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Sie »Een Svlanten in Wen
Ausweisungsbefehle für alle.
Berlin. 7. Aug. (WTB.) Nach einer Mitteilung des deutschen Generalkonsulats in Polen ist am Nachmittag des S. August allen »och in Polen verblieben en deutschen Optanten, soweit sie zum 1. August abwanderungspslichtig waren, von den zuständigen polnischen Verwaltungsbehörden die schriftliche Aufforderung zugegangen, Polen binnen 48 Stunden zu verlassen, widrigenfalls sie polizeilich abgeschoben würden. Auf Grund dieser Meldung 'st am 6. August von den Reichs- und preußischen Behörden dieselbe Maßnahme hinsichtlich der polnischen Optanten veranlaßt worden.
Grenzenlose Deutschenhetze.
Warschau, 7. August. (WTB.) Die national-demokratische „Gazctta Poranna" schreibt unter dem Titel „Wir geben das Land nicht her, dem wir entstammen": Der verräterische deutsche Angriff auf den Zloty hat das Maß der Geduld der polnischen Bevölkerung zum Ueberfließen gebracht. Es gib jetzt keinen Polen mehr, der nicht racheschnaubend gerechte Vergelt ung fordert gegen den räuberischen Angriff gegen unseren Besitzstand. Das Maß ist voll. Wir heben den hingeworsenen Handschuh auf. Das Wort hat jetzt vor allem die volnische Regierung. Ab morgen wird ein rücksichtsloses Einfuhrverbot für alle beut- schen Waren erfolgen. Die Industrie-, Santo»- und Landwirtschaftsorganisationen müssen im Staatsinteresse von ihren Mitgliedern den Abbruch aller Beziehungen zu Deutschland Verlangen. Eine lebhafte Propaganda muß entfaltet wecken, um die Deutschen auf allen Gebieten zu boykottieren. Von Putzig dis in die Pinsker Sümpfe, von den Ufern der Düna bis zu den sonnigen Ufern des Dnjestr, von den Karpathen bis in die nöcklichcn Marken entringt sich der Brust der ganzen polnischen Nation ein mächtiger Schrei: Nieder mit Deutschland.
Ein Vertreter des evangelischen Oberkirche«- rates im Lvtantenlager.
Berlin, 7. Aug. Als Vertreter des evangelischen Oberkirchenrates der altpreußischen Landeskirche in Berlin, hat sich heute vormittag Oberkonsistorialrat Stoltenhoff nach Bchneidemübl begeben, mit dem Auftrag, an Ort und Stelle mit den maßgebenden Jnstan- »en wegen der geistlichen und kirchlichen Versorgung der evangelischen Insassen des Ovtan- tenlagsrs in Verbindung zu treten und die erforderlichen Maßnahmen in die Wege zu leiten. --
An UickmgpcM in Melters
Düsseldorf, 7. Aug. ($11.) Heute morgen begann vor dem französischen Kriegs- gericht die Der Handlung gegen 60 Personen, die der Mitgliedschaft am Wickingbund, den sie unter dem Decknamen »Theaterverein Frohsinn 1922“ Weitergefährt haben sollen, angeklagt sind. Der Prozeß wird von der Bevölkerung mit großer Teilnahme ausgenommen. Bor dem Gerichts- gebäude hatte sich schon am frühen Morgen eine große Menschenmenge angesammelt. Bon den Angeklagten waren zur Hauptverhand» iung nur 27 erschienen, die anderen find zum Teil flüchtig. Die Berteidigung wird hauptsächlich von den Rechtsanwälten Dr. Bräutigam in Düsseldorf und Dr. Foß ht Köln c. Rh. geführt, die nach Berlesung des Eroffnungsbeschlusfes den Antrag stellten, gegen einzelne der Angeklagten daS Verfahr«, aus Grund des Artikels 7 des Lon« dauer Abkommens vom 15. August 1924 über die Amnestie einzustellcn, weil die Delikte vor dem 31. August 1924 liegen. Die Anträge d>urd«r unter der Begründung abgelehnt, daß die Angelegenheit nicht unter den angeführten Amnestieartikel falle. 2m Verhör gestanden bisher die meisten der Angeklagten, »oaS ihnen zur Last gelegt wurde, einige gaben abweichende Schilderungen und andere leugneten, dein Wickingbund angehört zu haben. Am die Mittagszeit wurde die Verhandlung abgebrochen.
Die Rachmittagssitzung war mit den teilweise sehr lebhaft geführten Plädoyers an- gefüllt. Gegen abend wurde das A r t e i l verkündet. Danach wurden verurteilt: Cilli- kens als angeblicher Anführer zu 1 Jahr Gefängnis und 200 Mark Geldstrafe, Mildenberg, Daetaggen und Rosenberger zu je 1 Jahr Gefängnis und 100 Mark Geld- Krafe, Gustav Lohmann und Ernst Basch zu je 5 Monaten Gefängnis und 100 Mark Geld-
Brran-s Be-mgunsen
Witte Mit
Die Unterredung des deutsche« Botschafters mit Briand.
Paris, 7. Aug. Die gestrige Unterredung B r i a n d s mit dem deutschen Botschafter v. Lösch steht, wie das „Journal“ berichtet, mit der bevorstehenden Abreise Briands nach London im Zusammenhang. Der Außenminister lege Wert darauf, vor seiner Aussprache mit Chamberlain durch den deutschen Botschafter einige neue ergänzende Angaben über die Stellungnahme Deutschlands zu erhalten. Herr v, Hösch habe bei der Unterredung auch der Genugtuung Deutschlands über die bevorstehende Räumung Düsseldorfs, Duisburg und Ruhrorts Ausdruck verliehen.
Der Meinungsaustausch über die Antwort an Deutschland.
Paris, 7. Aug. Rach übereinstimmenden Informationen der Morgenpresse wirb 03 an - dervelde vorläufig nicht nach London reisen. Er befindet sich augenblicklich zur Erholung in einem Bad, werde aber, sobald es sein Gesundheitszustand erlaube, nach London fahren. Wie weiter bestätigt wird, werden nur Derthelot und die juristischen Sachverständigen Leger und Fromageot Briand begleiten, sodaß also nur das Sicherungsproblem zur Sprache komme. Rach dem „Petit Journal“ ist der französische Antwortentwurf fertig gestellt. Arber den Inhalt sei zwar nichts bekannt, es stehe aber fest, daß
Briand in zwei grundlegenden Fragen nicht nachgeben werde:
in der bedingungslosen Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund und in der Zulässigkeit eines französischen Eingreifens zu Gunsten Polens und der Tschechoslowakei im Falle eines deutschen Aebergriffes. Wenn Briand die Zustimmung Chamberlains zu dem Antwortentwurf erhalten habe, werde der Quai d'Orsay noch in einen Meinungsaustausch mit Belgien, Italien und Japan eintreten und gleichzeitig auch Polen und die Tschechoslowakei auf dem Laufenden halten. Erst nach Abschluß dieses Meinungsaustausches werde die französische Antwortnote der Reichsregie- rung zugestellt.
Scharfe englische Kritik an Frankreich.
Der Optimismus Pariser politischer Kreise, der sich von der Reise Briands nach London wesentliche Vorteile verspricht, wird durch verschiedene, aufsehenerregende Artikel der englischen Preße gedämpft. So schreibt der diplomatische Vertreter des „Daily Tele- g r a v 6“, es sei nicht anzunehmen, daß die Besprechungen zwischen Chamberlain und Briand zu einem endgültigen Ergebnis führen würden. Der englische Außenminister werde sich darauf beschränken, die französische Antwortnote zu prüfen. Es sei allerdings möglich, daß sich Chamberlain provisorisch mit der französischen Version einverstanden erkläre.
Aber dieses provisorische Uebereinkommen würde natürlich Deutschland nicht hindern können, in einer Konferenz feinen endgültigen Sicherbeitsvorschlag vorzulegen,
da Deutschland es gewesen sei, das den Vorschlag gemacht habe, und da man wisse, daß das Reich heute bereits die Umrisse eines Schiedsgerichtsvertrages fertiggestellt habe, den es wahrscheinlich in kurzer Zeit den Alliierte« vorlegen werd«, so gebühre ihm auch das Recht der Unterhandlung.
Es sei ein Irrtum, wenn Frankreich glaube, daß es England durch die Verhandlungen zwischen Chamberlain und Briand die Hände gebunden habe. Chamberlain habe bereits klare und präzise Vorbehalte zur französischen Antwortnote gemacht, die sich sowohl auf die Rote in ihrer Gesamtheit, als auch auf einzelne Paragraphen beziehen. Es sei bedauerlich, daß man in Frankreich diese Vorbehalte nicht sehen wolle und daß man darauf bestehe, sie nicht mehr weiter in Betracht ziehen zu wollen. Ebenso lege man nur geringen Wert auf die Ansicht der meisten konservativen Abgeordneten und auf die öffentliche Meinung in England, die mit der s.„n- zösischen Ansicht in vielen Punkten nicht über- «instimmt.
Die Stellung der Sowjetregierung zu Frankreich und zur Garantiepaktfrage.
Paris, 7. Aug. In einer Unterredung mit Vertretern der Presse gab Krassin der Aeberzeugung Ausdruck, daß die fran- zösisch-rusftschen Schuldenverhandlungen bald zu einem greifbaren Ergebnis führen würden. Während seines Moskauer Aufenthaltes habe er sich bemüht, möglichst viel Bestellungen nach Frankreich mitzubekvmmen, habe aber die Feststellung machen müssen, daß die russische Handelsvertretung durch das bürokratische Verhalten der französischen Behörden start gehemmt werde. Weiter trat Krassin der Auffassung entgegen, daß Sowjetrußland Abd el Krim in seinem Kampf gegen Frankreich unterstütze. Die Sowjetregierung unterhalte keine Vertreter bei Abd el Krim und leiste dem Rifführer auch keinen finanzielle Hilfe. Er sei ermächtigt, solche Gerüchte offiziell zu dementieren. Die Sowjetregierung habe sich nie in die Marokkofrage eingemischt und unterhalte zu den Marokkanern keinerlei Beziehungen. In Moskau habe man, so erklärte Krassin weiter, kein Verständnis für die Vorwürfe, die der Sowjetregierung wegen ihrer Haltung in der Frage des Garantiepaktes und der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund gemacht würden. Zunächst sei festzustellen, daß die Deichsregierung ihre internationale Politik nach eigenem Gutdünken befolge und daß die Sowjetregierung weder imstande fei noch die Absicht habe, die Pläne Deutschlands irgendwie zu beeinflussen. Andererseits liege es auf der Hand, daß Sowjetrußland fcie gegenwärtigen Schritte zur Befestigung des Friedens nicht besonders begrüßen könne, da die Garantievertragsverhandlungen auf eine Ausschließung Rußlands aus dem Bunde der europäischen Mächte abzielten.
strafe, ferner 48 Angeklagte zu Gefängnisstrafen von 3 Jahren bis zu 2 Monaten. 3 Angeklagte wurden freigesprochen. Die Anterfuchungshaft, die bei der Mehrzahl der Angeklagten bereits am 9. Februar begann, wurde angerechnet. Im Laufe der Verhandlungen wurde festgestellt, daß im April des Jahres weitere Verhaftungen erfolgen sollten, aber auf höheren Befehl unterlassen wurden.
Zurückzieh»«« der Kolonialtruppe« aus dem Rheinland.
Frankfurt a. M., 7. Aug. Wie die „Franki. Ztg.“ aus Wiesbaden erfährt, sollen, wie in französischen gut unterrichteten Kreisen verlautet, sämtliche Kolonialtruvven aus dem Rheinland zurückgezogen und durch Besatzungs- truvven von der Ruhr ersetzt werden.
Ei« Sohn Geh.-Rat v. Borstgs tödlich verunglückt.
Zürich, 7. Aug. Bei einer Bergtour ist gestern der Sohn des Geh. Kommerzienrats Konrad v. Dorsig, Hans v. Dorsig, tödlich verunglückt. Er geriet mit mehreren Begleitern in einen der jetzt in den Alpen zahlreich vorkommenden ©d>neeftürme und stürzte ab. Seine Leiche konnte von einer RettungS» expedition, die sofort aus Pontresina abgegangen war, geborgen werden.'
Eine Luftverkehrslinie Henry Ford.
R e w y o r k. 7. Aug. (TU.) Rach An- sicht fachmännischer Kreise wird Henry Ford bereits in einem Jahre im Besitz einer eigenen Luftverkehrslinie sein. Mehr als Hund- dert Flugzeuge werden in das Fordsche Der- kehrSunternehmen eingestellt werden. Ford kaufte in diesen Tagen die gesamten Aktien der Dtout Metal Airoplane Company. Man. glaubt, daß Ford in toenigen Jahren die Serienfabrikation nee Mugyougen aufnehmen Wirb.
Sitten Monate Kabinett Met
Wenn der Reichstag in der kommenden Woche in die Ferien geht, hat der Reichskanz- ter Luther sieben Monate feiner Tätigkeit als erster Beamter des Reiches hinter sich, sieben Monate, ausgefüllt mit politischen Ereignissen von weittragender Bedeutung. Luther kam nach Marx, der Dr. Stresemann in der Kanz. lerschaft abgelöst hatte. Man sagt, daß er die- Politik des Kabinetts Marx fortgesetzt habe. Man wird sehen, daß diese Behauptung nur zu einem Teile richtig ist.
Gewiß hat das Kabinett Luther die außenpolitische Linie im großen und ganzen einhalten müssen, die ihm von dem Kabinett Marx vorgezeichnet war. Aber die Außenpolitik ist bei aller „Gradlinigkeit" doch eine andere geworden. Dor allem ist sie bestimmter geworden. Die Außenpolitik wird noch lange unter dem Leitstern der Befreiung deutschen Landes stehen müssen. Weite Gebiete haben nach dem Versailler Diktat noch fünf bzw. zehn Jahr« die Last der Besatzung zu tragen, und für das Saargebiet ist ein Abstimmungstermin bi» heute noch nicht festgesetzt. Solange dieser Zustand der Gewalt bestehen wird, wird jedes Kabinett bestrebt fein müssen, das verkleinerte Deutschland wenigstens staatsrechtlich und organisatorisch zusammenzufassen, es zu befreien von den Ketten der Besatzungsarmee und den Fesseln einer fremden Verwaltung. Das erfordert ohne Zweifel Opfer. Man hat von Erfüllungspolitik gesprochen und auch davon, daß Luther ebenfalls nur Erfüllungspolitik betrieben habe. Die Kritiker überschätzen die Möglichkeit einer freien deutschen Initia- tive in der Außenpolitik. Man kann wiederum bezweifeln, ob eine deutsche Initiative um jeden Preis heute erforderlicher ist als etwa zur Zeit Rathenaus. Die Franzosen haben in dem Weltspiel „Blanche et noir“ auf Schwarz gesetzt — und verloren. Eine Anzahl scheckiger Kinder mehr in Frankreich und, selbst wen« sie den militärischen Sieg davontragen sollte«, die Furcht vor ihren treuen Bundesgenossen, die es sich nicht zur hohen Ehre anrechnen, für das unvergleichliche Frankreich zu sterben — das wird das Ende des ersten Aktes einer Tragödie fein, deren Fortgang unübersehbar ist. Schon hieraus ergibt sich, daß die weitere Außenpolitik des Kabinetts Luther nicht die Polisik zu fein braucht, an deren Ende immer das französische Diktat steht. Die weiteren Verhandlungen über den Sicherheitspakt, die Erledigung der Entwaffnungs- und der Lust- fahrt-Rote müssen es lehren.
Auch die Innenpolitik des Kabinetts Luther unterscheidet sich sehr wesentlich von der des Kabinetts Marx. Zunächst rein äußerlich. Das Kabinett Marx war ein parteipolitisches Kabinett. Luthers Kabinett ist nicht parteipolitisch iv diesem Sinne, wenn auch politische Parteien durch Vertrauensmänner in ihm vertreten sind. Marx predigte die Volksgemeinschaft. tatsächlich suchte er nur eine Arbeitsgemeinschaft der Republikaner, drängte wertvolle staatspolitisch geschulte Kreise in die Opposition. Daß das zu einer Vertiefung der Parteigegensätze, zu einer scharfen Trennung zwischen schwarz-weiß-rot und schwarz-rot-gold führen mußte, bedarf keines Beweises. Anders Luther. Am Schluß dieser großen Ar- , beiteperiobe kann man sagen, daß die Politik des Kabinetts Luther innerpolitisch zu einer Stärkung der Parteiverhältnisse insofern ge- ert hat, als der Zwang der Verhältnisse itliche Regierungsparteien einander näher geführt hat. Und es ist berechtigte Hoffnung vorhanden, daß diese Konsolidierung der inneren Verhältnisse noch Fortschritte machen wird. Die Entscheidung hierfür liegt immer noch beim Zentrum. Die Leute um Wirth sind in der letzten Zeit zurückhaltender geworden. Man ist vorsichtiger mit sinnlosen Sprengungs- Versuchen geworden. Vielleicht glaubt man auch, daß die geeignete Stunde später schlagen wird. Jedenfalls wäre es zu begrüßen, wenn mit Rückficht auf die bevorstehende parla- mentslofe Zeit, in der das Kabinett vor schwerwiegenden Entscheidungen steht, die Aufnahme eines rechtsstehenden Zentrumspolitikers erfolgte. Mit dieser Bindung des Zentrums an das Kabinett durch einen weiteren Vertrauensmann würde Luther ohne Zweifel eine Festigung der äußeren und inneren Politik erreichen. da keine Partei ihre Leute gern nachträglich desavouiert. Der Reichskanzler scheint überzeugt zu fein, daß der innerpolitische Ge- sundungsprozeß. den die Entschlußunfähigkeit seines Vorgängers bisher aufgehalten hatte, so weit fortgeschritten ist, daß er diesen nicht unbedenklichen Schritt wagen kany.
Man soll den Staatsmann nicht nach Augenblickserfolgen beurteilen. Darum bleibt es besser einet späteren Zett vorbehalten, die ersten sieben Monate des Kabinetts Luther im einzelnen krittsch zu würdigen. Das Eine aber kann gesagt werden, daß Dr. Luther in der verhältnismäßig kurzen Zeit als. Staatsmann und als Politiker grameres Format gezeigt hat als alle feine Vorgänger. 8.