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Dienstag, den 1 Stobt. 1925

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Ist Staune Kölns ntibt rot btm gtübiubt 1926

London, 2. Roo. (TU.) Der Reuter« vertretet in Köln meldet unter dem 1. No­vember: Die Fortschritte in der deutsche« Abrüstung dauern in einer Weise an, die die interalliierte Militärkontrollkommis« sion befriedigt. Die Unteraus­schüsse der Kommission werden wie folgt zurückgezogen: Frankfurt a. M. (Frankreich) am 13. November, Hamburg und Breslau (Großbritannien) am 1. De­zember.

General Wauehope, der Chef der britischem Abteilung der Kontrollkommis­sion, ist am Sonntag nach Paris gefahren, um dem Völkerbundsrat über deu Fort­schritt der Material Zerstörung bei Krupp zu berichten. Diese wird, wie ver­lautet, mit genügender Schnelligkeit ausge­führt, um zu der Erwartung zu berechtigen, daß sie zum vorgeschriebenen Datum, dem 20. Dezember, beendet sein wird.

P a r i s, 2. Nov. (TU.) Rach demEcho de Paris" soll der Bericht Marschall Fachs über die Abrüstung Deutschlands u n - günstig ausfallen.

Wiesbaden, 2. Nov. Die Reu« Wiesbadener Zeitung meldet aus angeblich zuverlässiger französischer Quelle, eine Belegung Wiesbadens oder der Um« gegend mit englischen Truppen käme nicht in Betracht, weil bei Engländern wie bei

i Franzosen der Wunsch bestehe, daß di« eng­lische« Truppe« eine unmittelbare Ver­bindung mit der Heimat Hütten und nicht von französischem umschlossen wären. Bisher seien keinerlei vor­bereitend« Maßnahme« für eine Verlegung der englische» Truppen in die anderen Zo­nen getroffen; schon jetzt könne gesagt wer­den, dah dieRäumung Kölns nicht vor dem Frühjahr 1926 zu erwar- ""... ... '

Aus Sttfitn

V Paris, 2. Nov. Der Schab von Persien, der durch die Entscheidung des Parlaments von Teheran seines Thrones enthoben worden ist. befandet sich gegenwärtig in einem Pariser votel. Seit zwei Jahren hält er sich in Frank­reich auf. Im vergangenen Monat wollte er sich nach Persien zurückbegeben, doch hatte er, wie es heißt, aus Gesundheitsrücksichten die Abreise wieder aufgeschoben. Erne Persönlich­keit aus der Umgebung des Schahs bat einem Vertreter von Savas folgendes erklärt: Der Schah kann in diesem Augenblick keine genaue Erklärung geben. Er erwartet detaillierte . Telegramme über die Ereignisie in seinem Lande, die in zwei oder drei Tagen in Paris eintreffen können. Jedenfalls bin ich, so er­klärte die Persönlichkeit, vom Schah beauftragt worden zu erklären, daß er energisch gegen den Beschluß des Parlaments, der seine Dynastie des Thrones für verlustig erklärte, rrotestieren werde.

ff. London, 3. Nov.Chicago Tri­büne' meldet: Auf Ersuchen des neuein- gesetzten Königs von Persien, Pahla^i (des bisherigen Premierministers Rica Khan), hat Finanzminister Zoka El Mulk den Posten des stellvertretenden Premiermini­sters übernommen.

Englische Eemeinderatswahlem.

fk. L o « d o « , 3. Nov. Bei den Ee« meinderatswahlen in 300 Städten und Ee- mcindebezirken von England und Wales sind nach dem bisherigen Ergebnis, wie Morning Post" meldet, folgende Ge­winne und Verluste der einzelnen Parteiem zu verzeichnen: Londoner Sozialdemokra­ten gewinnen 35, Verluste keine, Muaizi« «?al-Reformer gewinnen 4 und verlieren 29, Fortschinttler gewinnen 6 und verlieren 6. In den sämtlichen Bezirken haben die Kon­servativen 26 Sitze gewonnen und 49 ver­loren; die Sozialdemokraten gewinne« 73 a«h verlieren 25, die Liberalen gewinnen 11 und verlieren 33. Eine große Anzahl tmt Ergebnissen wird erst im Lause des heutigen Tages bekannt gegeben.

Berlin, 2. Nov. (TU.) Wie bereits gemeldet, findet morgen ein Empfang der Parteiführer der im Kabinett vertretenen Parteien beim Reichs­kanzler statt. Vom Zentrum werden die Abgeordneten Fehrenbach, Marx und Stegerwald teilnehmen, die Deuts ch°e Bolkspartei wird durch die Abgeord­neten Dr. Scholz, Dr. Curtius und Dr. Kemples, die Bayerische Volks- Partei durch Lerchenfeld und den Abg. Leicht vertreten fein. Wie weiter an zu­ständiger Stelle verlautet, wird von dieser Zusammenkunft eine Klärung der Lage zu erwarten sein. Zugleich wird nochmals darauf hingewiesen, dah di« in den letzten Tagen in der Presse aufgeworfene Frage der Herbeiführung eines Volksent­scheides über den Vertrag von Locar­no in keiner Weise auf eine Orien­tierung seitens der Reichsregierung zurückzuführenift.

Wenn nicht alles trügt, werden bereits in dieser Woche gewisse Entscheidungen über die innenpolitische Neuorientierung erfolgen. Ohne Zweifel dient die für heute einberufene Konferenz der Regierung mit den noch ver­bliebenen Regierungsparteien schon dieser Aufgabe.

Es braucht nicht schon wieder betont zu werden, dah es aus außenpolitischen Gründen höchst unerwünscht wäre, wenn die ' Regierungsfrage schon im jetzigen Stadium aufgerollt würde. Denn es steht doch noch keineswegs fest, dah die Verträge von Lo­carno auch tatsächlich unterschrieben werden. Die wesentlichste Vorbedingung ist nach wie vor das Eintreten der Rückwirkungen. Mit ihnen steht und fällt Locarno.

Es verdient aber Beachtung, dah sich das führende Zentrumsorgan, dieGer­mania", feit einigen Tagen für eine sofor­tige Neubildung der Regierung einseht. Bei der Bedeutung, die dem Zentrum wieder zu­kommt, sind die Ausführungn derGermania' wichtig. Nachdem das führende Zentrums­organ bereits in der vorigen Woche er­klärt hat,das Kopfzerbrechen, ob das Zen­trum mit den Deutschnationalen Zusammen­gehen solle, ist eine Sorge won gestern", geht es in seinem Sonntagsartikel, der die Lleberschrift trägt:Kabinetts- oder Parla­mentskrise?", aus seiner bisher immer noch etwas reservierten Haltung heraus und for­dert nunmehr den Rücktritt desReichs- kanzlers und die sofortige Neubil­dung derRegierung. 2m Gegensatz zu den Sozialdemokraten, die bekanntlich die Lö­sung der Krise in Neuwahlen erblicken, hält das Zentrumsorgan die Auflösung des Reichstages nicht für notwendig. Die Politik von Locarno könne ohne weiteres mit dem jetzigen Reichstag zu Ende geführt werden, allerdings nicht mit der Regierung Luther.

Jetzt den Reichstag aufzulösen, hätte kei­nen richtigen Sinn und hiehe künstlich eine Parlamentskrise herbeiführen. Es muh zu­nächst versucht werden, die Locarno-Politik mit diesem Reichstag Weilerzuführen. Ader es ist unmöglich, die Locarno-Politik mit dieser Regierung und mit diesem Reichstag zu Ende zu bringen. Die Gegnerschaft zwischen dem Kabinett Luther und den Deutschnationalen nimmt täglich zu. Ein Zu­sammenarbeiten zwischen dem Kabinett und den Sozialdemokraten ist nicht möglich. Reichs­tag und Regierung kommen also nicht mehr miteinander aus. B e i.de zu halten ist nicht möglich.'

Worin dieGermania' die Lösung der Krise erblickt, ist unschwer zu erkennen, näm«

Ter Plan eines valkanpaves.

ft. London, 3. Nov.Morning Post" meldet auS Achen, die griechische Regie­rung nahm im Grundsatz den Gedanken eines Balkanpaktes für Sicherheit und obli­gatorische Schiedssprüche, wie Chamberlain angeregt habe, an.

Kommnniftenverhastungen in Terni.

fk. R o m, 3. Nov. Nach einer Meldung aus Terni versuchten Kommunisten ihre Partei wieder zu organisieren. Die Be­hörden verhaftete neun Kommunisten, dar­unter einen ehemaligen sozialistischen Ab­geordneten. Das Prppagpndamaterial wurde beschlagnahmt. Bei einigen B«r- -

lich in der Bildung der großen Koali­tion. Diese politisch-parlamentarische Ae- gierungskoalition steht tatsächlich augenblick­lich im Vordergrund der Erörterungen. Aber noch weih man nicht im geringsten, ob auch die Deutsche Volkspartei für die große Koa­lition zu haben ist. Vorläufig scheint bei der Volkspartei noch keine allzu große Neigung hierfür zu bestehen, wenn man auch dort keinen Zweifel daran läßt, dah ein Wieder­eintritt der Deutschnationalen in di« Regie­rung zunächst nicht mehr in Frage kommt. Aus parlamentarischen Kreisen hört man, dah maßgebende Kreise der Deutschen Volkspartei sich die Lösung der durch den Austritt der Deutschnationalen entstandenen. Krise in der Weise denken, daß zunächst eineRegie­rung der Mitte" gebildet wird, also ein Kabinett ohne Deutschnationale, aber auch ohne Sozialdemokraten. Viel Aussicht auf Verwirklichung bildet aber auch diese Kom­bination nicht. In gewissen Kreisen, der Linken, deren ganze politisch« Weisheit in der Sorge besteht, wie man die s"ff Deutsch- nationalen von der Regierung sernhält, fürchtet" man anderseits ein Llmfall der Deutschnationalen.

Wie wenig für unsere Parlamentarier in Wirklichkeit die außenpolitische Frage auf dem Spiel steht, kann man vor allen Dingen daran erkennen, mit welcher Verbissenheit sie sich wieder in das Spiel der Parteiherrschast und Ministermacherei begeben haben. Der sachliche Streit m Locarno ist vergessen, was sicht das die Parteien an, der ist ja bloß Mittel zum Ztvetk, die- Frage- zu entsch-ü>-n. wer regie­ren soll. So schwirren die Ansichten durch­einander, jeder hat eine neue Nuance, die so« ziawemo traten wollen der kommendenGro­ßen Koalition" auch eine andere Führung ge­ben, damit auch innerpolitisch ein neuer Kurs gesteuert wird. Die Demokraten versprechen sich von Neuwahlen auch nichts, wollen aber Luthers Unterschrift unter dem Werk von Lo­carno, weil dle Unterschrift eines rechtsstehen­den Kanzlers für das Paktiverk besonders wert­voll sei (!!!) trotz des Austri ts der Deutsch- nationalen (!!!) Die Seele der Deutschen Volkspartei möchte man nach links ziehen, unb da bei uns das Zwei-Parteien-Shstem noch nicht ist, wird immer noch mit dem Ge­danken derMftte" operiert.

Für das deutsch« Volk stehen zur Zeit doch wichtigere Fragen zur Entscheidung als die, welch« Persönlichkeiten im Reichskabinettsitzen. Es handelt sich darum, vor einer Unterschrift unter das Paktwerk sichere Bürgschaften für den guten Willen der Ententemächte und für das Inkrafttreten der Rückwirkungen zu, er­halten. Doch das ist für unsere Politiker milchet wichtig.

Der Pakt ohne die Deutsch- nationalen wertlos

London, 2. Nov. Die englische Bericht­erstattung über die Locarnokrise in Deutschland zeigt jetzt Symptome der Wand­lung. So muh der Berichterstatter der Times" zugeben, die Opposition der Deutschnationalen beruhe auf ehrlicher Ueberzeugung. Die Aussichten für die Unterzeichnung des Paktes werden in- folgedesirn pessimistischer beurteilt. Sowohl dieTimes" als auch andere Blätter lasten keinen Zweifel darüber, dah ein Pakt ohne Zustimmung der deut'«« Rechte« am den größten Teil feine» Werte» gebracht wäre. Re'^spräfident v. Hinden­burg wird heute in derDaily News" weg^n feiner Haltung während der Raktkrife sehr belobt. Das Blatt meint, es habe zwar die Präsidentschaft Hindenburgs ursprünglich bekämpft, müsse aber heute zugrben, daß feine Haltung während der jüngste« Krise über alle» Lob erhaben sei.

hafteten sand man größere Geldmittel vor, als man nach ihrer Stellung hätte anneh­men können.

Zur Lag« im englische« Kohlenbergbern.

L fk, L o n d o n, 3. Nov. Nach derMor­ning Post" wurde von dem staatlichen Zu­schuß für die Kohlenindustrie in Höhe von 10 Millionen Pfund Sterling, der im August vom Parlament bewilligt wurde, im August und September nahezu 3,5 Mil­lionen ausgezah't. Da die Beihilfe bis 1. Mai nächste r Wahres zu zahlen sei, sei anzunehmen, tag die bewilligten zehn Mil­lionen nicht genügen werden.

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Sie SltgittuuMklümug tos ntutn ftutobffltbtu Kabintlls

Kurze Inhaltsangabe.

fk. P a r i s, 3. Nov. Nach einer Havas- rneldung wird in der Regierungs» erklärung, welcher der Ministerrat gestern abend zustimmte, das Finanz« Problem die e r st e Stelle ein­nehmen. Die Regierung werde sich be­mühen, das Gleichgewicht des Budgets zu ichern. Sie wird ferner die Verhandlun­gen über die Regelung der Schulden in England und Amerika erwähnen, die im Geiste der Willigung und der Versöhnlich­keit fortgesetzt werden sollen. Schließlich wird die Regierungserklärung zu der Ee« etzesvorlage betreffend die Sozialoer« icherung der Militärdienst zeit auf 1 Jahr sowie die Wiederherstellung der Arrondistementswahlen fordern. Sie wird daran erinnern, daß Frankreich für den Marokkokonflikt nicht verantwort­lich sei und einzig und allein von Abd el Krim abhänge, ihn zu beenden. Die Lage habe sich soweit gebestert, daß wenigstens ein Teil der Truppe« nach Frank­reich zurückberufen werden konnte Die Regierung werde das Werk der inter­nationalen Annäherung, welches die Kon­ferenz von Locarno so glücklich gefördert häbe, fortsetzen.

Di« Sozialdemokraten gegen das Kabinett

Painlev6.

fk. P a r i s, 3. Nov. Der Rationalrat d«r sozialdemokratische« Partei lehnte mit 1431 gegen 1228 Stimmen ab, dem neuen Kabinett Painlev<» das Vertrauen auszu, 'sprechen.

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Str Ausjlanb in 6ntitn

Zur Abberufung des Generals Sarrail.

Paris, 2. Rov. DerMalin" fordert heute morgen die Regierung auf, General Sarrail vor ein Gericht zu stellen. Wenn ein Kapitän fein Schiff verloste, würde er vor et« Gericht zitiert. Sollte «in General, der eine Kolonie verliere, etwa nicht vor der Justiz er­scheine»?

Paul Doumer Oberkommistat für Syrien?

fk. Paris, 3. Nov. Die Regierung hat Paul Doumer das Oberkommistariat für Syrien angeboten.

London, 2. Nov. Trotz der zuneh- »mcnben Beunruhigung innerhalb der Stadt Damaskus zeigt die allgemeine Lage in Syrien eine weitere Verschlechterung. Viele von der Beschießung Betroffenen, schreibt derDaily E x p r e ß"-Korrespondent, find zu den Aufständischen übergegangen, bte dadurch erhebliche Verstärkungen erhalten haben. Tas Vorgehen der Franzosen in Damaskus ist, wie der gleiche Korrespon­dent berichtet, außerordentlich rigoros. Die der Stadt auferlegte Strafe beträgt 2 0 0 syrische Pfund pro Kopf der Be­völkerung. Das find in deutschem Gelde etwa 7 0 0 Ml.. Die französischen Streitkräfte stützen sich gegenwärtig auf De- raat, Ezra und Khirbel el Ghazali. Die Neulequng der Eisenbahn von Deraat nach Basra und Eski Shams wird mit allen Kräften gefördert. Die Rekonstruktion die­ser Bahn würde die französischen Aufgaben wesentlich erleichtern, insbesondere die Ver­sorgung mit Wasser. Gerade der Wasser­mangel ist ein großer wichtiger Factor bet den Operationen. Wie dieTime s" schreibt, ist es höchst unwahrscheinlich, daß vor Frühjahrsanfang ein ernsthafter Versuch zum Vormarsch gemacht werden wird. W i n- terlicheS Wetter hat beg onnen und macht militärische Operationen unmöglich.

Türkische Stupütn auf btm äliatitb durch Wim . Paris, 2. Nov. (WTB.) Wie Havas mitteilt, weist man m diplomatischen Kreisen daraufhin, daß der Durchtransport türkischer Truppen durch syrisches Gebiet, den eng-' lisch« Zeitungen gemeldet hatten, aufgrund früherer, mit der Negierung voll Angora ab-