Zu diesem ist, um Grundlegendes einmal k'arzustellen, Folgendes ,-.u sagen: Der Geist von Locarno steckt nicht in den Verträgen selbst. Die Verkennung dieser Tatsache hat uns so unendlich geschadet. Eine Ablehnung der Verträge ist also nicht gleichzusetzen mit einer Ablehnung des Verständigungswillens schlechthin. Der Derftändigungsgedanke als Ziel jeder Antzenpolitik kann — auch das muh einmal gesagt werden — schon aus verstandesmäßiger Ueberlegung nicht abgelehnt werden, wird auch von den Deutschnationalen nicht, tote ihnen fälschlich vorgetoorsen toird, sabotiert. Ein neuer europäischer Krieg größeren Ausmaßes würde bei den erst nach dem letzten Weltkrieg planmäßig und großzügig ausge- bau'en Vernichtungsmitteln (Luft-, Gas- und Unterseekrieg) den Untergang aller bestehenden Ordnung, d, h. den Volschewismus bei Siegern und Dejiegten bedeuten. Bestritten wird nur, dah der neue Geist des Friedenswillens und der gegenseitigen Anerkennung soweit Allgemeingut der Mächte geworden sei, dah man die realen Interessen des Deutschen Reiches durch die abzuschlie- henden Beiträge als gesichert ansehen kann.
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Darum lehnt man also die Verträge ab, weil — um ein Wort Bismarcks zu gebrauchen — sich nicht „durch einen Vertrag das Mah von Ernst und Kraftaufwand sicherstellen" läßt, „mit dem die Erftillung geleistet werden wird, sobald das eigne Interesse des Erfüllenden dem unterschriebenen Texte und seiner srühern Auslegung nicht mehr zur Seite steht." Sehen wir einmal, obwohl sie zunächst das Wichtigste ist, von der Anerkennung des ganz unerträglichen status quo ab (DergL Rr, 262), so ist der Punkt, an dem das eigene Interesse des Erfüllenden, d, f.. des zur Erfüllung Verpflichteten, der früheren Auslegung nicht mehr zur Seite stehr, erreicht, wenn der russisch-englische Gegensatz irgendwie akut wird. Cs mag durchaus ehrlich gemeint sein, wenn die englischen Vertreter erklären, die Locarno-Verträge seien nicht gegen Rußland gerichtet. England, an allen Punkten seines gewaltigen Kolonialreiches in die Verteidigung gedrängt, braucht den Frieden, Möglich auch, dah die Sowjetregierung in der Erkenntnis, dah die Zeit viel mehr für sie tut, als vorerst mit Gewalt erreicht werden kann, gleicherweise eine längere Friedensperiode begrüßt, vielleicht sogar äußerlich den Anschluß an Frankreich und den Eintritt in den Völkerbund vollzieht —, niemand kann daran etwas ändern, dah England und Ruhland schärfste Awalen sind, niemand kann absehen, ob nicht bald schon dieser Konflikt zum Austrag kommen wird.
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Was bedeutet dann Locarno? Wer englische Geschichte kennt, weih, dah England im Ernstfall Verträge nur achtet, wenn sie seinen