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Das Senser Protokoll

Marburger rageSauzetger

Nr. M 80.M5N.

Marburg a. Lahn

Mische LanbeszeiWs

briti- hielt

öbecheMche Zettuas

grtitag, W U Seplbr. 1925

tdct Anzeigenpreis beträgt für den 10 gefpalt. Zeilemnillimeter 0.08 GM., kleine Bararytigcn 0.06 GM., amtliche und ■ aus­wärtige Anzeige« 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» Vorschrift 50°/, Aufschlag. — Sammelanzeigen 100 ’/» Auf­schlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al- Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft, durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark = Dollar.

Paris, 10. Sept (TU.) Gestern begannen an allen Fronten beftige Angriffe der Franzosen und Spanier gegen die Stellungen Abd el Krims. Wie aus Madrid gemeldet wird, befinden sich die bei Albucemas gelandeten Truppen im Vormarsch auf Ajdir, der Haupstadt des Rifgebietes. Man glaubt, dah man schon in den nächsten Tagen diesen wichtigen Platz einnehmen, wird. Die panische Heeresleitung legt dieser Operation gröbte Bedeutung bei, denn in Ajdir sollen sich grobe Vorräte an Waffen und Kriegsgerät aller Art befinden. Auherdem rechnet man da­mit, datz die Einnahme von Ajdir eine grobe moralische Wirkung /ruf die Rifleute ausüben wird. Auch die Franzosen haben bei Taza energisch angegriffen, um von der Nordfront Abd el Krims Truppen nach dem Süden abzu­lenken. Die französischen Angriffe erfolgten erst nach langer und sehr starker Artillerievor­bereitung. Grobe Flugzeug-Geschwader be­warfen die feindlichen Stellungen ständig mit Bomben. Gestern sollen allein von einem französischen Geschwader 8000 Bomben abge­worfen sein. Trotzdem die Lage Abd e l Krims durch die gleichzeitigen Angriffe im Norden und Süden bedeutend schwieriger ge­worden ist, setzte et seine heftigen An­griffe gegen Tetuan fort Es scheint, als wenn er sich unter allen Umständen in den Besitz der strategisch sehr wichtigen Höhen bei Tetuan setzen mit. Nach neueren Feststellungen soll Abd el Krim bei Tetuan seine besten Kampftruppen zusammengezogen haben, die unter seinem persönlichen Oberbefehl kämpfen. Aus 5es werden grobe spanische Ver­luste in den letzten Kämpfen bei Tetuan ge meldet . Eine spanische Kolonne soll hier von 1080 Mann allein 250 Tote zu verzeichnen ge­habt haben. Die Artillerie Abd el Krims hat die Beziehung Tetuans fortgesetzt und dort wichtige militärische Anlagen der Spanier zerstört

Aus Tanger wird gemeldet, dab die Lage der in der AIHucemas-Bucht gelandeten Trup­pe« sehr schwierig sei, denn einmal seien sie von den übrigen spanischen Truppen völlig abgeschnitten und auherdem gestalte sich der Nachschub von Waffen und Verpflegung sehr schwierig, da kein Hafen vorhanden sei und das stürmische Wetter jede Landung an der steilen Felsküite sehr schwierig macke. Bei starkem Seegang könnten weder Mannschaften noch Munition und Lebensmittel gelandet werden, was für die im Vormarsch auf Ajdir befindlichen Truppen sehr verhängnisvoll wer­den könne.

Die Rede Chamberlains wurde mehrfach durch starken Beifall unterbrochen.

Nach Chamberlain sprach noch der schwe­dische Außenminister ll n d e n, der die guten Seiten des Genfer Protolls hervorhob und der Hoffnung Ausdruck gab, daß Deutschland bald dem Völ­kerbund beitreten möge. Unden schlug im Namen der schwedischen Dele­gation der Versammlung folgenden Reso­lutionsentwurf vor: Da es von großer Be­deutung wäre, wenn alle Staaten das Prinzip der obligatorischen Schiedsge­richtsbarkeit für die Regelung der inter­nationalen Konflikte anuehmen, ersucht die Versammlung den Rat, die diesbezüglichen Bestimmungen des im letzten Zahre von der 5. Bölkerbundverfammlung angenom­mene« Protokolls einer Sachverständigen­kommission zu er«euter.Prüs«ng zu überweisen.

Die Rede Chamberlains eine , Mahnung an . das französische Volk.

Genf, 10. Sept (TU.) Die Rede Cham-, berlams wird in Kreisen der englischen De-

zu finde«.

Das vo« der letztjährige« Völkerbund­versammlung ausgearbcitete Pro­tokoll zur friedliche« Lösung intet« nationaler Konflikte habe nicht de« Bei­fall der gegenwärtigen britischen Regie­rung gefunden, da es weniger darauf ge­richtet gewesen sei, die Kriegsursachen aus dem Wege zu schaffen und dadurch die Kriege zu vermeide«, als darauf, bei einem Kriegsausbruch de« Friedens­brecher niederzuwerfen. Sie britische Regierung schlage vor, an Stelle eines Protokolls vo« universellem Gel­tungsbereich Sonderabkomme« zwi­schen den Staaten, die den Frieden an den besonders gefährdeten Gebieten garan­tieren sollen, zu schließen. Solche Ueberein- kommen müssen einen rein defen­sive« Charakter haben, vom Geiste des Völkerbundes inspiriert und unter de« Auspizien des Völkerbundes abgeschlossen Zein.

legation als eine Mahnung an das fran­zösische Volk aufgefaht. die ideologische Po­litik zu verlassen und den Völkerbund mit praktischen Idealen zu erfüllen. Die starke Betonung von Sonder- oder Refsionalverträ« gen, wie es in der Terminologie des Völker­bundes heißt, sei heute tatsächlich die ein­zige praktische Lösung, die die Welt zum Frieden führen kann. Die überspannten Ide­ale des Völkerbundes seien heute durch Cham- fcerlatn auf einen realen Boden gestellt wqxden.

Di« Frage der «brüstungskonfereaz.

fk. London, 11. Sept. Der diploma­tische Berichterstatter des „Daily Tele­graph" schreibt, es liege jetzt die Bestätigung dafür vor, datz man in Washington verlegen und verärgert sei über den Vorschlag, datz der Völkerbund selbst eine Abrüstungskonferenz einberufen soll. Diese Gefühle seien noch verstärkt worden durch Berichte, datz eine solche Konferenz um einige Jahre nach dem Abschluß eines Paktes verschoben werden könnte. . i j

Ist Mssultrnm

Erklärung Amerqs.

Teuf, 10. Sept. (W.T.B.) Sei dem Presfeempfang erklärte der englische Kolo- nialminifter zur Mossulfrage, datz Me »rage für den Irak eine Lebensfrage sei, datz sie aber auch von großer Bedeutung für die Türkei, Erotzbritannien und selbst # für den Völkerbund sei. Der Völker­bund habe die Vollmacht, die Grenzen zwi­schen dem Irak und der Türkei vollständig nach freiem Ermessen zu bestimmen.

'Der zwischen dem Irak und Erotzbri­tannien bestehende Vertrag sei seinerzeit vom Völkerbund genehmigt worden. Die Verlängerung dieses Vertrages sei vorge­sehen. Bezüglich der Frage der türki­schen Souveränität über das strit­tige Gebiet gab Amery zu, datz recht­lich dieses Gebiet noch der tür­kischen Souveränität unter­stände. Sobald jedoch der Völkerbundrat über die Erenzfrage entschieden habe, werde damit auch die Frage der Souoeräni-

| tat über das strittige Gebiet entschiede«. .

Beginn der grobe» Marokko-Offensive.

Paris, 10 .Sept. (TU.) Nach der Landung der Spanier in der Bucht von Albucemas bat heute morgen die französische Offensive an der ganzen Front begonnen. Die Artillerie bereitet durch ein heftiges Trommelfeuer von Ouezzan bis zu den Ufern des Ourgha den Vormarsch der Infanterie vor. Die französi- chen Verwundeten werden in Flugzeugen und Automobilen nach Fez gebracht.

PrimodeRivera, der bisher die Unter­nehmungen bei Albucemas von einem Kriegs schiff aus beobachtet hatte, begibt sich nach T e t u a n, da sich dort die Lage der spanischen Truppen ständig perWedjtert bat. '-0er Sch ierpunkt des Kampfes scheint sich danach von Albucemas nach Tetuan verschoben zu haben.

E e n f, 10. Sept. (W. T B.) Ser sche Autzenminister Chamberlain Donnerstag in der Völkerbundversamm­lung eine bedeutungsvolle Rede, worin er die Stellung Erotzbritanniens zur Frage der Sicherung des europäischen Friedens darstellte. Chamberlain erinnerte daran, daß England die so schwerwiegende Mos­sulfrage dem Völkerbund zum 6nt= scheid unterbreitet habe, datz es dem Völ­kerbund aufrichtiges Vertrauen entgegen bringe. Sie britische Regierung sei bereit, zur Stärkung und Entwickelung des Völ­kerbundes beizutragen. Es handele sich nur darum, die richtige« Mittel u«d Wege

EinkEnWießun, bcSSomburget Bürmbunbeö zur KrstgMust- . frage

H a rnb u r g, 10. Sept (TU.) Der Ham­burger Bürgerbund hat nachstehende Ent» schliehung zur Kriegsschuldfrage an den Reichs­präsidenten gerichtet: „Der Bürgerbund, Ham­burgs gröbte parteipolitisch neutrale Organi­sation, bittet den Herrn Reichspräsidenten unter Hinweis auf das an den Herrn Reichs­kanzler Dr. Luther gerichtete Telegramm, seinen ihm in der Berfasiung gewährleistete« Einfluh dahin geltend zu machen, dah das vom Herrn Reichskanzler Dr, Marr in der Reichs- tagssitzung vom 29. August 1924 dem deutschen Volke gegebene Versprechen baldigst eins«, löst und durch die Reichsregierung die Lüge von der Schuld Deutschlands am Weltkrieg zurückgewiesen wird. Da die Gegner Deutsch­lands diese Lüge zur Grundlage des Vertrages von Versailles gemacht haben, sodah dieser Vertrag als Ernndlage für die Behandlung Deutschlands bei den bevorstehenden Verband­lungen über den Sicherbeitspakt dienen wird, dah der Widerruf des erpredten Schuldbekennt­nisses nicht länger hinausgeschoben wird, sollen die Verbandlungen uoer den Sicherbeitspakt für das deutsche Volk zu politischen wie wirt­schaftlichen Erleichterungen führen, ohne die die Paktverbandlungen jeden Sinn verlieren und Deutschland weiteren fortgesetzte« Bedroh­ungen ausgesetzt ist."

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«l. JDbnbefiW Settang" er- sechsmal wöchentlich. Bf monatlich 2 DM. auf Jxjiefcl. Zustellungsgebühr, durch r£m0f!2.25 GM.Für etwa infolge Stwitt, Mafchtnendefette oder ^rmentarer Ereignisse ausfallende «gnunem wird kein Ersatz ge- WfM. Verlag d. Dr. §. Hitzervth» Druck der Unw.-Buchdruckerei d. «ob. Ang- Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 55.«. «Rr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt X M. Rr. 6015. — Sprechzeit bet Redaktion von 10—11 und »1,1—1 Uhr.

Berlin, 10. Sept Der Lokalanzeiger meldet aus London: Nach Berichten, die hier gestern spät abend aus Madrid eintreffe», lckeint es zweifellos, dah die Situation an bet Tetuanfront sehr ernst ist. Abd el Krims Bruder entwickelt gegen die spanischen Schutz- Hniett bei Tetuan eine Offensive, die gestern Nachmittag iw der Gegend von Benkarisch zu furchtbaren fiäp ' "en geführt hat. Die ciiu nähme von Benkarisch durch die Rifkrieger wird jetzt stündlich erwartet. Weiter westlich nach Laracke haben die Rifl. te die jpa = nische Linie durchbrochen. Der Marsch auf Ajdir, von der Küste aus, ist zum Stillstand gebracht worden und General Primo de Rviera hat de» Marschall Petain gebeten, sofort mit der franzo.uchen Offensive zu be­ginnen. um eine Katastrophe an der spanische» Westfront zu verhindern.

(Privatmeldung.)

fk.Lonbon, 11. Sept. „Daily Tele­graph" berichtet aus Tanger: Auf die dortigen Eingeborenen habe die spanische Landung bei Alhucemas einen tiefen Ein­druck gemacht. Die gelandete« spanischen Truppen werden auf ungefähr 12-18008 Mann geschätzt. Ma« nimmt an, datz sie in der Lage sind, bald Ajdir einzuneh­men, das nur sechs Kilometer von der Landungsstelle entfernt liegt. Die Ein­wirkung der Landung auf die Stämme Abd el Krims kann noch nicht abgefchätzt werden, aber man kann schon jetzt eine unverzügliche Zurückziehung eines Teils der Riftruppen von der französischen West­front erwarten, wodurch die ftanzösisM Offensive erleichtert werden würde. Nach Mitteilungen von der französischen Front seien Bewegungen der Riftruppen nach Norden festgestellt worden. Zn den Dör­fern des Nifgebietes wurden neue Aus­hebungen von Männern zur Verteidigung von Ajdir vorgenommen. Eine weitere Meldung des Berichterstatters aus Tanger besagt, daß ein spanisches Kriegsschiff Sor- fer an der Andjeraküste östlich von der Tangcrbucht beschossen habe. „S o ily New s" berichtet aus Tanger, datz der Andjerastamm sich vorgestern zum Kampf gegen die Spanier erhoben habe. Die Andjerakrieger sollen nicht mehr als 8 Meilen von Tanger entfernt an der in­ternationalen Zone versammelt sein. Bon den Andjera- und Dscheballakriegern werde täglich ein Angriff erwartet, bei dessen Ge­lingen die Front bei Tetuan abgeschnitten und die spanische Schlüsselstellung in Al­ge r i a bedroht werden würde.

Ätin6tbritUEt3öliierlEnfnScrlin

Berlin, 10. Sept (ZU.) 3» Genf geben «erlichte um, dah ein reger Meinungsaustausch »wische» Briand und Cbamberlain einerseits und der Reichsregierung andererseits begonnen habe und dah bereits eine Reihe von Schrift­stücken ausgewechselt worden seien.

Wie die „Telegraphen-Union" hierzu an zn- »ändiaer Berliner Stelle erfährt, treffen riese gerächte nicht zu. Ministerialdirektor Gauh mO Staatssekretär Schubert weilten am Sonnentag beim Reichsauhenminister Dr. Stresemann. Sie werden sich am morgigen Freitag ur Ber. Erstattung zum Reichskanz­ler begeben. Solange die verantwortlichen deutschen Minister über das Ergebnis der Lon­doner 3uriitentonfereni noch nicht ins Bild «setzt sind, ist ein deutsch alliierter Meinungs­austausch weder erfolgt noch überhaupt wahr­scheinlich.

Genf, 10. Sept. (W.T.B.) Von zu­verlässiger Seite wird zn verstehen ge­geben, daß im Laufe des Donnerstag nach­mittag an den deutschen Außenminister Dr. St res em a nn ein von Briand unterzeichneter Brief abgegangen sein soll, der die Einladung zur Teilnahme an der geplanten Ministerkonferenz über die Sicherheitsrage enthalte. In dem Briefe sollen keine Angaben weder über den Zeitpunkt der Ministerkonferenz, »och über den Konferenzort enthalten sein. Ferner soll die Frage der Teilnahme Italiens an den weiteren Verhand­lungen offen gelassen werden.

(Privatmeldung.)

fk V a r is, 11. Sept Savas berichtet «ns Genf, man erklärte T icrstag Abend i» Kreise» der alliierte« Delegationen, dab eine gemeinsame Mitteilung an die deutsche Re­gierung im Hinblick auf die Zusammen- betufung der Ministerkonferenz zur Beratung des Sicherheiisvaktes bevorstehe. Jedoch wür- be kein Ort für die Verhandlungen angegeben Werden. Man glaubt zu wissen, dah der deut­schen Regierung mitgeteilt wird, dah die italienische Regierung an der zukünftige» Konferenz teilnehme» werde. Es scheint sich auch zu bestätigen, dah Polen und die Tschecho­slowakei dazu eingeladen würden, um sich i» der Nähe der Konferenz bereit zu halten, da­mit man ihre Vertreter über alle sie

eint feriiibE MtnaMtrung pttflamitrl?

London, 10. Sept. Aus Beirut kommt die ulelb: * dah Dr. Schah bänder, der Nationalistensührer und Präsident der Partei, der während des Angriffes auf Damas­kus verschwunden ist, in Dschebel Drus mit seinem Sekretär und anderen prominente« Persönlichkeiten der Partei eingetroffen ist und eine syrische nationale Regierung proklamiert bat

Die Vorgänge in Syrien.

fk. London, 11. Sept. Wie der „Daily Telegraph"-Berichterstatter meldet, ist der Hauptteil der französischen Truppen 2V, Meilen von Damaskus entfernt bei Kefr el Mezza zusammengezogen, wo eine starke Stellung zum Schutze vön Damaskus er­richtet wird. Auch in Raja k, wo di« Bahn Aleppo—Damaskus—Beirut ab- schltetzt, werden Truppen zusammengezogen.

ff. London, 11. Sept. „Daily Te- legrmph" meldet aus Jerusalem: Eing Panik entstand am Mittwoch in Damaskus, infolge heftiger Schießerei in der Stadt. Es scheint, daß eine Gruppe von 100 Sträflingen, die nach der Tagesarbeit ins Gefängnis zurückkehrten, zu entkommen ver­suchten. Truppen wurden sofort herbei­gerufen und erhielten Befehls zu schieße«. Sieben Sträflinge, wurden getötet, acht verletzt und 56 wieder gefangen. Die übri­gen entkamen. :