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Die Maroklodebatte in der französischen Kammer.

Paris, 29. Mai. Die Kammer setzte in ihrer heutigen Nachmittagssitzung die Jnter- vellationsdebatte über Marokko fort. Zu Be­ginn der Sitzung verliest Kammerpräsident H e r r i o t die von dem Kartell der Linken eingebrachte Tagesordnung Cazals, deren Tert bereits veröffentlicht wurde.

Hierauf ergreift der Abg. M a l v y das Wort, um sich über seine Reise nach Spanien auszusprechen. Er verwahrt l'ch dagegen, daß irgendwelche Eeschäftsgründe dasür matzgebend gewesen seien, datz er Verhandlungen mit der spanischen Regierung angeknüpft habe. Roch weniger habe es sich hierbei um di» Lergwerks- konzession gehandelt. Gegen alle derartigen Tendenzmeldungen habe die spanische Regie­rung bereits protestiert. G* habe keine an' :re Sorge gehabt, als durch die Herbeiführung einer Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Spanien dem Interesse seines Landes zu dienen. Abd ei Krim habe es verstanden, Frankreich und Spanien zu veruneinigen. Er habe indirekt Friedensangebote gemacht, aber nur der spanischen, nicht der fran­zösischen Regierung. General Primo »e Rivera habe seinen Abgesandten freies Geleit ange­boten. Aber Abd ei Krim habe nichts mehr 'von sich hören lassen. Es sei ihm nur darum zu tun gewesen, Waffen und Kriegsmaterial in die Hände zu bekommen. Malvy betont, datz eine Friedensmöglichkeit nur bestehe, wenn Frankreich und Spanien aufrichtig zusammen­arbeiteten.

Der kommunistische Abgeordnete M a r c e l l Eachin erklärt, datz Frankreich und Spanien vor 20 Jahren Marokko unter sich aufgeteilt hätten. England hätten sie beseitigt und ihm für diese Selbsten!äutzerung freie Hand in Aegypten gelassen. Insbesondere erinnert Eachin daran, wie Jauräs die Marokkopolitik charekterisiert habe. Habe man denn t>i" 1 4 Grundsätze des Präsidenten Wll- s o n nach dem Kriege ganz vergessen, durch die man allen Völkern der Welt das Selbstbelllm- mungsrecht versprochen habe? 300 Millionen Muselmanen würden in der 9Eeu durch die ? Grossmächte der westlichen Völker beberr^t. Der Ministerpräsident möge dem französischen Volke '"gen, was Marokko Frankreich seit 21 Jahren an Menschen und Geld gekostet habe und wieviel dieses Marokko der französischen Republik kosten werde, in einem Augenblick, in dem so viele Milliarden den franzö­sisch e n F i n an z en f e bl t e n. Eachin ver­liest dann eine Tagesordnung der Kommu­nisten, in der die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten gefordert wird.

Der sozialistische Abgeordnete Renaudel erklärt, es sei notwendig, datz das Abkommen, das man mit Spanien treffe, keinen militäri­schen Hintergedanken in sich berge. Gestern sei es zu einem Missverständnis gekommen, als Vriand von der Möglichkeit gesprochen habe, unter Ausschluss Spanien, mit Add el Krim zu verhandeln. Es sei deshalb eine neue Erklä­rung notwendig und er, der Redner, erwarte von der Regierung, datz, wenn das Abkommen mit Spanien unterzeichnet sei. die Verhandlun­gen mit Abd el Krim eingeleitet würden.

Hierauf ergriff Aussenminister Vriand das Wort und erklärte: Frankreich habe bis jetzt eine rein defensive Haltung eingenommen. Da man das Selbstbestimmunosrecht der Völker anführe. müsse man auch zugeben, dass es Stämme gebe, die das Recht hätten, sich Frankreich zuzuwenden. Diese seien auch geplündert worden. Die, französischen Posten, die zu ihrem Schutze errichtet worden seien, habe man umzingelt und bedroht. Diese Stämme habe Frankreich nicht verlassen dürfen. Vriand erinnert daran, dass, als Frankreich 1914 am Rhein bedroht worden sei, es allen Völkern, die es kolonisiert habe, freigesiellt habe, über sich selbst zu verfügen. Alle Kolo­nien hätten sich Frankreich angeschlossen und alle ihre Bewohner hätten sich als Franzosen gefühlt. Das sei die Freiheit der Völ­ker: Ueber sich selbst zu verfügen. Vriand erklärt. Frankreich habe Marokko zivi­lisiert. Es habe heute gute Wege und Eisen­bahnen und leine Bewohner arbeiten und prosperieren. Wenn die Friedensverhandlun­gen kommen sollten, sei es notwendig, dass man sich vorher mit Spanien verständigt. Frank­reich habe Spanien gefragt, ob es sich mit ibrn für einen raschen Frieden einsehen wolle. Eine Teilung des Rifsgebiets kornmenichtinFrage. Frankreich werde seine Beeinflussungszone nicht überschreiten aber es werde auch nicht vergessen. ,ba& noch heute französii^es Blut M Ma-' Zokko vergossen werde

Bei der Abstimmung wird die Priorität der Tagesordnung Cazals, also die Tagesordnung des Kartells der Linken, mit 537 gegen 2 9 Stimmen zuerkannt, worauf die Tages­ordnung selbst mit erhobenen Händen fast ein­stimmig angenommen wird. Die Kammer vertagte sich hierauf auf kommenden Diens­tag.

Paris, 29. Mai. (WTB.) Die für die Marokkooperationen von der Regierung bean­tragten Zusatzkredite belaufen sich insge­samt auf 31700 000 Franken. Ein diesbe­züglicher Antrag ist der Kammer heute vor­mittag zugegangen.

Die Kämpfe in Marokko.

London, 29. Mai. (TA.) Wie der Kor» respondent derChicago Tribüne" berichtet, haben die Streitkräfte Abd el KrimS einen Angriff auf die Garnisonen auf den Höhen von Dibano gemacht, wurden aber nach offiziellen Nachrichten aus Tanger zurück» geworfen. Meldereiter von der spanischen Zone berichten, dah Abd el Krim alle An­strengungen mache, feine Armee durch die Ausübung von Leuten aus jedem Dorfe und Androhung der Todesstrafe im Falle der Weigerung instandzuhalten. 3n der spanischen Zone nördlich von W e z z a n und 3 o b a I a sollen die Rifleute Verstärkungen erhalten und die spanischen Vorposten angegriffen Haden.

ft Pari s, 30 .Mai. Das gestern in Fez veröffentlichte Kommunique über die Lage in Marokko besagt: Die Sage im Westen von Französisch-Marokko ist ruhig. Am mittleren, Frontabschnitt ist die Sage unverändert. An verschiedenen Steifen haben neue Vorstösse des Feindes stattgefunden. Eine Abteilung Rifleute tu Stärke von 250 Mann habe am 27. Mai im Nord westen von §>azzi Dezza die Bem Buyohi Angegriffen. Der Angriff wurde. von den Stämmen unter Hilfe von französischer Artillerie zurückgewiesen. Der Feind hatte 9 Tote auf dem Schlachiselde zurückgelassen. In der Gegend von Kiffaue sind die Telephon- verbinbungen zerstört Wochen. Der Feind hat ein starkes Feuer auf die dort liegenden fran­zösischen Posten und auf die den Franzosen treu geblichenen Stämme eröffnet.

Daris, 29. Mai. (WTD.) Wie der 3ntranfigeant berichtet, werde in Madrid angekündigt, dah der Bruder Abd el Krims schwer verwundet worden sei.

Um die Entsendung einer UrberwachnngS- kommissisn nach Marokko.

Paris, 29. Mai. (TU.) Die Heeres- kommission wird heute zu dem Antrag A e- n a u d e l s, der die Entsendung einer lieber» wachungskommission nach Marokko fordert, Stellung nehmen. Der Abgeordnete Mis» > o f f e hat einen Gegenentwurf vorbereitet, nachdem die HeereSkommission ungerechtfer­tigte Angriffe in die Befugnisse der Ober­kommandos ablehnt.

Madrid, 29. Mai. Im Auftrage des Königs hat Primo de Rivera aus Barce­lona Begrüßungstelegramme an die Ar m e e in Marokko gerichtet, in denen er die Ueberzeugung ausspricht, daß das Heer, wenn die Umstände es erforderten, stets zu Opfern bereit sei. Gleichzeitig kündigte Primo de Rivera seine Ankunft in Tetuan für den 4. Juni an.

Zn Ven spanisch-französischen Berhand- lungen.

Madrid, 29. Mai. (TA.) Aach einer Erklärung der Regierung bestehen bisher keine Abmachungen mit Frankreich, die den fran­zösischen Truppen das Aeberschreiten der Grenzen der spanischen Zone gestatten. Sämt­liche Abmachungen mühten auf Gegenseitig­keit beruhen.

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Entwafsnungsnote und Sicherheitspakt.

In Paris und London scheint man sich jetzt endlich soweit über die an Deutschland zu sen­dende Entwaffnungsnote geeinigt zu haben, daß ihrer Absendung an Deutschland eigentlich nichts mehr im Wege stehen dürfte. Zunächst wird man sich vermutlich damit be­gnügen, der Oesfentlichkeit mitzuteilen, daß die Botschafterkonferenz sich über die an Deutschland zu richtende Note schlüssig gewor­den sei. Es scheint übrigens, als ob zwischen Paris und London bis in die letzten Tage hin­ein Meinungsverschiedenheiten über den Lbgrakter derdeutschen Ber seh-» 1 u n L - n""M Koben. Während von

Paris aus die Auffassung verbreitet wird, daß die Deutschland nachgewiesenen Verfehlungen derartig schwerer Natur seien, datz sie von Deutschland erst etwa im Laufe eines Jahres beseitigt werden können, steht man in eng­lischen Militärkreisen auf dem Standpunkt, datz Deutschland die ihm zur Last gelegten Verfehlungen sehr gut bis Sep­tember dieses Jahres ausgleichen könne.

Die Meldungen über den Sicherheits­pakt müssen mit größter Vorsicht ausgenom­men werden. DieTime s" macht die sen­sationelle Mitteilung, daß es zu einer Eini­gung nicht nur innerhalb des englischen Kabi­netts gekommen sei, sondern daß auch ein völliges Einvernehmen zwischen Frankreich und England in naher Aussicht stände. DieTimes" vermag aber nicht anzugeben, auf welche Punkte sich diese Einigung erstreckt. Wenn sie dagegen erwähnt, daß Frankreichs Hauptbedenken darin besteht, daß es durch eine neutrale Rheinland- zone von Europa, d. h. von seinen Allianzen mit Polen und der Tschechoslowakei ausge­schlossen werde, so ist damit der Punkt er­wähnt, in dem Frankreich und England zweifellos nicht zu einem Einver- ft ä n b n f 5 gelangt sind, da der englische Standpunkt, eine Verpflichtung nicht zu unter­stützen, die über eine Garantie der Grenze im Westen hinausgeht, durch die Kabinettssitz­ung eher gefestigt als erschüttert erscheint. Was aber vonnahe bevorstehenden Mitteilungen" zu halten ist, das haben wir in letzten Jahren zur Genüge erfahren.

Englands Standpunkt.

London, 29. Mai. In der gestrigen Sitz­ung des englischen Kabinetts wurde in der Hauptsache der französische Antwort­entwurf in der Sicherheitsfrage erörtert. Die englische Antwort dürste in zwei bis drei Tagen nach Paris abgehen. Wie verlautet, wird die englische Regierung darauf Hinweisen, daß England nur einem auf Gegen­seitigkeit beruhenden freiwilligen Ga­rant i e p a k t für die West grenzen zu- stimmen könne.

Aus dem Inhalt der Denkschrift.

Nach englischen Pressemeldungen sind die ge­faßten Kabinettsbeschlüsse, deren Inhalt in Sie Denkschrift eingefügt werden soll, folgende:

1. Die englische Regierung ist nicht in der Lage, der französischen Note in formaler oder in annähernder materieller Hinsicht zuzu- ftimmen;

2. die englische Regierung wird die franzö­sische Regierung darauf aufmerksam machen, daß die Note, die von Paris übermittelt wurde, nicht das geeignete Mittel ist, um fachlich erfolgreiche Verhandlungen über die deutschen Vorschläge anzubahnen;

3. die französische Regierung wird daraus auf­merksam gemacht werden, daß sie jetzt, und zwar in allernächster Zeit, wählen muß, ob sie sich an dem Abschluß eines Sicherungs- Paktes mit England, Belgien und Deutsch­land, und zwar aus Grund des materiellen Inhalts der deutschen Vorschläge und aus­schließlich beschränkt auf die Westgrenze, be­teiligen will oder ob sie es vorzieht, die Sicherheit Frankreichs durch ein Militär­bündnis mit Polen, Belgien und der Tsche­choslowakei herbeizuführen, an dem Eng­land sich unter keinen Umständen irgendwie beteiligen würde;

4. die englische Regierung wird Frankreich darauf aufmerksam machen, daß, wenn sich das Pariser Kabinett zurunsten der militä­rischen Einkreisung Deutschlands entschlie­ßen sollte, England sich die Formulierung einer anderen europäischen Politik vorbe- bält und Frankreich nickt länger auf eng­lische Unterstützung im Falle eines Konti­nentalkrieges rechnen könne;

5. England lehnt jede weitergehende Festleg­ung Deutschlands in der Frage der Revi­sion der Ostgrenzen und der Anbahnung des Anschlusses an Oesterreich ab, soweit sie über den materiellen Inhalt der Artikel 19 der Völkerbundfatzung und 80 des Frie­densvertrages hinausgehen.

2 o n b o n , 29. Mai. (WTB.) DieTimes" sagt, die Derkanblungen über ben geplanten westeuropäischen Pakt schritten jetzt in schnellem Tempo fort. Die Ansichten b er britischen Regierung würben gestern genau und einstimmig festge- legt. Es ist in hohem Grabe wahrscheinlich, baß infolge bes Austauschs von Anfragen unb Aufklärungen zwischen Paris unb Lonbon bie französische Regierung tn ber Lage sein wirb, eine vernünftige unb versöhnliche Antwort auf bie beutfdjen Vorschläge zu einem sehr nahen Datum ob.ufenben. Diese Antwort wirb selbst­verständlich eine französische Antwort unbnichteinealliierteFormel sein. Zweifellos wirb in ben folgenden Mitteilungen der Standpunkt Großbritanniens mit feinen teils innerhalb, teils außerhalb Europas sie­genden Intereffen vollkommen klargemacktz werden, daß in London nichts annehmbar

wäre, was wie eine Wiederbelebung der Ge- banhengänge bes Genfer Protokolls aussähe. Die Anzeichen einer Ueber ein ft im­mun g zwischen Lonbon undParis, bie sich fetzt zeigen, sollten, wenn bie Bedin­gungen weiterhin günstig bleiben, zur Eini­gung auf ber Formel eines allgemeinen Sicher­heitsabkommens mit Berlin führen.

Ueber bie Entwaffnungs- unb Räumungs­note sagt bieTimes", ihre Bebingungen seien jetzt festgesetzt worben. Die sehr nernunf- tige Note werbe wahrscheinlich im Laufe ber nächsten Woche abgefanbt werben. Dieses Ereignis im Zusammenhang mit ber Charak­terisierung ber Ansichten über ben Pacht bürste in ber nahen Zukunft Gelegenheit für eine Wieberbelebung eifriger biplomatifcher Tätig­keit bezüglich ber europäischen Hauptfragen bieten.

fk London, 30. Mai. Der französische Korreipondent desDaily Telegraph" Perii- nax schreib, wahrscheinlich wird die französische Regierung in der Frage des Sicherheits- k t es keine weiteren Schritte unternehmen, bevor Vriand eine Gelegenheit gehabt habe, mit Chamberlain und Benesch in Genf das Vrobelm zu erörtern. Es liege auf der Sand, daß die Entscheidung, die von der fran­zösischen Regierung gefordert wird, ein Pro­blem von sehr weitem Charakter haben wird.

lerrichtet.

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England hofft, daß Frankreich annimmt.

London, 29. Mai. (WTD.) DaS Ka­binett hat heute die verschiedenen Fragen die sich aus dem in Beantwortung der deutschen Borschläge von Frankreich ausgearbeiteten Entwurf der Ävte über bie Sicheryertsfr^ge ergeben, geprüft. Die Angelegenheit ist nun­mehr soweit gefördert worden, dah es letzt möglich ist. der französischen Aegrerung ge­wisse Borschläge zu machen. Es besteht die Hoffnung, dah als Ergebnis dieser Borschlage demnächst eine Mitteilung nach Berlin gesandt werden kann, die die Grundlage für em diese Fragen betreffendes Aebereinkommen unter den Alliierten darstellen wird Wenn diese Hoffnung erfüllt ist, so darf die franzosiche Antwort als Ansicht der Alliierten betrachtet werden. Diese Auffassung gründet sich aller­dings auf die Hoffnung und den Glauben, dah Frankreich dre von England vertretenen Ansichten annehmen wird. Die französische Regierung hat der englischen Regierung Erklärungen hm sichtlich der genauen Bedeutung gewisser Telle des Rotenentwurfes übermittelt, die noch nicht klar waren. Das englische Kabinett ist über die Stellungnahme, zu der es gelangt ist, üöllis einer Meinung und es kann als sich« angenommen werden, dah England noch immer seinen Standpunkt aufrecht erhalt, wo nach die Erörterung eines weitläufigen oder unbegrenzten Planes abzulehnen sei und dah es für einen

begrenzten und beschränkten Plan eintritt.

Ein Vertragsentwurf ist freilich noch nicht vorhanden und kann aus diesem Grund den Dominions nicht unterbreitet wer­den. Aber die Uebetfeeregterungen sind selbstverständlich über die verschiedenen Bor schlüge, die Frankreich gemacht wurden, un»

Sie WumngMse

Berlin, 29. Mai. Die Frage der Räu­mung des Ruhrgebietes und der joßenannten Sanktionsstädte Duisburg und Düssel­dorf ist in den lebten Tagen wtederho.t tn der CeffentlWeit erörtert werden. In einem Teil der deutschen Presse wie auch tn ber fran­zösischen ist zum Ausdruck gekommen dass dte Auffassung Dr. Stresemanns: über die Räu­mung des Ruhrgebiets am 16. August könne kein Zweifel bestehen, zu optimistisch set Be­sonders die französische Presse wies darauf hm, dass die Räumung des Ruhrgebiets tn ursäch­lichem Zusammenhang stelle mit der ganzen politischen Lage, wie sie sich aus den letzten diplomatischen Verllandltmien ergeben b«be. An hiesiger zuständiger Stelle wird erklärt, dass die Ru h r u m u n g in L o n d on ter­minlich festgesetzt wurde daß kett, Er­eignis eingetreten sei, daß diese Abmachungen nach irgend einer Richtung illusorisch machen könnte.

Deutschland und der Völkerbund.

Berlin. 30. Mai. Wie wir aus außen­politischen Kreisen erfahren, steht in den näch­sten Tagen ein neuer Schritt des Ge­neralsekretärs des Völkerbundes bei der Reichsregierung bevor. Es ist angekün­digt worden, daß der Völkerbundsrat auf sei­ner nächsten im Juni stattfindenden Tagung neue Erklärungen der Reichsregierung über die Frage des Eintritts Deutschlands wünscht