Einzelbild herunterladen
 

»1,1—1 Uhr.

MtzeiyerKttdasMhrr tmchMäie)<vdtchrMw>r- Amtliches VerstmMgimgsbMsür d KrssÄlardMz

yS9B3T23S

Eine Wc RuWnlS

garnichts zu tun.

Marburger TageZmelger

Donmrslag, den 5. Rvvbr. 1925

SMche

LWdcheÜUNg

$te ^Vbcrhcfsisch« Zeitung" er scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. aus- schließl. Zustellungsgebühr, durch Li«Post2.25 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte oder elementarer Ereignisse ausfallend« Nummern wird kein Ersah ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Hihcrvth. Druck der Univ.-Buchdruckerei v. Avh. Aug. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 55. u. Nr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und

Die Parteiführerbespiechung, die unter Vorsitz des Reichskanzlers unter BeteiU- auna' des Reichsauhenministers und der Reichsminister Brauns und Etrngl am Dienstag mit den Vertretern der in der Regierung durch Vertrauensmänner ver­tretenen Parteien stattfand, hat das Er­gebnis gebracht, datz das derzeitige Rumpl- kabinett Dr. Luther den diplomatischen Meinungsaustausch mit den Alliierten fort setz en wird, bis ein „erschöpfender Tatbestand in Bezug auf das Werk von Locarno und seine Rückwirkungen den ge­setzgebenden Körperschaften unterbreitet werden kann." Hierüber wurde, nach dem amtlich ausgegebenen Bericht über die Be­sprechung, eine völlige Ein st i mm 18- k e i t erzielt. Jnfolgedesien wird erst nach einem abschliessenden Ergebnis des diplo­matischen Meinungsaustausches zwilqen Berlin, Paris und London insbesondere über die „Rückwirkungen" des Locarnoer Vertragswerkes die Einberufung des Reichstagsplenums erfolgen und dieses wird sich dann für oder gegen Locarno zu entscheiden haben. .........

91t.260 60.30010. Mmdorg o. Kahn

Der Anzeigenpreis beträgt für den lOg-spalt. Zeilenmillimett« 0.08 GM., kleine Daranzeige» 0.06 GM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. D«t schwierigem Sah sowie bei Platz­borschrist 50»/, Aufschlag. — Sammelanzcige» 100 ’/• Auf­schlag. Reklamen der Milli«. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt oK Barrabatt. Ziel 5 Tag«. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. ®F füllungsort Marburg.

1 Goldmark — Dollar.

UuS dem Reichstage.

Berlin. 4. 2lov. (WTB.) Die Zen- trumsfraktion trat heute vormittag unter der Leitung des Reichskanzlers a. D. Dr. Mart zu einer außerordentlich zahlreich besuchten Sitzung zusammen, um über die politische Lage zu beraten. Die führenden Mitglieder der Fraktion sind saft vollzählig anwesend. 2lbg. Dr. Wirth ist von seiner Amerika» reise noch nicht zurückgekehrt. Ob er sich der Zentrumsfraktion wieder anschliehen wird, hängt von dem Ausgang des Zentrumspartei- tages in Kassel ab. Die heutigen Ver­handlungen der Zenlrumssraktion sind streng vertraulich und werden den ganzen Tag m Anspruch nehmen. Andere Aeichstagsfrak» tinnen tagen heute nicht. Erst am Freitag tritt die sozialdeuwkratische Reichstagsfraktion zusammen.

Rom. 4. Roo. Zn einer Rede, die Mussolini heute nachmittag im Costanzi» Theater zur Feier des Sieges von Bittorio Veneto hielt, suchte er zunächst den Krieg» cintritt Italiens zu rechtfertigen. Alsdann betonte Mussolini die Unentbehrlichkeit der italienischen Grenze am Brenner und am Krainer Schneeberg und sagte, bafc k>av italienische Bolt in den Krieg ziehe« würde, falls diese Grenzen in Gefahr wären. Er und seine Regierung seien für

Damaskus eirmWoW

fk. London. 5. Nov. D-r Korrespondent der „Daily Mail" in Damaskus meldet: Die Lage in Syrien wird täglich schlechter. Die Regierung erwartet Angrisse der Aufstän­dischen, von denen 4000 ungefähr 15 Meilen vor Damaskus steben. Die Franzosen werfen zur Verteidigung der Stadt kurdische und an­dere Eingeborene an die Front. Das ganze | Gebiet nördlich von Damaskus befindet sich in den Händen der Räuber. Auch Homs, das ebenso wie Valmora vom Süden abge­schnitten ist, ist in voller Gärung. Aller Ver­kehr ist eingestellt. Wenn nicht ansehnliche Verstärkungen einträfen, würde die Zahl der Franzosen in Damaskus nicht ausreichen, um die vrogrammädigen Massenangriffe dauernd abzuwehren.

Abreise Primo de Riveras nach Marokk •

Madrid, 5. Nov. General Primo de Ri­vera ist nach Marokko abgereist. ließet die Dauer seines Aufenthalts in Marokko konnten »och keine Angaben gemacht werden.

Weiteres Fallen des französischen Franken.

P a r i s, 4. Nov. Der Franken ist im Laufe des gestrigen Abends wieder sehr stark gefal­len. Heute morgen notierte das Pfund hier 118,65 und der Dollar 24,48 .

Keine Festlichkeit in England an

11. November.

fk. London, 5. Nov. Die englische Presie erörtert lebhaft die Frage, ob der Abend des 11. November, des Waffenst Ilstandstages, wei­ter durch Festlichkeiten gefeiert werden soll. Ein Teil der öffentlichen Meinung wünscht den 11. November ausschließlich dem Andenken der im Kriege Gefallenen zu widm-n. Der Prinz von Wales lehnte die Teilnahme an einem groben Ball zugunsten eines K-„nken- hauses für den 11. November ab. Darau, wurde der Ball auf den 12. November verscho­ben und der Prinz versprach seine Teilnahme. Am 11. November wird in der Alberthall nur elfte einfache Gedenkfeier stattfinden.

Den gleichen «erlauf nahm die Be­sprechung des Reichskanzlers mit den Führern der Sozialdemokrati­schen Reichstagsfraktion Muller- Franken, Breitscheid und Hilferdtng. Auch diesen Herren gab der Reichskanzler In- formationen über dre augenblickliche politische Lage, die noch ergänzt wurden durch Ausführungen des Reichsaugen- ministers Dr. Strefemann, der Auf­klärung gab über den guten Fort- aana der Verhandlungen mit den anderen Mächten. Die sozialdemokra­tischen Führer nahmen diese Znsormatton entgegen, ohne dazu im Augenblick Stel­lung zu nehmen. Eine Entscheidung wird erst in der Fraktionssitzung der Sozialdemokraten am Freitag nach­mittag erfolgen.

Ein Empfang der Führer der Völki­schen und der Kommunisten war. wie wir weiter aus parlamentarischen Kreisen hören, nicht vorgesehen.

♦

Der Reichskanzler empfing heute I vormittag zunächst in Fortsetzung der gestrigen Besprechung mit Vertretern des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Bayerischen Volkspartei als Vertreter der wirtschaftlichen Vereini­gung die Abg. Mampe und Wallach. Das Ergebnis der Besprechung war, datz die Vertreter der Wirtschaftlichen Vereinigung dem Reichskanzler mitteilten, sie schlos­sen sich dem gestern verlautbarten Standpunkt der drei durch Vertrauens­männer in der Regierung vertre­tenen Parteien an.

Am Nachmittag fanden sodann Be­sprechungen des Reichskanzlers mit den Führern der Parteien statt, die nicht der Regierun gsko alitron angehörrn. Zunächst wurde der Abgeord­nete Koch als Vertreter der Demokra­tischen Reichstagsfraktion emp­fangen. Er teilte dem Reichskanzler mit. datz die demokratische Reichstagsfraktion ihre Zustimmung zum Vertrage von Locarno von einer befriedigenden Lösung der Rückwirkungen ab­hängig macht. Sie wird sich für eine ehrliche Durchführung der Politik von Lo­carno und eine Annäherung der euro-

I pärschen Staaten einsetzen.

Für die deutsch na tiona le Rei chs- tagsfraktion war der Fraktionsvor- fitzende Graf Westarp erschienen. Ihm be­richtete der Reichskanzler über die gestri­gen Besprechungen mit den Führern der I Regierungsparteien und über den gegen- I wärtigen Stand der politischen Lage. ~te

Besprechung hatte nur Informator i- schenCharakter.

den Frieden, aber man dürfe nicht ver- gesscn, datz unmittelbar nach Locarno Ka­nonendonner auf dem Balkan gehört wor­den sei. Kanonendonner erschalle auch heute noch über das Mittelmeer herüber. Italien müsse deshalb ein starkes Heer und eine tüchtige Marine sowie eine schlagkräftige Luftflotte besitzen.

♦

- Zusammentritt der P-tschafterkonferen^

fk. Paris. 5 Nov. Wie „Savas" mitteilt. wird die Botlchafterkonferen, Freitag zusam» mentreten, um den Bericht über die Entwaff­nung Deutschlands zu prüfen.

Di« Frage der Rbrüstung Deutschland».

fk. Paris, 5. Nov. „Iournal" will zur Frage der Entwaffnung Deutichland» mitteilen können: Der Bericht, den daS interalliierte militärische Komitee am Frei- tag über die Entwaffnung Deutichlands er­halten wird, stellt u. a. fest, datz da, Deutsche Reich unbestreitbare Anstrengungen macht, um die militärische Klausel de» Ver­sailler Vertrages zu erfüllen, datz aber die Bedinaungen der ^ullnote der Botschafter konferenz 'n o ä) n ichtvoll k o m "t e n e r. füllt worden sind. Die alliierte« Regierungen wollen jedoch bis zum Beweise des Gegenteils annehmen, datz ine deutsche Regierung aufrichtig die Politik von Lo­carno sich zu eigen mache. Kann man unter diesen Umständen ihre Aufgabe er« I leichtern? Diese wichtige Frage wird von I der Botschafterkonferenz aufgeworfen wer- I den Es ist unmöglich, datz man die dem» nüchstige Räumung der Kölner Zone an« kündigt zum Beweise, datz die Alliierten dem Geiste von Locarno treu bleiben,,aber I die internationale Militärkontrolle aufrecht erhält, da die Frage der Entwaffnung I augenblicklich noch nicht als gelöst ange I sehen werden kann.

-----♦-->

SnMMonm und Bugen

Clne amtliche Erklärung über Schieles lautes und freudiges „Ja".

Berlin, 4. Nov. Von amtlicher Seite wird uns mitgeteilt: Ueber Aeuherungen des Reichsminifters Schiele bei den D e f v r e ch- ungen des Reichskabinetts zum Er­gebnis von Locarno sind in einigen Presse­organen, ungeachtet der strengen und unbe­dingt erforderlichen Vertraulichkeit der Ka- binettsberatnngen, unrichtige und irre­führende Darstellungen gegeben worden. Da dem aus der Reichsregierung I ausgeschiedenen Minister infolge der Schwei­gepflicht keine Möglichkeit zur Richtigstellung gegeben ist, soll im vorliegenden Salle aus Gründen der Loyalität amtlich zu den genannten Pressemitteilungen Stellung genommen werden.

Im „Berliner Tageblatt" vom 2. November wird mitgeteilt, der Neichsminister des Innern habe in einer Kabinettssitzung vom 22. Oktober 1925 gesagt: „Wenn ich ge­fragt werde, ob ich das We r k v o n L o r a r - | uo billige, so antworte ich mit einem lau­ten freudigen Ja. "

In der Sitzung vom 2 2. Oktober, deren Ergebnis der inzwischen der Oeffentlich- keit bekannt gegebene Kabinettsbrschlud war, ist eine Aentzerung, auf die sich das oben er­wähnte Zeitungszitat beziehen könnte, nicht gefallen. Dagegen hat Reichsminister Schiele im Verlauf des Ministersrates vom 19. Oktober, nachdem der Reiws- auhenminister zum ersten Male über das Er­gebnis von Locarno berichtet batte, geändert, er halte es für erforderlich, dab vor einer Billigungserklärung des Reichs­kabinetts den Ministern Einsicht in die gesamten Unterlagen gegeben wer­den müsie. Er könne aber schon ietzt sagen, datz «r mit lautem Ja antworten werde, wenn es sich um die allgemeine Billi­gung der Arbeit der Delegation im Sinne der Richtlinien des Kabinetts handle.

Die Mitteilung des „Hamburgischen Korre- fpondenten" vom 3. November, Reichsminister Schiele habe bei feinem Abschiedausdem Kabinett „es auf das tiefste bedauert, efta6 die Fraktion dem Druck der Seib- sporne und unverantwortlichen Landes­verbands-Borsitzenden nachge­geben hätte", ist weder dem Wort­laut «och dem Inhalt nach zu­treffend.

Klärung

zur sMNittm to*e*tWWM

Blätterstimmcu zur gestrigen Kammer­abstimmung.

Die „Ere Nouvelle" schreibt, gestern habe niemand geglaubt, datz die Regie­rung eine Mehrheit finden könne Aber sobald Painlevs begonnen habe, seine ministerielle Erklärung zu verle'en, hat- ten alle das Gefühl gehabt, datz dce schlacht gewonnen sei. Die Wolken, die den poli­tischen Horizont verdunkelt hatten, seien bald verscheucht worden.

DaS „Oeuvre" schreibt, daS gestrige

der Mehrheit, sondern da§ diese Mehrheit so geartet sei, wie der Ministerpräsident sie erwartet habe, die einzige, mit der er regieren könne, eine Mehrheit der Linken.

Die kommunistische „H u m a n i t e" sagt, durch das Beiseitestehen der Kommunisten beginne eine neue Phase in der unruhigen Geschichte der Kartelle der Linken. DaS Abstimmungsergebnis sei pauvrc. Es '^>'^ Painleve nicht zu gestatten, langer als einige Tage am Ruder zu bleiben.

Krise bestehe im stärksten Matze fort.

Das „Echo de Paris" schreibt: Für das Ministerium haben 221 Abgeordnete gestimmt. DaS bedeutet keine Mehrheit, das ist eine lächerliche Ziffer. Infolge de» gestrigen Stimmenverhältnisses ist das s.'ci« ninerium Painlcvö nicht lebensfähig. Einen Augenblick war das Gerücht verbreitet, es werde demissionieren. Man mutz es also zwingen, den Abschied zu nehmen.

Der „Matin" schreibt: DaS Kabinett hat leine grotze Mehrheit erllcngt, aber I schon viele Kc'' -ette, bi; am ersten Tage

Mim Sttoäwtwtn beim Met !

Theoretisch wäre zwar denkbar, datz ! über den Kopf des Rumpfkabinetts hinweg eine vorzeitige Einberufung des Reichstagsplenums erzwungen werden l könnte. Hierzu wäre nötig, datz minve- > stens ein Drittel der dem Reichstag ange­hörigen Abgeordneten sich für die Einbe­rufung ausspricht. Da die D e u t sch - I nationalen ausdrücklich erklärt haben, I datz sie dem Rumpfkabinett keine Schwierig feiten in den Weg legen wollen und da die hinter dem Rumpstabi- nett stehenden Parteien ebenfalls ausschal­ten, so blieben für ein solches Drittel allein I die Kommunisten, die Sozialdemokraten und die Deutsch-Völkischen übrig. Diese könnten allerdings gemeinsam die Einbe­rufung des Reichstagplenums erzwingen. I Liegt also die Möglichkeit an sich vor, so ist ^'Wahrscheinlichkeit autzerordent- lich g e r i n g. Und im übrigen könnte na- I türlich das Kabinett auch nicht gezwungen werden, vorzeitig über noch schwebende Verhandlungen mit den Kabinetten der Alliierten sich zu äutzern. Damit scheint ziemlich sicher, datz die endgültige Losung der Kabinettskrise erst nach erfolgter Ab­stimmung im Reichstagsplenum über Lo- I carno erfolgen wird. I

Während die Reichskabinettsitzung in ihrem Ergebnis doch noch den erfreulichen Willen bekundete, den inneren Parteistreit l .vorläufig energisch beiseite zu schieben und I zunächst die außenpolitischen Forderungen durchzusetzen, war die Radlorede des I Außenministers vielleicht ein wenig zu stark von der Absicht gekennzeichnet, nach innen zu wirken. Außenpolitisch aktiv war I sie weniger. Im deutschen Volke neigt man im allgemeinen nicht zu der vom Autzen- minister betont unterstrichenen optimisti­schen Auffasiung, als sei nun in den N'- ziehungen Deutschlands zu seinen Gegnern tatsächlich schon der grotze Kurswechsel und zwar als Frucht einer EesinnungsaNde- I rung eingetreten. Ein Kurswechsel ist na- 1 türlich nicht zu leugnen. Er ist aber in erster Linie aus praktischen Gründen er­folgt, nachdem das System Poincarö sich totgelaufen hat und nachdem man drüben wohl oder übel zu der Erkenntnis gekom­men ist, datz die völlige Zerschlagung und I Unterdrückung Deutschlands auf die Dauer unmöglich ist. Die Verwirklichung der in dem Versailler Vertrag zu Tage tretenden Niederhaltungsabsichten wird daher in Zu­kunft noch mehr mit der wirksameren und

I geschmeidigeren politisch - kapitalistischen Methode Englands betrieben. Datz Deutschland, wehr- und waffenlos, wie es

I ist, durch die Paktbestimmungen sich sehr weitgehend den starken Paktgaranten un- I terw'irft, ist eine nicht abzuleugnende Tat­sache. Die Frage ist nur, ob eine solche Unterwerfung unter den gegebenen Ver­hältnissen unvermeidlich ist und ob eine Isolierung Deutschlands nicht vielleicht noch gefährlicher ist. Das ist der nüchterne Tatbestand. Mit einer neuen Aera der Weltbeglückung, mit einer Eesinnungs- änderung der Herren Briand und Cham­berlain und Genossen haben diese Dinge