Einzelbild herunterladen
 

Sonnabend, den 7. Novbr. ISA

DieObrrhrssische Zeitung" « scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. aus- schließ!. ZustellungSgebühr, durch di«Post2.25 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinen defekte oder elementarer Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag v. Dr. §. Hiheroth. Druck der Unib.-Buchdruckerei v. Job. Aua- Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 55. u. Nr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt Z M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und 1 Ubr.

Rar-urm Zagesanzeistt

ÄbechMsche Scftuno

Sir. 262 sa.Mkg. Marburg a. Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespalt. Zcilenmillimeter 0.08 GM., kleine Baranzeigen 0.06 GM., amtliche und au£ wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schivierigem Satz sowie bei Platz­borschrift 50«/, Aufschlag. Gammelanzeigen 100 °/o Auf­schlag. Reklamen der Milli«. 0,40 GM. Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark V.,,Dollar.

OnzeitzerfüridasMser kurhessMesGberhesserv-:- Amtliches VerkündigungsblE siiLdkrAsWarduig

ff. Köln, 7. Nov. Als Standorte der cnalischen Rheinarmee sind die Kreise Wiesbaden (Stadt), Wiesbaden (Land), La n g e n s ch w a l b a ch, Bieb­rich, Z d st e i n und K ö n i g st e i n vor­gesehen. Das englische Besetzungsgebiet wird die Teile südöstlich der Lahn mit Ausnahme der Kreise Diez, St. Goars­hausen, Rüdesheim und das besetzte Gebiet des Kreises Limburg umfassen.

Baldige Erleichterung des Rheinland- rcgims?

Der amtliche Bericht

Paris, 6. Noo. Savas berichtet: Die Botschafterkonferenz ist heute vormittag zu­sammengetreten und hat von dem Bericht Kennntnis genommen, den sie vom inter­alliierten Militärkomitee in Bersoillcs über die deutsche Note vom 23. Oktober cingesordert hatte. Nach Kenntnisnahme dieses Berichts hat die Botschasterkonferenr den Wortlaut einer Mitteilung iestgesetzt, die heute der deutschen Botschaft in Paris übermittelt wer­den wird, um von der deutschen Reichsrcgle- rung gewisse Aufklärungen zu verlangen, in der Hoffnung, daß die Antwort, die den alli­ierten Regierungen hierauf erteilt werden wird, es ihnen erlauben wird, einen Zeitpunkt für de» Beginn der Räumung der Kölner Zone ins Auge zu fassen.

Ueberreichung der Note der Botschafter­konferenz.

ff. Paris, 7. Nov. Die durch die Bot- schasterkonfercnz angekündigte Note ist gestern abend dem Botschafter von Hösch überreicht worden.

Die drei Punkte

fk. P a r i s , 7. Nov. Wie derSlatin meldet, wird in der Mitteilung, die die Botschafterkonfcrcnz gestern abend an Deutschland gerichtet hat folgendes zum Ausdruck gebracht: Die Alliierten haben den sehr "aufrichtigen Wunsch, mit der Räumung der Kölner Zone so schnell wie möglich zu beginnen, d. h. an dem Tage, an'dem die Absicht besteht, die Loarnoer Verträge zu unterzeichnen, also am 1. De­zembers Trotz dieses entaegenkommcnden Geistes hat die Botschafterkonferenz einige Bemerkungen aus dem Bericht des Ver­sailler Komitees berücksichtigen müssen. Man verlangt also vom Reiche unverzüg­lich Dispositionen zu treffen, damit die Kontrollkommissionen in der Lage seien, einen befriedigenden Bericht zu übermitteln. Es handelt sich um die illegale Bewaffnung, den Cha-

Die Botschafterkonferenz

Roch kein feitet Termin fite die Räumung Seine

Bem eisigen und Ȁren Frieden

11.

Sie Sozialdtnwkenten fite Ne

ReiMngMiMmm

Berlin, 6- Nov. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat am Freitag nachmittckg in zuständiger Sitzung den Bericht des Vor­standes über die politische Lage entgegeu- genomme» und ist zu dem Beschlub gekommen, dab ste dir Haltung des Frektionsvorstandrs billigt.

In Bezug auf die Einberufung des Reichs­tages wird sich die Fraktion mit dem Reichs- tagsvräsidenten Löbe in Verbindung setzen, von dem erwartet wird ,dah er schon morgen, Sonnabend, zurückkehren könnte. Der Be­schluß des Fraktionsvorstandes vom 28. Okt.

? .-nn -ich dahin, daß sich durch " n Austritt der deutschnationalen Minister aus dem Kabinett an der scharfen Ovvositionsstel- lung der Sozialdemokratie gegen die Regie­rung Luther nichts geändert hat. Die Sozial­demokratie, so hieß es in dem Beschlug weiter, kann nicht daran denken, die Deutschnatio­nalen aus der Verantwortung zu entlasten und in diesem Reichstag den Vertrag von Lo­carno, in dem sie den großen Erfolg ihrer eigenen außenvolitischen Richtlinien erblickt, gegen die Stimmen der Deutschnationalen zu ratifizieren. Sie siebt den geeigneten Weg zur Lösung der Krise in der Befragung des Volks vermittels der Auflösung des Reichstags.

Nach den Auslassungen desTemps" geht man am Quai d'Orsay in der hier wiederholt näher erläuterten bedenklichen Auslegung der wichtigsten Bestimmungen noch über das gewohnte Masi hinaus. Artikel 4 des Vertrages, der wie man annehmen muhte: zweifellos die englische und ita- Itenische Garantie im Falle eines offenkun­digen französischen Angriffes auf Deutschland wirksam macht, erfährt die Auslegung, Latz er eigentlich in er st er Linie zu- gunsten Frankreichs gelte, und zwar nicht nur im Falle eines deutschen Angriffes, sondern auch im Falle einer Verletzung der Artikel 42 und 43 des Versailler Vertrages. Das könnte also heißen, daß die Verlegung eines Schupobataillons zD. im Falle einer Streikbewegung in di» 52-Kilometer- Zone rechts des Aheines Linen französi­schen Angriff mit englischer Unterstützung rechtfertige. Herr Chamberlain ist einer solchen Deutung und demfriedfertigen Geist, der aus ihr spricht, bisher nicht entgegen­getreten, dagegen hat er sich beeilt, zu ver­sichern, daß er sich nicht erinnern könne, die englische Unterstützung zu Wasser und zu Lande im Falle eines französischen Angriffes Herrn Stresemann in bestimmter Form je­mals zugesichert zu haben.

Ferner meint derT e m p s", der deutsche Außenminister wolle wohl nur dem deutschen Selbstbewußtsein schmeicheln, wenn er erkläre, die Abkommen von Locarno bedeuteten, dah es im Weltkrieg tatsächlich keine Sieger ge­geben habe. Im Gegenteil sagt das offi­ziöse Vlatt es sei gerade die Hauptsache des Siegesunterpsandes, dah der Ver­trag von Versailles unangetastet bleibe, und daß der Artikel 1 des Vertrages von Locarno die äknverletzlichkeit der Grenzen festlege, so wie diese durch den Versailler Vertrag am 28. Juni 1919 und durch die Ausführung dieses Vertrages fest­gesetzt worden seien.

So verlockend es ist. einmal den Blick von allem.innerpolitischen Hader abzuwenden und auch über die Gesahren, die unserem Deutsch­tum an seinen Grenzen und überall in der Welt drohen, hinwegzublicken, um jene Rück­wirkungen zu erwägen, die die kleinen und großen politischen Brände an allen Ecken und Enden der Erde auch für den Konti­nent und damit für unsere Zukunft zur Folge haben müssen, angesichts dieser Erklä­rungen von französischer und englischer Seite, ! die nichts sind als ein Hohn auf denGeist von Locarno, wie viele Deutsche ihn glau­ben möchten und vor dem nicht genug gewarnt werden kann, gih es denn doch noch einmal zu fragen, was es heißt, daß der Vertrag von Versailles unangetastet bleiben soll, was

glatt rasiert, um sich unkenntlich zu machen. Das Automobil, das auf ihn wartete, war reichlich mit Benzin und Lebensmitteln versehen sowie mit mehreren Revolvern ausgerüstet. Es wurde noch während der Verhaftung Zanibonis beschlagnahmt. De: Generalsekretär der Faschistischen Partei, Farinacci, hat an alle Ortsgruppen die Mitteilung von der Verhaftung Zanibonis und des freimauerischen Generals Capello sowie von der Schließung der Logen und der vereinigten sozialistischen Partei ge­sandt und an sie die Aufforderung gerichtet, abends an allen Orten Italiens zum Zei­chen der Freude über das Mißlingen des Attentats Volksversammlungen zu veran­stalten. Die Partei werde die Verantwort­lichkeit der Aventin-Opposition feststellen und von der Regierung scharfe Maßnahmen gegen sie fordern. Vorläufig dürften aber keine Unruhen die Freudenkundgebungen stören. Am Abend trat das leitende Ko­mitee zusammen. Die Kammermehrheit richtete an Musiolini eine Kundgebung. Auch Farinacci hat an Musiolini eine Kundgebung erlassen, in der er sagt, daß die Faschisten nach ihrem Impuls eine sum­marische Justiz hätten üben wollen, aber in Befolgung der Anordnung Mussolinis sich auf Freudekundgebungen über die Ret- tnng Mussolinis beschränken würden.

Abrvehrmatzrrahmen der Regierung

fk. R o m , 7. Nov. Durch eine Verfügung ist die ZeitungVoce R e p u b l i c a n a" bis auf weiteres verboten worden. Das Organ der katholischen VolksparteiZ! P o p o l o ist gestern und heute nicht er- ' schienen. Die OppositionszeitungZ1 Mondo wurde beschlagnahmt.

zum MtentaMtfu» gegen Musiolini

Rom, 6. Nov. Durch Bekanntwerden des Attentatsplanes auf Mussolini ist bis­her die Ordnung in ganz Italien nicht gestört worden. Die Blätter beschränken sich auf einen Abdruck der gemeldeten Mitteilungen über den Plan. Nur der Messagero bringt Einzelheiten. Der ver­haftete Abgeordnete Zaniboni, einer der Hauptagitatoren in der Ausschlachtung der Angelegenheit Matteotti gegen den Faschis­mus, hat in letzter Zeit in enger Ver­bindung mit dem ebenfalls verhafteten Ge­neral Capello, dem Organisator der anti- faschistischen Stoßtruppen und dem Ver­bindungsmann zwischen den italienischen Anti-Faschisten und in Frankreich ansäfsl- gen Verschwörern, gestanden. Von einer geheimen Nachrichtenzentrale in Frankreich werden die europäischen und außereuropä­ischen Länder mit den Faschismus schädi­genden Nachrichten versorgt. In Frank­reich werden die antifaschistischen Stoß­truppen ausgebildet, um im geeigneten Mo­ment in Italien einzugreifen. In Italien ist insgeheim eine Anleihe für die Frer- heit ausgegeben worden.

Rom, 6. Nov. Die Abendausgabe der Idea Nazional" schildert die Verhaf­tung Zanibonis folgendermaßen: Als der Vizequäftor das Zimmer betrat, in dem Zaniboni sich aufhielt, fand er am Fenster ein ganz neues österreichisches Ziei- fernrohrgewehr bereits aufgestellt und aus den Balkon des Palazzo Chigi gerichtet. Zm Zimmer wurden außerdem drei Kofter Zanibonis mit einem Touristenanzug, ver­schiedenen Wäschestücken und einigen neuen Militärkasetten gefunden. Zaniboni, der nicht mehr Abgeordneter war, hatte sich

z» den Mtekreitemn

Eine Erklärung Dr. Stresemanns.

Der Außenminister Dr. Stresemann ver­öffentlicht durch WTB. eine Berichtigung über feine angeblichen Aeuherungen in der Dresde­ner Presse-Konferenz zu den Aeußerungen des Ministers Schiele und zu dessen Abschied vom Kabinett. Es heißt da:

Tatsächlich habe ich in meinem Vortrag bei der Presse und in der anschließenden Diskus­sion, in der ich auf Anfragen aus den Kreisen der Pressevertreter antwortete, den Namen des Herrn Reichsministers Schiele überhaupt nicht genannt und mich mit irgendwelchen Vorgän­gen in der Kabinettssitzung nicht besaßt, lieber meine Ausführungen sind zwei stenographische Niederschriften vorhanden, deren Wortlaut dies klar erweist."

Auch der Verfasser des vertraulichen Be­richts in derBerliner Börsenzeitung" habe einem Beamten des Amtes erklärt, daß er, Stresemann, die Aeußerung nicht getan habe

Die gegenteiligen Behauptungen sind sonach als vollkommen unwahr und erfunden zu be­zeichnen. Den Veröffentlichungen in einem Hamburger und einem Berliner Blatt stehe er vollkommen fern."

Wenn ick in einer privaten Aeußerung, wahrscheinlich im Anschluß an die in politi­schen Kreisen oft erörterten Diskussion über die Stellung der deutschnationalen Minister im Kabinett davon gesprochen Haden sollte, daß die deutschnationalen Minister ihre Zu­stimmung zu der Arbeit der Delegierten m Locarno ausgesprochen hätten, so ist diele Aeußerung wahrscheinlich hervorgerufen wor­den durch die Polemik, die sich an die Erklä­rung rechtsstehender Blätter über den seiner­zeitigen Zwischenruf des Reichskanzlers im Auswärtigen Ausschuß knüpfte und die dem gefaßten Kabinettsbeschluß n Abrede stellte oder diesen selbst nur als einen formellen Be- »über die Berichterstattung des Autzen-

:ers aufgefatzt wissen wollte. Eine der­artige private Aufklärung über den tatsäch­lichen Sachstand könnte übrigens von deutsch­nationaler Seite um so weniger angegriffen werden als die Deutschnationale Korrespon­denz selbst die Verössentlichung der Protokolle der Kabinettssitzungen gefordert hat. Ich muß mich aber entschieden dagegegen verwahren, daß eine derartige private Aeußerung an die Presse und noch dazu in einer den Tatbestand nicht entsprechenden Form weitergegeben wird. Zu Angriffen gegen den Münster Schiele boten im übrigen irgendwelche Mitteilungen über seine Stellungnahme überhaupt kemen Anlaß, da weder in seinem Verhalten rm Kabinett noch in dem Verhalten bei seinem Abschied aus dem Kabinett irgendeiner seiner Kollegen die Grundlage zu einer Kritik ihm gegenüber er­blicken konnte."

fk. London, 7. Nov.Daily N ew s" schreibt: Die Entente ist im Be­griff, Deutschland einen Beweis des Geister von Locarno zu geben, nämlich Erleichte­rung des jetzigen Regims im Rheinland Sobald die letzten Formeln er­ledigt seien(?), darf man eine befrie­digende Mitteilung erwarten, die späte­stens am Waffenstillstandstage erfolgen würde.

Wir haben an dieser Stelle vor zwei Wochen bargelegt, wie wenig im Grunde mit dem Abschluß des Vertrages von Locarno, . x . - ,. . . I selbst wenn ihm eine befriedigende, dem Geist

r af ter der Polizei und die O r g a ni- einer foi$cn 2lera entsprechende Erfüllung

sation des großen General- 6erRückwirkungen" vorausginge und eine

ft a b e s. Nach demOeuvr e sollen es ebenso wohlwollende Auslegung der Artikel

nur drei Fragen sein, die noch einer Rege- aller Verträge folgte, für den Weltfrieden

luna bedürfen nämlich der deutschen Poli- getan wäre. Die Geschicke des europäischen

rei ein ähnliches Regime zu geben, wie das Kontinents sind allzu eng mit denen der

i.. «nhnVn Pnnhor nnb den großen Welt verbunden und es werden die

der Polizei der anderen Lande, Erschütterungen in dieser uns nicht unberührt

Sportvereinen und vaterland chen Ver- [af|en, &GUtc weniger noch als früher. So

banden endgültige jefee militärische Dang- mußte sich das Werk von Locarno darauf

keit zu verbieten. beschränken/ lediglich für einige besonders

m . : « 7 ginn fiaBaQ meldet: 3« dringend erscheinende Gefahrenmomente auf

v "Pa rIs , 7. Nov. vavas metoer. bem fleinen Kontinent vorbeugende Mahre-

der Note der Botfchafterkonferenz an die treffen, wobei der Mangel an wirk-

deutsche Regierung handelt es sich nur um tuchen, greifbaren Zugeständnissen durch befon* Formfragen, über die sich die deutsche, fran- dere Betonung derdoch wohl selbstverständ« zösische und englische Regierungen rasch i^en Höflichkeitsformen versucht wurde,

einigen werden. Es scheint, als ob schon Gleichfalls als Ersah für mangelnde Eindeutig-

ein "bestimmtes Datum für die Räumung leit der Abmachungen wurde dann, da er »«?««'»»»»--»'»us* 'wÄt

gesagt worden ist. gefetzt, unter dessen Schutz sich bereits seit

_ _ ,,,, - . mehreren Wochen die Erfüllung der andeu-

Das NM engnm MWurM tungsweise gemachten Zugeständnisse vollzieht. " M ' Jedermann Weitz, was er von dem Wohl-

tlßuitl I wollen eines einzelnen Ministers, wie etwa

I Driands, zu halten hat, wo es sich um Bin­

dungen handelt, die die Amtsdauer eines modernen Ministers um ein vielfaches über­dauern sollen, und er weih auch aus unseren früheren Darlegungen, in welchem Maße die Klauseln des Vertrages einer den letzten Best unserer Unabhängigkeit gefährdenden feindlichen Auslegung Daum lassen. Wenn m dieser Hinsicht noch Zweifel bestehen sollten, so mühten die Kommentare zu der Aundfunk- rede des Aeichsauher.ministers, der durch dieses neue, wohl nicht ganz geeignete Mittel versuchte, die Bedenken gegen eine optimistische Auslegung der Paktbestimmungen hinwegzu- räumen, auch diese beseitigen.