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Wöchentliche Unterhaltungsbeilage zur Oberhessischen Zeitung
1925
Marburg, den 5. September
Nr. 27
Ne MrrkirA in RtustM
Unter Öen Bauwerken öer Stadt Neustadt ist die Pfarrkirche bas zweit höchste Gebäude, der schlanke Dachreiter auf dem Chon erreicht eine Höhe von 45 Meter, wovon 2.46 Meter auf bas an der Spitze angebrachte eiserne Kreuz entfallen. Die Kirche, welche der heiligen Dreifaltigkeit geweiht, ist im Jahre 1502 von dem hessischen Hofmeister, Junker Hans von Dörnberg erbaut. Neustadt stand in den Jahren 1477—1550 unter der Pfandherrschaft der von Dörnberg. Der schlichte viereckige Turm, welcher an der Westseite durch eine breite abgeböschte Strebemauer gestützt wird, ist viel älter, er stammt noch von öer ersten Kirche her, beten Erbauungszeit nicht feststeht, aber wahrscheinlich kurz nach der um 1270 erfolgten Gründung öer Stabt erfolgt sein dürfte. Die Kirche ist eine spätgotische, zweischiffige Hallenkirche mit einschiffigem, aus dem Nchteck geschloffenen Chore. Nus Öen 5 schlanken, runden Schäften, welche das Hauptschiff von dem an der Dordseite befindlichen Seitenschiffe trennen, wachsen . die Rippen' öer Kreuzgewölbe in verschiedenen Höhen empor. An der südlichen Schisfswand wachsen die Rippen aus runden Diensten heraus. Im Chore dagegen sind reich gegliederte, oben achteckige, Dienst- kapitäler vorhanden. Die zweiteiligen Fenster haben spätgotisches Fischmahwerk. Die Strebepfeiler sind einfach mit konkaven Pultdächern. An öer Nordseite des Turmes wurde im Jahre 1849 eine Vorhalle, und in Öen Jahren 1878—1880 an der Nordseite des Chores eine Sakristei angebaut. Der alte Turm, öer ein ziemlich hohes Zeltdach trügt patzt in seiner jetzigen Höhe nicht zu der Kirche, die Glocken hängen zu niedrig, sodaß das Geläute nicht, zur vollen Wirkung kommt. Nach einem Gutachten des Bezirkskonservators Dr. Bickel- Marburg, im Jahve 1901 war eine massive Ausmauerung des Turmes um 3.20 Meter vorgesehen, deren Ausführung an der Kostenfrage scheiterte. An öer Noröseite des Chores außen über Öem oberen Fenster öer ehemaligen Sakristei finö örei große steinerne Kugeln von Basalt eingemauert, über welchen die Jahreszahl 1462 steht. Diese Kugeln erinnern an eine Belagerung öer Stadt durch den Landgrafen Heinrich von Hessen-Marburg. Damals stritten sich Diether von Isenburg-Bübingen und Graf Adolf von Nassau um den erzbischöflichen Stuhl in Mainz. Hierdurch entstand zwischen den beiden Prätendanten ein blutiger. Krieg, durch den die Erzdiözese Mainz schwer geschädigt wurde. Auf beiden Seiten verpfändete man, um die Mittel zum Kriege gu bekommen, die Kirchengüter. Diether von Isenburg verpfändete auch Neustadt an den Landgrafen Heinrich 1IL von Hessen-Marburg für eine Geldsumme von 4000 Gulden. Hiervon wollten jedoch die Neustädter nichts wissen und hielten es mit Adolf von Nassau. Dieser kam im Januar 1462 nach Hessen und hielt am 25. desselben Monats seinen Einzug in Neustadt, nahm die Huldigung der Bürger entgegen und bestätigte der Stadt ihre Privilegien. Nach dessen Abzug rückte Landgraf Heinrich im Juli 1462 mit seinem Heere in die mainzischen Besitzungen in Oberhessen, eroberte die Melnau bei Wetter und die Nellenburg bei Neustadt. Die Stadt belagerte er gleichfalls und lag 14 Tage davor. Wer die Stadt wehrte sich tapfer und so sehr der Landgraf III. sich auch anstrengte, so konnte er doch nicht Herr der Stabt werden. Da eilte der Landgraf Ludwig von Niederhessen herbei und vermittelte zur Vergütung weiteren Dlutvergiehens zwischen Heinrich und der Stadt einen Vergleich am 30. Juli 1462 des Inhalts, daß die Feindseligkeiten eingestellt werden sollen, bis zur endgültigen Entscheidung, wo der rechtmätzige Erzbischof von Mainz ist. Der Krieg entschied zu Gunsten Adolf von Nassau und dieser blieb Erzbischof. Außen an der Südseite des Chors und im Innern am Schlußstein des Chorgewölbes ist das Wappen des Erbauers Hans von Dörnberg und seiner Gemahlin Lückel von Hatzfeld angebracht. Der Junker war in erster Ehe mit Anna von Ebersberg, genannt Weyers, verheiratet. Beide Frauen liegen in öer Elisabethkirche in Marburg begraben, wo jetzt noch öie Grabmale gegenüber öer alten Elisabethkapelle zu sehen finö. Hier an öer Seite seiner Gemahlinnen hatte sich Hanz auch ein Grab mauern lassen, doch ging sein Wunsch, hier bestattet zu toeröen, nicht in Erfüllung, Wahrscheinlich Gegt er in öer Burgkapelle zu Friedberg begraben.
Am Aeußern des Chors befindet sich ein Grabstein, der im hohen Relief die beiden Verstorbenen Johann von Fischbach t 1448 und seine Frau f 1446, Tochter Heinrichs von Gittinge, zu beiden Seiten des Kruzifixes knieend, mit ihren Wappen darstellt.
Am Eingang in die Kirche befindet sich ein Weihwasserstein vom Anfang des 16. Jahrhunderts, ein halb achteckiges Prisma, Unten abgerundet, oben mit einem Blatt» fletoinöe geschmückt. Der spätgotische Taufstein bilbet ein oben prismatisches unten pyramidal zulaufendes Achteck mit Maß« werkschmuck. Er befindet sich in öer Turm
Halle, deren Kreuzgewölbe reichgegliederte Birnstabrippen hat. Der aus der Barockzeit stammende Hochaltar, ein Meisterwerk öer Holzschnitzkunst, enthält öie lebensgroßen Figuren öer vier Aposteln: Matthäus mit öem Kinde, Markus mit öem Löwen, Lukas mit öem Ochsenkopf und Johannes mit öem Adler, lieber dem Tabernakel befindet sich das Bild der hl. Dreifaltigkeit, des auferstandenen Heilands und des guten Hirten, alle in Holz geschnitzt. Links vorn Hochaltar befindet sich das Sakramentshäuschen, ein nur wenig aus der Wand hervortretenber türm artiger Dau aus den letzten Zeiten der gotischen Kunst, ziemlich reich aber von roher Ausführung. Rechts vom Hochaltar steht öie mit Holzschnitzereien reich verzierte Kanzel, öeren Schalldeckel Engel und öie Statue der hl. Maria schmücken. Im Seitenschiff befinden sich zwei Altäre: ein Klappaltar (Schnitzaltar) mit der Darstellung der Kreuzigung und vier weiteren Passionsszenen, sowie der steinerne Kriegergedächtnisaltar. An dem Pfeiler verkünden zwei Holztafeln die Namen von 71 Soldaten, die im Weltkriege 1914—1918 den Heldentod fürs Vaterland starben. Auf der Holzempore im Hauptschiff steht die Orgel, erbaut von Orgelbauer Schreiber in Schmalkalden. Sie enthält dreißig klingende Register, wird mittelst Röhrenpneumatik gespielt und elektrisch betrieben. Die im Kriege abgelieferten Prospektpfeifen sind leider noch nicht wieder ersetzt, sodaß das herrliche Werk nicht vollständig gespielt werden kann. Die früher vorhandene zweite Empore ist bei der allgemeinen Renovation der Kirche im Jahre 1905 durch den Herr Pfarrer August Ebel beseitigt worden, wodurch Öer Gefamteindruck öer Kirche erheblich verbessert worden ist. Die Ausmalung der Kirche erfolgte im go- thifchcn Stile, zwei neue Chorfenster sowie die übrigen Fenster lieferte das Elhsche Institut für kirchliche Kunst in Kassel. Ein vierter Altar wurde auf öer Empore im Seitenschiff angebracht. Der Chor erfuhr eine Tieferlegung, wodurch Raum für Aufstellung des Gestühls gewonnen wurde.
Von den fünf Kirchenglocken, öie vor dem Kriege hoch überm niederen Erdenleben im blauen Himmelszelt als Nachbarinnen des Donners schwebten, mutzten drei tjerumter- fleigen und als Opfer auf den Altar des Vaterlandes gebracht werden. Einige von ihnen hatten fast 500 Jahre vielen Generationen sreud- und leidvo'le Stunden mit ihrem ehernen Munde verkündet und an jedem wechselvollen Verhängnis, das unten tief öem Menschenkinde entgegentrat, laut teilgenommen. Gar vieler Menschen Ohr wurde gerührt, wenn die Glocke mit dem Betrübten klagte, oder stimmte zu der Andacht Chor. Die größte Glocke trägt öie Inschrift:
Hosanna heiß ich,
Die Lebendigen erfreue ich, Die Dodten beklage ich, Gottes Lob kling ich, Melchior Moering gos mich, Zu Erfurt war ich.
Anno MDCXII (1612) den II. Dctober gegossen worden. Die Zeit waren Magister Valentin Schick Parochus, Doetcr Henrieus Kornemann Cellarius, Henrieus Gauland Con- ful Neostadii.
Diese Glocke ist. der Kirche erhalten geblieben.
Die zweitgrößte Glocke hatte die Inschrift: Anno Domini XVcXX (1520) .In honore s. Georgii.
Sie wurde nach den städtischen Rechnungen von Meister Friedrich zu Homberg in H. ge« o ffen und ebendaselbst bezw. zu Holzhausen 'bet Homberg 1836 umgegossen laut öer weiteren Inschrift: Anno 1836 sub consule A. Ruhl, urbis praefecto A Bode et parveho W. J. Kodes haec campana anno 1827 scissuram passa restaurata est mense 18 Dezembr.
Zum Gottesöienst ruf ich öie Leute, auch Tobte kündet mein Geläute. . Der Neustadt gehör ich. >
F. Darlholomai und I. Teutschrnann zu Holzhausen bey Homberg.
Diese Glocke, öie .Totenglocke" genannt, touröe früher bei Begräbnissen von Erwachsenen geläutet
Die öritte Glocke hat öie Inschrift:
Anno Domini, millesimo quadringentesimo triccsimo quarto circa festum Joannis Baptiste (1434).
Diese läutete bei Beginn des Werktags- Gottesbienstes und zeigte auch die Viertelstunden des Tages an. sowie früher Öen Beginn des Schulunterrichtes um 1 Uhr nachmittags. Auch zu Öen Hochzeitsfesten, wenn in öer Dräute Locken spielte der jungfräuliche Kranz, luö ihr Klang zu Öes Ledens schönster Feier. Diese älteste Glocke unter ihren Schwestern blieb wegen ihres kulturhistorischen Wertes erhalten: sie stammt noch aus öer ersten Kirche unserer Stadt
Die vierte Glocke trug die Aufschrift
Anno 1745 goß mich Kutschbach. „Gloria Sanctissimae Trinitate“.
Diese „Wehglocke" tief zum Frühgottes- öienft und begrüßte auch mit öer Freude
aus Ober- und Niederhessen. Wer auch die Neustädter, die in Großstädten und in der weiteren Umgebung weilen, lassen es sich nicht nehmen, an ihrem Heimatsfeste, öer Kirchweih. sich einzufinden.
Bei der vor wenigen Tagen beendeten Nm- Bef (Lieferung des Dachreiters durch die Doch- betfer Gebrüder Conrad und Niepoth von hier, glaubte man in der Kuppel unterm Kreuz Aufzeichnungen aus früheren Jahrhunderten zu finden ,was aber nicht zu traf. Von Bürgermeister Linke wurde ein Schriftstück versaßt, welches über die jetzigen Verhältnisse der Stadt sich ausfpricht. Dasselbe ist von dem Magistrat der Stadt unterzeichnet, in einet versiegelten Flasche verwahrt und in der Blechkuppel. des Dachreiters angebracht worden. Für spatere (Generationen soll diese Urkunde Kunde geben von den heutigen städtischen Verhältnissen.
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Ois Born ftitt ean br ^eannergafP *). Vo dem will eich aut schreiwe Sei goures, frescheS, koihles Naß Helft Dorscht ean Braab vertreitve. Wer tagenaus sei Wasser treankt Ihr könnt uch broff verlasse. Der iS in oifem Bornverein, AIS Mitglied o'geschlosse.
Ke Wasserleitung noch so fei, Kann ois b' Born ersetze, Wu fönte ba bie Weiwer fast Z'samme stieh ean schwätze?
Die c langt Wasser, wäscht Salat Ean baut bie Schnegel *) lease, Däi toirrer macht b7 * -Krache4) feucht Die aner buntt öhrn 93eafe.6) Ean jebe brengt aut Staues mit*) WoaS noch ke Mensche toäiS.
UmS GouttSwänn nur beroar7) welch ntt Eich hunS vo em, bersch wäiS.
Doch manchmal fehlt ach goar net viel Da atz fäi sich bei bem Deschkurirn Goar o7 b7 Haarschnätz *) kriege.
Da timmt ean jeder o die 2Bltt9 * 11) Könnt nur br Born geschwätze bo könnt eich jebe Wach aut hibsch EanS Wacheblättche setze.
Dach Schwamm broff, willS met Weiwer nit Verscharre") un verberwe, Eich könnt om En, mr wäitz boS nit Ken goure Dutn) gesterwe.
Will lätocr uch aut soft verzöhn, Die aner Seit met Silbern DS Leawe un bs Treiwe häi Vom Barnverein nach schildern.
Eam Heannergrond die Lehmekaut12 *) Met SchiwetkarlS Terrasse ^) Un wer e Eise haut berlorn,14 * *) Kann häi beseh loh sich laasse.
Dr Schmied wuht goar nit weit dervoo, Häi hört mr viel Geklimper litt spielt br Ernst sei Guitarr, Dann streckt sein Honb b' Stümper. ' Ach wann eam Dippche iS e Lach WäiS jede Ftaa hot z7 * brache") Dr. Bleachschmieb wuht häi ean br Näh', Der kann boS zougemache.
Oach wuht bie Keannftaa goar nit weit Für Männer aut, für fange, Däi hun bs ganze Piaster schu Zaum Gronbburem nean gefpronge.K) E Bänkelche iS afgestahlt Für alle Fäll ean Stücke, Da bau sich ,wannS hibsch bankel iS Die LieweSpärche brücke.
Aach släißt br Bornbach") häi, vorbei Wu sich bie ®eiS19) brin boare. Die Hoiher o bm Heckeranb Däi bittren sich eam Schwoare. *"(
Die feinste Leu nur, gläbtS ihr Keanu Däi sei bei oiS berträre, Sogar br Pärner wuht häi groab, Der für ois Sünn mutz bare. 21( DS Backhaus ean br Born ihr Leu, DoS sei bie Dorfzentrale, Wann Keandboaf oarocr Bräu8I) in Siebt Wirb häi Rewu gehahle.
Häi iS br schinste Platz eam Ort Trotz allerlei Gebreache, DiS gourer Born sorgt für ois all, Deß teer baut erleache.
Obenhausen. H. Bastian.
Feierklänge das neugeborene Kind bei der Taufe „auf seines Lebens erstem Gange, den es in Schlafes Arm beginnt.“
Die fünfte Glocke .welche sich im Dachreiter befand, läutete früher bei Begräbnissen von Kindern. Sie trug öie Inschrift:
„Anno 1745 goß mich Friede. Kutschbach.“
Der Klang öer fünf Glocken ergab ein har« manisches Geläute unb war weit unb breit zu hören. Der Abschied der drei Kirchen- glocken, wozu sich als vierte noch die Sturmoder Feuerglocke vom Rathausturm gesellte, war für die hiesige Bevölkerung recht schwer und mit stiller Wehmut gedachte fie öer Glocken, öie Freuö unb Leid mit ihr getragen hatten. Denn was immer dem Menschenkinde das wechselnde Schicksal brachte, es schlug an ihre metallenen Kronen, öie es erbaul'ch weiterklangen. Am 26. Juli 1917 erfolgte die Abnahme öer Glocken vom Kirchturm unö vom Rathaus unter großem An- örang öer Bevölkerung. Nachdem sie auf öen Wagen gebracht, wurden sie untefi lebhafter Anteilnahme von Jung unö Alt auf öem Marktplätze photographiert. Diese Bil- öer bilden heute eine schöne Erinnerung an dieses Ereignis in dem furchtbaren Weltkriege. Ein Ersatz für die abgelieferten Glocken ist leider bis heute nicht beschafft worden, sodaß die zwei verbliebenen Glocken nur ein unmelodifches Geläute abgeben.
Im Schiff der Kirche sind im Laufe der Zeiten manche Beisetzungen erfolgt, wovon hier einige Erwähnungen finden sollen. 1860. den 22. Octrobris ist morgens früh zwischen 4 und 5 Uhr die Wohladelgeborene Frau Eva von Boeneburg geborene Linsing, gewesene Eheliebste weyland des Hochwohl« aöelgeborenen Walrab von Boeneburg ge« nanntHonstein, Fürst!. Fuldischer Rath unb Oberschulz in unserer Kirche nahe der Stiege auf die Canzel ’ begraben worben.
1705, den 6. Juli, ist des Ab«rds nach 9 Uhr die sei. verstorbene Fräulein Maria Slibeth von Linsingen im 51. Jahre ihres Alters ungefähr lutherischer Religion, in hiesiger Pfarrkirche nahe bei öen untersten Altar unö Beichtstuhl begraben worden.
1724, den 14. August, wurde der Leichnam der verstorbenen gnäbigen Fräulein Eleonore Cordula v. Linsing in der hiesigen Kirche bestattet. Dieselbe vermachte der Kirche ein Kapital von 1200 Gulden als Stiftung zum Andenken an die Familie Linsing.
1575, den 7. Januar, starb der Hochw. H. Johann Jacob Marder, Pfarrer von Raum« bürg. Er wurde begraben zu Neustadt in öer Pfarrkirche vor öem Muktergottes«Altar.
1710, öen 29. April, touröe begraben öer Hochwürdige Pfarrer H. Heinrich Drodthin, er wurde beigesetzt in der Kirche auf öer Evangelienseite vor öer Sakristei.
1750, öen 27. Januar, starb zu Neustaöt Pater Dalöuin Löw, Cistercienser Ordens, welcher nach Neustadt zur Hochzeit feiner Schwester Ursala Ferrarin gekommen war. Er wurde gleich Öen Aöeligen unb Beamten in öer Pfarrkirche begraben.
In den Zeiten bes 30jährigen Krieges 1618 bis 1648 hatte nicht nur bie Stabt unö ihre Bewohner unsägliche Drangsale zu eröulöen fonbetn auch bie Kirche würbe beraubt. Im Dezember 1621 lag Christian von Braunschweig mit seinen Truppen hier unb wie uns die Chronik berichtet, wurde alle fahrende Habe, Geld unb Lebensmittel, Kleidungsstücke, Vieh, alles, was nur Wert hatte, geraubt, unb was nicht wegzubringen war, in boshafter Weise zerstört. In ber Kirche wurden Schränke, Kisten unb Kasten zerschlagen, sämtlicher Kirchenornat: Meßgewänder, Chormän« tel, drei kostbare Kruzifixe, zu Meßgewändern gehörig, mit guten Perlen, etlichen Edelsteinen und goldenen und silbernen Zierraten, alles zusammen im Werte von 1349 Gulden fortge» schleppt. Dem Pfarrer Pauli wurde bei feiner Ausflucht an ber Pfarrhauspsorte fein neues Festgewand gewaltsam hinweggerissen unb das ganze Pfarrhaus ausgeräumt. Ein Meßgewanb brachte ber Förster Deiker wieder zurück. Die zufammengeschmolzene Me- tallmaffe von den drei Monstranzen fand sich später wieder auf ber Kellerei vor, die zwei Kelche aber blieben verschwunden.
Die lutherische Reformation hat in Neustadt um das Jahr 1527 ihren Eingang gefunden unb von 1530 ab hat der spezifisch katholische Gottesdienst in ber Pfarrkirche aufgehört. Die Einführung bes protestantischen Kultus geschah unter bem Einfluß ber Herren von Dörnberg, welche als Herren der Stadt nach dem Grundfatz verfuhren:
„cujus regio illius et religio“.
Als bann später die katholische Gegenreformation einsehte und das Stift Amöneburg einen Kanonikus Bernhard Jäger als Pfarrer von Neustadt präsentierte, fand der katholische Glaube wieder Eingang und in 1597, also nach 70 Jahren, wurde wieder der erste katholische Priester in ber Pfarrkirche angestellt. \
Die Feier des Kirchweihfestes finbet alljährlich am Dreifalti gkeits-Sonntag statt. Dasselbe fällt in bie schönste Jahreszeit und erfreut sich eines regen Besuches von Gästen
1) Unser Brunnen, 2) Sintergaffe, 3)
Schnecken, 4) Rechen, 5) Besen, 6) Weitz
eine Neuigkeit, 7) verrate, 8) Haarzöpfe,
9) Wird jeder abgeurteilt, 10) verschütten,
11) keinen guten Tob sterben, 12) Lehm
grube, 13) HauSname, 14) hier wohnt ber
Schmied, 15) wird viel musiziert, 16) An
spielung auf Nachttopf, 17) Anspielung
auf schlechtes Pflaster, 18) ber Dorsbach,
19) Gänse baden, 20) Schatten, 21) mutz
für unsere Sünden beten, 22) Äinbtaujte
unb Hochzeit.