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Dienstag, teaN. SktederiSB

®te »Vbrrhesstsch« Zrttung" et» fthebit sechsmal wöchentlich. Be- Msprei« monatlich 2 GM. «u<- schließl. ZustellmrgSgebühr, durch diePvst2.25 DM.Für etwa infolge Streik», Maschinendefekte oder elementarer Ereignisse ausfallend« Kummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Kitzeroth, >Drnck der Unib.-Buchdruckerci b. Ioh. Ang. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 55.«. Nr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M- 9Zt. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und

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Dir WimMrfle ta zranknW Morgen Rücktritt des Gefamt- kabinetts?

Paris, 26. Oft. (WTB.) Wie tzavas meldet, hat an der Unterredung, die heut- vormittag vor Beginn des Kab'.nettsrats zwi­schen PainlevE, Brrand und Caillaux stattge- mnden hat, auch der Minister für öffentlich« Arbeiten teilgenommen. Obgleich diese Ver­handlungen noch nicht bekannt g«ivorden sind, glaubt man zu wissen, daß dt« Unterredung zwischen Caillaux und Painlevd sehr auf­geregt gewesen ist, da Painlebd den Frnanz- minister aufgrfordert hab«, sein Mandat nie­derzulegen. Caillaux aber hab; klar zum Aus­druck gebracht, daß es seine Absicht sei, das Ministerium beizubehalten. Painleve habe da­rauf die Ansicht kuudgegrben, daß ihm dann nur noch übrig bliebe, dem Präsidenten der Republik dte Demission des Gesamt­kabinetts zu übermitteln. Auch hier habe Caillaux energisch Widerstand geleistet und hin­zu gefügt, nach seiner Ansicht habe dieser Schritt keinen anderen Zweck, als den, ihn aus dem Kabinett zu beseitigen. Briand habe darauf Snen Kollegen den Rat gegeben, keine Ent- eidung bor Zusammentritt des Kabrnet:?- rates zu treffen. Dieser Standpunkt sei schließ­lich angenommen worden und so habe um 9.15 Uhr die Besprechung der vier Minister ihr Ende erreicht.

Paris. 26. Oft. (®®05.) Wie der „$ e- ttt Parisien'' schreibt, haben sich die persönlichen Freunde Caillaux int Kabinett, von de Monzie, der ein entschiedener Gegner der von Caillaux vorgeschlagenen Mittel sei. Vor die Frage der Demission gestellt, mit Caillaux solidarisch erklärt. Nun­mehr handele es sich darum, festzustellen, ob das Kabinett vor Zusammentritt de« Parlaments zurücktrete, oder ob es sich vor das Parlament begebe, damit die Stimmenzahl festgestellt werde, auf die daS Kartell der Linken zählen könne. ES scheine aber, daß die Mitglieder der Regierung sich für die erste Lösung entscheiden würden.

Das „Oeuvre" ist sogar der Ansicht, daß .bas Kabinett in dem um 9 Uhr beginnenden Kabinettsrat den Rücktritt beschließen werde, und daß es in dem um 11 Uhr beginnenden Kabinettsrat lediglich dem Präsidenten der Republik von diesem Beschluß Mitteilung machen werde.

vor der Demission deS französischen Kabi­nett».

fk. Paris, 27. Okt. Wie Savas mitteilt, find Gerüchte im Umlauf, daß Painlev- heute die Nesamtdemisfion des Kabinetts überreichen werde. Sn politischen Kreisen sei man der Ansicht, daß die Krise unverzüglich gelöst wer­den müsse, so daß dir Regierung am Donners­tag der Kammer vorgestellt werden kann. Es wird angenommen, daß Painleve mit der Kabinettsbildung betraut werden wird.

fk. Paris, 27. Okt. Ein Minister des Kabinetts Painlev^ erklärte einem Ver­treter des „Journal": Die Lage ist un­haltbar. Caillaux hat am 12. Juli ent­gegen unseren einmütigen Ansichten in der Kammer eine Haltung angenommen, die die Linksparteien gesprengt hat. Seitdem hätte er seinen Fehler wieder gutmachen könne«, wenn er uns Finanzpläne, die un­serem Programm entsprachen, vorgelegt hätte. Er hat dies trotz unserem Drängen nicht getan, und so find wir der Gefahr ausgesetzt, mit ihm von den Linksparteien gestürzt zu werden. Entweder er geht, oder wir gehen alle. Er will seine Pläne, denen er als Ministerpräfi- dent nicht zuftimmen könne, der Kam­mer vorlegen. Die politische Frage geht der Finanzfrage vor. Wir wollen zwar mit Caillaux zurücktreten, aber nicht mit ihm gestürzt werden. Wir find in der Mehrheit entschlossen, vor dem Z u • sammentritt der Kammer zu de» Missioni ere«.

Der französische Kabinettsrat auf morgen vertagt.

Pari», 26. Okt. Der Minifterrat. der im Anschluß an die Kabinettsrats- fttzung ftctttfinde» sollte, und der auf 11 Uhr angesetzt war, istaufmorgeaoer» tagt worden.

Sein WM» tes @elnmlfn6inetß

Die »mutig Reto Witte verschobt»

Sitzung des Reichskabinetts.

Berlin, 26. Okt. lWTB.) Die Rrichs- minister traten beute mittag 12 Uhr zu einer Sitzung zusammen, die unter Dorsitz des Reichskanzlers stattfand. Der Reichskanzler «achte Mitteilung von dem Rücktritt der Reichsminister Schiele, v. Schlieben und R e u h a u s und widmete den scheidenden Ministern herzliche Worte de« Dankes für ihre Mitarbeit. Rach Verabschiedung der deutsch- nationalen Minister traten die verbleibenden Minister unter Vorsitz des Reichskanzlers zu einem Kabinettsrat zusammen, um zu der durch das Rurlchriden der drei Minister entstandenen Situation Stellung zu nehmen.

Kein Rücktritt de, Reichskabinett«.

Berlin, 26. Okt. (WB.) Amtlich. Dar Reichskabinett bat seine heut« mittag begonnenen Beratungen am Abend fortge­setzt und ist zu folgender Stellungnahme gelangt:

Da» Reichskabinett betrachtet es als seine selbstverständliche politische Pflicht, ans dem in Locarno begonnenen Wege fortzuschreiten, um dem Reichstag recht­zeitig vor dem 1. Dezember, dem Tage, der für die Unterzeichnung des in Locarno paraphierten Vertrages vorgesehen ist, ein Gesamtergebnis für die Beschlußfassung unterbreiten zu können.

Au« diesen Erwägungen erachtet es das Rriehskabinett für geboten, von einer De­mission abzusehen und die Reichsgeschäfte weiterzuführen.

Der Reichskanzler, der im Laufe des Rachmittag» Vertreter der Reichstafpvfrak- tionen empfangen hatte, hat dem Reichs­präsidenten über die politische Lage Bericht erstattet und zugleich seine Vorschläge über die zukünftige Gestaltung des Kabinetts unterbreitet. Der Reiihspräfident hat die Entlassungsgesuche der Reichsminister Reuhaus, Schiele und v. Schlieben ge­nehmigt und unter Billigung der Fort­führung der Reichsgeschäfte durch das jetzige Kabinett mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers der Fi­nanzen den Reichskanzler Dr. Luther, des Reichsministers des Innern den Reichswehrminister Dr. Eetzler und des Reichswirtschaftssministers den Reichsver- kehrsminister Dr. Kröhne beauftragt.

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Die Parteiführer beim Reichskanzler.

fk. Berlin, 27. Okt. Hebet die gestri­gen Besprechungen des Reichskanzlers mit den Führern der Reichstagsparteien mel­den die Blätter, daß die Bolkspartei und das Zentrum gewillt seien, unter allen Umständen den Kanzler zu unterstützen, um das Werk von Locarno nicht zu gefähr­den. Der Vertreter der Demokraten, Reichsminister a. D. Koch, betont laut „Berl. Tagebl", datz die Demokratie selbst­verständlich nicht eine Außenpolitik des­avouieren werde, die in ihrer Linie liegt. Sie müßten es aber ablehnen, gegenwärtig als Lückenbüßer zu dienen.

Srr Mo» über »em verssschen Meerbuien

7000 Todesopfer

Larachi, 26. Okt. Zu dem Zyklon, der in den letzten Tagen in der Gegend des Persischen Meerbusen« auftrat, wird ge­meldet, datz er von einem Erdbeben be­gleitet war und wie uunmehr feststeht, 7000 Todesopfer forderte. Die Flotte der Perlenfischer ist fast ganz zerstört wor­den, da über 200 Boote gesunken find.

Srr Sank te RMwrSMiM

»erlitt, 26. Oft. (TU.) Der Reichs- Präsident hat den scheidenden Ministern Schiele, ».Schlieben und R e u h a u s m Handschreiben seinen Dank für ihre Dienste am Vaterland ausgesprochen.

Das Schreiben an Reichsminister Schiele hat folgenden Wortlaut:

S. g. Herr Minister!

Ihrem Antrag auf Enthebung von dem Amte a!S Minister des Innern habe ich mit lebhaftem Bedauern in Würdigung der mir torgetragenen Gründe entsprochen. Es ist mir ein aufrichtige« Bedürfnis, Ihnen bet Ihrem Scheiden au« dem Amte meinen herz­lichen Dank und meine besondere Anerkennung für Ihre Tätigkeit auszusprechen. In ernster Zeit haben Sie Ähre Arbeitekraft und Ähre reiche politische Erfahrung in den Dienst des Baierlande« gestellt und daS schwere Amt de« Reich-Ministers des Innern mit hingeben­dem eifer und politischem Geschick versehen. Daß Sie hierbei stet« ihr Streben auf die Stärkung der Staatsautorität und den Aus­gleich der inneren Gegenfätze gerichtet haben, wird Ähr besonderes Serbien ft bleiben.

Das Schreiben an Minister v. Schlie­ben lautet:

„Ich möchte Sie nicht aus Ährem Amte al« Reichsminister der Finanzen scheiden sehen, ohne Ähnen meinen herzlichen Dank und meine aufrichtige Anerkennung auSzu- sprechen für die pflichttreue und erfolgreiche Arbeit, die Sie in Ährer langjährigen Tä- tägkeit an verantwortungsreicher Stelle im Reichsfinanzministerium und in den letzten Monaten als Deichsminister der Finanzen dem Baierlande geleistet haben. Das große Wem der Deuordnung der Deichsfinanzen wird mit Ährem Damen immer eng verbunden bleiben.1

DaS Schreiben endlich an Minister Reu- hauS lautet:

„Äch spreche Ähnen bei Ährem Ausscheiden aus dem Amte meinen herzlichen Dank und meine aufrichtige Anerkennung auS für Ähre Tätigkeit an der Spitze deS ReichSwirt- fchaftSminifteriumS. Sie haben in schwerer Zeit an der Lösung wichtiger wirtschafts­politischer Aufgaben mit großer Tatkraft ge­arbeitet und die Politik des Reiches in ver­ständnisvoller Weise gefördert. Meine besten Wünsche usw. gez. v. Hindenburg.

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WMmmilm- erst Im Smmar?

London, 26. Okt. „Daily Ex­preß" lägt sich aus Köln melden, es be­stehe für dieses Jahr keine Aus­sicht auf Räumung des Kölner Brückenkopfes. Eine Erkundung des Wiesbadener Gebiets, in das die Be­satzung übersiedeln solle, werde wahrschein­lich diese Woche beginnen. Es bestehe die Absicht, wenn der Locarnopakt im Dezem­ber unterzeichnet worden sei, die Räu­mung Mitte Januar beginnen zu lasten. Gleichzeitig werd« keine grotze Verminderung in der Stärke des britischen Besatzungsheeres vorgeuomme» werde«, da es bereit» unter der im Versailler Vertrag seftgelegten Stärke sich bewege.

Sturmverheerungen an der amerikanischen Ostküfte.

R e w y o r k, 26. Ott. Der Sturm an der atlantischen Küste hat in den letzten Tagen 21 Todesopfer gefordert und grotzea Schaden an Gebäude« und Schiffen ange­richtet. I« Staate Alabama wurde« durch eitttn Tornado 16 Personen getötet und zahlreiche verletzt. Dutzende von Häu­sern wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Ser RlMA'buIgmWe Konflikt

Sofia, 26. Okt. Die Bulgarische Tele- graphen-Agentur veröffentlicht Nachrichten vom 25. Oktober, datz griechische Ar, t i l l e r i e seit gestern früh die Ortschaf, ten Peperitscha und Petrowo bombar­diere. Es würden zahlreiche Tote und Verwundete unter der Bevöl­kerung gemeldet. Die griechischen Trup­pen hielten immer noch bulgarisches Gebiet besetzt und bekundeten nicht die Absicht, sich zurückziehen zu wollen.

ft. Athen, 27. Okt. Aach einer Mel­dung hat der rumänische Gesandte mit dem Ministerpräsidenten P a n g a l» ä eine Unter­redung, in welcher er im Aamen seiner Re­gierung und auf Ersuchen der bulgarischen Regierung die Räumung des bulgarischen Ge­biets durch die griechischen Truppen anregte. Der Gesandte ersuchte die griechische Regie­rung, die Berufung an den Böllerbund anzu­nehmen. Da die griechische Regierung den Frieden zu sichern wünsche, nahm sie den Borschlag unter folgenden Bedingungen an:

1. Ein griechischer und ein bulgarischer Generalstabsvfsizier werden sich heute nach­mittag nach Demir Kapu begeben, um die griechische Grenzwache auf ihren Posten zu führen.

2. Svdann werden die griechischen Truppen, die auf dem bulgarischen Gebiet am Kula stehen, den Rückzug antreten.

3. Während dieses Rückzuges der griechi­schen Truppen werden die bulgarischen Trup­pen ihr Gebiet nicht wieder besetzten, bis die Griechen hinter ihre Grenzlinien zurückge­gangen sind. ,

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ff. Paris, 27. Oft. I« der Entschei­dung des Bölkerbundsrats über den grie, chisch-bulgarilchcn Zwischenfall werden die Vertreter beider Negierungen aufgefordert, die notwendigen Matznahmen zu treffen» datz die militärischen Operationen einge­stellt werden, und die Truppen sich hinter die Grenze zurückziehen. Die Vertreter beider Regierungen haben binnen 24 Stunden mitzuteilen, datz die bulgarische und griechische Regierung Befehl gegeben haben, daß ihre Truppen sich bedingungs­los hinter die Grenze zurückziehen, datz die­ser Beschluß binnen 69 Stunden durchge­führt wird und sämtliche Feindseligkeiten eingestellt sind. Ter bulgarisch« Vertreter erklärte, er wolle sich verpflichten, seiner Regierung Bericht zu erstatten, die sich sicher nach dieser Entscheidung richten werde.

Am »Btt NMtstbnls

Sämtliche Blätter sprechen in ihren Kom­mentaren zu den Berliner Stadtverordneten­wahlen vom einem Ruck nach links. Der „Lokalanzeiger" sagt: Die bürgerlichen Parteien kehren geschwächt in die Stadtver­ordnetenversammlung zurück. Das Zünglein der Wage hat sich abermals zugunsten der drei marxistischen Parteien gesenkt, und es gilt nun, der neuen Lage ohne jeden Versuch der Selbsttäuschung oder Beschönigung ins Auge zu sehen.

Die „Tägliche Rundschau führt dte Niederlage des Berliner Bürgertums auf die Wahlträgheit zurück, da nur 60 Prozent der Wahlbeteiligten gestern ihre Stimme ab­gegeben hätten.

Die „Germania" betont, daß das Zen­trum trotz der großen Bewegung, die der Austritt Dr. Wirths aus der Aeichstagsfrak- tion in der Zentrumswählerschaft heroorge- rufen habe, feinen Besitzstand im großen und ganzen behauptet habe.

Die aufgrund der BerlmS: Wahlen im Stadtveroronetenparlamem geschaffne Lage bezeichnet das „Berliner Tageblatt" als vorläufig undurchsichtig. Die Wahrschein­lichkeit spreche dafür, daß wechselnde Mehr­heiten, bei denen es auf wenige Stimmen ankommen wird, die Sntfcgeibung treffen werden.

Auch der „Vorwärts" erklärt, daß, wenn in der Berliner Stadtveco.dnetenver« fammlung nun auch eine unzweifelhafte Ar­beitermajorität besteht, es doch bei dem Cha­rakter der Kommumstifchen Partei mehr al$ fraglich fei, ob sie arbeitsfähig fein wird. Jedenfalls hat die Sozialdemokratie da- größte Änterefse daran, auch die Kommunisten zu praktifcher Gemeindearbeit heranzuziehen.