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Lbrrhcssischc Zeitung, Marburg «. L. Sonnabend, den 16. Mai 192o

Seite 7

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Graf Luckner ist in Marburg kein un­bekannter Gast und wenn er kommt, ju­beln ihm seine Freunde — und wer ist dies nicht — zu. So war es am Sonn­abend auch wieder, als er, wie schon zwei­mal, in den Stadtsälen, in der sich die Menge, unter dieser besonders die aka­demische Jugend, Kopf und Kopf brängte, auf die Bühne kam. Der Held des „See­adlers" gehört eben zu den volkstümlichsten Persönlichkeiten unsrer Zeit und wenn wir nun zum drittenmale über ihn schreiben, so geschieht dies mit dem Bewußtsein, daß vielleicht das eine oder andere schon be­kannt ist, aber das schadet nichts „Dop­pelt genäht hält besser", das paßt auch auf die Zeitung. Denn was Graf Luckner er­zählt, und in der Kunst der volkstümlichen Schilderung seines abenteuerlichen Lebens ist er Meister, soll haften bleiben, beson­ders bei der deutschen Jugend. Er er­geht sich nicht in geschniegelten und ge­bügelten Ausdrücken, sondern als „oller

Seemann" spricht er, frei und offen ohne lange EinleUung wie erS auf dem Herz hat. Und diese derbe, gar oft von Humor durchwürzte Art, packt auch wieder die Herzen der Zuhörer, denen er die Zeit nicht lang werden läßt. So schilderte er die Unterbrechung der Kieler Woche durch den Mord von Sarajewo, den Freund- schastsbesuch der englischen Flotte ge­legentlich der Erweiterung des Kaiser-Wil- helmSkanals, die Kriegsbereitschaft der feindlichen Schiffe und die Maßnahmen der deutschen Flotte, die nach Kriegsbeginn nicht tatenlos war, sondern es in geschick­tester Weise verstand, die Führer der feindlichen Flotte nervös zu machen. Dann führte Graf Luckner die ihm gespannt lau­schende Menge hinein in die Hölle der Ska- gerakschlacht, in die durch tausend Feuer­schlünde sich wie rasend aufbäumenden einem großen Feuermeer gleichenden Fluten der Nordsee, als die deutschen und englischen Riesenpanzerschiffe wie Furien aufeinauder- jagend die größte Seeschlacht, die jemals die Welt gesehen, lieferten. „Es war, als wenn VuKane in die Luft fliegen, dort

explodieren und mit ihren brennenden Resten die Nordsee in Brand setzen, denn bei den Explosionen hatten sich tausende Tonnen Del in diese ergossen", sagte Gras Luckner. Er vergaß auch nicht die über­menschlichen Anstrengunaen der Mannschaf- auf den deutschen Schissen und die Dra­matik eine? vergessenen Helden, des Pum- penmeisterS Müller, die Hörer miterleben zu lassen. Die deutsche Flotte habe bei Kriegsschluß in Ehren geendet; sie würde auch wieder in Ehren auferstehn, denn sie gehöre dazu, um einem 60 Millionenvolk die Stellung in der Welt und auch die Kolonien zu verschaffen, die diesem gebühr­ten. Sein Schiff, mit dem er jetzt die Welt­reise antreten wolle, solle „Vaterland" heißen. Er hoffe aus die deutsche Ju­gend. — Im zweiten Teil seines Vortrages, der fetteres und Ernstes" aus seinem Leben brachte, wußte Graf Luckner die lustigen Geschichtchen vom „Smutje und seinen viertain Pannkauken", die „Phhlax", das war er selbst, damals „geklaut", erhei­ternd zu schildern und wenn er zum Schlüsse nicht vergaß, zu erzählen, wie e» ihm ge­

gangen, ehe er sich, wie „Smutje" meinte, so „veränderte", so gewann jeder die lieber» zeugung, daß Graf Luckner auch die schlimmsten Schattenseiten des Lebens ken­nen gelernt hat. Mit hoffnungsvollen Worten auf die gute Zukunft unseres Va­terlandes schloß er seinen von Beifalls­kundgebungen aufgenommenen Ausfüh­rungen. Frohe Fahrt und aus Wiedev- sehn in zwei Jahren. — Wie uns mitgeteilt wird, folgten Graf und Gräfin Luckner nach dem Vortrag einer Einladung des Corps Teutonia, wo sie noch einige Stunden ver­brachten. W.

Humor und Satire.

Der sparsame Automobilbefitzer.

„Der dicke Müller Hai mir gesagt, er hätte genau so'n Automobil wie meines gehabt und fünf Jahre lang keinen Pfennig für Repara­turen ausgegeben — glauben Sie das?" „Aber sicher," erwiderte der Angeredete trau­rig, »denn ich bin der Mann, der die Repara­turen ausgeführt und nie einen Pfennig be­kommen bat."

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