RiNwd», W AugllsI 1925
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SüHrlterf frei!
$ ü i f e l b o r f, 25. Aug. (TU.) Unter völliger Teilnahmlofigkeit des Publikums fand heute früh die letzte französische Militärvarade st ~!. Um 9 Uhr marschierte das franzöfische Militär drrch die abgesperrten Strotzen der Stadt ü er die Rüeinbrücke. Um 9.45 llbr verlieh er letzte französische Soldat, ein Kavallerist, das rechte Rhrinufer.
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ter Molt ter Antwortnote
Paris, 25. Aug. (TU.) lieber den 3n- halt der französischen Antwortnote bringen nur die amerikanischen Morgenblätter nähere Angaben. Aach dem „Aewhork Herold" betont die französische Regierung die Unverletzbarkeit des Versailler Vertrages, die Garantierung der Ostgrenzen durch Frankreich und die vorbehaltslose Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund. Die Rote, die sehr entgegenkommend abgefaßt ist, läßt deutlich das Bestreben Frankreichs erkennen, die deutsche Regierung zu einer optimistischen Auffassung der französischen Vorschläge zu veranlassen.
Der Bersailler Vertrag, so führe die Note aus, enthalte für Frankreich nicht nur Rechte, sondern auch Verpflichtungen und daher müsie die französische Regierung auf die Unverletzbarkeit des Vertrages achten. (!!)
' Heber die Garantierung der Ostgrenzen durch Frankreich werde erklärt, dah die Möglichkeit einer militärischen Aktion Frankreichs in weiter Ferne steht und nur unternommen Würde, wenn eine Verletzung der Oststaaten durch Deutschland untrüglich nachgewiesen sei. Ein Zugeständnis an Deutschland sei, das) das Prinzip der Schiedsgerichtsbarkeit in der Note sestgestellt sei und zwar nicht nur in wirtschaftlichen und juristischen, sondern auch in politischen Streitfragen. Die deutsche Forderung nach Entbindung von Artikel 16 des Völkerbundes werde mit dem Hintrieis aus den früheren Notenaustausch zwischen Deutschland und dem Dölkerbundsrat in dieser Frage beantwortet, wobei allerdings ausdrücklich hmzugefügt werde, dah die Klärung der Frage allein dem Völkerbund zustehe. Die französische Note enthalte keinen direkten Vorschlag zur Einberufung einer Konferenz der Außenminister und juristischer Sachverständiger, doch werde zum Schluß ausdrücklich betont, dah die Periode des schriftlichen Meinungsaustausches nunmehr abgeschlossen sei. Die französischen Morgenblätter, stellen, an Berliner Pressekommentare anknüpfend, fest, daß die deutschen Beschwerden wegen der verzögerten Heberreichung der Antwortnote durchaus ungerechtfertigt seien.
Die Gründe für die späte Veröffentlichung der französischen Note.
Berlin, 25. Aug. (TU.) Das Reichs- taBjneti ist heute vormittag um 11 Uhr zusammengetreten. Die Tagesordnung ist sehr umfangreich und man nimmt an, daß die Beratungen 2—3 Stunden Hauern werden. Die französische Note ist int Laufe der Nacht übersetzt worden und liegt gleichfalls dem Kabinett vor. Wie die Telegraphen-llnion hört, soll die Veröffentlichung der Rote deshalb erst am Freitag vormittag in Berlin und Paris erfolgen, weil der französische Ministerpräsident Painleve den Wunsch ausgedrückt hat, angesichts der Wichtigkeit der Note persönlich die französische Presse zu informieren. Painleve fährt aber erst am Donnerstag aus seinem Kuraufenthalt nach Prag zurück. Don deutscher Seite ist der Wunsch ausgedrückt worden, die Veröffentlichung schon am Mittwoch vorzunehmen. Da aber nach diplomatischem Gebrauch die Wünsche des Absenders den Vorzug haben, hat sich die Reichsregierung der französischen Begründung nicht verschließen können. Die Note selbst geht auf die drei in der deutschen Note erwähnten Punkte ausführlich ein und betont zum Schluß, daß ein Notenaustausch nicht zu dem gewünschten Ziele führen könne. Einen positiven Vorschlag zu Verhandlungen enthält sie dagegen nicht.
tung hätten, ist bis zur Stunde über den Stand der englisch-sranzösischen Schuldenverhand- lungen nichts bekannt. In unterrichteten Kreisen erwartet man schon innerhalb der nächsten zwei Tage eine Erklärung der Lage, sodaß Caillaux dem französischen Kabinett möglicherweise bereits am Donnerstag eine vorläufige Abmachung zur Bestätigung vorlegen wird, indes nimmt man allgemein an, daß eine endgültige Regelung der Frage bei dieser Gelegenheit noch nicht erwartet werden kann und daß vielleicht ein zweiter Besuch des französischen Finanzministers in London nötig fein wird. Die allgemeine Position bei Beginn der heutigen Verhandlungen wird rote felgt angegeben: Frankreich schuldet Großbritannien 623 Millionen Pfund Sterling. In Lord Balfours Note wurde seinerzeit, als die Gesamtschuld der Alliierten an Großbritannien sich auf mehr als 2 Milliarden Pfund belief, erklärt, daß England gewillt sei, eine Milliarde Pfund zu opfern und von feinen Verbündeten nur einen Betrag zu fordern, der die englischen Zahlungen an die Vereinigten Staaten unter dem Raldwinabkommen “für die kommenden 62 Jahre decke, ohne daß Großbritannien indessen feinen Anspruch auf die restliche Milliarde aufgegeben hätte. Das vor wenigen Wochen von französischen Finanzexperten gemachte Angebot auf Zahlung einer jährlichen Summe vcn drei Millionen Pfund und wettere vier Millionen Pfund aus den Daves- Einkiinfteu, wobei England jede zu befürchtende Transferfckwierigkeit, den letzteren Betrag mit nut L6 % vom effektiven Wert in Anrechnung bringen wollte, wurde in London als vollkommen unangemessen bezeichnet. Dte englische Forderung lautete seinerzeit auf zwanzig Millionen Pfund Sterling, wobei vielleicht noch mit einem Nachlaß von zwei bts drei Millionen Pfund gerechnet werden konnte. Angesichts biefer' krassen Spannung sieht man in London dem Ergebnis der Besprechungen mit größtem Interesse entgegen.
Die heutigen Beratungen zwischen Caillaux und Churchill.
London, 25. Aug. (TU.) Churchill und Caillaux haben heute ihre Besprechungen im britischen Schatzamt fortgesetzt. Gleichzeitig haben auch die Finanzsachverständigen Sir Otto Niemeyer und Barnaud bte Beratungen über die technische Seite der Schuldenfrage wieder aufgenommen. Halbamtlich wird ausdrücklich bemerkt, daß die Verhandlungen der Finanzminister vollkommen informell geführt werden. In einer Betrachtung über die Londoner Verhandlungen gelangen die „Times" zu dem Schluß, daß Frcmkerich die volle Möglichkeit habe, feine Schulden zu bezahlen. Frankreich würde nicht den geringsten Vorteil davon haben, wenn England feine Forderung ermäßigte oder ganz • fallen ließet da dann die Vereinigten Staaten ihre Forderung entsprechend erhöhen würden. Der Schatzkanzler müsse dafür sorgen, daß keine Einigung zustande käme, durch die die britischen Steuerzahler noch schwerer belastet würden.
M MM-frMBUchMZchMWLchMdZUMN Der Stand ter englischen Fortemngen
Große Schwierigkeiten in London. — Ergebnislosigkeit der Verhandlungen?
P a r i s, 25. Aug. (TU.) Die Londoner Sonderberichterstatter der französischen Pckesse bereiten darauf vor, daß Caillaux im Laufe der Woche unverrichteter Dinge nach Paris zurückkehren wird. Es hat sich herausgestellt, daß die Gegensätze infolge der schwierigen Lage, in der sich sowohl Churchill wie auch Caillaux gegenüber der öffentlichen Meinung chrer Länder befinden, zurzeit noch nicht überbrückt werden können. Die gestrigen Verhandlungen haben einen rein technischen Verlaus genommen. Zur Sprache gelangte hauptsächlich die Anwendung des Dawesplanes und die Ueber- tragung der deutschen Zahlungen. Bon englischer Seite sollen nach Londoner Pressemeldungen jetzt Jahresleistungen von 18 Millionen Pfund gefordert werden, die in Beträgen von zwölf und sechs Millionen zerfallen. Die erste Summe solle direkt von den französischen Steuerzahlern aufgebracht werden, die andere mehr aus dem französischen Anteil aus den Erträgnissen des Dawesplanes angerechnet werden. Falls Deutschland nicht zahle, soll Frankreich die Summe aus eigenen Mitteln aufbringen.
Die französische Presse erwähnt ausführlich diesen dem britischen Schatzamts zugeschriebenen Plan und kommt zu der Feststellung, daß die französischen Zahlungen in weitgehendem Maße von dem Ertrage des Dawesgutachtens abhängen werden. Die Blätter weifen darauf hin, daß Frankreich nach den Londoner Slbmatbungen von Deutschland im Jahre 1925 eine Milliarde 300 Millionen Papierfranken, im Fahre 1926 eine Milliarde 800 Millionen, 1927 drei Milliarden und 1928 vier Milliarden erhalten soll. Jedoch würden die Zahlungen zum größten Teil in Naturalleistungen erfolgen. Frankreich habe zwar später auf Jahresleistungen von fünf Milliarden Franken Anspruch, erhalte aber »/s davon in Naturalleistungen. Es besteht die Gefahr, daß Frankreich diese Naturalleistungen nicht völlig aufnehmen könne. Caillaux habe den Schatz- Kanzler eindringlich auf die Schwierigkeiten des Dawesplanes hingewiesen und ausführlich die Transferfrage erörtert. Schließlich habe noch Caillaux betont, daß Italien keine günstigere Behandlung als Frankreich eingeräumt werden dürfe. Ohne den Unterschied in der Zahlungsfähigkeit der beiden Länder zu verkennen, werde die französische Oeffentlich- heit nicht verstehen, daß das englische Kabinett aus politischen Gründen Italien weitgehendere Zugeständnisse machen roürs».
Der Stand der englischen Forderungen.
L o n bon. 25. Aug. (TU.) Außer einer amtlichen Erklärung, baß Caillaux und Churchill bei Eröffnung ber heutigen Besprechungen eine äußerst herzliche Unterhal-
Neuer Flugzeitrekord.
Hamburg. 25. Aug. (TU.) Der Hamburger Pilot Petersen stellte am Montag für die St'-cke Frankfurt a. M.—Hannover—Hamburg einen neuen Flugzeitrekord auf. Er flog mit der Aerolloydmaschine D 533 die 400 Km. lange Flugstrecke in der 'iner Flugzeit von 3% Stunden, wozu der Schnellzug mehr als 10 Stunden gebraucht.
Wicnhmg und freie Konkurrenz
Berlin, 25. Aug. (TU.) Don unterrichteter volkswirtschaftlicher Seite wird bei Tele- graoben-Union mitgeteilt: Bei Erörterung des zur Zeit brennendsten Problems ber Preissenkungsaktion wurde in ber Presse wieberholt darauf lsingewiesen, baß das liebel nicht bi d) die Wiedereinführung ber Zwangswirtschaft, wenn auch in zeitgemäß veränderter Form, sondern durch die Schaffung einer freien Äoir kurrenz behoben werben könnte. Es kann sich dabei nicht um eine freie Konkurrenz von feiten des Auslandes handeln, denn eine derartige Konkurrenz, verbunden mit einer Ceffnung bet Grenzen, kommt für das verarmte Deutschland vorläufig nicht in Frage und ist von ber Regierung und dem Reichstag durch die Annahme ber Zollvorlage für die nächste Zeit in negativem Sinne, entschieden worben. Die Konkurrenz von seilen des Auslandes bat außerdem den Nachteil, baß sie in erster Linie auf die Erzeugerpreise drückt, die bei uns bekanntlich zum größten Teil unter dem normalen Niveau liegen. Es kann sich also in erster Linie nur um die
Schaffung einer freien Konkurrenz im Jnlanbe1 handeln, die vor allem auf die zur Zeit un
verantwortlich große Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherkreisen druckt. Der Schaffung einer derartigen Konkurrenz stehen hauptsächlich die Preisvorschriften der Handelsorganisationen und ber Kartelle entgegen. Paragraph zehn bes Kartellgesetzes gibt bem Reichswirtschaftsminister bas Recht, in be- grünbeten Fällen bie Preisvorschriften ber Kartelle unb Organisationen außer Kraft zu setzen. Eine neue Entscheibung bes Kartellgerichts geht jedoch dahin, baß außer bem Reichswirtschaftsminister, auch bem beteiligten Kaufmann das Recht zusteht, einen dahingehenden Antrag zu stellen. Um einen allgemeinen Preisabbau herbeizuführen, wäre es zu wünschen, daß sich bet einzelne Kaufmann mit allen Mitteln gegen bie Preisbiktatur ber Organisationen unb Kartelle Sur Wehr setzt unb butch eine zeitgemäße Revibierung seiner eigenen Preise einerseits seine eigne Konkurrenzfähigkeit steigert unb andererseits bet gesunkenen Kaufkraft bes Publikums entsprechend Rechnung trägt.
Mlt-KinteükWkch A Stockholm
Kirche unb Beziehungen ber Völker nn- tereinanber.
Stockholm ,25. Aug. Heute morgen wurde von ber Weltkonferenz bte Generaldebatte über das Thema „Kirche und Beziehungen ber Völker untereinander" eröffnet. In den Kommissionsberichten heißt es: Die Kirche soll an ber Gestaltung und Förderung guter internationaler Beziehungen Mitarbeiten. Es erweist sich aus den folgenden Berichten ,daß eine; große Anzahl von Einzelfragen innerhalb dieser Gebiete noch nicht geklart ist und auf ber Konferenz noch nicht alle geklärt werben können'. Zu den noch nicht geklärten Fragen rechnet bie Kommission vor allem die Fragen nach dem Wesen des Krieges und die Stellung des Christentums zum Krieg. Auch in ber Frage ber Stellung zum Völkerbund sind in den Berichten bie Meinungen geteilt. Sämtliche Berichte behandeln beispielsweise diesen Punkt mit besonderem Nachdruck. Zu den einzelnen Fragen hat die Kommission folgende Resolutionen der Konferenz vorgeschlagen:
1. Resolution: Der Krieg als Mittel zur Regelung internationaler Streitigkeiten durch Heimtücke und Betrug in Verbindung .mit Gewalt ist unvereinbar mit der Gesinnung und dem Verhalten der Kirche Christi. Der Krieg, wie er auch auf- gefaßt wird, ist Mißbrauch, nicht guter Gebrauch der Gewalt, Weil er die Vollmacht, über sittliche Werte autoritativ %u entscheiden, einer Instanz zumeist, die nicht dafür zuständig ist. nämlich der Ge- . walt. Es ist die Pflicht der Kirche, ihr ganzes Gewicht und ihren ganzen Einfluß in der Richtung auf eine brüderliche Organisation der Völker geltend zu machen. In keinem der vorstehenden Sätze soll das Jedem gute, eingeräumte. Recht auf Selbstverteidigung gegen Angriffe ober Unterdrückung angetaftet werden.
2. Resolution: Wenn die Kirche religiös in eine übernationale Arbeit der Völkerverständigung eintritt, so soll sie davon ausgehen, daß sie in ihren Gliedern und in ihrer vaterländischen Gesinnung gegen das eigene Volk und einer vaterländischen Gesinnung aller weit entfernt ist von Selbstüberhebung, wie von einem Kosmopolitismus/
3. Resolution: Als die zur Zeit amtliche Organisation für die Herstellung einer internationalen Gemeinschaft der Völker betrachtet die Kirche den Völkerbund und empfiehlt daher mit Nachdruck denselben dem Wohlwollen der Christen, in der Hoffnung, daß er durch Vermehrung der Zahl feiner Mitglieder und durch Zunahme fernes moralischen Einflusses eine praktische Wirksamkeit entfalten werbe, aber auch ihre eigene Verantwortung für internationale Freundschaft erhalte. Die Kirche empfiehlt daher dringend die Ziele und die Arbeit des Weltbundes für internationale Freundschaftsarbeit der Kirche, wobei, zu erwägen ist, ob sich nicht die noch außerhalb des Bundes stehenden Kirchen dieser Arbeit anschließen solltet;.
4. Resolution: Die Kirche betrachtet es als eine internationale alle Staaten verbindende Verpflichtung, bie Rechte ber - nationalen, religiösen und Rassemniitber- heiten zu schützen. Sie sieht in ihnen Brüder in Not, die einer mitfühlenden Hilfe bedürfen, und betont, daß bte Kirche selbst bie Verpflichtung habe, für die in ihren Ländern jeweils vorhandenen Minoritäten als Beschützer und Anwalt einzutreten.
5. Resolution: Die Kirche erhebt ihre Stimme zu Gunsten eines ständigen internationalen Gerichtshofes. Diesem Gerichtshof sollen alle Streitigkeiten unterbreitet werden ,bie sonst leicht zu einem Kriege führen könnten uizd es soll hierdurch, auch insbesondere schwächeren Völkern, Hilfe zuteil werden.
Mit gleicher Entschiedenheit drückt sie sich für eine allgemeine Abrüstung aus.
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Die Weltkonferenz als East der Stockholmer Stadtverwaltung.
Stockholm, 25. Aug. (XU.) Am gestrigen Abend hatte di- Stadt Stockholm die Mitglieder und Gäste der Weltkonferenz zu einem Vankett im Stadthaus eingeladen. Der gc.ße Festfaal, bie prunkvolle goldene Halle, war in würdiger Weise für diesen besonderen Anlaß hergerichtet worden. An dem Bankett nahm