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SinöenlMs Dank
TU. Berlin, 4. Okt. Das Büro des Reichspräsidenten gibt bekannt: ,,Zu meinem Geburtstage sind mir aus allen Gebieten des Reiches und von vielen Deutschen jenseits der Grenzen Glückwünsche in großer Fülle zugegangrn. Alle diese Zuschriften einzelck zu beantworten, ist mit leider nicht möglich und ich muh daher den Bielen, die meiner in freundlicher Gesinnung gedacht haben, seinen besten Dank auf diesem Wege übermitteln. Ihnen allen reiche ich im Geiste herzlich die Hand mit der Bitte, die mir bezeugte Zuneigung und Treue dadurch zu bestätigen, daß ein jeder an seiner Stelle mithelfe, unserem Volke inneren Frieden und feste Einigkeit zu geben, und'hierdurch unser Vaterland wieder stark zu machen nach innen und nach
gez. Hindenburg." ♦
Glückwunsch des Reichspräsidenten an Lienhard
Berlin, 3. Okt. Der Reichspräsident hat dem Dichter Professor Lienhard in Weimar zu seinem 60. Geburtstage telegraphisch seine Glückwünsche ausgesprochen.
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Salllmu Erfolg in Amerika
Nachdem schon einmal «ine von der französischen Presse voreilig verbreitete Nachricht über einen günstigen Abschluß der Schuldenver- handlungen in Washington dementiert werden mußte, kann man auch jetzt nach den neuen Mitteilungen über den Ausgang der Verhandlungen noch kein klares Bild gewinnen.
Tatsache ist, daß es Caillaux trotz aller Bemühungen nickt gelungen ist, eine endgültige .Regelung, des Schuldenproblems herbeizuführen, -sondern daß er sich, nachdem man allen seinen Vorschlägen amerikanischerseits ein entschiedenes Nein entgegengesetzt hatte, mit einem bloßen Provisorium abspetsen lassen mußte, das allerdings aw sick für Franke-ich sehr günstig wäre. Der amerikanische Vorschlag lautet, die sranzösischen Zahlungen an Amerika für den Zeitraum von 5 Jahren auf 40 Millionen Dollars jährlich feftzusetzen. Bedenkt man jedoch, daß Caillaux sich noch kur? vor der Abreise nach Amerika in Paris dem amerikanischen Lchatzkanzler Winston gegenüber heftig sträubte, auf ein von diesem schon damals vorgeschlagenes Provisorium etnzugchen, so ist für Caillaux nur ein völliger Fehlschlag seiner Mission zu verzeichnen.
Man kann die Enttäuschung der Franzosen über diesen Mißerfolg wohl verstehen, der auch in den französischen Blättern unumwunden Ausdruck gegeben wird; vor allem ist man empört darüber, daß Frankreich als Sieger von Amerika wie ein Bettler behaiidelt worden sei, dem man aus seine Bitten- gnädig ein Almosen zuteilt. Wenn jedoch die Pariser Presse in diesem Zusammenhang merkwürdigerweise auch auf die Miitel hinweist, die suner- zeit Amerika in den Befreiungskriegen als Iht- terstützung von SFten Frankreichs zuslossen, so dürste man doch wohl von ganz falschen Voraussetzungen ausgehen. Es war keineswegs französische Großmut, die Ludwig XVI. dazu bestimmic, oder Anteilnahme am Schicksale Amerikas, fondern einzig und allein der Wunsch, dessen Gegner England, der ja zugleich der Rivale Frankreichs war, durch Stärkung Amerikas zu schaden.'
Der amerikanische Geldmarkt und da» französische Ankeihebedürfnis.
Paris, 4. Okt. Wie dem „Newhork Herold" aus Newhork gemeldet wird, erwarten die Bankkreise seitens des Staatssekretärs Kellogg eine Erklärung, die über die Haltung der Regierung bezüglich neuer französischer Anleihen Aufklärung geben soll. Einige Bankiers erklärten, sie rechneten damit, daß die Regierung das Anleiheverbot aufheben, und der Wallstreet die Beurteilung der Frage überlazzen werde, ob Frankreich neue Vorschüsse zu gewähren seien.
Mac Donald besucht Mitteleuropa.
fk London, 5. Okt. „Times" zufolge wird Mac Donald in einigen Tagen von London aus eine große Rundreise durch eine Anzahl Europäischer Hauptstädte, darunter auch Berlin, VSien und Prag unternehmen.
L-rarno eitlörangen LuAts und Sitefemnns
Mitarbeit zur Schaffung und Bewahrung des Weltfriedens hinwies. An dem Gottesdienst in der dicht besetzten Kirche nahmen u. a. auch eine Anzahl Herren der deutschen Delegation teil.
Locarno, 3. Okt. (9BS.) Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußen- rninister Dr. Strefemann sind mit den fee begleitenden Herren Sonnabend abend 7 Uhr in Locarno eingetroffen und haben im Hotel „Esplanade" Wohnung genommen.
Locarno, 3. Okt. (WB.) Der fran- zösifsiche Außenminister ist entgegen der ursprünglich getroffenen Dispositionen bereits Sonnabend abend um 7 Uhr in Begleitung von Berthclot, Fromageot und Leger in Locarno angekommen und im Grand Hotel Palace abgestiegen, wo übrigens auch die englische, die italienische, die belgische, die tschechoslowakische und die polnische Delegation Wohnung nehmen werden. Ueficr den Zeitpunkt des Eintreffens der italienischen und belgische» Delegation ist noch nichts bekannt.
Eine Unterredung mit Luther und Strefemann.
Berlin. 4. Okt. (TA.) Wie der „Tagaus Basel meldet, hatte anläßlich der Durchfahrt der deutschen Delegation in Basel der Chefredakteur der „Baseler Nachrichten", Dr. O e r i, Gelegenheit, während einer halben Stunde, in der die Delegation ihre Arbeiten unterbrach, mit den Führern, Reichskanzler Dr. Luther und Reichsautzenminister Dr. Strefemann, eine ungezwungene Unterhaltung zu führen. Die Auffassung Strese- manns und Dr. LutherS ging dahin, daß die Lage nicht zu großem Optimismus berechtige, dah sie aber dennoch hoffen, daß ihre Arbeiten in Locarno von Erfolg gekrönt fein werden. Die Presse werde nicht viel zu berichten haben, höchstens in den ersten zwei Tagen, da es sich mehr um vertrauliche Zwischenkonferenzen handele, die nicht an die Oeffentlichkeit gelangen werben.
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Locarno, 4. Okt. Der heutige Sonntag brachte noch eine Vervollständigung der an der Zusammenkunft beteiligten Delegationen. Um 12.30 traf Chamberlain, begleitet von Sir Cecil Hurst und einigen wenigen Herren, fast unbemerkt von den vielen Neugierigen hier ein. Um 1 Uhr folgte Scialoya, der erste italienische Delegierte im Kraftwagen, während der zweite Delegierte der Unterstaatssekretär (Staubt nachmittags mit der Bahn folgte. Fast um dieselbe Zeit traf Vandervelde mit seinen Begleitern hier ein. Im übrigen war der Nachmittag hauptsächlich mit Vorbesprechungen über Zeitpunkt und Arbeitseinteilung der morgen beginnenden Beratungen ausgefüllt. Die Konfereftz beginnt am Montag Vormittag um 11 Uhr mit einer Sitzung, die voraussichtlich den Formalien gewidmet ist, während nachmittags die ersten sachlichen Beratungen sich anschließen. Die verschiedenen Delegationsführer, vor allem Briand und Chamberlain, haben heute nachmittag die Presievertreter ihrer Länder empfangen und sich, wie heute vormittag die deutsche Delegation über ihre Hoffnungen für die Konferenz geäußert. Daber unterstrich Briand sehr stark den guten Willen auf französischer Seite, zu einem Einvernehmen zu gelangen, während Chamberlain auf die historische Entwickelung der zur Beratung kommenden Fragen einging. Selbstverständlich hatten auch Briand und Chamberlain eine persönliche Aussprache. Sehr groß find die Anstrengungen und die Aufwendungen, die die eidgenössischen und lokalen Behörden anläßlich der Zusammenkunft der Delegationsmitglieder in Locarno gemacht haben.
So fand heute abend eine Illumination des Seeufers und der auf hohen Felsen gelegenen Kirche Madonna del Sasio statt. Daran beteiligten sich auch die kirchlichen Behörden. Der Bischof von Lugano zelebrierte in der alten Kirche St. Antonio um 8 Uhr abend einen feierlichen Gottesdienst, in dem er den Segen des Himmels auf die bevorstehenden Verhandlungen erflehte und in bewegten Worten auf dis Rolle der Schweiz während der vergangenen Kriegsjahre und auf ihre Pflicht zur
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Locarno, 4. Okt. 1 hier anwesenden 40 beutMien Journalisten wurden beute im Hotel Esplanade von der Deutschen Delegation empfanaen. Im Laufe d r Unterhaltung gaben der Reichskanzler und der Reichsaußenminister der Hoffnung Ausdruck, daß es nun endlich zu einem wirklichen Friedenszustande kommen werde, wie ibn Deutschland, aber auch die anderen aus politischen wie aus wirtschaftlichen Gründen dringend brauchen.
Dr. Luther betonte u. a., die Aufgaben he" fi'c",'er~v’ seien dadurch r ' mpli - ziert worden, daß die Gegenseite eine Verbi- düng de? SiMrh-its—«« mit der Bölkerbundsfrage als unumgänglich bezeichnet habe.
Die Abrüstung Deutschlands, ohne daß die durch den Versailler Vertrag vorgeschriebene allgemeine Abrüstung von Deutschlands Nachbarn eingeleitet worden sei, in Verbindung mit der fortdauernden Besetzung deutscken Gebietes schaffe für Deutschland auf dem Wege zur Erreichung des wirklichen Friedens eine konkrete und be«ondere
Dr. Erregern an n befaßte sich besonders mit den letzttägigen Aeußerungen Tschitscherin zu Pressevertretern und ihrer Kommentierung und bemerkte dazu, wenn die Besprechungen Tschitscherins mit ihm, die zum Abschluß der zweijährigen Verhandlungen über einen deutsch-russischen Handelsvertrag führen werde, verschiedentlich als eine Spitze gegen das Verhandlungsziel von Locarno ausgedeutet worden seien, so sei das eine vollkommen gegenstandslose Auslegung. Tschitscherin selber habe einem englischen Journalisten zugestanden, daß der Abschluß eines so schwierigen und wahrscheinlich für die künftigen Handelsverträge des Handelsmonovollandes Rußland mit anderen kapitalistischen Ländern vorbildliche Vertragswert keine Sensation darstelle. Der deutsch-russische Abschluß sei nicht nur für Deutschland und Rußland, sondern allgemein erforderlich. Was die russischen Befürchtungen anlange, daß Deutschland mit seiner Teilnahme an der Zusammenkunft in Locarno eine vollkommene Aenderung seiner Politik und eine westliche Orientierung vornehmen wolle, so seien die Berliner Vereinbarungen eine Klarstellung ver Abl-^t Deu'^^^ands, 6* den Weg nach Rußland offen zu halten. Für Deutschland gebe es keine Option zwischen Ost- und Westvolitik. Es wolle nach beiden Seiten in guten Beziehungen leben.
England sieht Schwierigkeiten in Locarno voraus. 1
London, 4. Ost. ($11.) Eham der» b er l a tn erklärte vor seiner Abreise nach Locarno Pressevertretern, die bevorstehende Konferenz werde einen Einflutz auf die internationale Lage und besonders auf Europa ausüben. Es seien so schwierige und verwickelte Probleme zu behandeln, datz man nur den Wunsch haben könne, datz die englische Oefsentlichkeit ihren Vertretern Glückwünsche und nicht zu viel erivartet. Er hoffe in 10 bis 12 Tagen in London zurückzusein, doch würde das vom Verlauf der Konferenz abhängen. Auf dem Bahnhofe war zum Abschied Sir William T Y r e 11, der neue Ober« kommissar Aegyptens. Sir George Lloyd und andere Beamte des Auswärtigen Amtes erschienen. Viel beachtet wird in London, datz der deutschen Delegation auf dem Bahnhofe von den Vertretern des diplomatischen Korps gute Wünsche für die Reise dargebracht wurden. Der diplomatische Vertreter des „®Bening Standard" weist darauf hin, dah die Forderung Frankreichs auf. Garantierung der Ost« und Westgrenzen Deutschland zu Verwickelungen führen könne. Es sei Möglich, dah Frankreich den Destpakt nicht unterschreiben werde, wenn die öffentlichen Schiedsverträge nicht gleichzeitig abgeschlossen würden. Auch könne die Behandlung der Kriegsschuldfrag^ Schwierigkeiten bereiten, ebenso auch eine deutsche Forderung einer Revision gewisse Friebensvertragsklauseln. Frankreich wird die Forderungen Deutschlands mit allen Mitteln bekämpfen, während England jede Verantwortung für die östlichen Schiedsvertrage ablehnt. "
Die Mitglieder der französische« ««d englischen Delegationen.
Berlin, 8. Okt. Der Sonderberichterstatter der „Telegrapben-llnion" meldet aus Locarno: Die französische und englische Delegation für die Verhandlungen in Locarno bestehen aus folgenden namhaften Persönlichkeiten:
Frankreich: Außenminister Brt and, Philipp B e r t h e l o t, Abteilungsche, tm Au- ßenministertum. Leiere, Kabinettschef tM Kabinett Painleve, Massiglt, Generalsekretär der Botschasterkonserenz, Fromageot, juristischer Sachverständiger am Ouat d Orsay, C a r t e r o n, ftanzösischer Generalkonsul m Basel, Armart, Pressechef bei der ftanzost- schen Botschaft in Berlin.
England: Die englische Delegation wird von Chamberlain geführt. Sw Cecll Hurst, juristischer Sachverständiger des Fo- retgn office, Senttn, Direktor tm Fotzetgu Office, Norman Selb y, Privatsekretar von Chamberlain, Stuart, Attache in der Brüsseler Gesandtschaft.
Erklärungen Tschitscherins.
Berlin, 4. Okt. Bei dem Empfang In der russischen Botschaft sprach gestern abend Tschitscherin über bte gegenwärtige politische Lage, wobei er die Bedenken dec Sowjetunion gegen den Eintritt in den Völkerbund, sowie gegen den Abschluß eines SicherheitspakteS mit den Westmächten dar- legte und erklärte, in beiden Tatsachen erblicke er eine Spitze gegen Rußland.
lleber den. Handelsvertrag zwischen Deutschland und Rußland führte er aus, daß dieser Vertrag nicht nur ein Zeichen der freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern sei, sondern auch eine Praktische Notwendigkeit, und den LebenSinter- effen der beiden Parteien entspreche. Auch mit anderen Staaten, wie Polen, Norwegen, Japan, Persien u. a. stünden Verhandlungen über Handelsverträge bevor. Die geschäftlichen Beziehungen, zu Frankfurt enr- wickelten sich gut. Die französische Regie- rung behandle diese Frage jedoch dilatorisch.
Zu der Frage des Eintritts Deutschland» in den Völkerbund, insbesondere zu dec Frage des Artikels 16 des Bölkerbunds- paktes erklärte Tschitscherin, daß die Nichtannahme des genannten Artikels durch Deutschland ein Faktor be# allgemeinen Friedens sei. Iw Anschluß an die Ausführungen beantwortete Tschitscherin, eine Reihe von Fragen, die aus der Versammlung heraus gestellt wurden. U a. erwarte er eine Auswirkung der Annahme des Art. 16. zunächst auf wirtschaftlichem Gebiet. Die militärische Gefahr liege weiter entfernt, sei aber nicht ausgeschlossen. Er habe alle seine Bedenken bei Dr. Strese- mann geltend gemacht. Heber die Gewährung deutscher Bankkredite an Rußland lehnte Tschitscherin ob.
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M ti ton gtflütbftl?
Paris, 4. Okt. Aus Fez wird gemeldet: Abd ei Krim ist nach dem Djebcl Ha. mun zu dem Stamm der Beniuriaghel g e. flüchtet, wo er Verteidigung,, ftellungen bauen läßt.
fk. Paris, 5. Okt. Wie aus Fez gemeldet wird, hat auf der ganzen französi. scheu Front eine Reihe von Offenfivvor. stoßen ftattgefunden. Ueberall leistete der Gegner nur geringen Widerstand.
Der Nachfolger Lyautys.
fk. Paris, 5. Okt. Eine Nachrichten- agentur berichtet: Als künftiger General- resident von Marokko wird Iustizminister Steeg genannt. *
Havas berichtet aus Fez: Ein französisches Flugzeug, das einen Aufklärungsflug unternahm, war gezwungen, im Epbiete der Dissidenten eine Notlandung vorzunehmen. Die aus zwei Unteroffizieren bestehende Besatzung wurde von Dissidenten umstellt. Sie weigerten sich jedoch, sich zu ergeben und leisteten mit iftren Karabinern solange Widerstand, bis sie niedergemacht wurden. Abd e l Krim, der sie lebend habe in die Hände bekommen wollen, habe sechs seiner Krieger erschießen lasten, die die Flieger getötet haben.
Schwere Ausschreitungen in Damaskus.
Nach einem Funkspruch des „Berliner Lokalanzeiger" aus Kairo kam es tn Damaskus bet bei Feier des Geburtstages des Propheten Mohammed zu sehr ernsten Ausschreitungen ge-