Einzelbild herunterladen
 

B. Skplbr. 1925

^Sberhefstsch« Zeitung" tt- -Xflnt sechsmal wöchentlich. Be- .^preis monatlich 2 GM. aas- Meßl. Zustellungsgebühr, durch biePost2-2S GM.Mtr etwa infolge Lrrelks, Waschinendefekte »der elementarer Ereignisse ausfallend« Kummern wird kein Ersatz ge- leistet. Verlag v. Dr. §. Hitzervth, Druck der Unib.-Duchdrucker-i b. -io-. Aog- Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 55. u. Nr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt £ M. Nr. 5015. — Sprechzeit Mi Redaktion von 10—11 und

Uhr.^

Marburger Tasesanzetser

MM Lan-Mitung

ÄbelrheUsche Zeitung

Rk.2A KO.Mkg.

Rardurg n. Mn

Der Anzeigenpreis beträgt für den lOgesPalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., kleine Baranzeigen 0.06 GM-, amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM- Bei schwierigem Satz sowie bei Platz­borschrift 50»', Aufschlag. — Sammelanzeigen 100 °/o Auf» t-- schlag. Reklamen der Millim.

0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als ' Barrabatt. Ziel 5 Lage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark — V«,,Dollar.

pnzeigerjurchasjmhrr Amtlich es VerKündigunssblEß^d KreisÄarl^

WfKkeilm» fmnMcher

Soldalm in SaarbMw

st. Saarbrücken, 23. Sept. Gestern Mend haben sich von hier französische Solda­ten grobe Ausschreitungen zuschulden Kommen lassen. Die Soldaten betraten gegen 10 Uhr gitnbs ein Lokal und liehen sich Bier verab­folgen. Gleich darauf stand einer von ihnen enf, zog ein Messer und drang auf die ; ■ Aste ein, während die anderen drei ihm mit erhobenen Stühlen den Rücken deckten. Die zrau des Wirtes erhielt einen Messer- ! stich in den Kopf, drei Gäste erhielten Verletzungen durch Messerstiche. Daraufhin slüchteten die Soldaten. Bei der Flucht überfielen fie eHie Frau und entwendeten -HS^ eine Geldtirsche mit 65 Franken. Die Uebeltäter wurden von der Polizei sestgestellt.

--*--

gerne Nrrletzum M el Srims

P a r i s, 22. Sept. Nach dem „Mali n" ist sicht Abd el Krim, sondern der Caid , >bd el Kii,sim, einer seiner bedeutendsten Unterführer, durch einen Brustschutz während der Einnahme des Dorfes Resrana durch die Zranrosen verwundet worden. Sein Zustand soll bedenklich sein.,

Reue Niederlage der Spanier.

ft L o « d o n, 23. Sept. „DailqNews" berichtet aus Madrid, die Spanier hätten fei ihrem ersten Versuch, die Rikleute von der Küste aus anzugreifen, eine Niederlage erlitte«? Am Donnerstag morgen hätten 1« mit den auf der Halbinsel Moroucoo ftchenden Streitkräften die Offensive er­öffnet durch einen Angriff auf die Stellung btt Rifleute bei dem Malmusiberg. Als die vorrückenden Kolonnen dem Ziel bereits nahe waren, seien sie von heftigen Srtillerie- und Maschinengewehrfeuer überschüttet worden, durch das sie sehr schwere Verluste erlitten. Schließlich /seien die Truppen genötigt gewesen, sich auf ihren Stützpunkt zurückzuziehen. Der Lerichterstatter fügt hinzu, Abd el Krim sei zu Friedensverhandlungen bereit.

Meuternde Truppen in Spanien.

Paris, 22. Sept. sWTB.) Wie die kom- «unistische „Humanits" meldet, soll die öffent­liche Meinung in Spanien dem Marokko- -Krieg mit groher Feindseligkeit ge­genüberstehen. In der Armee habe diese Be­wegung einen solchen Umfang angenommen, daß ganze Regimenter sich geweigert hätten, »ach Marokko abzugehen und gemeutert hätten. In Malaga ist unter einem Artillerie­regiment, das nach Marokko gehen sollte, eine Meuterei ausgebrochen, die erst durch Eingrei- sen der BÜrgergorde unterdrückt werden -tonnte. In Gerone hat ein anderes Regiment gemeutert. In Madrid feien die Truppen in bett Kasernen konsigniert, denn das Direkto­rium befürchtete angesichts der Aufreizung der veoölkerung Zwischenfälle.

' fk. London, 23. Sept. „Daily Tele­graf" berichtet aus Tanger: In amtlichen Kreisen in Tetuan hege man Besorgnis um die in der Bucht von Cebidilla gelandeten Ipanischen Truppen. Das Gewehr- und Ge- chützfeuer fei stärker geworden. Jeden Tag treffe ein Hospttalschifs mit Verwundeten in Melilla ein.

5n diesem Jahre noch keine Generalofsensioe | in Marokko.

Paris, 22. Sept. (TU.) Rach Berichten aus Madrid ist bestimmt damit zu rechnen, daß die kriegerischen Operationen erst im nach, sten Jahre zu Ende geführt werden. Zu einer französischen Generalofsensioe wird es überhaupt nicht mehr kommen. Alles, was bis Zum Eintritt der Regenzeit erwartet wird, sind

Donnerstag KaAnettsrat

MINIMUM »68 AußwüMen AuWiM am Semabend

B e r l i n, 22. Sept. (XU.) Der für heute abend vorgesehene Kabrnetts- rat ist auf morgen vormittag ver­schoben worden. Heute nachmittag ha­ben nur Besprechungen zwischen einzelnen Ministern über verschiedene Fragen des Sicherheitspaktes stattgefunden.

Der unter Vorsitz des Reichspräsi­denten stattfindende Kabinettsrat ist für Donnerstag in Aussicht genom­men. Zu F r e i t a g sind die M i n i st e r- präsidenten der Länder zu einer Kon­ferenz nach Berlin eingeladen. Der aus­wärtige Ausschuh wird am Sonn­abend um Ist Uhr zusammentreten.

Der Paktvorschlag und die Deutsch­nationalen.

Berlin, 22. Sept. Der P a r t e i - vor st and der Deutsch natinalen Volkspartei trat unter dem Vorsitz des Abg. Minckler heute vormittag zusam­men, um die Verhandlungen der Partei über den Sicherheitspakt oorzube- reiten. Cr erledigte jedoch nur die for­malen Angelegenheiten. An diese Sitzung schloß sich eine gemeinsame Sitzung des Parteivorstandcs und der Vorsitzenden der Landesorganisationen.

Die Deutschnationale Partei gibt über die heutigen Besprechungen folgende Er­klärung ab:

Zn einer langen und eingehenden Aus­sprache, die am Nachmittage des 22. Sept, stattsand, nahmen P a r t e i v o r st a n :t und Landesverbandsvorsitzen- d e der Deutschnationale u Bolks- partci Stellung zu den großen auhcnxoliti- schen Fragen. Die Aussprache ergab völ­lige Uebereinstimmung über

......IM

daspolitischeZiel. Die Sitzung be­gann mit einem einleitenden Referat des Fraktionsvorsitzenden Graf v. Westarp. Am Schlüsse der Besprechung wurde folgertz- de Entschließung angenommen:

Parteivorstand und Landesoerbandsvor­sitzende billigen die Ausführungen des Partei- und des Fraktionsvorsitzendcn über die augeRpolitischen Fragen und geben ihre Z u st i m m u n g zu der hiernach zu füh­renden Politik der Reichstags- f r a! t i o n.

---*---

RÜMMW »er Köln« Jom bst Ritte RmmMe?

Berlin, 22. Sept. Die von einem Ber­liner Blatte vor einiger Zeit gebrachte Mel­dung, daß bei den Zusammenkünften der Außenminister Frankreichs, Englands und Belgiens in Genf Bereinbarungen Über die Räumung der Kölner Zone getroffen worden sind, erfährt nunmehr in einer Nachricht des „Berliner Tageblatts" ans Köln eine Bestäti­gung. Das Blatt will an höchster Stelle der Rheinlandkommission in Koblenz erfahren ha­ben, daß die Räumung der Kölner Zone bis spätestens Mitte November durchgesührt

.Jein soll

Diese Meldung, daß die erste Rheinland­zone tm Laufe des November geräumt werden würde, wird von Havas als voll­kommen aus der Luft gegriffen bezeichnet, da die alliierten Regierungen noch keinen Beschluß in dieser Richtung gefaßt hätten.

Teilangriffe südlich von Taza und jen­seits von Bibane. Das französische Haupt­quartier rechnet nach dem „New Jork Herold" damit, daß int nächsten Frühjahr im Rifgebiet eine Hungersnot ausbrechen werde, sodaß sich kriegerische Operationen größeren Stils erübrigen. (!)

Nach Meldungen aus Madrid nimmt die Ge­fechtstätigkeit bei Alhueemas zu. Abd e l Krim soll die Operationen persönlich leiten. Die spanischen Truppen treffen Vorbereitun­gen zur Befestigung der erreichten Stellungen.

grnnWet RiMmat

Die Tagesordnung des Pariser Ministirrrates.

Paris, 22. Sept. Heute vormittag tritt im Rambouillet unter dem Vorsitz Doumergues ein Ministerrat zusammen. Auf der Tagesord­nung stehen folgende Punkte: 1. Lage in Ma­rokko, 2. Sicherheitspakt. Briand, der gestern von seinem Landsitz zurückgekehrt ist, und mit den Sachverständigen des Quai d'Orsay über die neuesten Maßnahmen zur Einberufung der Paktkonferenz beraten hat, wird eine umfas­sende Darlegung der letzten Verhandlungen geben. 3. Lebensmittelteuerung. 4. Postbe­amtenstreik. 5. Naturalleistungen. Es wird erwartet, daß der Unterstaatssekretär für Wiederaufbau im Finanzministerium, Schmidt, zum Leiter des Zentralkomitees für Natural­leistungen ernannt wird.

Painlevö über Marokko.

fk. Paris. 23. Sept. Iw gestrigen Ni- nisterrat hat Ministerpräsident Painlevö Über die Ereignisse in Marokko Be­richt erstattet. „Petit Parisien" will folgende Einzelheiten darüber mitteilen können: Patn- leve hat zunächst daran erinnert, daß die erste Phase der Operationen in Marokko durch die Einahme des Bibane-Massios gekrönt wor­den fei und zwar unter geringen Verlusten für Frankreich, und angekündigt, daß die zweite Offensiv Phase demnächst be­ginnen werde. Alles sei daraus wohl vorbe­reitet und man dürfe Voraussagen, daß die da­durch erzielenden Resultate schnell und ent­scheidend sein würden. Schließlich hat Pain- levtz mitgeteilt, daß die sranzösischen Behörden täglich neue Unterwerfungsangebote der Stamme erhalte u. a. auch von . den Beni Cerouala, die bisher besonders viele Kämpfer für Abd el Krim gestellt hätten.

Das Ende der KMuMan-Me

Freilassung der Berliner Ku-Klux-Klan- Anhänger.

B e r I i n, 22. Sept. Wie das WTB. erfährt, sind Professor Strohschein und sein Sohn sowie die anderen Anhänger des Ku-Klux-Klan- bundes aus der Haft entlassen worden. Bei Strohfchein junior hat das Gericht die sofortige Ausweisung verfügt, weil er Amerikaner ist. Bei feinem Vater wird noch nachgeprüft, ob er sich nicht im Besitze eines deutschen Passes befindet.

--*--

Anschlag auf den Prinzen »& Males?

London, 22. Sept. Nach einer Meldung ans der Provinz Buenos Aires hat der dortige Stationsvorsteher Beschädigungen an der Loko­motive des Zuges entdeckt, den der Prinz von Wales benutzen wollte. Der unbekannte Täter hatte Eisenstücke in den Bremsmechanismus ge­klemmt, um das Funktionieren der Bremse zu verhindern. Dank der rechtzeitigen Entdeckung ist der Prinz von Wales gestern noch wohl­behalten eingetrofien . Es verlautet, daß er sich bis zum Sonntag in Argentinien aufhal­ten wird, em am 16. Oktober nach England zu­rück, ukehreu.

. ----*----

Ohne Deutschland keine Weltwirtschafts- Konferenz.

Genf, 22. Sept. (TU.) In seiner Rede voe der Zweiten Kommission für die Welt- wirkschasts-Kvnferenz erklärte L o u che u r, daß feie Konferenz Janen Erfolg haben könnte, wenn nicht alle Völker an ihr teilnehmen würden, äriner Meinung nach wäre es völlig wertlos, die wirtschaftliche Lage Europas zu untersuchen, wenn, am Verhandlungstisch nicht Deutschland sitze. Es wäre unumgänglich, daß bereits bei der Festsetzung der Studienkom­mission für die Weltwtrtschasts-Konferenz die­jenigen Nationen berücksichtigt würden, die zu den Arbeiten der Konferenz hinzugezogen wer­den könnten.

Abd el Stirn

Von Max Geißler.

Abd el Krim: der Sohn eines beschei­denen Kadi vom Stamme der Bhemi Urag- . hiel. Erst sollte er den Koran studieren. Dann wurde er Lehrer auf einem Pöstchen, das ihm die spanische Regierung zuer­teilte. Drei Jahre später richtete der spa­nische Gouverneur ein politisches Infor­mationsbüro in Melilla ein. Dorthin wurde berufen Mohamed Ben Abd el Krim el Kattebi — dies sein voller Name. Die Rifpolitik ward ihm anvertraut. Und eS kam ihm der Einfall, sich das Sprungbrett zu zimmern zu seiner heutigen Macht. So berichtet der marokkanische Vertreter des „Giornale d' Italia". Und es ist ihm für die folgenden Behauptungen die Berank- toorhmg zu überlassen. In jedem Falle: sie sind interessant. Als der Weltkrieg ausbrach, gehörten Abd el Krims Sympa­thien den Deutschen. Er unterstützte einen deutschen Agenten, den Uhrmacher Kopp­ler. Dieser stand int Dienste eines deuttchen Offiziers, namens Hermann. Der hatte ein kleines Heer zusammengebracht, um die Franzosen in Marokko zu belästigen. An­geblich habe Abd el Krim das Geld für Hermann in Empfang genommen und durch Koppler weitergeführt — Geld aus Deutsch­land, das im Unterseeboote gebracht wurde und das Abd el Krim, dank seiner Stel­lung in Melilla, zu jenem Zweck ausge­händigt erhielt. Deshalb: „Abd el Krim arbeitete schamlos für Deutschland..." Und als die Sache herauskam, wurde er im . Fort Rostrogordo gefangengesetzt. Bei einem Fluchtversuche brach er ein Bein. AuA diesem Grunde geht er noch heute lahm. Nachdem er die Freiheit wiedererlangt hatte, kam 6$ zurück nach Melilla und führte dort ein bescheidenes Leben, „wahrschein­lich" — sagte der Berichterstatter — „von den Markstücken, die er sich in deutschem Dienste erspart hatte." Nach Beendigung des Krieges forderte Frankreich von Spa­nien die Auslieferung aller Mitkämpfer von Eingeborenenformationen, die unter dem Befehle jenes deutschen Offiziers ge­standen haben. Auch Abd el Krim wäre diesem Schicksal verfallen. Aber er erbat sich frühzeitig einen Urlaub von 20 Tagen von der spanischen Behörde und — kam nicht wieder. Zwei Jahre lang gab er kein Lebenszeichen. Er hatte das Vertrauen Spaniens verloren und erfreute sich bei den Rifleuten nur geringer Schätzung, „weil er im Dienste Deutschlands gearbeitet hatte". Währenddessen setzte er sich in Verbindung mit Kemal Pascha, dem großen Nationa­listen der neuen Türkei. Mit einem seiner Brüder, mit dem er die hohe Schule vorn Madrid besucht hat, und mit einem seiner Verwandten, dem Mohamed Azedkan, der heute sein Minister in der Rifrepublik ist, fing er an, das Problem der Bergwerke seines Landes zu ergründen. Wie in Tan­ger herrschte auch am Rif das „Minen­fieber". Das nützte Abd el Krim für sich aus. Er gewann sich das Vertrauen eines spanischen Großindustriellen, des DonOra- zio Echevarrieta. So bekam er Mittel in die Hand. Damit legte er den Grund zu seinem heutigen H^ere. Zuerst formierte et eine armselige Hundertschaft. Und mit die­ser begann er den ersten feindlichen Akt gegen Spanien. 1921 besetzten die Spa­nier den Berg Abarraut mit einer kleinen Truppe. Darunter befanden sich 200 ein­geborene Polizeisoldaten. Diese schlachteten die Spanier ab und gingen zu Abd el Krim über. Aber seine Macht begann erst nach jenem Silvestersieg gegen 2o 000 Spanier. Die schlug er vollkommen und machte 300 Gefangene. Darunter befanden sich zahl­reiche Oftiziere. Die behielt er achtzehn Monate in Haft — bis fie sein Freund Oraziio Echevarrieta mit 4 Millionen Pese­tas loskaufte. Diese 4 Millionen bildeten die Grundlage zu Abd el Krims Kriegskasse. Er schickte seinen Bruder nach London, da­mit der dort wegen Lieferungen verhandele. Er knüpfte Beziehungen an zu Pariser Kommunisten, die ihn unterstützten im Kampf gegen Frankreich. Und er zog heim­lich Drähte zu den französischen Behörden in Rabat und Fez, damit sie ihm halsen im Kampf gegen die Spanier. Denn ht Melilla ist die Auffassung ganz allgemein, daß die Franzosen versuchen, sich am Rif an die Stelle der Spanier zu setzen. Abd el Krim ist ein Mensch von ungeheurem Willen. Und es erweist sich, daß Europa sein Geld nach ihm wirft (sagt der marok­kanische Berichterstatter), denn in Abd el . ' Krims Republik zirkulieren Banknoten eng­lischer Herkunft mit dem Aufdruck: Bank of Stava of the Rif.