j
Marburger TagesaWtger
MWe LruMzettuns
Die britische« Armeemanöver.
London, 15. Sept. (TU.) Die großen Manöver der englischen Armee, die ersten seit dem Weltkriege, werde« Anfang nächster Woche beginnen. Die militärischen Kreise sehen ihnen mit viel Interesse entgegen, da alle Erfahrungen des Weltkrieges verwandt werden sollen. Besonders werden sämtliche neue Errungenschaften auf dem Gebiete der Waffen-, Transport» und Signaltechnik auS- probiert werden. Flugzeuge- und Tanks werden eine hervorragende Rolle spielen. Das. Kriegsspiel findet in der Gegend von Reading, Chefhire, Blandford, einschließlich der Salisbury-Ebene, statt. Den Operationen ist der Gedanke zu Grunde gelegt, daß eine feindliche Macht unter der Führung des Generals Sir Philipp Chetwa o d den von General Sir Alexander G o b- loh verteidigten Süden angreift.
Die Manöver der britische» Rheinarmee.
Erkelenz, 15. Sept. Die Manöver der britischen Rheinarmee, die demnächst im Kreise Grevenbroich stattfinden, werden sich auch bis in den Kreis Erkelenz hineinziehen. Das Hauptquartier des kommandierenden englischen Generals wird sich ab 20. September bis 1. Oktober in Rurig und in Görrenzig befinden. In derselben Gegend wurden im Jahre 1911 die deutschen Manöver abgehalten.
R k.A7 60. WT Marburg n. Mt
■ntt -«nzelgmpret« beträgt für de« Ivgespalt. Zellenmtllimeter 0.08 SM., kleine Barartzeigen 0.06 SM.,' amtliche und ■ auswärtige Anzeigen 0.10 SW. Bei schwierige« Satz sowie bei Platz» Vorschrift 50°/, Aufschlag. — Sammel anzeigen 106 °/> Zluft
. schlag. Reklamen der Milli«. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als
. Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet,ebenso Auskunft durch die Geschäftsslelle und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg.
1 Goldmark = V«,»Dollar.
Soziale SleWiellung sw die Meiler im Saargrbiet!
Genf, 15. Sept. Eine saarländische Delegation hat im Namen sämtlicher Arbeitergewerkschaftsverbände des Saargebiets dem Völkerbundsrat eine Denkschrift überreicht, in der dagegen Beschwerde geführt wird, daß die Regierungskommission des Saargebiets de» im Versailler Vertrag ausgestellten Grundsätzen über soziale Gerechtigkeit keine genügende Beachtung schenkte Die Arbeitnehmerschaft des Saargebiets, die mehrfach die sozial- politischen Wünsche der Arbeitnehmer der Regierungskommission unterbreitet hat, leidet, so wird in der Denkschrift ausgeführt, trotz der ihr im Versailler Vertrag zugcsvrochenen sozialpolitischen Garantien unter einem sozialen Unrecht. Die strenge wirtschaftliche und nationale Verbindung zwischen dem Saargebiet und Deutschland mache eine s o - ziale Gleichstellung der saarländischen Arbeitnehmerschaft mit der deutschen ru einem Gebot der Gerechtigkeit.
Die deutsche Gesetzgebung ist sowohl auf dem Gebiet der So, loerficherung wie auch dem des Arbeitsrechts der des Saargebiets weit überlegen.
Die Deputation bittet daher den Völkerbundsrat, sich für eine soziale Gleichstellung der saarländischen Arbeitnehmer mit denen de» übrigen Deutschlands einfetzen und veranlassen zu wollen,
1. daß d'e Sozialversicherung des Saargebiets analog derienigen im übrigen Deutschland ausgebaut wird, daß also alle Nachkriegsgesetze des Reichs in der Kranken-, Unfall-, Invaliden-, Knavvschasts-, Angestellten- u. Lrwerbslosenverstcherung alsbald für das Saargebiet übernommen w--den und wenn möglich der Wiederanschluß an die Versicherungsträger im Reich herbeigefübrt wird, und
2. die fortschrittliche deutsche Nachkriegsgesetz» gebung, Tarif- und Koalitionsrecht, Betriebsräte, Arbeitsnachweise und Arbeiterschutz im Saargebiet zur Einführung gelangt.
$k Genfer Niederlage vor dem österreichischen Nationalrat.
Wien, 15. Sept. (LU.) Der Präsident des Rationalrates, Millas, hat für Freitag den Hauptausschuh einberufen, auf dessen Tagesordnung der Bericht der Bundesregierung über Genf steht. An der Berichterstattung werden sich der Bundeskanzler und der Finanzminister beteiligen. Möglicher Weise werden auch die Verhandlungen über die österreichischen Wirtschastsfragen in Genf bis zu diesem Zeitpunkt bereits soweit gediehen fein, daß Außenminister Dr. Mataja nach Wien zurückkehren und hier Bericht erstatten kann. An die Darlegungen der Regierung wird sich eine längere Debatte anschließen.
Die Einladung zur Minister-Konferenz Gsttchzeilio Mi KvnsMMM?
Mdermwendung tet russischen SecessiZiere
Reval, 15. Sept. Wie der „Revaler Bote" meldet, sollen die russischen Flottenmanöver in der Ostsee die Unbrauchbarkeit des Kommandostandes erwiesen haben und darum frühzeitig abgebrochen worden sein. Die verantwortlichen Stellen sind in erster Linie bestrebt, die alten Seeoffiziere wieder zum Dienst in der Flotte heran- zuziehen.
Berlin, 15. Sept. Die Einladung der Alliierten zu eiinr Paktkonferenz ist soeben 12 Uhr mittags durch den französischen Botschafter de Margerie übergeben worden. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, soll der Wortlaut der Einladung Donnerstag früh veröffentlicht werden.
Der englische Geschäftsträger beim Auhen- minister.
Berlin, 15. Sept. Wie die Telegra- phen-Union von zuständiger Stelle erfährt, ist nach dem Besuch des französischen Botschafters auch der englische Geschäftsträger empfangen worden. Es ist anzunehmen, dag er ebenfalls die Einladung der alliierten Regierungen zur Ministerkonferenz überbracht hat.
Der Inhalt des Memorandums.
Bei der heute mittag überreichten Einladung zur Ministerkonferenz handelt es sich weder um eine Note, noch um einen persönlichen Brief des französischen Augenministers. Vielmehr ist die Einladung in die Form eines Memorandums gekleidet worden, das wie üblich, keine Unterschrift trägt. Das Memorandum ist nur sehr kurz. Es wird darin lediglich feftgestellt, dah es nach der Auffassung der alliierten Regierungen entprechend ihrer früheren Anregung nunmehr wünschenswert erscheine, eine Ministerkonferenz stattfinden zu lassen. Ein Ort wird nicht genannt. Hinsichtlich des Zeitpunktes erklären die alliierten Regierungen, Ende September oder Anfang Oktober für geeignet. Sie erwarten die Antwort der deutsches Regierung.
An zuständiger Stelle wird erklärt, dah eine Antwort natürlich erst folgen könne, nassem der Kabinettsrat, der bekanntlich auf de« 21. September angesetzt ist, sich mit der sachlichen Frage beschäftigt haben wird. In politischen Kreisen wird die Tatsache vermerkt, dah die Einladung allgemein von einer Ministerkonferenz spricht, sodah also nicht eine Beschränkung der Konferenz auf die Auhenminister gegeben ist.
Der „Daily Telegraph" zu den Sicherheitsverhandlungen.
Der diplomatische Korrespondent des Daily T e l e gr a p h" legt noch einmal ausführlich die gesamten Umstände der Sicherheitspaktverhandlungen dar. Er sagt, dah die deutsche Vertretung durch den Auhenminister Dr. Stresemann, Dr Luther und eventuell einem deutsch- nationalen Minister nur begrüht werden könne. Ihre Anwesenheit werde die Entscheidungen der Konferenz in deutschen Augen repräsentativer und autoritativer machen. Die Entscheidungen der Konferenz könnten dann später nicht vom Reichstag in Frage gestellt werden. Was die Einteilung der Materie anbelangt, so würde es sich z u n ä ch st u m d e n R h e rn- p a k t und seine Anhänge, namentlich einem frankodeutschen und einem belgischdeutschen Schiedsgerichtsvertrag handeln Nach Erledigung des Rheinlandpaktes würde es möglich sein, das schwierige Problem der deutsch-polnischen und der deutsch-tschechischen Verträge in die Hand zu nehmen. Chamberlain, sagt der diplomatische Korrespondent, hat sich neuerdings zu der Ansicht bekehrt, dah eine absolute Trennung vom West- und Ostpakt praktisch nicht brauchbar, sondern nur eine theoretische Lösung sei. Die östlichen Schiedsgerichtsverträge würden besondere Bedeutung besitzen. Denn sie bedingten für Deutschland wie für Polen und die Tschechen neue kontraktliche Verpflichtungen, die zweifellos die älteren Berpflich-
Mittwoch- -«16. 6*. 192$
^Obrrhflstfch- Sdtong" «- sechsmal wöchentlich. Beweis monatlich 2 SM.-ns- ’TLm Zust-llungsgebühr. durch ^P°st2.25 GW.Für etwa infolge .«twiks. WaschinendefeNr oder .insevtarer Ereignisse ausfallend« «mumem wird kein Ersatz 6e- ..-»et. Verlag v. Dr. §. Hiheroth, »Lj der Univ.-Duchdrucker-i d. L. Aug. «od». Markt 21/23. ^.sprecher: Rr. 55. «Rr. 666. ^stsche-Nonto: Amt Frankfurt M. Rr. 5015. — Sprechzeit
Redaktion von 10—11 und ',,1—1 Ub-.
Str Man einer interimtfenalen MijchaWonsmnz
Genf, 15. Septt. Louch eu r-Frankreich verlas heute vormittag in der Völkerbundsversammlung die angekündigte Resolution, in der die sofortige Bildung eines Ausschusses verlangt wird, der auf breiter Grundlage und in Zusammenarbeit mit den technischen Organisationen des Völkerbundes und dem internationalen Arbeitsamt eine internationale Wirtschaftskonferenz zur Behebung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkei- ren vorbereiten soll. Die Einberufung der Lonferenz wird dem Bölkerbundsrat überlassen. Die Konferenz soll die wirtschaftlichen Schwierigkeiten untersuchen, die der Mederaufrichtung eines allgemeinen Wohlstandes entgegenstehen und die Mittel zur Ueberwindung dieser Schwierigkeiten und air Vermeidung von Konflikten feststellen.
In einer kurzen Begründung wiesLou- cheur darauf hin, daß die Kriegsursachen nicht nur politischer, sonderst: häufig auch wirtschaftlicher Art gewesen seien. Nach den durch den Krieg geschaffenen tiefgehenden wirtschaftlichen Veränderungen befinde sich heute Europa und die ganze Welt in einem Zustand wirtschaftlichen Unbehagens. Der nach dem Krieg entstandene wirtschaftliche Nationalismus könne die schwersten Gefahren für den Frieden bringen. Gegenüber den Einwänden, die man gegen die Einberufung einer internationalen Wirtschaftskonferenz leicht geltend machen könne, erklärte Loucheur, daß es immer leichter gewesen sei, zu zerstören, als aufzubauen, «an müsse aber heute an den allgemeinen Aufbau Herangehen. Die Konferenz solle freilich nach der Auffassung der französischen Regierung nicht etwa zu internationalen Konventionen führen. Ihr Ergebnis müsse vielmehr darin bestehen, daß gewisse Prinzipien für Produktion und Absatz aus- aearbeitet werden, durch die gewisse ein« schränkende Maßnahmen im internationalen Wirtschaftsleben aufgehoben werden, um dadurch wenigstens für eine bestimmte Zeit das Gleichgewicht int internationalen Wirtschaftsleben herzustellen. Loucheur sprach die Hoffnung aus, daß der technische Aus- Kbie Beratung der französischen Re- ion sofort aufnehmen und die Resolution noch in dieser Tagung der Völker- bündsversammluna zur Annahme empfehlen werde. Die Resolution sei im übrigen die logische Folge der seitherigen Arbeiten der Völkerbundes zur Lösung des Sicherheitsproblems.
Rui der Vollversammlung des Bölker- banvrs.
Genf, 15. Sept. In der heutigenVor- mittagSsitzung der Völkerbundsversammlung nahm als erster Redner der finnische Außenminister I d m a n das Wort. Dar Genfer Protokoll, so erklärte er, habe in seiner heutigen Form zwar verschiedene Mittel, aber trotzdem trete Finnland für eine allgemeine Regelung des Sicherheitsprod- lems ein, wobei es den größten Wert auf den Ausbau des obligatorischen Schiedsgerichtsverfahrens lege. Bis zur Erreichung eines allgemein gültigen Systems müsse aber auch auf dem Wege der regionalen Abkommen weiter fortgeschritten werden. Es gäbe aber eine Reihe von Ländern, für die w e g e n i h r e r geographischen Lage die intet, nationalen Sonderabkom men immer nur eine unvollkommene Zwischenlösung bleibe.
ObteWW Zeitung
Meigerfürldasfrüher ftwchMscke)<vberhessen/>Kmtliches AerMndrgungsbMjWd-KrewMMbmsz
tungen des Versailler Vertrages wieder einfchliegen würden gleichzeitig aber deren Inhalt, wenn auch nicht materiell, so doch im Geiste und in der Auslegung verändern müßten. Zn dieser Hinsicht wurde eine neue Unterschrift durch das deutsch» Reich, die freiwillig unter den neuen Vertrag gesetzt werde, von unschätzbarem Werte sein. Damit würde die gegenwärtige deutsche Behauptung, datz die Unterschrift unter den Versailler Vertrag e r- zwungen worden sei, erledigt werden. (?) Doch würde die Ausarbeitung der neuen Verträge schwierig und langwierig sein. Eine französische Garantie der Ostverträge, die einen Schutz deutschen Gebietes durch französische Truppen bedeute, hält der Korrespondent für ausgeschlosien. „Daily Telegraph" berichtet zu dem gleichen Thema aus Paris, dah man nicht mit einer, sondern mit zwei bis drei Paktkonferenzen. rechnen müsse, die wahrscheinlich Ende dieses Monats beginnen würden.
Die ..Tägliche Rundschau" betont, daß die bevorstehende Ministerkonferenz nicht eine Entrevue der Außenminister, sondern eine Vollkonferenz der bevollmächtigten Minister sein werde. Was das Verhandlungisprograrnm anbetreffe, so weist das Blatt darauf hin,-daß sich die Juristen in London lediglich mit dem Rbeinpakt beschäftigt haben. Es sei daher garu natürlich, daß auch die Ministerkonferenz ihre Arbeiten in derselben Weise abgrenzt. Die bevorstehende Ministerkonferenz werde also wohl den ganzen Komplex der Ostfragen aus ihren Verhandlungen ausscheiden. Damit dürfte auch die Frage beantwortet fein, ob Polen und die Tschecho-Slowakei auf dieser Konferenz vertreten sein werden. Den von der französischen Presse erörterten Gedanken einer gleichzeitigen Tagung von zwei Konferenzen, von deren die eine den Rheinpakt, die andere die Ostfragen behandeln soll, bezeichnet das Blatt schon aus rein technischen Gründen als Undurchführbar. Man müsse aber damit rechnen, daß im Anschluß an die Konferenz über den Rheinpakt auf einet zweiten, zeitlich und wahrscheinlich auch örtlich verschiedenen Konferenz die Ostfragen geregelt werden.
Bon den Motgenblättetn hebt „Matin" ausdrücklich hervor, daß endgültig beschlossen worden sei, gleichzeitig zwei Konferenzen einzuberufen, die sich mit der Ausarbeitung des Rhesnpaktes und mit der Abfassung der Schiedsgerichtsverträge Deutschlands mit Polen und der Tschecho- Slowakei beschäftigen sollten. B e n e s ch und Skrzynski sollten von Fall zu Fall zu der Konferenz über den Rheinpakt zugelassen werden. DaS sei umso verständlicher, als die französische Regierung darauf bestehe, daß der Rheinpatt und hie Schiedsgerichtsverträge gleichzeitig unterzeichnet würden. Man erwartet, daß während der ganzen Woche Verhandlungen zwischen Berlin und Paris geführt werden, da der französischen Regierung daran liege, jeder unan- genhmen lleberraschung aus dem Wege zu zehen und die Konferenz mit möglichst großer Aussicht auf Erfolg zu eröffnen. Gegenstand der deutsch-französischen Dorverhandlungen werde in der Hauptsache die Zustimmung Deutschlands zu der Teilnahme Polens und der Tschecho-Slowakei an einer allgemeinen Konferenz bilden. Es sei anzunehmen, dah die Reichstegierung keine Bedenken dagegen Vorbringen werde, zumal Ehamber» Iaht in vollem Einvernehmen mit Briand und Skrzynski von der Rotwenbigkeit einer allgemeinen Aussprache überzeugt sei.
Die Macht des Faschismus.
Mailand, 15. Sept. ($11.) Rach Angaben des faschistischen Generalsekretärs Fa- rinacci zählt die Faschistenpartei gegen- wattig 9000 Sektionen mit 700 000 Mitgliedern, 590 Frauensektionen mit 25 000 Mitgliedern, 16 Legionen junger Schwarzhemden mit 90 000 Mitgliedern und 18 Legionen der Kindergruppe Dalilla mit 70 000 Mitgliedern. Außerdem beständen 317 nationale Gewerkschaften mit über 1,8 Millionen Mitgliedern, ein faschistischer Seeleute-Verband über 6000 faschistische Gemeinden, 68 Provinzialverwaltungen und ein faschistischer Eisen- bahnerverband mit über 80 000 Mitgliedern. Die Wacht des. Faschismus fei groß.