Sekte 8
vb-rhessische Zeitung, Marburg a. L.
^berhrssische Zeitung, Marburg a. L.
Nr. 226
Dr. von
Briefkasten der Schriftleitung.
ES
sie keinen Nachteil erleiden wollen.
enstssssamrae
gebot wenn
Hans Luther, der heute des Deutschen Reiches Kanzler ist, sinnt, scheint es, auf andere Verwendung der von Wassermann errechneten Rie-
M. in H. Erst nach Abschluß des Strafverfahrens kann ein Gnadengesuch wegen Erlaß oder Ermäßigung der Strafe eingereicht werden. Das Gesuch ist an den „Herrn vreußi. scheu Justizminister', Berlin W-, Wilhelm- straße 65, zu richten.
An unsere Agenturen!
Die Bestellkarte, mit Angabe wieviel Zel» tungen für Monat Oktober benötigt werden, bitten wir bis Montag einzusenden, damit keine Unterbrechung in der Lieferung geschieht.
Verlag der..Oberhesstschen Zeitung." ,
die Verkäufer zur Verantwortung gezogen werden. In einem Falle ist dies auch versucht worden, doch hat der Händler nachgewiesen, daß er das Pflanzgut als seuchenfrei angeboten hat, d. h- die Saatknollen, die er verkauft bat, sind gesund gewesen. Seuchenfest beißt, daß auch die Frucht frei von Krebs ist. Die Bezieher von Saatgut müssen also beim An- des Kartoffelhändlers gut aufmerken,
, Kmiit und WisstMaft
Malariakongretz. Der erste internationale Malariakongretz findet vom 4 bis 6. Oktober 1925 in Rom unter Vorsitz von E. Marchiafava statt. Kongreßbüro: Rom 14, Via XXIV Maggio. Vorträge werden halten: Hackett USA., und Sella, Italien, Anopheles und Malaria; Marchoux, Frankreich: Biologie der Parasiten; James, England, Dale, England, Kaufmann. Schweiz, Ascoli, Italien: Die Alkaloide des Chinins
senbeträge in der öffentlichen Hand . . . viel- leicht, wenn's nicht mehr sein wird! Die Reichsbahn rechnet zum Beispiel bloß neun- hundert Millionen Iahresüberschutz heraus. Na ja das werden Wohl auch ein bißchen mehr sein. Denn dies Beförderungsmittel hat sich so ziemlich „bewährt". Weiß man s denltt man daran, daß jetzt gerade hundert Jahre sich runden wollen,- seit jenen Tagen, die den ersten praktischen Versuch mit Stephenstns Erfindung sahen? Auf der Stockton-Darlmgton. Bahn -rollte am 27. September 1825 das erste mit Menschen besetzte Züglein vorsichtig auf Eisenschienen — mit zehn Kilometer Stunden, geschwindigkeit — durch die verblüffte Land-
gen der Pscisc einen feierlichen Umgang durch den Saal machte, wozu manchmal auch hübsche alte Tanzlieder angestimmt wurden. Aber was eigentlich gemeint ist, tvird man erst im nächsten Winter verstehen, wenn über die „allerneusten" Modetänze von den Sachverständigen und Kompetenten entschieden ist. Und rote die Tänze heißen werden? Bin ich em Seher? Habe ich die Talente des Kalchas? Vielleicht kommt man — nach den Vorbildern von Cowboys und Känguruhs, die man talentvoll benutzte, — mal auf die alten Bauerntänze zurück, die — nach Max Bauers Aufzählung — so hübsche Namen hatten, wie: Köwenanz, Sularoranz, Hoppaldei, Heierlcr, Folafrantz, Ahsel, Houbct- schoten, Troialdri. Firgamdray, Wanakdei, Trei- ros, Mürmum, Bozalt, Gimpelgampel, Drau- raran, Krumme Reicn, Adelswanck, Schwingewurz, Trümmekentanz..." Oder aber man besinnt sich auf die Tänze des 16. Jahrhunderts, die der hochgclahrte, markgräflich badische Rat und Obervogt zu Pforzheim, Johann von Münster, in seinem gottseligen Trac- tat vom ungottseligen Tanz also schilderte: „Die deutsche allgemeine Tanzform besteht hic- rinnen, daß, nachdem bei den Pfeiffern und Spielleuten der Tanz zuvor bestellt ist, der Tänzer aufs zierlichste, höflichste, prächtigste, hoffärtigste und aus allen allda gegenwärtigen Jungfrauen und Frauen eine Tänzerin, zu welcher er eine besondere Affektion trägt, jene erwähle. Dieselbe mit Reverentz, als mit Abnehmen des Hutes, Küssen der Hände, Kniebeugen, freundlichen Worten und anderen Cere- monien bittet, daß sie mit ihm einen lustigen, fröhlichen und ehllichen Tanz halten wolle.. . Wenn aber die Person bewilligt hat, den Tanz mit dem Tänzer zu halten, treten sie beide herfür, geben einander die Hände unb umfangen und küssen sich nach Gelegenheit des Landes, auch wol recht auf den Mund, und erzeigen sich sonst mit Worten unb Geberden die Freundschaft, die He vor langer und kurzer Zeit gcwünscht haben, einander zu erzeigen. Danach, wenn es zum Tanz selbst gekommen ist, halten sie erstlich den Vortanz, derselbe geht etwan mit ziemlicher Gravität ab ... Diesem Bortanz folgte dann ein Nachtanz, in dem es nach des einwandfreien Chronisten Meldung so zuging: „Wenn aber dec Tanz zu Ende
X Der Privatdozent für römisches und deut- sches Recht an der Heidelberger Univer- sität Dr. jur. Hans Erich Kaden (gebürtig aus Hochheim a. M.) ist zum auhLrordentlichen Professor für deutsches Zivilrecht an die Universität Genf berufen worden. — Zwei neue Privatdozenten wurden an der Universität Tübingen zugelassen: In der philosophi- schen Fakultät der Oberst a. D. Dr. von M a n g o l d t - G a u di tz für das Fach der Kriegsgeschichte und in der natürwissenschaft- lichen Fakultät Dr. rer. nat. Hans Karl R e i - nerth für das Fach der Urgeschichte des
Stitoontoplimg und Darmträgheit sind oft die Ursachen mannigfacher Beschwerden, die sich in ernsthaften Störungen des körperlichen und geistigen Wohlbefindens äußern können. Deshalb nehme man Darmträgheit durchaus nicht leicht! Der Darm mutz unbedingt regelmäßig arbeiten! Versagt er, so gebraucht man das seit 50 Jahren beliebte Saus- mittel: die echten Apotheker Rich. Brandts Schweizervillen, Schachtel Rm. 2.— in jeder Apotheke.
Extr Sei. pal. 1.5. Extr. Achill. mosch. — Aloe». — Absynth ä» l.o, Extr. Trif. — Gent, äa 0.5 Pulv. rad Gent — Trif.
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gelaufen ist, bringt der Tänzer die Tänzerin wieder an ihren Ort, da er sie hergenommen hat, mit voriger Reverentz, nimmt Urlaub und bleibet wohl auch auf ihrem Schoß sitzen und redet mit ihr, darzu er durch den Tanz sehr gute und keine bessere Gelegenheit hat finden mögen"... Könnte, nicht mal etwas dafür getan werden, daß wir — anstatt an Cowboys und Kängurubs und Nigger — mal wieder an unsre eigne Vergangenheit anknüpsten? Nicht gerade an die späteren Ausschreitungen, die — offenbar durch ein Mißverständnis oder einen Druckfehler vom Nach-tanz zum Nackt-tanz geführt hoben; sondern wieder zu den schönen und vornehmen Schreittänzen. Auf dem deutschen Bankierstag, auf dem immerhin sechs Milliarden tn Form von prominenten Bank- gewaltigen zusammenkamen und berieten, hat ein gewiß als Sachverständiger anzusehender Mann, der Direktor Oskar Wassermann von der Deutschen Bank in seinem Referat wörtlich gesagt: „Es haben sich in öffentlicher Hand Riesenbeträge angesammelt und trotz aller Voraussagen, vielleicht auch aller wirklichen Befürchtungen der Nnan,Minister werden die Beträge weitersteigen. Man klagt über diese unzweckmäßige Verwendung dieser Gelder m öffentlicher Hand. Die Klagen sind berechtigt .. Na also, wenn die „öffentliche Hand" diese Gelder wirllich — Herr Wassermann bezweifelt dos übrigens — der Wirtschaft wieder zuleiten will, so kann sie ja für einen bescheidenen Teil des Drittels vom jetzigen Gesamtvermögen, das — immer nach dem Referat des Herrn Direktor Wassermann — für Steuern vom Volke aufgebracht werden muß, hübsche Preise für neue Tänze, für die flottesten Tanzvaarc I oder für ein gewiß mit Jubel begrüßtes Sechs- tage-Tanzen stiften. Aber Sie werden sehen I — das wird die össtntliche Hand nicht machen. I Der Doktor Martin Luther hat zwar ganz richtig gemeint: . . Daß aber Sünde da ge- I schehen, ist des Tanzes Schuld allein nicht, > sintemal auch über Tifch vFd in der Kirche der- I gleichen geschehen. Gleichwie es nicht des Es- I sens und Trinkens Schuld ist, daß etliche zu I Säuen darüber werden . . .“ Aber der Dr. I
Nie englische Politik nm Bombend und am Anfang des Mrtkrieges im Urteil eines Franzosen
Ein Beitrag zur Frage der belgische» Neutralität.
' Von Dr. Edzard Friese.
Ende 1924 ist in Paris als Nr. 51 der von den „Editions de la nouvelle Revue Krancaise" herausgegebene „Ducuments hleus" ein Buch „La tiietoire" von Fabre Luce erschienen, das in zwei Hauptteile .erfüllt. In dem ersten Hauptteil wird die Frage erörtert, wie der Krieg entstand, per zweite handelt von dem verfehlten Frieden. Aus dem ersten Teil ist von besonderem Interesse der Abschnitt, in dem der Verfasier die Gründe für die Haltung Grehs darlegt, der zur Zeit der Inszenierung des Weltkriegs die auswärtige Politik Englands leitete. Diese Darlegungen werfen auch vor allem neues Licht auf die Frage der belgischen Neutralität, mit der England bekanntlich seinen Eintritt in den Krieg vor der Welt begründete.
Grey war sich von Anfang an darüber klar, daß England in die Krise mit hinein- aezogen werden würde, wenn der auf dem Balkan entstandene Konflikt sich verallgemeinern würde. Als dies geschehen war, ergabev sich nach Fabre Luce für Grey folgende Fragen: Soll die englische Intervention sofort erfolgen oder später, je nachdem auf welche L>eite sich das Kriegsglück wendet? Soll man von Anbeginn der Operationen Frankreich den Sieg sichern oder ■ ihm erst im Falle der Niederlage beistehen, oder aber nach einigen Monaten der Neutralität den erschöpften Gegnern den britischen Frieden auszwingen? Das ist das Problem, um das cs sich für die englische Politik handelte, und das ihre anfänglich schwankende Haltung erklärt, In seinen ersten diplomatischen Unterhaltungen spricht Grey nur von „einem Krieg der vieren", an dem England nicht beteiligt sein würde. Am 28. Juli äußerte der englische Botschafter in Paris dem dortigen österreichischen Botschafter gegenüber, daß England erst eingreifen werde, wenn Frankreich von Vernichtung bedryht werden würde. Aber vom 29. Juli ab stellte sich Grey klar und deutlich feindlich gegen Deutschland ein. Damals sagte er dem deutschen Botschafter, daß er nicht glauben dürfe, daß England in einem Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich beiseite bleiben werde, und er verweigert jetzt auf eine diesbezügliche Frage hin die Neutralität selbst für den Fall, daß Deutschland von jedem Angriff zur See absehe und die belgische Neutralität nicht verletze. Einige Tage später, am 3. August, wies er auf die Notwendigkeit britischer Einmischung hin, bevor er eine Nachricht über das deutsche Ultimatum erhalten hatte; er begründete diese Notwendigkeit mit der Schwierigkeit, das Gleichgewicht im Mittelmeer und in Europa nach einer französischen Niederlage wieder Herstellers zu können. . *
Diese Wandlung in der Haltung Greys war, wie Fabre Luce beiWrkt, durch den wachsenden Druck der französischen Regierung verursacht; zu ihr hatte vor allem auch ein Brief Poincares an den König Georg beigetragen. Ihr ist es auch zuzuschreiben, daß Grey schon am 2. August den englischen Beistand zur See im Falle eines deutschen Angriffs versprach. Und dieser Beistand zur See sollte, wie er in einer Rede im Unterhaus klar zu verstehen gab,
nur die erste Etappe zu einer weitgehenden I Einmischung bedeuten. „Diese Enticheidung I vom 2. August", erklärte seinerzeit Vivian: I int Prozeß Caillaux, „war noch keine Kriegs- I erklärung, jcbdtij die Annahme des Kne- I ges in- Abhängigkeit von einem Anlaß, der I sich bestimmt ereignen mutzte." Und Cam- I hon, der damalige französische Botschafter I in London, urteilte:' „Ich schätzte, daß die Partie nunmehr gewonnen und alles zu I Ende war. Ein großes Land führt den I Krieg nicht zur Hälfte. Von dem Augen- I blick an, wo es sich zum Kriege zur «ee entschließt, muß es ihn auch unweigerli^ I zu Lande führen." So war also nach Greh's, Biviani's und Cambon's eigenen I Worten der Eintritt Englands in den I Weltkrieg gegen Deutschland beschlossene I Sache, bevor von deutscher Seite die bei« I gische Neutralität verletzt war.
Aber Grey brauchte gegenüber dem eng- I lischen Volke einen Kriegsgrund, der auf I dieses überzeugend wirkte und durch den I der Beteiligung Englands am Kriege ein I moralisches Mäntelchen umgehängt wurde. I Diesen bot nun Grev die Frage der bel- I gischen Neutralität. Ihre Verletzung durch I Deutschland, die Grey als sicher voraussetzte, war der von Biviani erwähnte „Anlaß, der sich bestimmt ereignen mußte".
„So sucht denn Grey", heißt es bei Fabre Lucc, „vom 31. ab von den künftigen Kriegführenden eine Erklärung über die belgische Neutralität zu erlangen, die ausweichende Antwort Jagows, des deutschen Außenministers, welche die Vorbereitungen des englischen Generalstabs bestätigt, ist ein erster Trumpf in seinem Spiel. Er kann jetzt die drohende Verletzung in seine Berechnungen stellen und in seinen Reden mit ihr eine Wirkung erzielen. Während der folgenden Tage, in denen er unabhängig von dieser Frage seine Entscheidungen trifft, bemüht er sich, Zeit zu gewinnen, um den Augenblick abzuwarten, in dem er der englischen Einmischung diesen guten Vorwand unterschieben kann."
Am 4. August wurde dann diese belgische Neutralität der einzige Jnterventi- onsgrund. England scheute sich nicht, mit widerwärtiger Heuchelei der Welt wciszu- machen, daß es am Kriege allein teilnähme, um die verletzten Rechte eines kleinen Volkes zu schützen, trotzdem seine Regierung die Teilnahme am Krieg bereits fest beschlossen hatte, als die Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland noch gar nicht erfolgt war, wofür wir weiter oben unumstößliche Beweise vorgelcgt haben.
Unter dem Deckmantel der belgischen Neutralität verbarg England seinen eigentlichen Kriegsgrund, nämlich den Wunsch und das Bestreben, mit Ausnutzung der Macht- und Vernichtungspläne Frankreichs und Rußlands sich des ihm auf dem Weltmarkt immer gefährlicher werdenden lästigen Rivalen zu entledigen.
Die Verletzung der belgischen Neutralität, di« Grey am 31. Juli selbst zwar als wichtigen, aber nicht als entscheidenden Faktor bewertete, die. er durch einen Neutralitätsvertrag am 1. August weigerte, wurde, . wie Fabre Luce sich treffend ausdrückt, „der willkommene Anlaß zu einer Täuschung, um dem Volke die Nützlichkeit eines Krieges verständlich zu machen, den feine Regierenden als notwendig erachteten. Sie erschien als genügende Begründung für seine schon aus weniger guten Gründen beschlossene Aktion, ermöglichte die Heb er= führung eines politischen und wirtschaftlichen Gegensatzes auf das moralifche Gebiet und zog auf diese Weise die geistigen Kräfte mit in den Krieg hinein."
Boa Demam and Ma
Berlin, brite S.ptcmbcrwochc 1925.
„Das wichtigste ist jetzt", sagte jüngst ein Redner in Berlin, „daß tm Hinblick auf den Fremdenverkehr unb die Bedürfnisse der Zeit die Polizeistunde und das Tanzvcrbot aufgehoben werden..." Der gute Mann hat von den Wichtigkeiten des Tages und von den Bedürfnissen der Zeit so seine eigne vortreffliche Vorstellung. Und ein anderer, ebensogut über Wichtigkeiten und Bedürfnisse Orientierter äußerte vom Beifall begleitet in derselben Versammlung: „Die Begründung des Tanzverbotcs (das will sagen: des Verbotes am betten Tage und nachts nach ein Uhr noch in' össentlichen Lokalen zu tanzen...) ist jetzt hinfällig, denn ... Ja, richtig —
War das nicht, weil die Ruhr besetzt war, Die unterdrücktes Land bespült?
Und weil durch Tanzen leicht verletzt war Ein Herz, das mit Westfalen fühlt? War das nicht wegen der Franzosen Und unsrer Brüder stummer Not?
Daß man in dieser freudelosen
Und stummen Zeit den Tanz verbot!?
Verbot — natürlich nur am Tage Und allzuspät auch in der Nacht. Doch hat ein Tanz auch, ohne Frage, Zu andrer Zeit viel Spaß gemacht. Und alle, die sich herzlich lieben. Und die auch sonst von leichtem Sinn, Die konnten stöhlich Jimmy schieben Lechs Stunden — abends — immerhin.
Jedoch es schwur, wer so ergetzt war Und dennoch folgsam dem Beschluß: Daß er — nur weil die Ruhr besetzl war — Lo „mäßig" sei im Tauzgenuß.
Doch wenn berjyrinb zu unfern Segen Den deutschen Staub vom Schuh gekratzt. Dann werd' er erst die Beine regen, Und zeigen, wie man springt unb jazzt!
Natürlich sind nicht die schönen alten /Schreittänze gemeint, wie sie das frühe Mittelalter kannte unb übte. Jene Tänze, bei denen der Tänzer ein ober jroet Damen bei "bet Hand »ahm unb schleifenden Schrittes zu den Klän-
schaft . . .
Hundert Jahre sind es schon — Wahrheit, keine Anekdote! — Datz den braven Postillon Meuchlings, ach, der Dampf bedrohte. Datz der Mensch vom heim'schen Herd Flugs auf Schienen desertierte;
Daß auf Rädern ohne Pferd Man die Güter expedierte.
Hundert Jahre schon — ei, ei! Daß die Eisenrösser pfiffen;
Daß die holde Raserei Jählings alle Welt ergriffen; Daß die Länder, wie im Flug, Schwanden links und rechts den Gleisen, Und der Mensch nicht weit genug Konnte in die Ferien reifen.
Heute — hoch im Wolken-Kahn Fährt sich's gar so leicht und lecker. Und der trügen Eisenbahn Lacht der Mann im „Doppeldecker"! Wie er durch die Lüfte fleucht, Pfeilschnell über Seen und Länder, Während müd am Boden keucht Noch der kohlenschwere Tender . . .
Ach, ich möchte — im Vertrau'» — Wohl in weitern hundert Jahren Einmal noch hinunterschau'n, Wie wohl dann die Menschen fahren. Einmal schau'n noch, was man kann Neues wohl in solchen Dingen — Unb auf golbnem Sternchen bann Weiter „Halleluja" singen!
Diogenes.
Menschen.
Stundenplan des Frankfurter Rundfunksenders
Sonntag, 27. September.
8.00 Ubr: Morgenfeier. — 12.00 Uhr: Walzer u. Märsche. — 5.00 Ubr: Kinderstunde. — 6.30 Uhr: Lebenskunst. — 7.00 Uhr: B. Bauer- , bad)', der deutsche Erzähler. — 8.00 Uhr: Leo Sternberg liest aus eigenen Werken. — 8.30 Uhr: Sinfonickonzert (Beethoven).
Montag, 28. September.
11.55 Uhr: Zeit, Nachr. — 12.55 Uhr: Zeit. - 3.00 Uhr: Wirtfch.-Meld. — 4.00 Uhr: Wet- ter- u. Wirtsch.-Meld. — 4.20 Uhr: Nachrichten, Börse. — 4.30 Uhr: Die Over b. Woche. — 6.00 Ubr: Wirtsch.-Melb., Lesestunbe. — 6.30 Ubr: Bücherstunbe. — 7.00 Ubr: Wirisch.-Nachr., 33.: Berechn, f. Einvf.-Ger. — 7.30 Ubr: Vortrag: D. Preisabbau. — 8.00 Ubr: Englisch. — 10.00 Ubr: Neue Kammermusik. ____
So bestätigt auch "ber Franzose Fabre I Luce, baß die englische Regierung bet der Begründung des Eintritts Englands in den Weltkrieg echt englisch, d. h. mit vollendeter Heuchelei, Dorgegangen ist. j
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8eHen-«mi und gimbbatgebitit
Dillenburg, 24. Sept. Die Städte I Saiger, Herborn und Dillenburg sowie die Gemeinde Sechsbelden haben sich Motorfeuer- svritzen zügelest. _ ±
Niederfischbach, 24. Sevt. Gestern abend gegen 9 Ubr ertönte hier wieder das Feuerborn. Die Walzenmüble unb bas Ee- treibelager der Firma Martin Becker standen in hellen Flammen. Trotzdem die Feuerwehr schnell zur Stelle war, konnte von den grotzen Vorräten nur wenig gerettet werben. Die Mühle und das Lager brannten vollständig nieder. Wenn auch das Gebäude versichert ist, so entsteht der Firma immerhin ein empfindlicher Schaden. Die Ursache des Brandes scheint auf Kurzschluß zurückzuführen zu fein.
Grünberg, 23. Sevt. Nach einem Be- I schlutz des Kreisausschusses soll ber Stadt zum I Bau einer Landwirtschaftsschule ein Kredit von 20 000 M. zur Verfügung gestellt werden.
| Gelnhausen, 23. Sevt. Im Delirium I hat sich auf dem hiesigen Bahnhof ein Uhr- I macher von hier erschossen. Die Frau endete vor kurzer Zeit ebenfalls durch Selbstmord.
Bad Homburg v. d. H., 23. Septbr. Nach sechswöchentlicher Untersuchungshaft wurde der Händler Christian Wehrheim aus dem nahen Kirdorf wieder in Frei, heit gesetzt. Die Beschuldigungen gegen ihn, den Mord an dem Forstmeister Birkenauer aus Usingen begangen zu haben, konnten nicht aufrecht erhalten werden.
I Eine Witwe aus Kirdorf hatte den Mann als Täter angegeben. Bei der durch die Frankfurter Staatsanwaltschaft
I geführten Untersuchung gegen Wehrheim haben sich aber die Aussagen der Frau als unrichtig erwiesep. Wie aus den Arbeitspapieren hervorgeht, befand sich Wehrheim zur Zeit des Mordes — am 31. Oktober 1917 — in einer Höchster Rüstungswerk- stätte im Militärdienst, war also mehr als sechs Wegstunden vom Tatort entfernt.
I S ie g e n , 24. Sept. Auf vielen Feldern hat I sich dieses Jahr wieder der Kartoffelkrebs eingestellt, trotzdem die Besitzer angeben, scuchen-
I festes Pflanzgut verwandt zu haben. Wenn I die Kartoffeln im Frühjahr als seuchenfest I verkauft worden und jetzt krebsig sind, können
unb die Therapie ber Malaria; Sergent, Frankreich, Äligler, Palästina, Gosiio, Italien, Barber, USA.: Epidemiologische Fakta- ren unb Antimalariamittel; Lasnct, Frankreich: Propaganda, Statistik; Auguste Marie, Frankreich: Impffieber. Zugelafsen sind alle Mediziner. Offizielle Kongreßsprachen sind Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch. * '
MWiMrübten