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Anzeiger für was Mer kurheMe) SSerWen - AmMes VerkünbigungMatt des MW Marburg

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Winltve versucht Vie KabimMMmg

; Paris, 15. April. Um 4 Llhr f t Kamrner- Cäsident Painleve dem Präsidenten 2 ;c Republik tgctellt, datz er die Bildung eine» Kabi - et t< übernehmen werde. Den Vertretern Per Dresse erklärte Painlev6, baß er nicht vor heute abend 10 Uhr im Elhsöe erscheinen werde, um über das Er» ebniS seiner Bemühungen Bericht zu erstatten. Jeden­falls werde er aber heute abend in der Lage sein, tte Zusammensetzung beS zukünftigen Ministeriums Bekannt zu geben.

Paris, 15. April. Kammerpräsident Painleve verhandelte heute vormittag von 8.45 Ähr ab mit Verschiedenen politischen Persönlichkeiten, stzucrst hotte er eine Unterredung von einer Stunde ^Vauer mit dem Führer der Sozialisten, dem Abg. 86on Blum. Hierauf empfing er den sozialistischen ,«bg. Renaudel sowie die radikalen Abg. Andrä Hesse Und Emile Borel, den der Gruppe Loucheur ange» Benden Abg. Victor Doret und die Senatoren ramd und Ehaumet. Kammerpräsident Painleve le alsdann eine Unterredung mit Driand.

! Parts, 15. April. Der Präsident der Republik, iVoumergue, hat gestern abend den zurückgetretenen Mnanzminister 6e Monzie sowie den Gouverneur der Wank von Frankreich empfangen. Wie berichtet wird, Bezog sich die Unterredung auf die Ratifizierung des tat der Vank von Frankreich getroffenen Abkommens Wer Ne Erh öhmng des Rotenumlaufs, die Bas zurückgetretene Kabinett Herriot heute von dem Parlament verlangen wird.

Die Finanzkommission der Kammer ist heute nach» tattag nm 2.15 Uhr unter dein Vorsitze des Abg. jBincent Auriol zusammengetreten, um die Vorschläge |le8 Finanzministers bezüglich der Ratifizierung jder am 7. April mit der Bank von Frankreich ge» iroffentn Abmachung zu diskutieren, durch die ^Brr Notenumlauf gesetzlich um 4 Milliarden Franken «höht werden soll. Finanzminister de Monzie hat die Kommission gebeten, den Gesetzentwurf als dringend jn behandeln und zu verabschieden. Da um 3 Uhr tachmittags die Finanzkommission der Kammer immer tach tagte, ist im Plenum der Kammer beantragt Korden, die auf 3 Uhr anberaumt gewesene Kammer- ifitzung um eine Stunde zu verschieben.

$ r i 15. April. Wie in den Wandelgängcn Her Kammer bekannt wird, verhandelt im Augenblick Manrmerpräsideni Painleve mit dem Senator Sarraut Md den sozialistischen Abgeordneten Paul Bvncour und Warenne. Das Gerücht erhält sich, daß Painleve tLaitlaur das Finanzministerium angeboten habe, je- tach hat Painleve dieses Gerücht nicht bestätigt.

i Eaillaux ist gestern abend 8.45 Uhr im Gebäude Kammerpräsidenten angekommen und sofort vom Uammerpräsidenten Painleve empfangen worden.

Caillaux hat erst um 10 Uhr abend das Palais de» Lammerpräschentrn verlassen. Er erklärte Journa» Asten, er roetue heute (Mittwochs abend nochmals eine vnrerveduna mit Painleve haben. Nach 10 Uhr abends taaab fick Kammerpräsident Painleve zum Präsidenten Aer Republik. Vorher erklärte er Journalisten, er Äaube. daß j>as Kabinett nickt vor heute nackmittaa Jfbcr heute abend gebildet sein werde.

Caillaur franzöfischrr Finanzminister?

Paris, 15. Avril. Die »Information" veröffent­licht unter aller Reserve in ihrer Abendausgabe eine ,Nachricht, wonach am heutigen Nachmittag in den WandelgänLen der Kammer das Gerücht verbreitet ge» liefen ist, ein Auto hole Taillaur, dem das Porte- «uille des Finanzministers angeboten worden, aus .Mamers ab.

j Ar Wahl drö RrMvrWdenlrn

j Eine Programmrede Hindenburgs.

f Berlin, 15. April. Vom Reichsblock wird mit- ' «teilt: Am Sonntag abend findet in Hannover ein Mmpfang statt, zu dem der Reichsblock die Vertreter der Ausländischen und inländischen Presse und die Vertreter der Wablkretsausschüste in großem Um« lange einladen wird. Auf diesem Empfang wird Ee- : peralseldmarschall v. Hindenburg eine politische K e B e halten.

* Marx im Stettin.

; Stettin, 16. April . In seiner gestrigen Wahlrede betonte Marx insbesondere die Not­wendigkeit der Zusammenfassung der positiven reit» gibsen Kräfte des deutschen Volkes für den Wie­deraufbau de» Vaterlandes. Die Weimarer Ver­fassung gewährleiste alle Glaubens- und Gewissens­freiheit und ungestörte ReltgionSübung. Sie be- ftir.ime ferner, daß der Genuß staatsbürgerlicher Rechte, sowie die Zulassung zu öffentlichen Aemtern unabhängig von dem Religionsbekenntnis ist. Diese ''Bestimmung entspreche dem von ihm stets ver­fochtenen Grundsatz der bürgerlichen Toleranz und müsse mit peinlichster Sorgfalt gewahrt werden, ghre Innehaltung bilde die Voraussetzung für das friedliche Nebeneinanderleben der Konfessionen.

j Berlin, 15. April. Unter der Ueberschrist >E i n interessanter Rechenfehler!" bringt Veute dieGermania" ein Aufstellung über das Er­gebnis des ersten Wahlgange» der Reichspräsidenten­wahl. Darnach soN in dem vorläufigen amtlichen Eählungsergebnis der Fehler gemacht worden sein, ch 271 993 Stimmen weniger für den Volks­block (Braun, Marx, Hellpach) gezählt worden sind, da« endgültige ImReichsanzeiger" veröffent­lichte Wahlergebnis ergeben hat. Dagegen soll die t sZiffer für Jarres in dem vorläufigen Ergebnis um >>25089 Stimmen zu hoch angegeben porben sein. * Diesem Fehler liegt aber, tote von zuständiger Seite festgesteür wird, nicht da» al» vorläufige» amtliche«

Annahme de» Rotenumlauf-^esetze».

ft Paris, 16. Avril. Die Kammer hat mit 329 gegen 27 kommunistische Stimmen den Gesetzentwurf über btt Erhöhung des Notenumlaufs auf 45 Milliarden Franks und die Erhöhung der Vorschüsse der Bank von Frankreich an den Staat von 22 auf 26 Milliarden angenomme-u. Die Opposition hat sich der Abstimmuna enthalten. Die Kammer hat ferner einen sozialistischen Äänderungsantra^ angenommen, durch den die Gültigkeit des heute ang-nommenen Ge­setze? am 15. Juli ihr Ende erreicht. Das Gesetz wird nun dem Senat überwiesen werden, der, wie man ver­mutet, eS in einer Nachtsitzung beraten wird, damit es bis morgen im Journal offlciel veröffentlicht werden kann.

Die Sozialifte« für Vie Untorftützungspolitik.

Pari», 15. April. Die Abordnung des Natio­nalrat» der Sozialisten, die unter Führung des Abg. Blum den Kammerpräsidenten Painlevö aufsuchte, hat diesen um 1 Uhr verlassen. Kammerpräsident Painlevö hat die Abordnung befragt, ob die Sozia­listische Partei geneigt wäre, ihm im Falle, daß er die Kabinettsbildung Übernehmen wird, ihre Mit­arbeit zu gewähren, wie sie sie Herriot gewährt habe. Die Abordnung habe geantwortet, daß die Sozialisten, ohne effektiv an der Regierung teil­zunehmen, entschlossen seien, ihm gegenüber die Unterstützung-Politik fortzusetzen.

ft. Paris, 16. Avril. Painleve, der nach 10 Ubr abends Im Quai d'Orsay eintras, verbandelte 40 Mi­nute« mit dem Präsidenten oer Republik. Danach empfing er Briaud. Gegen Mitternacht erschien Gail» loui, begleitet von Malo« und den unabhängigen sozia­listischen Abgeordneten Pierre Laval. 40 Minuten nach Mitternacht gesellte sich ru diese« Politikern Senator de Monzie, der Painleve mitteilen tonnte, daß der An­trag des Senat, über den Notenumlauf von der Kam­mer ratifiziert «»erben sei. Als die Unterredungen ein Ende gefunden hatten, gab das Büro der Kammer fol­gende» bekannt: Infolge Painleves Annahme der Mission, ein Kabinett zu bilden, sind verschiedene Mi­nisterlisten veröffentlicht worden. Kammerpräsident Painleve- läßt erklären, daß noch keinerlei Portefeuilles Dergeben worden find.

London, 15. April. DerDaily Telegraph" schreibt zur französischen Krise: Jede» Mini­sterium, das nicht das Vertrauen der Bonds­inhaber besitzt, bei benen sich bereits eineauSge, fprochene Abneigung gegen di« Trneuernng ihrer Anleihen zeigt, muh ein jäh«» Ende nehmen. Haupt­sächlich au» diesem Grund« kann man annehmen, daß früher ober später ein von der sozialistischen Partei unabhängige» Kabinett unvermeid- lich ist. Der Besitzer von Regierungsanleihen wird vielleicht Einwenbungen gegen bie Erhöhung ber Steuern erheben, aber eine Abneigung gegen bie sozialistische Politik und eine Kapitalabgabe ist noch viel stärker. Daher bleibt keine andere Wahl als eine weitgehende neue Besteuerung direkt und in­direkt. Jeder französisch« Politiker ist sich dieser Tatsache bewußt. Allerdings weiß auch jeder fran­zösische Politiker, daß neu« Steuermaßnahmen viel mit der Niederlage de» Ministerium» Poincarö im letzten Jahr zu tun gehabt hatten. Die poli­tische Lage Frankreich» wird von diesem Riesen­problem umwölkt und gewissermaßen bedeutungs­los gemacht. Welche» Ministerium auch au» der gegenwärtigen Verwirrung hervorgehen mag, es wird sich den Folgen der unbedachte« und optimi­stischen Führung der finanziellen Angelegen­heiten de» Lande» durch alle seine Vorgänger wäh­rend des Kriege» und danach gegenüber sehen.

Zählungsergebni» bezeichnet« Wahlergebnis, sondern daS vorher von privater Seite aufgestellte und da­mals in die Presse gegebene ZählungSergebniS zu Grunde. Da» wirkliche vorläufige amtliche Wahlergebni» stimmt mit dem endgültig festge­stellten Wahlergebnis fast genau überein und differiert im einzelnen nur um einig« tausend Stim­men.

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WitM Mrtatmosvhiitt in Bulgarien

Der Mordanschlag auf den König Boris von Bul­garien ist keineswegs die Tat einer unpolitischen Räuberbande, wie e» nach den ersten Berichten er­scheinen mochte. Er wird erst in seiner wirklichen Bedeutung klar, wenn man ihn mit den bedenk­lichen Vorgängen in Verbindung bringt, die in der letzten Zeit au» Bulgarien das Land des klassischen politischen Mordes gemacht haben.

3n Bulgarien treffen zwei Bewegungen zusammen, die beide mit dem politischen Terror arbeiten und vor der Anwendung der äußersten Mittel nicht zurück­schrecken. DaS eine ist die kommunistische Bewegung, die an den Romen und die Regierung des ermordeten bulgarischen Ministerpräsidenten StambulinSki anknüpft und nach dessen Sturz etwaS zurückgedrängt wurde. Sie ist aber neuerdings wieder in voller Tättgkeit. Di« kommunistische Internationale in Moskau hat dabei zweifellos ihre Hand mit im Spiel. Sie unter­hält bie kommunistische Balkan-Organisation, die von Wien au» genährt wird und sie betreibt die kommu­nistische Propaganda in Bulgarien sicher auch durch Sendboten, die unmittelbar von ihr abhängig sind, lieber die Häfen des Schwarzen Meeres werden nicht nur Agitatoren, sondern auch Waffen von Ruhland nach Bulgarien eingeschmuggelt. Mit den Somw nisten arbeiten auf bulgarischem Boden die Anhänger der extremen Agrarpartei Hand in Hand. Sie bil­deten den Anhang Stambulinskis. dessen gewaltsames Ende sie zu rächen entschlossen sind. Rur diese Gefolgschaft erklärt es, daß die Kommunisten in Bul­garien so festen Fuß haben fassen können.

Gegner der kommunistischen Bewegung find die gemäßigteren Dauern und der Mittelstand. Voll­kommen zuverlässig ist auch bie kleine, aber sehr schlag­fertige Armee. Die geschworenen Gegner 6er Kom­munisten aber sind die mazedonischen Revolutionäre. Sie sind Mitglieder einer Organisation, die im höchsten Maße national ist und die seinerzeit gegründet wurde, um im nationalen Interesse Bulgariens Mazedonien von der griechischen und serbischen Fremdherrschaft zu befreien. Das Haupt dieser Organisation, der ehrgeizige und zweifellos auch grausame Todor Aleran- broff ist von Anhängern der dritten Internationale meuchlings ermordet worben, llnb seit dieser Tat kennen die mazedonischen Revolutionäre kein höheres Ziel, als den Tod ihres Führers an den Kommunisten zu rächen. AuS ihren Reihen sind weitere Opfer dem Führer Alexandroff gefolgt. Aber sie haben den Kommunisten reichlich jede Mordtat heimgezahlt. 3n der blutigen Vendetta seit Jahrzehnten geübt, haben sie die Taten der Kommunisten bei weitem ausgewogen. Bei diesem Aufeinanderprallen der Kommunisten und der Mazedonier ist der politische Mord in Bulgarien etwas Alltägliches geworden. Roch vor kurzem ist ein kommunistischer Abgeordneter in Sofia auf offener Straße erschossen worden. Der Täter, ein gewisser Rikolas Milest, gestand, daß seine Organisation unter Androhung des Todes ihm drei Tage Zeit gelassen habe, den Kommunisten zu ermorden, und daß er gerade noch kurz vor Ablauf beS dritten Tages den Gegner habe erledigen können.

In dieser Reihe blutiger politischer Verbrechen ist der Anschlag auf den König Boris nur ein Glied, aber sicher ein wichtiges und bedeutendes Glied, das neue schwere Verwicklungen nach sich ziehen wirb. Der Anschlag ist sicherlich von kommunistischen Banden ver­übt worden. Er kam insofern nicht ganz unerwartet, als die bulgarische Polizei unterrichtet war, daß die Kommunisten am 15. April einen großen Schlag plan­ten. Der Schlag ist wohl mißlungen, in erster Linie dank der tapferen Haltung des Königs Boris, der als ein kühner und furchtloser Mann bekannt ist und dessen Volksbeli-btheit durch das mißglückte Attentat nur ge­wonnen hat. Wenn nicht alle» trügt, wird der An­schlag aber das Signal für neue innere Unruhen in Bulgarien sein. Die bulgarische Regierung ist dank der Zuverlässigkeit des bulgarischen Heeres jedem kommu­nistischen Aufstand gewachsen. Man kennt indessen die Hartnäckigkeit und Unerbittlichkeit der kommunistischen Propaganda der Tat und deshalb werden die kommu- nis. scheu Versuche, den Umsturz in Bulgarien zu er­zwingen. sicher weiter fortgesetzt werden und ebenso sicher weitere blutige Opfer erfordern.

ff. Sofia, 16. Avril. Nach einem Dankgottesdienst fand eine große Kundgebung statt. Eine nach Tau­senden zählende Menge aus allen Bevölkerungsschichten überbrachte dem König ihre Sympathien durch be­geisterte Zurufe.

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Der NmnalAnndtil

Berlin, 15. April. Im Reichstagsausschuß zur Untersuchung deS Falles Barmat-Kutisker sagte Direk­tor Vcttrr vom Hotel Bristol aus, Aarmat habe von 1921 bis 1923 im Hotel Bristol gewohnt und in dieser Zeit zweimal größere Festessen gegeben, an denen nach des Direktors Kenntnis Polizeipräsident Richter und der Abgeordnete Heilmann teilnahmen, die auch fast täglich bei Barmat waren. Direktor Schneider vom Zenträlhotel bekundet, Barmat wohnte 1919 et­wa zwei Wochen im Zentralhotel und habe keinen grö­ßeren Aufwarch getrieben, als anbete Ausländer. Nur einmal gab Barmat im Zentralhotel ein Abendessen, an dem neben verschiedenen englischen und holländi­schen Sozialisten die Abgeordneten Hermann Müller, Heilinann und Wels teilnahmen. Regierungs­präsident Huber, zur fraglichen Zeit Staatssekretär im Reichsernährungsministerium, bekundet über die tm Herbst 1920 zwischen Vertretern des Reichswirtschasts- minifteriutn und derAmexima" stattgehabten Be­sprechungen, daß eines TageS zwei Herren und Barmat bei ihm vorstellig wurden. Er habe darauf einige Ver­treter der Reichsfettstelle herbeigebeten, die über daS Anliegen Barmats verhandeln sollten. Später ver­wandte sich auch Reichskanzler a. D. Bauer, der damals nicht mehr Reichskanzler war, bet ihm für Barmat. Ob Bauer als Vertreter derAmexima" auftrat, weiß der Zeuge nicht.

Der Ausschuß vertagt sich auf morgen vormittag.

Berlin, 15 .April. Im Reichstagsausschuß zur Untersuchung der Kreditaffäre Barmat-Kutisker teilt' ber Vorsitzende Sänger heute bei Eröffnung ber ersten Sitzung nach der Osterpause mit, daß nach Vereinbarung mit dem Landgerichtspräsidenten am kommenden Frei­tag und Samstag im großen Schwurgerichtssaal in öffentlicher Sitzung Julius Barmat durch den Unter­suchungsausschuß vernommen «erben soll.

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Das »Et BllbunMitl

(Zur Gymnasialtagung in Berlin».

Nicht von heute und gestern rühren die Kämpfe um bas Btldungsshstem ber höheren Schule in Deutschland. Der wirkltchkeitSgesättigte lebendurch­pulste, von stählerner Technik, aber auch von Genuß« gier und Raffsucht erfüllte Zeitgeist, der sich be­reit- in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhundert« ankündigte, der in der VorkriegSzett sprungartig Raum gewann und der endllch im Ent- artungStaumel der Nachkriegszeit Pennäler zu Bör­senspekulanten und Lebemännern machte, ließ da» humanistische Erziehungsideal, die Heraushebung de» Schülers au» der Gegenwart in da» ruhige Gleich­maß und die abgeklärte Gesetzlichkeit der Antike, alsÜberlebt",unzweckmäßig", ja geradezu als Zeit- und Kraftvergeudung erscheinen. Die realen Methoden der Unterrichtung und Wissensbereiche­rung auf denpraktischen" Gebieten, in der natur- Wissenschaftlich-Mathematischen Belehrung und den lebenden" Spracheit gewannen zusehends an Boden. Dem Zuge der Zeit folgend, wurde» nunmehr «Uh

an Gymnasien die Ansprüche herabgemindert, so­daß heute im allgemeinen, abgesehen von Au»« nahmefällen, in denen überragend fähige Lehrer». Persönlichkeiten besondere BtldungSersolge erzielen, eigentlich nicht mehr die Rede davon sein kann, daß da» Gymnasium dem Schüler tatsächlich inner­lich die weite, klare, geistbeseelte Architektoftik der Antike in ihrer ganzen Bildungskraft und Leben­digkeit vermittelt. Zu verschiedenen Welten trennt heute das Schultor voneinander.

Die Mehrzahl der Reden, die in Berlin gehalten werden, sind nun auch bezeichnenderweise Positttz kritische Verteidigungsreden. Man fühlt sich be­droht, weniger durch bewußte und betonte Geg- ner, als durch den Druck der Zeiteinstellung. Die Vorschläge über Aenderung der Lehrmethoden, An­passung des Unterrichts in bet? zu behandelnden Einzelgegenständen und den Lehrbüchern an die Er­fahrungen der modernen Pädagogik häufen sich. Die durchaus richtigen, wenn auch nicht gerade neu­artigen Beweisgründe über die Geeignetheit der lateinischen Sprache zur Erziehung im logischen Denken, von der mustergültigen und für alle Zei­ten bedeutsamen typisierenden Einfachheit ber Ver­hältnisse in ber griechischen Geschichte, von beir Wohllaut unb ber rein menschlichen Bedeutsamkeit ber griechischen Dichtung tauchen wieder auf. Wesentlich ist aber bas Kernproblem: Verbürgt da» humanistische Gymnasium in seiner heutigen Gestalt bent jungen Menschen die Erziehung, bie Bildung im tiefsten Sinne, wie sie der reife Deutsche im Leben braucht?

Das deutsche Voll ist geistig von Wissenshäu- fung ist natürlich nicht die Rede der gewaltigen technisch-wirtschaftlichen Entwicklung der Vorkriegs­zeit nicht gewachsen gewesen. Es hat sich au» gesundem Instinkt ,nicht aus Charakterbildung her­aus, im August 1914 bann vorübergehend, von seinen Gefühlsimpulsen getragen, dem geschichtlichen Augenblick nicht versagt, ist aber bald willenSmäßi» und moralisch unter ber Last ber Zeitdauer, bet Entbehrungen und einer raffiniert von draußen und drinnen in gleicher Weise seiner Seele aufgebürdeten Verleumdungslast zusammengesackt? Und bei Grund? ES ist der Schulerziehung nicht gelungen, dein deutschen Volke die ewig sich wiederholenden, traurigen Lehren seiner Geschichte zum innere« Lebeusbesitz zu machen. Es ist ebensowenig ge­lungen. ein nationales Lebensgefühl von selbstver­ständlicher Kraft und Elastizität, ein instinktsichere», von weltbürgerlicher Berschwommenheit und lächer­licher Neberheblichkeit gleich freies Selbstbewutztsei« zu wecken. Es ist, um eS zusammenzufassen, nicht erreicht, einen deutschen Bildungsstil als Bildung»» ideal in deutsche Menschen hineinzupflanzen. Unft hier haben daS Real- unb Reformgymnasium, bU Mittelschule, vor allem bie Volksschule ebenfall» gänzlich versagt. Da» humanistische Gymnasium hat hier sicherlich, trotz ber angeblichen Erziehung der jungen Deutschen zu Griechen und Römern, noch am wenigsten Vorwürfe verdient. DaS ist der Kern­punkt des Erziehungsproblems.

Es ist wohl keine Frage, daß eine Charakterer« ziehung, eineBildung" im edelsten Sinne, im Rahmen humanistischer Umgrenzung noch eher mög­lich ist, als In den Wissensvermittlungsanstalten auf realer" Grundlage. Alle Schulsysteme, die bei der Mannigfaltigkeit der Veranlagungen ihre Berechti- gung haben, müssen aber vom Geiste deutscher Wis­sens- und Willensgestaltung beherrscht sein. Di« Geschichte deS deutschen Volkes mutz ebenso Gegen­wartsgut jedes Deutschen sein, wie die früher sträf­lich vernachlässigte Kenntnis vom Gesamtdeutschtum, seinem Schicksal in ber Vergangenheit und seinen Daseinskämpfen in ber Gegenwart, diesseits unb jenseits aller vergangenen unb gegenwärtigen wärtigen Staatsgrenzen. Spranger hat in einem Vortrag tm Verein für das Deutschtum tm Aus­lande betont, baß bie Gesamter;tehung in all«« Unterrichtsfächern tm Sinne dieses Deutschgebanken» stehen muß, daß selbst bie Mathematik unb Rat»» ! Wissenschaft bewußter Deutschbildung biene« te*x j unb muß. Wie weit man in Fachkreisen von dieser ! allein richtigen Auffassung entfernt ist, beweist die Aeußemng des Professors Fraenkel-Kiel auf bet Gymuasialtagung, baß ber Lateinunterricht um Hirn- melswillen nicht zu verkappter Deutschkuude wer­ben dürfe.

Rosegger schreibt einmal über Erziehung und Unterricht:Der Unterricht sage den Kindern, toi« die Welt nach unsrer Erfahrung ist... Man ttnnt« etntoenben, bas Wesen ber Welt bebinge bie Welt­anschauung ... Ich antwortete: Die Beschauung eines Dinges hängt ganz vom Standpunkte ab, auf dem der Beschauer steht. Es ist vom Menschen einmal nicht zu verlangen, baß er sich selbstlos über sich unb bie äußere Welt stelle; beim baS Auge, mit bem er schaut, da» Gehirn, mit dem er denkt, ist allzu menschlich." Da diese Subjektivität der Bil- dungSÜbermittlung schlechterdings nicht bestritten werden kann, so ist es selbstverständlich, daß wir als Deutsche alle» mit deutschen Augen sehen, mit deutschen Hirnen durchdenken. Da» Erziehungsziel, das heut« noch im weiten Felde liegt, bleibt ber reife, in sich ruhenb«, seiner Art bewußte deutsche Mensch!

Sie Reform »er Wmn MmwrsenS

Da« preußische Äultueminifterlum veröffent­licht jetzt die angekündigtenRichtlinien für die Lehr- plane der höheren Schulen in Preußen". Diese grün­den sich auf die unter dem Ministerium Beelitz ver­öffentlicht«, vielfach stark an«.-griff ene Dentichriit übet die Reuordnung bes preußischen höheren Schulwesens, und enthalten da»n die praktischen Stnweiie und An­ordnungen. Trotz de» Wechsel, am Kabinett ist es als« im wesentlichen M den Plänen bet »alksparteiliche»