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Marburger V rasesanzeiser
SeMche Lanöeszttlung
Frellag, tz§N 24.8u!l 1925
Nr. 171 60 Mrg.
Marburg a. Laho
Der Anzeigenpreis beträgt für den Iv'gespalt. Zeilenmtllimeter 0.08 GM., kleine Baranzeige» 0.06 GM., amtliche und auswärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei ' schwierigem Sah sowie bei Platz
borschrift 50"/, Aufschlag. — Eauunelanzeigen 100 °/e Aufschlag. Reklamen der Millim.
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1 Soldmark — V.,-Dollar.
Das Schulöenprvblem
Belgien »üsscht Zahlungöerleichterungen.
Rewhork, 23. Juli. Die belgische KriegSschulden-Kommission hat bei der amerikanischen Regierung angefragt, ob der Termin der Schuldenrückzahlung nicht von 62 auf 99 Jahre verlängert und die Ratenzahlungen nicht niedriger gehalten werden könnten, aö die englischen.
öbeiHMsche Zeitung
DttReiOskanztttabttbenElchllhMpaN SeuMmM Bedingungen - Sie Autzcnvelilik gebilligt
ein neuer Kurdennustlnnd
»crlin, 23. Juli. Die „Deutsche rageszeitung" meldet auS London: Rach Mcidungc» aus Athen ist im Bezirk Hanta- »ian ein neuer Knrdenaufstand ausgebrochen. Starke türkische Truppenabteilungen Und nach dem Anfstandsgebiet entsandt worden. *
1 Sie Stuttgarter Stablballe elngritür.ü
Stttttgart. 23. Juli. (TU.) deute nach, alias kurz nach 1 Uhr wichen die in der neuen Nohen Stadtballe, die im nächsten Monat durch den Deutschen Katholikentag erstmals in Betrieb genommen werden sollte, bereits auf- gerichteten sechs groben Holzkonstruktionsbin- ider dem Luftdruck und stürzten unter furcht- tarem Krach zusammen. Zahlreiche an dem Lau beschäftigte Arbeiter wurden unter bett Trümmern begraben. Die Bergungsarbeiten dauern noch an. Bon allen Seiten werden Schwerverletzte in privaten- und städtischen Autos in verschiedene Krankenhäuser abtrans- vortiert. Bis jetzt sollen etwa 5 Tote und 15 Schwerverletzte geborgen sein. Feuerwehr und Aerzte waren sofort zur Hilfeleistung erschienen. Die Wucht der stürzenden Solzmassen kann man daran ermessen, dah ein unter den Lindern stehendes Gespann (Wagen mit Pferd) buchstäblich msammengequetscht wurde.
In der geplantem Stadthalle waren 8000 Sitzplätze vorgesehen. Die grobe Holzkonsttuk- tton wird zurzeit nach dem Zellinger-Svstem s'ftuf massive Betonmauern montiert. Der sechste Binder war heute mittag bereits ausgestellt, als unerwartet ein Sturm einsetzte, der den Binder aus seinen Ilmstrickungen löste und die bereits stehenden fünf Binder mit umwarf. Die Halle brach durch den ungeheuren Anprall ganz in sich zusammen.
*) Anmerkung der Schrrftlertung: Der Ber- fasser ist der Vorsitzende des UnteauSfdtar ses des 20. (Untersuchungs-)Ausschufsrs dra . Deutschen Reichstages.
pit ^vdcrbkssssche Zeitung" er scheint sechsmal wöchentlich. Ve- -ugsprris monatlich 2 GM. aus- Ll'ießl. Zufl-llungSgebühr, durch di«Post2.25 DM.Für etwa infolge Llreiks, Maschinendefekte oder elementarer Ereignisse ausfallende Aummern wird kein Ersah ge- leistet. Verlag d. Dr. §. Hiheroth, Druck der Unib.-Buchdruckcrei d. Ioh. Aug- Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 55. u. Nr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M- Nr. 5015. — Sprechzeit ttt Redaktion von 10—11 und
*M—1 Ubr.
Sie Räumung
$te Gesamträumung Ess.ns am 31. Juli 1925.
Essen, 22. Juli. (SIL) Als Borberetung ter Gesamträumung Essens, die nach Mitteilung des Generals Braquet am 31. Juli 25 erfolgen soll, wird bis rum 25. Juli das fran- Mchen Militärs aus de: inneren Stadt und lern Villenviertel zurückgezogen werden.
Kundgebungen in den befreiten Gebieten.
k TU. B o ch u m, 23. Juli. Im Stadtverord- netensitzungssaäl fand gestern eine einfache, ober würdige Kundgebung statt, an der der Regierungsprästdent von Arnsberg und der Vizepräsident Freiherr v. Suwa in teil- navmen. Der Regierungspräsident überbrachte bat Grub und Dank der Staats- und Reichs- ugierung für das treue Aushalten der Bevölkerung der Stadt Bochum und des übrigen mstfälischen Gebietes während der Besatzungs- jflt. Die Bevölkerung habe sich den besonderen Dank des ganzen Vaterlandes erworben. Oberbürgermeister Dr. R uh r dankte für die Frühe der Staats-und Reichsregierung. Aehn- li6e Kundgebungen fanden im Verlauf des Abend- m Gelsenkirchen, Wanne, Wattenscheid und Witten statt.
Vertagung des Auswärtigen Ausschusses.
Berlin, 23. Juli. (TU.) Nach länge- ter AftrÄprache, am der sich die Abgg. Dr. Vapf (Dt. Vpt.), Dr. Reichert (Dntl.), ». Raumer (Dt. Vpt.), Dr. Dernburg Mem.) und Dr. Breitscheid (©o&.) be- lttligten trab m der Staatssekretär Dr. Treü- beleubure und Geheimrat von Fried- ierg vom Auswärtigen Amt verschiedene Mitteilungen machten,' wurde der Gesetzentwurf über den Warenaustausch zwischen Deutsch- fsirnd und dem Saarbecken dem handelspolrti* schen Ausschuß des Reichstages überwiesen., Hierauf vertagte sich der Ausschuß.
Ar Urimbcn des druWeu utili- lärtsKru Zuiammenbruchs 1918
Von Dr. Albrecht Philipp, Mitglied des Reichstages*).
Ist das Bekenntnis der deutschen Schuld ont Ausbruche des Weltkrieges, wie im Frieden von Versailles geschrieben steht, der moralische Grundstein, auf dem sich die Politik unserer Feinde aufgebaut hat, so ist die Stellung-: nähme zu der Frage der Schuld an dem j deutschen Zusammenbruch 1918 die letzte Wurzel unserer innerpolitischen Schwierigkeiten. Auf dem Glauben der Massen, daß wir den Weltkrieg durch die Schuld der Obersten Heeresleitung verloren haben, wurde 1918 das Werk der deutschen Revolution errichtet. Um es zu festigen, wurde in der Nationalversammlung zu Weimar von den Nutznießern der Revolution der Nachweis gefordert, in welchem Maße die großen deutschen Heerführer für das deutsche Unglück beim Ausgange des Weltkrieges verantwottlich seien. Als es nicht gelang, für diesen Zweck einen besonderen Staatsgerichts-, Hof zu schaffen, verlangte die regierende Linke' einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß, der sich mit diesen Fragen beschäftigen? sollte. Artikel 34 der Reichsverfassung wurde alsbald sertiggestellt und genügte diesem Bedürfnisse. So erhielt Deutschland seinen ersten parlamentarischen Untersuchungsausschuß mit dem Auftrage, die deutsche Schuld am Kriege, im Kriege und am Kriegsausgang festzustellen.
Mft der letzteren Aufgabe wurde Ende des Sommers 1919 dann ein (4.) Unterausschuß beauftragt; dieser ist.nach.Auflösung der Nationalversammlung 1920 und der beiden Reichstage 1924 dreimal erneuert worden und blickt jetzt auf eine Tätigkeit von 6 Jahren zurück. In der 97. Reichstagssitzung am 17.< Juli hat dieser Unterausschuß und damit der gesamte Untersuchungsausschuß von 1919 zum ersten Male vor der Oeffentlichkeit Bericht erstattet. "Er war in der Lage, drei stattliche Bände vorzulegen, die das Material (Gutachten und Akten) über „die Ursachen des deutschen militärischen Zusammenbruchs 1918" enthalten; außerdem wird in diesem „Werke des Untersuchungsausschusses" ein Ausführlicher „Verbandlungsbericht" gebracht; die Stellungnahme des Unterausschusses selbst und ferner Mitglieder ist in drer „Entschließungen festgestellt. Die dort enthaltenen „Ergebnisse der Untersuchungen" werden zweifelsohne Anlaß zu eingehenden Auseinandersetzungen in der Oeffentlichkeit geben. Es liegt in der Natur der Dinge, daß in der Beurteilung so schwieriger Fragen, wie die Schuld am Verlust- des Weltkrieges die Meinungen in den verschiedenen politischen Lagern geteilt sind. Wir wissen, daß sich die Gelehrten über dre Ursachen des Siebenjährigen Krieges heute noch nicht völlig einig sind, also toirb auch die Frage der Schuld am Kriegsausgang noch kommende Geschlechter beschäftigen. Wenn nun dre in dem Unterausschüsse tätigen Abgeordneten dennoch, zu Ergebnissen gekommen sind, so liegt es auf der. Hand, daß diese nur Stückwerk brettn können. Es war auch nicht di« Aufgabe der Untersuchungen, in jeder Hinsicht Tatiachen- Klarheit zu schaffen, sondern in erster Lin« die Fragen herausrugreifen, .bet denen ein schuldhaftes Vergehen der verantwortlichen ler- tenden Personen vermutet oder behauptet wurde. Der Unterausschuß hat die von rhm untersuchten strittigen Punkte in 30 Leitsätzen zusammengefaßt; 23 von diesen wurden einstimmig angenommen; bei < gingen dre Meinungen der Ausschußmitglieder ausmnan- der; die letzteren sind in polrttlcher Hrnircht ine wichtigsten und betreffen durchweg die Frage der Schuld oder Nichtschuld der Obersten Heeresleitung. Wenn auch Uebereinstimmung; herrschte, daß in „kriminelles Hinsicht bei keiner der auf deutscher eerte 1918 handelnden Personen eine Schuld vorliegt, so standen sich die Meinungen doch schroff gegenüber in allen Dingen, wo eine „moralffche" Schuld der Männer der Obersten Heeresleitung in Frage kam Die sozialdemokratische und die kommunistische Linksgrnppe waren, wie nach ihrer politischen Einstellung mcht anders zu erwarten ist, von dem Glauben an eine schwere moralische Schuld der Obersten Heeresleitung erfüllt Die Mehrheit des Unterausschuises hingegen kam nach gewissenhafter Prüfung zu dem Urteil, daß keine Feststellungen gemacht weiden konnten, „welche es rechtfertigen, nach irgend einer Seite hin zu einem Lchuldurtell zu ' gelangen". Das bedeutet den feierlichen %tty sprach der letzten Führer der . alten bratschen Armee von all den Schuld Vorwürfen, mrt denen
IMchkk Reichstag
Sitzung vom 23. Juli.
Präsident Lobe, dessen Platz ein Blumenstrauß schmückt, eröffnet die 100. Sitzung mit dem Wunsche, daß nicht mehr zu viele Sitzungen vor den Ferien hinzukommen möchten.
Fortsetzung der außenpolitischen Aussprache.
Abg. Dr. Haas (Dem.) stellt fest, daß unter dem Druck der Verhältnisse sich für die Außenpolititteine 6 rette Einheitsfront zusammengeschlossen habe, dre jetzt von den Sozialdemokraten bis zu den T^utschnationalen reiche. Die Besserung der deutsch-ftanzosischen Beziehungen ist die Grundlage der Begründung des europäischen Leben? überhaupt. Die Taten und die Worte Cle- menceaus und Poineares haben in Deutschland schwere, bittere und böse Empfindungen ausgelöst. Wir wenden uns an das andere, das neue Frank reich und sprechen die Hoffnung aus, daß die deutsch-französischen Beziehungen pneder in einem modernen, freiheitlichen, wahrhaft demokratischen Geist ausgestaltet werden. In dieser Hoffnung bestärkt uns ein Aufruf, der 102 der besten französischen Namen trägt und in dem die Beseitt- gung des Attikels 231 des Versailler Vertrages verlangt wird, der nach der Meinung der Unterzeichner zu Unrecht Deutschland die Alleinschuld am Kriege zuschreibt. In diesem Zusammenhang richten wir an die Regierung und besonders an ihre deutsch nationalen Mitglieder die Frag«,
warum in dem Memorandum die Frage der Kriegsschuldlüge in keiner Weise er- ' wähnt ist..
Wir machen der Regierung darauf keinen Vorwurf. Wir meinen, diese Frage könne auf andere Weise gelöst werden. Die Deutsch- nationalen haben aber doch immer behauptet, jede Regierung, die sich nicht offtziell gegen die Kriegsschuldlüge verwahre, begehe Landesverrat. Aber diese Tatsache besteht, daß ein großes, arbeitsames, tüchtiges Volk auf Jahrhunderte hinaus unterdrückt und in Sklaverei gehalten wird. (Lebhafter Beifall.) Wir tragen für das Regierungsmemorandum keinerlei Verantwortung und lehnen jede Verantwortung dafür ab. . Wir wissen nicht, ob diese Form der Einleitung der an ‘ sich berechtigten Aktion notwendig war, eine Einleitung, die uns leicht neue Fesseln anlegen kann. Das Memorandum spricht den Verzicht auf Els aß-Lothringen aus; das ist tief schmerzlich für uns. Auch wir wollen nicht, daß Elsaß-Lothringen wieder zum Kampsobjekt zwischen Deutschland und Frankreich wird.
Wir hoben ober dos Recht, zu sogen: Dos Elsaß in seiner Kultur und feinet Bevölkerung ist deutsch! (Lebh. Seif.)
Dabei verkennen wir nicht daß die „nieder- ttächtigen Methoden" -mit denen die Oberste Heeresleitung im Kriege die Elsaß-Lothringer behandelte, uns viele gute deutsche Herzen entfremdet hat. (Sehr wahr! links.) Wir weiden auch als Oppositionspartei nicht die Position des Außenministers dem Auslande gegenüber schwächen. Die innere Herzlichkeit der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich kann nicht eintreten, solange noch ein französischer Soldat auf deutschem Boden steht. (Beifall.) Wir,sind grundsätzlich für den Eintritt in den Völkerbund; aber er muß zu einem wahren Völkerbund gemacht weiden unb darf nicht eine Koalition der Westmächte gegen den Osten sein.
Abg. Steht (Wittsch. Bergg.) bespricht die »des Völkerbundes. Der Eintritt chlands in diese Institution sei jetzt näher geruckt als vor einem halben Jahre. Man spreche immer davon, daß ein Sicherheitspakt gegen den Verttag von Rapallo verstoße. Es komme darauf an, wie Rutz land den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund aufnehmen würde. Er sehe ein langsames Hinrücken der Regierung auf den Völkerbund. Der Auswärtige Ausschuß rafft sich nicht zu einer Stellungnahme in dieser Frage aus. Da müssen wir sagen: Das machen wir nicht mit, nachdem die Regierung entschieden hat, weitere Schritte in dieser Hinsicht zu unternehmen,, ohne daß es ganz klar entschieden ist, ob her Eintritt Deutschlands in den Völkerbund unserem Vaterland und dem deutschen Volk nützt oder nicht. (Lebhafter Beifall rechts.)
Abg. L eicht (Bagr. Dpt.) bemerkt, der beut» fhen Note stimme seine Partei grundsätz - ich zu. Bei den weiteren Erörterungen um
den Sicherheitspakt müsse unbedingt gefordert werden:
Gleichberechtigung Deutschlands unb volle Gegenseitigkeit (Beifall.) Der Schuldlüge der Vergangenheit müsse entgegengewirkt werden.
Auch Deutschland müsse geschützt werden gegen Dinge, die seine Grenzen und seine Bevölkerung bedrohen können. Die Räumung derRuhrsei nicht zu begrüßen als ein Akt des besonderen Entgegenkommens, sondern als die einfache Wiedergutmachung einer Widerechtlichkeit. Ohne die Räumung Kölns könne nicht der FutznachGenf gesetzt werden. Frankreichs Furcht vor Deutschland sei nicht zu verstehen. So lange schwarzeTruppen im besetzten Gebiet seien, müsse es für jeden Außenminister schwer sein, ein Friedens- oder Sicherheiisan- gebot zu machen. Wenn der Friedenswille in Wirklichkeit vorhanden sei, bann werbe es leicht sein, einen wahren Frieben zu schaffen. (Beifall.)
Abg. Graf Reventlow (Völk.) wenbet sich gegen bie D e u t s ch n a t i o n a l e n, bei benen bereits eine wahre Seelenruhe hinsichtlich ber Außenpolitik eingekehrt .sei. Ueber bas Februar-Memorandum, gegen bas die Deutschnationalen sich wandten, sei man schon weit hinausgegangen. Wie bie Dame gesetze, so laufe auch ber Sicherheitspakt darauf hinaus, Deutschland unter die Herrschaft der kapitalistischen Weltmächte einschließlich Amerikas zu bringen. Dieses Spiel werde den Westmächten erleichtert durch die oberflächliche, leicht fertige Diplomatie des Außenministers, bie auch sein Memorandum vom Februar kennzeichnet. Es wird ihm nicht gelingen, mich zu diskreditieren. Das franzöfffche Entgegenkommen in der Räumungsfrage war nur von der Absicht diktiert, den Sicherheitspakt Deutschland schmackhaft zu machen unb den Außenminister Dr. Siresemann im Amt zu erhalten. Der Rebner wenbet sich zum Schluß gegen einen Eintritt Deutschlanbs in ben Völkerbund.
Die Rede des Kanzlers
Mir ist es in biesem Augenblick unbekannt, wie sich ber formelle Abschluß dieser außenpolitischen Debatte gestalten wirb. Es steht aber schon fetzt fest, daß eine große Mehrheit des Reichstages im Endergebnis der sachlichen Stellungnahme sich im Einklang mit der Note der Reichsregierung an die französische Regierung befindet.
Mtt dieser Stellungnahme zeigt der Reichstag, daß die große Mehrheit des deutschen Volkes in dieser Frage hinter der Regierung steht. .
Für die Außenpolitik legt die Regierung auf bie weitgehende Zustimmung bes Reichstags zu der e i n ft i m m ig unb unter Gefamtver- antwortlichkeit eingenommenen Haltung ber Regierung ein besonderes Gewicht. Bei ben kommenben Verhanblungen muh sich die Taktik ber Sachlage anpaffen unb kann nicht vorher erläutert werden. Das Ziel wird immer fein, eine dauernde Grundlage für den europäischen Frieden zu schaffen.
Deutschland Kanu einen Sicherheitspakt nur auf der Grundlage voller Gleichberechtigung und Gegenseitigkett abfchließen.
(Lebhafter Beifall.) Auch die großen neuen Rechtsgedanken, die das Grundgerüst des Völkerbundes darftellen, wie das S e lbstbe - stimmungsrecht der Völker, dürfen nicht etwa durch eine neue Abmachung geschmälert werden. (Beisall.). Auch hinsichtlich des Völ-
sprechen, daß die Darlegung, die die deutsche Regierung ■ schon im September-Memorandum betreffend den Dölkerbundseintritt gemacht hat und auf die sie jetzt wiederum hinweist, gerade von dem Verlangen ber beutschen Regierung getragen ist. eine wirkliche Gleichberechtigung im Völkerbund für Deutschland zu erzielen.
Solche Gleichberechtigung kommt auch nicht in einer lediglich formalen, gleich-
. mäßigen Geltung der Paragraphen zum Ausdruck (Sehr wahr), denn so gesehen, kann alles Recht in Wahrheit Unrecht fein. (Beifall rechts.) Wirkliche Gleichberechtigung ruht vielmehr in der Anerkennung, daß die tatsächlich gegebenen Verhältnisse berücksichtigt werden müssen, um eine wirklich« Gleichberechtigung herzustellen.
Diese wird aber im Anwendungsbereich des §16 ber Dölkerbunbsfatzung für Deutschland so abweichend von den für andere Länder geltenden Berhältniffen, fein, daß Deutschland (Fortsetzung siehe Seite 2.)