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Wie Amerika mit ber Abrüiiuag beginnt

Bin neues Aushebungsgesetz in Amerika.

ff. London, 21. Okt. DieMorning Post" berichtet aus Washington: Dem Kongrest werde in der kommenden Session ein Gesetzentwurf vorgelcgt werden, der die gesamte männliche Bevölkerung mobili­sieren würde. Nach dem Entwurf sollen alle Männer zwischen 18 und 48 Zähren anfgefordert werden, sich in entsprechende Listen einzuschreiben. Von diesen werden alle Männer von 1830 Zähren zur Musterung heranaezogen. Ausnahmen werden nicht bewilligt. Männer, die we­gen Eewissensbeschwerden oder körperlichen Mangels zum Kampf nicht geeignet sind, würden in der Zndustrie und Landwirt­schaft beschäftigt werden.

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Dio Misten in Memel

Ueberwältigender Sieg der deutschen Einheitsfront.

M e m e l. 20. Okt. Die Mahlen zur ersten Volksvertretung des Memelgebietes haben mit einem Lbernältigenden Siege der drei in der Einheitsfront zusammengeschlossenen Parteien der M e m e 14 ä n d e r geendet. Das Ergebnis hat alle Erwartungen weit übertrof­fen. Von den 77 500 Wahlberechtigten haken 85 Prozent ihr Wahlrecht ausgeöbt. In der Einheitsfront stand auf der einen Seite die Memelländer Landwirtfchaftsr artei, auf der anderen Seit« die Sozialdemokratie, die da­zwischenliegenden Berufskreise und Volksschich­ten hatten sich zur Memelländischrn Volkspartei »usammengeschlosien.

Inder Stadt Memel

ist das. vorläufige Endergebnis der Wahlen fol­gendes: Wahlberechtigt 19 778, abgegebene Stimmen 16 907. Einheitsfront: Volks- w-rtei 12195, Landwirtschaftsvartei 208, So­zialdemokratie 2949 Stimmen, Splitterparteien: Autonomielund 145 und Kommunisten 934 Stimmen.

Von den drei Landkreisen liegen dir Ergebnisie aus 46 von insgesamt 67 Stimmt, wirken vor. Die abgegebenen Stim­men verteilen sich wie folgt: Einheits­front: Dolksvartei 9378, Landwirtschafts- Partei 16 324, Sozialdemokratie 5175 Stimmen, .Splitterparteien: Autonomiebund 285, Kommunisten 253 Stimmen.

lieber die Verteilung der Mandate lädt sich Zuverlässiges noch nicht errechnen.

Wie außerordentlich stark die Teil­nahme der memelländischen Bevölkerung an d Wahlhandlung geraden ist, ergibt sich daraus, daß z. B. in Windenburg die ge­samte Wählerschaft mit Ausnahme von 5 Kranken zur Wahlurne gegangen ist. Dabei hatten die Wähler einen Weg von 26 Kilo­metern hin und zurück zu Wasser und zu Lande »urückzulegen. In Schwarzrot und Ridden haben 97 Proz., in Preyl 95 Proz., in Prockuls über 87 Proz., in öeobelr j 9095 Proz. und in Ruh über 90 Proz. gewählt.

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8er neuen Kümpfen in Wna

Paris, 20. Okt. Savas berichtet aus Pe­king: Die Posten des Generals Jang Tu Ting haben sich infolge der Besetzung von Schanghai durch den Gouverneur von Tschekiang nach Ju Schu zurückgezogen. Di« Eisenbahnstrecke SchanghaiNanking ist unterbrochen. Die Feindseligkeiten haben iedoch noch nicht begon­nen. Die provisorische Regierung hat in einem Ausruf den Gouverneur von Tschekiang ge­beten, seine Truppen auf ihre Ausgangsstellun­gen zurückzuzieben und ihn aufgefordert, nicht in einen Konflikt mit den Truppen von Muk- den, die im Rückzüge begriffen sind, zu geraten. Eine Konferenz der Parteiführer hat in Hang- kau stattgesunden. General Wu Pei Fu ist an die Spitze Berufen worden. Dieser wird di« Truppen von Sonan, Hup und Sn-Rau mit­bringen. Die Haltung Fon« Jus bleibt ab­wartend. Man glaubt, dab er einen Druck auf den Gouverneur von Schanfi ausüben werde, um ibn daran zu verhindern, für di« Truppen ! von Mulden Partei zu ergreifen.

r Truppenbewegungen in China.

6 Peking, 20. Okt. Die Truppen Tschang-so-linS sammeln sich bei Pukow, am nördlichen Ufer des Jangtsekiang. Der Zivilgouverneur von Schantung soll sich V mit Verstärkungen auf dem Marsche nach

Pukow befinden.

Dis FaUs

SrankrMS Nkttmsr mit A m unb her MrAl

Paris, 20. Okt. (SU.) Sei fran­zösisch-polnische Schiedsver­trag, der mit dem französisch- tschechischen Schiedsgerichts­vertrag im Wortlaut vollkommen iden­tisch ist, besteht aus vier Paragraphen:

8 1. Für den Fall, dast Polen oder Frankreich durch einen Verstsh der heute von ihnen unb Deutschland zur Aufrecht­erhaltung des allgemeinen Friedens über­nommenen Verpflichtungen berührt wer­den, verpflichtet sich Frankreich und umge­kehrt Polen, in Anwendung des Artikels 16 des Völkerbundpaktes sich unverzüg­lich Hilfe und Beistand zu leisten, wenn ein solcher Borstost von einer un­provozierten Ergreifung der Waffen be­gleitet wird.

Für den Fall, dast der B ö l k e r b u n d s- r a t zur Beurteilung einer Frage, die auf Grund der erwähnten Verpflichtungen zu ferner Begutachtung unterbreitet wird, es nicht durchsetzen kann, dast ein Be­richt von seinen sämtlichen Mitgliedern und den beteiligten Parteien angenommen wird, und dast Polen oder Frankreich ohne Herausforderung ange­griffen wird, werden sich Frankreich und umgekehrt Polen auf Grund des Artikels 16 des Völkerbundpaktcs unverzüglich Beistand und Hilfe leisten.

§ 2. Der vorliegende Vertrag wird den Rechten und Pflichten der vertragschliehcn- den Parteien als Mitgliedern des Völker­bundes keinen Abbruch tun.

8 3. Der vorliegende Vertrag wird ge- mäh den Paktbestimmungen vom Völker­bund registriett werden.

8 4. Der vorliegende Vertrag wird rati­fiziert werden. Die Ratifizierung wird beim Völkerbund in Genf gleichzeitig mit der Ratifizierung der Verträge von Lo­carno niedergelegt werden.

Aus dem Wortlaut geht hervor, daß es sich nach dem Willen Frankreichs keines­wegs um eitel Schaumschlägerei handeln soll, sondern um ganz reale mili-° tärifche Hilfe für die beiden O st v ö l k e r. Entscheidend ist, daß Frank­reich Polen und der Tschechoslowakei für den Fall einer Nichteinigung des Völker­bundsrates Waffenhilfe auf Grund des Artikels 15 Absatz 7 des Völkerbundspaktes verspricht. Zn der Tat gibt dieser Absatz 7 jedem einzelnen Völkerbunds­mitglied sein individuelles Kriegsführungsrecht uneinge­schränkt zurück und zwar unter Vor­bedingungen, die jeder Staat, wenn er will, sehr leicht erreichen kann. Die ent­scheidende Frage ist, das stellt sich jetzt durch das Nebeneinanderstellen von Nhein­pakt und Frankreichs Ostgbkommen zwei­felsfrei heraus, von vornherein gegen uns entschieden, denn Artikel 2 des Rheinpaktes stellt als dritte Aus­nahme. bei der die Rheingarantie nicht gilt, auf,eine Aktion, die auf Grund einer Entscheidung der Versammlung oder des Rates des Völkerbundes oder auf Grund des Artikels 15 Absatz 7 der Völkerbunds- satzung erfolgt, vorausgesetzt, daß sich die Aktion in diesem letzteren Fall gegen den Staat richtet, der zuerst zum Angriff ge­schritten ist", und es ergibt sich, daß diese Ausnahme genau der Konstruktion ent­spricht, die Frankreich in seinen Ostabkom­men für das Eintreten seiner militärischen Hilfe gewählt hat. Das Mißtrauen gegen die französischen Zusatzverträge stell: sich als voll berechtigt heraus. Die französische Ostgarantie, durch die Vordertür entfernt, ist durch die Hintertür in ihrer vollen Tragweite wieder da.

DieTägliche Rundschau" bemerkt zu dem oben veröffentlichten Vertrag:

Vriand hat am Schluß der Konferenz den deutschen Delegierten mitgeteilt, daß Frank­reich neue Verträge mit Polen und der Tsche­choslowakei abgeschlossen habe und daß, diese Derträgeben deutschen Delegierten zur Einsicht offenständen.

Die deutschen Delegierten haben aber die Einsicht in die Vorträge abgeleh'ft, (!!) da sie in keiner Weise mit den Verträgen etwas zu tun hatten, ihnen auch nicht durch Einsichtnahme eine besondere Dedeutung zu­legen wollten, sondern auf dem Standpunkt standen, daß das Verhältnis Deutschlands zu Frankreich einerseits und zur Tschechoslowa» ter und Polen andererseits durch die in Locarno paraphierten Verträge festgelegt sei. Die Verträge Frankreichs mit den Ost- staaten bedeuten weder eine Beunruhigung noch eine Beeinträchtigung der in Locarno geschaffenen Friedensgrundlage.

Mit dieser Auffassung steht das Blatt des Außenministers, soweit sich übersehen läßt, völlig allein da. Sämtliche Berliner Blätter, von derK-r e u z z e it un g" über die führenden demokratischen Blätter bis zumVorwärts" einschließlich sehen in den Verträgen Frankreichs mit den Ost- mächlen eine große Gefahr, der gegenüber es außerordentlich bedenklich sei, sich lediglich auf denguten Geist" von Locarno zu berufen.

M Winland lind ßerarno

Berlin, 20. Okt. Auf Einladung der Reichsregicrung fanden sich heute nachmittag in der Reichskanzlei eine grö­ßere Anzahl Vertreter der besetzten Gebiete ein. Auster Reichstags- und Landtagsabgeordncten waren Vertreter der Staats- und Kommunalverwaltungen, der Wirtschaft und der Gewerkschaften er­schienen. Der Reichskanzler und der Reichs­minister des Auswärtigen gaben eine Dar­legung der Vertragsentwürfe von Locarno unter besonderer Berücksichti­gung ihrer Rückwirkung auf die Rhein­landsfragen. Hieran schloß sich ein längerer Angehender Gedankenaustausch über die Sorgen und Forderungen der Be­völkerung des besetzten Gebietes.

Von Seiten der Vertreter des be­setzten Gebietes wurde erneut zum Ausdruck gebracht, daß das Rheinland keinerlei Vorteile auf Kosten allgemeiner deutscher Znteresien anstrebe. Das Rhein­land erhebe jedoch mit Nachdruck die For­derung, daß alsbald Maßnahmen der Be­satzungsmächte in allen Zonen in Er­scheinung, treten, die die in Locarno feier­lich abgegebenen Erklärungen der Außen­minister von Frankreich, England und Bel­gien folgerichtig in die Tat umsetzen.

Zu der Aussprache erfahren wir von prominenter rheinischer Seite: Die ein­gehenden Darlegungen des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers verfehlten offensichtlich nicht ihren Eindruck bei den Teilnehmern. Es wurde allgemein zum Ausdruck gebracht, daß das deutsche Volk beiden 'Männern und ihren Mit­arbeitern für ihre Arbeit auf der Konfe­renz zum besonderen Dank ver­pflichtet sei. Zu der großen politischen Frage, ob das Abkommen annehmbar oder nicht annehmbar sei, wurde nicht Stellung genommen. Der Zweck der Besprechung war ja auch nicht der, eine solche bestimmte Stellungnahme aus den Kreisen des Rheinlandes entgegenzu­nehmen. Dagegen hatten die rheinischen Vertreter ausgiebige Gelegenheit, ihre Wünsche und Forderungen bezüg­lich des Rheinlandes und der Rückwirkun­gen des Paktes auf das Rheinland auszu­sprechen.

Dabei kam die lebhafte Ent­täuschung allerseits zum Ausdruck, daß es nicht gelungen sei, in Lo­carno bindende Abmachungen über Erleichterungen für das besetzte Ge­biet festzulegen, mit Ausnahme d:r im­merhin nicht unwesentlichen Beftim-

Stk Mlimimnbmch bet 6lementeau-8fiot

von toi 15o»o Saamaozotzn

Man darf sich nicht täuschen, die Volksab­stimmung llt jetzt schon entschieden." Tiefes im Peuvle" veröffentlichte Urteil des französische« Kammerabgoordneten Uhry, der kürzlich al» Mitglied einer parlamentarischen Unter­suchungskommission das Geschäftsgebaren der französischen Saargrubenverwaltung kouttol- lierte, findet im ganzen Saargebiet leb'-'te Zustimmung. Man begrüßt es, dab ein Fran­zose den Mut findet, öffentlich zu erklären, dab sich unter den75 000 Bergarbeitern, di« de« Hauptbestandteil der Saarbevölkerung bilden, Noch nicht 100 Stimmen zugunsten Frankreichs finden".

Mit dieser Erklärung Uhrys bricht die Cie» denceau'sche Lüge von den 150 000 Saarfran­zosen, aus der sich das ganze Saarstatut des Friedensvertrages letzten Endes aufbaut, end­gültig zusammen. Uhry fordert, daß die fran­zösische Regierung jetzt schon nach einerele­ganten" Lösung sucht, wenn sie vermeiden will, das Saargebietunter beklagenswerten Um­ständen" verlassen zu müssen. Diese beklag s- roerten Umstände werden sich unvermeidbar aus der Volksabstimmung im Jahre 1935 er­geben. Wenn Frankreich nicht rechtzeitig ver­sucht, durch eine gütliche Vereinbarung mit Deutschland diesem schweren Prestigeschlag zu entgehen, wird zugleich einer der härtesten Sckläge gegen den ganzen Versailler Vertrag geführt. Im Sgargebiet weiß man überdies, daß Frankreich bei seiner mißlichen Finanzlage an der Bereinigung der Saarfrage auch ein eminent wirtschaftliches Interesse besitzt: die Eaarkohle, an der es nicht mehr viel verdient, könnte es umsonst aus Revarationskonto er­halten. Bei dem Rückkauf der Saargruben durch Deutschland (der bekanntlich bei der Rückkehr des Saargebiets zu Deutschland vor­gesehen ist) erzielte Frankreich eine bedeutende Einnahme etwa 300 Millionen Mark, die für die Sanierung des Franken umso wirk­samer sein wird, je früher die Saarregelung kommt. Richt zuletzt würde Frankreich, das bei der Einbeziehung des Saargebiets in das französische Währungsinland zu einer verstärk­ten Notenauü' be gezwungen wurde, bei bet Rückkehr des Saargebiets nach Deutschland der Sorge um dieses künstlich gelch.Gfene Wäh­rungsgebiet enthoben. Es handelt sich dabei um einen Umlauf von schätzungsweise 300 bis 400 Millionen Franken.

muttfl, daß in Zukunft die Handhabung auch des Rheinlandabkommens unter der Schiedsgerichtsklaufel des Paktes stehen soll. Die An n a h m e des Paktes wiid nach rheinischer Auffassung davon ab­hängen müssen, ob die von den frem­den Staatsmännern in Aussicht gestellte einschneidende Auswirkung i« Rheinland in den nächsten Woche« wirk­lich eintritt oder nicht.

Zustimmung des belgischen Ministerrats zu den Abmachungen von Locarno.

ff. Paris, 21. Okt.Matin" meldet au, Brüssel, daß der belgische Ministertat in seiner gestrigen Nachmittagsfitzung, nachdem Außen­minister Bandervelde über die Verhandlungen von Locarno Bericht erstattet batte, das Ab­kommen von Locarno gebilligt hat.

Painlevs über L. . no.

ft London, 21. Okt. Der französische Ministerpräsident Pairlleve erklärte dem Pa­riser Pressevertreter derMorning Pose", der Abschluß des Rheinpaktes, der von den Mäch­ten aufrichtig angenommen worden fet, be­deute einen großen Fortschrüt.

Er fügte hinzu: Frankreich gibt ferne Un­terschrift mit ehrlichem Herzen. Es hat teilte Aehnlichkeit mit machiavellistischen Unterhänd­lern, welche bei der Unterzeichnung eines Ab- kommens einen Satz hinernfügen, der seinen Inhalt zerstört. Frankreich handelt mit reeller Loyalität. Sejn einziger Wunsch ist, daß die ehrlich geführten Verhandlungen Erfolg haben möchten. Ich bin überzeugt, daß daS wirk­liche Deutschland von demselben Gedanken er­füllt ist. Das wahre deutsche Volk empsindet sicherlich kern Vergnügen bet der Vorstellung der Möglichkeit eines neuen Krieges,. o«