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Marburger Tageblatt

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pie ^Vbcrhesstsch« Zeitung" «r yetflt sechsmal wöchentlich. Be- p^ttus monatlich 2 GM. aiK- rtiieSL Zustellungsgebühr, durch ^0(12.25 GM.Für etwa infolge gtttit«, Maschinendefekte »der eiementarer Lreigniffe ausfallend« Ammern wird kein Ersah ge- hjstrt. Verlag b. Dr. §. Hitzerolh. jftgi der Unib.-Buchdruckcrei h. Ach. Aug. Koch. Mark» 21/23. Aernsprecher: Rr. 55. u. Rr. 666. ^ffscheekkonto: Amt Frankfurt i®. Rr. 5015. — Sprechzeit get Redaktion bo« 10—11 und

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Sie öffentliche Meinung zur Entwaffnunsnote

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Berlin, b. Juni. (TU.) lieber ben vor- bisigen Eindruck, den die Entwaffnungsnote to in den maßgebenden politischen !tcifen gemacht hat.verlautet,halbamt- ich folgendes: Bei dem Umfang der Note Äb ihrer Anlagen ist ein abschließendes Urteil früher selbstverständlich erst nach eingehen- k Prüfung möglich. Aus den Feststellungen i den Anlagen der Note geht unmittelbar oWr, welche gewaltige Leistung Deutschland : «f dem Gebiete der Entwaffnung vollzogen hat

* ie geringfügig vom internationalen Ge- I Htspunkt aus im Verhältnis zu diesen Leißun- N die einzelnen Punkte sind, deren Erlediaung t Altarten noch fordern zu können glauben, demgegenüber muß umso mehr befremden, daß t der Note wiederum eine völlig verfehlte luffassung der allierten Regierungen über den wischen Rüstungsstand zum Ausdruck kommt nb daß dabei Von schweren deutschen Verstößen nb von der Nichterfüllung wesentlicher Be- immunaen des Versailler Vertrages gesprochen <tb. Die Ausführungen der Note werden cherrscht von dem Leitgedanken, daß Deutsch- dck sich die Möglichkeit zu verschaffen gewußt che, zu gegebener Zeit eine sehr große und iner Bevölkerungszahl entsprechende kriegS- mite Armee aufzustellen. Dieser Gedanke, ar den wahren Sachverhalt geradezu auf den upf stellt, muß mit der größten Ent - chiedenheit zurückgewiesen werden. Jeder, !r aus dem umfangreichen Dokument den ei» kntlichen Kern herausschält, sieht sich vor die rage gestellt, ob das denn alles ist, womit die egende von dem waffenstarrenden, angriffS- isiigen Deutschland erklärt werden soll. Aus kr anderen Seite bringt die Note im Vergleich lit den beiden allierten Noten vom Januar , Js. und im Vergleich mit den sonstigen ktSlassungen allierter Regierungen wenigstens tn Fortschritt, daß sich jetzt zum ersten Mal ät einiger Sicherheit übersehen läßt, welche ontreten Einzxlsowerungen die Starten in der Entw a ffnungsfrage noch an >kutschland .stellen wollen und daß sie die WSdrückliche Verpflichtunge eingegangen sind -ach Befriedigung dieser Forde» äugen endlich die nördliche Rh ei n» rnd z.0 ne ku räumen. Wenn deutscher- kits auch nach Kenntnisnahme der neuen Note Acht anerkennt werden kann, daß ctwarge Rück- inbe auf dem Gebiete der Abrüstung dre iichtrnnehaltung des vertragsmäßigen Räu- lungsterminS rechtfertigen könnten, so hat die Situation doch eine wesentliche Klärung da- urch erfahren, daß die Allierten sich nunmehr As diese Verpflichtung festgelegt haben. Da­ei kann aber niemals vergessen werden, daß I zur Erzielung dieses Ergebnisses eine» Zeit- LunrS von fünf Monaten bedurft hat und dar, ie Erledigung der Räumungsfrage, das heitzt ie Befreiung eines wichtigen Teils deS Rhein- andes von der Last der fremden Besetzung, 'illkürlich um diesen Zeitraum verzö- rrt worden ist. Wäre man der Anregung der kutschen Regierung vom August und Scptem- »t v. IS. über die Durchführung der Ge- «eralinspektion im Lltege der Verhandlungen Befolgt, so würde diese Verzögerung vermieden Horden sein. Denselben Weg der Verhandlun» en wird man jetzt über zahlreiche Einzel- tollte der Note gehen müssen, wenn nicht er» teut eine starke Verlangsamung der Erled:- ping der EnrwaffnungS- unü der RäumungS- wge eintreten soll. Die zuständigen, Stellen decken sofort an eine sorgfältige Prüfung der Bote herantreten. Soweit sich dabei ergibt, «ß Rückstände gegenüber den Verpflichtungen er deutschen Regierung bestehen, Wick die Be­tz tiaung alsbald erfolgen. Vielfach wecken he Beanstandungen der allierten Regierungen -uch weiterer Klärung und Verständgiung be- ürfen, wie dies die Anlagen der Note auch selbst vorsehen. Daß sich Deutschland tu fei» Heiles Maßnahme verpflichten kann, die bei dhaler Auslegung noch über die Bestimmungen »es Versailler Vertrages binausgeht, oder die ibätcr beiderseits gebilligte Regelungen preis- ßstt, versteht sich von selbst. Man ist sich 'n den deutschen Regierungskreisen des ErnsteS tet Situation, von dem die alticrte Note spricht, vollkommen bewußt, wenn man auch die Tat- «hen, die zu dieser Situation geführt haben, defentlich anders als die allierten Regterun- Mn beurteilt. Die Allierten haben die Pein- liefet Innehaltung deS Versailler Vertrages zu- «sagt. Die deutsche Regierung ihrer,eitS hat niemals einen Zweifel darüber gelassen, daß Ok gewillt ist, ihren venraglich-n Verprlichtun» kn nachzukomnien. Auf das Recht, dabei den L«enen Rechtsstandpunkt in der Auslegung des »«träges zur Geltung zu bringen und damit ben Anspruch Deutschlands auf Selbsterbaltung *» wahren, kann sie aber nicht verzichten. Nachdem durch dre verspätete Bekanntgabe der klierten Forderungen die Räumung der nörd­

lichen Rheinlandzone, auf die Deutschland einen Rechtsanspruch hat, so lange ver­zögert worden ist, dürfen durch Forderungen, deren VertragSwidrigkeit sich etwa bei näherer Prüfung ergeben sollten, nicht weitere Rechts- nachteile für Deutschland entstehen. Die deut­sche Regierung hat kein andere? Ziel als das auf dem Boden allseitiger Erfüllung über­nommener Verpflichtungen enblid) einen wah­ren Frieden unb festen Rechtszustand herbei­zuführen, damit dem deutschen Volke Ruhe für den Wiederaufbau und für die fruchtbare Zu­sammenarbeit mit den unteren Volkern ver­schafft wick. *

Deutsche Pressestimmen.

Im Anschluß an unsere Bemerkungen zur Entwaffnungsnote vom Sonnabend geben wir im Folgenden einige beachtliche Pressestimmen inhaltlich wieder.

Kleinlichleitsfauatismus.

überschreibt die „Köln. Zeitung" vom 6. Juni einen Artikel, dem wir folgendes entnehmen:

Die Verfasser des Aktenstücks durften selbst des Erfühl gehabt haben, als ob es auch in der internationalen Diplomatie einen Ruf gibt, von dem man Bruchteile verlieren kann. Auf die internationale Rechtfertigung zielt wohl die Bemerkung des Absatzes 4, daß die Verstöße Deutschlands nur in ihrer „Gesamt­heit' betrachtet werden dürften.

Die Rote ist im Ton durchaus höflich und unterscheidet sich darin angenehm von früheren Schriftstücken ähnlicher Art. Sie trägt auch keinen ultimativen Charakter und läßt infolge* dessen die Aussicht auf.Derbandlungen bestehen. Der Artikel lad des Versailler Vertrags, mit dem sie beginnt, har eine Präambel, die den Verfassern der 'Jiote offenbar entgangen ist. Darin wird gesagt, daß die deutsche Entwaft- nutig nur beschloßen worden sei, um die Ein­leitung einer allgemeinen Abrüstung aller Na­tionen zu ermöglichen. Schon die vom Ver­sand aiifgefübrten Zahlen geben der Welt ein anschauliches Bild von dem gewaltigen Um­gang der Entwaffnung, der sich Deutschland unterzogen bat. Und nun vergleiche man die Zahlen mit dem, was der Verband an weiteren Beanstandungen ausstellt.

Die Maßnahmen, die innerhalb unserer In­dustrie gefordert werden, dürften geeignet sein, unsere Wirtschaftslage aufs allerschwerste zu erschüttern und die Kreditbeschaffung, die für die Wirtschaft eine Lebensfrage ist, vollständig zu unterbinden. Der Verband steht sich selbst nicht in der Lage, die maschinellen Anlagen be­stimmter Werke als im Widerspruch mit dem Vertrag von Versailles stehend »u bezeichnen, denn sonst würde er zweifellos, wie er in be­sonderen Fällen fordert, ihre 3er|törung ver­langen. Statt dessen fordert er in vielen Fällen nur eine „Zerstreuung" und führt da- mit einen neuen Begriff in das diplomatische Konoersationslexikon ein. Besonders groß sind die geforderten Zerstörungen in den Anlagen der Firma Kruvvl es wird sich daher fragen, ob sie die Fortexistenz dieses großen Jndustrie- konzerns überhaupt gestatten. Es handelt sich um Rie'enrna'chinen, die lediglich in Amerika ihresgleichen finden. Die zu ihrer Zerstörung treibende Kraft dürfte von England aus­gehen, und dabei dürften wohl Konkurr- renzrückfichten eine größere Rolle ge- svielt haben als Befürchtungen auf Kriegsvor­bereitungen.

Daß sich das Memorandum auch gegen eine Anzahl von Verbänden, wie den Stahlhelm, den Werwolf und den Jungdeutschen Orden wendet, wird von diesen Verbänden nut als eine Anerkennung ihrer Tätigkeit empfunden werden.

Es ist nicht anzunehmen, daß die Rote von Deutschland bald beantwortet werden wird, Es wird sich vielmehr schon in nächster Woche, wenn die französische von England gebilligte Antwort auf das deutsche Angebot des Sicher- bcitspakts eintrifft, eine ganz neue politische Lage ergeben, bei der die Entwaffnungsnote in die zweite Reihe tritt. Die b- » Regie­rung hat niemals anerkannt und erkennt auch heute noch nicht an, daß die etwaigen Rück­stände auf dem Gebiet der Abrüstung die Richtinnebaltung des vertrags­mäßigen Räumungstermins recht- fertigen kö unten.

In der »Deutschen Zeitung" fordert Ge­neral Sitzmann: Gerade so tote damals, als eS sich darum handelte, die Auslieferung der sogenannten deutschen .Kriegsverbrecher" zu vertoeigern, muß sich einig und getoaltig die Volksstimme erheben, damit die Feinde endlich wieder einmal erkennen: das S0 Mil­

lion envolk der Deutschen hat denn doch nicht jede Selbstachtung verloren.

Wenn unsere Deichsregierung die feindliche 2lote mit einem klaren und entschiedenen Dein beantwortet, wird ihr die große Mchr- heit unseres Dolles dankerfüllt zujubeln, da ist kein Zweifel. Es hat ja auch wieder angefangen nationalen Stolz zu em­pfinden.

Dieselbe Zeitung veröffentlicht eine Erklä­rung deS Aationalverbandes deutscher Offi­ziere: Ohne auf Einzelheiten sich einzulassen, erflärt der Aationalverband Deutscher Offi­ziere, daß die sogenannte Entwafinungsnote der Entente, mit der dem Vertragsbruch von Köln ein Schein deS Rechts gegeben werden soll, in Wirklichkeit einen erneuten Angriff auf Ehre und Würde der Ration darstellt und dem Zwecke dienen soll, Deutschland vor aller Welt zu demütigen. Ton und Form der Rote sind ein Gemisch von Hohn, Spott und Unaufrichtigkeit. Der D. D. O. legt schärfste Verwahrung gegen diese Art des diploma­tischen Verkehrs unter gleichberechtigten Staa­ten ein und erwartet von der Aeichsregierung. daß sie diesem Gefühl des gesamten nationalen deutschen Volkes eindeutig und llar Aus- brua gibt

TU. Berlin, 6. Juni. Der „Tag" sagt, die Note sei in der Form nicht gerade unhöf­lich, aber in der Sache absurd. Mit der Be­friedung Europas und der Welt habe diese Entwaffnungsnote wirklich gar nichts zu tun.

Der „Lokalanzeiger" schreibt: Wenn man eine solche Note liest, wie diese Entwafi­nungsnote, dann kommt uns doch wieder so recht zum Bewußtsein, daß von einer Gleich­berechtigung Deutschlands selbst mit den klein­sten Völkern der Erde geschweige denn mit den Großmächten nicht die Rede sein kann, ja, daß Deutschland kein souveräner Staat mehr ist Darum ist das Gefühl der Empörung so groß und tief, das wir beim Lesen dieser Note dieser Note empfinden.

Die „Tägliche Rundschau" nennt die Rote ein Dokument kleinlicher Rache.

Die „Voss. Ztg." schreibt: Es muß für politisch denkende und historisch geschulte Per­sönlichkeiten ein etwas peinliches Gefühl fein, der Regierung eines großen Volkes ein solches Schriftstück zu überreichen, das bei aller Mäßi­gung der Sprache doch der moralischen Ent­waffnung, der Wiederherstellung einer vertrauensvollen Zusam­menarbeit auf dem Fuße der Gleichberech­tigung entgegenwirken muß.

♦

Münchener Stimmen zur Antwortnote.

München, 6. Juni (TU). Die „Münch­ner Neuesten Nachrichten" besprechen die Entwaffnungsnote und bezeichnen die For­derungen als unerhört. Besonders be­denklich erscheine der Vorstoß gegen die deutsche Industrie. Unter keinen Umständen dürfe vergessen werden, daß die Entwaff- nungSnote nur einen Teil des Gesamtprob- lem§ darstelle.

Die „München-AugSburger Abendzei­tung" überschreibt ihren Bericht: „Noch tiefer in das feindliche Joch."

Was das Ausland?

Paris, 6. Juni. (TU.). Die Pariser Morgenpresse bringt nur kurze Auszüge aus der Entwaffnungsnote. Soweit die Blät­ter redaktionell Stellung nehmen, heben sie übereinstimmend den versöhnlichen Ton des Begleitschreibens hervor.

„F i g a r o" betont, die aufmerksame Lek­türe des Schriftstückes zeige, daß die Alli­ierten auch weiterhin den Weg der Kon­zessionen beschreiten und Deutschland gegen­über Lohalität und Nachsicht üben wollten, berichten ausführlich über den ungün­stigen Eindruck auf die deutschen Regierungskreise. Besonders pein­lich habe nach dem „Echo de Paris" der aggressive Ton der Note gegen General d. Seeckt berührt. Die Reichsregierung be­streite, daß der große Generalstab neu ge­bildet sei und weist weiter darauf hin, die Kontrollkommission habe ihre ausdrückliche Zustimmung zu den Dienstvorschriften der Reichswehr erteilt.

Die französischen Pressevertreter fassen ihren Eindruck dahingehend zusammen, das Berliner Auswärtige Amt wolle die Ver­handlungen mit der Botschafterkonferenz und den Alliierten möglichst in die Länge zi. hen, um die Einberufung einer inter­na, tonalen Abrüstungskonferenz her­beizuführen, aus der nicht nur die Ab­rüstung Deutschlands, sondern auch der Ga­rantiepakt und die Frage der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund zur Sprache kommen. •

Paris, 6. Juni. Die „Liberte" vertritt den Standpunkt, daß die Notze der Alliierten in Deutschland schlecht aus­genommen werde, weil man in geschickter Weise einen Kuhhandel vorbereiten wolle. Das Plaidoyer Deutschlands sei schon jetzt zu erkennen, nämlich Marschall Hindenburg würde sagen: Ich arbeite für den Frieden und man werde alsdann zu einer Trans­aktion kommen, zu einem Plan Dawetz für die Entwaffnung, wie man zu einem Plan Dawes für die Reparationen gekommen sei.

Im Gegensatz hierzu ist der „TempS" mit der Note höchst zufrieden. Er nennt sie klar und präzise. Sie lasse keinen Zwei­fel über die Absicht der alliierten Mächte aufkommen. Nachdem man sie gelesen habe, könne man nicht mehr ornstlich be­haupten, daß die Alliierten mit un-eraeord- neten Verfehlungen des Deutschen Reiches die Aufrechterhaltung der Besetzung der Kölner Zone rechtfertigen wollte. Die Alliierten hielten sich strikte auf dem Boden deS Friedens - Vertrages von Versail­les. Sie legten von einem weitgehenden Entgegenkommen Zeugnis ab. Aber sie wollten, daß Deutschland effektiv entwaffne. Die Alliierten forderten von Deutschland nichts, was nicht ausführbar sei. Aber Deutschland müsse sich in voller Aufrichtig­keit fügen und aufhören, über Formell» zu streiten, wie eS das getan habe.

*

London, 6. Juni (WTB.) Die Abend­presse veröffentlicht in großer Aufmachung die von Reuter übermittelten deutschen Er­klärungen zu der Note der Alliierten, die, wie ersichtlich, hier ihren Eindruck nicht verfehlten. Ein Teil der Presse kritisiert bereits scharf die Note der Alliierten.

Der radikale „Star" führt unter der Ueberschrift „Geheime Rüstungen" auS, Berge hätten eine MauS geboren. Nach Monaten, sogar Jahren der Angst- madjerei seien die Enthüllungen der Inter­alliierten Militürkontrollkommission ein vollkommener Fehlschlag. Sogar die kei­neswegs deutschfreundliche „Times" müsse zugeben, daß die Note, sowie die Anlagen nichts enthielten, was darauf Hinweise, daß die Verletzungen in der Material­frage weitreichend seien. DaS Blatt fährt fort: Nachdem die deutschfeindlichen Agitatoren zwei oder drei Jahre lang däS britische Volk mit Erzählungen üer ange- liche deutsche Rüstungen vergiftet haben, die niemand nachprüfen konnte, weil alle Beweise dafür in den Händen der Interalli­ierten Kontrollkommission lagen, zeigt sich, daß die Wahrheit trivial ist.

BemerkenSert ist, daß eS sogar im k on- servativen „Evenina Standari>" heißt, die alliierte Note werde mit gemisch­ten Gefühlen aufgenommen werden. Wenn eS auch äußerst ärgerlich sei, daß die Be­stimmungen, denen Deutschland in Versail­les zugestimmt habe, nicht voll auSgeführt seien, so dürfe doch nicht vergessen wer­den, daß die Sage seit der Unterzeichnung deS Vertrages radikal verändert fei und daß die Verzögerung in der Zurückziehung der alliierten Besetzungstruppen sehr bedau­erlich sei.

Der Berliner Korrespondent der „Times meint, es gebe verschiedene Punkte, die ver­mutlich Schwierigkeiten bereiten würden, beispielsweise die Forderung auf Abschaf­fung deS General st abeS. Die ver­langte Demolierung der den Werken Haselhof gehörenden Anlagen werde in Berlin als eine Vergeltungsmaßnahme für die deutsche Herstellung von LeichtautvMo- dilen angesehen.

Deutschland sei natürlich, so schreiben die liberalen „Daily NewS" bereits ent­waffnet ,d. h. Deutschland sei in militä­rischem Sinne machtlos. Die gegen Deutsch­land vorgebrachten Beschuldigungen bestün­den nicht darin, daß feine gegenwärtige militärische Position eine Gefahr für den europäischen Frieden bedeute, sondern daß in Ermangelung der getreulichen Erfül­lung der Entwaffnungsklauseln deS Ver­sailler Vertrages der Verdacht (!) ent­standen sei, daß eS im geheimen allmählich eine Organisation aufzubauen beabsichtige, die eine bedrohliche militärische Herausfor­derung bedeute. WaS uns belangt, so fährt das Blatt fort, so können wir nicht glauben, daß dieser Verdacht irgend eine solide Grundlage besitzt.

Die schärfste Kritik an der Rote dec Alliierten übt der „Manchester Gu­ardian". Die alliierte Note wird den Weg zum europäischen Frieden noch lange versperren. Die einzige Hoffnung für dta Verminderung der Wirkung der Unge­schicklichkeit der Rote liegt in Berlin. ES