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vor dem bittersten Elend zu bewahren? Was gedenkt sie zu tun, um gegebenenfalls unter Anwendung von Vergeltungsmaßnahmen die deutschen Einwohner Polens gegen derartige brutale und unmenschliche, eines Kulturstaates unwürdige Maßnahmen zu schützen?
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Der deutsche Gesandte in Warschau aus Urlaub.
Berlin. 3. Aug. Wie der ..Montag Morgen" aus Warschau berichtet, erregt es gerade in diesen Tagen der Austreibung von Tausenden Deutschen aus Polen in der deutschen Kolonie größtes Aussehen, daß der deutsche Gesandte in Warschau. UlrichRauscher seit Wochen in Urlaub ist.
Die „Times" zu den Vorgängen in Schneidemühl.
London. 3. Aug. (TU.) Der Berliner Korrespondent der »Times" schreibt zu den Vorgängen in Schneidemühk: Obgleich die deutsche Regierung eine einmonatliche Kündigung gehabt habe, scheine es, als ob die Vorbereitungen für den Empfang der deutschen Flüchtlinge aus Polen auf den letzten Augenblick verschoben worden seien. Der Korrespondent bringt dann eine längere Schil- derung über die deutschen Bedingungen, unter denen die Flüchtlinge in Schneidemühl untergebracht worden sind und die als skandalös bezeichnet werden. Die Hauptverantwvr- tung für die Anordnungen falle auf das preußische Innenministerium Severing.
Rordamerika und die Ovtantenfrage. Deutschfeindliche Propaganda.
Newnork, 3. Aug. (TU.) Die polnische Ausweisungsfrage wird in Amerika nach wie vor stark beachtet. Unverkennbar ist, daß die öffentliche Meinung nur auf Seiten Polens steht. Da die Berliner Regierung von Amerika
Innenminister Severing bei den Flüchtlingen in Schneidemühl.
Schneidemühl, 3. Aug. Der preußische Innenminister S e v e r i n g traf gestern abend 11.17 Ahr mit dem Berliner D-Zug hier ein. Er wurde auf dem Bahnhof vom Oberpräsidenten v. Bülow, dem Vizepräsidenten des Regierungsbezirks Grenzmark Posen- Westpreußen Happ und dem Oberbürgermeister Dr. Krause empfangen. In Begleitung des Ministers befand sich Ministerialrat Dr. Rat Henau. Die Herren stiegen in die vor dem Bahnhof bereitstehenden Kraftwagen und fuhren sofort nach dem Flüchtlingslager, wo der Lagerkommandant Oberst Engelin die Führung durch die einzelnen Baracken übernahm. Der Minister dankte zunächst dem Lagerkommandanten und dem leitenden Arzt des Lagers für die von ihnen geleistete aufopferungsvolle Arbeit, die niemand so zu schätzen wisse wie die preußische Regierung. Einer der Optanten drängte sich neben den Minister, stellte sich als Arbeiter» parteiler vor und übernahm ungebeten die Spitze des Zuges, der sich im Schneckentempo durch die einzelnen Baracken in Bewegung setzte. Während dieses nächtlichen Rund- ganges sah man das gleiche Bild wie am Tage zuvor. An der ersten Baracke, die einigermaßen wohnlich eingerichtet war, ging der Minister schnell vorüber. Dann ging er mitten durch die auf Strohsäcken Liegenden hindurch. Hier und da weinende Kinder. Eine Frau, ein Mann, die sich, aus der Ruhe aufgeschreckt, jäh emporrichten. Hier und da ein paar nackte Füße unter der Decke, die den schmalen Gang hinausragen. Der Minister und sein Gefolge schreiten darüber hinweg. Dann wendet er sich an Oberst Engelin: »Es müssen sofort von der Hilfspolizei Matratzen, Decken und Stroh herbeigeschafft werden. Severing fragt dann: »Wieviel Kinder weilen in dem Lager?" Der Kommandant antwortet: „Unter 14 Jahren sind es ungefähr ein Viertel der gesamten Belegschaft."
Das Elend in Schneidemühl
Mwm BorwM gegen den vreuMen Innenminister
Siensiag, W 4. August 1925
w „Odrrbrsfische Zeitung" «• stillt sc-d-wal dAchentlich. Be- A.-eprci« monatlich 2 GM. au* Aicßl. Zuflellungsgebühr. durch ,i<Post2.25 EM.Für etwa infolge streike, Maschincndefekt« oder rienicutaret Ereignisse ausfallend« dummem wird kein Ersatz ge» Wliet. Verlag b. Dr. §. Hitzeroth. ’ jnttt der Unib.-Buchdruckerei b. . gx.h. Ang- Koch, Markt 21/23,
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aus gesehen sich nicht regt, um das Ausland I aufzuklären, trägt Deutschland an dieser t.ut- I fassung die Mitschuld. In Newyork gab der- I svielsweise der Geschäftsträger Polens eine I längere Erklärung ab, die allseitig abgedruckt I wurde. Offizielle deutsche Erklärungen stehen dagegen vollständig aus. Die äußerst geschickte I Erklärung des polnischen Gesandten tunst I darin aus, daß Polen das Recht zu den Aus- | Weisungen auf Grund der Versailler Vertrages I zustebt. Es seien Verhandlungen unter den I Auspizien des Völkerbundes in dieser Frage I vorausgegangen. Die betroffenen Deutschen I und die Reichsregierung hätten bereits seit I Jahren gewußt, was ihnen bevorsteht. Denn I der von Deutschland und Polen anerkannte I Schiedsrichter hätte einen Schiedsspruch gefällt, I auf Grund dessen-das Wiener Uebereinkommen I zwischen Deutschland und Polen zustandegelom- I men sei. Dieses Uebereinkommen besage, daß I Deutsche Polen und Polen Deutschland ^verlassen müßten, falls diese nicht bereit wären, die Nationalität des betreffenden Landes anzunehmen. Polen, das seit Jahren mit der Ausweisung gerechnet habe, habe alle Vorbereitungen hierfür seit längerer Zeit getroffen. — Wie stark diese Erklärung in Amerika, wo man so wenig über die Zusammenhänge der deutschen Ostgrenzen weiß, wirkte, wird am besten durch einen Artikel des deutsch-feindlichen „H e r a l d" erhellt, den das Blatt unter der Ueberschrift „Deutsche Ausweisun- g e n“ in ein neues Licht gerückt bat. Erst in diesem Artikel führt die maßgebende Zeitung Meldungen aus Berlin über Schneidemühl an. Der geschaffene ungünstige Eindruck wird durch Berliner Meldungen und Anspielungen über Mißverhältnisie in Schneidemühl und das Versagen der deutschen Organisation noch verschärft. Andere Zeitungen berichten, daß un-
I schuldige Menschen durch das Versagen der L deutschen Behörden leiden müßten, t -*•
Sine gntctwUntien
der Seutidmolionalcn
I Die Deutschnationale Volksp ar - I tei hat im Reichstag folgende Interpellation I eingebracht: „In einseitiger und rücksichts- I loser Ausführung der getroffenen Derein- I barungen und der Anordnungen des Völker« I bundes und der Schiedsgerichte hat die Pol» I nische Regierung in den letzten Tagen mehr I als 30000 Deutsche von Haus und I Hofvertrieben. Wir fragen die Reichs- I regierung:
I 1. Was hat sie getan, um diese Maßnahmen I der polnischen Regierung zu verhindern?
2. Was hat sie getan, um die Vertriebenen
Fklnfprech«: Ni. 55. u. Nr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt ’ M. Sir. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und ‘(,1—1 Ubr.
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Belgien für die Misten 1 des KriedensverlmgeS l
Paris, 3. Aus. (TU.) Beträchtliches Aufsehen haben hier Berliner Meldungen erregt, wonach die belgische Regierung in ihrem Memorandum zu der deutschen Antwortnote das Recht Deutschlands, Dertragsabänderungen herbeiruführen, anerkannt habe. Die belgische Regierung sieht sich angesichts der Aufregung, die sich einti Teils der französischen Oeffent- lichkeit aus diesem Anlaß bemächtigt hat, ru einer Rechtfertigung veranlaßt, in der es heißt, diese deutschen Meldungen seien mit größtem Vorbehalt aufzunehmen. Man könne indesien nicht umhin festzustellen, daß man Deutschland nicht für alle Ewigkeit verwehren kann, eine Nevidierung des Vertrags entsprechend Artikel 19 des Bölkerbnnd- paktes zn beantraget»,
denn es liege auf der Hand, daß die deutsche Oeffentlichkeit auf die Möglichkeit von Vertragsabänderungen bei einem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund Hinweisen wird. Es ist beachtenswert, daß der vorstehende amtliche Bericht der Belgischen Telegraphenagentur kein formelles Dementi darstellt.
Abrüstung »oenn ..»•
London. 3. Aug. (TA.) Der Erste Lord der Admiralität hat Während einer Rede über das Schiffsbauprogranun erklärt, daß die englische Regierung dazu bereit fei, in Besprechungen über die internationale Abrüstung einzutreten, wenn dies mit den In» I ter essen des englischen Imperiums in Ein» I klang stände. • -
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Endlich haben sich bei uns auch die amt- (lieben Stellen aufgerafft, um sich schlüssig zu I gerben, was angesichts der brutalen Ausweisungen, die die polnische Regierung über । Taujenbe deutscher Optanten verhängt bat, ge- iweöeic mu'o. Der Reichspräsident hat am Montag vormittag die Reichsminister Dr. Lriesemann und Schiele empfangen und mit . . ihnen die Maßnahmen besprochen die zunächst |
'ergriffen werden soll/n. Es ist selbstverstand- iuri [jj, daß auch der gegenwärtig tagende Reichs- mjibl jag' sich alsbald mit dem unerhörten Vorgehen gt ti w polnischen Regierung befassen muß. Es tjt eleift hcsbalb zu begrüßen, daß die deutschnationale SSW Reichstagsfraktion eine Interpellation exnge- bracht bat, um diese Maßnahmen der polnischen Regierung zu verbindern, was sie getan bat, um hie Vertriebenen vor dem bittersten Elend zu bewahren und was sie zu tun gesenkt, um— gegebenenfalls unter Anwendung von Vergeltungsmaßnahmen — die deutschen E»n- Rriei wohner Polens gegen weitere derartige brutale und unmenschliche, eines Äulturitaates unwürdige Zwangsmaßnahmen 5U Schuhen.
Die Regierung wird sich in Ruhe überlegen müssen, was sie gegenüber Polen zu tun gedenkt. Vorerst muß aber ihre Sorge darau. gerichtet [ein, das Elend der Flüchlinge zu vermindern und ihre fürchterliche Lage zu erleich- itern Der Preußische Innenminister Severmg, usw« M dessen Ressort diese Ai.gelegenbeit in erster „ , Linie gebürt, bat sich am Sonntag in das Iah« : Flüchtlingslager in Schneidemübl begeben. Der oerd« Minister bat sich zunächst einmal hier selbst persönlich überzeugen können, daß die Zustande nicht mehr länger andauern dürfen. Die ggg Fiebererkrankungen der Kinder nehmen weiter zu. Die sanitären Maßnahmen lassen sehr zu wünschen übrig. Auch Minister Severing wird bestimmt den Eindruck gewonnen haben, das d i bie Stellen, denen die Verantwortung für die _ Unterbringung der Flüchtlinge oblag, nicht das getan haben, was im Interesse der Sache batte ). Mt 8etan werden müssen. Es läßt doch rief blicken, wenn erst ein Minister herbeigeholt werden muß, um festzustellen, daß z. B. schleunigst noch lD” 9000 Decken aus Berlin berbeigeschafft werden
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In ganz Deutschland ist die Entrüstung über oet die schlechte Behandlung der Ausgewiejenen evit« «llgemein. Aus allen Teilen des Retches sind bei den verantwortlichen Stellen Telegramme und Briefe eingegangen, in denen die Verhältnisse teilweise in sehr scharfer Weise kritisiert
Der Minister fragt darauf: „Wäre es nicht I möglich, die Kinder irgendwo anders auf dem I Lande unterzubringen?" Engelin: »Die I tern werden sich von ihren Kindern nicht I trennen wollen." Der Minister: »Aber viel- I leicht ging es, ein Kinderheim in nächster I Aähe zu errichten." Der Kommandant ant-x I wortet, daß ein solches Kinderheim schon ge- I plant und eingerichtet werden sollte, als man I noch mit der Ankunft von 3000 Optanten I rechnete, daß aber alle Pläne verworfen werden muhten, als der Andrang zu groß wurde. I 3m Weitergehen entwickelte sich folgendes Gespräch: Kommandant Engelin: »Die ganze I Sache ist aber eine Geldangelegenheit, Herr I Minister." Severing: »An Geld darf es nicht fehlen." »Daran hat es aber bisher gefehlt. Der Minister sagt schließlich, daß 3000 Optanten zu je 100 sofort auf 30 Regierungsbezirke verteilt werden muhten und I fügte mit erhobener Stimm« hinzu: »Das muh unbedingt gemacht werden.1 Für heute I Montag vormittag 8 Uhr ist eine interne I Besprechung mit den örtlichen Organen tm Flüchtlingslager verabredet. Ehe der Mini,! er in den Kraftwagen steigt, drangen sich noch ein paar Journalisten mit der Frage an ihn heran, welche Eindrücke er in dem Flüchtlingslager erhalten habe. Der Minister antwortet: »Weine Herren, über meine Eindrücke kann ich Ihnen vor morgen mittag keine Auskunft geben. Sie als Journalisten werden wissen: Richtigkeit geht vor Fifrigkeit." Als der Minister abfährt, hört man einen der Flüchtlinge vor sich hinmurmeln: Für unsere i Lage wäre aber Fixigkeit das einzig richtige gewesen.
Severing entschuldigt sich
Der preuhische Innenminister Severing I gewährte einem Vertreter des »Montag-Morgen eine Unterredung, in der er über Schneidemühl u. a. folgendes sagte: Wenn es nach mir allein gegangen wäre, hatte man das Lager in Schneidemühl nur als Durchgangsstation benutzen dürfen. Aber die Sache geht ja nicht nur Preußen, sondern auch I das Reich an. Mein Plan war, die Ausge- I wiesenen so schnell als möglich über die verschiedenen Regierungsbezirke zu verteilen.
I QSir waren ja vorbereitet. Wir haben ei» I qens den deutschen Generalkonsul in Posen, der abgebaut werden sollte, dort belassen und er hat seit Februar an dieser Frage gear»
I beitet. Ich werde sehen, ob ein zweites Lager I schleunigst etwa in Zossen nötig ist. Die I Schwierigkeit der Verteilung über die verschre» I denen Regierungsbezirke liegt hauptsächlich I darin, daß zu viele Stellen Preußens und I des Reichs sich verständigen müssen. Sachlich I war es durchaus richtig, dah das Reichsar« I beitsministerium in Schneidemühl eine Ar- I beitsvermittlungsstelle errichtete. Die Leute I sollten sogleich dorthin reisen, wo sie Arbeit I fanden. Aber da bie Arbeitsgelegenheiten I nicht so günstig einliefen, gab es Stauungen I in Schneidemühl. Aber wir bleiben bemüht, I kein Dauerlager zu errichten. Ratürlich müs- I fen wir die Ausweisungen erwidern. Es Han» I delt sich um 5—8000 Leute, die wir, entfernen muffen. Wir werden Leute, die 25 | ynt> 30 Jahre in Deutschland ■ waren und I deutsch geworden sind, berücksichtigen. Aber im Großen und Ganzen muß ich diese Aktion konsequent durchführen. All das ist Wahnsinns ich wollte ihn bis zum letzten Augenblick vermeiden.
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Bilder des Flüchtlingselends sind uns Deutschen, die wir das einzige Mittel, dem Rechte Geltung zu verschaffen, die Macht, nicht mehr besitzen, nichts ungewohntes. MMonen unserer Landsleute find im Osten und Westen wehrlos durch die Bestimmungen eines brutalen Friedens fremder Mllkür überantwortet worden. Hatz und Angst, so ßeitzt das nbar« mungslose Henkerspaar, das die Möglichkeit, Deutsche zu quälen und zu schädigen, immer wieder ausnutzt. Gleich nach dem Zusammenbruch erlebten wir den ersten Massenstrom der Flüchtlinge aus dem Osten. Die revolutionären Herren Soldatenräte wutzten nichts Besseres zu tun, als sich überall mit den grinsenden Polen zu verbrüdern und ihnen Waffen in die Hand zu geben, die diese bann schleunigst dazu benutzten, um möglichst viele Deutsche gewaltsam aus ihrem Besitztum zu wertreiben. Die Liquidation deutschen Eigentums und die Immer sich wiederholenden Drohungen und Ein- schüchterungen trieben bann neue Massen beut« scher Lanbeseinwohner aus Polen heraus. Bilder des Elends und erbarmungswürdiger Rechtlosigkeit brachten dann die Aufstande in Oberschlesien, bei denen polnische Banditen mit Unterstützung der angeblich zum Schutze der Bevölkerung bestellten französischen Be. satzung brannten und mordeten und wiederum tausende gerade der besten Deutschen nutzer Landes trieben. Die Schreckensherrschaft bet Franzosen an Rhein unb Ruhr führte wieder Scharen von Flüchtlingen ins enge und an Lebensmöglichkeiten bis zum öutzersten ge» schmälerte Reich. Run erleben wir in diesen Tagen nochmals Taten der Barbarei, wie wir sie in unserer Gutgläubigkeit und deutschen Gutmütigkeit eschs Jahre nach dem angeblichen Friedensschlutz einfach nicht für möglich gebal» fen haben. Trotz des Angebotes der Deutschen Regierung, die beiderseitigen Optanten in ! ihren Wohnsitzen zu belassen oder ihnen we- I nigftens eine Abwanderung m Ruhe und nach Auflösung ihres Hausstandes zu ermöglichen, haben die Polen in einem, man kann sagen, satanischen Hatz gegen alles, was deutsch ist, aufs schnellste, Austreibung der Optanten ge- drängt und über zehntausende von Menschen namenloses Elend gebracht.
Schon der gewaltsame Abtransport der de- I klagenswerten Opfer polnischer Barbarei voll- I zog sich ohne jede Rücksichtnahme auf Frauen I und Kinder und Kranke und unter zum Teil gemeinen Beschimpfungen durch die polnische Bevölkerung und das Bahnpersonal. Der Em- I pfang und die Unterbringung der Vertriebenen I in Schneidemühl unb Umgebung ist ebenfalls kein'Ruhmesblatt für bie preuhische Regierung unb bie ihr unterstellten Verwaltungsbehörden.
I Vergeblich versucht es Minister Severing, burch I eine sehr plötzliche unb eilige Reise an Ort und I Stelle den Eindruck zu verwischen, datz die Re- I aierung eben nicht für genügende Vorsorge- I maßregeln sich rechtzeitig eingesetzt hat. Die I Art der Fragestellung des Ministers Severing, I die von der ihm ergebenen Presse zu Ent- I lastiingszwecken veröffentlicht wird, ist eben- I falls nicht gerade ein Zeichen däfür, datz der I Herr Minister im Bilde war über den Umfang I des Elends unb noch weniger über bte Matz- I nahmen, bie rechtzeitig hätten getroffen werben I müssen. Allerdings mutz auch den autzenpoliti- I scheu Informationsquellen in Berlin und War» I schau ber Vorwurf gemacht werben, datz sie anscheinend selbst gamicht an ben Ernst der polnischen Drohungen geglaubt haben. Erfreulicherweise hat Reichspräsident Hindenburg-auf
I ein Telegramm der vertriebenen Ostmärker hin I sofort eine Reichshilfe eingeleitet.
Diese Vorfälle haben neben der menschlichen noch eine sehr bedeutsame politische I Seite. Die polnische Regierung hat in Erwar- I tung des für sie wenig günstigen Eindruckes I ihrer Maßnahmen im Auslands, besonders in
Amerika und England, rechtzeitig sehr geschickte Meldungen verbreiten lassen, die bs- 1 sagen, daß die Handlungsweise Polens mit I dem Friedensvertrag im Einklang steht, was I ja formell auch stimmt, und datz die polnifche
Regierung schon seit langem Vorsorge für bie Unterbringung ber polnischen Optanten getros- I fen habe, was allerdings nicht ftmmt, aber von der beutsch-feinblichssn Presse geflissentlich I weiter verbreitet wirb. Hier hat roteber ein» I mal in einem besonbers wichtigen Falle bie I beutsche Aufklärung im Auslande versagt und I hat sich die Möglichkeit entgehen lassen, an be» I sonders krassen Beispielen die polnische Bar- I barei und die Grausamkeit ber griebensbeftim» I mungen gebührenb zu kennzeichnen.