Nr. Heßler über unsere Reichswehr
lieber die Liebe zum Staat
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Marburger Tageblatt
Wische Lanbeszeitung
Pflichterfül. Liebe
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ftO 29. Mat 1925
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Redaktion von 10—11 und
Uhr.
, Berlin, 28. Mai (MTB.). Der Neite st enrat des Reichstags hat beschlossen, datz der Einladung der Rhein« lande zu einer Fahrt nach Köln am 20. Funi von einer Deputation von -8 gliedern, in der das Präsidium und alle Parteien vertreten sein werden, Folge geleistet werden soll.
Nach einem weiteren Beschluß wird daS Plenum heute die letzte Sitzung vor Pfingsten abhalten und am 9 Ium wieder zusammentreten.
Abwehrmittel der Gasmaske haben. (Der- ^Der eigentliche AeichswehrministeriumSeta» ist damit erledigt. Die Beratung des Marineetats wird auf Dienstag, den 9. Suni "^Mir^ Pfingstwünschen an die Abgeordneten schliesst Präsident 2 öfre um 4.45 ülhr die Sitzung.
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MIrMsle Mt SWOMrage
P a r i s, 28. Mai. Wie Havas mitteilt, wird die Botschafterkonferenz, wie bereits angekiin. bigt, am Freitag nachmittag oder Sonnabend vormittag zu, einer Sitzung zusammentreten, in der sie bezüglich der Entwaffnung Deutsch, lands ihren Beschlutz fassen wird. Ein Einver. ständnis zwischen der französischen und der englischen Delegation sei heute so gut rote erzielt
Der „Demos" bestätigt übrigens, dass bte Reparationsfrage auf Veranlassung der Botschafterkonferenz mit der Frage der Entwaffnung verbunden werden soll. .Die Botschafterkonferenz habe gestern der Re- varationskommission eine Note überreicht und an sie die Frage gestellt, ob Deutschland die Bedingungen des Friedensvertrages, rote ste der Abschnitt 8 betreffend die Reparationen enthalte, erfüllt habe. Die Reparattonskom. Mission tritt bald zusammen, um festzustellen, ob Deutschland die Bedingungen des Dawesplanes erfüllt habe. Es sei wahrscheinlich, daß ihre Antwort zedoch bejahend ausfalle. Unter diesen Umstanden werde die Botschafterkonferenz der Reichsregierung eine Note zustellen, in der ste fest» stelle- 1. datz Deutschland seine Dertragsver- pflichtunqen hinsichtlich der Reparationen er- fülle; 2. daß es feine Vertragsverpflichtungen hinsichtlich der Entwaffnung nicht erfülle: 3. dass es infolgedessen augenblicklich nicht die Lage hergestellt habe, die der Artikel 4„9. versehe, wenn die Kölner Zone , geräumt werden solle, 4. endlich, datz diese Räumung erfolgen werde, sobald Deutschland getreulich seine Ent- roaffnungsverpflichtungen erfüllt habe.
Was von Deutschland verlangt werden soll.
London, 27. Mai. (WTB.). Reuter will aus autoritativer französiicher e.r.?TIe; erfahren haben, daß Deutschland imstande sei, wenn es wolle, in wenigen Wochen auszuführen, was in der Note über die Abrüstung verlangt werde. ES wird daraus hingewiesen, die Kontrollkommission sei zu der Schlutzfolaerung gekommen, datz Deutschland nicht alle Abrüstungsverpflichtungen erfüllt habe, und datz in Uebereinftim» mit ne mti Fachleuten "'ne Liste der Nerseh- lungen qemätz dem Versailler Vertrag zur Ueberreichung an Deutschland hergestellt worden sei. Das Verzeichnis, daS demnächst in Berlin überreicht werde, zeige Deutschland, ohne Raum für Mitzverständntste zu lassen, was eS noch zu erfüllen habe. Im ganzen ziehe Frankreich in Betracht, datz . Deutschland seine Verpflichtung tn vezug auf die Zerstörung von Kriegsmaterial er- füll.' habe. Gewisse Fabriken, die Kriegsmaterial Herstellen, etWu 30—40, aus einer Gesamtzahl von mehreren tausend, mutzten noch umgestellt werden. Unter diesen wurden auch Krupp und die Span- dauer Werke genannt, die nach Ansicht der Franzosen nach kurzer Zeit imstande seien, grotze Mengen von Kriegsmaterial herzustellen. Von französischer Seite würden ebenfalls ernstliche Einwendungen bezüglich des zu grotzen Stabes der Staatspolizei und einer Anzahl untergeordneter Punkte gemacht. In bezug auf diese Angelegenheiten sei es nach französischer An- sicht möglich, datz Deutschland die rn der Note gestellten Bedingungen bis Gnbe September erfüllen könne, was die Räumung Kölns zur Folge haben werde. Gemäß der Vereinbarung, die von Herriot und Theunis mit Deutschland getroffen worden sei, werde das Ruhrgebiet am 1b. 91 u g u ft geräumt. Zur gleichen Zelt würden die Besatzungstruppen aus den drei Städten Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort zurückgezogen, die eine Kategorie für sich
Deutscher Reichstag.
68. Sitzung vom 28. Mai, 11 Uhr.
Der Reichstag holt zunächst eine bei der Beratung des Landwirtschaftsetats zurückgestellte Abstimmung nach. Angenommen wird ein sozialdemokratischer Antrag, wonach aus dem Ueberschuh der Reichsgetreidestelle 5 Millionen Mark für Zwecke der Kinderspeisung verwendet werden sollen.
Dann wird die zweite Beratung des H a u s- halts des Reichswehrmini st e- r i u m s fortgesetzt.
Reichswehrminister Dr. (5eBier geht auf die Kritik ein, die am Dienstag von mehreren Rednern an der Höhe der Ausgaben geübt worden ist. Wenn man die Kosten vermindern will, dann mutz man entweder unter das heruntergehen, was selbst die Entente als notwendig für Deutschland betrachtet, oder man mutz bei den einzelnen Ziffern nachweisen, datz zu viel bezahlt wird. Die Zahl der Stabsoffiziere könnte man verringern, dann mühte man den Herren eben die Gehälter in der Hauvimannsklasse bezahlen. Schon ietzt macht es die grötzten Schwierigkeiten, angesichts der verminderten Aussichten des Offiziersberufs tüchtige Offiziere in bet Reichswehr zu behalten, vor allem vermögenslose Offiziere, und das ift die größte Anzahl. Die grotze Zahl der Chargen, die hier bemängelt wurde, erklärt sich sehr einfach aus den besonderen Verhältnissen der Reichswehr im Gegensatz zum alten. Heere. Wenn ein Mann 12 Jahre in der Reichswehr ist, bann will er natürlich nach einer gewissen Zeit befördert werden. In der Ausrüstung wird wirklich kein übermäßiger Aufwand getrieben. Die Zahl der Offiziersvferde in der Reichswehr ist kleiner als die in der schweizer Armee. Es ist richtig, daß die Reichswehr Gelder von vaterländischen Verbänden angenommen bat. Damit sind die Wohlfahrtseinrichtungen für die Reichswehrangehörigen unterstützt worden. Ich habe damit auch einen, übrigens vom preußischen Innenminister gebilligten politischen Zweck verfolgt: Indem wir dem „Stahlbelm", dem Wehr- wolf“ usw. das im ganzen Reiche gesammelte Geld abnahmen, verhinderten wir, daß dieses Geld zu bedenklichen Dingen und zu politischem Unfug verwendet wurde. Leider sind in der letzten Zeit die der Reichswehr zugeflossenen Summen geringer geworden. Die Hauvtaufgabe der deutschen Reichswehr ist der Schutz der deutschen Grenzen. Die deutsche Politik ist friedfertig. Das Wort, daß nur ein Verrückter in dieser Zeit an Krieg denken kann, stammt von m i r. Auch der Reichspräsident, der doch ein militärischer Fachmann ist, hat erklärt, daß Deutschland an einen Krieg garnicht denken kann. Wir sind gern bereit, internationale Sicherheitsvereinbarungen für den gegenseitigen Schutz der Grenzen abzufchließen. Solange das nicht geschieht, bat der Reichsminister die Verpflichtung, mit der Reichswehr dafür au sorgen, datz Deutschland nicht zum Kampfplatz oder zur Etappe fremder Heere werde. (Beifall.)
Wir wollen in der Welt gleichberechtigt sein entweder in der Abrüstung ober in bent Ausbau eines unseren Bebürfnissen ent« sprechenben Heeres.
Für biese von uns erhoffte Zeit bet Gleichberechtigung brauchen wir, wenn die Anderen nicht abrüsten, als Grundlage ein Elite- beer, wie wir es tatsächlich in der Reichswehr besitzen. Das Gerede von geheimen deutschen Rüstungen ift lächerlich. Ein Volk, das heimlich rüsten will, muß anders aussehen als das deutsche, bas, dazu viel zu arm unb schwatzhaft ist. Es ist richtig, baß wir im Herbst 19’3 Zeitfreiwillige eing-^-M unb bie total erschöpften Munitionsbestände aber nicht übet die durch den Versailler Vertrag gezogenen Grenzen ergänzt haben. Wie wenig heimlich das war. geht daraus hervor, daß ich damals im Kabinett beantragte, diese Dinge offiziell der Entente mitzuteilen. Zeit- freiwillige werden, wie mit die militärischen Befehlshaber bestimmt versicherten, nicht mehr ausgebildet. Die große Heeresvorlage in Frankreich, die weit über unser früheres Hin- denburgvrogtamm binausgebt, ist von Herriot itnb dem Linkskartell gemacht worden. (Hört! Hört!) Daraus ergibt sich wieder, daß Republik und Demokratie zwar friedlick. aber nicht defaitisiilch sind. Wir verletzen nicht den Versailler Vertrag, aber wir wollen auch nicht auf das verzichten, worauf wir nach bie;->m Vertrag Anspruch haben. Wit werden ehrlich au jedem Costern der Abrüstung Mitarbeiten, aber
das Opfer der deutschen Freiheit darf keiner fordern! -Lebhafter Beifall rechts.) Die Berofchüre der „Liga für Menschenrecht" hat der feindlichen Propaganda viel genützt und Deutschland schwer geschadet. Aber Landesverrat war sie man. Neun Zehntel ihres Inhaltes zählt die Maßnahmen auf, die wir in gewissenhafter Beachtung des Versailler Vertrages unternommen haben. Zu den Nngrifsen auf das Offizirrs- korvs kann ich nut aufrichtig versickern, das deutsche Heer, wie es besteht, ist ein Seer der Republik! Das alte Offizierskorvs bat sich mit großem Pflichtgefühl der Republik und der Neugestaltung des Heeres zur Verfügung gestellt. (Beifall rechts.) Die Offiziere, die ihren Eid auf die republikanische Verfassung geleistet haben, werden diesen Eid nicht brecken. Der Minister schließt unter lebhaftem Beifall der Rechten und der Mitte mit der Versickerung, datz die deutsche Reichswehr ein von Parteivolitik unberührtes, zuverläliiges 'er der Republik sein und bleiben werde.
Aba. Dr. D r e b t (W. Dgg.) erinnert im Hinblick auf den inzwischen eingegangenen sozialdemokratischen Antrag auf Streichung des Gehaltes des Reichswehrministers an Bismarck, welcher bei einem ähnlichen Fall dem Parlament erklärte, er würde nach einem solchen Beschluss einfach sein Gehalt einklagen. Die deutsche Marine dürfe nicht vernachlässigt werden, vor allem zum Schutz des Austandsdeutschtums und mit Rücksicht auf die Ostsee.
Abg. Leibei (Bahr. Bpt.) bedauert, dass der Druck der Entente die Rückkehr zu dem Ideal des alten Bolksheeres und der allgemeinen Wehrpflicht verhindere. Das Fehlen dieses Erziehungsinstruments mache es notwendig. die Jugend auf anderen Wegen zu ertüchtigen. Die Tradition der alten ruhmreichen Armee müsse auch in der Reichswehr gepflegt werden. Gesinnungsschnüffelei würde in der Reichswehr nicht betrieben werden. Auch derjenige, der die republikanische Staatsform nicht für das beste halte, könne treu und zuverlässig dem republikanischen Staate dienen. , , .
Abg. Rammin (Bölk.) Erklärt, datz feine Partei den Wehretat annehmen werde.
Damit schliesst die allgemeine Aussprache.
Abg. Lipinski (Svz.) geht auf die Beschuldigungen ein, die der frühere sächsische Ministerpräsident Zeigner gegen die Leitung der Reichswehr gerichtet hat. Diese De- fchuldigungen hätten sich als völlig haltlos erwiesen.
In der Einzelberatung begründet Abg. Lünlich (Soz.) eine Interpellation feiner Freunde, die sich mit dem Massenunglück aui der Weser bei Minden beschäftigt. Der Redner fragt, was die Heeresleitung tun wolle, um die Wiederholung von Llngücksfällen solcher Art vorzubeugen.
Rechswehrminister Dr. Getzler erwidert, die Heeresleitung habe sofort alle Schritte getan, um die Ursache der Katastrophe aufzu- flären. 3 m Juni werde in öffentlicher Verhandlung vor dem Schöffengericht die Schuldfrage untersucht werden. Don einem irreführenden Befehl könne man nicht sprechen. Der grundsätzliche Fehler der Pionierbestimmungen fei der, dass sie nur eingestellt waren für den Kriegsfall, wo man mehr riskieren könne als bei Friedensübungen. Dach dem Anglücksfall feien die Bestimmungen sofort revidiert und weitere Sicherungs- und Schutzdorschriften aufgenommen worden.
Ihg .Deubauer (Komm.) sieht in dem Unglück eine Folgeerscheinung der Leichtfertigkeit, mit der, nach seiner Meinung, in der Reichswehr mit dem Leben der Soldaten umgegangen werde.
Abg. Brüninghaus (D.Dpt.) wendet sich gegen die Ausführungen des kommunistischen Redners. Es gehöre ein hohes Matz politischer Geschmacklosigkeit dazu, auch diese greulichen Dorfälle zu politischer Agitation auszunutzen. (Großer Lärm bei den Kommunisten.) ,
Abg. Künstler (Soz.) verweist auf die in der französischen Kammerdebatte von Ministerpräsident Herriot gemachten Angaben über die deutschen Verfehlungen und fragt den Minister, ob er nicht jetzt fchon auf diese Behauptungen antworten wolle. Der Redner beantragt weiter die Streichung der für die Beschaffung neuer Gasmasken ausgesetzten Mittel, da gegen die modernen Giftgase doch kein Schutz möglich sei.
Reichswehrminister Dr. Getzler lehnt es ab, jetzt schon auf die Kammerrede Herriots zu antworten. Deutschland habe in Genf das Verbot des besonders ungesetzlichenGist- gaskrieges beantragt. Solange die übrigen Rationen diesem Antrag nicht zustimmten, ' müsse die deutsche Reichswehr wenigstens das
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! Sorte über das Verhalten des deutschen Ofsi- Jterhorps zur Republik; T *,l T
Jung könne man befehlen, »ober nicht. d.: 2::1" "
!stüffe allmählich die Liebe zur Republik her- ,0U5road)fen. Die unruhigen Kommunisten lverulckte der Redner ein wenig mit ihrem ab« gesetzten Herrn Trotzki, wobei er lustig hinzu- fiiftte: Wenn Sie mich einmal los sind, bann .Kriegen Sie mich aber nicht wieder!
« Der Appell des Ministers, die Reichs- ,wehr außerhalb der Politik zu laf« Jen, wurde mit Recht von den meisten Red- ifiern aus dem Hanfe unterstützt. Auch die f^lahnung an die Jugend, sich körperlich zu Mrken, aber nicht der Militärfpielerei zu ver- sollen, fand Zustimmung. In der Einzefuera- pung wurden noch einige Sonderfälle erörtert. 1 barunter das große Pionierunglück auf • cer Weser. Dr. Eeßler teilte mit, daß die xUntersuchung noch nicht ganz abgeschlossen fei. ,«uch zu anderen Fragen ergriff er noch ein fPaarmal das Wort; auf die französische Kam- tnerdebatte einzugehen lehnte er wohl mit flecht ab. Dann wurde schließlich fein Gehalt ,und der Haushalt der Reichswehr trotz der ;vppofition der Sozialisten bewilligt, während der Marinehaushalt noch ^besonders besprochen werden soll, wenn der Reichstag am 9. Juni aus den Pfingstferien jprückkehrt. ‘
Mhr aus. Nur ein Verrückter kann in Deutschland an einen Krieg beulten — das habe er schon einmal gesagt. .Der die Reichsgrenzen zu schützen, damit das Waterland nicht der Kampfplatz für fremde rfjeere werde, das müsse auch mir unserer kleinen Reichswehr versucht werden. Kräftiger iSeifaH aus dem Hause begleitete diese Worte stoie auch die sehr deutliche Forderung, daß wir «leichberechtigt mit den anderen Nationen bleiben müßten, fei es in der Abrüstung, sei tt im Wiederaufbau eines größeren Heeres! Unb für diese zweite Möglichkeit sei es nötig, baß die Reichswehr ein „Eliteheer" '»erde. Mit großer Geste wehrte der Minister alle Verdächtigungen wegen heimlicher Rtistun- Sen in Deutschland ab: dafür sei das »butsche Volk zu arm und zu — schwatzhaft . . .
; Und was hat es mit der Bedrohung des 'Friedens durch das entwaffnete Deutschland auf sich? England gibt allein für feine Luft- rüftungen mehr aus als Deutschland für fein ganzes Heer. Die größte Heeresvorlage aber, ;bie man je gesehen hat, wurde jetzt in Frankreich eingebracht. Fast elegant legte Dr. Getz- ’ler diese Feststellungen nicht als Vorwurf aus, .sondern zog daraus den Schluß: Man sehe, r-baß Republik und Demokratie Jwar friedlich, aber nicht defaiti- »kisch sind. So schloß denn der Minister -diesen Abschnitt seiner Rede wirkungsvoll mit ibem Satze ab: Wir arbeiten ehrlich mit an der 'Abrüstung und Verständigung, aber das Opfer (der deutschen Freiheit darf keiner fordern! .'Schließlich sprach Dr. Getzler noch einige kluge
echMche Zeitung
Lm letzten Tage vor den Pfingstferien hat der Reichstag noch den Heereshaushalt zu gebe beraten. Die Reiselust war schon groß, >uü die Zahl der Volksvertreter wurde immer geringer. Das einzige Ereignis von Bedeutung war aber auch die Rede des Reichswehr- mimsters Dr. Getzler, die dieser gleich zu beginn der Sitzung hielt, um den in die Heimat Flüchtenden noch einen guten Segens« sprach mitzugeben. Dies hat er auch in vorzüglicher Weise getan. Auf die Entwaffnungsnote der Alliierten konnte der Minister nicht antworten, weil — sie noch lange nicht fertig M. Aber so manches hat er doch schon gesagt, rwas als Antwort auf die zu erwartenden Beanstandungen und Beschuldigungen gelten kann. Wenn wir die Hauptbeschuldigungs- ^pimhte nicht aus der ausländischen Presse er- tfjren hätten, dann konnten wir sie ja auch 'ben Aeußerungen der „deutschen" Pazifisten entnehmen, von denen die Entente einen großen Teil ihres Materials bezieht. Dr. Getzler erwähnte als Beispiel dafür mit scharfem Tadel eine Broschüre der „Deutschen Liga ür Menschenrechte", in der alle Phan- asiedarstellungen über heimliche Stiftungen in Deutschland, insbesondere über die „schwarze Reichswehr" und die Zeitfreiwilligen enthalten waren.
Der gemütlichen bayerischen Sprechweise !bes Reichswehrministers ist ein so starker Ton 'innerer Ueberzeugung und aufrichtiger Wahr- pstigkeit beigesellt, daß seine Reden doch immer wieder einen ftarfeen Eindruck ■ auf das Haus rote auf die Tribtinenbe- facher machen. So sprach er auch am Don- Jttrstag sehr ehrlich und gerade heraus, wenn MH natürlich wohl überlegt, feine Ansicht Uber den Sinn und Wert der deutschen Reichs-