MilttvM len N. Mui ISN
^Oberhessifch« Zeitung" et- sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 GM. auS- ft>ließl. Zustellungsgebühr, durch ^Post2.25 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte oder elementarer Ereignisse ausfallende «Kummern wird kein Ersah geleistet. Verlag d. Dr. §. Hiheroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 55. u. Nr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Nr. 5015. — Sprechzeit her Redaktion von 10—11 und
»/,!—1 Uhr.
öberheMche Zeitung
Nr.1L. 60.3nftg. Marburg a.Lahn
Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 SM., kleine Baranzcigcn 0.06 GM., amtlich« und auswärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Plah- borschrift 50°/, Aufschlag. — Eammelanzeigcn 100 °/, Aufschlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch di« Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg.
1 Gvldmark — V«,-Dollar.
MeiyerKridasMerkuchMchelivbEeru^NmüichesVerKün-iganssblM^d-krwÄ^rMg
Sriand über dm SichcrsritSpakt
Dir Bcamlcndrlitik im Reiche
Das Ende des Sicherheitspaltes.
Berlin, 26. Mai. Die aus London und Paris eintreffenden Nachrichten befestigen in den diesigen maßgebenden Kreisen immer mehr die Ueberzeugung, daß jedes weitere
Soffen auf das Zustandekommen des Sicherheitspaktes zwecklos
ist, da Frankreich ganz offensichtlich kein positives Ergebnis will. Die ablehnende Haltung Frankreichs kommt in der gestern übergebenen Note Briands deutlich zum Ausdruck. Die Note wird zwar von der englischen Regierung noch offiziell geheimgehalten, doch scheint ihr 'Inhalt schon den Weg in die Presse gefunden zu haben. So schreibt der gut unterrichtete parlamentarische Mitarbeiter der „W e st - minster Eazette", in der Note werde gesagt, daß die Franzosen es ablebnten, daß Deutschland als Mitglied des Völkerbundes Has Recht haben sollte, entsprechend den Bestimmungen der Satzungen an eine Revision der Ostgrenzen zu appellieren. Ferner bestehe Frankreich darauf, daß Deutschland dem Völkerbund gegenüber seine Verpflichtungen anerkennen müsse, Truppen im Kriegsfall steten Durchzug durch deutsches Gebiet zu gewahren. „Es braucht wohl nicht weiter betont zu werden, daß diese Forderungen für Deutschland un. annehmbar sind." Aber auch die englische Regierung scheint entschlossen, die franzö- ssschen Wünsche nicht zu unterstützen. „Großbritannien", so erklärt „Westminster Gazette", »sei nicht geneigt, Verpflichtungen für die starre Aufrechterhaltung der polnischen Grenzen für alle Zeiten einzugehen."
Nach den neuesten Pariser Meldungen ist «an sich auch in Frankreich über die Folgen bei französischen Halsstarrigkeit völlig im Aaren. So erklärt „Echo de Paris". es bade keine Hoffnung mehr, daß das britische Kabinett eine Stellung einnehmen wird, die es ermöglicht, den Sicherheitsvakt, den Deutschland vorgeschlagen hat, abzuschließen. Der Autzen- volitiker des Blattes schreibt, die Verhandlungen zwischen London und Paris würden fortgesetzt, aber uni wenn der 2 uai d'O r s a y schwach werde, scheine ein Einverständnis möglich.
Daraus geht hervor, daß die französische Presse geradezu einen Druck auf Briand aus- Lbt, nicht nachzugeben und die Verhandlungen versacken zu lassen. Einen besserest Beweis für die französischen Sabotage- absichten gibt es kaum. Es ist nicht mehr daran zu zweifeln, daß diese Abstchten so gut wie geglückt sind. Der Sicherheitspakt ist tot, und Frankreich hat ihn getötet.
*
Paris, 26. Mai. (WTB.) Im Verlaufe der Debatte über das Budget für auswärtige Angelegenheiten im Senat ergreift der Minister des Auswärtigen Briand das Wort und erklärt: Die Fragen, die die Sicherheit Frankreichs und die Entwaffnung Deutschlands betreffen, bildeten augenblicklich den Gegenstand von Diskussionen zwischen den Alliierten. Frankreich habe zu ihnen klar Stellung genommen. Als er, Briand, die Leitung des Außenministeriums übernommen habe, habe er die deutschen Vorschläge betreffend den Abschluß eines Sicherheitspaktes vorgefunden. Er habe geglaubt, daß Frankreich genug Beweise seiner Friedensliebe gegeben habe, um Verhandlungen einleiten zu können, unter der Bedingung allerdings, daß sie auf realen Möglichkeiten begründet seien, die dahin führen würden, daß keine der beiden Parteien das Opfer ihrer Gefühle werde. Ich wünsche, daß unser Vorschlag Unseren Alliierten unterbreitet würde, um den guten Willen der französischen Regierung zu zeigen. Ich habe übrigens Paktmöglichkeiten bier im Rahmen der Verträge in Aussicht genommen. Außerhalb dieses Rahmens biete et Gefahren. Briand erklärte, es sei ein Mangel der Verträge, daß sie nicht genügend die Solidarität unter den Alliierten festgestellt hätten. Frankreich könne von seinen Freunden ebensowenig fordern, daß sie ihre Asvirationen aufschöben, wie sie von Frankreich nicht verlangen könnten, daß es auf die seinigen verzichtet. Mir müssen für die augenblicklichen und zukünftigen Verhandlungen die Verträge aufrecht erhalten. Das ist eine Frage des Respekts Unserer Unterschrift. Wir können weder unsere nationale Einheit noch unsere Ehre opfern. Das sind die Grundsätze, die wir bei den Verhandlungen aufgestellt haben. In einigen Tagen, fährt Briand alsdann fort, wird die Frage der Sicherheit und des Paktes geregelt sein. Dann werde ich alle notwendigen Erklärungen geben. Bis dahin kann ich es nicht, ohne mein gegebenes Wort zu verletzen.
Der Haushaltsausschuß des Reichstags setzte gestern die allgemeine Aussprache über den Haushalt des Ministeriums des Innern fort. Aba. Dr. Löwenstein (S03.) forderte eine halbe Milliarde für Turnhallen und Sportplätze. Abgeordn. Petzold (Wirtschftl. Bg.) tritt für größere Mittel zur Bekämpfung der N 0 t d e r I u n g- lehrer ein, ferner für Zurückdrängung des Verbrauchs von Narkotika. Die Gehälter der Schutzpolizeibeamten seien zu erhöhen. Das W a h l a l t e r müsse auf das 25. Lebensjahr heraufgesetzt werden. Abg. Dr. R u n k e l (D. Vp.) beschwerte sich über die Art der gegenwärtigen Lehrerbildung. Man habe die Seminare abgebaut, ohne Neues bisher an ihre Stelle zu setzen.
Hierauf nahm Reichsinnenminist. Schiele das Mort:
„Das Reichsschulgesetz wird in 14 Tagen dem Kabinett zugehen. Es wird dann in kurzer Zeit auch dem Reichsrat und dem Reichstag uorgelegt werden. Bezüglich des beantragten Verfassungs- Ausschusses verweise ich nochmals auf die programmatischen Ausführungen des Reichskanzlers Luther, in denen es hieß: „Die Reichsregierung wird es sich angelegen sein lassen, die Bestimmungen der Reichsverfassung daraufhin nachprüfen, daß unser Staatswesen mehr als bisher innerlich gesundet." Es kann nicht sein, daß die Artikel 48 und 18 der Reichsverfassung, ferner die Frage der A b g e - ordneten-Immunität weiterhin so ungeklärt bleiben, und daß namentlich in der
■. FlaoL en-FraLe...... •
der Zerrissenheit unseres Volkes nicht Einhalt geboten wird."
Der Minister äußerte sich bann zu ver- -chiedenen in der Debatte angeregten Einzel- fragen, und hob dabei besonders solche hervor, die das
Beamtentum betreffen. Hier führte er u. a. aus: „In Ueber- rinftimmung mit der Verfassung ist festzuhalten an dem Gedanken des Berufsbeamtentums, wie es der geschichtlichen Entwicklung unseres Staatswesens entspricht. Das Bcamtenrecht als Sonderrecht neben dem allgemeinen Recht soll erhalten bleiben. Ich weiß mich mit der Beamtenschaft darin eins, daß sie fick in Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte an diejenigen Grenzen gebunden fühlt, die durck die Stellung des Beamten als Mitträger der Staatshoheit gezogen sind. Insbesondere darf in der Beamtenschaft darüber nicht der mindeste
Reichsaußenminister Dr. Strese- mann
bat gewisse Erklärungen abgegeben. Er ist verpflichtet, mit der Oeffentlichkeit seines Landes zu rechnen. Man müsse deshalb nackden- ken, was er habe sagen wollen. Ich habe in seinen Worten nicht das brutale non vossu- mus gefunden, das man nach gewissen Wahlen hätte erwarten können. Stresemann habe gesagt, die Alliierten hätten ihre Unterschrift dadurch nicht respektiert, daß sie Köln nicht geräumt hätten. Er hätte auch sagen können, daß die Verfehlungen, die man gegen Deutschland anführe, nicht sehr beträchtlich sein könnten, weil die Alliierten sie noch nicht bekannt- gegeben hätten. Das sei Ironie. Er sei überzeugt, daß Dr. Stresemann die Verfehlungen sehr gut kenne. General Bourgois habe einiges davon bekanntgegeben. Ohne das Bild sehr schwarz malen zu wollen, wie dieser es getan habe, müsse er sagen, daß er in dieser Rede einen Teil der Feststellungen der Kontrollkommission wiedergefunden habe. Es sei nicht erstaunlich, daß Deutschland von patriotischem Geiste beseelt sei. Viele Nationen könnten sich in dieser Richtung an ihm ein Beispiel nehmen. Es sei also nicht zweifelhaft, daß sich Vereinigungen mit wagemutigen Absichten in Deutschland gebildet hätten.
Es sei sicher, daß, wenn jede der feftgestellten Verfehlungen für sich allein angenommen werde, sie nicht gefährlich seien. Ihre Gesamtzahl und ihr Zusammenhang untereinander seien aber doch geeignet, einen kleinen Schauer der Beunruhigung zu verursachen. Auf alle Fälle sei es notwendig, daß die Verfehlungen gegen den Verfailler „Vertrag", die von der Kontrollkommission festgestellt seien, beseitigt würden. Wenn Deutschland seine Verpflichtungen halte, wenn es nicht schikanieren wolle und wenn es wirkliche Sicherbeitsgarantien ins Auge zu fassen gedenke, werde man das ja rasch erkennen. Die Note der Alliierten werde
Zweifel bestehen, daß es für die Beamten ein sogenanntes
Streikrecht nicht gibt.
Damit stelle ich wiederholt nur dasselbe fest, was die Reichsregierung, die höchsten Gerichte und auch die Mehrheit der Parteien des Reichstags des öfteren schon ausgesprochen haben. Zwei Gesetzentwürfe über bas B.e.- amtenredjt werden demnächst den Reichstag beschäftigen, nämlich eine
Dienststraf-Orbnung
für Reichsbeamte unb ein Beamtenver- tretungsgesetz, bas für die Beamten aller öffentlichen Körperschaften gelten soll. Die Dienststraf-Orbnung soll ber Wahrung bes befonberen Stanbesbewußtseins unb ber unbebingten Reinhaltung bes Beamtentums bienen unb wirb voraussichtlich bem Reichstage noch vor ben Ferien zugehen. Das Ministerium legt mit Interesse aller Beteiligten Wert auf eine balbige Verabfchie- b u n g biefes Entwurfs. Mit ber Bearbeitung eines alle Gebiete erfdjöpfenben Reichsbeam- ien-Gesetzes finb bie Ressorts zurzeit beschäftigt. Einige Materien bes künftigen Beamtenrechts finb der Dringlichkeit wegen zunächst im Verwaltungswege geregelt worben. Schwierigkeiten macht bie Unterbringung ber Versorgungs-Anwärter. Ich werbe mich bemühen, im Verein mit bem Reichswehrminister unb ben übrigen Ministern unb ben Sänberregierungen Wege zu finben, bamit ber Versorgungsschein nicht nur ben Berechtigten ausgeJjänbigt wirb, fonbern auch tatsächlich zu einer einen Lebensberuf fichernben Unterbringung führt, sei es in Beamtenstellen, sei es an beten Stellen des Wirtschaftslebens."
Abg. v. Freytagh-Loringhoven lTnat.)' erklärte: Der Verfassungs-Ausschuß soll nicht etwa bie Monarchie wieder zur Statssorm erheben: bie Monarchie erwarten wir burch große geschichtliche Umwälzungen, bie wir nicht in ber Hand haben. Jetzt han- belt es sich um Fragen, bie ohne bies auf ber Tagesorbnung in ber Oeffentlichkeit stehen: die Rechtsunsicherheit ber Berfas- sung von Weimar soll beseitigt werben.
Abg. B e r n b t (Dem.) hob hervor, baß burch ben Verfassungs-Ausschuß nur ein Ventil für bie vielen Erregungsstoffe geschaffen werben solle, bie burch bie Unsicherheit ber Weimarer Verfassung ins Volk getragen worben seien. Die Deutschnationalen wollten in sachlicher Arbeit im Ausschuß Ruhe ins Volk tragen. Nachbem sich bann noch ber Abg. von Rarborff für eine organische Verfassungsänderung ausgesprochen hatte, vertagte sich ber Ausschuß auf Mittwoch vormittag.
von einem großen Geiste ber Mäßigung einge- geben fein. (?) Ich hoffe, so erklärt Briand zum Schluß, ihnen demnächst weitere Aufklärungen geben zu können. Die Bedenken, die General Bourgeois zum Ausdruck gebracht hat, empfindet die Regierung auch, und sie wird die nötigen Maßregeln ergreifen.
Immer wieder verschöbe«.
Paris, 26. Mai. (WTB.) Wie berichtet wird, ist es wahrscheinlick, daß die B 01 s ch a f - terkonferen z nicht vor kommenden Sonnabend zusammentreten wird, um den Text der an Deutschland zu richtenden Note in der Entwaffnungsfrage festzulegen.
--*--
Sie WirlschaftsÄechmchlmmm
Borausfichtliche Annahme des deutsch-spanischen Handelsvertrages.
Berlin, 26. Mai. (TU.) Die gestern begonnenen Besprechungen zwischen der Regierung. den Parteien unb den Jnteressentengruv- ven über den am Mittwoch im Reichstags- vlenum zur Entscheidung stehenden deutsch- spanischen Handelsvertrag wurden heute fortgesetzt. In Berlin sind Vertreter des Weinbaues und des Weinhandels aus dem Reiche eingetrofsen, um gleichfalls gegenüber der Regierung und den Parteien ihren Standpunkt zum Handelsverträge geltend zu mau;en.
Berlin, 26. Mai. (TU.) Reichsaußen- finifter Dr. Stresemann hat heute wieder mit den der Regierung nabepebenden Fraktionen verhandelt, um eine möglichst große Mehrheit für den deutsch-spanischen Handelsvertrag zu gewinnen. Während der gestrigen Verhandlungen mit den Fraktionen des Zentrums und der Deutschnationalen erläuterten der Reichskanzler und der Reichsaußenminister
die Einzelheiten des Vertrages und stellten Maßnahmen in Aussicht, die die Schädigungen für den deutschen Weinbau m ö g l i ch st mildern oder ausgleichen sollen. Wie die TU. hört, wird die Mehrheit der Deutschnationalen für den Vertrag stimmen. Den Gegnern des Vertrages bat die Fraktion die Abstimmung freigegeben. Eine ähnliche Haltung werden auch das Zentrum und die Wirtschaitl. Vereinigung einnebmen. Die Demokraten werden wahrscheinlill- mit wenig Ausnahmen dafür stimmen, so daß morgen mit der Annahme des Vertrages gerechnet werden darf. I
* Hi '
Zu einer bemerkenswerten, vielleicht sogar entscheidungsschweren Abstimmung wird der Reichstag noch am Mittwoch kommen, bevor er feine Pfingstferien antritt. Der deutsch- spanische H an de lsvertrag hat bekanntlich im Ausschuß keine Mehrheit gefunden, weil die deutschnationalen Vertreter ihn wegen der Schädigung der deutschen Winzer ablehnten, während die Sozialdemokraten sich aus Bosheit der Stimme enthielten. Sjg sagen, die Regierungsparteien müßten selbst dafür Sorge tragen, daß die Vorlagen der Regierung angenommen würden. Dies wäre auch richtig, wenn es sich beim Kabinett Luther um eine regelrechte parlamentarische Regierung handeln würde. Sn Wirklichkeit ist ja das Kabinett nur lose an die Parteien angelehnt, aber man ersieht nunmehr aus der Praxis, daß solche, ein wenig künstlichen Konstruktionen keinen Ruhen bringen, wenn die Opposition ihre Anerkennung verweigert. Die Reichsregierung versucht nun mit allen Mitteln der Äeberredung, die Deutschnationalen und auch bie Lanb- wirtschastsvertreter der anderen Regierungsparteien zu einer Annahme des Handelsvertrages zu bewegen. Es ist richtig, daß die erleichterte Einfuhr billigen spanischen Weines den deutschen Winzern eine bedenkliche Konkurrenz bereiten kann: andererseits ist aber auch richtig, daß die Spanier durchaus auf diesen Weinexport nach Deutschland bestehen und sonst der deutschen Einfuhr nach Spanien die größten Hindernisse bereiten würden. Somit stehen sich in diesem Falle die Interessen der Exportindustrie und die des Weinbaues schroff gegenüber. Ein Ausgleich muh jetzt oder spater gefunden werden. Die Parteien aber auch die einzelnen Abgeordneten sind nicht zur Vertretung von Sonderinteressen da. sondern verpflichtet zur Vertretung des Gemeinwohles.
■ > -----*-----
Str 6lat to MW* Ministeriums
Was war es doch einst für eine große Angelegenheit unb was für ein festliches Bild, wenn int Reichstag ber Militäretat auf ber Tagesordnung stand! Dem Zusammen- schmelzen ber glänzenben alten Armee zu ber kleinen schmucklosen Reichswehr entspricht nun auch bas parlamentarische Bilb. SBieber ist ber Reichstag bei ber zweiten Lesung bes Heereshaushalts angelangt, aber bas Haus ist nur schwach besetzt, auf bem Eckplatz ber Regierungsbank sitzt ber Reichswehrminister Dr. Getzler unb hinter ihm stehen einige Offiziere in grauen Röcken. Nur bie Carmoisin- ftreifen an ben Hofen sind die alten geblieben und auch die Marineuniform, als deren Repräsentant Admiral Zenker neben dem Reichs- wehrminister sitzt. Ja, unser Hunderttausend- Mann-Heer ist mit dem einstigen Volksheer nicht zu vergleichen. Wenn es trotzdem sich allmählich wieder das Vertrauen Unb bie Sympathie großer Volkskreise gewonnen hat, fo ist bas ber stillen, rastlosen Arbeit zu verban- ken, bie bas Wehrministerium unb bas beutsche Offizierkorps in ben letzten Jahren geleistet haben. Billig ist bas kleine Heer freilich nicht, da der Berufssoldat erheblich mehr kostet als der Dienstpflichtige und auch den Anspruch auf Versorgung am Ende seiner zwölfjährigen Dienstzeit hat. Nicht weniger als 600 Millionen Mark kosten dem Deutschen Reich sein Heer und seine Marine. Ganz allerdings ist das Ziel noch nid)* erreicht, die Reichswehr der Politik völlig zu entziehen und die Liebe der Parteien ihr zuzuwenden. Nicht nur die Kommunisten, sondern auch die Sozialdemokraten sind voll Argwohns gegen das Heer, im besonderen natürlich gegen die Offiziere — ober tun boch wenigstens so, um in ihrer Opposition zu schwelgen. Wenn sie, wie der Berichterstatter S t ü ck l e n und fein Genosse Schöpslin, für die Soldaten höhere Forderungen stellen, so ist der alleinige Grund dafür offenbar die Absicht, selbst wieder Einfluß in der Armee zu gewinnen. Wo es aber sich um deren Ee- famtintereffen und um den nationalen Gedanken handelt, da zeigen sich die Marxisten nach wie vor als böswillige Kritiker unb Nörg-