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zen Welt achtunggebietend da, wie ihn mit unverhohlenem Mißvergnügen der deutschfeindliche Amsterdamer „Telegraas" einmal zeichnete:
„Der alte Feldmarschall wie ein eatger, unbeweglicher Fels unter der Schar der Parlamentarier ... Jeder erstaunt über die natürliche Kraft, die von ihm ausströmt, an dem die Zeit spurlos vorüüergegangen zu sein scheint. Allein schon die äußere Erscheinung erweckt den Eindruck einer unendlichen Sicherheit und Ruhe."
Wie oft hat man im Lager der Gegner seiner Wahl prophezeit, daß Hindenburg in die Abhängigkeit irgendeiner politischen Clique geraten müßte! Eine Unterstellung, die doppelt verletzend einem Manne gegenüber ist, der in einem, langen, erfolgreichen Leben sich stets gegen seine Umgebung durchgesetzt hat, und dessen Mannesstolz jedes Verleugnen seiner Ueberzeugung fremd ist. Ein halbes Jahr seiner Amtsführung hat genügt, um seine starke Selbstständigkeit auch auf politischem Gebiet offenbar werden zu lassen, und die Eingeweihten wissen, daß er allen seinen Amtshandlnn- gen, selbst den scheinbar unbedeutenden, seinen persönlichen Stempel aufdrüat.
Heute ist auch' nicht mehr der geringste Zweifel daran erlaubt, daß Reichspräsident Hindenburg seines hohen Amtes streng in den verfassungsmäßigen Grenzen waltete Aber wenn er auch weit davon entfernt
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Don Prof. Dr. Frhr. v. Fr eh tag» Loringhoven, M. d. 2t.
Die Reichspräsidentschaft Hindenburgs hat in Unzähligen die Hoffnung geweckt, daß nun sich alles, alles wenden müsse. Im Gegen- satz dazu wird von anderen Kreisen betont, daß dem Reichspräsident verfassungsmäßig em Einfluß auf Politik und Gesetzgebung nicht zustehe. — Sn Wirklichkeit wurde dem Präsidenten keineswegs eine rein dekorative Rolle zugewiesen. Die Volkswahl sollte gerade seine Unabhängigkeit vom Reichstage verbürgen. Wenn er freilich zugleich an das parlamentarische System gebunden wurde, so bedeutete das einen inneren Widerspruch. Denn dieses führt zur Abhängigkeit des Präsidenten vom Reichstage. Aber ein solcher Widerspruch kann nicht einfach im Sinne der Antithese gelost werden. Es heißt vielmehr, die Synthese zu suchen. Das ist um so mehr der Fall, als neben der Dolkswahl noch das Recht der Auflösung des Reichstags und das der Anrufung des Dolksentscheides stehen. Beide sind mit einer bedingungslosen Abhängigkeit vom Reichstage nicht zu vereinigen.
Zu diesem Ergebnis führt bereits die Berücksichtigung des bloßen geschriebenen Rechts. Wer aber die Entwicklung unseres staatlichen Lebens « den Sahr^n seit der Revolution aufmerksam verfolgt hat, weih, daß dieses geschriebene Recht tiefgreifenden Wandlungen schon jetzt unterworfen worden, ist (Dgl. darüber meine „Weimarer Verfassung in Lehre und Wirklichkeit", München 1924 und „Reichs- Verfassung und Staatspraxis" in Zeitschr. f. Politik 1925 111). Das Leben und seine Rotwendigkeiten haben sich als stärker erwiesen, denn der Buchstabe, der der deutschen Wirklichkeit nicht gerecht zu werden vermochte. '
Der Parlamentarismus ist eine Frucht der englischen Entwicklung. Er ist aus dem Zweiparteiensystem geboren und kann nur unter seiner Herrschaft gedeihen. Seine Voraussetzung ist das Vorhandensein einer unzweifelhaften, festgefügten Mehrheit. ' Schon wenn diese mit Hilfe einer Koalition geschaffen werden muh, gerät der Dau ins Wanken. Vollends muh er zusammenbrechen, wenn die Parteiverhültnisse so beschaffen sind, wie in Deutschland, wo eine die Mehrheit besitzende Koalition nur unter schweren programmatischen Opfern der beteiligten Parteien gebildet werden kann, unter Opfern, die praktisch immer wieder zu Reibungen und Schwierigkeiten führen müssen, ja, wo häufig genug eine Mehrheitsbildung sich überhaupt als unmöglich erweist. Hat es doch seit dem Zusammentritt des ersten Reichstages im Sunt 1920 nur zwei Mehrheitskabinette (Stresemann und Luther) gegeben.
Unter diesen Umständen ist der Reichstag nie in der Lage gewesen, die chm von der Verfassung übertragene Fülle von Rechten auszunuhen. Schwach und Innerlich zerrissen muhte er aus der Hand in den Mund leben und sich mit kleiner AlltagSarbeit begnügen. Die grohen Richtlinien der Politik bestimmte nicht er, sie wurden von anderen Faktoren gewiesen. Auf wirtschaftlichem Gebiet waren es die Gewerkschaften einerseits, die großen Wirtschaftsverbände andererseits, die die 2Ikacht an sich' gerissen hatten. Die politische Wacht aber übten der Reichspräsident und die Regierung aus. Gestützt auf sein Recht, den Reichstag aufzulösen, gestützt auf seine Partei, deren Stellungnahme ausschlaggebend war, gleichviel ob sie an der Regierung teilnahm oder nicht, gestützt auf den Art. 48, gestützt endlich auf feine Befugnis, Kanzler und Minister zu ernennen, eine Befugnis, die rein formal gedacht war, der aber die Uneinigkeit des Reichstages materiellen Snbalt verlieh — vermochte der Reichspräsident Ebert einen Einfluß auf die Staatsgeschäfte zu gewinnen, ivie er größer kaum gedacht werden kann. Man räumte ihm, anfangs vielleicht in unbewußter Erinnerung an die kaiserliche Zeit, den Vorsitz im Ministerrat ein, Kanzler und Minister erschienen, bei ihm zum Vortrag, holten sich von ihm die Parole des Tages. Während der 23er» Handlungen über das Dawes-Abkommen schrieben ihm die Regierungsvertreter das Recht zu, Verträge mit ausländischen Staaten von sich aus abzufchliehen und das Reich zwar nicht staatsrechtlich, wohl aber völker-
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Jedes Volk hat eine instinktive Treffsicherheit in der Wahl seiner Helden, wobei ihm mehr noch als geschichtliche Großtaten Charakter- und Seelenstärke maßgebend sind. Der Sieger von Tannenberg, der wie ein Symbol deutscher Größe aus gewaltigen Tagen in die Gegenwart hineinragt, ist nicht nur durch seine unsterblichen Leistungen im Weltkriege zum volkstümlichsten Deutschen geworden, sondern ebensosehr durch die hoheitsvolle Würde und die schlichte Gediegenheit seiner Persönlichkeit, in deren Züge Weisheit, Güte und Sorgen um das Vaterland ihre! Linien gezogen haben und in denen sich bestes deutsches Wesen verkörpert. Hindenburg, dem Volks- heroS, schlagen am heutigen Tage, an dem er sein 78. Lebensjahr vollendet, die Herzen seines Volkes in Dankbarkeit und Liebe entgegen.
Kach den schweren Jahren des Krieges, in denen er das deutsche Volk in Waffen so oft zu strahlenden Siegen geführt hat, würde kein billig Denkender es ihm verargt haben, wenn er die Bürde seines Amtes niedergelegt hätte. Aber für den in der harten schule der Pflichterfüllung gestählten Feldherrn gab es kein bequemes Sichzurückziehen. Inmitten revolutionärer Wirren hielt er auf seinem Posten aus, um seinem Volk in den furchtbaren Stunden des Zusammenbruchs ein Vorbild mannhafter Vaterlandsliebe zu fein. Ihm war bewußt, allein noch die Autorität zu haben, um dem Chaos vorzubeugen. So ragte seine unantastbare Persönlichkeit in ruhiger Festigkeit über dem wüsten novemberlichen Treiben, für das die Faustworte gelten:
„Sie streiten sich, so heißt's, um Freiheitsrechte;
Genau beseh'n, sind's Knechte gegen Knechte."
Als nach Jahren wachsender Konsolidierung der Reichsblock vor der Aufgabe stand, einen Kandidaten für das Amt oes Reichspräsidenten aufzustellen, der eine überparteiliche Führung der Geschäfte und einq politische Entwicklung garantiert, die uns aus dem Uebermaß unseres parteipolitischen Betriebes herauszuheben vermöchte, fiel die Wahl schließlich mit zwingender Notwendigkeit auf Hindenburg. Und wieder war dem Feldmarschall der Gedanke an eine Flucht aus der Verantwortung fremd, als der Ruf des Vaterlandes in die Behaglichkeit und den Frieden seines Heims nach Hannover drang. Nicht Ehrgeiz und Machthunger haben ihn geleitet, sondern das ihn auS- zeichnende tiefe Pflichtgefühl, dem er bei Antritt seines hohen ÄmkeS ergreifenden .Ausdruck in jenen schlichten Kundgebungen verliehen hat, die in ihrem persönlichen Stil so wohltuend abstechen gegen das hohle Pathos politischer Routiniers.
Die Wahl Hindenburgs war ein Bekenntnis unseres Volkes zu deutschem Wesen und deutscher Geschichte, eine Tat nationaler Selbstachtung und bereits erste Erfüllung der Programmworte Hindenburgs: „Durch Selbstachtung zur Achtung der Welt.' . v
Hindenburg will nicht einer Partei oder Parteigruppe angehören, sondern dem ganzen deutschen Volke: „Das Reichsoberhaupt verkörpert den Einheitswillen der Nation.' Ihm kommt es dabei nicht auf__bie Form, sondern auf den Geist an, im Sinne jenes fruchtbaren Staatsgedankens, den Paul de Lagarde einmal treffend so formulierte: „Bei Staaten wie bei Körpern gilt es nicht, den augenblicklichen Zustand zu konservieren, sondern die Fähigkeit, zu leben, die Kräfte, die diesem Zweck dienen." Nach einem Sieg des parteipolitischen Kandidaten des Volksblocks wäre Deutschland auf lange Zeit hinaus in zwei feindliche Teile gespalten geblieben. Hindenburg hat an Stelle einseitiger Parteipolitik den Geist wahrer Volksgemeinschaft verkündet, weshalb seine Wahl gerade von denen so erbittert bekämpft wurde, denen nichts widerwilliger ist als nationaler Ausgleich und innere Versöhnung. Unter dem Deckmantel geheuchelter Verehrung und angeblicher Sorge um den Feldmar)chall hatte man das deuyche Volk von seiner Wahl abzuschrecken versucht. Aber das für diesen Zweck erfundene Märchen von dem hilflosen Greis ist inzwischen völlig verstummt. Reichspräsident Hindenburg steht nicht nur vor den. Augen seines Volkes, sondern vor der gan-
Weimarer Verfassung herbeiführen zu wollen, so war seine Wahl gleichwohl ein bedeutungsvoller Wechsel. Das parteipolitische .System der Verhältnis- und Listenwahl har den Einfluß der Persönlichkeit nur zu sehr zurücktreten lassen, das polte* tische Leben schablonisiert. Hindenburg? Wahl bedeutete den Sieg der Persönlichkeit über die Zahl, des Staatsgedankens über die Parteipolitik.
Je weniger es uns Deutschen möglich ist, auf dem Wege staatlicher Machtpolitik unser Haus 'auszubauen, desto mehr müssen wir es durch nationale Geschlossenheit im Inneren festigen. Hierbei ist uns Hindenvurg Helfer und Führer zugleich. Sein Beispiel selbstloser yingabe an das Vaterland macht schlummernde nationale Kräfte lebendig, und er lehrt uns, daß auch Lin besiegter Staat Würde haben kann.
Das Gedächtnis seiner großen Geschichte ist die beste Kraftquelle eines Volkes. Wer vermöchte so wie der mit seiner .Persönlichkeit und seiner Leistung fest im Alten wurzelnde Feldmarschall versöhnend die Brücke zum Neuen herüberzuschlagen, das haltlos ist ohne die lebendige Verbindung mit unserer großen nationalen Vergangenheit: Hindenburg bleibt uns der getreue Eckart, *der uns in düsterer Gegenwart den Glauben an eine bessere Zukunst nicht verlieren läßt.
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