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Parole Hindenburg

Der Wahlkampf liegt hinter uns. Wurde er auch nicht in der lauten Art geführt wie bei den Wahlen zu den Parlamenten, wo eine Versammlung die andere ablöste, eine Partei die andere möglichst durch den Schlamm zog, so war der Kampf nicht minder erbittert. Man mutz sagen, es wurde mehr als einmal mit vergifteten Waffen gekämpft.

Das hat seinen guten Grund. Mit Hinden­burg war ein Kandidat erstanden, dem per­sönlich schlechterdings nichts vorgeworfen werden konnte, llebervarteilichkeit er bat ste oft genug bewiesen, nicht einmal hat er sich in die Arena des Parteigezänkes ziehen lassen. Lauterkeit des politischen Wollen» und der Gesinnung wer wagte sie zu bestrei­ten. Kraft und Ruhe des Entschlusses wie oft hat er sie in schwerer Stunde oe.viesen. Und dieser Mann, beinahe die Verkörperung eines einigen deutschen Willens, eine Reckengestalt mit weißem Schilde, war gewillt, gi) wieder einmal dem Vaterlande zur Ber­gung zu stellen, als es rief. Was war da­gegen zu tun?

Nun wir haben es in den letzten Tagen er­lebt. Seit Seine, dem Urbild einer ätzenden Kritik, die aber auch bei allem die witzig fein sollende Verhöhnung anwendet, ist es üblich, denteutschen" Mann zu verspotten, die wabr- daft deutschen Eigenheiten witzelnd obzutun. Buch an Hindenburg bat sich diese Art gewagt. Die wesentlichsten Einwände, die man gegen ibn selbst hatte, waren die, daß man bedauerte, daß deralte" Mann sich zum Svielball der Rechtsparteien hergegeben batte. Die Verbrei­ter dieser Anschauung, so wollen wir zu ihren Gunsten annebmen, haben diesen Einwand selbst nicht ernst genommen. Das Geheimnis der Persönlichkeit wäre ihnen sonst ein Buch mit sieben Siegeln. Allerdings hat einst ein Deutscher Reichstag auch einem Bismarck zu seinem 80 Geburtstage die Huldigung versagt. Und es waren fast dieselben Parteien damals, die beute der Reckengestalt eines Hindenburg die Gefolgschaft versagen. Das ist wobl kein Zufall. Aber bier gilt es die Wahl zum Reprä­sentanten des Deutschen Reiches. Und das mutz man festbalten: Die Wahl des Reichs­präsidenten ist nicht Parteisache. Der Reichspräsident soll eine Persönlichkeit sein, die über den Parteien steht, die soviel Achtung genießt, dah ihm das ganze Volk folgen kann. Richt mit Unrecht hat der bayerische Politiker Zrhr. v. Pechmann Herrn Marr aufgefordert, »ugunsten Hindenburgs zurückzutreten. Aber Man kann sich nicht zur gemeinsamen Anerken­nung menschlich vaterländischer Erötze auf- schwingen.

Dieseralte" Mann soll trotzdem kriegerische Pläne haben, dieErfolge" der friedlichen Politik in Frage stellen, weil er als Kriegs- Mann bekannt sei. Er soll morgen die Mon­archie wieder einführen wollen. Ja, was soll ar nicht alles tun, von dem man andererseits

mit frommem Augenaufschlag anrrkennt, er habe ja selbst gesagt, er sei Soldat und küm­mere sich nicht um Politik. Soviel Worte soviel Verdrehungen und Unsinn. Nein, Hin­denburg ist der Mann, der das Vertrauen des Volkes auch sachlich rechtfertigen wird, denn er ist das wollen ja auch die andern nicht be­zweifeln ein wahrhaft deutscher Mann.

Ob Herr Marx die Persönlichkeit ist, die zum Reichspräsidenten taugt, muh mindestens zweifelhaft erscheinen. Persönlich ist er unan­tastbar. aber zweierlei trennt uns von ihm: einmal die Vorgänge bei seiner Nominierung, der Kubhandel mit der Sozialdemokratie, die sich für ihn entschied, nachdem ihr Preußen zu- gesprochen war. Er ist, politisch gesprochen, Fleisch und Bein vom Körper derjenigen Par­teien, die ihn als ihren Mann aufgestellt haben und die ihn wählen. Und diese Par­teien reichen mit ihren Wurzelverzweigungen bis in das Lager der Kommunisten. Der Vorwärts" hat kürzlich einen Appell an die kommunistischen Arbeiter gerichtet, für Marr zu stimmen, und er hat sich dabei auf Sinow- jeff, den russischen Bolschewistenfübrer, berufen. Sinowjeff bat in einer Kundgebung neuer­dings erklärt, der Kommunismus gedeihe besser auf einem Staatsboden, der von den sog. republikanischen Parteien beherrscht wird, als im Machtbereich der andern Parteien. Das sozialdemokratische Organ bezog diese Kund­gebung unmittelbar auf die deutsche Reichs- präsidentenwabl und forderte die deutschen Kommunisten auf, dem Wink Sinowjeffs zu folgen und demgemäh Herrn Marx zu wählen, den zuverlässigen Hüter der deutschen Republik. Dieser Appell desVorwärts" spricht Bände. Er beweist Nar und deutlich, wer ein Interesse an der Wahl des Herrn Marr bat. Die So­zialisten würden sich den Siegesvreis, den Herr Marr erringen sollte, ihrem Verdienste ent­sprechend bezahlen lassen. Und das deutsche Volk wäre abermals für sieben lange Sabre in den Bann einer Partei geschlagen, die unser Verhängnis in den ersten Jahren na chder Re­volution gewesen ist und die das Zentrum und die Demokraten lediglich als ihren Svielball betrachtet. Gegen die Möglichkeit eines solchen Rückfalles ht unheilvolle Zeiten müssen auf der Gegenseite alle bis rum Letzten zusammen- steben.

3um Zweiten aber hat Herr Marr ge­rade in der Behandlung der Parteien eine höchst unglückliche Sand gehabt. Das Zentrum, das alle wirtschaftlichen und politischen Gegen­sätze unter der Einheit einer kirchlichen Welt­anschauung in sich vereinigen will, mutz aus feinem eigensten Parteiinteresse die sogen. Volksaerneinschaft vrovoaieren. Ein Gedanke, der aber an der Wirklichkeit immer zerschellt. Zerschellen mutz, denn das Zentrum sucht sich zur Verwirklichung dieses Gedankens immer ausgerechnet die Partei aus, die den Klassen­kampf auf ihre Fahnen geschrieben hat. Im

Rahmen dieser Zeilen kann nicht weiter hier­auf eingegangcn werden. Für uns wäre jeden­falls eine Volksgemeinschaft, die werbende Kraft hätte, zunächst einmal von rechts aus aufzubauen. Das Soziale an sich ist doch heute bei uns längst Gemeingut des ganzen Volkes. Gegen die kraftvolle Vertretung der wirtschaft­lichen Interessen der Arbeitnehmer hat kein Verständiger etwas einzuwenden. Was bat das mit der Sozialdemokratie zu tun?

Wir möchten in diesem Zusammenhänge da­vor warnen, den kulturellen Gegensatz zwi den Zentrum und Sozialdemokratie als allzu grundlegend zu betrachten. Selbst wenn das päpstliche Blatt, derOsservatore Romano", gelegentlich ihn unterstreicht, die Politik des Zentrums im einzelnen wird davon nicht be­rührt. Sie ist eine Politik auf lange Sicht getreu den Ueberlieferungen einer alten tlu::n kurialistischen Politik, die im protestan- ti,chen Deutschland viel zu wenig bekannt ift und deshalb nicht verstanden wird. Der Feind steht nicht nur für Herrn Wirth rechts, die Politik des Zentrums mit ihrer Furcht vor Rechts in der letzten Zeit zeigt es. Man wird sich mitRechts" wieder vertragen, wenn man mit ,Links" seine Zwecke, die übrigens leicht zu durchschauen sind, erreicht hat. Vorläufig hofft man durch die Wucht der Tatsachen die Deutsche Volksvartei wieder nach links zu ziehen, um die nach Meinung des Zentrums protestantischen Rechte, die Deutschnationalen zu isolieren und zu schwächen.

Nun wird von Herrn Marx gesagt, datz er Erfolge gehabt habe, in London z. B. Es er­scheint uns sehr fraglich, ob diese doch so sehr auf sein Konto zu setzen sind. Früher galten sie als Erfolge Stresemanns, dessen Partei heute für Hindenburg eintritt. Im übrigen aber hat Herr Marr mit seinem einseitigen Festlegen nach links bisher kein überraschendes poetisches Genie erkennen lassen. Matx^ist der Parteimann und als solcher längst be­kannt. Die Vorschußlorbeeren der Linkest gel­ten eben dem Parteimann.

Wir glauben gerade, datz . Marx nicht die Autorität besitzt, das beu+We Volk in den nächsten Jahren zu führen. Auch im Aus­lande. Zwar tönt uns da die Mißbilligung Hindenburgs aus der ausländischen Presse ent­gegen, aber diese arbeitet zu sehr mit unserer Linkspresse Hand in Hand, als datz man sie ernst nehmen könnte.

Genau so hat man das Kabinett Luther bekämpft und siehe es geht ganz gut. Wenn ein Kabinett LutherStresemann beispiels­weise ein Sicherheitsangebot an die Entente macht, so hat dies sicherlich größeren Wert als etwa ein gleiches Angebot, das den Namen Dr. Wirth trägt. Der Pressesturm in gewissen Auslandsblättern pflegt meist auch sehr schnell abzuebben. Das Beispiel des Kabinetts Luther hat diese Erfahrungstatsache bewiesen. Es ist auch nicht ohne Interesse, daß Marx, der in einigen Reden stark nationale Töne an­geschlagen hat, sofort in Paris und London eine schlechte Presse hat. Die geflissentlich be­tonte Zufriedenheit des Auslandes mit deut­schen Staatsmännern ist gerade kein allzu großer Ruhmestitel für diese, und in anderen Ländern wird bei einer Wahl die offensicht­liche Stellungnahme des Auslandes durchaus nicht als Erfolgssteigerung für die betroffene Gruppe angesehen. Im Gegenteil, man pflegt solche Einmischungen ht innervolitische Ange­legenheiten als grobe Taktlosigkeiten zu empfinden. Nur bei uns in Deutschland ist man daran gewöhnt. Solange wir aber noch nicht von Paris oder London, sondern von Berlin aus regiert werden, werden wir uns nur nach unseren Belangen richten. Denn wir wissen, datz auch im Ausland vor einer Po­litik, die sich freihält von Unbesonnenheiten und doch feste und klare Ziele bat, sich die Achtung eher erringt, als eine Politik, die immer mit einem Auge nach demWohl­wollen" des Auslandes schielt.

Hindenburg will nicht die StreitfrageRepu­blik oder Monarchie?" bis Volk schleudern. Was darüber geredet wird, ist bewußte Un­wahrheit. Er will keine phantastischen Pläne und erwartet keine politischen Wunder. Er will der Führer des Volkes zu ruhiger und freier Aufwärtsentwicklung sein, die bisher infolge des unseligen Zwistes der Parteien noch nicht möglich war. Er wird die Rein­heit unseres politischen Lebens garantier-', im Gegensatz zu dem, was wir an Barmat usw. erlebt.

Und deshalb wählen wir den Mann, der die Autorität sich vielfach erworben hat in Krieg und Frieden, seine Worte wahr zu machen: deshalb wählen wir

H i n o e n b u r g.

Die Mkktden

Hannover, 24. April. Heute abend hielt Generalfeldmarfchall von Hindenbm^ durch den Rundfunk eine Rede, in der « zunächst allen denen seinen Dank aussprach, die ihm in den beiden letzten Wochen ihre Zustimmung und ihr Vertrauen zum Aus­druck brachten. Aus diesen Kundgebungen habe jener Geist geweht, der das deutsche Volk in schwerster und größter Zeit beseelt und unüberwindlich gemacht habe. Vichts tue dem Volke so not wie die Einigkeit. Durch die deutsche Politik der letzten Jahre gehe ein Zug müder Resignation. Dem deutschen Volke sei der Glaube an sich selbst verloren gegangen. Deutschland aber dürfe sich dieser Stimmung des Verzichts nicht hingeben. Und wenn die Welt von den furchtbaren Kriegs- folgen endlich dauernd erlöst werden solle, so dürfe Deutschland nicht länger glauben, von der Gnade anderer Völker und Staaten leben zu können. Die Kräfte der Station mühten gesammelt und eingesetzt werden, um durch sie wieder hoch zu kommen. Ebensowenig aber wie der Kostgänger der Welt, wolle das deutsche Volk dauernd Sklave sein. Durch die internationalen Vereinbarungen des letzten Jahres sei die Grundlage geschaffen worden, auf der versucht werden müsse, den Ver­pflichtungen Deutschlands aus dem verlorenen Kriege gerecht zu werden. Die Zukunft werde zeigen müssen, ob diese Grundlage für die Dauer brauchbar und für Deutschland tragbar sei. Sollten sich jedoch im Verlaufe der kom­menden Jahre die übernommenen Verpflich­tungen als untragbar erweisen, so würden wir in friedlichem Zusammenarbeiten mit den an­deren Stationen zu versuchen haben, andere Lösungen zu erreichen. Es werde und müsse möglich fein, solche Lösungen in friedlicher Vereinbarung zu finden, weint Kl allen Ml- kern der Erde wieder die ruhige Hebet« legung und das Gewissen zu ihrem Recht ge­kommen seien. Dor der ganzen SBelt erkläre er, daß es stets fein heiligstes Bestreben feil, werde, neue Kriegsschrecken fern zu halten und den Kriegsopfern der Vergangenheit nach Kräften zu helfen. Dieses Ziel werde dann am sichersten erreicht werden, wenn, Deutsch­land den anderen Stationen das Bild eine# Volkes zeigen werde, das die harte Slot der Zeit zu wahrer innerer Einigkeit zufammen- geführt hat, das entschlossen ist, in Arbeit und Sparsamkeit, ht Ehrlichkeit und Gott­vertrauen zusammenstehen und einander gu helfen, und einig zu sein ht der Hingabe an das große Ganze, nicht nur nach den Rechten, sondern zuvörderst nach den Pflichten zu fragen. Unter allen Deutschen solle so ein edler Wettstreit entbrennen, der erweisen werde, welcher Deutsche, welcher Stand oder welcher Gau am treuesten und aufopferndsten für die Gesamtheit arbeite. In diesem Sinne würde er, Hindenburg, falls ihn das Doll an seine Spitze berufen sollte, seine Aufgabe als Führer ausfassen.

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Auch Marr hielt eine Rundfunkrede. '-Er verwies auf die schweren letzten Jahre, «6er die nationale Demokratie Deutschlands habe Erfolge erzielt und sich Vertrauen erworben, das man nicht aufs Spiel setzen dürfe. ®e pries die demokratische Staatsform, die r" st die Länder hätten, auf die wir angewiesen wären und deren Beistand wir brauchten. Die Gegensätze im Innern müßten ausgeglichen werden. Auch auf konfessionellem Gebiet ff Die übergroße Mehrheit unseres Volkes wolle in besonnener Arbeit neue Wege geben M neuen Zielen für Deutschland und für Europa. Er grüße die glückliche Zukunft Deutschlands!

Sortotm

Mit äußerster Spannung blicken In- Uttti Ausland auf diesen Sonntag. Zwar bat an sich die Präsidentenwahl in Deutschland bei weitem nicht die gleiche politische Sebentans. wie in den Vereinigten Staaten, da bet Reichspräsident keinen unmittelbaren Einfluß auf die Tagespolitik auszuüben vermag, abe« die Gruppierung der Wähler wird als bedeut­sames Stimmungssymptom angesehen, aus beur sich mancherlei politische Folgen ergeben !5n< neu. Haben doch schon die Abstimmungsrahlen Dem 29. März eine unverkennbare Wirkung ausgeübt, indem die Anziehungskraft der so­zialdemokratischen Partei auf die Nachbarn ge­wachsen und die Lust zu preußischen Neuwah­len von rechts nach links übergesvrungen ist. Nicht der neue Reichspräsident wird eine et­waige Aenderung der Koalitions- und Regie­rungsverhältnisse veranlassen dazu ist et nuyt in der Lage, auch wenn die Reichsministet ihm der Form halber ihre Portefeuilles »uv Verfügung stellen, sondern ein Kurswechsel könnte nur aus dem Eindruck erwachsen, bin*