Montag, btN 26. Sktvbtt 1925
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Sw griochW-bulgariW Konflikt
6 o f i a, 25. Okt. (WV.) Die bulgarische Telcgrapheu-Agentur berichtet: Griechische Artillerie beschießt seit heute morgen die Orte Piperitza und Portovo. Man meldet bereits zahlreiche Tote und Verletzte unter der Bevölkerung. Die griechischen Truppen fahren fort, weitere Stellungen auf bulgarischem Gebiet zu besetzen. Es besteht nicht das geringste Zeichen, daß fie einen Rückzug beabsichtige«.
Sofia, 25. Okt. Die Bulgarische Telegraphenagentur meldet: Heute nachmittag gegen 4 Uhr hißten die Griechen überall weihe Fahnen. Als jedoch die bulgarischen Soldaten sich daraufhin näherten, wurden ie beschaffen. Um %6 Uhr wurde das Ar- tlleriefeuer auf der ganzen Front griechischerseits wieder ausgenommen. Die Zn- änterieeinheiten setzten den Vormarsch auf Petritsch fort. Die bulgarischen Behörden ordneten bisher die Räumung von 10 Ortschaften an, von denen sieben von den griechischen Truppen besetzt sind und drei dauernd bedroht werden. Die Zahl der Flüchtlinge, die im Freien kampieren muffen, beläuft sich auf mehrere Tausend. Aus den besetzten Ortschaften werden zahlreiche Ausschreitungen gemeldet. Ein junger Bursche ist in Gegenwart seiner Mutter von griechischen Truppen in Topolnitza ermordet worden. In Piperitza wurde eine alte Frau durch einen Schuh am Auge verletzt. Eine Gruppe bulgarischer Emigranten, die entsprechend einem griechisch^bul- garischen Auswanderungsabkommen auf dem Wege zur Grenze waren, haben erst heute, nachdem sie achtzehn Tage von den : griechischen Befehlshabern festgehalten worden waren, die ersten Linien der griechischen Truppen passieren dürfen.
Die bulgarischen Verluste.
Paris, 25. Ott. (WB.) Havas meldet aus Sofia: Die am 24. 10. angegebenen Verluste der Bulgaren beliefen sich auf 10 Soldaten tot, 30 verwundet, 10 werden vermißt ; außerdem wurden zwei Offiziere verwundet. In Petritsch wurden zehn Zivilpersonen getötet, 20 verwundet.
Griechenlands Antwort an den Völkerbund.
Athen, 25. Okt. (WTB.) Außenminister Nadjjikyriakos hat an den Generalsekretär des Völkerbundes ein Telegramm gerichtet, in dem - er in Erwiderung auf dessen drei Telegramme über den griechisch-bulgarischen Zwischenfall aus ' das Unerwartete und Unprovozierte des bulgarischen Angriffs .durch den auf griechischer Seite ein Hauptmann und ein Soldat ums Leben gekommen seien, hinweist. Das Telegramm erllärt u. a: Angesichts dieser unguali- fizierbaren Haltung mußte die griechische Regierung ihrem Oberkommando gestatten, diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die sich zur Verteidigung und erforderlichenfalls zur Säuberung des jetzt noch an einigen Stellen von regulären Truppen besetzten griechischen Staatsgebiets notwciidig erwiesen. Sobald die zwei . griechischen Grenzposten, der« Wiederbesetzung durch das bulgarische Feuer noch unmöglich gemacht ist, wieder in den Händen der griechischen Truppen sind, werden sich die griechischen Truppen an die Grenze zurückziehen, es sei denn, daß ein neues Eingreifen bulgarischer regulärer Truppen oder bulgarischer Banden ersolgt. Wie der griechische Außenminister weiter ausführt, ist es angesichts dieser Sachlage unzweifelhaft, daß bte Maßnahmen der dricchischen Heeresleitung, die als Notwehr- Handlungen anzusrhen sind, nicht im 'Sinne des Artikels 12 des Völkerbundspaktes als feindselige Handlung, die zum Bruche führen können, zu gelten haben. TroHem ist die griechische Regierung im Bewußtsein ihres guten Rechtes aus Entgegenkommen gegenüber dem Völkerbund bereit, im vorliegenden Falle die Zuständigkeit des Völkerbundsratrs anzner- kenncn. Im gleichen Sinne sprach sich der griechische Außenminister in einem Telegramm an Briand aus.
^Ausweisung Generals Plashiras aus Griechenland.
ff. London, 26. Okt. Nach einer Reüter- Meldung ist der verhaftete General Plashiras an Bord eines Zerstörers außer Landes g«. hrachl worden. -
Das Reichskabnrett vespemst
Mliüwr Welt, een Schlitten und Neuhaus trete» Müik
Berlin, 25. Okt. In der heutigen Frak- tionsfitzung der Deutschnationalen Bolksvartei wurde nach sehr kurzer Aussprache beschloffen: Sn Verfolg des Beschlusses der Reichstags- fraktion vom 21. d. M. und des Parteivorstandes und der Landesverbandsvorsttzendeu der Deutschnationalen Bolksvartei vom 23. ds. Mts. billigt die Fraliion den Entschluß der Minister Schiele, v. Schrieben und Dr. Neuhaus, noch heute durch den Reichskanzler ihre Entlassung nachzusuchen.
Berlin, 26. Okt. Wie die Telnnion erfährt, haben die Minister Schiele, von Schrieben und Neuhaus entsprechend der in der deutschnationalen Entschließung enthaltenen Ankündigung am Sonntagabend 9 Uhr dem Reichskanzler ihr Rücktrittsge- such überreicht.
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Berlin, 25. Okt. Wie die Telunion von unterrichteter Seite erfährt, ist im Laufe der Sonntagnacht irgend eine Entscheidung zu den Entlassungsgesuchen der drei deutschnationalen Rcichsministern
nicht mehr zu erwarten. Der Kanzler nahm heute abend gemeinsam mit dem Reichs- auhenminister' Dr. Stresemann und den Staatssekretären dieser beiden Ressorts an einem Essen teil, das in der ägyptischen Gesandtschaft vom Premierminister Ziwar Pascha veranstaltet wurde.
Gerüchte, denen zufolge der Kanzler nach der Ueberreichung der Demissionsgesuche noch eine Unterredung mit dem Reichspräsidenten haben sollte, können auf das bestimmteste dementiert werden. Tatsächlich hat der Kanzler, bevor er in die ägyptische Botschaft fuhr, beim Reichspräsidenten einen Besuch gemacht, zu einem Zeitpunkt also, als die Demissionsgesuche noch gar nicht vorlagen. Im Laufe des Montags dürfte sich wahrscheinlich das Rumpfkabinett versammeln, um die Lage zu beraten. Ferner sind Besprechungen des Kanzlers mit dem Reichspräsidenten selbstverständlich. Es ergibt sich auch aus der Lage, daß der Kanzler mit den Parteiführern Fühlung nehmen wird, um darauf die Entscheidungen für die weitere Entwicklung aufzubauen. In politischen Kreisen wird die Lage ruhig beurteilt. Es liegt Grund für die Annahme vor, daß die weiteren Entscheidungen ohne Hast gefaßt und durchge- führt werden.
Re Stotororteetenwatei in Mn
Berlin, 25. Okt. Die Beteiligung an den heutigen Stadtverordneten- und Bezirksverord- netenwaülen war im Gegensatz zu den Reichstagswahlen im Dezember 1924 und der Reichs- vräfidentenwahl im Frühjahr 1925 gering. Bis nachmittags 4 Uhr dürften kaum mehr als 20 P r o ze n t der eingeschriebenen Wähler ihrer Wahlpflicht genügt haben. Um die Mittagsstunden kam es an mehreren Stellen der Stadt zu Zusammenstößen zwischen Mitgliedern der feindlichen Parteien, die aber keinen ernsteren Charakter annahmen. Im Verlauf einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Reichsbannerleuten in Spandau wurden zwei Personen durch Mefferstiche verletzt, die zusammen mit sieben anderen Hauptbeteiligten der Polizei zugeführt wurden. Auch am Kurfürstendamm kam es zu einer Prügelei zwischen Reichsbannerleuten und Reichsvarteilern. Von der Polizei wurden 7 Personen in Schutzhaft genommen. Endlich ist ein Zusammenstoß im Norden zu melden, wo die Kommunisten einen Trupp Reichsbannerleute überfielen und zwei derselben verletzten . Drei Kommunisten wurden von der Polizei festgenommen.
ff. Berlin, 26. Okt. Bis heute vormittag 9 Uhr lagen die Ergebniffe der Stadtverordnetenwahlen bis auf zwei Bezirke vor. Danach
haben Stimmen erhalten:
Sozialdemokraten 589 703
Deutschnationale 370 604
Deutsche Bolksvartei 104 809
Kommunisteu 332109
Deutsch-Demokraten 166 896
Wirtschaftsvartei 71062
Zentrum 61271
llnabh. Sozialdemokratische Patte» 24 426
Deutschvölkische Freiheitspartei 26 411
Deutschsoziale Partei 25193
Evangelische Gemeinschaft ' 16 696
Arbeiterpartei 746
Deutschnat Bund der Hauswirte 147
Sparerbuild 3 957
Deutsche Mittelstaudsvartei 2 421
Deutschnat. Arbeitnebmerpartei 434
Rattonale Wirtschaft!. Bereinigung 644
Berlin 25. Okt. Am Kurfürstenplatz in der Nähe der Kaiser Wilhelms-Gedächtnis- kircke entspann sich beute nachmittag zwischen Anhängern der Deutschnationalen Bolksvartei und Mitgliedern der Kommunisten bezw. Reichsbannerleuten eine blutige Schlägerei, in deren Verlauf eine ganze Anzahl von Personen durch Steinwürse und Stockhiebe erheblich verletzt wurden. Bisher wurden vier Deutschnatipnale als schwerverletzt gemeldet.
Die LiKMgWMn l» SnNn
Ruhiger Verlauf.
Geringe Beteiligung.
ff. Karlsruhe, 26. Okt. Nach dem Ergebnis der heutigen Landtagswahlen wird sich der Landtag aus 72 (bisher 86) Abgeordneten zasammenfetzen. Es entfallen auf Zentrum 28 (34), Sozialdemokraten 16 (21), Demokraten 6 (7), Deutschnationale 9 (14), Deutsche Bolksvartei 7 (5), Kommunisten 4 (4), Wirtschaftspartei 1 (0).
Wahlsonntag in Mannheim.
Mannheim, 25. Okt. Durch wunderbares Herbstwetter begünstigt fanden heute die Wahlen zum Badischen Landtag statt. Das von der Polizei erlassene einschneidende Verbot über die Wghlpropaganda hatte bewirkt, daß der Verkehr in den Straßen gegenüber sonstigen Wahlsonntagen als ein gewöhnlicher Sonntag sich abwickelte. Rur einzelne Prvpagandawagen mit Musikkapellen durchzogen die Stadt. 3n den Vormittagsstunden waren die Wahllokale nur von etwa 25 Prozent der Wahlen besucht worben. Am Nachmittag lebte der Wahlkampf etwas auf. Es kann von einer großen Beteiligung nicht gesprochen werden, eher von einer gewissen Flauheit. Um 5 Ahr nachmittags sprach man von einer 45- bis 50prozentigen Beteiligung. Gewisse politische Heißsporne hatten heute infolge der hier herrschenden Ruhe keine Gelegenheit, wie sonst, unliebsame Szenen hervorzurufen und der Wahlsonntag verlief bis zur Stunde ruhig und ohne jeden Zwischenfall.
Wahlsonntag in Heidelberg.
Heidelberg, 25. Okt. Der Wahltag verlief hier in aller Ruhe ohne Zwischenfälle und farblos. Die Wahlbeteiligung war trotz des günstigen Wetters äußerst schwach. Vereinzelt liefen Plakatmänner durch die Straßen mit den schreiendsten Bildern. Auch einige Radfahrer auf mit roten Bändern verzierten Rädern beteiligten sich an dieser Propaganda. Es fiel auf, dah in einzelnen Bezirken die Beteiligung der Frauen größer war als die der Männer. Erst gegen Abend kam Leben in die Stadt. Reugierige umstanden Wahllokale, um die Ergebnisse zu erfahren.
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Anleihe für Wu-Pei-Fu.
ff. Hankau, 26. Oft. Die biesigen chinesischen Verbände sollen beschloffen haben, für Wu-Pei-Fus Feldzug in Nordchina eine Anleihe in Höhe von 1 Million Dollars auszu- nebmen. . r, ;; ; 7 /
Ist LekMo-Kklst
Die Befürchtungen, die seitens der deutsche« Vertreter in Locarno ihren Verhandlungs» gegnern gegenüber wiederholt und eindringlich, leider nicht mit positivem Erfolg, vor» gebracht worden find, haben sich bestätigt. 3n weiten Kreisen des deutschen Volkes macht sich ein Mißtrauen bemerkbar, ob die gegnerischen Versprechungen, vor allem hinsichtlich der sogenannten „Rückwirkungen", auch auftichtig gemeint sind. Die Ententevertreter haben es abgelehnt, diese Versprechungen klar zu umschreiben und ihren Inhalt schriftlich niederzulegen. Rach den bisher von unseren Gegnern beliebten Methoden, sich selbst über vettragsmähige und feierlichst niedergelegte Verpflichtungen hinwegzufetzen, ist dieses Mißtrauen weiter Äreife in Deutschland durchaus verständlich. Hinzu kommt, dah in der Presse, besonders Frankreichs, die amtlich deutschen Auslegungen immer wieder als unttchtig bezeichnet werden und dah die Freude über den angeblich errungenen Sieg Briands in sehr aufdringlicher Weif« geäußert wird. Frankreich hat tatfächiich die englische Garantie für feine Ortsgrenze erreicht und ist stolz auf diesen fett Jahren angestrebten Erfolg, der noch durch die neue freiwillige Anerkennung Deutschlands seine moralische Vertiefung erhält. In Deutschland fragt man sich nun nicht mit Anrecht, welcher Preis von unseren Gegnern gezahlt worden ist. Das Offenbleiben der Ostfrage ist ohne Zweifel ein deutscher Erfolg. Aber auch hier trübt das französische Sonderabkommen mit Tschechen und Polen die Freude.
Die immer stärker werdende Opposition in deutschnationalen Kreisen ist daher verständlich. Es handelt sich hier um den Ausdruck von Stimmen, die tatsächlich von unten her nach oben drängen und die die Leitung der Sßattei in nicht geringe Schwierigkeiten versehen. Der Entschluß des erweiterten deutsch- nationalen Parteivorstandes, dah „das nunmehr vorliegende Dertragsergebnis von Lo- earno für die Partei „unannehmbar" ist, muh in seiner Durchführung zu einer äußer ft gefährlichen Regierungskrise führen. Heber Annahme und Ablegung hat nun aber die Reichstagsfraftion entschieden. Diese Instanz hat sich bisher wesentlich vorsichtiger über die zu treffende Entscheidung geäußert. Sie hat z. B. die Möglichkeit diplomatischer Rückfragen über bestehende Zweifel und älnrichtig- keiten offen gelassen. „Re oatietur“, d. h. damit keine Aenderung des Wortlautes mehr getroffen werden kann, ist der Vertrag in Locarno paraphiert worden. Nachträglich« Verbesserungen dieses Wortlautes sind für uns also ausgeschlossen. Immerhin müßte es in den kommenden Wochen noch möglich fein, sich authentische Auslegungen zu verschaffen, die den deutschen Bedenken Rechnung tragen. Es ist bedauerlich, dah die Vertreter der Entente in Loearnv sich über die deutschen Wahrnehmungen und Forderungen hinweg- gefeht haben. Es liegt aber auf der Hand, dah die Ententevertreter selbst ein besonderes Interesse daran haben müssen, dah gerade die Kreise sich mit den neuen Abmachungen einverstanden erklären, in denen in besonders flattern Maße ein durchaus verständliches Mißtrauen besteht.
Falls es nicht gelingen sollte, aus diesen Schwierigkeiten einen gangbaren Ausweg zu finden, wäre eine schwere Regierungskrise die Folge. Die Aichtannahme des Locarnoabkommens durch die deutschnationale Partei bedeutet den Rücktritt der jetzigen Regierung, deren stärkste parlamentarische Gruppe bisher die deutschnationale Partei bildete; und wahrscheinlich Schaffung einer Regierung der großen Koalition, in der die Linke die Füh-> rung hätte. Es ist begreiflich, daß die deutsche Volkspattei nicht in erster Linie aus innerpolitischen Gründen, sondern zur Rettung der außenpolitischen Lage alle nur möglichen Anstrengungen machen wird, um eine Regierungskrisis oder gar eine Reichstagsauflösung, die unter dem Druck eines außenpolitischen Schwebezustandes natürlich zu schweren Erschütterungen führen könnte, zu vermeiden. Richt Ablehnung schlechthin, sondern Klärung der Lage, das ist die nationale Forderung der Stunde. Das deutsche Volk hat ein Recht darauf, zu wissen, baß es schwere moralische Opfer nicht umsonst bringt
Mac Donald in Berlin.
Berlin, 24. Okt. (S$TB.) Der frühere britische Ministeroräsident Mac Tongkb traf heute abend um 10.45 Uhr von Prag kommend hier ein. Zu seinem Empfang waren her eng- Üfche Botschaftsrat und ettttgt Herren der eng- fischen Botschaft auf dem Anhalter Uabrchvf erschienen. Nach der BegrüHom begrdrri nch die Herren in die englische Botschaft, wo Mae Donald für die Dauer seines Auftnchalies Wohnung nehmen wird.