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Marburg tu L, ßoimabrnd, dru 18. Aprü

60. Wrs. 1923

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Anzeiger für (das Mer kurWische) SSerWen - Amtliches VerkündigungsblaA des Kreiles Mack

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Bi iiinniiii wii u »»g mi iiu jwh j e _» n r in ji iiihiiiiii »n Dir ,F!berl>«stilche Zeitung" eischeint seckrmal wöebrntltL. kezugsprei, monatlt» 2 Mark ausl<fille8li(6 Zaftellunqrgr» ISHr. Durch M« Poft 2^5 Mk. Für ausfallend, Nummern infolge Streik, oder elementarer Steigniile fein Ersan. Verlag »sn Tr.T. tzitzeroth. Druck derUniv.-Puiddruckeret oon 2oh. Bug. koch, Markt 21/23.Fernsprecher: Nr. 55, Nr. 686. und Postscheckkonto: Nr 5015 Amt Frankfurt a. Main.

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auf zweifelhafte Meldungen aller Art, daß Bin Erfolg der Kandidatur Deutschland die Gunst tzes Auslandes kosten werde, und daß in der bis» hrrigen außenpolitischen Entwicklungslinie ein Bruch eintreten werde, wenn Hindenburg die Präsident- Maft des Deutschen Reiches übernehme. Bei diesem Wtaiiöber wiederholt sich ein Doppelspiel, daS wir jkm früher her leider nur allzusehr gewohnt sind. Die Presse des Linksblockes posaunt mit allen Kräf­ten in die Welt, die Kandidatur Hindenburgs sei Picht-? weiter, als der erste Schritt der Wiederher- Rellnng der Monarchie und zum Wiedererwachen fes deutschen Militarismus. ES ist dies dieselbe Dresse, die in der Zeit vor dem Weltkrieg« durch Lce tendenziöse Verzerrung und Entstellung des deutschen Militärwesens das Meiste dazu beigetragen Hat, den angeblichen deutschen Militarismus im Auslände verhaßt zu machen. So wie damals, so simmt das Ausland auch heute das Echo dieser Linkspresse willig auf. Wenn dann Blätter wie DerVorwärts" und dasBerliner Tageblatt" Stimmen der ausländischen Presse zitieren, so Hetzen sie dem deutschen Volke in den meisten Fällen 'nur daS vor, was die ausländische Presse erst a«S deutschen Quellen geschöpft hat. Die Teilt- henzmache geht aber noch weiter. Sie scheut auch vor offenkundigen Unwahrheiten nicht zurück. So wurde gestern in einem demokratischen Berliner Blatte in einem Stimmungsbild aus Rewhork be­hauptet ,dle Kandidatur Hindenburg habe alle deut­schen Anleiheverhandlungen zurschlagen. Dabei ist «S eine bekannte Tatsache, daß nach dem ersten Ueberschwang amerikanischer Kreditfreudigkeit schon ftit einiger Zeit auf amerikanischer Seite eine eben­so große Abneigung gegen weitere Kreditgewährung eingetreten ist. ES ist übelste Tendenzmache, wenn man diese Erscheinung mit der Kandidatur Hin­denburg in Berbindung bringt. Tatsächlich hat sie nicht das geringste damit zu tun.

Die Presse deS Linksblocks sucht die Kandidatur JkS FeldmarschallS Hindenburg durch ein verwerf- jstches AgitationSmanüver in den Augen de» beut» -Heu Volkes zu diskreditieren. Sie behauptet, ge-

Die Parteileidenschaft macht die Presse deS Linksblockes blind. Wie wird sich das Geschrei fe Auslande auswirken? In Wirklichkeit ist die WrÄsideutschast beS FeldmarschallS von Hindenburg Mißeupolitisch genau so gut tragbar wie jede andere. JiS ist bekannt, daß Mussolini die Kandidatur Hiu- denburg durchaus begrüßt hat. Aber auch dort, W» man nicht dieselben persönlichen Sympathien Pir den Feldmarschall hegt, wird man doch ganz genau wissen, daß die Reichspräsidentschaft Hin­denburgs an dem bisherigen Kurse unserer Außen- volitik nichts ändern würde. Wer Hindenburgs vsterbotschaft gelesen hat, und die frühere Haltung biete? Mann ? kennt, der weiß ganz genau, daß er te seiner klarer» und nüchternen Denkungsart sich Knf die Realpolitik einstellen würde, die zur Zeit Ke einzig mögliche ist. Außenpolitisch würde sein Lieg uns an sich nicht die geringsten Schwierig- feiten bereiten. Ganz sicher aber ist eS, daß man den uns mißgünstigen Auslandskreisen nach einem Wahlerfolg Hindenburgs die Alarmartikel der Linkspresse wie eine Litanei der Welt vorbeten Mürbe .damit Stimmung gegen Deutschland zn Machen. Im übrigen muß immer wieder darauf Angewiesen werden, da tzdaS Ausland nur seine Bgene Politik treibt, niemals z. B. England etwa faS purem Wohlwollen deutsche statt englische. .Äfnn sollte endlich die Phrasen lassen, als ob Mne dem Auslande genehme Persönlichkeit die Mutsche Politik leichter führen könnte. Im Ausland wünscht man sich diese doch nur, weil man mit 1h» leichter fertig z»t werden glaubt. Und daS ist gewiß nicht zu unserin Nutzen. England achtet z. B. . ferner nur den, der sich mannhaft wehrt! Dem Anderen glaubt eS nichts!

Der unbefangene deutsche Wähler wirb sich durch bieje Art der Propaganda ganz bestimmt nicht »bhalten lassen, seine Stimme für Hindenburg ab- .jageben. Ein Sier- beS Linkskanbibaten Marx muß itater allen Umstänben verhinbert werben. Wir ftwb ganz genau darüber unterrichtet, daß im Lager :| Linksblockes niemand in der BundeSgenossen-- ffibaft des andern wohl ist. DaS Zentrum weiß g»mz genau, daß die sozialdemokratische Partei nach fein Wahltag deS 26. April ihren Wechsel prä- -ßeutieren wird. Wird Herr Marx gewählt, so hat i bi» Sozialdemokratie ihn an der Strippe ittjb unsre Diniere Politik kehrt rettungslos in baS Fahrwasser _ber Linken zurück, im Reiche wie in Preußen. Aber «bei sowenig ist beit Demokraten unb Sozialdemo- krtten bei bem Gedanken wohl, baß sie Herrn Marx zum RelchSpräsibenten wählen sollen. Herr Marx hat in blefer Woche seine Redetournee durch Deutschland begonnen. Er verfehlt niemals zu be- 'tenen, daß die Toleranz sein höchster und heilig­ster Grundsatz sei, und daß er auS tiefstem Herzen mit der Verfassungsbestimmung übereinstimme, die VS verbiete, bei der Verleihung öffentlicher Aemter nach der Konfession zu fragen. Dabei weiß man ganz genau, daß Herr Marx während der Zeit seiner RelchSkanzlerschast feine Umgebungg auf daS strengste nach konfessionellen Gesichtspunkten auS- gewählt hat. Diese Klickenwirtschaft würde sich selbstverständlich bei seiner Wahl znm Reichspräsi­denten noch tiefer einnisten. Die Mehrheit deS deutschen Volkes wird sich sicher keinen Augenblick besinnen, die unheilvollen Folgen einer solchen Prä­sidentschaft durch die Wahl Hindenburgs zu »er« si adern.

Der Anleiheschwindel.

Die letzte Sensation, die von der Linkspresse zur Diskreditierung der Kandidatur Hindenburg erfunden wurde, war die Nachricht auS Amerika, baß infolge dieser Kandidatur alle deutschen Anleiheverhandlungen inS Stocken geraten seien. Die inzwischen eingezogenen Erkundigungen haben jedoch ergeben, daß dieS völlig freier Schwindel war. Die vorhandenen Kreditschwie­rigkeiten sind schon älter als die Aufstellung der Kan­didatur Hindenburg, andere Anleiheverhanblungen aber sind inzwischen mit amerikanischen Bankiers abge­schlossen worden, die einer rheinischen Stadt sogar zu einem niedrigeren Zinsfuß, als zunächst gefordert war.

Der Bayrische Christliche Bauernverein für Hinvenburg.

München, 16. April. Sn einem Aufruf des Bayerischen Christlichen Bauernvereins für Hindenburg wird erklärt: Die Weimarer Koalition habe den Bayern ihre Selbständigkeit genommen. Der größte Teil der Koalition sei bauernfeindlich und zum Teil Anhänger der SozialisterungSbestrebungen. Das fei nichts für die Bauern.

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Saö ntut Statine» in Frankreich

Man schreibt uns: Selbst diejenigen, die in Caillaux den kommenden Mann sahen, find doch etwa« über­rascht, daß seine Rückkehr zu Amt und Würden eines Ministers so rasch erfolgt ist. Man mutz bedenken, daß Eaillaup noch im Jahre 1919 vom Senat mit Verbannung bestraft wurde, weil man ihn beschuldigte, mit dem Feinde, d. h. mit der deutschen Regierung sträfliche Beziehungen unterhalten zu haben. Wenn er jetzt dazu berufen wird, die französischen Finan­zen wieder in Ordnung zu bringen und wenn Driand sich dazu entschließt, mit diesem Manne in demselben Kabinett zu sitzen, so ist daS der beste Beweis dafür, welche überragende Bedeutung die Frage der fran­zösischen Finanzen gewonnen hat. Mm dieses Problem dreht sich heute im Staatsleben Frankreichs alles. Man stellt Caillaux auf den Posten deS Finanzministers, weil man in ihm den Mann sieht, der die unendlich schwierige Aufgabe der französischen Finanzreform noch am ehesten meistern kann.

Das Kabinett Painleve ist in mancher Beziehung, vom innerpolitischen Standpunkte Frankreichs gesehen, eher stärker als schwächer denn daS Kabinett Herriot. Painleve selbst ist nicht der eigentliche Kopf des neuen Kabinetts. Er ist, wenn men so sagen darf, der neue Firmeninhaber.

Er steht seiner Bedeutung nach hinter seinen beiden Ministerkollegen Briand und Caillaux zurück. Briartd ist vielleicht der gewandeste Po­litiker, den daS vielgewandte französische Parla­ment zur Zett besitzt. Er ist vom französischen Standpunkte aus gesehen, ein guter Verbindungs­mann mit dem Ausland. AlS Vertreter Frankreichs im Völkerbund hat er persönliche Beziehungen zu allen ausländischen Diplomaten angeknüpft. Neben seiner Gewandtheit besitzt er «ine außerordentlich große Aktivität. Er unterscheidet sich darin ebenso­sehr von dem unfruchtbaren Starrsinn PoincaröS, wie auch von der Zurückhaltung Herriots, der sich häufig die Initiative in der Außenpolitik von an­deren aufzwingen ließ. Für Deutschland ist Briand ein BerhandlnngSgegner, gegen den wir alle unsre Arrfmerksamwit und efle unsre Kräfte werden an« spannen müssen um unsre Interessen zu wahren.

DaS Hauptinteresse richtet sich auf Caillaux. Wenn dieser Mann da» Finanzministerium Über­nommen hat, so kann man sicher sein, daß er vorher mit den französischen Finanzkreisen und mit der Bank von Frankreich in Fühlung getreten ist. Seine Hauptstärke beruht darin ,daß er von allen Seiten und von allen Schichten als eine unbe­strittene Autorität auf dem Gebiete der Finanzen angesehen wird. Sollte er auch die direkte Kapi­talsabgabe fordern, so wird sein Stand trotzdem nicht leicht sein. DaS neue Kabinett wird ober insofern etwa» günstiger dostehen, als eS die kleri­kalen Streitfragen, wie z. B. die Abschaffung der Botschaft beim Vatikan, wohl mit dem Mantel der Liebe zudecken wird.

Paris, 17. April. Ministerpräsident Pain- levö hat heute vormittag dem Präsidenten der Republik die Mitglieder seines Kabinetts vorge­stellt. ES wurde beschlossen, morgen vormittag im Gebäude deS Kammerpräsidiums einen Minister­rat abzuhalten, um sich über die Regierungserklä­rung auszusprechen, deren Text am Montag in einem Ministerrat festgelegt werden wird. DaS Kabinett wird sich am Dienstag dem Parlament vorstellen. Wie es bereits von der vorauSgegange- nen Regierung beschlossen worden war, wird kein Mitglied der Regierung an einer politischen Knnd- bung innerhalb der nächsten drei Wochen, also bis zu den Munizipalwahlen teilnehmen.

Paris , 17. April . lieber den Eindruck, den da» Kabinett Painlevö in den Wandelgängen der Kammer hervorgerufen hat, berichtet HavaS 'wie folgt: der Eindruck, den man aus den Unterhaltun­gen gewinnt, ist, daß die Zusammensetzung der Regierung Painlevö von der Linken gut aufgenom­men wird. Nur die Sozialisten scheinen, bis sie daS Programm der Regierung kennengelernt haben, einige Rerserve vorzubringen, während die Oppo­sition von rechts gegenüber der neuen Regierung dieselbe Stellung beizubehalten scheint, die sie gegen­über dem Ministerium Herriot eingenommen hat.

Die Aeußerungen der Presse Über Painievä

Paris, 17. Avril. ' Zum Kabinett Painleve schreibt derTcmps": Die Anwesenheit Cailleaur in dem neuen Ministerium erscheine seinen Gegnern als eine Herausforderung, seinen Anhängern atS eine Re­

vanche. Werde er Klugheit genug besitzen, die HerauS- sorderung zu beseitigen und auch keinerlei Revanche zu üben? Angesichts eines Ministeriums, das tn voll­kommenerer Weife ein Ministerium der Verständigung hätte fein müssen, baS immerhin ein Ministerium der Entspannung sein kann, habe die öffentliche Meinung die Pflicht, ohne schAllichen Tadel und ohne übereilte Begeisterung eine abwartende Haltung einzu- nem-n.

DasJournal deSDebatS" schreibt: Man hat die Gewohnheit, zu sagen, daß man ein Ministerium nach seinen Handlungen beurteile. Für baS neue Kabi­nett wird eS nicht genüaen, die Beweise seine- guten Willens cchzuwarten. Die Aufnahme, die ihm bereitet wird, unb die man nur natürlich finden kann, ersordett daß eS sich unverzüglich ausspreche, um der Beunruhi­gung der öffentlichen Meinung ein Ende zu bereiten. Zwei große Probleme beherrschen das ganze .öffentliche Leben: nämlich das deutsche Probsim und das Finanz- Problem. In beiben Fällen könne es keine nützliche Re- aierungstätigkeit geben, wenn bas Ministerium nicht damit beginne, die Einigkeit wiederherzustellen und bte öffentliche Meinung zu beruhigen. So werde man bald ernennen, was das Kabinett wolle und könne. Es be­ständen wohl Borurieile, aber angesichts der Lage in der uns das voraufgegangene Sa binett gelassen hat, ist man verpflichtet, sich mit Hilfe, bte kommen soll, zu begnügen. Zehn Jahre nach dem Kriege unb sechs Jahre nach dem Siege sei es gewiß eine Prüfung für das französische Volk, bte Besserung seiner Lage von Männern zu erwatten, deren Namen und bereit Ver­gangenheit nicht immer sämtlich mit den glorreichsten Erinnerungen verknüpft seien.

Seuakor Borah über daS Kabinett Painleve

Paris, 17. April. Wie dieParts Times" aus Washington berichtet, hat Senator B o ra h, der Vor^ sitzende des Senatsausschusses für auswärtige Ange­le genheiteu, .gestern Abend in einem Interview erklärt, baß ^r zu einem Kabinett Painl ve-Ca Ileaur volles Bertrauen habe. Borah. der kürzlich erklärt hat, daß er in vielen Fragen der auswärtigen Politik anderer Ansicht sei als der Präsident Coofidge, sagte, er sei her Ueberzeuaung, daß Cailleaux als Finanzminister große Ersparnisse erzielen und hohe Steuern einbrinaen werde. DaS sei nach seiner Ansicht das einzige Mittel zur Besserung der gegenwärtigen finanziellen Lage Frank­reichs. Senator Borah erklärte zum Schluß, sofern Frankreich sich nicht entschließe, fdne Schulden zu kon­solidieren, bestehe keine Aussicht auj eine Besserung sei­ner Finanzen.

Paris ,17. April. Nach demJntransigeant wird die Regierungsmehrheit in der jammer jeden­falls die Kandidatur deS ehemaligen Arbeitsmi- njsteeS Justin Godard für die Kantmerpräftd^nt- fitjaft aufstellen.

ft. Paris, 18. Avril. Die Delegation der radikalen Kammerfrattion bat Herriot die Kammervräsident- fchaft angeboten. Herriot erklärte, er werde beute mit­tag eine Antwort geben

fk. Pakis, 18 April. Die Fraktion der demokratisch- republikanischen Vereinigung der Kammer bat in lieber einstimmun« ihrer 104 Mitglieder in einer Tagesord­nung die Ernennung Caillaux' zum Minister als eine Provokation der öffentlichen Meinung bezeichnet. In der Tagesordnung wird zum Ausdruck gebracht, daß das jetzige Ministerium entgegen der Tagesordnung des Senats vom 10. Avril sich unftr Mißachtung des inneren Friedens und der nationalen Einheit gebildet habe, wes­halb die Fraktion schon jetzt erklärt, daß sie ihm ihr Ver­trauen verweigere

Herriot geht auf Steifen.

Paris, 17. April. DerExcelsior" will wissen, daß Abgeordneter Herriot bas Kammerpräsidium nicht annÄhmen werde, da es in seiner Absicht liege, eine längere Reise durch Europa und Amerika zu-unter­nehmen, um sich über die wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Fragen sowie über den Einfluß des Bölkerbundes zu informieren.

JMutfoirän Umtriebe in Bulgarien

Der Versuch des bulgarischen Offiziösentums, das Attentat auf König Botts als einen harmlosen Raub­überfall hj uzustellen, ist schlagartig brch die Ereignisse widerlegt worben. Wir stehen in Bulgarien vor dem kommunistischen Generalangriff, unb es ist zu erwarten, ftaß mit fern Attentat in der Krt''odrale die Reihe der kommunistischen Vorstöße noch nicht abgeschlossen ist. , Der Tscheka-Prozeß in Leipzig hat uns deutlich oezeigt. baß der Terrorismus in seinen verschiedenen Formen wefentsiches Kampfmittel der von Moskau in immer neuen Formen provagietten Weltrevolution ist. In Bulgarien, auf dem Balkan, sind die Vorbedin­gungen natürlich erheblich günstiger als in West­europa. Hier hat der Bolschewismus das Gewand des Agrarkommunismns gewählt unb bedient sich außer­dem noch nationalistilcher Gedankengänge. Die Regie­rung Stambulinski, die seinerzeit mit Gewalt, durch Militärrevolution, vom Minister Zankow beseitigt wor- bne ist, hat bett Boden für bett Bolschewismus bereitet. Nur durch Gewalt hat sich Zankow, der auch als Ver­wundeter zu den Opfern des Bombenattentats in der Kathedrale gehört, die Ordnung aufrechterhalten kön­nen. Immer wieder sind kommunistische Anfstände, über deren Umfang und Bedeutung die verschieden­artigsten, zum Teil sich widersprechenden Meldungen nach Westeuropa gelangt sind, ansgeslammt. Das Prob­lem des Bolschewismus auf dem Balkan hat, wie sich jetzt zeigt, nicht nur als Vorwand, seit längerer Zeit Gegenstand von Beratungen unter den kleinen Ententestaaten gebildet. Auch in Rumänien und Ju­goslawien befinden sich kommunistische Brandherde, bte jederzeit durch irgendwelche Ereignisse angeblasen wer­den können.

Sofia, 17. April. Meldung bet Bulgarischen Te­legrafenagentur. Sofort nach bet Explosion in bet Kathedrale begab sich bet König an bte UnglücfSftätte. wo er von bet versammelten Menge lebhaft begrüßt würbe. DaS Werkzeug bet Explosion wat eine mit einem Uhrwerk versehene Höllenmaschine, bie unter bem Dache des südlichen Teiles ber Kathedrale versteckt wat. Da die offiziellen Persönlichkeiten um die BahreÄvsta» in der Witte der Kirche standen, waten sie der Wirkung ber Explosion viel weniger

ausgesetzt als bie, bte sich tn ber Aktionssphäre bet Maschine befanden. Die Zahl ber Toten betrügt etwa 100, bie bet (Bertounbeten 200. Der Mi» nisterpräsibent. bet KriegSmmistet und ber Minister bei Innern trugen leichte Verwundungen davon. Unter den Toten befand sich außer ben schon Genannten ber Minister a. D. General von Natbenoff. Un­mittelbar nach ber Explosion traten bte Minister zu einer Beratung zusammen. Der Kriegsmtnister Dakvff unb bet Platzkommanbant General Lazatoff machten danach einen Rundgang durch die Stadt, von bet Bevölkerung überall jubelnd begrüßt. Mehrere Beo- Haftungen wurden vorgenommen. ES herrscht Ruh»

Sofia, 17. April. Bulgarische Telegraphenagentur, Die Leiche des Mörders des Abgeordneten Mtlefs wurde gestern früh an der nämlichen Stelle auf« fanden, wo Wiless selbst getötet worben wat. An ' 7» Leiche wat 'ein Zettel angehestet, auf bem stand, daß die Hinrichtung auf Befehl bet Mazedonischen Or­ganisation vollstreckt worden wat. Der getötete Mör­der ist ein bekannter Anarchist und einer ber Haupt­urheber des Attentats, baS im Februar 1914 tm Kasino von Sofia verübt worden war.

Sofia, 17. April. 3m Kreise Rowa vagora hat die Kriminalpolizei über hundert Personen ver­haftet. Aus ber Vernehmung ber Verhafteten geht hervor, bah das Attentat auf König Doris und bte Kathedrale Sweta Nedelja das Signal für die Et­il ä r u n g der Revolution und die Ausru­fung ber Sowjetrepublik auf bem Balkae sein sollte.

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Str Sflrmnt-Sftmtal

Berlin, 16. Avril. Im Reichstagsuntersuchungs ausschuß für die Kreditasiären bekundete der Äaufmaur Heinemann aus Elberfeld, der seinerzeit Aufsichis. ratemitplieb der Vutterbandelsaesellschaft in Beritt war, daß er im Juni 1919 auf Anweisung der Reichs- rellstelle die Vutterbandelsgeicllfchaft beauftragte, 5 C Waggon Butter oon Varmat abzunehmen. Er fei mit anderen Herren zu diesem Zweck nach Amsterdam gereist, habe aber trotz achtttägigeu Wartens von Bar- mal keine Butter erhalten können. Darauf habe er sich ett einen großen holländischen Buttetbandelsverband gewandt, dessen Direttor seine Verwunderung aussprach, daß ein Manu wie Barmat mit Butterliefenlngen be­auftragt werde, der vom regulären Handel kein Pfund Butter erhalte und sehr Übel beleumdet sei. Die Lsi- feruno von 50 Wagggon Butter, die Varmat übernr:?.- men habe sei nur teilweise erfolgt,, wobei das Deutsch. Reich infolge der Verzögerung einen Verlust ew <1 Millionen erlitten habe. Der Zeuge bestätigt«. ><- Barmats Amsterdamer Vertreter gesagt bat, di« Mrnv Barmat könne sofort Einfuhrbewilligungen erhaSttr

Berlin, 17. April. 3m großen SchwurgeriktSn faate des Moabiter Hustizpalastes begann hentt doi dem Reichstags-tUntersuchungSausschutz für bie Jtrets, Affären bie Vernehmung bes auS ber Unten suchungshaft vorgeführten Hauptbeteiligten 3ukluS B a r m a t. Der Vorsitzende macht diesen darauf aus- merksam, daß er hier nicht al'S Angeklagter, sondern als Zeuge vernommen werde. Darmat gftt daraus eine Schilderung seine- Lebenslaufes und be­kundet u. a., daß Professor Brinkmann-Heidelberg, Leiter der Pressabteilung des Nachrichtenbüros ber deutschen Gesandtschaft in Amsterdam, unb verschiedene andere Herren ihn veranlaßt Hütten, bte nach dem Kriege ungünstige Stimmung in Hollanb zugunsten Deutschlanbs zu beeinflussen. Mft ber deutschen Ge­sandtschaft selbst sei er damals nicht tn Berührung gekommen. Nach dem Friedensschlutz von Brest-Li- totoff feien die Herren Brinkmann und Matzan an ihn herangetreten, um eine Verbindung mit Rußland anzuknüpfen. 1919 fei er zum erstenmal nach Deutsch­land gekommen und zwar auf Einladung von Her­mann Müller und Wels. Das Paßvifum habe er von der Gesandtschaft bekommen. Barmat gibt daraus eine Schilderung der Abwicklung der Lebensmittel» geschäste, u. a. mit der Reichsfettstelle, wobei ihm keine Bevorzugung zuteil geworden sei. Auf eine dies­bezügliche Frage deS Vorsitzenden deS Ausschusses er­klärte Darmat weiter, daß er vertraulich amtliche Auskünfte von amtlichen Stellen nie erhalten habe.

Die weitere Frage des Dorsitzenden, ob bei den einzelnen Geschäften auch politische Parteien an dem Gewinn beteiligt worden feien, beantwortet Darmat verneinend. Die Parteien hätten mit Gewinn und Provision auS feinen Geschäften nie etwas zu tun gehabt. Allerdings hätte er die Sozialdemo­kratische Partei bei den Wahlen, bei Sammellisten usw., unterstützt. Aus Geschäften aber machte er ihr keine Zuwendungen. Auch bei den sogenannten Liebes- Paketen seien keine Unterschiede gemacht worden. Sie seien an Sozialdemokraten wie an Deutsch- nationale gesandt worden. Er selbst hatte mit dieser Angelegenheit nichts zu tun. Dem verstorbenen Abg. Krüger habe et freilich für 'Heine Gefälligkeiten Liebesgaben geschickt. .Dezüglich der Telephongespräch« aus demBüro deS Reichspräsidenten erklärte Dar- mat, eS hätte damals keine andere Möglichkeit ge­geben, von Derlin nach Amsterdam zu telephonieren Deshalb bat et Krüger, vom Büro des Reichspräsi­denten auS telephonieren zu dürfen.

Darauf bestätigte der Zeuge Rommel, daß Dat- mat ihm wiederholt versprach, ihm einen ®e- sandt en Posten z u verschaffen. Darmat hätte ihm gesagt, er Werde ihn bet Müller und Wel- einfühteu. damit er einen Gesandtenposten erhalte. Darmat gibt diese Aeußerung zu, einen Posten jedoch hätte er ihm nie angeboten.

Darmat wird Dann übet die Erlangung feinet Einreiseerlaubnis gefragt Seine EinreiferlaubniS nach Deutschland bekam et ohne Vermittlung deutscher Poll» tiker durch Fretherr v. Maltzan auf ber deutsch«., Gesandtschaft in Haag ziemlich schneit Auf die Bor- baltung. daß Maltzan sich gegen die Erteilung bet Einreiseerlaubnis gewehrt hatte, etUM* Nsrmat, tt