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Eigene Funkmeldung.
ft. Paris. 1. Okt. Der „Daily Mail" wird aus Washington gemeldet, das Abkommen über die französischen Schulden sei im Verlauf der Rachmittags- fitzung der llnterkommission so gut wie zu einem Abschluß gelangt. Es sei nur noch von der Bollkonferenz, die heute Vormittag 10 Uhr stattfindet, zu ratifizieren. Die Zahlungen erstrecken sich auf 48 Jahre.
Die letzten Vorschläge
Paris. 30. Sevt. Die Morgenpresse ist au« Grund der zuletzt eingelaufenen Nachrichten aus Washington über den Stand der 'Lchuldenverbandlungen viel optimistischer. 'Noch dem „Matin" werden die Amerikaner .Morgen folgende drei Vorschläge vorlegcn, die M der Schuldenkommission zur Verhandlung kommen:
1. alle Schulden Frankreichs an Amerika in eine gemeinsame Schuld zu vereinigen, dazu auch die fälligen und nicht bezahlten Zinsen, die um den Betrag von 200 Millionen vermindert werden,
2. von Frankreich zu verlangen, datz es di« Hauptschuld im Betrage von 4 Milliarden 2501 Millionen Dollar durch Amortisierung tat Laufe von 62 Jahren bezahlen soll, ;
L dah Frankreick die Zinsen auf Grund einer anderen Berechnung, die noch nicht feftsteht, abzahlen soll.
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Sir Mite AarokkovsseiM
Der Beginn der gemeinsamen Offensive beschlossen.
Madrid, 30. Sept. Auf Grund der Fühlungnahme mit dem französischen Truppen- kommando soll die gemeinsame Offensive sofort beginnen. Da sich das Wetter in der Meerenge von Gibraltar gebessert bat, wird Las sofortige Einsetzen des Sturmes auf Aidir erwartet. Die in den eroberten Stellungen der Kabylen erbeutete« Waffen waren französischen Ursprungs.
fk. Paris, 1. Okt. Nach dem „Jour, n a l" haben die französischen Truppen die Höhen von Buid-ar und Taramara erreicht, die die Alhucemabucht beherrschen. Während dem Vorgehen der spanischen Truppen haben die Kreuzer „Pari s" und „M e t)“ die Küste zwischen Alhucemas und Melilla beschossen.
Ter amtliche fiatzösische Marokko-Bericht.
P g t i § , 30. Sept. Der amtliche Bericht meldet, daß auf der ganzen Front Nutze herrscht. Die große Offensive steht aber bevor. Die Spanier haben in den letzten Tagen beträchtliche Fortschritte gemacht und sich mit Erfolg an Ajdir herangearbeitet. Die Einnahme dieser Stadt ist bisher noch nicht erfolgt, doch scheint dies nur noch eine Frage von Stunden zu sein. Der spanische Generalstab beabsichtigt jetzt «ine große Aktion gegen den Abschnttt von Melilla, wo eine Reihe von aufrührerischen Stämmen zur Unterwerfung gezwungen werden soll. Der erfolgreiche Ausgang der geplanten Kampfhandlungen soll dazu führen, daß die spanisch-französischen Truppen in dem östlichen Frontabschnitt stärker als bisher in Fühlung treten. Der gemischte spanisch-französische Generalstab beabsichtigt für die Folge auch größere Kavallerieabteilungen an der Front einzusetzen. Es verlautet, daß das französische Riesenflugzeug, das bei Mechkrella abWrzte, von den Rifleuten erbeutet und dtzr. Flieger in Gefangenschaft geraten ist.
Sueida wieder genommen?
Paris, 30. Sept. „Echo de Paris" zieht an» der Mitteilung Sarrails, General Samelin habe fich auf Mesfifrey zurückgezogen, dir Folgerung, dah die Kolonne Samelin 36 Stunden nach dem Entsatz Sueida wieder verlassen mußte und dah das Siegesbulletin de» Generals Sarrail verfrüht war.
Tschitscherin in Berlin
Dir ssoniMM in ßotatno
3n einem Augenblick hochgradiger politischer Spannungen ist der russische Außenminister in der deutschen Reichshauptstadt eingetroffen, und man kann sich ungefähr vorstellen. mit weichem Gesichte der noch aus der alten russischen Schule stammende Diplomat die verschiedenen Wirrungen und „Zwischenfälle" dieser Tage betrachtet. Sie sachliche Absage, die in den Antworten Englands und Frankreichs aus die deutschen Vorbehalte hinsichtlich der Kriegsschuld- und Däumungs- srage liegt, wird Tschitscherin sicherlich mit einer gewissen inneren Befriedigung ausgenommen haben. Ist doch der Hauptzweck seiner Berliner Reise mit dem demonstrativen Zwischenbesuch in Berlin der, Deutschland im letzten Augenblick vor einem politischen Kartell zu warnen. In der Wilhelmstrahe wird man "Herrn Tschitscherin in aller Ehrlichkeit und mit bestem Gewissen versichern können, daß Deutschland tatsächlich nichts ferner liegt, als der Eintritt in eine ruhlandfeindliche Mächtekoalition. Sind doch die deutschen Bemühungen in der Paktfcage vor allem darauf gerichtet, jede aus dem Eintritt in den Bölkerbund sich ergebende militärische Bindung gegen Rußland zu vermeiden. Um die Herstellung eines erträglichen politischen GleichgewichtSzustanbes im Westen dient doch in erster Linie dazu, um nach Osten hin einigermaßen freie Hand zu gewinnen. Trotz aller Freundschaftsversicherungen in Warschau dürste auch Herr Tsitscherin innerlich davon überzeugt sein, daß zwischen Rußland und Deutschland außenpolitisch keinerlei Gegensätze bestehen, daß wirtschaftspolitisch in nächster Zeit die Beziehungen voraussichtlich noch günstiger gestaltet werden, und dah auf der anderen Seite Polen weder Rußlands noch Deutschlands Freund sein kann. Ein Blick auf die Landkarte, wie sie in der Rachkriegszeit gestaltet worden ist, dürfte in der Beziehung genügen.
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Der russische Aubenminister in Berlin.
Berlin, 30. Sept Heute vormittag ist der russische Bolkskommisiar für Auswärtiges, Tschitscherin, auf dem Schlesischen Bahnhof eingetroffen. Zu seiner Begrühung hatten fich der russische Botschafter Erczeszinsky und als Vertreter der Reichsregiernng Staatssekretär v. Schubert eingefunden.
Tschitscherin bei Stresemann.
Eigene Funkmeldung.
, Der gestern in Berlin eingetroffene russische Auhenkommisfar Tschitscherin falte, nachdem er seine Karte beim Reichskanzler Dr. Luther abgegeben hatte, abends mit dem russischen Botschafter in Berlin Krestinski einer Einladung zum Abendesien bei« Reichsautzenminister Stresemann, an der Beamte des Auswärtige« Amts, Diplomaten, Politiker und Wirtschaftler teilnahmen.
PreffestiMrnenzudem„Zwischenfall"
Der „Figaro" schreibt, Reichsaußen- minister Dr. stresemann habe sich eine sehr schlechte Sache aufgehalst. Er habe sich aber geschickt genug gehalten, um alles ansoleichen zu können. Dadurch, daß er vorbehaltlos die Einladung für Loearno angenommen habe, sei er den Motiven seiner eignen Politik befolgt, dadurch, daß er jedoch mündliche Bemerkungen durch die deutschen Botschafter in London und Paris habe machen lassen, habe er geglaubt, die Opposition der Deutschnativnalen entwaffnen zu können. Zu viel Geschicklichkeit habe er gezeigt. Jetzt werde er von aller Welt angegriffen. Die deutschen Sozialdemokraten hätten die Vorbedingungen für gefährlich gehalten, die Demokraten für unnötig und die Rationalisten für ungenügend. Nach Ansicht der Deutschen hätte die Konferenz von Locarno den Anschein eines sorgfältig vorbereiteten Prozesses annehmen sollen, der mehr oder weniger heimtückisch gegen den Vertrag von Versailles geführt werden soll. Ein neuer Vertrag, dessen Vorwort das Londoner Abkommen sei, hätte den deutschen Nationalisten Vorteile garan
tieren sollen, aber die Entschlossenheit Bri- ands und Chamberlains hätten auch diesmal diese pazifistische Offensive zunichte gemacht. Dr. Stresemann werde den Rückzug antreten müssen.
Der Sonderberichterstatter des „Matin" in Berlin glaubt, nicht um über die Verantwortlichkeit am Kriege zu diskutieren, begebe man sich nach Locarno, sondern um einen Sicherheitspakt und SchiedsgerichtS- verträgc abzuschließen.
„Homme L i b r e" fragt, ob der Zwischenfall nunmehr erledigt sei. Wenn die deutsche Regierung auf die Note Briands antworten werde, dann würden die Verhandlungen ausgenommen werden teib zweifelsohne die Gesamtverhandlungen stören, wenn Dagegen das Reich schweige, werde man den Zwischenfall als erledigt ansehen.
Deutschnationale und Paktverhandlungen.
Berlin. 30. Sept. (TR.) Der deutsch- nationale Parteiführer. Graf Westarp nimmt heute abend in Der „Kreuzzei - t u'n g“ in einem ausführlichen Artikel zu dem Thema „Bölkerbund und Sicherheitspakt" Stellung. Einleitend bemerkt er, daß Deutschlands Kamps gegen die Schuldlüge mit dem nun endlich vollzogenen amtlichen Widerruf nicht beendet sei. Run gelte es erst recht, die Wahrheit mit immer neuem Material zu bekräftigen und für sie in der Welt zu werben. Es bleibe die Aufgabe, zu erreichen, daß die Gegenseite auf diese Beschuldigung Verzichts . Die,. .Iorder-mg- einer. neutralen Untersuchung müsse daher Vorbehalten bleiben. Hinsichtlich des Programmes für die bevorstehende Ministerbelprechung und ihren Charakter bemerkt Graf Westarp u. a.: Der vorläufige Charakter der Besprechung müsse besonders deshalb gewahrt werden, weil nach deutscher Aufsassung vor Eintritt in die endgültige Konferenz noch bestimmte Bor« leiftungen erfüllt sein müssen. Gras Westarp begrüßt die amtliche Mitteilung, daß deutscherseits Der Abschluß Der Verträge nid) in Frage kommen kann, bevor nicht Die unberechtigten Forderungen Der Entwaffnungsnote gelassen seien und Die Kölner Zone geräumt sei. Treff« Dies aber zu, so werde auch die Einladung zur endgültigen Konferenz von Deutschland nicht angenommen werden können, bevor nicht Die Erfüllung Dieser Forderung gesichert sei. Ferner müsse auch die Revision des Besatzungsregimes vor Eintritt in eine Konferenz gesichert fein. Was den Eintritt Deutschlands in Den Bölkerbund an langt, so fordert Gras Westarp, daß der Artikel 16 seinem ganzen Inhalt nach durch rechtlich bindende Abmachungen für Deutschland außer Kraft gesetzt wird. Ebenso bedeutsam sei der Grundsatz, dah weder der Eintritt in den Bölkerbund, noch der Abschluß von Sicherheits- und Schieds- Verträgen einen freiwilligen Berzicht auf deutsches Land und Dtzlk bedeuten dürfen. Schon bei der Ministerbesprechung dürfe kein Zweifel darüber gelassen werden, daß nur auf dieser Grundlage weiterverhandelt werden kann.
Die Antwort Belgiens
B r L s s e l, SV. Sept. (WTB.) Die „Ag. Beige" meldet: I« Beantwortung der MitteUung des deutschen Gesandten erklärte der belgische Autzenminifter, die belgische Regierung sei glücklich, die Rote zu erhalten, nach der die Reichsregierung die Einladung zu der Sicherheitskonferenz annimmt, di« am 5. Oktober in Locarno ftattfinden soll, und stellt mit Genugtuung fest, datz die Rote keinen Vorbehalt enthält. Was die Erklärungen anbetreff«, die bei der Ueber« reichung der Rote abgegeben wurde«, ohne jedoch Bedingungen für die Annahme Deutschlands zu sein, so erkläre die belgische Regierung, datz in der Frage der Räumung der Kölner Zone und der Entwaffnung Deutschland» es von der deutschen Regierung selbst abhänge, die Lösung durch die Erfüllung der Verpflichtungen zu beschleunigen, an die die Rote vom 4.6.25 erinnerte. Die Frage der Kriegsverantwortlichkeit Deutschlands sei durch den Plan eines Sicherheitspaktes nicht aufgeworfen, und im übrigen sei sie, was Belgien betreffe, nicht durch den Versailler Vertrag, sondern auch durch die Erklärungen de» Reichskanz,
lers v. Bethmann-Hollweg im Reichstag am 4. August und 1. September 1914 geregelt.
Die Antwort Italiens
Rom, 30. Sept. (WTB.) Wie Stefani meldet, wurde die italienische Regierung, die zugleich mit den übrigen Alliierten die Mitteilung von der deutschen Rote Aber die Teilnahme an der Sicherheitspaltkonferenz und von den diesbezüglichen mündlichen Erklärungen erhielt, über den Meinungsaustausch zwischen den alliierten Regierungen über die Schuld zu erteilende Antwort unterrichtet. Da der Sicherheitspakt auf der vollkommenen Achtung vor den Verträgen begründet sein soll, ist ee nicht möglich, die durch die Erklärungen Deutschlands angeregten Fragen in Erwägung zu ziehen. Die Mitteilung, die die italienische Regierung an die deutsche Regierung gerichtet hat, ist in diesem Sinne abgefaht.
Die Abreise der englischen Delegation.
Pari», 30. Sept. Wie aus London gemeldet wird, tritt die englische Delegation unter Führung Chamberlain» am Sonnabend vormittag die Reise nach Locarno an. *
Der ungeeignete Kenterenzerl
Locarno, 30. Sept. (TU.) Locarno ist mit Rücksicht auf Mussolini zum Konferenzort auSersehen, Der wahrscheinlich m einem späteren Stadium der Beratungen einfreffen wird. Wer Locarno kennt, wird darüber den Kops schütteln. Ein Mechaniker, der tm Postamt die neuen Leitungen anbaut, sagte unserem Pe- richterstatter: Ist es nicht ein Wal/nnun, eine Weltkonferenz in einem Fischerdorf abzu halten, tmS keine 5000 Menschen zählt. Der Mann hat recht. Locarckv muß tatsächlich als der ungeeignetste Ort bezeichnet werden. Die wenigen Hotels, durchschnittlich Häuser zweiter Güte, sind für einen Massenbetneb, wie ihn eine so wichtige Konferenz mit sich bringt, in keiner Weise. eingerichtet. Sie umfassen rund 1000 Betten, von denen der größte Teil bereits am Dienstag besetzt war, als die Wahl deS Konserenzortes seststand. Das Palace-Ho« t e l, wo die Alliierten hausen, ist bereits bi- unter das Dach besetzt. Die Delegationen sind zum Teil sehr stark, so z. B. die englische 50 Mann, während die. Franzosen angeblich nut mit 17 Mann hoch erscheinen. Das Hotel umfaßt zwei große Säle, in denen vermutlich die Beratungen stattsinden werden, außerdem bat die Stadtverwaltung einen Saal zur Verfügung gestellt. Die deutsche Delegation wird in dem modernen Hotel Esplanade untergebracht, das aber 1 Stunde zu Fuß von Locarno in Minus» liegt. Dr. Luther unb Dr. Stresemann werden in der 4. Etage wohnen, die einen herrlichen Blick auf See und Gebirge gewährt. Man ist hierbei 'dem Wunsch« Stresemanns gefolgt, der sich in den unteren Etagen in allzu bedrohlicher Nähe der anderen Hotelgäste, namentlich der Presse glaubte.
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Freiburg, 30. Sept. Die Staatsanwaltschaft Freiburg teilt mit: Nachdem der durch Urteil des Schöffengerichts Freiburg zu der bekannten Strafe von 50tf0 Mark, von der aber 2600 Mark durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten, verurteilte französische Flieger Coite die Erklärung abgegeben hat, datz er sich, falls er aus der Haft entlassen werde, alle Mühe geben werde, die Reststrafe durch Vermittlung seiner Sirmr Brequest oder ans eignen Mitteln zu bezahlen andernfalls unter Bescheinigung seiner heimatlichen Behörde über die Unmöglichkeit, die Strafe aufzubringen, um gnadenweisen Nachlah bitten wird, hat der Staatsanwalt seine Haftentlassung verfügt.
Wie wir weiter erfahren, ist heut« nachmittag Coste von dem Staatsanwalt Ob- kircher benachrichtigt worden. Coste wird noch heute die Heimreise antreten.
Ausbreitung der Cholera auf den Philippinen.
Newvvrk, 30. Sept Wie au» Manilla gemeldet wird, breitet fich die Cholera auf den Philippinen weiter an». In den letzten zwei Tagen sind elf Todesfälle und 16 neue Cholerafälle amtlich bekannt gegeben worden. Bon der Cholera ist auch die Hauptstadt der Philippinen betroffen, wo bereits 3 Todesfälle und 100 Erkrankungen »ec* gekommen find.
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