SenmrSlag, W10. ßkvlbr. 1925
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Lfscuiive gegen die Sruieo
Natürlich mit Giftgas
TU. Paris, 9. Sept. Einer Meldung aus Jerusalem zufolge hat das französische Oberkommando in Syrien 25 000 Mann zusammengezogen, um Anfang der nächsten Woche die Offensive gegen die aufständischen Drusen zu eröffnen.
Nach aus Paris eingegangenen .Befehlen. sckll in dem Angriff auch Giftgas benutzt werden, um den Aufstand der Drusen niederzuschlagen. Eine große Anzahl von Truppen mit Tanks und Munitions- Vorräten trifft täglich, von Marseille kommend, in Beirut ein. Die Lage in Ale-, xandrctte verschlimmerte sich. Aber das Eintreffen französischer Verstärkungen macht seinen Einfluß geltend. Die Regierung von Transjordanien bewahrt strikte Neutralität und hat mehrere Schelks von Beduinenstämmen, welche die Drusen unterstützten, verhaftet.
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SkliWer Arzletng
Leipzig, 9. (Sept. (WTB.) Der 4. Deutsche Aerztetag wurde heute in der Aula der Universität durch den Dvr- sthenden des Deutschen Aerztevereinsbundes, Geh. Medizinalrat Dippe, eröffnet, der auch dem chartmannbunde zu seinem 25jährigen Jubiläum herzliche Worte widmete. Es folgten Begrüßungsansprachen der Ehrengäste. Für das Reichsministerium des Innern und des Reichsgefundheitsamt sprach Ministerialrat Dr. Taute, für das sächsische Ministerium der Präsident des sächsischen Landes- gesundheitsamtes Dr. Weber, für die Stadt Leipzig Oberbürgermeister Dr. Rothe, für die medizinische Fakultät der Universität Leipzig Prof. Rvlly, für die Leipziger Aerztefchast Sanitätsrat Buchbinder. Als Ehrengast nimmt außerdem Oberregierungsrat Dr. H ö f f e I vom Reichs- gesundheitsamt an der Tagung teil. Hierauf wurde in die Beratung eingetreten. Heber das Thema: „D e r Aerztestand und die Leibesübungen" referierte Medi- zmalrat Schnell- Halle. Er plattierte für eine maßgebende Mitwirkung der Aerzte- fchaft an den Bestrebungen betreffend die allgemeinen Leibesübungen und forderte dementsprechend die Ausbildung von Sportärzten. Die von ihm vorgelegten Leitsätze wurden einstimmig angenommen. Ferner wurde folgendem Antrag zugestimmt: Die deutsche Aerzteschaft fordert die örtlichen Or- ganifationen auf, die Bestrebungen zur Förderung der Leibesübungen entsprechend den im Rahmen der Leitsätze Dr. Schnells sestge- legten Grundsätzen lebhaft zu unterstützen und besonders dafür Sorge zu tragen, daß sie in den örtlichen Gruppen des Deutschen Rerztebundes für Leibesübungen vertreten sind.
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WWaoung In Stuttgart
Stuttgart, 9. Sept. Zur Frage der keichsgesetzlichen Regelung des Apothekenwesens wurde in der Mittwoch-Sitzung des Apothekeroerbandes eine Entschließung angenommen, in der als erstrebenswerteste Regelung des Apothekenwesens die Schaffung eines Betriebsrechtes gefordert wird, das frei veräußerlich und vererblich fein soll. Zumindest müsse das Recht der Ilebertragbar- keit weiterhin gesichert sein . Der Ausbau der Personalkonzession müsse die Berücksichtigung der ehelichen Leibeserben, die Zubilligung einer Abfindung, die Gewährung des Fort- sührungsrechtes der Witwen, die Zulassung der Verpachtung für alle Apotheken und die Einführung des öffentlich-rechtlichen Verfahrens bei der Verleihung der Konzession gewährleisten . Eine weitere Entschließung befaßte sich mit der Notlage der allein arbeitenden Apotheker
Echlichtungsverbandlunge« im Lghnkonslikt der Reichsbahn.
Berlin, 9. Sept Wie die „Telegraphen- Union erfährt, finden am Donnerstag,vor- »Ut.ag 11 Uhr im Reichsarbeitsministerium die neuen Schlichtungsverhandlungen im Lohnkonflikt der Reichsbahn mit den Eisenbahnarbeitern statt. Für die Schlichtungsverhandlungen hat der Reichsarbeitsminister den Hamburger Schlichter Dr. Stenzel bestellt.
Zwischen -en Konferenzen
Sie Konferenz der Außenminister bemessen
B e r l i n, 9. Sept. Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: Bis Mittwoch Abend lag in Berlin noch keine Einladung der Alliierten zu der geplanten Sicherheitskonferenz vor. Es ist möglich, Lag die Einladung nach der beabsichtigten Rücksprache der alliierten Außenminister in Genf an Deutschland gerichtet wird. Es ist aber auch möglich, daß die alliierten Minister vorläufig nur eine neue Fühlungnahme mit der deutschen Regierung beschließen werde. Beides ist bis heute noch nicht geschehen. Ministerialdirektor Dr. Gauß hat. nachdem er gestern dem Staatssekretär v. Schubert und dem Reichswehrminister Dr. Eeßler als Vertreter des Reichskanzlers über seine Londoner Mission Bericht erstattet hatte, heute mittag den Reichspräsidenten v. Hindenburg unterrichtet. Am Nachmittag hat sich Dr. Gauß nach Norderney begeben, um vor dem Rcichsaußenminister Dr. Stresemann zu referieren, und im Anschluß daran zu Reichskanzler Dr. Luthdr, der sich bekanntlich auf Helgoland aufhält. Erst wenn alle diese Persönlichkeiten unterrichtet sind, wird die Entscheidung fallen, wann das Kabinett sich mit dem Bericht des Herrn Dr. Gauß in einer besonderen Sitzung beschäftigen wird.
Es wird nochmals darauf hingeroiefen, daß es sich bei der Londoner Iuristenkonfe- renz lediglich darum handelte, die politischen Besprechungen v o r z u b e r e i t e n. Diese Ausgabe ist einigermaßen befriedigend g e l ö st worden. Herr Dr. Gauß hat ausreichend Gelegenheit erhalten, sich über die Auffassung der Gegenseite zu orientieren, wie sich die Alliierten di: Formulierungen des geplanten Paktes und die Auswirkung dieser Formulierungen vorstellen.' Politische Entscheidungen sind in London jedoch keinesfalls getroffen worden.
Genf, 9.-Sept (XU.1 Von Seiten der eng- litten Delegation des Völkerbundes wird nut geteilt: Heute pcrmntag fand die erste offizielle Zusammenkunft der Außenminister Chamberlain, Briand. Bande r- oelbe und des ersten italienischen Delegierten beim Völkerbund Seialogo mit den drei Sachverständigen Sir Ce ’.I Hur st, Aroma g eo i und R o l l i n statt. Bon Seiten der drei Außenm ster wurde offiziell fest- gewellt, daß die Londoner Srchverftändigen- besvrechungen mit dem deutschen Ministerialdirektor Dr. Gauß :'nen sehr wichtigen Fortschritt 'n Verhandlungen über den Sicher hei-svakt bedeuteten, sodaß eine Besprechung der alliierten Außenminister mit Dr S t r e s e - mann die beste Aussicht auf Erfolg hätte. Die drei k'rßenministcr faßten den Beschluß, au die Reichsregierung mit der Aufforderung heranzutreten, an einer demnächst staUunSen- den Konferenz teilinnehmen. Die Konferenz wird, wie 'man hört, in Lausanne stattfinden .
Mn und die Londoner zursiienkonferenz
‘Berlin, 9. Sept. ($11.) Ministerialdirektor Dr. Gaus hatte gestern Besprechungen mit Staatssekretär Schubert und mit dem Stellvertreter des Reichskanzlers, Reichswehrminister Dr. Gehler, über das Ergebnis der Londoner Juristenkonferenz. Heute vormittag hat er dem Reichsprä- fiben ten Bericht erstattet. Dr. Gaus und Unter ftaatäfefretär Schubert begeben sich heute Abend zum Außenminister Dr. S t re- fe m a n n und dann anschließend zum Reichskanzler, um den beiden Ministern Bericht zu erstatten. Gegenüber Meldungen der ausländischen Presse liegt, wie die Telegraphen- Union von zuständiger Stelle erfährt, eine besondere Einladung der Außenminister mit der Angabe von Zelt und Ort in Berlin bisher noch nicht vor. Für das Reichskabinett ist bisher noch die Demarche des franzö- sische'n Botschafters de Margerie maßgebend,
der bei der Ileberrelchung der letzten französischen Rote Einladungen sowohl zur Juristenkonferenz wie zu einer allgemeinen Paktkonferenz überreicht hatte. Was das Ergebnis der Londoner Juristenkonferenz angeht, so muh Betont werden, daß sich die Juristen an ihr Mandat gehalten haben, die verschiedenen Standpunkte juristisch zu formulieren. In Sonderheit ist es Ministerialdirektor Gaus gelungen, sich nach den allgemein gehaltenen Wendungen in den französischen Roten nun ein klares Bild darüber zu verschaffen, wie sich die Alliierten einen Pakt materiell und technisch borftellen. Politische Probleme sind auf der Juristenkonferenz nicht behandelt worden und. soweit dieses im Rahmen der Konferenz nicht zu vermeiden war, sind die verschiedenen Standpunkte besonders juristisch formuliert worden. Beschlüsse sind nicht gefaßt worden. So darf festgestellt werden, daß das Ergebnis der Londoner Konferenz einen wichtigen Schritt zur Klärung bedeute. Wenn fremde Staatsmänner das Ergebnis für den weiteren «Gang der Ber- Handlungen optimistisch beurteilen, so ist das nur zu begrüßen. Die Stellungnahme der Reichsregierung kann jedenfalls erst erfolgen, sobald die Minister einzeln und das Kabinett in seiner Gesamtheit die durch die Londoner Konferenz geschaffene Lage geprüft haben.
Die Pariser Presse über dir Konferenz der alliierten Auheuminister.
Paris ,9. Sept. Die Pariser Presse mißt den Besprechungen der alliierten Außenminister große Bedeutung für die . kommenden Sicherheitsverhandlüngen bei. Die größte Beachtung schenkt die Presse der Frage der Lstgrenzen und im Zusammenhang damit der Beteiligung der östlichen Bundesgenossen Frankreichs an den Verhandlungen. Das „Echo de Paris" ■glaubt zu wissen, daß Briand für die Schaffung einer ,
„entmilit.irisiertsrk Zone im Osten"
sei. Der „Petit Parisien" schreibt, daß Polen und die Tschechoslowakei an den bevorstehenden Verhandlungen unmittelbar teilnehmen werden. Der „M a t i n" dagegen nimmt an, daß Polen und die Tschechoslowakei an dem ersten Abschnitt der Verhandlungen, der dem von England zu garantierenden Teil des Sicherheitsvertrages gewidmet sein wird, nicht teilnehmen werden. Der „Matin" glaubt ferner zu wissen, daß eine Konferenz der Großmächte, an der auch Italien teilnehmen wird, statt- finden wird und daß die Verbündeten von Deutschland verlangen werden, binnen kürzester Frist direkte Verhandlungen mit der Tschecho-Slowakei nmd Polen aufzunehmrn.
Gegen Artikel 16
Wie die „Information" ans Genf meldet, brachten zu Artikel 16 der VölkerbundSakw, gegen den sich bekanntlich Deutschland wendet, 18 Staaten 4 Abänderungsanträge ein.
1. Abändcrungsantrag: Die Staaten verpflichten sich, sofort mit einem Angreiferstaat alle kommerziellen und finanziellen Beziehungen abzubrrchen, alle Beziehungen zu Personen, die auf dem Gebiete des einen ober anderen Staats wohnen, zu verbieten, auch alle finanziellen, kommerziellen und persönlichen Verbindungen abzubrechen, mag der eine oder andere Staat Mitglied des Völkerbundes fein oder nicht.
2. Abänderungsantrag: Der Völkerbundsrat hat darüber ein Gutachten abzugeben, ob eine Verletzung des Paktes erfolgte oder nicht. Im Verlaufe der Beratungen des Böllerbundsrats, dürsten, die Mitglieder, die etucn'Krieg begannen unb die Mitglieder, gegen bi: ein Krieg gerichtet wurde, an Abstimmungen nicht teilnehmen.
3. Ab ändern ngsaytrag: Der Völkerbundsrat soll allen Mitgliedern des Völkerbundes den Zeitpunkt bekannt geben, für den er Maßnahmen für Verhängung eines wirtschaftlichen Druckes gegen den angreifenden Staat empfiehlt.
4. Abänderungsantrag: Wenn der Völkerbundsrar der Anschauung fein sollte, daß für einzelne seiner Mitglieder für eine bestimmte Periode eine Vertagung der. zu verhängenden Zwangsmaßnahmen ■ erfolgen sollte, weil aus diese Weife die beabsichtigten Zwecke besser erreicht würden, bann mag er das Recht dieser Vertagung anordnen. ■ •'
Eine neue Konferenz
Die ’ aus Genf vorliegenden Rachrichten lassen Übereinstimmend erkennen, daß die Frage des Sicherheitspaktes in ein neues Stadium zu treten beginnt. Die Vorbesprechungen der alliierten Minister sind soweit abgeschlossen. Pa in lebe hat bereits Genf verlassen, Bandervelde reist gleichfalls ab. Rur D r i a n b unb Chamberlain werben noch einige Tage in Gens bleiben zur Erlebigung von Fragen, bie nicht birekt mit bem Sicherheitspakt Zusammenhängen. Die Besprechungen haben ihren Abschluß gefunben in einer Konferenz, bie am Dienstag abenb bie alliierten Minister mit bem englischen Premierminister Baldwin hatten. In dieser Konferenz wurde, -Rach- richten aus Genf zufolge, bie Vereinbarung über bie weitere Fortführung ber Sicherheits- verhanblungen feftgetegt. Als das Hauptergebnis wird man wohl die Einkabu n g an Deutschland erblicken können, mit den Verantwortlichen Staatsmännern Frankreichs, Englands, Belgiens und vielleicht auch Italiens zu mündlichen Besprechungen zusammen zu kommen.
Es hat den Anschein, als ob die Einladung zu dieser Winisterkonferenz bereits nach Berlin abgegangen ist. Die Einladung selbst war am Mittwoch nachmittag allerdings noch nicht eingetroffen. Daß man aber auch an den zuständigen Berliner Stellen mit dem unmittelbar bevorstehenden Eintreffen rechnet, geht daraus hervor, daß die für Mittüwch angekündigte Abreise des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes von Schubert, ber nach Rorberney zu Außenminister Dr. Stresemann fahren sollte, verschoben worben ist. Man rechnet im Auswärtigen Amt offenbar mit ber Möglichkeit ,baß ber französische Botschafter eventuell telegraphisch ben Auftrag erhalten hat, bie in Genf beschlossene Ginlabung zu überbringen. Aus biefem Grunbe ist Ministerialbirektor Dr. Gantz am Mittwoch allein nach Rorberney abgereist.
Fest steht jebenfalls die Tatsache, daß die Berhandlungen der alliierten Minister in Genf zu einem gewissen Abschluß gebracht worben sind. Es ist sehr schwer, sich an Hand der vorliegenden Rachrichten üher den Verlauf dieser Besprechungen sowie der Juristenkonferenz in London ein einigermaßen zutreffendes Bild über die augenblickliche Lage zu machen. Bemerkenswert ist eine Aeuherung des belgischen Delegierten auf der Londoner Konferenz R o l l i n , der erklärte, daß bie Differenzen zwischen den deutschen Vorschlägen und denen der Entente- Mächte bedeutend geringer seien, als man hatte glauben können. Diese Aeuherung wird in gut unterrichteten politischen Kreisen dahin ausgelegt, daß es tatsächlich dem deutschen Vertreter Ministerialdirektor Gauh gelungen ist, gewisse Formulierungen dürchzusetzen, die dem deutschen Standpunkt gerecht zu werden scheinen. Dabei muß man allerdings berücksichtigen, daß über den Hauptstreitpunkt, die östlichen Schiedsverträge, in den Londoner Besprechungen gar nicht gesprochen worden ist. Gegenstand der Besprechungen ist offenbar nur der W e st p a k t gewesen. Es scheint, daß es hier gelungen ist, für ben Begriff bes u n p ro v o z i e r t e n Angriffes. eine unzweibeutige Formulierung zu erreichen, bie jeben Mißbrauch ausfchlietzt.
Man wirb ohne weiteres annehmen können, bah nicht in Lßnbon, wohl aber in Genf bie Frage des Eintritts Deutschlands in den Bölkerbund besprochen worben ist. Ob man aber auf Seiten ber Alliierten gewillt ist, ben deutschen Vorbehalten Rechnung zu tragen, ist immer noch ein Geheimnis. Deutschland hat den Eintritt in den Völkerbund an zwei Voraussetzungen geknüpft, unb zwar Einräumung eines stänbigen Sitzes im Völkerbunbsrat unb Richtanwendung des Artikels 16 (Durchmarsch bei Exekution bes Dölkerbunbes) auf Deutschland. Die erste Voraussetzung ist erfüllt durch eine bereits früher gegebene offizielle Zusage des Bölker- bundsseckretariats. Der zweite Vorbehalt harrt noch der Erfüllung. Wan weih auch heute noch nicht, ob die Alliierten Bereit sind, nach dem Eintritt Deutschlands in den Bölkerbunb einen Beschluß durchzusetzen, durch den Deutschland vorläufig von den Verpflichtungen des Artikels 16 Befreit wird.
Heber die Haltung der deutschen Regierung wird sich erst dann etwas sagen lassen, wenn das ReichskaBinett zu dem Bericht des Ministerialdirektors Dr. Gauh Stellung- genommen. hat. Die auf Urlaub befindlichen Minister, insbesondere Dr. Stresemann, kehren Ende der Woche nach Berlin zurück. Ob es noch vor ber Abreise bes Reichskanzlers zu ben Festlichkeiten im ehemaligen Ruhr- unb Sanktionsgebiet zu irgendeiner entscheidenden KabinettSsitzuna tpmnw toirb. ist zweifelhaft. "