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-en N. Avril 1925

fi! ^vberhkssisch« Zeitung" er ^tnf sechsmal wöchentlich. Be- ^preis monatlich 2 GM. aus- ^ließl. Zustellungsgebühr, durch kPost2.25 GM.Für etwa infolge gttiU, Maschinendefekte oder H,entarer Ereigniffe ausfallende ggetment wird kein Ersah ge- ytytt. Verlag b. Dr. §. Hitzeroth, jted der Unib.-Buchdruckerei v. ch. Slug. Koch, Markt 21/23. ftnsprecher: Nr. 55. u. Nr. 666. ^stscheckkonto: Amt Frankfurt

Nr. 5015. Sprechzeit jet Redaktion von 1011 und

Uhr.

ÄbechkUsche . ZA. ._ oElifi Bo

Nr. 99. 60. Mr«. Marburg a.ö. Lahn

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1 Goldmark V.,,Dollar.

stGeigerjurtdasstuher KwchWitiLlGbechMn/--AmtlichesVerKündiMngsblattjurd-Kreist^^Wz

DieCeskolovenska Republica" wünscht dem neuen Reichspräsidenten, er möge bie nach einem neuen Verhältnis zu Deutsch­land sich bemühenden Politiker der Sieger­staaten davon überzeugen können, daß alle Befürchtungen überflüsiiz seien.

Ceske Slovo" erklärt, die Tschechoslo­wakei müsse, wie überhaupt ganz Europa, eine abwartende Haltung einnehmen.

Narodni Listh" dagegen bedauert, datz man Deutschland nicht alle materiellen Fol­gen der militärischen Niederlage habe füh­len lassen.

Narodni Obsobozeni" meint, Verdeutsche Garantiepaktvorschlag gehöre nunmehr der Vergangenheit an. Desgleichen sei die Frage der Räumung der Kölner Zone, eine Angelegenheit der Militärkontrolle, in ein ganz neues Licht gerückt. An dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund werde jetzt wohl kaum eine Macht mehr Interesse haben.

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Rom ,28. April. Zur Wahl Hinden­burgs bemerkt derSereno", datz keinerlei Befürchtung am Platze sei.Tevere" mel­det, Hindenburgs Erfolg beweise, daß das deutsche Volk wieder im Aufstieg begriffen sei.Mattino" stellt fest, daß Deutsch­land angesichts seiner tiefen Gegensätze im Innern noch lange gezwungen sein werde, sich pasiiv zu Verhalten. DerPiccolo" führt aus, die Wahl Hindenburgs stelle nicht etwa eine unmittelbare Kriegsdrohung dar, wohl aber lasse sie den vaterlän­dischen Geist und die zunehmende mora­lische Kräftigung erkennen. Alle Völker müßten mit diesem neuen deutschen Geiste rechnen. DerCorriere della Sera" glaubt, die Wahl könnte vielleicht zunächst die euro­päische Lage verschlimmern, aber eine ernst­hafte Beeinträchtigung der politischen Lage sei nicht zu befürchten. ',Mecvlo" meint, datz Deutschland im neuen Bewußtsein sei­ner Größe und Einheit sich Geltuna ver­schaffen wolle.

Amerikanische Wirtschaftssührer über die Präsidentenwahl.

N e w h o r k, 28. April . DaSWallstreet Journal" bringt, wie dieD. A. Z." mel­det, eine optimistische Unterredung mit dem Deutschen - Bank - Leiter Christian Licht- Hard, der eben von der Westküste nach Newhork zurückgekehrt ist. Gleichfalls op­timistisch ist Mitchell, der Präsident der National City Bank, der sagte: Hindenburg wird Deutschland nicht zum Militarismus oder zur Monarchie führen. Unter Hin­denburg wird Deutschland sein Geschick auf dem richtigen Faden verfolgen, und es be­steht kein Grund, pessimistisch über Deutsch­lands Absichten hinsichtlich der Wiederher­stellung seines Kredits zu denken.

Der Direktor Christian Lichthard erklärte demWallstreet Journal", die Wahl Hin­denburgs sei ein Segen für Deutschurnd wie für Europa und die Welt, weil ein starker und politisch freier Führer jetzt an der Spitze der Regierung dem Bolschewis­mus begegne. Kein Sozialist könne Deutschland gut regieren, weil er durch Parteiverpflichtungen gebunden sei. Aber Hindenburg liebe Deutschland frei von poli­tischen Fesseln.Ich bin sicher, daß Hin­denburg am Dawes-Plan festhalten und Deuutschlands industrielle Wiedererholung fördern wird. Denn Hindenburg tritt für Wiederaufbau «in und ist ein Gegner des Radikalismus. Deutschland bedarf dringend der Festigung, und Hindenburg wird, es festigen."

Ueber den Eindruck der Wahl in maß­gebenden amerikanischen Kreisen bringt der Newhork Herald" ein Telegramm aus Wa­shington, das geradezu vernichtend für die­jenigen schlimmen Voraussagen ist, die eine Katastrophe in der amerikanischen Oeffent- lichkeit befürchtet haben.

Der Präsident. der Newhorker Börse, SimonS, äußerte:Die Wahl Hinden­burgs wird den Newhorker Markt nickt beeinflussen, da er zu der Kraft des deut­schen Wirtschaftslebens und der deutschen Industrie Vertrauen hat." Die gleiche An­sicht wird von Morgan vertreten.

Newhork, 28. April. Tie Ansicht'der amerikanischen Jndustriekreise zur Wahl Hindenburg? wird durch eine Aeuherung des Präsidenten des Stahltrustes, Gary, ge­kennzeichnet, der erklärte, die 'Wahl Hin­denburgs werde weder die wirtschaftliche Lage Deutschlands noch die der Vereinigten Staaten .noch die irgendeines andere» Lan­de? ungünstig beeinflussen. Es scheine klar zu sein/.daß Hindenburg die größten An- .strcngungen machen werde,-um. ohne-Furcht >und unparteilich die Ordnung aufrecht zu erhalten. '

Hindenburg in Hannover.

fk. Hannover, 29. April . General- fcldmarschall von Hindenburg traf gestern abend 7.30 Uhr im Auto hier ein und be­gab sich sofort nach seiner Wohnung. Ein Empfang hat nicht stattgefunden.

Schreiben des Reichswahlleiters an Hinden­burg.

Amtlich wird gemeldet:

Der Reichswahlleiter hat Montag an Eene- ralicldmarschall von Hindenburg in Hannover folgendes Schreiben gerichtet:

Nach dem vorläufigen Ergebnis des zwei­ten Wahlganges der Reichsvrästdentenwahl am 26. Avril 1925 sind die meisten der bei die­ser Wahl abgegebenen gültigen Stimmen aus Em. Exzellenz entfallen. Wahrscheinlich wird die endgültige Feststellung von der vorläufi­gen nur wenig abweichen. Es ist daher damit zu rechnen, daß der Reichswahlausschub Ew. Exzellenz für gewählt erklären wird. Für die­sen Fall fordere ich Sie. Herr Eeneralfeldmar- schall, gemäß § 148 Abs. 1 der Neichsstimm- ordnung ergebenst aus, mir bis zum 4. Mai 1925 zu erklären, ob Sie bereit sind, die Wahl anzunehmen. Dr. Wagemann."

Kein Rücktritt des Reichskabinetts.

Berlin, 28. Avril. Das Reichskabi­nett ist heute abend zusammengetreten, um die politische Lage zu erörtern. An der Sitzung nahmen sämtliche in Berlin anwesen­den Reichsm-nister teil, bis aus den Reichs- außenminister Stresemann, der durch Krankheit verhindert war, dem Kabinettsbe- schluß jedoch nachträglich beitrat. Es wurde Uebereinstimmung festgestellt, daß das Kabinett anläßlich der Neuwahl des Reichspräsidenten nicht zurücktreten werde, da ein verfasiungs- rechtlichsr Grund hierfür nicht vorliegt. Reichs­kanzler Luther erstattete über die am Vormit­tag stattgehabte Unterredung mit dem zukünf­tigen Reichspräsidenten dem Kabinett Bericht.

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Preußischer KonNag

Bcsinnnngspausc in Preußen.

Der preußische Landtag hatte die erste Sitzung nach der ReichspräsÄentenwahl bereits auf den Dienstag angesetzt. Tagesordnung: Entgegennahme einer Regierungs- erklärung.

Die relative Mehrheit der Linkskoalition, die Herrn Braun wieder einmal zm Mi­nisterpräsidenten gewählt hatte, nahm natürlich ohne weiteres an, daß Herr Marx Rcichs- präsident werden würde, und wollte nun gleich den Patt mit einem Hoch auf das Kabinett Braun besiegeln. Aber siche da: es kam anders. Nicht Marx, fontern Hindenburg wird gewählt. Das Zentrum hat also seine Voraus­zahlung an die Sozialdemokratie geleistet, aber die vereinbarte Lieferung ist ausgeblichen. Herr Marx sitzt zur Zeit zwischen beiden Stühlen. Und die SchuÜ» trägt mindestens zum Test die Sozialdeikwkrasie, deren Wähler nicht überall zum Stimmen für Marx zu bewegen waren. Dieser Fehlschlag und die hohe Stimmenzähl für Hindenburg legten natürlich allen Parteien die Frage nahe, ob es bei dem Kabinett Braun- Severing bleiben soll oder ob sich jetzt eine Rückkehr zu dem Gedanken eines überpartei­lichen Sammelkabinetts ermöglichen läßt. Die­ser G^anke wäre ja schon von Herrn Marx verwirklicht worden, wenn man ihn nicht gleich­zeitig zum Kandidaten für die Reichspräsident- schast aufgestellt hätte. Vielleicht legt inan ihm jetzt dieses Pflaster auf seine Wahlwunde? Aber solche Dinge können nicht binnen zwei Tagen und nicht im Nachhall der Wablleiden- schaften erledigt werden. Deshalb einigte sich der A e l t e st e n r a t des Landtages schnell auf den Vorschlag, die Abstimmung über das Kabi­nett Braun auf den Mittwoch der nächsten Woche zu verschieben.

Unter diesen Umständen war die Vorstellung desneuen Kabinetts" in der Dienstagssitzung des Landtages nur eine überflüssige Forma­lität. Herr Braun sah das ein und gab des­halb gar keine Regierungserklärung im eigentlichen Sinne des Wortes ab. _ Er be­schränkte sich nach dieser. Richtung auf wenige .Sätze, in denen er das bereits von Herrn Marx vorgestrllte Kabinett, das nur die andere Spitze bekommen hat, nochmals vorstcllt: und sich aus 6as Arbeiisprogramm seines ausgeglitte­nen Ämtsvorgängers berief. Aber Herr Braun begnügte sich damit nicht, sondern benutzte diese durchaus ungeeignete Gelegenheit, um eine par- tcipolcmische Rede gegen dendeutschnational- kontmuuissischen Block" im allgemeinen und gegen, die Deutsche Bolkspartei im besonderen zu halten. .Da gab cs selbstverständlich.ein großes H.stld. in dem erregten Hause, die Rechte pkotestiertc' so geräuschvoll, daß'man miuüttn-

Ser ntot RMsvrWmt

Die Mehrheit für Hindenburg ist so groh «worden, daß man schon auf Grund des vor« iufigen Wahlergebnisses alle Vorbereitungen sir die Llebernahme der Reichspräsidentschaft durch den Feldmarfchall treffen kann. Der Reichskanzler Dr. Luther hat in würdiger $orm telegraphisch seinen Glückwunsch aus­gesprochen und ist dann selbst nach Hannover efahren, um mit Hindenburg alle Formali­sten zu besprechen. Der offizielle 2lmts- tntritt kann natürlich erst erfolgen, nachdem das endgültige Wahlergebnis amtlich fest- gestellt ist und der Aeichswahlausschuh es bestätigt hat. Da diesem die Annahmeer- llärung des Gewählten vorliegen muh, hat der Reichswahlleiter eine entsprechende An­frage an Hindenburg gerichtet. Man toill sich mit alledem möglichst beeilen, sodah die feierliche Einführung des neuen Reichs­präsidenten.

schon in der nächsten Woche stattfinden kann. Der Tag steht noch nicht fest. Da der Feld­marschall voraussichtlich die letzten Tage vor seinem Amtsantritt in Potsdam bei seinem Reffen, dem General von Lewinski, verleben wird, war bas Gerücht entstanden, er wolle f seinen Amtssitz nicht in Berlin sondern in i Potsdam nehmen. Das ist aber schon aus I dienstlichen Gründen unmöglich. Auch über »die Person des

Staatssekretär beim Reichspräsidenten

I waren bereits allerlei Kombinationen aufge- i taucht. Dieser Posten, der etatsmähig nur Iber eines Ministerialdirektors ist (mit dem «Titel Staatssekretär), wurde unter Ebert von iDr. Meißner bekleidet. Man nahm nun W, dah Hindenburg an seine Stelle einen Müitiker setzen werde, doch steht das noch 6t fest. Der Reichspräsident kann sich po- Wische Ratschläge, soweit er sie braucht, ja Mch von anderen Personen einholen als Mn einem Düroleiter. Jedenfalls haben keine Vereinbarungen der Parteien über die Be­netzung dieses Postens stattgefunden, die allein Ilern persönlichen Entschluß des Reichspräsi- flenten unterliegt. DieGermania" fordert | bereits feierlich den Marschall auf, sich nur mit guten Republikanern zu umgeben. Auch solche Ermahnungen erscheinen als überflüs­sig. Man hat zu Hindenburg das Bertrauen, Iah er, wie bisher, über den Parteien stehen wd seine Entschlüsse nach reiflicher lieber« legung nur im Rahmen des Möglichen fassen wird.

Weitere Auslandsstimmen.

! fk. L o n d o n, 29. April. Der diploma­tische Berichterstatter desDaily Telegraph" »schreibt, in diplomatischen Kreisen sei Heftern die vertrauensvolle Ueberzeugung »aufrecht erhalten geblieben, daß die Wahl »Hindenburg? zum Präsidenten de? Deut- fscheu Reiche? keinerlei Aenderung in der auswärtigen Politik Deutschland? herbeiführen werde, wie sie bi? jetzt von Luther und Stresemann geführt worden sei. Daher bestehe nach britischer Auffas­sung weder im Hinblick auf da? Sicherheits­problem noch auf die Entwaffnungsfrage irgend ein Grund zur Aenderung in der Haltung, die die Alliierten in neuerer Zeit gegenüber Deutschland eingenommen haben. 6? sei allerdings zu befürchten, daß diese britische Auffassung ganz und gar nicht der be? französischen Auswärtigen Amtes «nt- kpricht. In der Tat gehe der Leitartikel be?Temps" vom Montag abend, der über­schrieben warDie deutsche HerauSsorde- tung" (!) im Wesentlichen die jetzige Auf­fassung im Quai d'Orsay wieder. Der Be­richterstatter meldet weiter, voraussichtlich werde der aus Paris mit Instruktionen Briands zurückkehrende Botschafter Fleu- riau im Laufe des heutigen Tage? eine Unterredung mit Chamberlain haben.

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Prag, 28. April . Nach den ersten stark ablehnenden Pressestimmen zur Reichsprä- bentenwahl ist heute eine gewisse Bcruhi- eung eingetreten. Die offiziöse Prager Presse hebt hervor, daß da? Wahlresultat In den Kreisen der tschechischen Regierung?- kvalition keine besondere Ueberraschung er­weckt hat. Man nehme nicht an, daß die Dahl eine unmittelbare Umstellung der politischen Lage in Deutschland zur Folge haben werde. Die tschechische Politik werde Von der Wahl Hindenburgs dahin beein­flußt werden, daß der bestehende tschechische Reaicrungsblock auf lange Sicht hinaus gesichert sei. Der Reflex der Wahl werde Nch in allen außenpolitischen Fragen Deutschlands zeigen, sei es im ' Beitritt »um Völkerbund oder in der Erfüllung der Dawesplans.

lang kein Wort des Redners Verstch-n konnte, und die Linke übertönte durch Schreien ihren Schmerz. Dem Zentrum in der Mitten schien nicht sehr wohl zu sein ob solchen Lärms in solcher Situation.

Tie Besinnungspanse bis zum nächsten Mitt­woch ist von den Preußen natürlich auch des­halb angesetzt worden, weil man sehen will, wie inzwischen der Hase im Reichstag laust.. Vorläufig hat es den Anschein, als ob dort alles beim alten bleiben werde. Wie das Ka­binett Luther, um das Mißtrauen gegen den Rechtskurs" zu zerstreuen, sich in seinem Pro­gramm fast sozialer und liberaler ausgesprochen hat als das Kabinett Marx, so wird auch die ; Reichspräfidentschaft Hindenburgs zweifellos: durch keine Verschärfung der Tonart eingrlertet werden. Die Aufmerksamkeit des Auslandes und zumal der fianzösischen Chauvinisteen ist gespannt auf die deutsche Politik in dcrneuen Aera" gerichtet. Wenn auch Herr Brrand sich nicht so geäußert haben dürste, wie es litt Daily Expreß" steht, so ist es doch nicht verwunderlich, daß die durch die deutsche Links­presse aufgepeitschten ausländischen Staats­männer erklären, sic wollten dir Taten Hin­denburgs abwarten.

Berlin, 28. April. Der Aeltestenrat be? Preußischen Landtages hat beschlossen, flirt Mittwoch und Donnerstag die Besprechung der Regierungserklärung stattfircken zu lassen. Hier­aus wird eine Panse bis einschließlich Dienstag eintretcn. Am Mittwoch soll die Abstimmung^ über die Regierungserklärung bczw. üoer bie dazu gestellten Anträge vorgcnommen werden. Bon dem Ausfall dieser Absttmmung wird es 1 abhängen, ob der Landtag aufgelöst wird oder nicht.

Brann will auflösen.

Berlin, 28. Avril. Wie bieDossische Zeitung" meldet, ist der vreußische Minister» Präsident Brau« entschlossen, zur Laudtagsanf- löfung su schreiten, falls ihm cm Mittwoch nächster Woche das Bertrauen des Landtags nicht ausgesprochen werden sollte,. Das Blutt rechnet damit, daß die Neuwahlen am 14. Juni statfinden.

Berlin, 28. April. Der interfraktionelle Ailsschuß des preußischen Landtages aus Zen­trum, Demokraten und Sozialdemokraten hat heute eine Sitzung abgehalten. Die Demokraten vertreten, wie aus parlamentarischen Kreisen verlangt, den Standpunkt, daß das Kabinett Braun durch seine Wahl am 3. April das Ver­trauen bekundet erhielt und daß daher eine Bittigungserklärung genügen würde. In so- zialdemokrafischen Kreisen ist die Stimmung; vorwiegend für Auflösung. Das Zentrum will vor seiner endgültigen Stellungnahme .zur Frage der Auflösung oder Nichtausiösung die für Donnerstag erwartete Rückkehr von Marx abwarten, y , z c

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'*' ' Sitzungsbericht.

Präsident Barthel eröffnet bie Sitzung mit einem Nachruf auf den verstorbenen ftü- heren Kultusminister und zuletzt Wiesbadener! Rcgierungvräsidenten ^Konrad Harnisch (Soz.). Dann erteilte er dem Ministerpräsi- dentcn Braun das Wort zu einer Regie­rungserklärung. Braun von Zurufen der Kommunisten empfangen, stellte zunächst da? von seinem Vorgänger Marx übernommene Kabinett vov »und sprach Herrn Marx in sehr warmer Form seinen Dank für die ht seiner kurzen Amtstätigkeit dem Land geleiste­ten Dienste aus. (Heiterkeit.-. Da? ihn! selbst zur Annahme seines Amtes bewogen hätte, sei die Erkenntnis, daß der sich nur fast drei -Monate hinziehenden Regierungskrise ein Ende gemacht werden muß. (Aha!) Nicht das Streben, Minister zu sein, sondern Psücht- bewußtsein und das tiefe Gefühl der Verant­wortung für die Geschichte des Volles er­füllten ihn.

Braun fuhr fort: Die Nciwahl des Land­tages am 7. Dezember gab keinen begründe­ten Anlaß, auch über Preußen eine Periode der Regierungskrisen heraufzubeschwö­ren. Diese Periode wurde aber herausbe­schworen durch die Deutsche Vollspartei, die die von ihr dreieinhalb Jahre getriebene und bis zur Wahl gebilligte und gelobte Politik nach der Wahl pcrhorreszierte. Es ist wo­chenlang versucht worden, eine a k t i o n s - fähige Regierung zu bilden. _ Alle diese Versuche sind gescheitert an der Sabotage, an dem Zerstörungswillen des deutsch national- kommunistischen Blocks (!' (Heiterkeit.) Die Parteien diese? Block? (Heiterkeit) haben wohl cinmüsig jede Regierung gestürzt. Sie sind t einig im Zerstören, aber sie haben bisher noch keine auf chre Mehrhesi gestützte Regierung zu bilden vermocht, sie hnfixn nicht einmal den Versuch dazu gemacht, so einmütig wie sie im Zerstören sind, so unfähig find sie zum Ausbauen. Damit ist bewiesen, daß diesem 'Opposikionsblock lediglich destruktive Tendenzen